Die Stotterbühne lädt ein: „Befreiungspoesie“ Jeannette Abée – Wolfgang Endler – Lydia Kraft – Elena Tüx – Rainer Wieczorek – und und und
… Traumjäger baden im Herbst meines Herzens, kaum greifen kann, neustes Neu – es wird Gehirn die Blutpumpmaschine und stirbt sich langsam aus: das Monarchieische in den letzten Bettlern großer Städte. Ängste schwinden, Knüppel zerfallen, Killermaschinen sind zerlacht. Neue Brüste strahlen ….
in Neukölln
mit:
—
Rainer Wieczorek (Künstler/Soziologe/DADAsoph) www.rainerwieczorek.de
Ich war wohl ein Dreivierteljahr nicht bei Facebook. Ist das schon asozial? Wohl.
Jedenfalls muß ich feststellen: Facebook hat sich während meiner Abwesenheit in ein total poetisches Medium verwandelt?! Das erste, was ich sehe: Richard Duraj hat eine Shakespeare-Version gedichtet und seit 2 Stunden diskutiert man über den Vers unter Berücksichtigung der Erbtheorie… nicht schlecht.
Immer, wenn sie seine Gedichte liest, fühlt sie den Schmerz über seinen zu frühen Tod. Die Schauspielerin Katharina Thalbach hat das vor drei Jahren einmal in einem Interview mit der „Zeit“ zugegeben. Dennoch liest sie die Gedichte von Thomas Brasch immer wieder öffentlich – so auch am Samstag beim „Hörfest“ im Literaturhaus. Denn in der Kunst, sagte sie in jenem Interview, könne sie sich die Distanz nehmen, um ihm zu begegnen. Das empfinde sie als großes Glück. „Brasch war – und ist – der wichtigste Mann in meinem Leben“, sagt Katharina Thalbach gleich zu Beginn der Lesung. Als 15-Jährige lernte sie den neun Jahre älteren Thomas Brasch auf dem 70. Geburtstag von Helene Weigel kennen. 33 Jahre lang war sie seine Lebensgefährtin. „Aus Liebe“ verließ sie mit ihm 1976 auch die DDR – das Paar hatte zuvor in einem offenen Brief gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann protestiert. / FR 9.2.
Jedes der 31 »Kapitel« der Anthologie entfaltet seine ganz eigene Sphäre. Das eine Mal erscheint diese real und nachvollziehbar, wie in vielen der Kurzgeschichten und Romanauszüge, ein anderes Mal surreal und abstrakt – zum Beispiel bei der Lyrik. Wenn es in »Witterung« von Nadja Wünsche heißt:
das herz wird in flussrichtung eröffnet
wetterwendisch leuchten die räume
ein kreuzgewölbe auf hohlkehlen
ruht und dächer verfallen
dem glauben an fundamentales
Oder in Sebastian Polmans »hier«:
auch hier sind die ränder schwarz
nur knicke knäule kanten schwer
zu verstehen ist darum das einzige
nämlich die räume die reste vom
verbrannten papier das auch heute
immer noch die schafe besänftigt
wenn von einer flanke alles bellt
Dann kann man lediglich mutmaßen, was die Autoren hinter den Schleiern von Melancholie und Ausdrucksfülle mitteilen. Die durchaus wortschönen Erzeugnisse der immerhin vier Lyriker sind demnach mehr etwas für Liebhaber des Kryptischen und modernen Dichtens. …
Landpartie nullneun ist eine gelungene Anthologie, die den Zeitgeist der jungen Studentengeneration wiedergibt und Lust auf mehr Frische in den Buchhandlungen macht. / Gesine Engels, Kritische Ausgabe 9.2.
Landpartie nullneun. Die Literarische Jahresanthologie des Hildesheimer Studiengangs Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. Hrsg. v. Clara Ehrenwerth u. Phillip Hartwig. Hildesheim: Edition Pæchterhaus 2009. ISBN 978-3-9413292-04-5. 9,90 Euro.
