41. Kopflos

Der Schriftsteller Hermann Hesse ( 2.7.1877 – 9.8.1962 ) , einer der meistgelesenen und meistübersetzten deutschen Schriftsteller des 20.Jahrhunderts, schrieb 1947 sein humoristisches „Spar-Gesundheitspaket“ ? – (Kopflos). Mit Augenzwinkern zu lesen / Gießener Zeitung

40. Soziale Lage der Künstler

Zwischenbericht der Arbeitsgruppe zur sozialen Lage der Künstler.

37 Prozent aller Künstler leben unter der Armutsgrenze.

Wien. Der Schrecken vieler Eltern: Ihr Sprössling möchte sein Leben der Kunst widmen. Der sprichwörtlich brotlosen Kunst, die schon lange als Berufsfeld einen umstrittenen Ruf genießt. So bemerkte Salomon Heine über seinen Neffen Heinrich: „Hätten gelernt machen Geschäfte, hätten nicht brauchen schreiben Gedichte.“

Und Gotthold Ephraim Lessing schuf in seinem Trauerspiel „Emilia Galotti“ das bekannte Zitat auf die Frage „Was macht die Kunst?“, indem er den Hofmaler Conti antworten lässt: „Prinz, die Kunst geht nach Brot.“ Auch Martin Luther wird zitiert mit: „Kunst gehet itzt nach Brot, aber Brot wird ihr wieder nachlaufen und nicht finden.“  …

Das mittlere Nettoeinkommen von Kunstschaffenden in Österreich beträgt rund 1000 Euro monatlich und liegt damit nur knapp über der Armutsgefährdungsgrenze, 37 Prozent liegen sogar darunter (gegenüber 12,6 Prozent der Gesamtbevölkerung und sieben Prozent der Erwerbstätigen). …

Besonders dramatisch ist die Situation von Künstlerinnen: „Zwei Drittel aller weiblichen Kunstschaffenden können von ihrem künstlerischen Einkommen nicht leben – dieses beträgt weniger als 6657 Euro pro Jahr“, heißt es in der Studie. / Verena Franke, Wiener Zeitung

39. Der Karl May der Lyrik

Ein weiteres Thema dieser Sonntagsmatinée war der 200. Geburtstag des Dichters und Übersetzers Ferdinand Freiligrath (1810 bis 1876) – neben Heinrich Heine und Georg Herwegh populärster Lyriker seiner Zeit und laut Krausnick Lieblingsdichter von Marlene Dietrich.

Krausnick gab einen biographischen Abriss von Freiligraths Schaffen und reichert Informatives mit Auszügen aus den Gedichten an. „O lieb, solang du lieben kannst!“ trieb nicht nur der Dietrich die Tränen in die Augen, vor allem seine Zeitgenossen waren von den „romantischen Gedichten des Karl May der Lyrik“ begeistert. So stieg Freiligrath schnell zu einem erfolgreichen Dichter auf, „der von seiner Lyrik sogar leben konnte“, wie Michail Krausnick betonte. / Südwest Presse

38. Josef Eberle al. Sebastian Blau al. Peter Squenz

Josef Eberle erhielt am 17. September 1945 die Lizenz der amerikanischen Militärregierung zur Herausgabe der Stuttgarter Zeitung. Nach mehrfachen Wechseln bei den Mitherausgebern wurde Eberle von 1954 bis 1971 alleiniger geschäftsführender Herausgeber der Zeitung, die er zu einer der profiliertesten Zeitungen Deutschlands und der bedeutendsten Zeitung in Südwestdeutschland auf- und ausbaute. Seit 1928 veröffentlichte Eberle regelmäßig Gedichte. Nach dem Berufsverbot 1933 durch die Nationalsozialisten gab er unter dem Pseudonym Sebastian Blau schwäbische Lyrik heraus. 1933 erschien sein erster Gedichtband „Kugelfuhr“, 1934 „Feierobed“, 1942 der „Rottenburger Bilderbogen“, 1946 „Die schwäbischen Gedichte des Sebastian Blau“ und die „Rottenburger Hauspostille“. In seiner Zeitung veröffentlichte Eberle hochdeutsche Gedichte unter dem Pseudonym Peter Squenz. Seit 1954 verfasste er zudem Gedichte in Latein. 1973 erschienen weitere Dialektgedichte unter dem Titel „Schwäbischer Herbst“ und 1981 „Sebastian Blau·s Schwobespiagel“. 1986 verstarb er. / Eva Herschmann, Stuttgarter Zeitung / Fellbacher Zeitung 8.7.

