Compiled by the Poetry Foundation’s Harriet Monroe Poetry Institute in collaboration with American University’s Center for Social Media and Washington College of Law
CHICAGO — The Poetry Foundation, publisher of Poetrymagazine, is pleased to announce the publication of “Code of Best Practices in Fair Use for Poetry.” The code, which aims to better facilitate poetic innovation and distribution by both clarifying fair use and anticipating potential clearance issues, was facilitated by Katharine Coles of the Harriet Monroe Poetry Institute, Patricia Aufderheide and Peter Jaszi of American University, and Jennifer Urban of the University of California, Berkeley School of Law.
Devised specifically by and for the poetry community, this best practices code will serve as a guide to reasonable and appropriate uses of copyrighted materials in new and old media. The document instructs poets, teachers, scholars, and others about the opportunities and limitations of fair use for assistance in preventing permissions conflicts. It is available for free download at www.poetryfoundation.org/fairuse and www.centerforsocialmedia.org/fair-use.
“This document,” says project advisor Lewis Hyde, “brings wonderful clarity to the otherwise opaque world of poetry permissions. It is a useful tool that should serve poets, critics, and publishers alike.” It also brings poets and poetry into the larger ongoing discussion about intellectual property and fair use. Like scholars, musicians, and other artists, poets are concerned both about protecting ownership of their work and about their ability to build on the works of others. “Anxiety and confusion over these issues are actually inhibiting both creative and scholarly work,” says the inaugural director of the Harriet Monroe Poetry Institute, Katharine Coles. “There is actually significant consensus within the community over what constitutes fair use in a number of different situations. We hope this document will help poets, scholars, and teachers feel more confident in their exercise of fair use rights.”
Poets and writers will find the free document a useful reference when confronted with questions about how to present new work derived from “found” material, such as erasures; how websites should go about sharing poetry online; and whether or not a performance of a poet’s work is permissible. Other issues, such as epigraphs, quotations in criticism, and cases of parody or satire, are also addressed in the document.
The document joins other codes—including those directed at the documentary filmmaking community and online video creators—on the Center for Social Media’s website at American University. “It is inspiring to see such a prestigious creative community assert their fair use rights,” says CSM director Patricia Aufderheide. Legal scholar Peter Jaszi, at the Washington College of Law at American University, notes: “The path to making the most of fair use in poetry has never looked so straightforward.” Jennifer Urban, of the University of California, Berkeley School of Law, says, “Poets’ thoughtful contribution to the family of community-based best practices is beneficial to us all.”
The code provides documentation of common understanding about best practices in fair use according to the poetry community and as supported by legal analysis. Work on this document resulted from research that the Harriet Monroe Poetry Institute’s working group did on copyright and fair use for its publication Poetry and New Media: A Users’ Guide, which was released in February 2010 and is also available for free download at www.poetryfoundation.org/newmediaproject.
Katharine Coles and Lewis Hyde are available for interviews about this project. Please call 312.799.8016 to schedule a time to speak with them.
Der Costa Book Award (früher Whitbread-Preis) wird in 2 Stufen vergeben: zuerst in den Einzelsparten Roman, Debüt, Biographie, Gedichtband und Kinderbuch, dann wird daraus ein Gesamtsieger gewählt. Selten, nur siebenmal in 40 Jahren, ist das der Gedichtband, in diesem Jahr trat der Fall zum zweitenmal in Folge ein. Die Lyrikerin Jo Shapcott gewann den Lyrikpreis und diese Woche auch den Gesamtpreis für ihren Band „Of Mutability“, in dem sie u.a. ihren Kampf gegen Brustkrebs verarbeitet.
Den Buchhandel erfreuts eher nicht. buchreport kommentiert:
So wie die Jury des Man Booker Prize for Fiction nur selten auf die Buchmacher hört, war auch die Verleihung des Costa Book of the Year Award 2011 eine riesengroße Überraschung: Nicht der hohe Favorit Edmund de Waal und seine Bestseller-Memoiren „The Hare With Amber Eyes“, sondern die Lyrikerin Jo Shapcott hatte am Dienstagabend in London die Nase mit einer klaren Mehrheit vorn.
… Die bei Faber erschienene Gedichtsammlung „Of Mutability“ ist Shapcotts erstes Buch seit zehn Jahren. Während der Jubel am Faber-Tisch groß war, zieht der britische Buchhandel, der de Waal favorisiert hatte, lange Gesichter. Zwar gilt der Costa ähnlich wie der Booker generell als „Königsmacher“, aber Lyrik hat auch auf der Insel keinen großen Markt.
