Veröffentlicht am 28. Mai 2011 von lyrikzeitung
Malikongwa wartete nie darauf, daß jemand von außen kommt und sein Werk würdigt. Er war Pionier im Kampf gegen Ignoranz, Analphabetismus, „literary poverty, non-history and non-being“ – literarische Armut, Geschichtslosigkeit und Nicht-Existenz.
Er war ein Fußsoldat im Krieg gegen die Hegemonie der Tswana-Kultur gegen Ikalanga, beim Verschweigen und Umschreiben der Geschichte der Einheimischen, in der Suche nach der Kalanga-Sprache und -Schreibkultur. Das sind schwere und einsame Kämpfe, man gewinnt sie nur mit jenem seltenen Geist der Selbstlosigkeit und Vision. Denn Tatsache ist, daß niemand kommen wird und die Geschichte für dich aufschreiben.
Die Wahrheit ist, wenn du der Macht die Wahrheit entgegenhalten willst, mußt du sie selbst aufschreiben und veröffentlichen. Wenn du daran interessiert bist, das Denken und Fühlen deiner Leute zu bewahren, bist du auf dich selbst angewiesen. Und wenn du Wissen weitergeben willst, das nicht in der Schule gelehrt wird, mußt du es selbst veröffentlichen und verbreiten, wie ich in der Einleitung zu seinem Gedichtband „Der Duft des Kuhdungs“ schrieb. / BAROLONG SEBONI: Remembering Malikongwa – Part 1, Mmegi online 27.5.
Der Dichter und Historiker Albert Malikongwa starb am vergangenen Sonnabend nach langer Krankheit in einem Krankenhaus in Gaborone. Malikongwa veröffentlichte auf Ikalanga und Englisch. Seine Gedichte wurden in zahlreichen Gedichtbänden gesammelt und in Zeitungen wie dem Guardian und Rundfunksendern wie Radio Botswana, Voice of America und der BBC verbreitet. / The Botswana Gazette
Tswana, Ikalanga: Bantuvölker im südlichen Afrika
Mehr: Botswana Guardian
Veröffentlicht am 28. Mai 2011 von lyrikzeitung
„Habe Vorwort gelesen, Gedichte angeschaut, bin begeistert. Glänzende Idee, ganz in meinem Sinn. Würde das auch ohne Honorar machen wollen“, das notierte Arnold Schönberg 1912 in sein Tagebuch. Die Schauspielerin Albertine Zehme, die besonders für ihre Textrezitation zu Musik bekannt war, hatte ihn gebeten, „dreimal sieben Gedichte“ aus Albert Girauds „Pierrot lunaire“ in der Übersetzung von Otto Erich Hartleben für sie zu Melodramen zu vertonen. / Stefan Musil, Die Presse
Dichterliebe/Pierrot lunaire
Mit Barbara Sukowa
10. 8. 2011 im Haus für Mozart
www.salzburgfestival.at
Veröffentlicht am 28. Mai 2011 von lyrikzeitung
Was eine Stampede ist, kann man in vielen Westernfilmen sehen: Eine Rinder- oder Büffelherde gerät in Panik und stiebt in wilder Flucht davon. Der munterste Teil des Bandes, listig mit „fuchsia“ (die Füchsin, die Fuchsie) überschrieben, bietet urbane Stampede-Gedichte. Ein fulminantes Wörterrennen hebt da an, ein Wort stößt das andere an und zugleich ab. „abstoßung. kippeln. tasten. kontakt.“: So geht es los und weiter. Dem Unheimlichen des Beginns und dem kaum Sagbaren des Endes kontrastieren im Inneren dieses Bandes mithin die Wortspiele einer Unbehausten, die einfach Freude hat am Sprachbeschleunigen und an der Geschwindigkeit, in der sich Assonanzen und Alliterationen wechselseitig jagen. In Panik gerät die „stampede“ der Daniela Seel indes nicht, die Dichterin weiß genau, dass jedes lyrische Wörterrennen auch ein Ziel braucht, um nicht wohlfeil zu erscheinen. Also macht eines der Gedichte an seinem Ende schlichtweg „klick“, ein anderes befiehlt „alle“ wieder „auf position“ und will noch einmal „von vorn“ beginnen. / Jochen Hieber, FAZ
Daniela Seel: „ich kann diese stelle nicht wiederfinden“. Gedichte. Kookbooks, Berlin 2011. 64 S., geb. 17,90 Euro.
