[Ich werde einige Lyrikwiki-Artikel in Teilschritten verfassen. Das könnte und sollte auch eine Diskussion im Schreibprozeß begünstigen. In diesem frühen Stadium nehme ich die Diskussion in den Artikel auf, um mir und möglichen Mitstreitern das Projekt nahezubringen. Schließlich heißt es Lyrikwiki Labor. Michael Gratz, Mai 2011]
Die Bedeutung des Wortes Vers hier als ein Grundbegriff der Verslehre scheint offensichtlich, aber die Definition hat es in sich.
So beginnt der Wikipedia-Artikel:
Vers (lat.: versus, von vertere „umwenden“) bezeichnet in der Poesie eine Reihe metrisch gegliederter Rhythmen. Verse werden üblicherweise in Zeilen gesetzt und daher auch als Verszeilen bezeichnet.
Schon das wirft Fragen auf. Wenn „Vers“ eine „Reihe“ „metrisch gegliederte Rhythmen“ bezeichnet: Was sind „Rhythmen“? Wann sind Rhythmen „metrisch gegliedert“, und welche anderen Möglichkeiten zur Gliederung von Rhythmen gibt es dann? Wie lang muß eine „Reihe“ von „Rhythmen“ sein, um als „Vers“ zu gelten? Ferner: was hat dieser Begriff mit der lateinischen Wortbedeutung zu tun?
Offensichtlich ergibt sich so keine befriedigende Definition.
Weiter führt der Brockhaus:
Vers
lat. versus, eigtl. das Umwenden (durch den Pflug)] der, durch Metrum, Rhythmus, Zäsuren gegliederte, eine bestimmte Anzahl von Silben, oft einen Reim aufweisende Zeile einer Dichtung in gebundener Rede wie Gedicht, Drama, Epos. Die Lehre von den Gesetzmäßigkeiten des Versbaus und den Versmaßen ist die Metrik. – Vers kann auch die Bedeutung Strophe eines Gedichtes, Liedes haben
© 1999 Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG
Das Duden-Synonymwörterbuch definiert kürzer:
Vers: [Gedicht]zeile, Strophenzeile.
Noch einfacher klingt die Definition eines Literaturwissenschaftlers, der mehrere Bücher über Verslehre verfaßt hat. Wolfgang Kayser schreibt in seinem Buch „Kleine deutsche Versschule“, das zuerst 1946 erschien und hier nach der 5., durchgesehenen Auflage 1957 zitiert wird:
„Wenn auf einer Seite um das Gedruckte herum viel weißer Raum ist, dann haben wir es gewiß mit Versen zu tun.“ [a.a.O. S. 9] Das ist vielleicht keine ausreichende Definition und eigentlich überhaupt keine Definition in einem wissenschaftlichen Sinn, führt aber schon weiter als der erste Satz jenes Wikipedia-Artikels.
Tatsächlich steckt in der lateinischen Etymologie ein weiterführender Ansatz. Beim Vers handelt es sich einerseits um eine einzelne Zeile, andererseits gehören mindestens zwei Zeilen dazu, um überhaupt von Versen sprechen zu können. (Von anderen Merkmalen sehen wir zunächst ab). Das lateinische Wort „versus“ bewahrt die Erinnerung an die Herkunft des Wortes aus dem Ackerbau. Um ein Feld zu pflügen, zieht man eine „Zeile“ hin und dann wieder zurück und so fort in Abhängigkeit von der Größe des „Feldes“. Wenn Prosa vom Lateinischen „prorsa“, geradeaus, kommt, dann ist darunter ein Freiheraussprechen zu verstehen im Gegensatz zu einem (durch Verszeilen) gebundenen oder gewundenen Sprechen. Offensichtlich hat es keinen Sinn, den Versbegriff ohne eine vom Verfasser geregelte Zeileneinteilung zu denken, weil Versrede (auch gebundene Rede) in Opposition zu Prosa steht. Demnach kann es jede Art Texte, also auch Romane, Dramen oder Gedichte vielleicht ebenso in Versen wie in Prosa geben (das hängt jeweils von zu einem bestimmten Ort von bestimmten Gruppen von Menschen geregelten Konventionen ab), „Verse“ aber nicht in Prosa, weil das Wort „Vers“ in sich selbst und von den ältesten Zeiten der Ackerbauer her den Gegensatz zu „Pro(r)sa“ bedeutet.
