Bei Signaturen der dritte Teil des Gesprächs, das Jan Kuhlbrodt mit Günter Plessow führte. Es geht um E.E. Cummings (im Vergleich mit Edna St. Vincent Millay und William Faulkner). Hier ein Auszug zu einem von 63 frühen Sonetten von Cummings aus „Tulips and Chimneys“ (1922):
Er hat sie 1922 in ein umfangreiches Manuskript (ca. 150 Gedichte) aufgenommen, das er Tulips and Chimneys taufte. Tulips steht dabei für die bunte Vielfalt lyrischer Formen, während das Label Chimneys Sonetten vorbehalten bleibt, die quasi wie Rauchzeichen einer neuen Poetik aufsteigen. Diese Gedichte sind sehr frühe Vorläufer einer Methode, die heute De-konstruktivismus genannt wird, denn beides, De– und Kon–struktion, sind hier zugleich am Werke. Bestaunen wir nicht nur die Frische und Virulenz dieses Tons, der seinesgleichen nicht hat, sondern auch die drei Rubriken, die er seinen Sonetten zuweist: SONNETS––REALITIES sprechen im Indikativ (und verwenden gelegentlich Slang), sie zeichnen den distanzierten Blick des malenden Dichters auf Umwelt und Gesellschaft und zeigen eine satirische Empathie nicht ohne Sympathie; SONNETS––IRREALITIES handeln quasi im Konjunktiv, es sind Meditationen und Tagträume (und kommen damit der kanonischen Gedankenlyrik der Gattung Sonett am nächsten); SONNETS––ACTUALITIES dagegen sind so etwas wie ein lyrisches Tagebuch der Lust (des männlichen Ichs) am Leben und an der Liebe, in einer Weise allerdings, die alles Sexuelle, das die Sonett-Tradition allenfalls angedeutet hatte, lustvoll konkretisiert.
SONNETS––REALITIES XVII
of this wilting wall the colour drub
souring sunbeams,of a foetal fragrance
to rickety unclosed blinds inslants
peregrinate,a cigar–stub
disintegrates,above,underdrawers club
the faintly sweating air with pinkness,
one pale dog behind a slopcaked shrub
painstakingly utters a slippery mess,
a star sleepily,feebly,scratches the sore
of morning. But i am interested more
intricately in the delicate scorn
with which in a putrid window every day
almost leans a lady whose still–born
smile involves the comedy of decay,(veröffentlicht in & [AND], 1925)
SONETTE––REALITÄTEN 17
von dieser welken wand den anstrich splittert
die sonne,die vom foetusduft verdrossen
zu wackeligen blenden,unverschlossnen,
wandert,ein zigarrenstumpf verwittert,
oben erschlagen unterhöschen mit
ihrem rosa die leicht schwüle luft,und
fein säuberlich entledigt sich ein hund,
ein falber,hinterm busch von seinem schitt.
ein stern,verschlafen,kraftlos,kratzt die wunde
des morgens. Doch mich fasziniert imgrunde
der delikate spott der dame,der
s im mürben fenster täglich fast gefällt;
ihr totgebornes lächeln sagt mir mehr
als die komödie des verfalls enthält,
Kulturstaatssekretär Tim Renner enthüllt am 6. Oktober 2014 eine Gedenktafel zu Ehren der Bildenden Künstlerin und Lyrikerin Meret Oppenheim.
In Berlin geboren, lebte Meret Oppenheim (1913 -1985) ab 1914 vorwiegend in der Schweiz. In den Jahren von 1933 bis 1937 war sie beteiligt an den Ausstellungen der „Surindépendants“ in Paris. Die Künstlerin wurde 1974 mit dem Kunstpreis der Stadt Basel ausgezeichnet. 1982 erhielt sie den Großen Preis der Stadt Berlin (West). Meret Oppenheim wurde 1985 Mitglied der Akademie der Künste Berlin (West). An diesem 6. Oktober 2014 wäre sie 101 Jahre alt geworden.
Veranstalter sind die Senatskulturverwaltung und das Aktive Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. Es sprechen Staatssekretär Renner und der Leiter Konzernkommunikation der GASAG, Rainer Knauber. Die Laudatio wird die Filmemacherin Daniela Schmidt-Langels halten.
Die Enthüllung erfolgt um 11 Uhr.