Die isländische Schriftstellerin Steinunn Sigurdardottir erklärt Deutschland zum „Wunderland für Lyrik“: „das einzige Land, wo Lyrik verkaufbar ist“. Michael Braun schreibt über die „dunkleren Traditionen des Leonce-und-Lena-Wettbewerbs“, dazu gehöre „die Ignoranz der Vorjurys, die mit blamabler Beharrlichkeit die interessanten jungen Dichter dieser Jahre einfach übersahen“. Thomas Kling zum Beispiel.
scheinschlag hat Ansichten zu „Matthias“ BAADER Holst, „Untergrundpoet, Punk, Anarchist, Vagant, Dadaist, radikaler Künstler, Rebell“, aber auch ein
performender Dichter mit asketischem Körper, ungezügeltem Intellekt und dem Machtapparat einer Sprache, die nicht leicht mit ihm zu teilen war. Den Kopf kahl rasiert wie einer, der das Äußere ganz von sich abschneiden will. Ein Nosferatu-Typ, auratisch, mit einer hohl klingenden, dunklen Orakelstimme. Eine wie der Dadaist Johannes Baader „charismatische Begnadung“.
Die englische Lyrik beginnt mit Runen, Rätseln und mit einem analphabetischen Schäfer, dem von einem Engel aufgetragen wird, Loblieder auf Gott zu singen: Caedmon.
Die Greifswalder Literaturzeitschrift „Wiecker Bote“ stellt ihre Autoren Angelika Janz und Richard Anders während der Leipziger Frühjahrsmesse im Gohliser Schlößchen vor. Angelika Janz liest aus dem in Vorbereitung befindlichen Lyrikband „Unter Strom im Frühlicht“. Richard Anders liest Gedichte und poetologische Texte unter dem nicht zufällig an André Breton erinnernden Titel „Wolkenlesen“.
Ingrid Fichtners Gedichte wehen von irgendwo her. Und einen Schlusspunkt setzen sie selten. Kito Lorenc schreibt im Widerschein des Sorbischen und Karel Hynek Mácha ist der Heine der Tschechen.
Es starben der Petersburger Nonkonformist Viktor Kriwulin, der Amerikaner A.R. Ammons (schon am 25. Februar) und die kubanische Dichterin Rafaela Chacon Nardi.
Für Brinkmann ist es nie zu spät, meint die Berliner Volksbühne, und die Hamburger „Welt“ weiß, daß Lyrik nicht „quälende Unverständlichkeit“ heißt. Unter der Überschrift „Als wir alle Brandstifter waren“ schreibt der serbisch-amerikanische Lyriker Charles Simic über seine Joschka-Jahre (und meint nicht „Joschkas“ Tätigkeit für Atomkonzerne). Auch Volker Braun gedenkt des Straßenkämpfers und schreibt in der FAZ (!) die Geschichte um:
Man mußte sich nur vorstellen, daß er, der Lismus, in den Westen käme. Undenkbar war das nicht. — Zuerst die Währungsreform, das war der Köder, der Umtausch der DM in Mark. 1 : 5, zugleich wurden die Preise gesenkt, Wahnsinn, die Mieten. Ein ständiger Sommerregen aus dem Staatshaushalt. Die Konzerne (Kombinate) der Plankommission unterstellt, je genauer die Planung, desto härter trifft uns der Zufall. Die Arbeitsämter geschlossen, „keine Leute“ hieß es auf einmal in Bochum. Die entbehrlichen Professoren ins Neuland geschickt, für die Buschzulage, gefestigte Gewi-Dozenten missionierten das Grundlagenstudium. Von Schnitzler, reaktiviert, übernahm es, das Bayerische Fernsehen auf Linie zu bringen. „Die Zukunft sitzt“, wie der Dichter Kunze sagt, „am Tische“.
Natürlich wurde uns Ost-Überheblichkeit nachgesagt, wenn wir drüben die Demokratie einführten. Dem Westler nützt ja nun, in dem fortgeschrittenen System, seine Erfahrung wenig, er mußte erst lernen, richtig zu denken, sich anzustellen und zu warten. Während wir, so ins Recht gesetzt, endgültig verblödeten und ihre Dienstjahre annullierten, weil wir neue Persönlichkeiten erzogen. … Und ich vergaß mal meine kritischen Ambitionen; wohingegen sie ihre linke Vergangenheit auftrugen, die Studienräte und Redakteure. Joschka Straßenkämpfer. … Und sie erlebten einmal eine Revolution.
