1. Andersartigkeit & Toleranz

Die türkische Lyrikerin [Arzu Alir] hatte selbst wegen ihrer angeblichen Andersartigkeit immer zu kämpfen. Alir wurde 1973 geboren. „Als Kurdin ist sie eine Fremde im eigenen Land“, sagt Török. Sie wurde zwangsverheiratet, konnte sich aber scheiden lassen. Inzwischen lebt sie mit ihren beiden Söhnen in Ankara, hauptberuflich ist sie Lehrerin. Momentan schreibt sie an ihrem zweiten Roman – nachts. Umso bewundernswerter sei ihr Werk, so Török.

Häufig verarbeitet Alir in ihren Gedichten Erlebtes. Sie beschäftigt sich beispielsweise mit der Situation der Frauen im „Mittleren Osten“. Explizit autobiographische Züge hat ein Gedicht über eine 18-Jährige, die sich Gedanken über ihr Leben macht, was sie sich erhofft und wie es weitergeht. Ein wiederkehrendes Thema in ihrem Gedichtband „Wenn Satan sich zum Rosenzweig beugt“ ist außerdem die Toleranz zwischen Religionen und Völkern. / Mitteldeutsche Zeitung

116. Wider die Oppenlücke

Eine Lücke in der Rezeptionsgeschichte amerikanischer Literatur in Deutschland, die es nach meiner Meinung gleich und sofort zu schließen gilt, ist die Oppenlücke. Im Wiesbadener Verlag Luxbooks erschien im letzten Jahr ein zweisprachiger Band unter dem Titel The Materials Die Rohstoffe.  Das Original ist 1962 im Verlag New Directions in New York erschienen. (…)

Jedoch vereinigte die Gruppe der Objektivists Oppen mit Autoren wie Zukofsky und Williams, Autoren, die auch politisch über einen Vorwurf des Dogmatismus erhaben waren. Sie konstituierte sich in Anschluss und Abgrenzung zu den Imagisten, deren Vertreter zum Beispiel Pound, Williams und H.D. waren. Laut Zukofsky, einem der maßgeblichen Vertreter, bestand Objektivismus darin, das Gedicht als Objekt zu behandeln, nicht als Ausdruck irgendeiner seelischen Verwerfung. Der Dichter betrachte die Welt mit Aufrichtigkeit und Intelligenz.  (…)

Die Stadt und immer wieder die Stadt. Oppen zeigt sie in ihrer verletzenden Starre, aber auch in ihrer vereinnahmenden Beweglichkeit  Ursprung und Ziel der Zivilisation, denn hier kommen die Menschen zusammen und sind gewissermaßen zur Interaktion gezwungen. Und in all dem bilden sie und ihre Stadt bei Oppen doch auch einen Gegenentwurf zum dunklen, rauchigen und vergiebelten Bild, das der deutsche Expressionismus in Lyrik und Film vom Moloch entwarf.

Norbert Lange, der eine vorzügliche Übersetzung der Oppenschen Texte geliefert hat, schreibt in seinem Nachwort: Oppen zielt auf den, wenn auch flüchtigen Zustand, in dem der Dichter sich den Dingen unvoreingenommen stellt. Diese Annäherung lässt sich als Begegnung von Welt und Subjekt auffassen, die innerhalb des von Sprache Ausdrückbaren stattfindet.

Und genau das ist der Punkt,  in dem sich Oppen von den Ideologen unterscheidet. Er begegnet der Welt und will sie nicht überwältigen.

/ Jan Kuhlbrodt, Fixpoetry

Georg Oppen: Die Rohstoffe. Aus dem amerikanischen Englisch von Norbert Lange. Mit einem Nachwort von Paul Auster. ISBN 978-3-939557-4-87 € 22,-  luxbooks Wiesbaden 2012

115. Verständliches Gras

(…) das Gedicht „Nysa“ beginnt mit den Versen „es schläft das Gras, das Gras / schläft“; in „Bobrowski in Friedrichshagen“ gilt es, sich „zu vertiefen in selbst / verständliches Gras“ und im Gedicht „Die Lebenslinie“ hofft das lyrische Ich, dass es möglich ist, Eigentum zu erwerben, um Gras anbauen zu können. Im letzten Gedicht des Bandes „Am Morgen mit der Herkunftsgarantiebanane“ findet sich dann, als würde die innere Musik nur zeitweilig schön klingen können, ein Verweis auf „Katzengras“. So erschließen sich über das Gras Assoziationsräume: Gras, in das man sich legen kann; Gras, aus dem sich Träume bauen lassen; Gras, das alles bedeckt, bis jemand kommt, der es nicht wachsen lassen will.

