Wien. Heut nacht wurde eine strassenbahn gestohlen. Unbekannte fuhren damit stundenlang durch wien. In der frueh stands bei meiner ecke. Jetzt glauben alle: ich wars, weil auf einem sitz 2 meiner gedichte lagen! Helmut Seethaler www.facebook.com/zetteldichter
Das Folgende ist offensichtlich kein Aprilscherz und, ich fürchte, völlig ernst gemeint:
Prälat statt Prolet und Papst statt Paparazzi.
Quadragesima statt Quadbandsimsen.
Ritus statt Koitus.
Synode statt Synergie.
Tischlesung statt Dichterlesung.
Urbi et orbi statt Ulli im Obi.
Vatikan statt Vagina.
Wunder statt Plunder.
PaX statt DAX
Mystik statt Müsli.
Zölibat statt Z.
(Komisch: Schrift statt Schwanz, darauf kommen sie nicht. Männer!) Schöner könnte ich (gelernter Protestant) es auch nicht sagen, aber bei mir würden sies völlig zu Recht für böse Satire halten. (Wär ne schöne Welt: der Prälat müßte die Kohlen schippen, mal bildlich, und im Vatikan fänd Ritus statt, und es hieß PaparaZölibatZölibati, was noch lustiger wird, wenn man anfängt, auch den ersten Buchstaben vom Zölibat zu ersetzen: kann eim schwindlig von wern!)
Gefunden bei BKD (Bund Katholischer Dichter).
Dort gibts auch eine Umfrage:
Wer ist in Ihren Augen der größte katholische Dichter?
Peter Handke / Martin Mosebach / Hugo Ball / Angelus Silesius
Ich tippe auf Mosebach – obwohl, der Schelm hat doch’n Kissenbuch geschrieben. Bißchen bleiern, aber für ihn ganz schön schelmisch: „und das Schwert, das ich erhalte, / dient der Frau, der ich gehöre“. (Und wenn Gott protestantisch ist, wird er ihn bestrafen, nicht wegen dem bißchen Schwert, sondern weil er dem Czernin seine Gedichte hat taufen wollen).
Und wenn nicht: Gott und NL, auch Handke und Silesius, bei Ball weiß ich nicht genau, Konvertiten sind streng, werden mir verzeihen.
Quellenangaben:
Martin Mosebach: Das Kissenbuch. Gedichte und Zeichnungen. Insel Taschenbuch 2007 (S. 26)
Martin Mosebach: Zum Werk von Franz Josef Czernin. In: Czernin. staub. gefäße. gesammelte gedichte. München: Hanser 2008
Nachtrag zur Umfrage: Hugo Ball war vorn; aber da man das Ergebnis nur sieht, wenn man selbst abstimmt, hab ich Angelus Silesius eine Stimme gegeben, und damit zieht er mit Ball gleich. Der nächste ist Zünglein an der Waage (jetzt kein Wortspiel bitte).
„Da hört der Dichter auf, da fängt der ganz kleine Pinscher an.“ Keinem anderen als dem heutigen Jubilar galten 1965 diese starken Worte des damaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard, der sich wahnsinnig über dessen „Spiegel“-Essay „Der Klassenkampf ist nicht zu Ende“ echauffierte. Dass dies für Rolf Hochhuth immer noch nicht der Fall ist, beweisen sein unlängst erschienener Band „Essayistische Prosa und Gedichte“ und die Tatsache, dass er heute zu seinem 80. Geburtstag im russischen Wolgograd, dem einstigen Stalingrad, aus seinem Churchill-Drama „Soldaten“ liest, das 1967 schwer am Lack des historischen Schwergewichts kratzte. …
Er bewegte viel, mit seinem Text „Juristen“ 1979 etwa den baden-württembergischen Ministerpräsidenten und ehemaligen Marinerichter Hans Filbinger zum Rücktritt. … Ein sattes Land braucht solche Dichter und ein vom Enthüllungseifer beflügelter, radikaler Aufklärer hat alles Recht, anstrengend zu sein. Belächelt zu werden, galt Moralisten schon immer als Auszeichnung. / Ralf-Carl Langhals, Mannheimer Morgen 1.4.
