Warum aber liest kaum noch jemand Gedichte? Sind sie, weil jeder Werbespruch mittlerweile Poesie und selbst das Wort „Viagra“ eine lyrische Äußerung ist, wie Schrott behauptete, überflüssig geworden? Scobel erklärte das Phänomen zweigleisig: Erstens sei die Sprache der Wissenschaft mächtiger, weil ökonomisch verwertbar. Zweitens sei das Lesen von Gedichten Arbeit, weil es zur fundamentalen Beschäftigung mit Sprache zwinge. Dem setzte Schrott sein Schlusswort entgegen: „Poesie ist keine Fehlleistung, sondern die konzentrierteste Art des Denkens überhaupt.“ / Christoph Schröder, FR 25.5.
Die Werkgeschichte der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926–1973) muss nicht neu geschrieben werden, weil die Österreicherin selbst dazu den vielleicht skurrilsten Beitrag schon geliefert hat: mit ihrer Serie der „Radiofamilie“ zu Beginn der 50er Jahre. Und diese wöchentlich gesendeten Familienstorys waren nichts anderes als triviale Unterhaltung, Seifenopern gewissermaßen. Ausgerechnet die große Lyrikerin, eine Klassikerin der modernen deutschsprachigen Literatur, hat ihr Werk mit der Schreibarbeit an einer Art Lindenstraße der Nachkriegszeit eröffnet. / Lothar Schröder, Rheinische Post
„Wem gehören die Flüsse, die Blumen und die Dörfer?“, fragt das Gedicht des usbekischen Poeten Jussuf Dschuma, und der Refrain antwortet: „der Tochter“. Mehr als drei Jahre saß der Dichter in „Yaslik“, dem schlimmsten Lager Usbekistans unweit des sterbenden Aralsees, ein. Zwei Gefangene wurden dort 2002 mit kochendem Wasser zu Tode gefoltert.
Am 19. Mai wurde Dschuma direkt aus der Gefangenschaft mit Tochter und Enkeln in ein Flugzeug Richtung USA gesetzt. Die Freilassung des Dichters scheint wie ein Gastgeschenk des am heutigen Dienstag nach Berlin kommenden usbekischen Vizeaußenminister Wladimir Norow. / MARCUS BENSMANN, taz
(nämlich deutsche Firmen wollen am Größenwahn des Diktators mitverdienen, dafür kann man schon mal einen Dichter opfern, oder freilassen)
Goethe schrieb eine Rezension der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“, in der er zu den über 200 Gedichten des Bandes „das unterhaltende Geschäft [übernahm], sie alle der Reihe nach, so wie es uns der Augenblick eingibt, zu charakterisieren“. Da heißt es „Lieblich konfus und deshalb Phantasie erregend“ oder „Katholisches Kirchentodeslied. Verdiente, protestantisch zu sein.“ oder auch mal kurz „Glücklicher Einfall“.
In der sehr preiswerten Neuausgabe der Killy-Anthologie „Epochen der deutschen Lyrik“, die jetzt „Deutsche Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart“ heißt und in 10 Bänden auf über 4000 Seiten chronologisch geordnet eine gar nicht kanonische Sammlung für weniger als 20 Euro erhält (!), gibt es einen nicht von Killy stammenden Nachtragsband der Lyrik von 1961 bis 2000. Gestern abend beschloß ich, diesen mir bisher neuen Band auf diese Weise zu erkunden. Ein unterhaltendes und ja vielleicht auch (für mich) lehrreiches Geschäft.
Da ich aber heute vom Geburtstag der Dichterin Dagmar Nick lese und sie zufällig 1961 dabei ist, rücke ich hier als Vorgeschmack den ersten Jahrgang eines offensichtlich lustvollen Rundumschlags ein, der eine Zeit in Anspruch nehmen wird.
1961
Ingeborg Bachmann: Ihr Worte – Sprachskepsis mit recht hohem Ton
Manfred Bieler: Wostok – Der Herzschlag der Kommunisten befiehlt der Sonne
Günter Eich: Wildwechsel – Empfiehlt den Dichtern, von Sprachsorgen, Kosmonauten und Jägern zu schweigen
Karl Mickel: Dresdner Häuser – Frühe, sehr kurze Fassung einer großen Ode, mit der man sich, hätte man sie gelesen, eventuell Tellkamps „Turm“ hätte sparen können
Dagmar Nick: Erinnerungsland – Eine konzise Aufforderung zum Minenlegen und Brunnenvergiften
Nelly Sachs: Im Lande Israel – Sie will nicht Kampfgesänge singen, sondern Blut und Tränen stillen und Erinnerungen bergen
Walter Killy: Deutsche Lyrik von den Anfängen bis zur Gegenwart. 10 Bände. dtv, München 2011, 4064 Seiten, 19,90 Euro.