37. Im Beiläufigen

Der 1948 im schlesischen Wałbrzych geborene Lyriker, Übersetzer und Essayist Piotr Sommer, der heute als Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Literatura na Świecie“ (Literatur in der Welt) in der Nähe von Warschau lebt, mag ein ernstes Gesicht haben, wie er einmal schreibt, doch dahinter brütet die Ironie. Mit feinem Gespür für die Kraft der Einzelheiten findet er das Wesentliche im Beiläufigen: in ironischen Pointen, sprachlichen Vorlieben, absurden Details oder kleinen Erinnerungen – eine Kunst, mit der er als Gast des Berliner Künstlerprogramms 2007 auch hierzulande viele Freunde fand. Ein scheinbar harmloses Ereignis aus der Vergangenheit kann Anlass sein zu einer Erzählung, in der das Kleinste zum wichtigsten Ding der Welt wird. Es ist wie mit jenen Lieblingsgeschichten, die einmal beschworen werden: „In dreißig Jahren, denken wir, wird niemand / Grund haben, auf diesen Augenblick / zurückzukommen, und doch wird der schamlos / Jüngste, der daneben stand, ihn von da an / vor Augen haben, als wäre es gestern gewesen“. / Nico Bleutge, Tagesspiegel

Piotr Sommer:
Im Dunkeln auch.
Gedichte. Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall.
Matthes & Seitz, Berlin 2010. 216 Seiten, 24,80 €.

36. Dreiländeroper

Der erste Akt des grenzüberschreitenden trinationalen Multimediaprojekts „Dreiländeroper“ spielte im elsässischen Saint-Louis, der zweite auf einer Bootsfahrt im Basler Hafen, der dritte Akt war ein „Widerhall im Stimmenland“ und führte in den Burghof Lörrach. …

Die beiden Schauspieler, die Straßburgerin Christine Wolff und der Schweizer Stephan Bürgi, lesen Textauszüge aus Hölderlins spätem hymnischem Gedicht „Der Rhein“ von 1808 und den Notizen einer Rheinreise des französischen Dichters und Romanciers Victor Hugo von 1839/40, die mehr als nur ein Reisebericht sind und in bilderreichen Beschreibungen Stimmungen wiedergeben. / Südkurier Hochrhein

35. American Life in Poetry: Column 276

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

I live in Nebraska, where we have a town named Homer. Such a humble, homely name and, as it happens, the poet Donal Heffernan is from Homer, and here’s his hymn to the town and its history. Long live Homer. And while we’re celebrating Nebraska towns, let’s throw in Edgar, too.

My Hometown

Oh, Homer!
Your village sleeps near the Missouri River
With your cousin Winnebago, both children of Lakotaland.
You kept your town at two stories, as flat as the surrounding prairie.
You taught the Iliad and Odyssey in honor of your namesake poet.
Your spirit outlasted the bleached fields of the Depression, and
Bravely swam against the raging Omaha Creek floods.
On warm, wet spring Saturday nights,
You provided dark places for your young
To launch your next generation
In pickups, unlighted.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Donal Heffernan, whose most recent book of poetry is Duets of Motion, Lone Oak Press, 2001. Poem reprinted by permission of Donal Heffernan. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

34. Meine Anthologie 52: Georg Heym, Der Dichter

DER DICHTER

Einem Dichter müssen spenden
Alle, die sich ihm gesellen,
Daß ihm aus gefüllten Händen
Wiedrum wunderbar entquellen
00Die Gesänge sonder Zahl.

Und er weiß es nicht, von wannen
Ihm die Stimme seltsam tönet,
Doch er kann sie nimmer bannen,
Bis sie sich zum Lied verschönet
00Und sich bildet sonder Qual.

