78. Neue Arabische Welt

Colloquium: Neue Arabische Welt

Sa 18.6. 18:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Black Box
Eintritt €5/3

Mit Ali Al-Jallawi Bahrain Deeb Ägypten El Général Tunesien Hend Hammam Ägypten Hind Shoufani Palästina Abdouldaim Ukwas Libyen  Moderation Arian Fariborz Politologe, Islamwissenschaftler und Journalist, Köln

Revolution, politischer Umsturz, Protest: Die Arabische Welt ist in Bewegung. In der Diskussion wird nach dem künstlerischen Umgang mit den derzeitigen Umbruchprozessen und gewaltvollen Auseinandersetzungen gefragt. Wie manifestieren sich Wünsche und Sehnsüchte in dichterischen Formen? Inwieweit bahnt sich die Wut ihren Weg in die Texte? Wie sieht die Situation in den unterschiedlichen Ländern und regionalen Wirklichkeiten aus? Welche Rolle spielen die Dichter in den Protesten, sind sie Beobachter, Katalysatoren oder gar Tongeber?

Neue Arabische Welt

Sa 18.6. 20:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Plenarsaal
Eintritt €10/7

Mit Ali Al-Jallawi Bahrain Deeb Ägypten El Général Tunesien Hend Hammam Ägypten Hind Shoufani Palästina Abdouldaim Ukwas Libyen  Moderation Pyranja Rapperin, Journalistin, Berlin

Die jungen Poeten und Performer aus der Arabischen Welt stellen ihre Werke und ihre Sicht auf das Alltagsleben vor. Jenseits von gängigen Orientalismen wird ein Wortkaleidoskop dargeboten, das von klassischer Poesie  über poetry performance bis hin zu Rap reicht. Die Vielstimmigkeit der jungen Künstler spiegelt die unterschiedlichen Lebensrealitäten in Ägypten, Bahrain, Libyen, Tunesien und dem Libanon wider und ermöglicht einen facettenreichen Einblick in eine heterogene Region aus erster Hand.

77. Yves Bonnefoy im Gespräch

Poesiegespräch: Das Unvollendbare. Yves Bonnefoy im Gespräch

Sa 18.6. 17:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Clubraum
Eintritt €5/3

Mit Yves Bonnefoy Frankreich und Wolfgang Matz Lektor und Übersetzer, Deutschland

Yves Bonnefoy, der Doyen der französischen Gegenwartslyrik, unterhält sich mit seinem Übersetzer Wolfgang Matz, Hanser Verlag, über sein vielschichtiges poetisches und essayistisches Werk.

76. Poesie@Pecha Kucha

poesiefestival berlin

Sa 18.6. 15:30

Akademie der Künste, Pariser Platz, Black Box
Eintritt frei

Mit Jörn Dege Literaturzeitschrift Edit, Leipzig Andreas Heidtmann poetenladen, Leipzig  Brigitte Labs-Ehlert Intendantin des Literatur- und Musikfests »Wege durch das Land«, Ostwestfalen-Lippe Jörg Piringer Autor, Wien Sabine Scho Autorin, Berlin Daniela Seel Verlegerin KOOKbooks, Berlin Friedrich W. Block Kurator der Stiftung Brückner-Kühner, Kassel sowie Thomas Wohlfahrt Leiter der Literaturwerkstatt Berlin

Einige der interessantesten Projekte der deutschsprachigen Lyrikszene haben Pecha Kucha-Präsentationen vorbereitet, eine Vortragsform aus Japan, die mittlerweile Kultstatus erlangt hat. 20 Bilder â 20 Sekunden pointierter Rede fordern jedem Vortrag nicht nur Anschaulichkeit ab, sondern die Konzentration auf das Wesentliche. Die Veranstaltung bietet der Poesie einen performativen Marktplatz und setzt überraschende Wirkungsparameter frei.

75. Poets‘ Corner

poesiefestival berlin

Sa 18.6. ab 11:00

In den Bezirken
Eintritt frei

Die Dichter Berlins erobern die Stadt. Sommerlesungen in den Bezirken.