Eines der grossen programmatischen Dichtwerke der klassischen Moderne wurde erneut zugänglich und lesbar gemacht mit «Eventail (für Stéphane Mallarmé)». Es gibt sie noch, die wagemutigen Verleger, zum Beispiel auch jene,
die Neues entdecken und jüngeren Talenten zum Durchbruch verhelfen, Verleger, denen Literatur und vor allem die anspruchsvolle Gattung Poetik persönlich noch etwas bedeuten. Urs Engeler ist einer von ihnen. Seit 1992 gibt er «Zwischen den Zeilen» heraus, eine «Zeitschrift für Gedichte und ihre Poetik», die sich in verhältnismässig kurzer Zeit durchsetzen konnte, weil sie es nicht allein beim Abdruck von Gedichten bewenden lässt, sondern die Autoren gleichzeitig auffordert, sich über ihr Geschaffenes essayistisch zu äussern.
Alle feiern die Dichterin Elisabeth Borchers zum 75. Geburtstag. Für die FAZ begann es mit einem Skandal, berichtet die FR:
Im Juli 1960 veröffentlichte die FAZ eia wasser regnet schlaf, ein Gedicht der zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Lyrikerin Elisabeth Borchers. Der Text, eine wunderbare, im Ton des Wiegenlieds gehaltene, zwischen Traum und Wirklichkeit oszillierende Imagination, die eine vermeintliche Begegnung mit einem „ertrunkenen Matrosen“ tatsächlich nur auf einer rein assoziativ arbeitenden Ebene anklingen lässt, erregte die Gemüter der Leser. Von einer „schizophren Stammelnden“ war die Rede, ja sogar einmal mehr von „entarteter Kunst“.
Ein junger Dichter, Jan Wagner, vermag es, den Alltag in Schönheit zu verwandeln, und der Tagesspiegel berichtet vom „Kuwaitischen Widerstand“, der klingt so:
„Ach, das Stöhnen dringt / aus dem tiefen Berg des Bewusstseins / und der verräterische Stich / enthüllt die Wut der Herzen.“ Deutsche Romantik? Nein: arabische Postmoderne. Die Verse … stammen von Khazna Buresly und finden sich in einer Lyrik-Anthologie, die zugleich politische Streitschrift ist. „Das Echo kuwaitischer Kreativität“, heißt sie.
Donnerstag, 10. Februar · 20:00 – 23:00
Literaturwerkstatt Berlin
Knaackstr. 97
Mit: Roman Graf (Berlin), Martina Hefter (Leipzig), Nadja Küchenmeister (Berlin) Moderation: Michael Braun (Literaturkritiker, Heidelberg)
Etwa fünfzehn Lyrik-Debüts erschienen im vergangenen Jahr im deutschsprachigen Raum, ein verschwindend geringer Anteil im Vergleich zu der enormen und stetig wachsenden Menge an Prosaliteratur. Drei der Autoren und Autorinnen, die es zum ersten Mal mit einem eigenen Lyrik-Band an die Öffentlichkeit geschafft haben, werden von Michael Braun an diesem Abend vorgestellt. Sie sprechen über ihre Arbeit und lesen aus ihren Texten.
Roman Graf (*1978 Winterthur, Schweiz) lebt als freier Autor in Berlin. Nach dem mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Romandebüt »Herr Blanc« erschien 2010 sein Lyrikdebüt »Zur Irrfahrt verführt« im Limmat Verlag. Im Zentrum des Buches finden sich Grafs Nachdichtungen der griechischen Dichterin Sappho.
Martina Hefter (*1965 Pfronten/Allgäu) debütierte bei kookbooks mit »Nach den Diskotheken« In ihren Gedichten lotet sie die Ähnlichkeiten von Körper und Sprache, von Tanzen und Denken aus. Neben der literarischen Arbeit, sie veröffentlichte u.a. drei Romane, beschäftigt sich die ausgebildete Tänzerin mit tänzerischen/choreographischen Projekten an der Schnittstelle von Text und Bewegung.
In Nadja Küchenmeisters (*1981 Berlin) Debüt »Alle Lichter« (Schöffling&Co) geht es um die ewigen Themen Leben und Sterben, Liebe und Einsamkeit. 2010 wurde der Band von der Darmstädter Jury zum Buch des Monats Juni 2010 gewählt. Überdies erhielt sie für ihr Werk das Hermann Lenz-Stipendium.