Mehr: Dorothea von Törne, Die Welt
Veröffentlicht am 27. Mai 2011 von lyrikzeitung
„[…] akte. dichtungsverhalten okay – performancegestalten mit
leichtem schwanken. schwester scham und bruder duden.
vieles krankt. die begriffe „begriff“ und „deckung“ decken
sich nicht. „deutung“ begreift sich selbst zuletzt. ist immer
ein akt. die husserl ist im haus. akt an sich und drückliche
bedeutung. dies ist: heitere beschreitung. fortsetzung und
überleitung. das folgende. dieses ist das folgende. es sind
meistens akte. bestrickend nackt. zwang ist ein täuschender
gedankengang. bruder gleitflug. schwester fug. die husserl
ist im haus. man muß den zwang zum vortrag bringen – nackt.“
Djane Husserl
Zum Ende der Langen Nacht des lyrischen Experiments während der Frankfurter Lyriktage steigt am morgigen Samstag, 28.5.2011, eine rough poetry performance mit:
Christian Filips, Monika Rinck, Ulf Stolterfoht (Voices & Weibchen)
Franz Tröger (Spieluhr), Bo Wiget (Cello)
Mehr: http://www.frankfurter-lyriktage.de/va-280511-1.html
Vorher mit:
19.00 UHR Paulus Böhmer, Matthias Göritz, Barbara Köhler, Christian Lehnert
Moderation Hans Jürgen Balmes
20.30 UHR Franz Mon, Rick Reuther, Ulrike Almut Sandig, Daniela Seel
Moderation Christian Metz
(und wenn etwas das gute Gefühl trübt, ist es der dämliche – ich bin heut bei Kraftausdrücken – Frankfurter Ankündigungstext:
Es wird wieder eine richtig lange Nacht. Dieser Schluss- wie Höhepunkt der Frankfurter Lyriktage 2011 versammelt alle wichtigen Stimmen des lyrischen Experiments in der Gegenwartsliteratur zu einem multiplen Ganzen, in dem sich Genres, Gedichte, Bilder und Musik munter mischen.
Das haben die beteiligten Künstler nicht verdient. Naja: Ein bißchen was von „Frankfurt“ muß das schöne Lyrikfest doch haben!)
Veröffentlicht am 27. Mai 2011 von lyrikzeitung
Die CDU fragt, Gregor Koall antwortet. Prompt! Seine Lyrikmail von gestern nacht um 4:43 brachte dies:
Lyrikmail Nr. 2436 27.05.2011
Hoffnung in Zukunft
„Wenn wird die echte Weisheit einst geboren?“
Die erste Stunde nach dem letzten Thoren!
Karl Friedrich Kretschmann (1738-1809)
* der Autor ………………………………………
auch: der Barde Rhingulph; geboren am 4. Dezember 1738 in Zittau;
gestorben am 15. Januar (oder 16.) 1809 ebenda) war ein deutscher
Lyriker, Lustspielautor und Erzähler.
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Friedrich_Kretschmann
Wolffs Poetischer Hausschatz von 1843 hat von ihm mehrere Texte, eins beginnt: „Als ich, der Barde Wonnebald“. Auch Richard Zoozmann und Arno Holz kannten ihn noch. Holz nahm ihn in seine Rokoko-Anthologie auf: „Von Guenther bis Goethe. Ein Frühlingsstrauß aus dem Rokoko“ (1926).
Veröffentlicht am 27. Mai 2011 von lyrikzeitung
Günther ist einer, der hinschaut, wenn es ihm weh tut. Er sieht die Glückssucher beider Geschlechter. Und wenn sie das Glück gefunden haben, sind es zumeist die Männer, die es nicht lange aushalten. Das Personal in Günthers Gedichten führt ein beschädigtes Leben, beschädigt von außen und innen. Der Raubbau beginnt früh; Kinder werden für die Hackordnung reif gemacht. Eine Familie löscht sich aus. Für den Schreiber sind das keine Sensationen, sondern der erschreckende Alltag. Trotzdem befindet sich in dem Buch eine großartige Liebeserklärung.