Ernst Reinhard Schöggl schreibt Krimis. Kürzlich erfuhr er, daß sein Krimi „Clamlinde“, in dem die beschriebene „Abbildung der barbusigen Clamlinde“, die Teil eines Wappens ist, das in Clam in der Burgkapelle hängt, schon das Schärfste an Erotik darstellen mag, „im Computernetz der Bundesverwaltung als jugendgefährdend gewertet werde und Suchanfragen dazu folglich gesperrt“ sind. Die Alpenländer und Amerikaner haben halt ihre eigenen Probleme.
Schöggl veröffentlichte auch gerade einen Band „Wirtshausverse“, was aber offensichtlich nicht identisch mit „Frau-Wirtin-Verse“ ist. (Viel Arbeit für Lyrikwiki).
„dunkelziffer“ nennt Elfriede Czurda ihren neuen Gedichtband. Dem Unzählbaren auf der Spur, unternimmt sie hier die subversive Dekonstruktion der globalen Herrschaft der Zahlen. Ausgangspunkt sind Symbole der Zahlenmagie wie magische Quadrate, das goldene Dreieck oder das Pentagramm. …
Elfriede Czurdas poetisches Palimpsestieren beginnt gleich im ersten Zyklus ihres Gedichtbandes. Es ist eine Dekonstruktion des magischen Quadrats des Lo Shu, bei dem die Summe der horizontalen und der vertikalen Reihen sowie der Diagonalen jeweils 15 ergeben. Der Legende nach soll es Yü dem Großen auf dem Rücken einer Schildkröte aus dem Flusse Lo erschienen sein. Es wurde zur Wahrsagung und im Rahmen der Yin-Yang-Lehre zur Erklärung von Vorgängen im Inneren des Körpers verwendet. „Landschaften I“ nennt Elfriede Czurda ihre poetischen Variationen über das Lo-Shu-Quadrat. In neun Gedichten bildet sie dessen Zahlenfolge in der exakten immergleichen Verszahl ab. / Michaela Schmitz, DLF
Elfriede Czurda: „dunkelziffer“. 172 Seiten. Edition Korrespondenzen 2011. 21,50 Euro.
[Achtung: „überfordert zuweilen selbst den geneigten Leser“: wenn das keine Kaufempfehlung ist! Im Ernst!]
Giorgio Orelli, der grosse Tessiner Lyriker, der heute seinen neunzigsten Geburtstag feiert, erkannte früh, dass das «Gefühl der Zeit» («sentimento del tempo»), wie Ungaretti es definierte, für sein Leben und sein Schreiben von zentraler Bedeutung sei. Schon in einem Jugendgedicht, «Prima dell’anno nuovo» (1952), beschrieb er sich selbst als «weder jung noch alt». Später, in «Sinopie» (1977), lässt er drei alte Männer zu Wort kommen, die er oft auf der Bahnhofstrasse in Bellinzona trifft, und fügt dann hinzu, er hätte gerne noch weitererzählt, von andern, die schon alle zu Rötelskizzen (sinopie) «mit jahrhundertealten Rissen» geworden sind. / Pietro De Marchi, NZZ
Nicks Gedichte erschienen in mehr als 200 Anthologien im In- und Ausland. Anfangs prägten die Themen Vertreibung und Flucht ihre Werke, wie etwa ihren ersten Gedichtband „Märtyrer“ (1947). In weiteren Gedichtbänden wie „Das Buch Holofernes“ (1955), „In den Ellipsen des Mondes“ (1959) oder „Zeugnis und Zeichen“ (1969) beschäftigte sie sich mit Abschied, Trauer, aber auch mit der unbesiegbaren Liebe. Sie setzte dem Grauen, das sie beschrieb, Hoffnung und Zuversicht entgegen. Nick wurde zu einer der wichtigsten deutschsprachigen Lyrikerinnen nach 1945. / relevant.at
Wie bereits angekündigt, veröffentliche ich hier ausgewählte Einträge meines Lyrikwiki Labor mit dem Ziel, durch Diskussion Anregungen und Verbesserungsvorschläge zu erlangen (und wenn möglich Mitstreiter zu gewinnen).
Wer sich nicht für Philologie und solche Dinge interessiert, heiße er Tim oder Tom, könnte ebensogut zur Sache sprechen oder für immer schweigen (oder wie das heißt).
