Sonne und Mond spielen in der Dichtung seit mindestens 4.000 Jahren eine Rolle. Das muß man nicht belegen. Peter Rühmkorf hat über den Mondwahnsinn in der deutschen Literatur geschrieben. Hier ein paar nur sehr grob chronologisch sortierte Beispiele für die Sonne:
ISS-Gedichte gibts noch nicht so lang, aber es gibt sie. Vgl. hier und hier.
Hier nun ein Foto von gestern mit Mond und ISS vor der Sonne:
Für die einen holte Hübsch den Beatnik-Stil in die deutsche Sprache, für die anderen stand er schlicht in der Tradition des Expressionismus. Unter dem Pflaster lag der Strand, Marokko war der Nabel der Welt und LSD war im falschen Leben immer noch die bessere Wahl als RAF, DDR oder CDU. Doch im Kalten Krieg blieb es unbehaglich, auch in der Kommune 1 fand Hübsch wohl eher den Schrebergartenverein auf Hasch als eine Lebensgemeinschaft neuen Typs.
Während manch einer seiner damaligen Weggefährten auf einem Trip oder gleich in der Psychiatrie hängen blieb, fand Hübsch zum Islam. / Timotheus Schneidegger, Lichtwolf
(Lichtwolf kündigt an, in den nächsten Ausgaben einige der letzten Texte von Hadayatullah Hübsch zu veröffentlichen)
Mehr: Frankfurter Neue Presse /
Freunde der isländischen Pop-Sirene Björk sollten sich den Abend des 12. Januar vormerken. Der Lyriker Sjón – eigentlich Sigurjón Birgir Sigurðsson – kommt zu einer Lesung ins Wilhelmshorster Peter-Huchel-Haus. Für Björk hat der Schriftsteller einige Liedtexte geschrieben, außerdem machte er sich einen Namen, als er zu dem Lars-von-Trier-Film „Dancer in the Dark“ die Songtexte beisteuerte. Dafür wurde Sjón sogar für einen Oscar nominiert.
Mit Björk ist der Dichter seit seiner Jugend befreundet. Mit 15 Jahren gründete er in Reykjavík eine surrealistische Lyrikergruppe und veröffentlichte seinen ersten Band. Zu dieser Gruppe stieß bald die Sängerin und experimentierte in diesem intimen Rahmen mit Texten. / Märkische Allgemeine
Lesung/Performance Cabaret Voltaire Zürich
mit Ernesto Castillo (Lyriker) und Frédérique Loutz (Künstlerin)
Dienstag, 25. Januar 2011, 19.30 Uhr (Türöffnung 19.00 Uhr) im Cabaret Voltaire, Zürich.
Gratistickets können bei KATZ CONTEMPORARY bezogen werden.
CABARET VOLTAIRE
Spiegelgasse 1
CH-8001 Zürich

Die Schriftsteller Simbabwes sind geschockt, schreibt Beaven Tapureta in der Zeitung Newsday vom 4.1., über die Nachricht vom Tod des angesehenen Dichters Julius Sekai Chingono (65). Er wurde 1946 auf einer Farm geboren. Den größten Teil seines Lebens arbeitete er als Sprengmeister im Bergwerk. Er veröffentlichte Gedichte teils in der lokalen Sprache Shona, teils in Englisch.
Texte bei Poetry International Web
Am Morgen des 4. Januar 2011 starb Hadayatullah Hübsch im Alter von 64 Jahren. Hübsch war Aktivist der 68er-Bewegung. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit war er später Imam in einer Frankfurter Moschee. Zu seinen zahlreichen Büchern gehören die Gedichtbände „Macht den Weg frei“ (Horlemann-Verlag, 2002) und „Vorkriegsgedichte“ (Corvinus-Presse, 2003).
Während alle über den Tod von Eva Strittmatter schreiben, Fehlanzeige bisher bei Hadayatullah Hübsch. Nicht einmal die FAZ, für die er 8 Jahre geschrieben hat, bevor sie ihn, wie gesagt wurde, abservierten.
Das einzige Fundstück im „Journal Frankfurt„:
Am Morgen des 4. Januar sei Hadayatullah Hübsch „sanft entschlafen“, wie seine Familie in einem Brief mitteilt. Und sanft, das war er auch, dieser einstige Rebell, der 1969 zum Islam konvertierte als Anhänger der Ahmadiyya Muslim Jamaat. In der Sachsenhäuser Nuur-Moschee (Foto) leitete er als Imam das Freitagsgebet in deutscher Sprache. Für die Toleranz und die Verständigung zwischen Christentum und Islam setzte er sich ein. Zuvor war Hübsch in der 68er-Bewegung aktiv, auch in der Kommune 1.
Eine kurze Meldung bei buchmarkt.de ist nicht ganz frei von unfreiwilliger Komik:
Hadayatullah Hübsch war ehemaliger Aktivist der Achtundsechziger-Bewegung und eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Undergroundszene der Sechzigerjahre, wie sein Verlag gerade mitteilt.