Helena Beckers Papierschnitte zeigen Szenen aus Liechtenstein, vornehmlich architektonische Aspekte der elf Gemeinden, wie es in einem Pressetext zum Büchlein heisst. Ortstypische Tiere stehen im Vordergrund, Störche in Ruggell, Hasen in Schellenberg oder Maikäfer in Vaduz. Elf Papierschnitte, die nicht immer zu Stan Lafleurs Gedichten passen. Dies sei aber auch nicht die Absicht gewesen, denn Texte und Bilder entstanden «zu weit überwiegenden Teilen unabhängig voneinander», heisst es. Es sind zwei nebeneinander laufende Zyklen, Eindrücke, die selten die ländliche Idylle zeigen, die so gerne mit Liechtenstein verbunden wird. Vor allem Lafleurs Gedichte beschreiben die Aussensicht auf den Kleinstaat. Der Autor lebte mehrere Wochen und Monate in Liechtenstein. Er beschreibt Gottesreste und Strassenlärm, Almrausch und Geldkäfer, Treuhändersümpfe und zahnspangige Teenies, die sich in Fremdenfeindlichkeit üben und ihre Lehrer beleidigen. Papierschnitte und Texte gehen ihre eigenen Wege, im Gemeinschaftsband schreiten sie Liechtenstein aber parallel in Nord-Süd-Richtung ab und weisen hie und da thematische Gemeinsamkeiten auf. Herausgebracht hat das Heft voller Liechtenstein-Gedichten und Papierschnitten die Kölner «parasitenpresse» anlässlich der Leipziger Buchmesse vom 17. bis 20. März. Ein originelles Heft – einfach und unspektakulär und doch einzigartig in seiner Offenheit und Ehrlichkeit.” / Janine Köpfli, KuL (Liechtenstein) hier
Das Lachen der Hühner mit elf Gedichten
von Stan Lafleur und elf Papierschnitten von Helena Becker.
parasitenpresse Köln, 9 Euro
Die nächste Lesung von Autor/innen der parasitenpresse
2. April 2011 Installation/Performance „Manchmal glaube ich, dich zu sehen!“ mit Thorsten Krämer, Guy Helminger u.a., Ort: U-Bahnstation Rudolfplatz, Köln, 17-20 Uhr
2. April 2011 Die parasitenpresse zu Gast in der Lettrétage – mit Timo Berger, Adrian Kasnitz und Angela Sanmann, Ort: Literaturhaus Lettrétage, Methfesselstr. 23-25,Berlin, 19.30 Uhr www.lettretage.de
2. April 2011 Stan Lafleur, Ort: Fachhochschule, Düsseldorf, 20 Uhr
13. April 2011 Literaturklub mit Guy Helminger, Moderation: Adrian Kasnitz, Ort: Theater in der Wohngemeinschaft, Richard-Wagner-Str. 39, Köln, 20 Uhr
„Seine Gedichte und Prosabände haben Generationen von Lesern ein neues Bild des Glaubens gegeben“, sagt Pfarrer Andreas Mertens. …
Ernesto Cardenal betrachtet die Menschen nicht nur kritisch, sondern auch voller Hoffnung. In Costa Rica wurde eine eigentlich gewöhnliche Beobachtung der Straße für ihn zu einer Vision der Liebe: Die Farbe eines Pullovers, die „rot glühenden Bäume“, Mutter und Kind, ein eng umschlungenes Paar, eine schwangere Frau, ja selbst eine Telefonzelle werden für ihn zu Symbolen der Liebe.