Im V. Kapitel seines Buches von der Deutschen Poeterey (1624) behandelt Martin Opitz die Einteilung der Dichtkunst in Gattungen, die er Genera carminis und arten der getichte nennt. Mehr: Gattungen_(Opitz)
Eine der von ihm aufgezählten Gattungen ist die Elegie. Opitz schreibt:
In den Elegien hatt man erstlich nur trawrige sachen / nachmals auch buhlergeschäffte / klagen der verliebten / wünschung des todes / brieffe / verlangen nach den abwesenden / erzehlung seines eigenen Lebens vnnd dergleichen geschrieben; wie dann die meister derselben / Ouidius/ Propertius/ Tibullus/ Sannazar / Secundus/ Lotichius vnd andere außweisen.
Interessant an dieser Beschreibung ist, daß Opitz an einem weiten Gattungsbegriff festhält, der gegensätzliche Inhalte und Töne ausdrücklich einschließt, während in vielen neueren Nachschlagewerken einseitig die umgangssprachliche Bedeutung im Sinne von Klagelied dominiert, wie in diesem Eintrag im Harenberg Literaturlexikon von 1997:
(elegos, griech.; Trauergesang mit Flötenbegleitung), in der Antike zunächst Bezeichnung für jedes Gedicht in Distichen mit Ausnahme des Epigramms
Die ältesten formal ausgereiften E. finden sich im 7. Jh. v.Chr. in Griechenland. Bei Tibull, Properz und Ovid erfährt die E. die für ihre weitere Geschichte charakteristische inhaltliche Ausprägung zum Gedicht der Klage und Resignation. [1]
Diese moderne Definition ist weiter und zugleich enger als die sehr kurze bei Opitz. Opitz irrt sich über die geschichtliche Entwicklung, indem er die Bedeutung als Klagelied für die ältere hält. Tatsächlich waren die ältesten griechischen Elegien bei Kallinos, Tyrtaios, Mimnermos, Solon, Theognis und Archilochos Dichtungen in elegischem Versmaß (Distichen), die zur Flötenbegleitung vorgetragen wurden ohne Rücksicht auf klagenden Inhalt. Die erhaltenen Elegienfragmente von Archilochos (ca. 680 – 630 v.Chr.) handeln vom Kriegsdienst, sowohl im Sinne des Aufrufes zur Verteidigung der Heimatstadt wie bei Kallinos und Tyrtaios als auch im moderneren, eher skeptischen Sinne. So sagt er in einem Fragment (1W = 1D), er diene dem Kriegsgott, aber „auch das Musengeschenk hat seinen Reiz für mich, versteh ich doch etwas davon“ [2], in einem anderen [5W = 6D] gibt er sogar zu, daß er seinen Schild bei der Flucht vor einem Gegner verloren habe, ein schändlicher Vorgang, für den ihn die Spartaner aus der Stadt und seine Bücher aus ihren Bibliotheken verbannten, damit er die Jugend nicht verderbe [3], und der athenische Schriftsteller Kritias wirft ihm vor, daß er seine „Feigheit“, Mittellosigkeit, Ehebruch und „haltlose Sinnlichkeit“ in seinen Gedichten selbst verbreitet habe. [4] Die Elegie (und der Jambus, den Archilochos besonders pflegt), sind damals, in den Anfängen der europäischen „Lyrik“, moderne Dichtungsformen, in denen sich moderne Menschen wie Archilochos selbstbewußt und subjektiv selbst darstellen.
Die beiden Bestimmungen, elegisches Versmaß (wovon Opitz nicht spricht, da er in den Versmaßen den westeuropäischen Nachbarn folgt und nicht den Griechen, die erst Klopstock in die deutsche Lyrik einführen wird) und „erzehlung seines eigenen lebens“ sind also von den Anfängen der frühgriechischen Dichtung an nachweisbar, während die bei uns hängengebliebene Bedeutung als „Klagelied“ erst Jahrhunderte später durchschlägt. Opitz weiß darüber trotz seines Nichtwissens in metrischen Angelegenheiten mehr als der gebildete Leser von heute, den etwa jenes Harenberg Literaturlexikon anspricht. Vermutlich hat Schillers Definition der Elegie als Trauer über die verlorene Natur und die Unerreichbarkeit des Ideals im deutschen Bildungsgut nachgewirkt und dazu geführt, daß wir auch Elegien Goethes und Hölderlins und sogar die Rilkes mit Schillers Philosophenblick sehen. (Opitz zu lesen war zur Zeit Goethes und Schillers verpönt, und so war man eben von Schillers Kategorien abhängig).