Wir können also als Minimaldefinition benennen:
Vers ist eine vom Willen des Verfassers bestimmte Teilmenge eines Textes, der statt in Prosa in gebundener Sprache verfaßt ist.
Weitere Merkmale können je nach sozialen Konventionen hinzukommen, zum Beispiel Rhythmus, Metrum, Reim oder grammatischer Parallelismus. Solche Merkmale gehören also nicht in eine allgemeine Definition, sondern in je spezifische Versdefinitionen.
Literatur:
Es gibt zu viele Dichter zur Zeit. Definitiv: viel zu viele. Man kann sie gar nicht alle lesen, es ist schlicht unmöglich. Man kann sich höchstens an die eigene sprichwörtliche Nase fassen. Fast täglich gibt es Neuerscheinungen. Ich betone das, weil ich mich mit Julia Mantel bisher noch gar nicht befasst hatte. Sicher ist sie mir in der ein oder anderen Anthologie schon mal begegnet, aber es ist einfach zuviel, um noch den Überblick zu behalten und folglich jeden einzelnen im Blick. Zu sehr gleicht sich auch die Masse der modernen (jungen) deutschen Lyrik, zu wenig stechen einzelne Dichter heraus, und Aufmerksamkeit erregt sowieso keiner mehr (selbst innerhalb der Szene nicht, seien wir so ehrlich). Es gibt Namen, die man kennt, weil sie seit Jahren präsent sind, und es gibt solche, die man nicht mehr bemerkt, aus Unachtsamkeit vielleicht, oder weil es eben einfach zu viel ist mittlerweile. …
Umso erfreulicher ist es, wenn man ganz unvoreingenommen in einem ruhigen Moment ein Buch wie dieses aufschlägt – Julia Mantels „dreh mich nicht um“ -, zu lesen beginnt und weiterliest, weil man sich nicht langweilt, im Gegenteil. Das sind ganz, ganz tolle Gedichte. Emotionale Gedichte, nostalgische Gedichte, sanftweiche und zugleich radikal direkte Gedichte, die Schwingungen weit über den eigentlichen Text hinaus auslösen, so wie dieses: „wahrscheinlich / keine ahnung wo / du jetzt liegen / geblieben bist / gemütlich oder / auf der strecke / zuckst du kurz / mit den lidern, / nur kurz.“ / Gerrit Wustmann, cineastentreff
Julia Mantel: dreh mich nicht um. Gedichte (Fixpoetry Verlag, 2011)
Am 29.4. wurde im libyschen Fernsehen gezeigt, wie der Journalist und Dichter Rabia Cherir (Shrair), der sich aktiv am Kampf gegen das Regime Gaddafis beteiligte, geschlagen wird. Er sei ein Hund und solle wie ein Hund bellen.
(Ich unterstelle, daß kein Fernsehchef wagen würde, derartige Szenen zu zeigen, wenn nicht ein wahnsinniger Führer es angeordnet hätte, um Gegner abzuschrecken.)
Seit jenem Tag gibt es keine Spur von seinem Verbleib. Er war Direktor des Kulturzentrums der Stadt Zawiya.
L&Poe berichtete am 1.5.
Mittlerweile kursiert das entsetzliche Video via Twitter und Internet. Es gibt auch eine Version mit holländischem Text, anscheinend dort im Fernsehen gezeigt. (Vielleicht liest das jemand, der Arabisch kann und den arabischen Text überprüft?)
Der libysch-britische Dichter Ghazi Ghleblawi übersetzte Cherirs Gedicht „Zawiya“, das man hier Englisch und Arabisch lesen kann. Vielleicht übersetzt es jemand ins Deutsche? Oder kennt andere Texte und hat andere Informationen? Einzig die Aufmerksamkeit der Welt könnte das Regime vielleicht daran hindern, ihn zu ermorden.