Wenn nur die Menschheit nicht so viel davon selbst zerstören würde: „Der Kapitalismus ist das Gegenteil der Liebe“, meint Ernesto Cardenal. Sein Gedicht „Das Handy“ sei eine Anklage gegen die Auswüchse des Kapitalismus: „Du sprichst in dein Handy, redest und lachst und weißt nicht, wie es gemacht wird“. Er klärt darüber auf, dass im Kongo Kinder zwischen sieben und zehn Jahren unter lebensgefährlichen Bedingungen Coltan schürfen müssen, damit Handys produziert werden können. / Caroline Rehner, Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung
Doch zunächst werde am 2. Mai „das dickste Buch meines Lebens mit über 1600 Seiten“ veröffentlicht. Dieses Buch mit dem Titel „Essayistische Prosa und Gedichte“ enthalte neben seinem neuen Drama „Der Fliehende Holländer“ auch einen großen Zyklus Libido-Lyrik mit zwei Mal 75 neuen erotischen und pornografischen Gedichten, sagte Hochhuth. / Rheinische Post
Ich mach mal Zitat statt Satire:
Seine bösen Gedichte über Städte sind hervorragend. Was als Kolumne bei «Spiegel Online» begann, gibt es jetzt auch als Buch: «Reiner Schönheit Glanz und Licht – Ihre Stadt! im Schmähgedicht».
Über Deutschlands Hauptstadt dichtet Gsella: «Sie können nichts und wissen nichts/Und sind zu dumm zum Siezen/Sie hoffen nichts und missen nichts/Und schimmeln in den Kiezen.» Außerdem: «Zu blöd zum Brötchenholen/Wer Hauptstadt der Versager sagt/Der meint Berlin (bei Polen)». Was er gegen Berlin habe? «Ich sorge mich um das Leben seiner Nachbarn», sagt Gsella. «Solange die Hauptstadt Bonn hieß, blieb das Land friedlich, aber gleich nach ihrem Umzug fing die Regierung wieder mit dem Kriegführen an. Es muss also an Berlin liegen.»* / news.de
*) soviel ich weiß, waren die Anführer Zugereiste von Rhein oder Main. Vielleicht lags auch an Polen? (Aber wenn er nicht politisch ist, sind die Gedichte OK)
In einem Brief an seinen Auftraggeber beschwert sich der Dichter und Homer-Übersetzer Johann Heinrich Voss über die empfindsame „neue“ Musik von Carl Philipp Emanuel Bach. Dieser lasse „die Affekte nicht genug ineinander zerfließen“, spiele zwar virtuos, aber auch etwas beliebig. / Hans Jürgen Kugler, Badische Zeitung
Im DLF Kurt Drawert im Gespräch mit Christoph Schmitz über den Darmstädter Wettbewerb. Er lobt die „radikale Schnitttechnik“ des diesjährigen Preisträgers des Léonce- und Lena-Preises. Das führt zur Nachfrage:
Schmitz: Was haben denn seine Gedichte, was hat seine Lyrik den Mitkonkurrenten voraus?
Drawert: Nichts voraus. Also man kann jetzt nicht den einen gegen den anderen ins Verhältnis setzen und gegenrechnen. Also, wir haben uns mit dem zweiten Preisträger, Andre Rudolf, lange, lange um den zweiten Preis gestritten. Also, die sind ebenbürtig, kann man sagen. Also solche Abstufungen, die man ja treffen muss. Von Gerechtigkeit kann man da also überhaupt nicht reden. Es war einfach überzeugend, aber es war nichts, wo man sagt, da kommt jetzt niemand ran mit anderen Konzepten. Das würde ich so nicht sagen.
Über den Unterschied der Generationen:
Drawert: Ich glaube, dass die Literatur immer stärker in ihrer Generation spricht und immer schwieriger übergreifende Rezeptionsmöglichkeiten hat zu anderen Generationen. Das hat mit einer raschen Ablösung von Generationen und von wieder völlig neuen Welterfahrungen zu tun. Und da denke ich schon, dass meine Generation jetzt auch mit dem Ost-Hintergrund viel existenzialistischer aufgewachsen ist und ein existenzialistischeres Verhältnis entwickelt hat zur Literatur an sich und auch zum Gedicht, während die jüngere Lyrik sehr in die Zeichen hineinschaut und die Bedeutungsebene aus dem Blick genommen hat. Das ist ein Unterschied. Für mich ist das Gedicht wichtig, wenn es die gewisse Ganzheitlichkeit von sinnlicher Erfahrung und von Sprachgenauigkeit und von Welterfahrung hat. Und ich kann mich nicht ganz so stark begeistern, wenn das Gedicht so in sich selbst verliebt ist und nur auf seinen Klang hört. Aber wenn es das tut, sagt es uns ja auch etwas aus über die Welt. Und da hatte ich auch zum Teil Schwierigkeiten. Und hier sehe ich, dass die jetzigen Strömungen doch wieder neue Töne haben, die weiter auch in inhaltliche Auseinandersetzung geht und nicht nur die Vögel im Walde pfeifen hört.