Ewig geht er voller Freuden,
Und der Seele Schmerzen fügen,
Und der Liebe tiefste Leiden
Sich in ihm, auf daß sie trügen
00Ihn in ein erhöhtes Reich.

Keins kann ihn so tief verwunden,
Daß es nicht Genesung trage
In sich schon in schwersten Stunden,
Ewig schwebt des Schicksals Waage
00Ihm mit beiden Schalen gleich.

Und er rastet in den Städten
An der Frommen trautem Herde,
Lächelnd naht er ungebeten,
Doch er weilet ohn Beschwerde,
00Und er schuldet keinen Dank.

Früh des Tages zieht er weiter.
Doch es söhnen gern sich wieder
Aus die lang verhaßten Streiter,
Und es ist, als ob die Lieder
00Um den Herd noch tönen lang.

(Oktober 1906)

Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Gesamtausgabe. Hg. Karl Ludwig Schneider. Bd. 1: Lyrik. Hamburg und München: Heinrich Ellermann 1964, S. 630.

33. Afrika Wunderhorn

Wer damit gerechnet hatte, dass deutsche Verlage die Fußball-WM in Südafrika zum Anlass für zahlreiche Neuerscheinungen nehmen würden, sieht sich weitgehend enttäuscht. … Neu sind lediglich südafrikanische Krimis, die die Verlage auf den Markt werfen.

[sagt der Autor, ergänzt dann aber:]

Der Heidelberger Wunderhorn Verlag startet eine neue Reihe AfrikaWunderhorn und eröffnet diese mutig mit einem Lyrikband der Johannesburger Poetin Lebogang Mashile. Schon angesichts der frappant fest gefügten Männlichkeitsposen in der Krimiliteratur wirkt Mashiles weibliche Perspektive angenehm erfrischend. Die Autorin schont dabei nicht mit Kritik am neuen Südafrika, in dem etliche Hoffnungen und Erwartungen noch uneingelöst blieben, weist den Individuen dabei aber ein hohes Maß an Eigenverantwortung zu. / Manfred Loimeier, Mannheimer Morgen

Lebogang Mashile bei L&Poe hier

8 Gedichte von der Autorin auf Englisch gelesen bei lyrikline

32. Fahrtenschreiber

In dieser Sichtweise – einer poetologisch-geographischen – ähnelt Oliver großen Kollegen wie zum Beispiel T. S. Eliot, Josif Brodski oder Czeslaw Milosz: Alle drei waren auf der Suche nach dem Arkadien unserer Tage. So auch Oliver: Mit dem feinen Unterschied, dass der Hausacher die Sprache vor allen Dingen wie eine Videokamera benutzt – da nimmt einer lyrisch-buntscheckige Momente auf, da wird nach Bildern gesucht, die unsere Augen und unsere Vorstellungskraft reizen.

Dabei handelt es sich um eine entpersonalisierte, vom Ego des Autors befreite Lyrik, die es dem Leser ermöglicht, die Welt zwar wie gewohnt, aber doch durch eine poetische Brille zu betrachten. Insofern ist José Oliver in erster Linie ein beschreibender und erzählender Dichter, der die Leser und die Welt nicht durch seine eigenen Gedanken und Urteile manipuliert. Mögen sie hier und da auch ans Licht kommen, so sind sie frei vom Schmerz eines enttäuschten Weltverbesserers, eines leidenden Ichs. / Artur Becker, FR 7.7.

José F.A. Oliver
„fahrtenschreiber“,
edition suhrkamp
D: 12,00 €
A: 12,40 €
CH: 21,70 sFr
Erschienen: 15.03.2010
edition suhrkamp 2604, Broschur, 135 Seiten
ISBN: 978-3-518-12604-2