Mehr: cbcnews /
»Das einzige, was ich noch wusste, war, du musst
um jeden Preis jetzt hellwach bleiben.«
Ann Cotten
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Montag, 31. Januar, 21 Uhr, Rumbalotte continua:
Schock Edition
Fünf mal zwölf Gedichte, herausgegeben von Kai Pohl.
Vorstellung der ersten Serie:
Die Autoren sind anwesend, lesen vor und spielen auf.
Für eine wunderbare (ursprünglich deutsche) Erfindung wurde schon vor 134 Jahren mit einem flotten Gedicht geworben: „Wenn dich ein Unbehagen quält / Und dir dein Wohlbefinden schmält, / So rat ich dir: Greif in die Tasche, / und kauf dir eine Wärmeflasche!“ / Main-Post
Der Verein „lauter niemand“ bietet mit einer jährlich erscheinenden Zeitschrift Nachwuchsdichtern die Möglichkeit, sich einem ersten Publikum zu präsentieren: „Wir wollen unbekannten Autoren eine Chance geben“, sagt der Vorsitzende Clemens Kuhnert (45), „aber auch Möglichkeiten schaffen, sich zu vernetzen.“Dafür gibt es neben der Zeitschrift das wöchentlich stattfindende „Literaturlabor“ (sonntags, 21 Uhr im Rumbalotte continua, Metzer Str. 9). Doch durch Miete, Druckkosten und einen Umzug des Büros sind Schulden aufgelaufen. Deshalb ruft der Verein heute zur Benefizveranstaltung. Renommierte Schriftsteller lesen zugunsten des Dichter-Nachwuchses. Neben Dückers unter anderem dabei: Torsten Schulz („Boxhagener Platz“), Kathrin Röggla („Wir schlafen nicht“) und Volker Braun („Hinze und Kunze“). / B.Z.
Mittwoch (!), 20.30 Uhr, „Max und Moritz“, Oranienstraße 162, Eintritt: 7 Euro.
Mit seinem Debüt „Das Boot“ (1935) wurde Luzi als Vertreter der jüngeren Generation sofort zum Repräsentanten des florentinischen Hermetismus ausgerufen – eine Etikettierung, die ihm selbst eher unrecht war.
Mit seinem preziösen Vokabular, den Latinismen, der Verankerung in der europäischen Tradition und einer tiefen Spiritualität unterlief Luzi, zunächst Lehrer und später Professor für französische Literatur, die hohlen Pathosformeln des Faschismus. Der Übersetzer Guido Schmidlin legt mit der Sammlung „Auf unsichtbarem Grunde“ jetzt erstmals eine Auswahl aus dem mittleren und späten Werk Luzis vor, die fünf verschiedenen, zwischen 1971 und 1995 entstandenen Bänden entnommen ist. / Maike Albath, DLR
Mario Luzi: „Auf unsichtbarem Grunde“, aus dem Italienischen übersetzt von Guido Schmidlin, Carl Hanser Verlag München 2010, 328 Seiten, 19,90 Euro
Chiellino, der gebürtige Kalabrese, der seit über 40 Jahren in Deutschland und seit 32 Jahren in Augsburg lebt, scheint angekommen zu sein im „Land der Fremde“, das er in so vielen Gedichten angesprochen hat.
In Lyrikbänden wie „Sich die Fremde nehmen“, „Mein fremder Alltag“ oder „Sehnsucht nach Sprache“ hat Chiellino, der in diesem Sommer 65 Jahre alt wird, in seinen charakteristischen kurzen Texten den alles andere als leichten Prozess der Emigration und des Hineinfindens in eine andere Kultur beleuchtet. Dabei spielte natürlich die soziale Situation der Zugewanderten eine große Rolle, und Chiellinos Gedichte hatten zunächst eine starke politische Note. Als Herausgeber von Anthologien wie „Die Reise hält an“ oder „Es gab einmal die Alpen“ gab der Literaturwissenschaftler, der an der Augsburger Universität unterrichtet, vielen Autoren anderer Muttersprache, die wie er nach Deutschland eingewandert sind, ein Forum. Chiellino, der durchaus als Mitbegründer der interkulturellen Literatur in Deutschland gelten kann, sei es gelungen, „die deutsche Sprache als einen Ort vieler Kulturen“ zu entwickeln, lobte einmal die Robert-Bosch-Stiftung. Der Adalbert-von-Chamisso-Preis würdigte hingegen vor allem den Lyriker. / Angela Bachmair, Augsburger Allgemeine
Gino Chiellino
„Landschaft aus Menschen und Tagen“
Hanser-Verlag, Reihe Lyrik-Kabinett
2010
Derek Walcott ist zurück: er erhält den T.S. Eliot Prize für Lyrik (£15,000) für den 2010 erschienenen Band White Egrets. Die Vorsitzende der Jury, die Lyrikerin Anne Stevenson, erklärte, daß die außergewöhnlich starke Shortlist es in diesem Jahr besonders schwer machte, einen Sieger zu finden.