Ein neueres Gedicht heißt »Kundschaft«: »Manch einer will die/ harten Sachen./ Den nackten Schrei, / roh und brutal wie/ ein Verkehrsunfall mit/ Toten. // Ein anderer hat es/ gern subtil/ und zwischen den/ Zeilen. Weder klar noch deutlich. Stets/ ein bißchen hintenrum. // Und ein dritter/ sucht den hohen Ton./ Das Prätentiöse./ Den ausgestreckten/ Zeigefinder/ in der Wunde. // Doch sie alle sind/ nur Kunden. // Auf der Suche nach/ sich selbst/ durchwühlen sie/ deine Zeilen wie einen Korb voll/ schmutziger Wäsche. // Und wenn sie/ sich nicht finden, bist/ du schuld.« / Robert Mießner, junge Welt
Florian Günther: Ausgemistet – Gedichte 1989-2011. Verlag Peter Engstler, Ostheim 2011, 336 Seiten, 16.90 Euro* Mit einem Nachwort von Hermann Peter Piwitt
Veröffentlicht am 27. Mai 2011 von lyrikzeitung
Raoul Schrott im Interview mit der Frankfurter Rundschau über Poesie, den Versuch sich als Dichter über seine Arbeit klar zu werden und warum Metaphern keine Fehlinformationen sind, sondern eine sprachliche Notwendigkeit.
Veröffentlicht am 27. Mai 2011 von lyrikzeitung
Die „Welt“ teilte vorige Woche mit, daß sie mit „Bob“ per Du ist (dem Musiker, der 70 wurde). In dem Bund wolln wir nicht der Dritte sein. Heute läßt sie wissen, daß sie nicht in Frankfurt dabei war, beim Lyrikfestival. Kam erst gestern abend an, um die „bezaubernde Monika Rinck“ zu fotografieren (wir wollen nichts bestreiten, aber in dem Bund, s.o.). Und zeigt, wie man möglichst arschlochig über Lyrik schreiben kann. Als ob wir das nicht kennten.
Veröffentlicht am 26. Mai 2011 von lyrikzeitung
Der zweithöchste Lyrikpreis Spaniens ging in diesem Jahr an einen Gedichtband, der vergessene Heldinnen wie Irena Sendler feiert. Sendler rettete 2500 jüdische Kinder, indem sie sie aus dem Warschauer Ghetto herausschmuggelte. Im Jahr 2007, ein Jahr vor ihrem Tod, war sie für den Nobelpreis nominiert, den Al Gore und der Ausschuß für Klimawandel (Intergovernmental Panel on Climate Change) gewann.
Offensichtlich wäre sie eine würdige Wahl für den Nobelpreis gewesen, sagte Fátima Frutos, die den Kutxa Ciudad de Irun Poetry Prize 2011 gewann. „Man muß dafür eintreten, solchen Frauen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die kaum Anerkennung erfuhren, aber sie in hohem Maße verdienen“, sagte sie. Sie erinnerte auch an Artemisia Gentileschi, eine bedeutende italienische Malerin des 17. Jahrhunderts sowie an Carolina Coronado, eine spanische Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts. Beide mußten darum kämpfen, auf von Männern dominierten Feldern Anerkennung zu finden.
Ihr preisgekrönter Gedichtband „Andrómeda encadenada“ (Die gefesselte Andromeda) nimmt ihren Titel von einer Prinzessin des griechischen Mythos, die an einen Felsen gekettet war, aber die sie eher als inspirierende Figur denn als Opfer sieht.
2009 erhielt sie für den Band „De carne y hambre“ (Aus Fleisch und Hunger) den internationalen Ateneo Guipuzcoano – Preis für erotische Literatur.