31. Großes Wörterschießen!

Das Misstrauen, die Sprachskepsis erreicht um 1900 in Philosophie und Literatur einen Höhepunkt; der berühmteste aus solcher Skepsis hervorgegangene Epochentext ist Hofmannsthals Chandos-Brief 1902. Heute weniger bekannt, doch der Erinnerung durchaus würdig ist das radikale Sprachdenken von Fritz Mauthner. Ein hübsches Denkmal hat der von Mauthner zutiefst beeinflusste Christian Morgenstern dem Lehrmeister errichtet, und zwar in der satirischen Montage ‚Aus dem Anzeigenteil einer Tageszeitung des Jahres 2401‘. Auf Mittelachse gesetzt erscheint hier folgende Ankündigung: ‚Vorankündigung / 22. November Fritz-Mauthner-Tag 22. November / Spectaculum grande / Großes Wörterschießen! Preise bis zu 1000 M! / Mittelpunkt der Veranstaltung: / Zehnmaliges Erschießen des Wortes / ,Weltgeschichte“ / durch je zehn Scharfschützen / zehn deutscher Stämme. / Das Festcomité / der Vereinigung zur ordnungsgemäßen Erschießung / verurteilter Wörter.‘

Dies drückt sehr schön den Impuls des Mauthnerschen Misstrauens aus, die Wendung gegen den leeren, mehr noch: den faulenden, korrupten Begriff. Die Sprache muss gesäubert werden. Das rabiat Anarchische dieses Destruktionsvorhabens, in dem sich schon der Dadaismus anzukündigen scheint, hat aber nichts gemein mit völkischen Bestrebungen zur ‚Sprachreinigung‘, nicht das Fremde soll eliminiert werden, sondern das Dummgewordene, nicht das Undeutsche, sondern das Antisprachliche, das der vernünftigen Kognition Entgegenstehende. Die dreiste Simulation von Sinn durch die abgehalfterte Phrase, das ist es, was ‚erschossen‘ werden soll. …

In einem bekannten Gedicht, das der vierten der zu den Galgenliedern zusammengeschlossenen Sammlungen den Titel gab, ‚Der Gingganz‘, lässt Morgenstern zwei Gegenstände in einem Wandergespräch agieren: ‚Ein Stiefel wandern und sein Knecht /von Knickebühl gen Entenbrecht.‘ Bei der Unterhaltung zwischen einem Stiefel und dessen Stiefelknecht erwächst die Figuration des ‚Gingganz‘ aus der vom Stiefel gesprochenen Zeile: ‚Ich ging ganz in Gedanken hin.‘ Der Sammlung setzt Morgenstern nun den Satz voraus: ‚Gingganz ist einfach ein deutsches Wort für Ideologe‘, was die Entschuldigung des Stiefels unnachgiebig kommentiert. Denn Versunkenheit in Gedanken heißt genau deren Kontaminierung durch die trügerische Logik der Sprache: ‚Urplötzlich auf dem Felde drauß / begehrt der Stiefel: Zieh mich aus!‘ / Joachim Kalka, SZ 28.6.

30. EEE-Teil 5: VON DER ALLMÄHLICHEN VERFERTIGUNG EINES GEDICHTES BEIM SPRECHEN: LIVE-LYRIK „ON BOAT“ WAR TROTZ LIVE-FUßBALL EIN GROßER ERFOLG!

De Toys improvisierte über den Sonnenball als „große Schwester“ beim 12. Kunst- und Kulturfestival „48 Stunden Neukölln“ 2010

„So habe ich fast jeden Morgen beim ersten Erwachen das Gefühl, daß mir der Sinn des Lebens vollkommen klar ist, daß ich selbst und daß das Universum ein Ding höchster Einfachheit ist. ‚ICH‘ und ‚DAS, WAS IST‘ sind dasselbe. (…) Ich könnte sagen, daß ich aus demselben Stoff gemacht bin wie das Universum und daß es einfach nichts gibt, was besonders erlangt, verwirklicht oder ausgeführt werden muß. (…) Ich habe Leute vor den Kopf gestoßen, die meine Seminare besuchten, weil sie einen international berühmten Philosophen hören wollten, und statt dessen nur aufgefordert wurden, natürlich zu atmen und zu summen, damit ihre Stimme den Weg des geringsten Widerstands gehe wie fließendes Wasser.“
Alan Watts (1915-73), in: ZEIT ZU LEBEN (1972)