Geburtshaus von Meret Oppenheim
Joachim-Friedrich-Straße 48
10711 Berlin-Wilmersdorf
Zum Tag der deutschen Einheit lesen „namhafte zeitgenössische Dichter wie Björn Kuhligk, Jan Wagner, Tom Schulz und Nico Helminger“ im luxemburgischen Esch-sur-Alzette, meldet die Saarbrücker Zeitung.
Ich fand diese Überschrift in einer norwegischen Quelle. Ailo Gaup war ein norwegischer – samischer – Schamane und Schriftsteller. Er lebte in Oslo, wo er an der Gründung eines samischen Theaters beteiligt war. Er schrieb seine Stücke, Romane und Gedichte aber auf Norwegisch. Am 24.9. starb er im Alter von 70 Jahren.
Wikipedia-Artikel über ihn gibt es u.a. auf Englisch, Französisch, Ungarisch und Serbisch, aber bisher nicht auf Deutsch.
Die Stiftung Preußische Seehandlung hat auf Beschluss ihrer Preisjury die Schriftstellerin Olga Martynova mit dem Berliner Literaturpreis ausgezeichnet. Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert. Die Autorin nimmt die mit dem Preis verbundene Berufung der Freien Universität Berlin auf die „Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik“ im Sommersemester 2015 an. Seit 2005 bietet der Preis mit der „Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik“ am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin den Preisträgern jeweils im Sommersemester ein Forum für Textarbeit mit Studierenden der Universitäten und Hochschulen in Berlin und Brandenburg. Bisherige Preisträger und Dozenten waren Herta Müller, Durs Grünbein, Ilija Trojanow, Ulrich Peltzer, Dea Loher, Sibylle Lewitscharoff, Thomas Lehr, Rainald Goetz, Lukas Bärfuss und Hans Joachim Schädlich. Der Jury des Berliner Literaturpreises 2015 gehören Peter-André Alt, Sonja Anders, Jens Bisky, Kristin Schulz und Thomas Wohlfahrt an.
„Die Spirale der Geschichte ruiniert die Zentren, indem sie sich durch die Randzonen mahlt. (Heiner Müller) Olga Martynova (geboren 1962 bei Krasnojarsk, aufgewachsen in Leningrad, seit 1991 in Deutschland lebend) schreibt aus diesem Mahlstrom von Geschichte heraus, den die nach-sozialistische Ära ausmacht. Mit überbordender Phantasie und traumwandlerischer Leichtigkeit gelingt es ihr in ihren Romanen Sogar Papageien überleben uns (2010) und Mörikes Schlüsselbein (2013), gängige Themen wie Herkunft, Liebe oder Familie in ein trans-historisches Universum zwischen St. Petersburg, Berlin, Frankfurt, Chicago und Sibirien zu übersetzen, in das sich die Protagonisten fügen und finden und das dem Leser den eindimensionalen Plot verweigert. Wir begegnen Schneemenschen und Schamanen, Untergrunddichtern und Kagus, Philemon und Baucis. Sie alle erwehren sich poetisch der Funktionsschemata und Gegebenheiten des Kalten Kriegs, um wie nebenbei beispielsweise in einer Spionage-Science-Fiction zu landen. Besonders in ihrer Lyrik Brief an die Zypressen (2001), In der Zugluft Europas (2009) und Von Tschwirik bis Tschwirka (2012) offenbart sich Martynovas verschroben anarchischer Witz und ihr erfrischend respektvoll-respektloser Umgang mit literarischen Traditionen, weil wendig mit Welt-Geschichte als wechselnder Gesellschafts- bzw. mythologischer Formiertheit hantiert und geschichtete Vermächtnisse anders begründet werden – u. a. um den unter Stalin umgekommenen Avantgardekünstlern Daniil Charms oder Alexander Wwedenski gerecht zu werden. Martynovas Handhabung von Sprache ist höchstsensibel und genau, gerade weil sie ihre Suchbewegungen in der Nicht-Muttersprache – deutsch – bekennt und Instrument von Spracherkundung werden lässt. Aus dieser poetischen Weltanschauung und -aneignung blitzt die vergangene als nicht vergehende Zeit auf, deren rätselhaft magische Vexierbilder den Leser dauerhaft in den Bann ziehen und bleiben, indem auch sie sich verändern.“
Der Berliner Literaturpreis wird am 18. Februar 2015 in Berlin im Roten Rathaus verliehen. Der Präsident der Freien Universität wird die Berufung auf die Heiner-Müller-Gastprofessur vornehmen. Die Laudatio auf die Preisträgerin hält Elke Erb. / FU
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I’d guess everybody reading this has felt the guilt of getting rid of belongings that meant more to somebody else than they did to you. Here’s a poem by Jennifer Maier, who lives in Seattle. Don’t call her up. All her stuff is gone.