11:00–13:00 Treptow-Köpenick Wagendorf Lohmühle Lohmühlenstraße, Ecke Kiefholzstraße. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Konstantin Ames, Luise Boege, Alexander Gumz, Rery Maldonado, Stephan Reich, Nikola Richter, Julia Trompeter

12:00–13:30 Tempelhof-Schöneberg Ullsteinhaus, Dachterrasse 6. OG über Innenhof, Mariendorfer Damm 1–3. Bei schlechtem Wetter im Bistro im Foyer des Haupteingangs.
Mit Tobias Amslinger, Nora Bossong, Birgit Kreipe, Georg Leß, Jinn Pogy, Ulf Stolterfoht

13:00–15:00 Neukölln Garten der Poesie (Streuobstwiese) Richardplatz 3. Bei schlechtem Wetter im kleinen Saal der Ev. Brüdergemeine, Kirchgasse 14.
Mit Nico Bleutge, Tom Bresemann, Catherine Hales, Simone Kornappel, Björn Kuhligk, Juliane Liebert, Philip Maroldt, Katharina Schultens

15:00–16:30 Junge Dichter erkunden Mahrzahn
Marzahn-Hellersdorf Lesegarten Schloss Biesdorf Alt-Biesdorf 55. Bei schlechtem Wetter im Schloss.
Mit Rebecca Ciesielski, Kristoffer Cornils, Max Czollek, Lea Schneider, Isabella Vogel

15:30–17:30 Vom Leben in den großen Städten
Charlottenburg-Wilmersdorf Straßencafé der Ausstellung 125 Jahre Kurfürstendamm Kurfürstendamm / Ecke Uhlandstraße. Bei schlechtem Wetter im Institut Français, Kurfürstendamm 211.
Mit Daniel Falb, Mara Genschel, Ursula Krechel, Norbert Lange, Wilfried N’Sondé, Johann Reißer, Jan Skudlarek, Lutz Steinbrück, Rainer Stolz

16:30–18:00 Pankow Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner Prenzlauer Allee 227 / 228. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Timo Berger, Lars-Arvid Brischke, Ricardo Domeneck, Hendrik Jackson, Anne Krüger, Björn Schäfer, Ron Winkler, Carsten Zimmermann

17:00–18:30 Mit fremder Feder – vom Fremdsein in der Sprache Lichtenberg-Hohenschönhausen Studio im Hochhaus Zingster Str. 25. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Zehra Çirak, Dieter M. Gräf, Renata Lucic, Stefan Monhardt, Tzveta Sofronieva

 

74. Sonnabend beim poesiefestival berlin: Dichtraum, Denkraum

Dichtraum, Denkraum

U-Bahnhof Brandenburger Tor
10:00 Tom Bresemann 12:30 Daniela Seel 15:00 Eberhard Häfner 
Eintritt frei

73. Eröffnung des poesiefestivals berlin

poesiefestival berlin

Eröffnung: Dichtraum, Denkraum

Fr 17.6. 17:00
U-Bahnhof Brandenburger Tor
Sa 18.6.–Fr 24.6. jeweils 10:00–17:00
Konzeption: Ursula Krechel
Eintritt frei

Den Dichtern live bei der Arbeit zusehen, das ermöglicht die soziale Installation, die an historisch gewichtigem Ort, in dem U-Bahnhof Brandenburger Tor, entsteht. Berliner Dichter zeigen, wie sie denken und wie aus dem Gedachten Gedichte werden. Sie stellen sich der Leere, dem Unwägbaren, aus dem das Gedicht kommt, in direktem Kontakt mit dem Publikum.