In „Andrómeda“ nimmt sie auch eine paneuropäische Perspektive ein in Gedichten, die den deutschen Dichtern Novalis und Hölderlin und dem spanischen Dichter Miguel Hernández gewidmet sind, der 1942 in einem Gefängnis des Diktators Franco starb. „Hernández impfte uns das gesegnete Gift der Poesie ein, so daß wir ohne Haß aufwachsen können, aber mit ausreichend Stärke, um für soziale Gerechtigkeit zu wirken.“ Die Preisverleihung am 28.5. wird sie ihrer Großmutter widmen, die sie mit Gedichten von Hernández aufgezogen hat, die sie auswendig lernte, weil sie weder lesen noch schreiben konnte. / Jerusalem Post
Veröffentlicht am 26. Mai 2011 von lyrikzeitung
Es sei zu befürchten, dass Baden-Württemberg durch den grün-roten Politikstil ‚vom Global Player zur Provinzregion wird‘. Sagen die Politiker einer Partei, die das Ländle nicht mehr regieren darf. Irgendwie muß es mit Lyrik zu tun haben. Haben die einen Lyriker gewählt? Für mich sieht er nicht so aus, aber vielleicht treffe ich auch den badenwürttembergschen Lyrikstil nicht richtig, wenn ich daran denke, daß dadorten ein Oberbürgermeister (Rommel) und ein Rundfunkintendant (Voß – aber nicht der von Reinecke!) ja auch dichteten.
Der Zusammenhang mit der Lyrik geht so:
Zum Beginn der Aussprache kritisierte CDU-Fraktionschef Peter Hauk, von Kretschmann sei ‚viel Lyrik‘, aber ‚wenig Substanz‘ zu hören gewesen
Die Kollegen von der Hirnlyrikfraktion in Frankfurt helfen nach: „Mit Lyrik lässt sich kein AKW betreiben“. So die Überschrift eines Berichts in der Nassauischen Neuen Presse.
Und auch wenn der sachverständige Scobel das offenbar in die Frage gekleidet hat, „ob sich mit Lyrik im Gegenteil zwar die Freundin herumkriegen, aber kein AKW betreiben lasse (Scobel)“, danken wir für die Unterstützung und konstatieren einen weiteren Grund, warum die AKW abgeschaltet gehören. Die Lyrikerinnen werden die Streitkräfte übernehmen, steht geschrieben – nicht die AKW.
Bis zum Erweis des Gegenteils aber gilt mir die Faustregel: Wenig Substanz – wenig Lyrik. (Die Experten spitzen schon die Zunge)
Veröffentlicht am 26. Mai 2011 von lyrikzeitung
Am 15.5. starb der Dichter und Romancier Robert Marceau bei Anbruch seines 86. Geburtstags. 2005 wurde er mit dem Großen Preis für Poesie der Académie Française ausgezeichnet und im vergangenen Dezember mit dem Mallarmépreis für seinen letzten Gedichtband Le Temps ordinaire (éd. Champ Vallon, 2009), der ein gewaltiges „Journal in Sonetten“ enthält. Zu seinen etwa 50 Gedichtbänden zählen Royaumes (éd. Seuil, 1962), Travaux sur la terre (éd. Seuil, 1966), Sibylles (éd. Galanis, 1971) ou Fragments de la France (éd. Champ Vallon, 1990). Marceau wurde in der Provinz Poitou geboren und lebte seit 1976 in Québec in Kanada. / Le Magazine Littéraire
Veröffentlicht am 26. Mai 2011 von lyrikzeitung
Warum aber liest kaum noch jemand Gedichte? Sind sie, weil jeder Werbespruch mittlerweile Poesie und selbst das Wort „Viagra“ eine lyrische Äußerung ist, wie Schrott behauptete, überflüssig geworden? Scobel erklärte das Phänomen zweigleisig: Erstens sei die Sprache der Wissenschaft mächtiger, weil ökonomisch verwertbar. Zweitens sei das Lesen von Gedichten Arbeit, weil es zur fundamentalen Beschäftigung mit Sprache zwinge. Dem setzte Schrott sein Schlusswort entgegen: „Poesie ist keine Fehlleistung, sondern die konzentrierteste Art des Denkens überhaupt.“ / Christoph Schröder, FR 25.5.