(…)

Tom Schulz‘ Gedichte, geformt aus innerer Musik, besitzen einen verführerischen Klang. Seine Gedichte finden zum Gras und sie beschwören den Schlaf, der ein weiteres zentrales Motiv ist, das sich durch den Gedichtband zieht. Der neue Band vereint Gedichte, die in der Schwebe bleiben wollen. Es geht um Momente, bedeutende Momente, wenn man sich zu „schlafendem Gras“ neigt. Jedes Gedicht eröffnet einen Reigen verführerischer Ahnungen – nur von faden Gewissheiten wollen sie nichts wissen. / Michael Opitz, DLR

Tom Schulz: Innere Musik
Gedichte
Berlin Verlag, Berlin 2012
120 Seiten, 19,99 Euro

114. Heute kein Ich

Gegen Ende des Bandes finden sich denn auch einige Texte, die eben jenes mit uns alternde Ich relativieren. Die es gewissermaßen als Reflexionsmaschine in die Dingwelt stellen. Das ist etwas, was wir Nichtwiener von den Wienern lernen können und sollten, dass man, wenn man sich selber weniger ernst nimmt, im morbiden Humor entwickeln kann, ja muss. Das letzte Gedicht des Bandes sei hier vollständig wiedergegeben, denn es bringt so einiges auf den Punkt:

KEIN ICH

heute kein Ich, das Ich gelöscht
Das falsche Ich, das sich ausbreitend
immer noch Ich sagt, ein großartiges
weithin hallendes Ich. Ich über den
Wipfeln und Gipfeln, wohin
keine Autos fahren, auch
nicht im Traum. Ich im nächtlichen
Aufschrei von Vögeln, in Möbeln,
Werkzeugen, Papieren – ich
auf Festplatten, Massenspeichern.
Ich, dieses unwissentlich geräuberte und
adaptierte Ich, auch in den Büchern
im Koffer, der sich ganz von selbst öffnet.

Jan Kuhlbrodt, Fixpoetry, über:

E. A. Richter, Schreibzimmer. Gedichte.  ISBN 978-3-902113-94-8 
€ 20,– Edition Korrespondenzen Wien 2012

113. Überzeugung

Wondratschek hat die Hölderlin-Aufnahme zusammen mit Manfred Eicher produziert (ECM), den er vor nicht langer Zeit kennenlernte und den er für solche Kunst der poetischen Verdichtung ohne Überredungsmühe gewinnen konnte. Mit Radikalität meint Wondratschek wohl die Konzentration nur auf das Dichterwort, das Zeile für Zeile gesprochen wird – langsam, fast zeremoniell, doch ohne Pathos, ohne dramaturgische Zuspitzung.

‚Überzeugung‘ heißt das erste der hier versammelten fünfundzwanzig Scardanelli-Gedichte, das der Hölderlin-Darbietung gleich am Anfang ihr langsames Tempo und ihren unabänderbaren Rhythmus gibt. Gelesen wird zuerst der Titel, um den herum sich ein langes Schweigen ausbreitet, bevor die ersten Zeilen ertönen: ‚Als wie der Tag die Menschen hell umscheinet / und mit dem Lichte, das den Höhen entspringet, / die dämmernden Erscheinungen vereinet / ist Wissen, welches tief der Geistigkeit gelinget…‘ So spricht kein geistesgestörter, sondern ein in jahrzehntelanger Isolation lebender, durch Weltwissen erleuchteter Dichter. ‚Der einsamste und sprachloseste Mensch war er geworden‘, schreibt Peter Sloterdijk im Booklet, ‚weil er der einzige gewesen war in seiner Zeit, in dem die Sprache selbst, das unbedingte Sagen, sich hatte verkörpern wollen, jenseits von Ich und Nicht-Ich.‘ / Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung 23.1.