Tatsächlich aber lebt bei Opitz noch die Vorstellung einer modernen, subjektiven, reflexiven Gattung Elegie fort, von der sich Linien zu Goethes „Römischen Elegien“, zu Hölderlins und Rilkes Elegien ebenso wie zu Brechts „Buckower Elegien“ ziehen lassen – und bis hin zur jungen Dichtung des 21. Jahrhunderts in Ann Cottens „Elegie“ genanntem Bändchen „Das Pferd“ [5].
Die Experimente mit der Sprache gehören zum Grundbestand des Futurismus. Und der 1886 geborene Alexej Krutschonych hat dafür die radikalsten Ansätze entwickelt. Auch 1912 erschien sein erster Text in der Kunstsprache, die er dafür gemeinsam mit Chlebnikow geschaffen hat: Sa-um. Manchmal auch als Zaum übersetzt. Aber da gehen die Probleme schon los: sa-um ist eigentlich nicht übersetzbar.
Das merkt auch Valeri Scherstjanoi an, der sich seit Jahrzehnten mit Krutschonych beschäftigt und auch seinen Text „Phonetik des Theaters“ ins Deutsche übersetzt hat. Chlebnikow verwendet nur da und dort Sa-um-Elemente. Er verzichtet nicht völlig auf die russische Normalsprache. Krutschonych ist radikal. Wie sein Anspruch: „Saum ist eine neue Kunst, gegeben vom neuen Russland der ganzen erstaunten und verwirrten Welt“, schreibt er in einem Text über die Herkunft der Saumniki.
Eine überall verständliche Sprache also, die auf das Wesentliche zurückgeht. Oder es ausgräbt. Oder es neu schafft. „Die sa-umnische Sprache aber ist ein Stoss, sie durchstößt den glitschigen Nabel der Welt und schneidet die sauren Warzen des Alltags ab!“, schrieb er 1923 in seiner „Phonetik des Theaters“, im Grunde eine Handlungsanweisung für Schauspieler, wie man mit Sa-um auf der Bühne umgehen müsse. Es gab auch ganze Dramen in der Sa-um-Sprache. Die vorliegende Übersetzung beruht auf der 2. Auflage der Schrift von 1925, ausgegraben aus einem Archiv. Denn zu den gepflegten Klassikern der Sowjetliteratur gehörte Krutschonych natürlich nicht. Wie so viele von denen, die in den 1920er Jahren die Literatur des Riesenlandes zum Brodeln brachten. Bis 1930, als sich Majakowski erschoss. Bekanntlich ja nicht grundlos. Im selben Jahr stellte Krutschonych – der bis dahin im Selbstverlag 140 kleine Büchlein, Knischni, herausgegeben hatte – seine literarische Arbeit komplett ein. Er galt fortan als Unikum, als belächelter Sammler und Bibliophile. Und überlebte so den Stalinismus. / Ralf Julke, Leipziger Internet-Zeitung
Phonetik des Theaters
Alexei J. Krutschonych, Reinecke & Voß Verlag 2011, 10,00 Euro
Hier vier Zeilen aus dem Gedicht „The Boys“ von Oliver Wendell Holmes (1809-1894) zur freien Verwendung (hier das ganze Gedicht).
Yes, we’re boys, –always playing with tongue or with pen,–
And I sometimes have asked,– Shall we ever be men?
(…)
And when we have done with our life-lasting toys,
Dear Father, take care of thy children, THE BOYS!
Auch Michael Braun ist begeistert. Im Heft 101 der „Literaturen“ beschließt er seine Besprechung mit dem Ausruf: „Solange solche Gedichte geschrieben werden, braucht man die Frage nach dem blutleeren Ästhetizismus in der Lyrik nicht mehr zu stellen.“ Er gibt jedem behandelten Autor eine Berufsbezeichnung mit: Ulrike Almut Sandig, Nomadin; Nora Bossong, Ikonografin; Konstantin Ames, Wortakrobat; Jan Wagner, Forschungsreisender; Judith Zander, Landvermesserin. Braun geht auch auf etliche andere Autoren ein. Seine hier zitierte Schlußwendung bezieht sich polemisch auf die Kritik von Andre Rudolph und Tom Schulz an ebenjenem Ästhetizismus ihrer Kollegen. Er wirft ihnen nicht zu unrecht vor, daß sie keine Namen nennen. (Geschickt aber auch, hier auf die zwei Lyriker zu weisen und die Berufskritiker draußen zu lassen.)