Er eröffnet sein Buch mit dem Bild einer Literaturwissenschaft in Stagnation. Vorüber seien die Jahrzehnte der großen Theorien, abgetreten ihre Doyens wie Paul de Man, Jacques Derrida, Wolfgang Iser oder Wolfgang Preisendanz. Dennoch stehe das literaturwissenschaftliche Denken immer noch im Bann dieses heroischen Erbes. Erstarrt verharre es in einem Patt zwischen Dekonstruktivismus und Cultural studies: Während die einen leugneten, dass Sprache in irgendeiner Weise die Wirklichkeit berühren könne, verabsolutierten die anderen naiv deren politisch-repressive Funktionen. / MARK-GEORG DEHRMANN, Süddeutsche 22.3.
HANS ULRICH GUMBRECHT: Stimmungen lesen. Über eine verdeckte Wirklichkeit der Literatur. Edition Akzente. Carl Hanser Verlag, München 2011. 184Seiten, 17,90 Euro.
Fuad Rifka
Hymne
Die Sehnsucht der Oliven nach der Ölpresse,
die Sehnsucht der Ölpresse nach den Krügen,
die Sehnsucht der Krüge nach dem Öl,
die Sehnsucht des Öls nach dem Brot,
die Sehnsucht des Brots nach den Händen.
Die Sehnsucht der Erde nach dem Himmel,
die Sehnsucht des Himmels nach der Erde.
Aus: Die Farbe der Ferne. Moderne arabische Dichtung. Hrsg. u. übers. von Stefan Weidner. München: C.H. Beck 2000, S. 94
Muoter-Meit (traget uliva nâ dorf)
Da slahet Ôstermittac!
Vrische himel, clâre loup.
Buobe, wellet uliva?
Clâre Ôsterâbent,
Vrische himel, clâre bach.
Uliva, uliva, uliva.
(Christian Filips 2009 nach Pasolini 1942)
Mari-Fruta (puartànd pal país l’aulíf)
A bat misdí di Pasca!
Fuèjs claris, séil fresc.
Fantàs, volèisu aulíf?
Clara sera di Pasca.
Clara roja, séil fresc.
Aulíf, aulíf, aulíf.
(Pier Paolo Pasolini 1942)
Grôz-Muoter (traget uliva nâ dorf)
Da slahet Ôstermittac!
Himel nacket, stumbes loup.
Niht ein buobe zeiget sich?
Toter Ôsterâbent,
Himel nacket, trucken bach.
Uliva wil niht sîn.
(Christian Filips 2009 nach Pasolini 1975)
Mari-Nona (puartànd pal país l’aulíf)
A bat misdí di Pasca!
Fuèjs mutis, séil nut.
No si jot un fantàt.
Muarta sera di Pasca.
Roja secia, séil nut.
L’aulíf a vòul no essi.
(Pier Paolo Pasolini 1975)
Aus: Pier Paolo Pasolini: Dunckler Enthusiasmo. Friulanische Gedichte. Übersetzt von Christian Filips. Basel/ Weil am Rhein: Urs Engeler Editor 2009, S. 100f.
Fuad Rifka wurde 1930 in Syrien geboren, ging später in den Libanon und promovierte in Tübingen über Heidegger.
Pier Paolo Pasolini, italienischer Schriftsteller und Filmregisseur, 1922 in Bologna geboren und 1975 unter ungeklärten Umständen in Ostia ermordet.