 

Weltklang – Nacht der Poesie

Fr 17.6.20:00
Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben
Eintritt €10/7, inklusive Anthologie mit den Übersetzungen

Mit Marcel Beyer Deutschland Iva Bittová Tschechien Yves Bonnefoy Frankreich Tsead Bruinja und dem Musiker Jaap van Keulen Niederlande Billy Collins USA El Général Tunesien Kim Hyesoon Südkorea Silvio Rodríguez Kuba und Kathrin Schmidt Deutschland  Moderation: Knut Elstermann Journalist, Berlin

Das poesiefestival berlin beginnt mit einem internationalen Konzert aus Stimmen, Sprachen und Versen. Zu Weltklang – Nacht der Poesie treten die Meister der Dichtkunst auf und entfachen ein Feuerwerk zeitgenössischer Lyrik, das ihre ganze Bandbreite präsentiert: von der klassischen Lesung über Rap und Lautpoesie bis hin zum Songwriting.

72. Auszeichnung für Textdichter

Der Erfurter Musiker Clueso wird in diesem Jahr mit dem Fred-Jay-Preis geehrt. Die mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnung soll Musiker würdigen, die mit ihren Texten „Außergewöhnliches im Bereich des populären deutschsprachigen Lieds“ geleistet haben, teilte die Gema-Stiftung als Schirmherr am Donnerstag in München mit. / Kölner Stadt-Anzeiger

71. Garten-Gedichte

Poesie im Museumsgarten des Dresdner Stadtmuseums mit Martina Hefter, Jörg Bernig und Volker Sielaff

Der Mensch beginnt an dem Tag zu leben, an dem er einen Garten anlegt“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Dem Garten widmet sich noch bis zum 26. Juni eine Ausstellung im Dresdner Stadtmuseum.

Der Botaniker erzählte uns“, so beginnt ein Text des amerikanischen Lyrikers Gary Snyder, „drüben bei Davis Lumber, zwischen Innenausstattung und Klempnerei, wächst ein griechischer Lorbeer. Nicht viel Duft, aber das ist der, den die Dichter trugen.“

Was die Dichter heute zum Thema zu sagen haben, kann man in einer Lesung mit Martina Hefter, Jörg Bernig und Volker Sielaff erfahren. Im Garten des Stadtmuseums, unter Winterkirschen, in der Nähe eines kleinen Wasserbeckens und auf einem Teppich aus Thymian, lesen die drei Autoren am Mittwoch, den 22. Juni 2011 Garten-, Natur- und Landschaftsgedichte von sich und anderen. Der Eintritt zu dieser Lesung ist frei.

70. »Pfeile aus dem Köcher«

Die neue »Schock Edition« wird heute in Berlin vorgestellt

Die zweite Folge der »Schock Edition« enthält Einzelhefte von Bert Papenfuß (»Pro tussi à gogo«), Clemens Schittko (»Manifest der Nachhut«), Brigitte Struzyk (»Das backsteinfressende Moos«), Su Tiqqun (»Im Geröll des Auges«) und Ralf S. Werder (»Bruchland«). Der gebürtige Dresdener Werder hatte im Herbst 1989 an diese Zeitung einen Leserbrief geschickt. Der Leiter der Abteilung Kultur antwortete: »Die Vorstellung macht mich grausen, Leute wie Sie hätten das Sagen«. Zwei Jahrzehnte später verschreiben sich Werder und die vier anderen Autoren nach wie vor dem nicht Marktförmigen. Die Texte sind verdichtete Miniaturen oder holen weit aus. Andere verweisen auf Philosophie und Mythologie. Bert Papenfuß verwandelt Verszeilen aus dem Hávamál der »Edda« in: »Besser ist’s, quick als lebendig zu sein; / wer flitzt, kriegt den Bogen. / Flammen sah ich schlagen / aus dem Feuerlöscher – / Pfeile aus dem Köcher«. / Robert Mießner, junge Welt

»Schock Edition«, Herausgegeben von Kai Pohl, Epidemie der Künste / Distillery, Berlin 2011, 24 Euro

Präsentation heute 22 Uhr, Rumbalotte continua, Metzer Straße 9, Berlin

69. Anton G. Leitner 50

Zu seinem Geburtstag hat Leitner im Daedalus-Verlag auch eine Sammlung mit eigenen Gedichten veröffentlicht: „Die Wahrheit über Uncle Spam und andere Enthüllungsgedichte.“

Die Jahresschrift „Das Gedicht“ ist Leitner ein besonderes Herzensanliegen: „Solange ich noch arbeitsfähig bin und ich mir das leisten kann, werde ich ,Das Gedicht‘ machen.“. Dank seiner guten Kontakte gelingt es ihm, die Zeitschrift Jahr für Jahr überwiegend mit Originalbeiträgen von Dichtern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu bestücken.