Walcott veröffentlichte 1962 seinen ersten Gedichtband und wurde zum Stimmführer der karibischen Lyrik. Seitdem erschienen 18 Gedichtbände, darunter das epische Gedicht Omeros (1990). Neben vielen Preisen für englischsprachige Bücher erhielt er 1992 den Nobelpreis für Literatur.
Der Autor der Prague Post, Stephan Delbos, meint, daß es an der Zeit sei, daß Preisjurys risikofreudiger werden und jüngere Dichter wahrnehmen, die die Anerkennung und das Geld brauchen können, anstatt mehr Lorbeer auf schon preisgekrönte graue Häupter zu häufen.
Die GWK-Gesellschaft für Westfälische Kulturarbeit, Münster, schreibt als Veranstalter der MAGUS TAGE MÜNSTER (www.magus-tage.de) in diesem Jahr die 1. MAGUS PREISFRAGE aus.
Gesucht werden literarische oder wissenschaftliche Texte von maximal 30.000 Zeichen Länge, die auf die Frage nach dem Zusammenhang von VERNUNFT UND POESIE und Poesie antworten. Der beste Beitrag wird mit 4.000 Euro und einer Publikation dotiert. Bewerbungsschluss ist der 4. Juli 2011. Der Preis wird im Rahmen des MAGUS TAGES MÜNSTER 2011, voraussichtlich im Oktober 2011, verliehen. Die Ausschreibung der Magus-Preisfrage ist Teil der „MAGUS TAGE MÜNSTER“, die 2010 zum ersten Mal stattfanden. Im Ausgang von Johann Georg Hamann, dem „Magus in Norden“, reflektierten sie literarisch und wissenschaftlich interdisziplinär den Zusammenhang von Sprache und Denken.
Magus-Preisfrage 2011
„Ohne Wort, keine Vernunft – keine Welt“. Unter diesem Diktum Johann Georg Hamanns haben die 1. Magus Tage Münster 2010 aus unterschiedlichen Perspektiven nach dem Zusammenhang von Sprache, Denken und Wahrnehmung gefragt. Die 1. Magus-Preisfrage fokussiert dieses Thema auf die Poesie.
„Poesie ist die Muttersprache des menschlichen Geschlechts“, behauptet Johann Georg Hamann in seiner „Aesthetica in nuce“ (JGH: Sokratische Denkwürdigkeiten/Aesthetica in nuce. Reclam 1986, Bd. 926). Dem Dichter schreibt der „Magus in Norden“ 1762 in seiner „Rhapsodie in kabbalistischer Prose“ einen besonderen Wahrnehmungs- und Erkenntnismodus und der poetischen Sprache eine herausgehobene Funktion dabei zu, die „ausgestorbene Sprache der Natur von den Toten wieder aufzuwecken“.