Die mittelhochdeutschen Texte in grober Rohübersetzung:
(1) Da schlägt es Ostermittag! Frischer Himmel, glänzendes Laub. Knabe, willst du Oliven? Glanzvoller Osterabend, frischer Himmel, glänzender Bach. Olive, Olive, Olive.
(2) Da schlägt es Ostermittag! Der Himmel leer, stumpfes Laub. Nicht ein Knabe in Sicht. Toter Osterabend. Der Himmel leer, trocken der Bach. Olive will nicht sein.
Keine Interpretation, aber ein kurzer Kommentar:
Der Text Rifkas hat die Selbstverständlichkeit des Vorhandenseins, wie die erste Strophe von Hölderlins „Hälfte des Lebens“. Eins greift nahtlos ins Andere. Die Grenze ist bei Hölderlin die Leerzeile zur zweiten „Hälfte“, bei Rifka die Sehnsuchtsform. Die Kette hält und mündet in die Umkehrbarkeit (Kreisform) des abschließenden Chiasmus, aber nur optional.
Pasolinis frühes Gedicht scheint die Anwesenheit des Idylls oder meinetwegen eine Epiphanie vollkommen auszudrücken. Alle Entsprechungen (Korrespondenzen) gehen auf und münden in „Olive“, wer interpretieren mag, sage je nach Gusto „Transzendenz“, Ding oder „Südwort“. (Der Inhalt existiert für den, der ihn will – jedem seiner).
Beide Gedichte erinnern mich an den Brecht der „Buckower Elegien“. Rifkas Chiasmus an den von „Rudern, Gespräche“, auch da mündet eine parallele Reihe zweigliedriger Verse in den Kreis: „Nebeneinander rudernd / Sprechen sie, sprechend / rudern sie nebeneinander“. (Der Leser ist gehalten, die Verse in ihrer Selbständigkeit* wahrzunehmen, dann und nur dann mag der Mittelteil des Zitats an Celans ungleich schwierigere Gangart gemahnen).
Bei Pasolini fiel mir zuerst ein anderer Spruch des späten Brecht ein, ein alter, 1942 noch mittelalter Zeitgenosse des jungen Herrn Pasolini, jetzt ist es 10 Jahre später:
Glücklicher Vorgang
Das Kind kommt gelaufen
Mutter, binde mir die Schürze!
Die Schürze wird gebunden.
Manchem kommen diese Texte simpel vor, viele Interpreten in Ost und West wollten Affirmation herauslesen. (Inhalt ist immer da für den, der ihn braucht). Der winzig kleine „glückliche Vorgang“ ist doch aber ein elegischer Spiegel für all die nicht glückenden im Großen. Die Ruhe knapp vorm Verzweifeln. (Um die Zeit hatte er sich einen österreichischen Paß besorgt und plante die Übersiedlung nach Maos Chinas. Der Tod hat es ihm erspart, es wär ihm schlecht bekommen.)
Bei Pasolini, frühe Fassung, bin ich nicht sicher, ob ein doppelter Boden existiert. Das Gedicht erzwang den späten Rückruf. (Als gelernter Protestant finde ich es zu „katholisch“. Selbst in der latenten „Schwulität“. Die brauchen dafür DIE Mutter und DEN Knaben, dann geht ALLES.) –
*) Das heißt doch nicht „Selbst-ständigkeit“, wer läßt sich das von Ignoranten aufschwatzen? Selbst-Ständigkeit ist viel zu „selbstgewiß“ für den Inhalt des Wortes. Die alte Schreibweise hielt in der Schwebe, was diese Idioten zur Entscheidung zwingen. Selbständig erlaubt den Übergang zu „selbander“ (ein anderes verschwundenes Wort, auch hier Sprach-Rückbau durch Ignoranten). Selbstständig kappt die Beweglichkeit.
Dichter aus verschiedenen „berberophonen“ Regionen Algeriens trafen sich am letzten Wochenende zum 9. Festival der Berberpoesie, das dem Andenken an den Schriftsteller Mouloud Mammeri gewidmet war.
