67. Heute ist…

Bloomsday (read with Marilyn)

66. Deutsche Dichter aus Syrien

Zwei syrisch-deutsche Dichter bereichern unsere Sprache: Adel Karasholi und Wahid Nader lasen im Erfurter Cafe Nerly in der Reihe „Migrationsliteratur – Ich bin kein Genre!“ …

Wunderbar, wie beide Dichter die deutsche Sprache bereichern. Mit Temperament, Gestus, Witz und originellen Wortschöpfungen. Er wisse manchmal nicht, ob er ein deutsches Wort aus dem Arabischen abgeleitet oder erfunden habe, gestand Nader, der schon Gast der Mitteldeutschen Lyriknacht in Weimar war. Während Karasholi den Heimat-Begriff für sich ablehnt – er kenne nur Heimatstädte; in Leipzig sei er „daheim“, Damaskus sei die Stadt seiner Kindheit -, erklärt Nader, zwei Heimaten zu haben, auch in der Sprache, wobei ihm das Arabische näher stehe. Karasholi spricht vom Prozess der „Ansiedlung“ in der deutschen Sprache, der über heftige Kollisionen, allmähliche Umarmungen fast bis zur Verschmelzung führe. Jetzt habe er begonnen, „Gegengedichte“ zum Band „Daheim in der Fremde“ zu schreiben. / Frank Quilitzsch, TLZ (OTZ) 15.6.

65. Meine Anthologie: Kaddish (über über 120 Lyriker)

Clemens Schittko

Der nullte Kaddish

vor Paulus Böhmer

Ich dachte an die vielen Morde …
die im In- und im Ausland …“
Graf Schwerin von Schwanenfeld

Was die mit Preisen und
Stipendien ausgezeichne-
ten, die mit Poetikdozen-
turen bedachten oder vom
Feuilleton gelobten (über
120) deutschsprachigen
Lyriker meiner Generation
in ihrer sogenannten zeit-
genössischen Lyrik nicht
erwähnen, das ist das ei-
ne Kind unter zehn Jah-
ren, das alle fünf Sekun-
den verhungert; das ist
der eine Mensch, der alle
vier Minuten wegen Man-
gel an Vitamin A das Au-
genlicht verliert, das sind
die über 100.000 Men-
schen, die jeden Tag an
Hunger oder seinen un-
mittelbaren Folgen ster-
ben, das sind die 828
Millionen Kinder, Män-
ner und Frauen, die letz-
tes Jahr permanent
schwerstens unterer-
nährt waren, das sind die
12 Milliarden Menschen,
die die Weltlandwirtschaft
heute problemlos ernäh-
ren könnte (aus der Zeit-
achse fällt alles Fleisch),
das ist die nordamerika-
nische Finanzoligarchie,
die 24% des Welt-Brutto-
sozialprodukts, 41% des
Welthandelsvolumens
und 53% des Weltener-
giemarktes beherrscht,
das sind die 42% aller
Militärausgaben der
Welt, die die USA Jahr
für Jahr tätigen, das ist
der inzwischen nur noch
zweitreichste Mann der
Erde, Bill Gates, der so
viel Geld besitzt wie die
ärmsten 120 Millionen
US-Bürger zusammen,
das sind die Hunderte
von Millionen, die jedes
Jahr an den Folgen von
Krankheiten und Epidemien
sowie den Mangelerschei-
nungen, die auf schwere
Unterernährung zurück-
zuführen sind, sterben,
das sind die 2,7 Milliarden
Menschen, die unterhalb
der Armutsgrenze von we-
niger als zwei US-Dollar
pro Tag leben (ich kann
mir an den Kopf fassen,
kann mich aber nicht als
Gehirn begreifen), das
sind die reichsten 1% der
Weltbevölkerung, die 40%
des Weltvermögens kon-
trollieren, das ist die ärm-
ste Hälfte der Weltbevöl-
kerung, die nur 1% des
Weltvermögens besitzt,
das sind die 2,6 Milliarden
Menschen und damit fast
zwei Fünftel der Weltbe-
völkerung, die keinen Zu-
gang zu Sanitäranlagen
haben, das sind der Man-
gel an sauberem Wasser,
fehlende Sanitäranlagen
und schlechte Hygiene,
die jährlich etwa 1,5 Milli-
onen Kindern unter fünf
Jahren das Leben kosten,
das sind die 500 größten
multinationalen Konzerne
der Welt, die 52% des Welt-
bruttosozialprodukts, also
die Hälfte aller auf der Welt
erzielten Reichtümer, be-
herrschen (kein König, Kai-
ser oder Papst hat jemals
so viel Macht besessen),
das sind die 176 Kinder
unter sieben Jahren, die
innerhalb von zwei Stun-
den an Hunger sterben,
das sind die 49 ärmsten
Länder der Welt, die im
letzten Jahr eine Auslands-
schuld von 2.100 Milliarden
Dollar auszuweisen hatten,
das sind die 30 Millionen
Menschen, die jährlich ver-
hungern (im Vergleich dazu
tauchen die über 3.000 Men-
schen aus 62 Nationen, die
innerhalb von drei Stunden
am 11. September 2001 in
New York ermordet wurden,
in keiner überregionalen Mor-
talitätsstatistik auf), das sind
Hunger, Seuchen, Durst und
armutsbedingte Lokalkonflik-
te, die jedes Jahr fast genau-
so viele Männer, Frauen und
Kinder dahinraffen wie der
Zweite Weltkrieg in sechs
Jahren, das sind die sieben
Millionen Menschen, die auf-
grund mangelhafter Ernäh-
rung oder infolge von Krank-
heiten jedes Jahr erblinden,
das ist das Wissen der Welt
(über die Welt), das sich alle
fünf bis zwölf Jahre verdop-
pelt, (Notiz an mich: Ab dem
30. Lebensjahr verdoppelt
sich auch, egal an welchem
Ort der Erde, ca. alle 9 Jah-
re das Risiko zu sterben),
das sind die vielen Billionen
Menschen, die tot sind, seit
es Menschen gibt (ginge es
demokratisch zu, müsste
man Wahlbenachrichtigun-
gen an die Friedhöfe dieser
Welt schicken), das sind die
mit Preisen und Stipendien
ausgezeichneten, die mit Po-
etikdozenturen bedachten
oder vom Feuilleton gelobten
(über 120) deutschsprachigen
Lyriker meiner Generation
selbst (denn ich will hier
niemanden mit Zahlen lang-
weilen), die sich in ihrer
sogenannten zeitgenössi-
schen Lyrik nicht erwähnen.