Veröffentlicht am 26. Mai 2011 von lyrikzeitung
Die Werkgeschichte der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926–1973) muss nicht neu geschrieben werden, weil die Österreicherin selbst dazu den vielleicht skurrilsten Beitrag schon geliefert hat: mit ihrer Serie der „Radiofamilie“ zu Beginn der 50er Jahre. Und diese wöchentlich gesendeten Familienstorys waren nichts anderes als triviale Unterhaltung, Seifenopern gewissermaßen. Ausgerechnet die große Lyrikerin, eine Klassikerin der modernen deutschsprachigen Literatur, hat ihr Werk mit der Schreibarbeit an einer Art Lindenstraße der Nachkriegszeit eröffnet. / Lothar Schröder, Rheinische Post
Veröffentlicht am 25. Mai 2011 von lyrikzeitung
„Wem gehören die Flüsse, die Blumen und die Dörfer?“, fragt das Gedicht des usbekischen Poeten Jussuf Dschuma, und der Refrain antwortet: „der Tochter“. Mehr als drei Jahre saß der Dichter in „Yaslik“, dem schlimmsten Lager Usbekistans unweit des sterbenden Aralsees, ein. Zwei Gefangene wurden dort 2002 mit kochendem Wasser zu Tode gefoltert.
Am 19. Mai wurde Dschuma direkt aus der Gefangenschaft mit Tochter und Enkeln in ein Flugzeug Richtung USA gesetzt. Die Freilassung des Dichters scheint wie ein Gastgeschenk des am heutigen Dienstag nach Berlin kommenden usbekischen Vizeaußenminister Wladimir Norow. / MARCUS BENSMANN, taz
(nämlich deutsche Firmen wollen am Größenwahn des Diktators mitverdienen, dafür kann man schon mal einen Dichter opfern, oder freilassen)
Veröffentlicht am 25. Mai 2011 von lyrikzeitung
Goethe schrieb eine Rezension der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“, in der er zu den über 200 Gedichten des Bandes „das unterhaltende Geschäft [übernahm], sie alle der Reihe nach, so wie es uns der Augenblick eingibt, zu charakterisieren“. Da heißt es „Lieblich konfus und deshalb Phantasie erregend“ oder „Katholisches Kirchentodeslied. Verdiente, protestantisch zu sein.“ oder auch mal kurz „Glücklicher Einfall“.
In der sehr preiswerten Neuausgabe der Killy-Anthologie „Epochen der deutschen Lyrik“, die jetzt „Deutsche Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart“ heißt und in 10 Bänden auf über 4000 Seiten chronologisch geordnet eine gar nicht kanonische Sammlung für weniger als 20 Euro erhält (!), gibt es einen nicht von Killy stammenden Nachtragsband der Lyrik von 1961 bis 2000. Gestern abend beschloß ich, diesen mir bisher neuen Band auf diese Weise zu erkunden. Ein unterhaltendes und ja vielleicht auch (für mich) lehrreiches Geschäft.
Da ich aber heute vom Geburtstag der Dichterin Dagmar Nick lese und sie zufällig 1961 dabei ist, rücke ich hier als Vorgeschmack den ersten Jahrgang eines offensichtlich lustvollen Rundumschlags ein, der eine Zeit in Anspruch nehmen wird.
1961
Ingeborg Bachmann: Ihr Worte – Sprachskepsis mit recht hohem Ton
Manfred Bieler: Wostok – Der Herzschlag der Kommunisten befiehlt der Sonne
Günter Eich: Wildwechsel – Empfiehlt den Dichtern, von Sprachsorgen, Kosmonauten und Jägern zu schweigen
Karl Mickel: Dresdner Häuser – Frühe, sehr kurze Fassung einer großen Ode, mit der man sich, hätte man sie gelesen, eventuell Tellkamps „Turm“ hätte sparen können
Dagmar Nick: Erinnerungsland – Eine konzise Aufforderung zum Minenlegen und Brunnenvergiften
Nelly Sachs: Im Lande Israel – Sie will nicht Kampfgesänge singen, sondern Blut und Tränen stillen und Erinnerungen bergen
Walter Killy: Deutsche Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart. 10 Bände. dtv, München 2011, 4064 Seiten, 19,90 Euro.
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