Zum Abschluß des Festivals wurden Preise für die besten Gedichte verliehen, die von einer Wissenschaftlerjury ausgewählt wurden. Der erste Preis ging an den jungen Dichter Ibri Hamid aus Aïn El Hammam (Tizi Ouzou). Preise gingen auch an Gedichte, die in anderen Varianten der Berbersprache vorgetragen wurden, wie in Zenati Ouargli und Chaoui. / Hakim Kebir, El Watan 29.3.
Amazigh (Plural Imazighen) ist laut deutschsprachiger Wikipedia „eine Fremdbezeichnung für eine Reihe von Ethnien in Nordafrika westlich des Nils, also in den Ländern des Maghreb, die eine Berbersprache sprechen“. Aber vermutlich hat die englischsprachige Version eher Recht, die sagt, daß sich die von Fremden „Berber“ genannten Völker selber Amazigh nennen und ihre Sprache Tamazight, nach dem Berberwort für „die Freien“. Zu den Berberstämmen gehören u.a. Tuareg, Kabylen und Chleuh. Das Wort Berber wird entweder vom Lateinischen „Barbar“ oder vom Arabischen abgeleitet. In Algerien sind (oder waren?) die Berber einer massiven Arabisierung ausgesetzt. Die Zahl der weltberühmten Berber ist Legion, sie reicht vom Heiligen Augustinus bis zum Fußballstar Zidane.
Der von ihm vorgetragene Zyklus „Bilder vom Leben am Meer“ mache deutlich, „dass Landschaft ein Kontemplationsthema geblieben ist“, erklärte die Berliner Kritikerin und schwärmte geradezu von der „Sensibilisierung für verschwundene Lebenswelten“ und von einem „Reifezustand, den hier wenige andere Gedichte erreichen“.
Die meisten der übrigen Jurymitglieder stimmten ein in den Bewunderungston, nicht ohne durchblicken zu lassen, wie schön Popp sich seit dem letzten Wettbewerbsauftritt entwickelt habe. „Es kann ja auch sein, dass das Verständnis der Jury sich entwickelt“, sagte Popp später, aber das klang gar nicht böse, denn da hatte er gerade den mit 8000 Euro dotierten Leonce-und-Lena-Preis erhalten. …
Der Literarische März behauptete seine Bedeutung als eines der wichtigsten Nachwuchstreffen, und die meisten der Lesungen bezeugten Talente, die neugierig machen auf die weitere Entwicklung. Da waren zum Beispiel die stilsicher und präzise gesetzten Gedichte, deren Musikalität der Autor Tobias Falberg noch unterstrich, indem er sich mit geschmeidigen Bewegungen der rechten Hand selbst zu dirigieren schien. Da gab es die sprachlich dichten, anrührenden Liebesgedichte von Nadja Küchenmeister, die Kurt Drawert in der Jury-Diskussion mit sympathischer Entschiedenheit verteidigte gegen Vorwürfe wie den von Raoul Schrott, der in ihnen eine „prüde und zwangspoetisierende“ Art entdeckte, mit Körperlichkeit umzugehen.
Es gab Autoren mit starken Performer-Qualitäten wie Walter Fabian Schmid, der das Podium zur Lautbühne für vielstimmige Dramen machte oder den in seiner scharfen Präzision überzeugenden Vortrag, mit dem Ann-Kathrin Ast für ihre erstaunlich sprachökonomischen, mit geringem äußeren Aufwand große Tiefe erreichenden Gedichte warb. …
Nur bei Raoul Schrott fand Rudolph ebensowenig Gnade wie auch die meisten anderen Teilnehmer. Schrott staunte regelmäßig über die weitreichenden Interpretationen seiner Jurykollegen und seufzte oft und tief. Man kennt ihn eigentlich als aufmunternden Fürsprecher der Autoren, aber diesmal sah er wenig Grund dazu, auch nicht beim Hauptpreisträger Steffen Popp. Die Unverständlichkeit allein, spottete Schrott, mache noch kein Gedicht aus. / Darmstädter Echo
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