93. Lyrik iranischer Frauen

Die Unterdrückung der Frau in repressiven Gesellschaftsformen unter pseudoreligiösem Deckmäntelchen findet sich indirekt auch in dem schockierend direkten Gedicht „The Child is 18“ von Saghi Gharaman, während Fereshteh Sari im Raum der Poesie eine Heimat, einen Rückzugsort findet – bis auch dieser ihr durch politische Repression genommen wird: „These days / There aren’t any rooms / That can harbor me against the crowd / and behind every window / inside and outside every room / a two-faced clown sneers“.

Viele, die unter dem Shah oder der aktuellen Diktatur ins Exil getrieben wurden, schreiben vom Unterwegssein, vom Ankommen in einer neuen Heimat oder von den Differenzen zu ihr, und jene, die geblieben sind, erzählen (zumeist indirekt) von der inneren Emigration und der vorhandenen oder längst verlorenen Hoffnung. „When will we arrive at the garden?“ fragt Parvaneh Forouhar … 1998 wurden sie und ihr Mann vom Regime ermordet, ihre Leichen nach Mekka ausgerichtet. Im Sommer 2011 erscheint ein Buch von Parvanehs Tochter Parastou. Es heißt „Das Land, in dem meine Eltern umgebracht wurden: Liebeserklärung an Iran“.

/ Gerrit Wustmann, cineastentreff

The Poetry of Iranian Women – A Contemporary Anthology“, Hrsg. Sheema Kalbasi

92. LUXUSlyrikdampfer

poesiefestival berlin

So 19.6. 11:00–18:00 Abfahrtszeiten: Jede volle Stunde

Anlegestelle Wildenbruchbrucke
Eintritt frei

Es lesen pro Fahrt drei bis vier Lyriker der letzten Ausgaben von »lauter niemand«.

Lust auf Dampferfahren mit Lyrik? Unter der Flagge von »48 Stunden Neuköln« zum Thema Luxus lädt die Neuköllner Redaktion von »lauter niemand« Autoren und Leser aufs Deck, die sich der Poesie verschrieben haben. Seit über 14 Jahren kümmert sich die deutschlandweit erscheinende Berliner Literaturzeitschrift erfolgreich darum, dass Lyrik weiter gedeiht und für Jedermann bleibt: Schließich ist sie überlebenswichtig und kein Luxus für Wenige.

www.lauter-niemand.de

Eine Veranstaltung von lauter niemand im Rahmen von 48 Stunden Neukölln

91. Dichtraum, Denkraum

poesiefestival berlin

So 19.6.

U-Bahnhof Brandenburger Tor
Eintritt frei

10:00 Birgit Kreipe 12:30 Julia Trompeter und Xaver Römer 15:00 Ulf Stolterfoht

90. Poetry on the road

Die Berliner Schriftstellerin gilt als hoch gebildet, sie kennt sich bestens aus in der historischen Tradition, bringt Tiefenschärfe in jede Debatte und experimentiert erfolgreich mit allen Mitteln der Kunst. Sie gehörte zu den Ersten, die die Möglichkeiten des Internets erkundeten, überraschte die Literaturgesellschaft mit ihrem „Space Poem“ und SMS-Gedichten. Klar, dass sie auch auf Anton Leitners Videokanal zu finden ist.

Ulrike Draesner: Berührte Orte. Gedichte. Luchterhand Verlag, 118 Seiten, 16 Euro

Porträt: Ulrike Draesner – Poetry on the Road, [3:18]

TV-Movie erkor seine Videoanthologie zum Free-TV-Top-Link, das Börsenblatt der Buchhändlervereinigung feierte auf einer ganzen Seite den neuen Weg, Lyrik „audiovisuell erfahrbar“ zu machen: „Wer sich ein Bild von aktueller Poesie-Performance machen will, wird auf Leitners Videokanal fündig.“

Anton G. Leitner: „Die Wahrheit über Uncle Spam und andere Enthüllungsgeschichten“. Daedalus Verlag, 128 Seiten, 9,95 Euro

Anton G. Leitner über Poetry on the road, [1:13]

Fünf Jahre lang war er der Vorsitzende des niederländischen PEN – da weiß man, wie es um die Literatur bestellt ist. In seinem Heimatland offenbar recht gut. Denn kaum ein anderes Land lässt sich die Literatur so viel kosten. Ob deswegen auch mehr gelesen wird?