Rummage Sale
Forgive me, Aunt Phyllis, for rejecting the cut
glass dishes—the odd set you gathered piece
by piece from thirteen boxes of Lux laundry soap.
Pardon me, eggbeater, for preferring the whisk;
and you, small ship in a bottle, for the diminutive
size of your ocean. Please don’t tell my mother,
hideous lamp, that the light you provided
was never enough. Domestic deities, do not be angry
that my counters are not white with flour;
no one is sorrier than I, iron skillet, for the heavy
longing for lightness directing my mortal hand.
And my apologies, to you, above all,
forsaken dresses, that sway from a rod between
ladders behind me, clicking your plastic tongues
at the girl you once made beautiful,
and the woman, with a hard heart and
softening body, who stands in the driveway
making change.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2013 by Jennifer Maier from her most recent book of poems, Now, Now, University of Pittsburgh Press, 2013. Poem reprinted by permission of Jennifer Maier and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
„Projekt: Brentano“ – „Wie politisch soll Literatur sein?“: Podiumsgespräch mit Thea Dorn, Katharina Hacker und Burkhard Spinnen
Gastgeber: Literaturhaus Wiesbaden Villa Clementine
Im Rahmen des interdisziplinären Literaturfestivals „Projekt: Brentano“ findet am Donnerstag, 2. Oktober um 19.30 Uhr auf Einladung des Literaturhauses ein Podiumsgespräch zum Thema „Wie politisch soll Literatur sein“ mit den Autoren Thea Dorn, Katharina Hacker und Burkhard Spinnen statt. Die Leitung des Gesprächs übernimmt Lothar Müller, SZ. Die Veranstaltung findet im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst statt.
Ausgehend von Bernard von Brentanos Roman „Theodor Chindler“ steht an diesem Abend die Frage nach dem Politischen in der Literatur im Zentrum. Wie sieht es aus, das Verhältnis von Literatur und Politik? Wie ist es um den politischen Gehalt im Gegenwartsroman bestellt? Taugt der Familienroman weiterhin als Spiegel der Gesellschaft?
Lothar Müller diskutiert mit der Autorin und Fernsehmoderatorin Thea Dorn („Die deutsche Seele“), der Schriftstellerin Katharina Hacker („Die Habenichtse“) und dem Schriftsteller Burkhard Spinnen („Zacharias Katz“) auch darüber, ob der Roman heutzutage überhaupt noch eine zeitgemäße Form der politischen Meinungsäußerung ist oder diesen Platz längst Essays und Zeitungsartikel füllen. Dabei soll auch der Frage nach der Relevanz des Feuilletons für gesellschaftspolitische Debatten (damals wie heute) nachgegangen werden. Denn nicht zu vergessen ist: Bernard von Brentano galt neben Joseph Roth oder Siegfried Kracauer als einer der begabtesten, jungen Feuilletonisten der Weimarer Republik.
Die Finalisten des 22. open mike stehen fest
22 Autoren konnten sich für das Finale des Literaturwettbewerbs open mike qualifizieren, das vom 7. bis 9.11. im Heimathafen Neukölln in Berlin stattfindet.