Leitner ist zudem ein leidenschaftlicher Lyrik-Missionar, der immer wieder nach neuen Wegen sucht, Gedichte unter das Volk zu bringen. Daher hat er vor einem Jahr ein neues Projekt gestartet: Einen Youtube-Lyrik-Kanal, der auch junge Menschen für Gedichte begeistern soll. „Dasgedichtclip“ zeigt Mitschnitte von Lesungen, aber auch inszenierte Clips, vielfach mit einem Augenzwinkern. Denn Leitner will keine abgehobene Lyrik. Er will mit Gedichten möglichst viele Menschen erreichen. / Die Welt

68. Morgen startet…

das poesiefestival berlin

Wort, Klang und Musik – das 12. poesiefestival berlin spürt vom 17.–24.6.2011 dieser Verbindung nach.

Eröffnet wird das Festival traditionell mit »Weltklang – Nacht der Poesie«, mit dabei sind u. a. Iva Bittova (Tschechien), Marcel Beyer (Deutschland), Yves Bonnefoy (Frankreich), Tsead Bruinja (Niederlande), Billy Collins (USA), Kim Hyesoon (Südkorea), Silvio Rodríguez (Kuba) und Kathrin Schmidt (Deutschland).

Der tunesische Rapper »El Général« ist die Stimme der Proteste in Nordafrika und schuf die Hymnen, die dem Umsturz Wort und Ton gaben. Ein ganzer Tag widmet sich den dichtenden Tongebern der Revolutionen in Ägypten, Bahrain, Libanon, Libyen und Tunesien.

Der diesjährige Übersetzungsworkshops »VERSschmuggel« setzt den Schwerpunkt auf Frankreich und Deutschland. Das poesiefestival berlin präsentiert zudem neue Poesie von Dichtern, die ihre Heimatländer, ob in Afrika oder im Kaukasus, verlassen mussten und nun die Dichtkunst ihrer europäischen Exilländer mit bestimmen.

Zeitgenössische Poesie und elektronische Musik bringt e.poesie in Relation – und bezieht dabei die Architektur der Akademie der Künste am Pariser Platz bewusst mit ein. Fünf Komponisten aus Israel, Russland, Tschechien, den USA und den Niederlanden vertonen die Werke zeitgenössischer internationaler Dichterkollegen aus Island, Palästina, Russland, den Niederlanden und der Schweiz und beziehen Positionen zwischen deklamiertem Text, Instrumentalmusik und Klang- bzw. Lautperformance.

Das diesjährige Colloquium widmet sich dem Songwriting, ein großes Konzert mit Thomas Meinecke, Gustav und Peter Licht schließt das poesiefestival berlin.

Ein umfangreiches Programm mit Veranstaltungen für Kinder, Performances, Lesungen und Filmen, der Installation »Denkraum, Dichtraum« nach einer Idee von Ursula Krechel, der „Movens“-Installation zur Präsentation und Vermittlung von Poesie sowie der stadtweiten Lesung „Poets’ Corner“ runden das poesiefestival berlin ab.

Das poesiefestival berlin ist ein Projekt der Literaturwerkstatt Berlin in Kooperation mit der Akademie der Künste. Es findet statt mit freundlicher Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds.