Nein, ich kam spät nach Haus, ich wußte es nicht. Ich wollte gerade die Nachricht vom Tod des Schriftstellers Julius Sekai Chingono aus Simbabwe recherchieren, da kam eine Mail von Axel Kutsch: Eva Strittmatter und Hadayatullah Hübsch gestorben. Der Tod hält Ernte.
Zunächst einige Zitate aus Nachrufen auf Eva Strittmatter:
An Eva und Erwin Strittmatter erkannten viele nicht zuletzt: Man kann in der DDR auch DDR-fern leben. Mit Pferden, es waren manchmal fast 30, irgendwo draußen auf dem Land. Er schreibt. Sie schreibt.
Von dieser Genügsamkeit zu zweit, dieser scheinbaren Vollkommenheit im Elementaren ging eine Beruhigung aus. Es gab sie also, die Rückzugsorte. Aber das war nicht die ganze Wahrheit, vielleicht war es nicht einmal die halbe. Auch und erst recht nicht die über ihre Dichtung. Dass die schönen Worte so einfach aus dem Anblick des Schönen wachsen, glauben ohnehin nur die Leser. Und Eva Strittmatter hatte sie zu Tausenden, ja Hunderttausenden, fast von Anfang an. Welcher Jetztzeitdichter darf das von sich sagen, welcher überhaupt? Ist jeder Ruhm am Ende ein Missverständnis? / Kerstin Decker, Zeit online („Quelle: Tagesspiegel“) (sehen Sie auch die Leserkommentare!)
Für Eva Strittmatter blieb als Lyrikerin das Übersichtliche der Idylle die Freiheit des Schaffens: Natur, Liebe, Wechselfälle des Lebens. Doch sie wurde in der DDR gelesen, bewundert und ausgezeichnet. Nicht wenige im Publikum nannten sie „Mütterchen Strittmatter“.
Die Titelgebung der Bände war Programm. „Mondschnee liegt auf den Wiesen“ (1975), „Die eine Rose überwältigt alles“ (1977), „Zwiegespräch“ (1980), „Heliotrop“ (1983) oder „Unterm wechselnden Licht“ (1990), schließlich „Wildbirnenbaum“ aus dem Jahre 2009. …
Eva Strittmatters Bücher erreichten eine Auflage von zwei Millionen. Ein poetisches Gesamtbild erlaubt die Ausgabe des Aufbau Verlages „Sämtliche Gedichte“ aus dem Jahre 2006. / Jürgen Verdofsky, FR
Mehr: Spiegel / Berliner Kurier / NDR / Die Welt / Süddeutsche / Thüringische Landeszeitung / ND / DLR /
Do 6. Januar 20.00 Uhr, Mzin, Paul Gruner Straße 64, Leipzig
Johanna Schwedes liest aus ihrem Band: „Den Mond unterm Arm“. Außerdem stellen StudentInnen des deutschen Literaturinstitutes neue Texte vor.
Beim Celan-Kolloquium sprach er davon, dass „parallel zum jüdischen Leiden in Transnistrien“, wo Celans Eltern starben, die nach 130000 Menschen zählende deutsche Minderheit zuerst vom Moskauer Kommunismus dezimiert und danach von der Polizei-SS Himmlers wegen ihrer Glaubenstreue rücksichtslos schikaniert wurde. „Wer hat das Recht“, sagte Bergel, „dies doppelte Leiden zu verschweigen?“ In Kronstadt erinnerte er die rumänischen Kollegen an die deutsche Biografie der Stadt. Im Schiller-Kulturhaus schließlich sprach er, eingeführt von Frau Prof. Dr. Mariana Lăzărescu, im übervollen Saal vor allem an die – aus Kindern rumänischer Familien stammenden – Abiturklassen des „Goethe“-Lyzeums gewandt, von den Verbrechen der Gheorghiu-Dej-Ära (1945-1965), nachdem er einen einschlägigen Text aus seinem jüngsten Buch „Am Vorabend des Taifuns“ gelesen hatte.
In allen drei Fällen – so Bergel – „war ich erschrocken über das Ausmaß an Unkenntnis“. / Siebenbürgische Zeitung
Gedichte sind kurz und lassen sich nicht verfilmen. Das haben sie Romanen voraus. Schon so mancher literarische Geniestreich geriet unter die Räder eines Films, in dem die Handlung zwar rechtschaffen illustriert, der Geist der Erzählung aber nicht annähernd eingefangen wurde. „Howl – Das Geheul“ bildet hier eine doppelte Ausnahme: Die Filmemacher bringen mit Allen Ginsbergs „Howl“ ein ausuferndes, sich über dutzende Seiten erstreckendes Poem auf die Leinwand und nähern sich ihrer Vorlage sozusagen aus allen vier Himmelsrichtungen. / Michael Kohler, Filmdienst
Nicht nur den Verlag, sondern auch den Übersetzer hat Nora Iuga gewechselt: Der neue Roman der bekannten rumänischen Lyrikerin und Übersetzerin „Die Sechzigjährige und der junge Mann“ erschien bei Matthes & Seitz in der gelungenen Übersetzung von Eva Ruth Wemme. Darin erzählt eine alternde Schriftstellerin, besser gesagt Dichterin namens Anna ihre Erinnerungen.