Von den Finalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind 15 Autoren für Prosa und 7 für Lyrik nominiert. Folgende Autoren sind eingeladen:
Lyrik: Kathrin Bach (Aarbergen), Özlem Özgül Dündar (Solingen), Eva Maria Leuenberger (Biel), Arnold Maxwill (Münster), Felix Schiller (Freiburg), Walter Fabian Schmid (Solothurn) und Robert Stripling (Frankfurt am Main)
Prosa: Doris Anselm (Berlin), Jenifer Johanna Becker (Hannover), Gerasimos Bekas (Berlin), Marie Gamillscheg (Graz), Anna Gräsel (Wien), Lara Hampe (Tutzing), Simon Kalus (Leipzig), Simone Kanter (Berlin), Nora Linnemann (Hildesheim), Pascal Richmann (Hildesheim), Alexandra Riedel (Leipzig), Mareike Schneider (Hildesheim), Astrid Sozio (Hamburg), René Weisel (Berlin) und Michael Wolf (Hildesheim)
Bewerben konnten sich junge Autoren bis 35 Jahre, die noch kein Buch veröffentlicht haben. Die Auswahl der Finalisten haben sechs Lektoren aus renommierten Verlagen getroffen. Diana Stübs (Rowohlt Verlag), Susanne Krones (Luchterhand Verlag), Gunnar Cynybulk (Aufbau Verlag), Jörg Sundermeier (Verbrecher Verlag), Günther Eisenhuber (Jung&Jung) und Hans Jürgen Balmes (Fischer Verlag) wählten aus knapp 600 eingesandten Texten ihre Favoriten aus.
Beim open mike-Finale am 8. und 9.11. stellen sie die Teilnehmer dem Publikum und der Jury vor. Die Juroren Andreas Maier, Marion Poschmann und Björn Kuhligk können bis zu drei Preisträger küren. Einer der Preise wird für Lyrik vergeben. Für die Preisträger steht eine Gewinnsumme von insgesamt 7500 EUR zur Verfügung. Außerdem wird der Preis der taz-Publikumsjury verliehen, der Gewinnertext wird in der taz veröffentlicht.
Aktuelle Infos zu den Kandidaten und rund um den open mike finden Sie in den kommenden Wochen auf dem open mike-Blog und auf www.literaturwerkstatt.org.
Die Wettbewerbstexte erscheinen als Anthologie im Allitera Verlag und sind ab dem 5.11. in den Buchhandlungen Anakoluth, Prenzlauer Berg, und Hugendubel bei Karstadt am Hermannplatz, Kreuzberg, und während des open mike zu erwerben, danach im Buchhandel oder unter www.allitera.de.
Am 16.11.2014 um 0:05 Uhr sendet Deutschlandradio Kultur die Reportage „22. open mike“.
Fr 7.11. – So 9.11.2014
22. open mike
Internationaler Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik
Ort: Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Str. 141, 12043 Berlin
Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Kooperation mit dem Heimathafen Neukölln und dem Allitera Verlag. Mit freundlicher Unterstützung des Fachbereichs Kultur des Bezirksamtes Neukölln.
Dienstag, 30.09.2014
20:04 bis 21:00 Uhr Saarländischer Rundfunk SR2
Konstantin Ames: „Zuß der Wimpernknecht“
Literatur im Gespräch
(Mitschnitt der Lesung vom 11. August 2014 im Saarländischen Künstlerhaus)
Konstantin Ames wurde 1979 in Völklingen geboren und ist in Saarlouis, Dillingen und einem kleinen Dorf an der saarländisch-lothringischen Grenze aufgewachsen. Ein Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft, Philosophie und Komparatistik an den Universitäten Greifswald und Leipzig schloss er ab mit einer Magisterarbeit zum Johannes R. Becher-Literaturinstitut und dessen Zusammenarbeit mit dem Mitteldeutschen Verlag in DDR-Zeiten.
Ames ist außerdem Absolvent des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. In der Reihe roughbooks sind zwei Lyrikbände von Ames erschienen, zuletzt (2012) der Band sTiL.e(ins) Art und Weltwaisen. Ames ist Mitherausgeber des Onlinemagazins karawa.net und lebt als freier Autor und Übersetzer mit seiner Familie in Kreuzberg. In diesem Jahr erhielt Ames eins der Alfred-Döblin-Stipendien der Akademie der Künste.
Bei Dazed Digital „Ten of the weirdest invented languages in literature“. Darunter A Book From the Sky des Künstlers Xu Bing (1988), das aussieht wie Chinesisch, aber jedes Zeichen erfunden:

Ferner Klingonisch, Þrjótrunn des Isländers Henrik Theiling (2007), Alex‘ vom Russischen inspirierte Sprache in A Clockwork Orange, das mysteriöse Voynich-Manuskript und mehr. Lesens- und Ansehenswert.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
One of Grant Wood’s earliest paintings is of a pair of old shoes, and it hangs in the art museum in Cedar Rapids, Iowa, where Wood grew up. Here’s a different kind of still life, in words, from Jim Daniels, who lives in Pittsburgh. The shoes we put on our feet gradually become like the person wearing them.