17. – 24. Juni 2011

poesiefestival berlin
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Berlin

Informationen: www.literaturwerkstatt.org

67. Heute ist…

Bloomsday (read with Marilyn)

66. Deutsche Dichter aus Syrien

Zwei syrisch-deutsche Dichter bereichern unsere Sprache: Adel Karasholi und Wahid Nader lasen im Erfurter Cafe Nerly in der Reihe „Migrationsliteratur – Ich bin kein Genre!“ …

Wunderbar, wie beide Dichter die deutsche Sprache bereichern. Mit Temperament, Gestus, Witz und originellen Wortschöpfungen. Er wisse manchmal nicht, ob er ein deutsches Wort aus dem Arabischen abgeleitet oder erfunden habe, gestand Nader, der schon Gast der Mitteldeutschen Lyriknacht in Weimar war. Während Karasholi den Heimat-Begriff für sich ablehnt – er kenne nur Heimatstädte; in Leipzig sei er „daheim“, Damaskus sei die Stadt seiner Kindheit -, erklärt Nader, zwei Heimaten zu haben, auch in der Sprache, wobei ihm das Arabische näher stehe. Karasholi spricht vom Prozess der „Ansiedlung“ in der deutschen Sprache, der über heftige Kollisionen, allmähliche Umarmungen fast bis zur Verschmelzung führe. Jetzt habe er begonnen, „Gegengedichte“ zum Band „Daheim in der Fremde“ zu schreiben. / Frank Quilitzsch, TLZ (OTZ) 15.6.

65. Meine Anthologie: Kaddish (über über 120 Lyriker)

Clemens Schittko

Der nullte Kaddish

vor Paulus Böhmer

Ich dachte an die vielen Morde …
die im In- und im Ausland …“
Graf Schwerin von Schwanenfeld