Die Auswahl der Autoren für diesen Abend übernahm der Literaturkritiker und Herausgeber zahlreicher Anthologien zeitgenössischer Lyrik Michael Braun.
Danach werden Dichter oft gefragt. Die einfache Antwort ist: nirgendwohin. Das kann nicht stimmen, denken Sie. Sie haben so viele Gedichte gelesen, in denen Dichter im Wald spazierengehen, im Heu herumrollen oder gar die Hölle besichtigen. Stimmt. Trotzdem ziehen die Dichter selten die Hausschuhe aus, selbst wenn sie im Krieg kämpfen. Homers Blindheit reicht als Beweis. Jeden dieser Augenzeugenberichte von Griechen und Trojanern, die sich gegenseitig abschlachten, ebenso wie die wundervollen Abenteuer des Odysseus im Mittelmeer hat Homer geträumt, während er darauf wartete, daß seine Frau das Essen aufträgt.
Klar bestreiten das manche Dichter. Hier in den Vereinigten Staaten sprechen wir mit Ehrfurcht von authentischer Erfahrung. / Charles Simic, New York Review of Books
„Den Westen malte er banal, den Osten bestenfalls trivial. Wovon er schrieb, das sah er nie, alles bloße Phantasie.“ … Roger Willemsen, bekannter Fernsehschaffender und Berufsintelektueller, trug im Rahmen eines Lesekonzerts, das er gemeinsam mit den Pianistinnen Anna und Ines Walachowski gestaltete, aus seinem Gedichtband „Ein Schuss, ein Schrei – Das Meiste von Karl May“ vor.
Darin komprimierte er 23 Bände zu ebenso vielen Gedichten, und das auf eine ironisch-amüsante Art. / Carolin Bietzker, Kölner Stadt-Anzeiger
| Anonymous. c. 1250
Cuckoo Song SUMER is icumen in, Awe bleteth after lomb, Cuccu, cuccu, well singes thu, cuccu: |
Arthur Quiller-Couch, ed. 1919. The Oxford Book of English Verse
|
Vielleicht hat jemand Lust, diesen Text in eine andere Sprache zu übertragen? Nachricht an mich . Und schönen Sommer! (Anm. 2001)
Das Mittelenglische ist für Deutsche mitunter leichter zu verstehen als für Briten (sterteth = stürzet, swike = schweige). Im Albatross Book of Living Verse v0n 1933 jedenfalls wird dieses Gedicht durch eine Übersetzung in modernes Englisch ergänzt. Die dritte Zeile der mittleren Strophe lautet da: „The bull rouses, the buck browses“ (der Bulle jagt los, der Bock weidet). Aber vermutlich haben die Kinder besser verstanden und gekichert.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I like this poem by 97-year-old Lois Beebe Hayna of Colorado for the way it captures restrained speech. The speaker spends most of her words in describing a season, but behind the changes of spring another significant change is suggested.
Brief Eden
For part of one strange year we lived
in a small house at the edge of a wood.
No neighbors, which suited us. Nobody
to ask questions. Except
for the one big question we went on
asking ourselves.
That spring
myriads of birds stopped over
briefly. Birds we’d never seen before, drawn
to our leafy quiet and our brook and because,
as we later learned, the place lay beneath
a flyway. Flocks appeared overnight—birds
brilliant or dull, with sharp beaks
or crossed bills, birds small
and enormous, all of them pausing
to gorge at the feeder, to rest their wings,
and disappear. Each flock seemed surer than we
of a destination. By the time we’d watched them
wing north in spring, then make
an anxious autumn return,
we too had pulled it together and we too moved
into what seemed to be our lives.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Lois Beebe Hayna, whose most recent book of poems is Keeping Still, Higganum Hill Books, 2005. Poem reprinted from The Greensboro Review, No. 86, Fall 2009, by permission of Lois Beebe Hayna and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
L&Poe berichtete im Februar 2001 über die Verleihung des Friedrich-Hölderlin-Preises an Dieter Wellershoff und des Preises für Europäischer Lyrik der Stadt Münster an Hugo Claus. Der spanische Dichter Jose Garcia Nieto, Träger des Cervantes-Literaturpreises, starb im Alter von 87 Jahren. Die „Zeit“ wird wieder kritisiert, aber es gibt auch Lesenswertes: Jens Jessen schreibt über Richard Wagner:
Unter den Großen, die uns die rumäniendeutsche Literatur im Moment ihres Verschwindens geschenkt hat, neben Herta Müller, Franz Hodjak, Werner Söllner, ist Richard Wagner der Bademeister. Er führt mit Abstand den weichesten Schwamm, aber in die Wanne wirft er dann den Föhn. In seinen Versen zischt und sprüht es, doch sanft, sanft und mitten in unserm Alltag, den er sauber schamponiert.