Ist es mehr Lob oder Kritik, wenn er über die Gegenwartslyrik sagt, sie sei ein „flexibler, sozialverträglicher Textkörper, der kulturell vielseitig einsetzbar“ sei? Er ironisiert jedenfalls Community-Hasen und Kulturamtsleiter [auch hier fehlen die Kritiker: good for you]. Und polemisiert gegen die Zeit, deren Serie zum politischen Gedicht er „nur als eine harmlose Werbeveranstaltung zur Aufpolierung des eigenen publizistischen Images“ bewertet. Vielleicht hat er sich ja dabei vermessen, hofft
Michael Gratz
NB Die vermutlich redaktionell hinzugefügten bibliographischen Angaben gelten nur 5 der 6 behandelten Bücher. Konstantin Ames‘ Roughbook „Alsohäute“ fehlt. Vergessen oder? Hier seis nachgetragen, die anderen stehen in Literaturen 101, S. 111. (Für die 12 Euro, die das Hochglanzheft kostet, bekäme man schon den Gedichtband von Judith Zander oder Konstantin Ames, letzteren inclusive Imbiß, oder müßte für einen der andern nur noch ganz wenig sparen.)
Ames, Konstantin: Alsohäute. roughbooks. 58 Seiten, Euro 7,50
Oh, je. Eigentlich wollte der Dichter Thomas Kunst keine Sonette mehr schreiben. Doch als Instrument der „Ermüdung, Polemik und Ernüchterung“ konnte er nicht von ihnen lassen. Zum Glück für uns Leser, sein neuer Band „Legende vom Abholen“ (Edition Rugerup) besitzt Suchtpotenzial. „Diskurse nur von denen, die sehr schwache / Gedichte schreiben, ohne sich zu schonen, / Ich würde gerne gute Texte lesen.“
Offenbar wurde Kunst erhört, das Lyrikjahr 2011 begann hoffnungsvoll. Im Januar schaffte es der Band „Ein weltgewandtes Land“ von John Ashbery (Luxbooks) auf Platz 1 der renommierten SWR-Bestenliste; auch Jan Wagners „Australien“ (Berlin Verlag) und die von Michael Braun und Hans Thill herausgegebene Anthologie „Lied aus reinem Nichts. Deutschsprachige Lyrik des 21. Jahrhunderts“ (Das Wunderhorn) kamen aufs Treppchen. Ein kleines Wunder in unseren romanfixierten Breiten. …
Daniela Seels Texte, vom Grafiker Andreas Töpfer berückend schön zwischen Buchdeckel gebracht, sind die Lyrik-Entdeckung der Saison – und weisen doch weit über den Tag hinaus.
Steht Seel erst am Anfang ihres Wegs, hat es die 1946 in Waynestville / Missouri geborene, mit Preisen überhäufte Mary Jo Bang bereits in den Dichter-Olymp geschafft. Der zweisprachige, vom US-Comic-Künstler Matt Kindt illustrierte Auswahlband „Eskapaden“ (Luxbooks), der Gedichte aus allen sechs bisher veröffentlichten Werken Bangs vereint, lässt ahnen, was die Kritiker von „New York Times“ bis zur „American Book Review“ aus dem Häuschen bringt: Für Bang wird das Gedicht zur Bühne. Schreiben als Kopftheater, in dem die Autorin alle Rollen gleich selbst spielt: Mickey Mouse, Dr. Freud, Cher. Ein einziges Wunderland:
„Alice kann nicht in einem Gedicht vorkommen, sagt sie, weil / Sie nur eine Metapher für Kindheit ist / Und ein Gedicht ist bereits eine Metapher“.
/ Nils Kahlefendt, Buchjournal
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Cathy Smith Bowers was recently appointed poet laureate of North Carolina, and I want to celebrate her appointment by showing you one of her lovely poems, a peaceful poem about a peaceful thing.
Peace Lilies
I collect them now, it seems. Like
sea-shells or old
thimbles. One for
Father. One for
Mother. Two for my sweet brothers.
Odd how little
they require of
me. Unlike the
ones they were sent in memory
of. No sudden
shrilling of the
phone. No harried
midnight flights. Only a little
water now and
then. Scant food and
light. See how I’ve
brought them all together here in
this shaded space
beyond the stairs.
Even when they
thirst, they summon me with nothing
more than a soft,
indifferent furl-
ing of their leaves.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2004 by Cathy Smith Bowers, whose most recent book of poetry is The Candle I Hold Up to See You, Iris Press, 2009. Poem reprinted from A Book of Minutes, Iris Press, 2004, by permission of Cathy Smith Bowers and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Der Kritiker Lentz aus dem zdf.kulturpalast stellt das Buch von Gaddafi vor.
ZDFKULTUR, 11.05.2011 20:15
VIDEO, 03:41
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