Hans van de Waarsenburg: „So treibt die Insel“. Gedichte. Verlag Ralf Liebe, 220 Seiten, 20 Euro

/ Radio Bremen

 

89. Friedenspreis für Ben Jelloun

Der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun wird mit dem  mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis ausgezeichnet. Das Werk des 1944 geborenen Autors stehe im Zeichen der Toleranz und der Integration. Sein jüngster Band „Arabischer Frühling“ beschäftige sich mit den Ursachen und Folgen der Demokratiebewegung, sagte am Mittwoch der Vorsitzende der Jury, der Osnabrücker Universitätspräsident Prof. Claus Rollinger.

Damit geht – als Signal an die Demokratiebewegungen in Nordafrika – erneut ein wichtiger Preis an einen nordafrikanischen Autor. Erst vor wenigen Tagen hatte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bekanntgegeben, dass der algerische Autor Boualem Sansai mit dem diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird. „Beide Jurys haben anscheinend das gleiche Bedürfnis gehabt“, sagte Rollinger. / Der Standard

88. Petrarca-Preis geht an John Burnside und Florjan Lipuš

Die Schriftsteller John Burnside und Florjan Lipuš bekommen den mit 20.000 Euro dotierten Petrarca-Preis. Sie werden „für ihre herausragenden und bedeutsamen Werke“ ausgezeichnet, wie die Hubert-Burda-Stiftung, die den Preis vergibt, am Donnerstag in München mitteilte. Die Juroren um Peter Handke und Michael Krüger hätten sich einstimmig für die beiden Autoren entschieden, die sich das Preisgeld teilen müssen. / Der Standard

87. Zuckererbsen nicht minder*

Für einen Augenblick weiche ich ab von meinem Widerwillen gegen den Banal-Journalismus, der so mundfertig mal „die Marlene von heute“, mal „Er ist ein neuer Thomas Bernhard“ blökt – und sage: Vieles im lyrischen Kosmos des Czeslaw Miłosz erinnert an Rilke (den er oft nennt). Rilkes Trotz, mit dem dieser die – sogar sexuellen – Lebensfreuden hienieden für sich, nein: für uns einfordert, liest sich bei seinem polnischen Bruder im Geiste so:

Herrgott, ich liebte Erdbeermarmelade,
Und die dunkle Süße des weiblichen Körpers.
So wie auch eisgekühlten Wodka, Heringe in Öl
Und den Duft von Zimt und Nelken.

/ Fritz J. Raddatz in der Welt heute zum 100. Geburtstag des polnischen Dichters Czesław Miłosz am 30.6.

*) vorsichtshalber füge ich hinzu, daß die Anspielung auf Heine im Titel keine Persiflage meint, seis auf Miłosz oder Raddatz, sondern bloß, vermittels des Wörtchens „hienieden“, Freude über eine Parallele Heine-Rilke(-Miłosz) ausdrücken soll. (Und den Wodka als Zugabe, Ulf Stolterfoht herzlich gewidmet. Dazu später mehr.)

86. Fehler

Udo Kawasser sprach für den Standard mit Peter Waterhouse, dem heute abend der Ernst-Jandl-Preis verliehen wird. Zitat:

Standard: Könnte man das Buch als eine Spurensuche bezeichnen?

Waterhouse: Spuren- und Fehlersuche. Die Fehler sind das, was uns fehlt. Im Englischen ist „mistake“ ja vielmehr das Missverständnis. „Fehler“ hat im Deutschen keinen bemängelnden Ausdruck, sondern stellt Abwesenheit fest. Man könnte statt Fehler „Abwesenheit“ oder „Abwesende“ sagen. Die Toten sind die „Fehler“, so kann man es empfinden.

85. Aktivität

Facebook schreibt mir:

Ferdinand Meier likes your Aktivität

Ah, spräkken sie deuts? Und vor allem: woher weiß der… Fühlt man sich doch ertappt.

84. Preisverleihung an Peter Waterhouse

In diesem Jahr geht der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik an den österreichischen Autor Peter Waterhouse. Die feierliche Preisverleihung findet am Samstag, 18. Juni 2011 im Rahmen der Ernst-Jandl-Lyriktage in Neuberg an der Mürz statt. …

Den zweisprachig aufgewachsenen Peter Waterhouse, der auch als Übersetzer tätig ist, interessieren Übersetzungsprozesse: von einer Sprache in die andere einerseits, andererseits auch die Übersetzung von Beobachtungen in die eigene Sprache, wie etwa in seinem großem Prosawerk „(Krieg und Welt)“, in dem Waterhouse, Sohn eines britischen Geheimdienstoffiziers und einer Österreicherin, die Geschichte seines mysteriösen und meist abwesenden Vaters rekonstruiert. / Kristin Scheucher, ORF

83. Klarstellung

OFFICIAL HIFA PRESS RELEASE FROM MANUEL BAGORRO – HIFA FOUNDER AND ARTISTIC DIRECTOR

I would like to clarify a matter that has generated much interest and some rumour. Firstly I would like to reiterate that I have not at any point been arrested.