Aus:

Kai Pohl / Clemens Schittko: da kapo mit CS-Gas, Fixpoetry Verlag 2011, 60 Seiten, 10 Euro (www.fixpoetry.com) S. 27-31


64. Sand und Perlen

Starke Verse fand der Meister auch für sein Handwerk: „Ich ziehe am Ufer einen Strich in den Sand: / Nur wenig später spült die Flut ihn weg. / Genauso geht es dem Gedicht.“

Schöne Seiten hat das kleine Buch. Aber: Viele Texte wirken belanglos oder nicht zu Ende gedacht („Rätsel sind nicht so wie sie erscheinen, / Und Worte reichen selten zum Erklären“). Manche Zeile kommt allzu blumig, affektiert daher, Verse holpern, und man weiß nicht: Liegt es am Versmaß der alten Lusitaner oder an der Übersetzung? „Dem Meer dreh ich den Rücken zu, versteh es ja, / Zu meinem Menschsein ich zurück mich kehre. / Wie viel da ist im Meer, finde ich staunend / In meinem kleinen Sein, das ich wohl sehe.“ Man lese diese Zeilen laut: unmöglich. Da ist viel Sand zwischen Treibgut und Perlen. / Uwe Stolzmann, DLR

José Saramago: Über die Liebe und das Meer. Gedichte
Aus dem Portugiesischen von Niki Graça
Hoffmann und Campe, Hamburg 2011
103 Seiten, 15 Euro

63. Gernhardt-Preis für Gsella und Göritz

Der eine ist ein mit allen sprachlichen Wassern gewaschener Komiker, der andere wartet mit einem großen Maß an Ironie auf: Der „Titanic“-Macher Thomas Gsella sowie der Lyriker, Übersetzer und Romancier Matthias Göritz erhalten den Robert Gernhardt Preis 2011. / hr online

Die Preissumme beträgt „insgesamt 24.000 Euro. Juroren waren Eva Demski (Frankfurt am Main), Karl-Heinz Götze (Aix-en-Provence) und Christoph Schröder (Frankfurt am Main)