All die Zeichen einer mehrsprachigen Existenz, die ich zuerst als Manko empfand (fehlende Wörter, verfremdetes Sprechen, manchmal einen Akzent haben in der eigenen Sprache) versuche ich jetzt als Reichtum zu begreifen, sie sollen sich im Schreiben umtun, wo sonst. Im Grunde fühlt sich das nicht anders an als früher, nur hat das Aushäusige jetzt mehr Münder, Sprachen, Räume, und die Zuordnungen von eigen und fremd, woanders und vorhanden sind komplexer gebrochen, gespiegelt, gespielt. Beim Lesen finde ich immer mehr Spielgefährten, die in einem ähnlich multilingualen Raum arbeiten: Gertrude Stein, Samuel Beckett, Louis Wolfson, Oskar Pastior, Caroline Bergvall, Erin Moure, Yoko Tawada, Cathy Park Hong oder in der Kunst z.B. Nina Katchadourian. / Uljana Wolf im Gespräch mit Jan Kuhlbrodt, Poetenladen (Poet 10)
So konsequent „Ja, Panik“ die Titel englisch benennen, so konsequent vermischen sie deutsche und englische Texte in den Songs. Darauf hielt einst ihr Wiener Landsmann Falco das Patent. Mit dem sie schon deswegen gern verglichen werden. Oder mit Bob Dylan im Hinblick auf die Rocktexte, die an Gedichte erinnern. / Märkische Allgemeine
Marokkanische und ausländische Dichter treffen in Agadir zum Poesiefestival Founoun zusammen. Die zum drittenmal stattfindende Veranstaltung will die marokkanische Dichtung in aller sprachlichen Vielfalt pflegen und Anregungen zu ihrer Erforschung geben.
Auf dem Festival kann man der ganzen Vielfalt marokkanischer Poesie begegnen, auf Arabisch ([Hoch-]Literatur, Zaǧal [eine aus Andalusien stammende arabisch-spanische Gedichtform in dialektaler Umgangssprache] und Hassania), Amazigh (Berbersprachen: Tarifit, Tamazight, Tachelhit), Französisch, Spanisch und Jüdisch-Marokkanisch. / Afrique Hebdo
Es duftet aus ihren Gedichten. Nach Heu, das, als der Regen kommt, so gut riecht wie nichts auf der Welt. Es leuchtet aus ihren Zeilen, weil die erste Frühlingssonne auf den nassen Asphalt fällt. Es klingt wie Musik, wenn sie beschreibt, wie der aufgetaute Schnee von den Dächern tropft. Selma Meerbaum-Eisinger brauchte nicht viel, um zu spüren, dass sie lebt. Das Gelb der Astern. Das Licht der Winternacht, in der sie mit dem Geliebten durch den Schnee schritt. Sie war so feinsinnig, wie es ein verliebtes Mädchen nur sein kann. Sie wurde nur 18 Jahre alt.
Selma Meerbaum-Eisinger hat in den wenigen Jahren vor ihrem Tod in einem deutschen Arbeitslager so berührende Gedichte geschrieben, dass die Lyrikerin Hilde Domin sie mit dem jungen Hugo von Hofmannsthal verglich. / Claudia Becker, Die Welt
In einem handlichen quadratischen Band mit abwechselnd schwarzen und weissen Seiten liegt von ihm neuerdings eine zweisprachige Gedichtauswahl vor, die deutlich macht, wie weitgehend auch die lyrische Rede sich globalisiert und – thematisch wie formal – sich unifiziert hat. Zwar wird ausgiebig und selbstgewiss «ich» gesagt in diesen Gedichten, doch lässt der durchgehende Plauderton keinen Personalstil erkennen, auch keine besondere Prägung durch polnische Realien. Da spricht sich «ein dreissigjähriger Junge» aus, so wie gleichaltrige schreibende Zeitgenossen in Dänemark oder Kanada sich ebenfalls aussprechen im Gedicht – ironisch, wegwerfend, viel zitierend, zu viel kommentierend. Als «fragile, zarte Gebilde, mit denen man gut leben kann», werden die Gedichte im Nachwort von Michael Krüger charakterisiert. Doch so weit sollte man diese Lyrik nicht verharmlosen. / Felix Philipp Ingold, NZZ
Tadeusz Dąbrowski: schwarzes quadrat auf schwarzem grund. Ausgewählte Gedichte. Übersetzt von Andre Rudolph, Monika Rinck, Alexander Gumz. Luxbooks, Wiesbaden 2010. 140 S., Fr. 30.50.