Mehrmals werden Elke Erb, Joseph Brodsky, Ossip Mandelstam und Rose Ausländer Gegenstand von Nachrichten. Es geht um den „polnischen Rimbaud“ Rafael Wojaczek und den deutschen Rolf Dieter Brinkmann ebenso wie um den slowakischen poèt maudit Ján Ondruš. Die slowakische Lyrik ist auch mit Peter Repka vertreten – beide erschienen deutsch in der Edition Thanhäuser. Just how good is he? Die Frage bezieht sich auf Eminem.
Und Walter Jens verteidigt Marie Luise Kaschnitz gegen Angela Merkel, die noch nicht Bundeskanzlerin war:
Frau von Kaschnitz und die 68er. Von Walter Jens
„Vor-den-Kopf-stoßen als erzdemokratische Tugend“ fordert der Tübinger Zeitkritiker Walter Jens im SPIEGEL-ONLINE-Essay. Dabei verknüpft er das gegenwärtige Gezeter über die 68er mit einer fast vergessenen Frankfurter Schriftstellerin.
Frau Merkel, mit ihren von keiner Kenntnis getrübten Attacken gegen die 68er, möge nachlesen, was Marie Luise Kaschnitz , die Demonstrantin auf der Bockenheimer Straße, gegen brutale Polizeieinsätze aufbegehrend, in jener Zeit schrieb… / Der Spiegel 2.2.01
Die Lyrikerin und Romanautorin Andrée Chedid, Mutter und Großmutter der Sänger Louis Chedid und Matthieu Chedid, alias M, starb in Paris im Alter von 90 Jahren, teilte ihr Verlag Flammarion am Montag mit.
Sie wurde am 20.3. 1920 in Kairo geboren. Sie gehörte zu einer Generation kosmopolitischer Intellektueller, die nach dem Krieg Frankreich als Heimat wählten und unserem Land den Gärstoff einer literarischen Erneuerung gaben, heißt es in einer Erklärung von Präsident Sarkozy. Auch Premierminister François Fillon und Kulturminister Frédéric Mitterrand gaben Erklärungen ab. / AFP
In Jamaika hatte er das gefunden, was ihn begeisterte: Geschichten von großen und kleinen Gaunern – und er mittendrin. Seinen humorvollen Blick auf diese Welt hat er bis zum Schluss behalten. „In der Bar da unten war vor einiger Zeit der Superintendent dieses Bezirks Portland“, so Zahl, „dem zu Ohren gekommen war, dass ich lange im Knast gesessen habe. Als sie hörten, das der Grund eine Schießerei mit Polizisten war, waren die beiden Polizisten echt betroffen. Und dann sagte der Polizist: Damals warst du ein ‚bad boy‘. Man muss wissen, dass das Wort ‚bad‘ in Jamaika sechs Steigerungsformen hat: bad, badder, baddest, worse, worserer, worserest.“ Selbst das Wort „bad“ habe bei Schwarzen eine völlig changierende Bedeutung, so Zahl. Einmal ist es ein Verbrecher, ‚bad boy‘ oder wie eben der Jimmy Cliff in dem Film ‚The Harder They Come‘ ein ganz eleganter, dufter Typ – zwar rough und tough, aber ein klasse Kerl. Diese Doppelbedeutung habe ich im Auge gehabt als er fragte: ‚Sind Sie damals ein bad boy gewesen. Was bist Du jetzt?‘ Jetzt bin ich noch badder.“ / Cornelius Janzen, 3sat
Neueste Kommentare