Preisverleihung

Mousonturm Frankfurt
Waldschmidtstr. 4
5. September 2011


62. Militär-Schriftsteller Walter Flegel gestorben

Der Schriftsteller Walter Flegel erlag in Potsdam im Alter von 76 Jahren einem Schlaganfall, wie der Eulenspiegel Verlag am Dienstag in Berlin mitteilte. Flegel erhielt in der DDR für seine Romane, Erzählungen, Jugendbücher und Gedichte, in denen er seine Zeit als Offizier der Nationalen Volksarmee verarbeitete, mehrere Auszeichnungen. Zehn Jahre nach seinem Roman „Der Regimentskommandeur“ wurde er 1981 mit dem Nationalpreis geehrt.

/ Potsdamer Neueste Nachrichten

61. „Poetry on the road“ 12

Zum vollen Dutzend gibt es sogar ein Feature. Regine Beyer hat darin elf Jahre „poetry on the road“ aufgearbeitet: die Geschichte eines Literaturfestivals, das einst mit seinem Blick über die deutschen Sprachgrenzen hinaus eine Sonderstellung in Deutschland einnahm.

Tatsächlich hat die Reihe auch im zwölften Jahr ihres Bestehens nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Zur Eröffnung im Schauspielhaus am Freitagabend (20 Uhr) haben sich so namhafte Autoren wie Christoph Hein, Ulrike Draesner und Sjón aus Island angekündigt. Wobei mitunter die literarischen Gattungszuordnungen auffälliger sind als die Namen selbst. Christoph Hein zum Beispiel wird sich gemeinsam mit Autor und Sänger Wenzel der Lyrik annähern – bislang kannte man ihn lediglich als Dramatiker und Romancier.

Am ungewöhnlichen Ort kommt es tags darauf (10.30 Uhr) zu einem ungewöhnlichen Treffen: In den Tiefen der Domkrypta wird Hein dann gemeinsam mit seinem Schweizer Dichterkollegen und Kabarettisten Franz Hohler literarische Höhen erklimmen. /

Johannes Bruggaier, kreiszeitung.de

60. Kleist und Benn

„Ich dachte neulich, was geschähe, wenn heute die Penthesilea erschiene. Eine Frau, die einen Mann liebt, Achill, ihn tötet und mit den Zähnen zerreißt! Zerfleischt! Sind wir denn Hunde, nein wir sind Germanen! Perverser Adeliger wagt seine vertierte Brunst Germanenfrauen vorzusetzen! Degenerierte Offiziers- und Junkerkaste besudelt mit schmutzigsten Orgasmen keusches deutsches Heldenweib! U.s.w. Kurz: Kleist lebte nicht lange.“

Der sich hier so ereifert, ist Gottfried Benn. Gerade war zu seinem 50. Geburtstag eine Auswahl seiner Gedichte erschienen, woraufhin die SS-Zeitschrift „Das Schwarze Korps“ dem Dichter vorwarf, „Geistesverblödung ins Volk zu tragen“. Benn, der sich mit dem Regime arrangiert hatte, setzte sich zur Wehr, indem er den befreundeten Journalisten Frank Maraun dazu veranlasste, in der „Berliner Börsen-Zeitung“ eine positive Rezension des Gedichtbandes zu veröffentlichen. Sie erschien unter der Überschrift „Heroischer Nihilismus“. In seinem Dankesbrief vom 11. Mai 1936 zieht Benn die Parallele zu Heinrich von Kleist, der, wie er selbst, Opfer banausischer NS-Kulturfunktionäre geworden wäre.

Mit dieser Einschätzung liegt Benn ziemlich daneben. Wie sehr Kleist von der NS-Kulturpolitik trotz seines wahrlich sperrigen Werkes vereinnahmt wurde, zeigt eine Doppelausstellung in der Ausstellungshalle des Schlosses Neuhardenberg und im Kleist-Museum in Frankfurt/Oder. / Eckhard Fuhr, Die Welt