Friedrich Hölderlin: Turmgedichte. Gelesen von Christian Reiner. ECM New Series 2285. München 2012, 17,90 Euro.

Überzeugung

Als wie der Tag die Menschen hell umscheinet
Und mit dem Lichte, das den Höhn entspringet,
Die dämmernden Erscheinungen vereinet,
Ist Wissen, welches tief der Geistigkeit gelinget.

Hölderlin schrieb das Gedicht am 26.2. 1841 auf Bitten von Christoph Theodor Schwab aus dem Stegreif in ein Exemplar der „Gedichte von Friedrich Hölderlin“ (1826).

112. Probezeichnung

Ulrich Kochs Gedichte sind Chronometer eines melancholischen Weltgefühls, diskrete Momentaufnahmen einer existenziellen Obdachlosigkeit. Ihre Schauplätze sind die dunklen Rückseiten der Vorstädte: Buswartehäuschen, Hinterhöfe, Vorgärten, Turnhallen, Baggerseen oder «die Regentonnen unter der Traufe». Kochs lyrisches Subjekt ist unter die einsamen Verlierer der Vorstädte gemischt und protokolliert in lakonischer Verknappung die Geschehnisse «am Ruhetag der Frisöre und Gasthöfe». (…)

Ulrich Koch, 1966 in einer Kleinstadt bei Lüneburg geboren, hat sich nach seinem stark beachteten Debüt («Weiss ich», 1995) lange Jahre aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen. Nun kehrt er zurück mit einem grossartigen Gedichtbuch, in dem sich Hoffnung und Verzweiflung in einer prekären Balance befinden. Bilder einer Atemwende, vom Ersticken bedroht: «Meine Prophezeiung, / meine Probezeichnung. // Mein Strohhalm, / mein Tracheostoma. // Durch die Augen sauge / ich Licht.» / Michael Braun, NZZ 30.1.

Ulrich Koch: Uhren zogen mich auf. Gedichte. Poetenladen-Verlag, Leipzig 2012. 104 S., Fr. 25.90.

111. American Life in Poetry: Column 402

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Shadow play is among the few free entertainments left, and it must go on delighting children all around the globe. Derek N. Otsuji lives in Hawaii, and here’s his reminiscence.

Theater of Shadows

Nights we could not sleep—
summer insects singing in dry heat,
short-circuiting the nerves—

Grandma would light a lamp,
at the center of our narrow room,
whose clean conspiracy of light

whispered to the tall blank walls,
illuminating them suddenly
like the canvas of a dream.

Between the lamp and wall
her arthritic wrists grew pliant
as she molded and cast

improbable animal shapes moving
on the wordless screen:
A blackbird, like a mynah, not a crow.

A dark horse’s head that could but would not talk.
An ashen rabbit (her elusive self)
triggered in snow

that a quivering touch (like death’s)
sent scampering into the wings
of that little theater of shadows

that eased us into dreams.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2011 by Derek N. Otsuji. Reprinted from Descant, 2011, Vol. 50, by permission of Derek N. Otsuji and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

110. Gesundheit

Es schadet der Gesundheit nicht, wenn man sich längere Zeit mit einem Gedicht beschäftigt und am Ende doch noch das eine oder andere Rätsel offen bleibt. / Axel Kutsch, KuNo

109. Autorenförderung der Literaturwerkstatt Berlin

Beim open mike geht es nicht nur um Wettbewerb, sondern um eine umfassende Autorenförderung. Vom 1. – 3.2.2013 treffen sich die Finalisten des Wettbewerbs junger deutschsprachiger Lyrik und Prosa zu einem dreitägigen Workshop mit erfolgreichen Autoren, Lektoren und Fachreferenten in der Nähe Berlins. Ziel des Arbeitstreffens ist nicht nur die Arbeit am Text, sondern die jungen Autoren auf alle Bereiche des Literaturbetriebs vorzubereiten und sie zu vernetzen.