In ihrer neuen Heimat Wollbach findet sie nicht nur die Ruhe, die sie fürs Übersetzen braucht, sondern auch ein neues Bild der Landschaften, die sie aus vielen der russischen Bücher kennt, die sie übersetzt. Ihre neueste Übersetzung, der Lyrikband „Wolkenrauch“ von Innokentij Annenskij, ist im vergangenen Herbst bei der renommierten Edition Rugerup erschienen. Am heutigen Mittwoch wird Jakobson in der Stadtbibliothek sowohl auf Deutsch als auch auf Weißrussisch daraus lesen und vom Leben und Schreiben des Schriftstellers erzählen. …
Das Übertragen von Gedichten in eine andere Sprache gilt als eine der schwierigsten und komplexesten Übersetzertätigkeiten überhaupt. Darum muss man, um einen Lyriker übersetzen zu wollen und können, einen Bezug zu ihm haben, sagt Martina Jakobson. Ihr Interesse habe Annenskij zum einen als Dichter zwischen den Welten von Symbolismus und Avantgarde geweckt, der oft klar in Inhalt und Sprache sei, manchmal aber auch voller Geheimnisse. Zum anderen binde sie die immer gültige Aktualität seiner Landschaftsmotive als Spiegel von Seelenzuständen an den Autor. …
Es sind aber nicht nur die Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts, die die Übersetzerin für Russisch, Weißrussisch und Französisch interessieren, sondern auch die junge und ganz junge Lyrik nicht-deutscher und deutscher Autoren. „Da lese ich alles, was auf den Markt kommt“, sagt Jakobson. Die Frische der Sprache und die in diesem Umgang entstehenden neuen Wortschöpfungen der zeitgenössischen Dichter inspirierten sie stark in ihrer Übersetzertätigkeit, sagt die Berlinerin. Wichtig ist ihr auch der Austausch mit den Zeitgenossen, das assoziative Gespräch und Denken, das sie für ihre Arbeit brauche und zu dem die Lyriker in ganz besonderem Maße in der Lage seien. Von Marion Poschmann zum Beispiel, die im April in Staufen den Peter-Huchel-Preis vom Südwestrundfunk verliehen bekommt, einen Literaturpreis für Lyrik, habe sie viel gelernt. / Claudia Gabler, Badische Zeitung 26.1.
Am Montag starb Peter Paul Zahl im Alter von 66 Jahren im Krankenhaus von Port Antonio auf der Insel Jamaika. Jörg Sundermeier schreibt in der taz:
Als dem 1944 in Mecklenburg geborenen Peter-Paul Zahl im Jahr 1980 der Literaturförderpreis der Freien Hansestadt Bremen verliehen wurde, saß dieser junge Autor schon seit rund acht Jahren im Knast. Als mutmaßlicher Terrorist. Er hatte sich im Jahr 1972 seiner Verhaftung widersetzt, dabei von der Schusswaffe Gebrauch gemacht und einen Polizisten schwer verletzt.
Die Haftjahre nutzte Zahl, der bereits 1968 mit einem Buch in Erscheinung getreten war, zum Schreiben nicht nur politischer Texte. 1979 erschien dann schließlich sein berühmtester Roman „Die Glücklichen“, in der Zahl eine Alternativkultur beschrieb, die viele, die von den Utopien der Jahre 68 ff. geprägt waren, sehr gut kannten. „Die Glücklichen“ wurde zum Kultbuch.
Der im Dezember letzten Jahres verstorbene Peter O. Chotjewitz, der nicht nur Schriftstellerkollege, sondern auch Zahls Anwalt war, erinnerte sich vor einigen Jahren, dass er Zahl – obschon dieser immerhin wegen versuchten Mordes in zwei Fällen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war und als politischer Häftling galt – einfach so mit dem Privatwagen aus der Haftanstalt abholen durfte. Chotjewitz, der selbst als Unterstützer der RAF angeklagt gewesen war, musste lediglich garantieren, den Häftling später auch brav wieder abzuliefern. Der Strafvollzug für Staatsfeinde war nach dem Deutschen Herbst des Jahres 1977 nicht immer ohne Witz.
Das steht bei FAZ.net:
Am 22. Mai 1976 veröffentlichte diese Zeitung in der „Frankfurter Anthologie“ das Gedicht eines Mannes, der damals im Gefängnis saß – von Peter Paul Zahl. Es hieß „mittel der obrigkeit“ – die Kleinschreibung und der Verzicht auf Interpunktion waren Stilmittel – und handelte von schlagenden Polizisten. Zahl sah die reine Brutalität: „man muss sie gesehen haben / diese gesichter unter dem tschako / während der schläge“. Sie schlagen weiter, und im gleichen Rhythmus ergeht die Aufforderung zum Blick in ihre Gesichter.
In L&Poe
Lesung aus der Anthologie „Es gibt eine andere Welt“
mit Jayne-Ann Igel und Jan Kuhlbrodt, Moderation Elke Erb
Sachsen – ein Land der Dichter. Das ist immer wieder zu hören oder zu lesen. Mit der vorliegenden Anthologie haben die Herausgeber Andreas Altmann und Axel Helbig versucht, dieser begründeten Vermutung nachzugehen. Dabei ist ein gleichermaßen lesbares wie umfassendes Gedichtbuch entstanden, das die Qualität eines Standardwerks besitzt. Es bekennt sich zu seiner literarischen Verortung in Sachsen und zeigt zugleich ein überregionales dichterisches Panorama auf. Der Leser mag staunen, wie viele Dichter ihm hier be gegnen, die die deutschsprachige Gegenwartsdichtung schlechthin präsentieren.