59. Schicksalsstücke

Die Lehre vom Dichter als Seher findet in Rilkes «Erster Duineser Elegie» zum rein pathetischen Ausdruck und lebt fort in Gottfried Benns Aberglauben, Walter Hasenclevers Horoskopen, Elsa Lasker-Schülers Stern-Signaturen und Hermann Hesses Zahlenmagie. Die endgültige metaphysische Ausnüchterung erfolgt im Zeichen Neuer Sachlichkeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Kunst wird nun zur Technik, Magie zur Mache, Vorsehung zum Zufall. Davon kündet Friedrich Kittlers selbstgebastelter Synthesizer ebenso wie Hubert Fichtes Wortfeld-Mathematik oder Robert Gernhardts Stachelschweinborsten-Poesie (aus dem Vorraum grüsst ratternd Hans Magnus Enzensbergers Poesieautomat herüber). Persönliche «Schicksalsstücke» haben u. a. Arno Geiger, Brigitte Kronauer, Martin Walser und Bazon Brock beigesteuert – als «Zufälle», an denen sie sich abarbeiteten, bis ihnen daraus ein Sinn entwuchs. / Andreas Breitenstein, NZZ 11.6.

58. Uncle Spam

Lyrik-Papst Anton G. Leitner enthüllt “Die Wahrheit über Uncle Spam”

Zum 50. Geburtstag von Anton G. Leitner am 16. Juni 2011 erscheint im Daedalus Verlag (Münster) sein neuer Gedichtband “Die Wahrheit über Uncle Spam”. Leitner, den Radio Bremen kürzlich als “Poet, Urgestein, Multitalent und genialen Multiplikator” würdigte, erweist sich einmal mehr als satirischer Beobachter mit messerscharfem Blick. …

Eigens für die Neuerscheinung drehte der Münchner Filmemacher Richard Westermaier (”Wildbach-Toni”) einen dreiminütigen Kurzfilm. Anton G. Leitner spricht darin mit dem Kritiker Nicola Bardola über sein neues Buch und rezitiert daraus drei “Enthüllungsgedichte” (”Politiker auf Posten”, “Durch den Magen. Jagen” sowie “Eltern verhaften”). Dieser Buchtrailer und über 100 weitere Lyrik-Clips sind im Internet unter www.youtube.com/user/dasgedichtclip aufrufbar.
/ presseschleuder.com

57. Gegen Abgehobenheit

Direkte politische Lyrik gilt mitunter als verpönt – das ist nicht ganz unbegründet. Viel Plattes und Plakatives hat der Social Beat hervorgebracht, und bis heute gibt es Autoren, deren Politlyrik vor allem in Verse gebrochene Meinungsprosa ist. Da kann man zustimmend nicken oder verständnislos den Kopf schütteln und das war es dann. Inhaltliche oder sprachliche Originalität sucht man meist vergeblich. Dabei gibt es heute eine Fülle an wirklich überzeugender Politlyrik. Tom Schulz hat das gezeigt in seiner Anthologie „alles außer Tiernahrung“, weitere vielfältige Beispiele hat jüngst Anton G. Leitner in „Gedichte für Zeitgenossen“ vorgelegt. Nun kommt mit „da kapo mit CS-Gas“ ein Band von Pohl und Schittko, der das Plakative und Direkte augenzwinkernd und doppelbödig verarbeitet, mit Wortspielen soziale Missstände ergründet und Klischees der Lyrikszene bissig und angriffslustig seziert.

2010 Gewann Clemens Schittko den „lauter niemand preis für politische lyrik“; Pohl veröffentlichte seinen Band „Fahrkarte zur Revolution“ bei SuKulTuR, eine weitere Gedichtsammlung in Enno Stahls KRASH-Edition; Schittko sagt offen, dass er sich nicht als „Lyriker“ versteht, weil ihm das zu abgehoben ist – diese Zuneigung zum Underground, diese klare Abgrenzung zu elitärem Anruch, der in der Szene grassiert, macht die beiden furchtbar sympathisch. Sie zelebrieren mitunter das Sich-selbst-nicht-so-todernst-nehmen und thematisieren die Distanz zum offiziellen Literaturbetrieb (was auch immer das eigentlich ist…) immer wieder in ihren Gedichten. / gw, cineastentreff

Kai Pohl / Clemens Schittko: da kapo mit CS-Gas, Fixpoetry Verlag 2011, 60 Seiten, 10 Euro (www.fixpoetry.com)

56. American Life in Poetry: Column 325

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

 

Many of us have attempted to console friends who have recently been divorced, and though it can be a pretty hard sell, we have assured them that things will indeed be better with the passage of time. Here’s a fine poem of consolation by Patricia Jabbeh Wesley, who teaches at Penn State.