Work Boots: Still Life
Next to the screen door
work boots dry in the sun.
Salt lines map the leather
and laces droop
like the arms of a new-hire
waiting to punch out.
The shoe hangs open like the sigh
of someone too tired to speak
a mouth that can almost breathe.
A tear in the leather reveals
a shiny steel toe
a glimpse of the promise of safety
the promise of steel and the years to come.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem reprinted from Show and Tell, Univ. of Wisconsin Press, 2003, courtesy of the University of Wisconsin Press. Copyright ©2003 by the Board of Regents of the University of Wisconsin System. Jim Daniels’ most recent book of poems is Birth Marks, BOA Editions, Ltd., 2013. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Der Schriftsteller und Essayist Utz Rachowski erhält für seinen beeindruckenden wie berührenden Gedichtband „Miss Suki oder Amerika ist nicht weit“ den Nikolaus-Lenau-Lyrikpreis des Jahres 2014. Die Vergabe des Preises setzt an das auszuzeichnende Werk voraus, „[…] seine Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen, seine Zeitbezogenheit, seine Begegnung mit anderen Nationen, sein Geist der Verständigung mit den östlichen Nachbarn, vor allem aber seine literarische Qualität.“ All diese Maßstäbe erfüllte der Dichter Utz Rachowski in allen seinen bisherigen literarischen Veröffentlichungen. Er ist, wie der große Kollege Hans-Joachim Schädlich schreibt, „ein Schriftsteller sui generis. Das zeigen seine Erzählungen ebenso wie seine Essays und seine Gedichte.“ Ich gratuliere!
Die Vergabe findet am 5. Oktober 2014 in Esslingen statt.
Axel Reitel
Von Susanne Baghestani
Seit Jahren fristet die unabhängige iranische Literaturszene ein Schattendasein. Besonders in Ahmadinedjads zweiter Amtsperiode (2009 bis 2013) wurden renommierte Verlage wie Nashr Cheshmeh, Nashr-e Ney, Ghoghnous oder Roshangaran auf die schwarze Liste gesetzt oder mit Publikationsverbot belegt.
Schon 2011 berichtete der Internationale Verlegerverband IPA, manche ihrer iranischen Mitglieder hätten für rund 70 Buchmanuskripte noch keine Druckerlaubnis vom Ershad, dem berüchtigten Ministerium für Islamische Führung und Kultur. Angesichts relativ kleiner Programme bedeutet das den finanziellen Ruin der nicht-subventionierten Verlage.
Hinzu kamen verschärfte Zensurmaßnahmen bei der Internationalen Teheraner Buchmesse. Mussten missliebige Aussteller früher nur einzelne Titel von ihren Messeständen entfernen, so wurden sie im Frühjahr 2012 komplett verbannt. Zur Veranschaulichung des Sachverhalts stelle man sich die Frankfurter Buchmesse ohne Suhrkamp, Beck oder Hanser vor.
Die prekäre Situation der Unabhängigen hat sich auch unter dem neuen, als moderat gepriesenen Präsidenten Rouhani nicht verbessert. Shahla Lahiji, die engagierte Verlegerin von „Roshangaran“, klagte im Frühjahr, 55 ihrer Buchmanuskripte warteten immer noch auf die Druckfreigabe. Mangels Neuerscheinungen ist der auf Frauenthemen und feministische Literatur spezialisierte Verlag wieder nicht bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vertreten.
Statistiken belegen den staatlich verordneten Kahlschlag: 2013 wurden 300 neue iranische Buchtitel zugelassen, dieses Jahr sind es nur noch 200. Im vergangenen Jahr waren 42 Verleger präsent, dieses Jahr haben sich laut IBNA (Iranian Book News Agency) lediglich 31 Verlage aus Iran angemeldet. Auch 2014 bleiben unabhängige Verleger weitgehend ausgeschlossen.
Ein Blick auf die diesjährige Buchmessenpräsenz Irans ist aufschlussreich: zugelassen sind 6 religiöse Verlage oder Institutionen, 6 Kinderbuchverlage und 3 Kochbuchverlage. Vier Verleger präsentieren iranische Kultur und Geschichte. Bei den übrigen handelt es sich um staatliche Organisationen für Buchvertrieb, Verlagswesen und internationale Messen, Universitätsverlage sowie das gleich doppelt vertretene Dokumentationszentrum des Islamischen Parlaments.