Inevitably with matters of this nature, there are many people who express an opinion. I hereby reiterate that only I am authorised to offer official comment on behalf of HIFA.

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82. Engagement-Party

Zum internationalen Kulturfestival Hifa in Simbabwe kommen junge Lyriker der afrikanischen Literaturszene mit ihren Texten und nennen Missstände beim Namen – auch wenn sie dafür von den Regierungen gegängelt werden.

Das Motto des Festivals 2011 heißt: „The Engagement-Party“. Chirikure setzt auf Dichterkollegen, die sich einmischen. Engagieren. Deswegen unter anderem hat er Ngwatilo Mawiyoo aus Kenia eingeladen. Ihre Gedichte sind typisch; nicht nur für dieses Festival, vielleicht sogar für die afrikanische Literatur insgesamt.

Mir fällt auf: Keiner der Dichter und nicht ein einziges Gedicht kommen ohne den konkreten Bezug zu den politischen und gesellschaftlichen Missständen aus. Diese Literatur richtet sich direkt an die Menschen. In Europa würde man solchen Texten schnell einen Mangel an Kunstsinn oder ästhetischem Vermögen attestieren. Für Afrikaner gehören sie zur Überlebensstrategie. Alles andere wäre Luxus. Und so klingt das bei der botswanischen Lyrikerin T.J. Dema:

„Gedichte sind ein Scheißdreck, wenn sie nichts zu lehren haben.
Ja, ich behaupte: Gedichte sind so was von sinnlos,
wenn sie nicht das Publikum erreichen,
für das sie geschrieben worden sind.“

/ Indra Wussow, DLF

Harare International Festival of the Arts – Kulturfestival Hifa

 

81. Sindhidichter verunglückt

Der Sindhidichter Hassan Dars starb am Donnerstag im Alter von 45 Jahren in Hyderabad an einem Verkehrsunfall. Seine Anhänger betrauern ihn als einen inspirierenden und sozial aktiven Dichter. Er war mit der Dichterin Amar Mahboob verheiratet, die beiden wurden in ihren unterschiedlichen Schreibstilen bewundert.

In seiner Jugend regte der Kampf um Demokratie junge Künstler und Journalisten dazu an, ihr Talent für sozialen Wandel im Land einzusetzen. In dieser Zeit blühte die Sindhilyrik auf, hunderte Bände mit Gedichten und Kurzgeschichten wurden veröffentlicht, die den Widerstand der Massen thematisierten.

Auch Hassan schrieb mehrere lange Gedichte, die später in Urdu und Englisch übersetzt wurden. Bekannte Sänger vertonten seine Gedichte.

Der Kritiker Rauf Nizamani schrieb, Hassan Dars war der Dichter der Politik und der Liebe. Seine Gedichte seien außergewöhnlich in ihrer Bildsprache. Sein Tod sei ein großer Verlust für die Sindhiliteratur.

Angesichts der tragischen Umstände seines Todes wurde eine offizielle Untersuchung des Unfalls gefordert. Die Regierung solle sich um die Sicherheit des Straßenverkehrs und die Verbesserung der medizinischen Notfallversorgung kümmern. / Jan Khaskheli, The News.com (Pakistan)

80. Die andere Saite

Poesiegespräch: Silvio Rodríguez – Die andere Saite

Sa 18.6. 18:30
Akademie der Künste, Pariser Platz, Clubraum
Eintritt €5/3

Mit Silvio Rodríguez Kuba und Dieter Ingenschay Romanist, Berlin

Rodríguez ist der bekannteste Singer / Songwriter Kubas und vielleicht sogar Lateinamerikas, er war die Stimme der kubanischen Revolution. Seit den 70er Jahren ist er nicht nur mit seinen Liedern bekannt, sondern auch durch seine Filmmusiken, sein Gitarrenspiel sowie sein politisches Schaffen als überzeugter Kommunist. Dieter Ingenschay befragt Rodríguez zu seiner Poesie, seiner Musik und seinem Traum von einem gerechten Kuba.

79. La Liesette Littéraire

Liesette ist Bielerin. Als zweisprachige Mischpoetin spricht sie fliessend Französisch und Deutsch.

Sie ist die Jahresanthologie des Schweizerischen Literaturinstituts in Biel, die Texte von Studierenden, Dozierenden und Ehemaligen vereint.

Du kannst Liesette hier bestellen: liesette@hkb.bfh.ch.

Du kannst in sie hinein schmökern.

Oder interessiert dich ein Blick hinter die Kulissen?

 

Lisette möchte gelesen werden.
Bonne lecture!