 

One Day

 

One day, you will awake from your covering
and that heart of yours will be totally mended,
and there will be no more burning within.
The owl, calling in the setting of the sun
and the deer path, all erased.
And there will be no more need for love
or lovers or fears of losing lovers
and there will be no more burning timbers
with which to light a new fire,
and there will be no more husbands or people
related to husbands, and there will be no more
tears or reason to shed your tears.
You will be as mended as the bridge
the working crew has just reopened.
The thick air will be vanquished with the tide
and the river that was corrupted by lies
will be cleansed and totally free.
And the rooster will call in the setting sun
and the sun will beckon homeward,
hiding behind your one tree that was not felled.

 

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Patricia Jabbeh Wesley from her fourth book of poetry, Where the Road Turns, Autumn House Press, 2010. Poem reprinted by permission of Patricia Jabbeh Wesley and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

55. Nicht von Rilke

wer einen gedichtband von Adrian Kasnitz liest, macht nichts falsch. im gegenteil. sich für lyrik zu entscheiden, insbesondere wenn es sich einmal nicht um einen geschenkbuchRilke oder welthaltigkeitsBenn handelt, sondern um einen noch lebenden dichter, zeugt von neugier, aber auch von vertrauen darein, dass ein heutiger uns heutigen ebenfalls etwas zu sagen hat. oder vielmehr zu zeigen. …

wo es im letzten und ganz großartigen band den tag zu langen drähten (parasitenpresse 2010) noch eher um menschen, um dorfbewohner und die unsicherheit des städters ihnen gegenüber ging, interessieren den autor im aktuellen buch schrumpfende städte als ausfransende, auch demographisch ausblutende ballungsgebiete, zum größeren teil jedoch eher als verblassende, immer unspezifischer sich von allem andern scheidende gegenden: irgendwoseitlichnördlich von sonstlichtpunkte im wald. keine veduten, keine dem städtischen opponierende loci amoeni. mit einem wort: tristesse, ausgewaschenheit, schlichte anwesenheit einer gegend, nur ab und zu etwas spezielles, aufplatzende äpfel, ein mädchen mit gelbem gesicht, das dann gerade durch seine seltenheit wirkt. / CRAUSS, titel

Adrian Kasnitz: schrumpfende städte
Wiesbaden: Christian Lux Verlag 2011
80 Seiten. 19,80 Euro

54. Sa-um aus dem alten Island

Poem and reading by Eiríkur Örn Norðdahl

This is a sound-poem in homage to a 17th-century Icelandic nonsense poet called Æri-Tobbi, or Crazy Tobbi, whose poetry is discussed at length in a fascinating essay archived at Norðdahl’s blog: “Mind the Sound”

53. Vergessene Bücher

„Vergessene Bücher“ ist der Titel einer neuen Essay-Reihe, in der das Online-KulturJournal „Glarean Magazin“ wöchentlich Werke vorstellt, die vom kulturmedialen Mainstream links liegengelassen oder überhaupt von der «offiziellen» Literaturgeschichte ignoriert werden, aber nichtsdestoweniger von literarischer Bedeutung sind über alle modische Aktualität hinaus:

http://glareanverlag.wordpress.com/category/vergessene-bucher/

Die Verfasser der Beiträge pflegen dabei einen betont subjektiven Zugang zu ihrem jeweiligen Gegenstand und wollen weniger belehren als vielmehr erinnern und interessieren. Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind eingeladen, ihre persönliche Wahl eines zu unrecht „vergessenen Buches“ essayistisch zu begründen. Dabei kann zwar kein Geld verdient werden, aber das nichtkommerzielle Kultur-Portal „Glarean“ bietet einen hohen Verbreitungsgrad für die Texte und eine ebenso interessierte wie internationale Leserschaft.

Ein Aufsatz in der Reihe „Vergessene Bücher“ umfasst ca. 2’500 – 3’500 Wörter (unformatiert), ist in deutscher Sprache abgefasst und sollte noch unveröffentlicht sein, muss sich aber bezüglich literarisches Genre bzw. Themata an keinerlei Vorgaben halten.  Der Textzusendung – bitte ausschliesslich per E-Mail – sollten einige biographische Stichworte zum Verfasser sowie dessen Portrait-Foto beigefügt werden.

Einsendungen an:
glarean.verlag@gmail.com  ( c/o Redaktion: Walter Eigenmann )