Veranstalter: POETENLADEN Verlag und Stadtbibliothek Chemnitz
Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz
Donnerstag, 27. Januar, 20:00 Uhr
Tietz-Cafè, Eintritt: 5,- / ermäßigt 3,- €
Kartenreservierung unter Tel: 0371 488 4366
Seit im Frühjahr 2010 ein Foto auftauchte, auf dem manche den Dichter (bzw. den ehemaligen Dichter und nunmehrigen Waffenhändler) auf einer Terrasse in Aden erkennen, ist das heiß umstritten. Ein neues Gegengutachten versucht dies zu entkräften. Der Rimbaudbiograph Jean-Jacques Lefrère widerspricht im Nouvel Obs. (Rimbaud ist oder soll sein der Zweite von rechts)
Die Lyrik ist eine gefährliche Sache. INNEN und AUSSEN drohen Mißverhalten und Mißverstand. Stefan Heuer hat das Lob hinter seinen gar nicht tänzerischen Schwerthieben fast versteckt. Im 11. und 12. Satz (ich fange hier mit dem 3. an) kommt es aber gottlob doch (und mit Biermann möchte man ihm zurufen: Du lob mal wieder ohne Bitterkeit).
Doch nicht nur IN, sondern vor allem auch in Sekundärliteratur ÜBER Gedichte wird ohne Unterlass Fragwürdiges geschrieben. Vor allem die an verschiedenen Stellen immer mal wieder gestreute, auf welcher Berechtigung auch immer fußende elitäre Behauptung, Gedichte könne nur genießen, wer über einen entsprechenden akademischen Background verfüge, sich mit dem Kanon auskenne und vergleichen und analysieren könne, ist natürlich Humbug. Es mag richtig sein, dass die Kenntnis von gesellschaftlichen und geschichtlichen Herleitungen und interliterarischem Kontext den Zugang zu einem Text erleichtern kann. Es mag auch richtig sein, dass der regelmäßige Lyrikkonsum das Gefühl für Vers und Metrik öffnet, aber dennoch: Ein jedes Gedicht ist ein neu zu bewertendes Unikat, ein Novum, in dem man sich nicht auskennen kann, ein neues Feld, das es mit Herz und Hirn zu erkunden gilt.
Nun gibt es Autorinnen und auch Autoren, die sich in ihren Gedichten monopoetisch einem Thema widmen. Unglücklicherweise führt diese Spezialisierung oftmals dazu, dass sich große Teile einer potentiellen Leserschaft als unwürdiger Laie vorkommen und damit ausgeschlossen und/oder ausgeladen fühlen. Martina Hefters bei kookbooks erschienener Gedichtband „Nach den Diskotheken“ (ihr Lyrikdebüt nach drei vorangegangenen Romanen in anderen Verlagen) begeht diesen Fehler nicht. Die von ihr in den Mittelpunkt ihrer Gedichte gestellte Differenz, die an vielen Stellen mit dem für sie bedeutsamen Körpergefühl des Tanzens eine Komplizenschaft eingeht, lässt den Leser erstaunlich nah an Körper und Seele heran. Die im Allgäu aufgewachsene Martina Hefter, die in München und Berlin in zeitgenössischem Tanz ausgebildet wurde, präsentiert ihre Gedichte eben so: tänzerisch, nur wenigen Einschränkungen unterworfen, im stetigen Wechselspiel von Bodenständigkeit und dem Griff in den Himmel, ernst und bedeutsam und gleichzeitig spielerisch und offen. Offen für alle, Tanz als Lehrstoff bleibt außen vor, eins zwei Wechselschritt, wie man es in der der Konfirmation vorgeschalteten Tanzstunde über sich ergehen lassen musste, immer wieder der gleiche Blues zu „In the army now“ von Status Quo, getrost kann man das vergessen, wenn man es nicht längst getan hat. Hier geht es um das wahre Leben, um das Daherschreiten der Pfauen, um Bewegungen in der Natur und in Gesellschaft. / cineastentreff
Martina Hefter: Nach den Diskotheken. Gedichte
Kookbooks 2010
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