Der jüngere Dichter bewundert sie. Die „Grande Dame der rumänischen Lyrik“ (S. 147) plaudert aus dem Nähkästchen und lässt ihn an ihrem Leben teilhaben. …
Dabei spielt Nora Iuga nicht nur mit veralteten Moralvorstellungen, sondern auch textuell mit den Perspektiven, sie wechselt recht freimütig von der ersten in die dritte Person, und somit baut sie eine Nähe auf zu Anna, um sie dann manchmal im gleichen Satz wieder zu zerstören und sich von ihr zu distanzieren. Und auch der grüne Blick ist vielleicht nur ein Produkt ihrer Vorstellungskraft, gesteht die Erzählerin an anderer Stelle. Wenn es diesen nicht gibt, dann verschwindet auch die Erzählerin, die der „Willkür [ihrer] Fiktion ausgeliefert [ist]“ (S. 117). Im Nachtrag distanziert sich die Erzählerin nochmal von der ganzen Geschichte „in dem augenblick, in dem man seine liebe in text verwandelt, verblasst die gelebte wirklichkeit“ (S. 184), ja das Papier der Geschichten eigne sich sogar für den Mülleimer. Nichtsdestotrotz überzeugen diese Bekenntnisse einer Junggebliebenen, der Plauderton einer alternden Frau, die schon viel erlebt hat, ist glaubhaft, und das aufreizende Spiel mit der Neugier und der angedichteten Begierde des grünen Blicks verleihen den Erinnerungen eine erotische Würze.
/ Edith Ottschofski, Siebenbürgische Zeitung
Nora Iuga, Die Sechzigjährige und der junge Mann. Roman. Aus dem Rumänischen von Eva Ruth Wemme, Berlin, Matthes & Seitz, 2010, 16,80 Euro
Janine Pommy Vega, Lyrikerin und Vertraute von Größen der Beat Generation wie Allen Ginsberg und Peter Orlovsky, die es in den 60er Jahren auf der Suche nach Transzendenz nach San Francisco und in den 80ern auf Pilgerfahrt zu Stätten neusteinzeitlicher Göttinnenverehrung verschlug, starb am 23.12. in ihrem Haus in Willow, N.Y. Sie wurde 68 Jahre alt.
Nachdem sie einen Artikel über die Beats gelesen hatte, eilte sie mit einer Schulfreundin in die Cedar Tavern in Greenwich Village, wo sie den Dichter Gregory Corso kennenlernte und über ihn Ginsberg und Orlovsky. Am Tag nach ihrem High School-Abschluß teilte sie ihrer Mutter mit, daß sie mit Ginsberg und Orlovsky in Greenwich Village leben wolle.
In den 70er Jahren begann sie in Gedichtworkshops in New Yorker Gefängnissen zu unterrichten. 1987 wurde sie Direktorin des Programms Incisions/Arts. Bis zu ihrem Tod arbeitete sie in den Gefängnissen in Napanoch und Woodbourne.
Bei Black Sparrow erschienen ihre letzten Gedichtbände, “Mad Dogs of Trieste” (2000) und “The Green Piano” (2005). / WILLIAM GRIMES, New York Times 3.1.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
In Iowa in the 1950’s, when we at last heard about pizza, my mother decided to make one for us. She rolled out bread dough, put catsup on it, and baked it. Voila! Pizza! And inexpensive, too. Here’s Grace Cavalieri, a poet and playwright who lives in Maryland, serving something similar and undoubtedly better.
Tomato Pies, 25 Cents
Tomato pies are what we called them, those days,
before Pizza came in,
at my Grandmother’s restaurant,
in Trenton New Jersey.
My grandfather is rolling meatballs
in the back. He studied to be a priest in Sicily but
saved his sister Maggie from marrying a bad guy
by coming to America.
Uncle Joey is rolling dough and spooning sauce.
Uncle Joey, is always scrubbed clean,
sobered up, in a white starched shirt, after
cops delivered him home just hours before.
The waitresses are helping
themselves to handfuls of cash out of the drawer,
playing the numbers with Moon Mullin
and Shad, sent in from Broad Street. 1942,
tomato pies with cheese, 25 cents.
With anchovies, large, 50 cents.
A whole dinner is 60 cents (before 6 pm).
How the soldiers, bussed in from Fort Dix,
would stand outside all the way down Warren Street,
waiting for this new taste treat,
young guys in uniform,
lined up and laughing, learning Italian,
before being shipped out to fight the last great war.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Grace Cavalieri from her most recent book of poetry, Sounds Like Something I Would Say, Goss 183 Casa Menendez, 2010. Reprinted by permission of Grace Cavalieri and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Saad bin Hammed bin Maged gewann den Lyrikwettbewerb auf der zu Jemen gehörigen Insel Sokotra, der in der letzten Dezemberwoche unter der Schirmherrschaft des Ministers für Wasser und Umwelt stattfand. Neun lokale Dichter trugen ihre Verse in der traditionellen Sokotri-Sprache vor. Der Wettbewerb hat das Ziel, die bedrohten sokotrischen Traditionen zu bewahren. / Yemen Post
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