Originalzitat:
Jeder Lyriker der deutschen Sprache, hat jedes Jahr dreimal die Chance sein Können unter Beweis zu stellen. Sollte es sich um kürzere Gedichte handeln, dann ist die Vorgabe, diese jeweils auf einer Seite zu platzieren. Die Lyriker können mehrere kleine Werke, oder ein großes einsenden. Weder Form noch Thema werden vorgegeben. Die Arbeit soll lediglich den Charakter des Künstlers in der heutigen Zeit darstellen.
Es werden nicht alle Autoren benachrichtigt, sondern nur jene, deren Gedichte eine Runde weitergekommen sind und die Vorauswahl überstanden haben. Diese dürfen sich dann an einem Leseabend in der Milchstraße 4 einfinden. Dort befindet sich auch das Literaturbüro. Es werden dann die einzelnen Autoren gebeten ihr Werk vorzutragen, damit auch das Publikum seine Meinung äußern kann. / Mehr
Freilich war auch Platz für die höhere Kunstform der Lyrik, etwa wenn Traudel Schwind ihr Wochenmarkt-Gedicht rezitierte oder die Heimatdichterin Gertrud König aus Großkrotzenburg die hessische Nachbarschaft vertrat. / Main-Netz
Unter den zwölf Stipendiatinnen und Stipendiaten, die seit Mitte April im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg ihren Aufenthalt haben, sind auch je eine Autorin und ein Autor aus Island mit Lyrik im eigenen Werk:
Sigurbjörg Þrastardóttir wurde am 27. August 1973 in Akranes, Island, geboren. Die Lyrikerin und Dramatikerin arbeitet neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit als Journalistin bei der Tageszeitung Morgunblaðið. Ihr Roman Sólar sögu (deutsch etwa: Die Geschichte von Sól) wurde 2002 mit dem Tómas Guðmundsson Literaturpreis ausgezeichnet.
Einar Kárason wurde am 24. November 1955 in Reykjavik, Island, geboren. Er hat Lyrik, aber vor allem Prosa veröffentlicht und ist in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Auf dem deutschen Markt ist jüngst „Versöhnung und Groll“ bei btb erschienen. Kárason gilt als einer der bedeutendsten isländischen Autoren der Gegenwart. Seit 1985 ist er auch Vorstandsmitglied des Reykjaviker Literatur Festivals.
Nachdem sein Sohn ein Opfer des Drogenkriegs wurde, hat sich der Poet Javier Sicilia geschworen, keine Gedichte mehr zu schreiben. „El mundo ya no es digno de la palabra“, heißt es in seinem erklärtermaßen letzten Gedicht: „Die Welt ist des Wortes nicht mehr würdig.“
Diese nachvollziehbare Konsequenz bleibt zum Glück die Entscheidung eines Einzelnen. Die junge Literaturszene in Mexiko Stadt gibt sich alle Mühe, auch unter diesen Umständen weiterzuarbeiten. Das zeigt sich vor allem in den Büchern der Independent-Verlage Textofilia und Sur+. Der Dichterin und Verlegerin Gabriela Jauregui von Sur+ ist die Situation des Landes ein Grund, sich erst recht zu engagieren. …
Jetzt organisiert und ediert sie eine Anthologie von Dichtern aus Ciudad Juárez, jener Stadt an der Grenze zu den USA, die derzeit die höchste Mordrate der Welt verzeichnen soll.
In dem Band befinden sich auch Arbeiten des jungen Dichters Rubén Macías Esparza, der bereits eine Antwort auf Sicilias Absage an die Poesie verfasst hat: „Javier Sicilia / Vergiss nicht, dass die Poesie / die Buchstaben des Namens deines Sohnes weiterträgt“, heißt es da. „Mach deine Tinte klarer / unter diesem Pulver, das uns erdrückt / Javier / Sing uns heute deine Gedichte und entgehe / den Kugeln, die deinen Sohn ermordet haben und folg /damit nicht / der Schmerz zu existieren uns alle zersetzt.“ / Johannes Thumfart, Die Zeit
„Der entfesselte Pegasus – Literatur trotz(t) Markt“ vom 4. Mai – 1. Juni 2011
Aus dem Programm:
Sa. 7. Mai ab 20.00 Uhr
Völkerschlachtdenkmal, 04299 Leipzig, Straße des 18. Oktober 100,
während der Nacht der Museen
Lyrik und Sax
20.00 Uhr Roland Erb (li.) mit Versen vom Hiersein und Reisen
21.00 Uhr Andreas Reimann (Mi.) mit dem neuen Gedichtband „Gräber und drüber“
22.00 Uhr Bertram Reinecke (re.) Meditationen über Tod und Form
Das Saxophon spielt Michael Breitenbach.