Dieser seit 5 Jahren regelmäßig stattfindende Workshop ist Teil eines Gesamtkonzepts des open mike, das Dank der Unterstützung der Crespo Foundation in den letzten Jahren realisiert und stetig ausgebaut werden konnte. Neben den Lesungen des open mike-Finales jährlich im November gehören dazu auch Kolloquien zu literarischen Themen, die Vorstellung von Debüts der Finalisten und eine Lesereise durch Frankfurt und Zürich und Wien. Auch die Schreibwerkstätten des open mike, „open writing“ (Frankfurt) und „open poems“ (Berlin) sind sehr erfolgreich. Der von dem ehemaligen open mike-Teilnehmer Tom Schulz geleitete Lyrikworkshop „open poems“ für Autoren von 16-23 Jahren ist derzeit restlos ausgebucht.

Die Literaturwerkstatt Berlin bemüht sich seit Jahren, den literarischen Nachwuchs zu fördern. Über das ganze Jahr hinweg macht sie immer wieder Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen und veranstaltet Fortbildungen für Lehrer und Pädagogen. So ging am 24.1. die Ausschreibung für den Schülerwettbewerbs „Poesie verbindet“ zu Ende.
Der Fokus des Bildungsangebotes der Literaturwerkstatt Berlin liegt auf der Lyrik.

Der open mike-Blog begleitet das Workshop-Wochenende vom 1.-3.2. mit aktueller Berichterstattung, Porträts der Teilnehmer etc.
www.openmikederblog.wordpress.com

Folgen sie uns auch auf Facebook:
www.facebook.com/openmikeberlin

Informationen unter:
www.literaturwerkstatt.org

108. Gedichtautomat

Goethe erfand die automatische Aufzeichnung von Gedanken. Soll das Genie sich auch noch um die Aufzeichnung selber kümmern?

Wenn meine Gedancken Federn wären und den
Weeg ab Pergamente von Engeln auf und ab gerollt.

Schade, daß keine dieser englischen Mitschriften erhalten blieb. Irdisches Papier hält einfach besser. So blieb dieser große Gedanke erhalten in einem Reisetagebuch von 1775, zwischen Notizen zum Weg und Gedichtentwürfen.

Was mit dem Kopf, mag denn auch mit anderen Körperteilen funktionieren. Wenn das nicht schon oft in ähnlichen Umständen erfunden wurde, hat ein spanischer Sportreporter das Fußgedicht erfunden:

Wenn Mesut Tinte in den Stollen hätte, hätte man auf dem Rasen im Bernebeu eines der schönsten Gedichte lesen können, das der Fußball schreiben kann. Er ist wirklich ein Genie.

107. Edition L

In den Jahren seit der Gründung des Speyrer Czernik-Verlags ist in dieser bemerkenswerten Reihe lebendige, experimentierfreudige Lyrik bekannter oder weniger bekannter Gegenwartspoeten erschienen. (…) Auch zum Inhalt der drei Lyrikbände, „Ich schmecke deine Blicke“ von Gertrud Edelmann, „Abgesang eines gestrandeten Tages“ von Christine Roth und „Wortspuren“, eine Sammlung von Gedichten der Inge-Czernik-Förderpreisträger 2012, die vor Kurzem in der „Edition L“ erschienen sind, machte er sich Gedanken und fasste zusammen, was das Besondere daran ist. Trotz unterschiedlicher Texte haben alle etwas Gemeinsames: die Legitimation der Poesie, an der Verzauberung der Welt zu arbeiten. / Schwetzinger Zeitung

106. Gedicht-Bombe

Gedichtbombe über Berlin, von einem Hubschrauber aus gefilmt. Kann bedrucktes Papier ein Leben verändern?