G&GN-INSTITUT BERLIN-NEUKÖLLN / Am Sonntag, den 27.6.2010 legte die Spree-Prinzessin um 18 Uhr letztmalig ab, um den Berliner Landwehrkanal auf der Höhe Dreiländereck (Neukölln-Kreuzberg-Treptow) eine Stunde lang im Rahmen des diesjährigen 12. Kunst- und Kulturfestivals „48 Stunden Neukölln“ mit einer Lesung der ungewöhnlichen Art zu beschallen: Gemäß seiner Totalimprovisationsmethode Free Word Jam (Theorie: www.freewordjam.de) „channelte“ der frühere Slampoet & Ex-Socialbeat-Dichter Tom de Toys auf quasi-telepathische Weise ein spontanes hochgradig esoterisches Live-Gedicht zum vorgegebenen Motto „Erinnerung“. Bereits 2007 hatte er den irdischen Ozean in der Lyrikmail #1502 anläßlich des „Internationalen Tages des Wassers im UNO-Jahr des Delfins“ (22.3.2007) als Schwester bezeichnet und dabei eine kybernetische Dissoziation mit der Metapher der Leere als omnipräsente Mitte gewagt:

„…ozean oh meine große / schwester ozean / wir trinken dich / wir trinken uns / wir atmen diese leere / mitte überall…“
Auszug aus dem 40.Jubiläums-E.S.-Beispiel: „ÜBER(ARM)ENDE“
(c) De Toys, 16.+24.8.2006; Quelle:
http://www.lyrikpost.de/blog/category/alle-autoren-bei-lyrikmail/tom-de-toys/page/2/

In der Live-Improvisation vom 27.6.10 erweitert Tom de Toys das Thema Ozean vier Jahre später hin zum alles durchdringenden überblauen kosmischen Urmonster und benennt nun in der Minute 2:17-3:09 den Lichtball Sonne als „große Schwester“, während ein synchrones Autohupkonzert auf der Straße vom Ufer her an das soeben siegreich beendete Fußballspiel erinnert:

„…und es gibt ein feuer in diesem wasser / eine feuer das glüht mehr in den herzen / als jeder andere ball / dieser ball ist aus reinem licht / und er leuchtet für uns / seit jahrmilliarden lichtjahren / auf dem weg auf dem weg / in sein eigenes vergessen / / ja du meine große schwester sonne / auch du wirst dich eines tages vergessen / du wirst dich verschlucken an dir selbst / und es wird kalt werden / in dieser galaxie / so kalt wie es schon vor anbeginn war / als wir noch gar nicht wußten / daß wir kommen würden / aber jetzt sind wir da / meine damen und herren / das ist der planet erde / links das blau / und rechts das blau / und unten blau / und oben blau / wir sind durchdrungen von dem kosmischen wasser…“
Exklusives L&Poe-Preview aus: „DAS KOSMISCHE URMONSTER (JEDER MENSCH IST EIN ENGEL)“
(c) De Toys, 27.6.2010, 18:16-18:34h; Quelle:
http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=483273196&blogId=536740275

Dank des kongenialen Filmmitschnitts im Stile der „Mobilen Meditationen“ (Sammlung: www.mobilemeditation.de), die der Dichter in seiner Freizeit selber von Wasserreflexionen dreht, liegt nun eine vollständige 3-teilige Video-Dokumentation des stimmgewaltigen 18-minütigen Auftritts vor, ohne die der live kreierte Text nicht mehr existieren würde. Der Anfang des Sprechspektakels (Teil 1) ist auch auf YouTube zu erleben:


http://www.youtube.com/watch?v=9q7GnFEUwRo

Die komplette Abschrift des Textes erscheint im Laufe der nächsten Tage im myspace-Blog der Band „Das Rilke Radikal“ (www.NEUROLYRIK.de), weil sich die Lesung bzw „Sprechung“ als heimlicher Überraschungsgig des DR2-Urduos entpuppte, als sich plötzlich der Neurotrompeter Dr. Christoph Beringar alias Dr.B neben De Toys platzierte und ihn mit melodischen Effekten begleitete… Zwei Tage nach der Bootsfahrt schrieb Tom de Toys noch eine Art Nachspann zu den Stichwörtern „Sonne“ und „Ball“, wobei sein altes Thema der „leeren Mitte“ (sämtliche Materialien:www.TRANSRELIGIOSITAET.de) als Loch wieder auftaucht und den überblauen Bogen als Trilogie rund macht:

(c) Tom de Toys, 29.6.2010 (23:46h) gewidmet Hugo Ball, als
exklusive Erstveröffentlichung für GratZENs Lyrikzeitung:

WELTFORMELFREIER GESANG VOM GANZEN

(DIE INFLATION DER MATHEMATIK OHNE MYSTIK)

Die Erde ist rund
Der Mond ist rund
Die Sonne ist rund
Das Loch in der mitte der galaxie…
sogar Der Stein am strand
ist rund!
Der Hauptgedanke im hirn: ist rund.
Das Wort ist rund
Die Liebe ist rund
Der Ball und Der Deckel
sind ebenfalls rund
was sich ergänzt wird doppelt rund
denn alles WAS IST
ist sowieso rund
ein jedes bißchen
IST RUND
auch bißchen mehr ist richtig rund
und trotzdem bleibt Die Wahrheit
ein grenzenloser schlund
Die Erde ist rund
Der Mond ist rund
besonders Das Runde
IST IMMER schon rund
Die Sonne ist rund
Das Loch in der mitte der galaxie…

29. Poetry International Web

Die erste von zwei Juliausgaben von PIW (Poetry International Web) ist erschienen mit Dichtern aus Kolumbien (zweisprachig) und den USA. Es sind

aus Kolumbien

  • Eduardo Cote Lamus
  • Margarita Cardona

und aus den USA

  • Amy Beeder
  • Kay Ryan
  • Ron Silliman

Außerdem mit 45 Poetry Clips vom Poetry International Festival 2010 in Rotterdam.

Clip of the Month: THE CRY OF A MARE ABOUT TO BECOME A BUTTERFLY von Kamran Mir Hazar (Afghanistan)

28. DIE UNVERZICHTBARKEIT DER ZEITSCHRIFT

MICHAEL  BRAUN

Laudatio auf Andreas Heidtmann und den POET, anlässlich der Verleihung des Calwer Hermann-Hesse-Preises

In Wahrheit sind solche Zeitschriftenmenschen nur noch Randfiguren des literarischen Betriebs, literaturverrückte Einzelgänger und Sturköpfe, die sich von mageren Renditen nicht von ihrer Leidenschaft für die Literatur abbringen lassen und sich einen hartnäckigen Entdeckerehrgeiz für literarische Begabungen und vergessene Texte bewahrt haben. Zeitschriftenmacher wie Andreas Heidtmann aus Leipzig – das sind die letzten Abenteurer des Geistes, unterwegs nicht nur auf allen Kontinenten der Weltliteratur, sondern auch in den Winkeln der Provinz, um dort die unentdeckten Talente der Gegenwartsdichtung aufzuspüren. Andreas Heidtmann, der heute für sein Literaturmagazin POET mit dem Hermann-Hesse-Preis der Stadt Calw ausgezeichnet wird, hat seit 2005 gleich zwei literarische Horchposten errichtet, die zur Verbesserung unserer literarischen Infrastruktur beigetragen haben: Er hat mit dem „Poetenladen“ im Internet eine gut besuchte Plattform für Gegenwartsliteratur geschaffen, die einen im Getümmel der Newcomer, Novizen und ambitionierten Talente einen verlässlichen Überblick liefert. Und er hat 2007 mit dem Literaturmagazin POET eine Zeitschrift  gegründet, die auf jeweils rund 200 Seiten den allerjüngsten Metamorphosen der vielversprechenden Jungen Literatur auf sehr inspirierte Weise nachspürt.

Lesen Sie hier Michael Brauns Rede im Wortlaut

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27. Achim Wagner liest

Der Lyriker Achim Wagner schuf seinen „Galata-Gedichtzyklus“ in Istanbul. Dort verbrachte er sechs Monate als Stipendiat der Kunststiftung NRW. Erstmals wird der Kölner Lyriker heute um 19.30 Uhr im Heine Haus an der Bolkerstraße 53 aus seinem Werk lesen. / Rheinische Post