Mi. 11. Mai 20.00 Uhr
Buchhandlung LeseZeichen, 01099 Dresden, Prießnitzstraße 58
Lied aus reinem Nichts. Deutschsprachige Lyrik des 21. Jahrhunderts
Sie wollen sich „tief über die lyrischen Grasbüschel beugen“, nämlich Michael Braun, Mitherausgeber der Sammlung neuester Lyrik, und der Poet und Aktivist des Literaturforums Dresden, e.V., Patrick Beck. „Gute Dichtung“, meinen sie, „beginnt mit dem Totalverlust aller Gewissheiten.“
Fr. 13. Mai 20.00 Uhr
Leipziger Literaturverlag,
04229 Leipzig, Brockhausstr. 56
„Beide Sommer“ von Utz Rachowski und
„Nichtstun als Handlungsmaxime“ von Victor Kalinke
Gleich zwei BUCHPREMIEREN an einem Abend! Dazu spielt der Gitarrist Matthias Huth sanften Blues.
Do. 26. Mai 18.00 Uhr
Buchhandlung Hugendubel, 04109 Leipzig, Peterstr. 12-14
Verse und andere Verbrechen
Clemens Meyer nennt Andreas Reimann „einen unserer besten Dichter“, und -ky lobt an Steffen Mohr, dass er dem Krimi „zu literarischem Ansehen“ verholfen hat. In einer ungewöhnlichen Paarung erlebt man die beiden Kultautoren ihres Genres. Während Reimann Lyrik aus seinem Band „Bewohnbare Stadt“ liest, trägt Mohr erstmals die Mordsstory „Ziehvater“ über Leipzigs Jugend-Drogenszene vor.
Jack Hirschman, der 1933 als Sohn russischer Juden aus der zweiten Einwanderergeneration in der Bronx geboren wurde, ist ein Linker, ein kompromissloser Dichter, der einen Großteil seines Lebens buchstäblich auf der Straße verbracht und im Verlauf seines Lebens mehr als 100 Gedichtbände (z.B. »Endless Treshold«, »All That’s Left«, »Front Lines«) entweder selbst geschrieben und veröffentlicht oder als Arbeiten anderer Dichter aus dem Russischen, dem Italienischen, dem Albanischen und sechs weiteren Sprachen übersetzt und dadurch in den Vereinigten Staaten bekannt gemacht hat, darunter etwa einen Auszug aus Rilkes »Duineser Elegien« oder Anthologien von Pier Paolo Pasolini und Antonin Artaud. Er ist zudem Mitherausgeber des Werkes »Open Gate: An Anthology Of Haitian Creole Poetry«. …
Vor kurzem ist mit »Wer trägt Sorge / Who Cares« in der kleinen österreichischen Edition BAES von Hirschman ein zweisprachiger Gedichtband (Übersetzung: Jürgen Schneider) erschienen, aus dem er im Mai in Österreich und Deutschland lesen wird:
5. Mai in Innsbruck: Buchhandlung Thalia, Museumsstraße 4 (19 Uhr)
6. Mai in München: Lothringer Straße 13 (19 Uhr)
7. Mai in Berlin: Rumbalotte Continua, Metzer Straße 9 (21 Uhr)
Hier eine Seite von Odile Endres mit zwei Übersetzungen von Hirschman-Gedichten
Texte von Bundeswehrsoldaten über ihre Erfahrungen bei Auslandseinsätzen, die in Lyrik übertragen sowie anschließend von Leipziger Komponisten vertont wurden und vom Leipziger Gewandhauschor vorgetragen werden: Die Ergebnisse dieses außergewöhnlichen Projekts sind am Samstag im Leipziger Gewandhaus zu erleben. Mit „Schlachtfeld der Seele“ ist überschrieben, was aus der gemeinsamen Arbeit von Soldaten und Künstlern entstanden ist. / Freie Presse 4.5.
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