105. Kamtschatka der Romantik

Noch einmal Baudelaire. „Folie Baudelaire“, der Wahn Baudelaire, so der Titel von Calassos Buch über den Dichter, nimmt eine gehässig gemeinte Formulierung des Kritikers Charles-Augustin‬ Sainte-Beuve auf und wendet sie ins Positiv. Sainte-Beuve war ein einflußreicher Literaturkritiker und seit 1844 Mitglied der Akademie. 1861, als die beiden Akademiker Eugène Scribe und Henri Lacordaire starben und damit ihre Sitze frei wurden, bewarb sich Baudelaire (der Prozeß, der zum Verbot einiger Gedichte der Flairs du mal führte, lag erst wenige Jahre zurück) um einen Platz in der Akademie. Aber die Sainte-Beuves widersetzten sich und siegten, sie blieben unter sich. Baudelaire aber wurde Mitglied der stets imaginären Akademie der Geister.

Und Sainte-Beuve? Seine Vornamen muß ich immer wieder nachschlagen. Er überlebte sozusagen als Insekt im Bernstein Baudelaires. In Hugo Friedrichs „Struktur der modernen Lyrik“ las ich als Diktum Baudelaires: „Um die Seele eines Dichters zu durchschauen, muß man in seinem Werk diejenigen Wörter aufsuchen, die am häufigsten vorkommen. Das Wort verrät, wovon er besessen ist.“ Auch belesene Autoren machen Fehler, der Satz stammt nicht von Baudelaire. Friedrich fand es und exzerpierte vermutlich für seine Materialsammlung bei Baudelaire, aber er verkürzte das Zitat, wie das beim Abschreiben passiert. Bei Baudelaire steht: „Bei einem Kritiker lese ich: ´Um die Seele eines Dichters zu erraten, oder zumindest das, was ihn vor allem beschäftigt, durchforsche man seine Werke nach dem Wort oder den Worten, die darin am häufigsten auftreten. Dem wird man entnehmen, wovon er besessen ist.´“ So in der Ausgabe Sämtliche Werke, Hrsg. Friedhelm Kemp und Claude Pichois, Bd. 7, S. 177.

Der Kritiker war Sainte-Beuve. Und so kursiert wenigstens ein Zitat des Kritikers unter falschem Namen bei deutschen Lesern der französischen Moderne. Und vielleicht noch ein zweites? Die Stelle mit dem Kiosk auf dem romantischen Kamtschatka ist es wert, aufbewahrt zu werden.

 

104. Seume

Was für ein Leben! Johann Gottfried Seume, vor 250 Jahren, am 29. Januar 1763, in Kursachsen geboren, war Sohn eines Landmannes, wurde aber als kluges Kind gefördert. So konnte er in Leipzig Theologie studieren und nebenher seiner Theaterliebe frönen.

Aber Seume war mittellos, ständig auf Stipendien angewiesen, nicht unterwürfig gegenüber seinen Förderern, die er vergraulte. Ein eigensinniger Charakter, ein Kämpfer, der sich durchbiss. Davon erzählte er und wurde – anderthalb Meter klein, kurzsichtig, ein knorriger Zwerg mit hochfliegenden Ambitionen – zu einem Pionier der Aufklärung und außergewöhnlichen Journalisten. Seume lebte intensiv, er wurde nur 47 Jahre alt. / Roland Mischke, Mainpost

Bruno Preisendörfer: Der waghalsige Reisende. Johann Gottfried Seume und das ungeschützte Leben (Galiani Verlag, 380 Seiten, 19,99 Euro)

103. American Life in Poetry: Column 401

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

As children, many of us played after dark, running out to the border of the reach of light from the windows of home. In a way, this poem by Judith Slater, who lives in New York State, remembers the way in which, at the edge of uncertainty, we turned back.

Family Vacation

Four weeks in, quarreling and far
from home, we came to the loneliest place.
A western railroad town. Remember?
I left you at the campsite with greasy pans
and told our children not to follow me.
The dying light had made me desperate.
I broke into a hobbled run, across tracks,
past warehouses with sun-blanked windows
to where a playground shone in a wooded clearing.
Then I was swinging, out over treetops.
I saw myself never going back, yet
whatever breathed in the mute woods
was not another life. The sun sank.
I let the swing die, my toes scuffed earth,
and I was rocked into remembrance
of the girl who had dreamed the life I had.
Through night, dark at the root, I returned to it.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2011 by Judith Slater from her most recent book of poems, The Wind Turning Pages, Outriders Poetry Project, 2011. Reprinted by permission of Judith Slater and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.