Was die mit Preisen und
Stipendien ausgezeichne-
ten, die mit Poetikdozen-
turen bedachten oder vom
Feuilleton gelobten (über
120) deutschsprachigen
Lyriker meiner Generation
in ihrer sogenannten zeit-
genössischen Lyrik nicht
erwähnen, das ist das ei-
ne Kind unter zehn Jah-
ren, das alle fünf Sekun-
den verhungert; das ist
der eine Mensch, der alle
vier Minuten wegen Man-
gel an Vitamin A das Au-
genlicht verliert, das sind
die über 100.000 Men-
schen, die jeden Tag an
Hunger oder seinen un-
mittelbaren Folgen ster-
ben, das sind die 828
Millionen Kinder, Män-
ner und Frauen, die letz-
tes Jahr permanent
schwerstens unterer-
nährt waren, das sind die
12 Milliarden Menschen,
die die Weltlandwirtschaft
heute problemlos ernäh-
ren könnte (aus der Zeit-
achse fällt alles Fleisch),
das ist die nordamerika-
nische Finanzoligarchie,
die 24% des Welt-Brutto-
sozialprodukts, 41% des
Welthandelsvolumens
und 53% des Weltener-
giemarktes beherrscht,
das sind die 42% aller
Militärausgaben der
Welt, die die USA Jahr
für Jahr tätigen, das ist
der inzwischen nur noch
zweitreichste Mann der
Erde, Bill Gates, der so
viel Geld besitzt wie die
ärmsten 120 Millionen
US-Bürger zusammen,
das sind die Hunderte
von Millionen, die jedes
Jahr an den Folgen von
Krankheiten und Epidemien
sowie den Mangelerschei-
nungen, die auf schwere
Unterernährung zurück-
zuführen sind, sterben,
das sind die 2,7 Milliarden
Menschen, die unterhalb
der Armutsgrenze von we-
niger als zwei US-Dollar
pro Tag leben (ich kann
mir an den Kopf fassen,
kann mich aber nicht als
Gehirn begreifen), das
sind die reichsten 1% der
Weltbevölkerung, die 40%
des Weltvermögens kon-
trollieren, das ist die ärm-
ste Hälfte der Weltbevöl-
kerung, die nur 1% des
Weltvermögens besitzt,
das sind die 2,6 Milliarden
Menschen und damit fast
zwei Fünftel der Weltbe-
völkerung, die keinen Zu-
gang zu Sanitäranlagen
haben, das sind der Man-
gel an sauberem Wasser,
fehlende Sanitäranlagen
und schlechte Hygiene,
die jährlich etwa 1,5 Milli-
onen Kindern unter fünf
Jahren das Leben kosten,
das sind die 500 größten
multinationalen Konzerne
der Welt, die 52% des Welt-
bruttosozialprodukts, also
die Hälfte aller auf der Welt
erzielten Reichtümer, be-
herrschen (kein König, Kai-
ser oder Papst hat jemals
so viel Macht besessen),
das sind die 176 Kinder
unter sieben Jahren, die
innerhalb von zwei Stun-
den an Hunger sterben,
das sind die 49 ärmsten
Länder der Welt, die im
letzten Jahr eine Auslands-
schuld von 2.100 Milliarden
Dollar auszuweisen hatten,
das sind die 30 Millionen
Menschen, die jährlich ver-
hungern (im Vergleich dazu
tauchen die über 3.000 Men-
schen aus 62 Nationen, die
innerhalb von drei Stunden
am 11. September 2001 in
New York ermordet wurden,
in keiner überregionalen Mor-
talitätsstatistik auf), das sind
Hunger, Seuchen, Durst und
armutsbedingte Lokalkonflik-
te, die jedes Jahr fast genau-
so viele Männer, Frauen und
Kinder dahinraffen wie der
Zweite Weltkrieg in sechs
Jahren, das sind die sieben
Millionen Menschen, die auf-
grund mangelhafter Ernäh-
rung oder infolge von Krank-
heiten jedes Jahr erblinden,
das ist das Wissen der Welt
(über die Welt), das sich alle
fünf bis zwölf Jahre verdop-
pelt, (Notiz an mich: Ab dem
30. Lebensjahr verdoppelt
sich auch, egal an welchem
Ort der Erde, ca. alle 9 Jah-
re das Risiko zu sterben),
das sind die vielen Billionen
Menschen, die tot sind, seit
es Menschen gibt (ginge es
demokratisch zu, müsste
man Wahlbenachrichtigun-
gen an die Friedhöfe dieser
Welt schicken), das sind die
mit Preisen und Stipendien
ausgezeichneten, die mit Po-
etikdozenturen bedachten
oder vom Feuilleton gelobten
(über 120) deutschsprachigen
Lyriker meiner Generation
selbst (denn ich will hier
niemanden mit Zahlen lang-
weilen), die sich in ihrer
sogenannten zeitgenössi-
schen Lyrik nicht erwähnen.

Aus:

Kai Pohl / Clemens Schittko: da kapo mit CS-Gas, Fixpoetry Verlag 2011, 60 Seiten, 10 Euro (www.fixpoetry.com) S. 27-31


64. Sand und Perlen

Starke Verse fand der Meister auch für sein Handwerk: „Ich ziehe am Ufer einen Strich in den Sand: / Nur wenig später spült die Flut ihn weg. / Genauso geht es dem Gedicht.“

Schöne Seiten hat das kleine Buch. Aber: Viele Texte wirken belanglos oder nicht zu Ende gedacht („Rätsel sind nicht so wie sie erscheinen, / Und Worte reichen selten zum Erklären“). Manche Zeile kommt allzu blumig, affektiert daher, Verse holpern, und man weiß nicht: Liegt es am Versmaß der alten Lusitaner oder an der Übersetzung? „Dem Meer dreh ich den Rücken zu, versteh es ja, / Zu meinem Menschsein ich zurück mich kehre. / Wie viel da ist im Meer, finde ich staunend / In meinem kleinen Sein, das ich wohl sehe.“ Man lese diese Zeilen laut: unmöglich. Da ist viel Sand zwischen Treibgut und Perlen. / Uwe Stolzmann, DLR

José Saramago: Über die Liebe und das Meer. Gedichte
Aus dem Portugiesischen von Niki Graça
Hoffmann und Campe, Hamburg 2011
103 Seiten, 15 Euro