Mangels akzeptabler Neuerscheinungen wird der angesehene Hushang Golshiri-Preis in diesem Jahr nicht vergeben. Dies kündigte Farzaneh Taheri, Witwe des im Jahr 2000 verstorbenen Schriftstellers und Initiatorin des nach ihm benannten Literaturpreises, erst kürzlich an.
Eine Verbesserung der Lage ist offenbar nicht in Sicht. Immer mehr iranische Autoren lassen deshalb ihre Werke bei einschlägigen Online-Verlegern im westlichen Ausland erscheinen.
Roland Erbs neuer Gedichtband „Trotz aller feindlichen Nachricht“ hätte auch den einfachen Titel „Ausgewählte Gedichte“ tragen können. Doch fanden der Autor und die Herausgeber einen besseren: Sie nahmen die Überschrift eines Gedichts und formten diese zum Standpunkt, von dem aus der Leser einen renitenten Blickwinkel auf die Textinhalte gewinnen kann; auch wenn das gleichnamige Gedicht gar nicht im Zentrum des Bandes steht.
Für „Ausgewählte Gedichte“ spricht die Versammlung von Texten aus verschiedenen Schaffensperioden Erbs; einige Texte erschienen bereits in den beiden Vorgängerbänden „Die Stille des Taifuns“ (Aufbau-Verlag, 1981) und „Märzenschaf“ (Hellerau-Verlag, 1995). Die Gedichte sind auf sechs titellose Kapitel verteilt; hier finden diese thematische und stilistische Schnittpunkte, ohne jedoch streng sortiert zu sein. Auf die Entstehungsdaten oder eine chronologische Ordnung wurde verzichtet, doch Erbs Gedichte fassen oftmals Fuß im Zeitgeschehen der letzten Jahrzehnte, so dass dies eine bewusste, vielleicht sogar schwere Entscheidung gewesen sein muss. Für ein Kind der 90er Jahre erfordert es ohnehin einige Mühe, den Ernteeinsatz im märkischen Sand (S.10) oder das Gefühl der Verfremdung einer alten, geliebten Kopfsteinpflasterstraße durch Asphaltierung und gesprengte Gebäude (S.11) nachzuempfinden. Doch die Gedichte Erbs verorten und verzeitlichen sich meist von selbst oder legen willentlich falsche Fährten. Hier liegt eine Stärke des Bandes: Nach Abschluss der Lektüre gewinnt der Leser unweigerlich an (Fremd-)Erfahrung dazu.
Schnell fiel das Gedicht „Walpurgis“ in meinen Blick; Jan Kuhlbrodts Hinweise am Ende des Bandes, insbesondere auf die Stadt Nordhausen und deren Historie, das Kyffhäuser- und eben jenes Harzgebirge mit dem Brocken als sagenhaften Ort der Walpurgisnacht, führten dazu. Hier wuchs der 1943 geborene Roland Erb auf, legte das Abitur ab und ging anschließend zum Studium nach Leipzig.
Im gewendeten Besenschrank steht
mein unerwarteter Stoßtrupp,
der springt staubdürstend durchs Zimmer,
stößt mich, klopft mich, entführt mich,
wirbelt hinaus […] (S. 14)
So beginnt „Walpurgis“. Das Schrankinventar zieht zum Blocksberg und es wird nicht deutlich, ob es auf seinem Weg „geflutete[…] Straßen“ , den „Lärm“ und das „zerfetzte[…] Gebein“ erzeugt oder eben „staubdürstend“ seinem Verwendungszweck nachgeht und jeglichen Tumult bereinigt. Letztendlich erweist sich die Erscheinung als „Trugbild“ . Das Gedicht bleibt in der Schwebe zwischen Zerstörung und Erneuerung.
Wie in vielen von Erbs Gedichten hat man das Gefühl, das dichterische Ich sei dem Autor sehr nah, als gewinne man einen persönlichen Eindruck, als webe man sich beim Lesen in die Privatsphäre eines anderen. Die Texte tändeln zwischen Aufbruch und dem Zurücklassen, ohne dabei Ruhe zu finden. Aufbruchsangst und -hoffnung spuken ebenso durch Erbs Gedichte wie die Bilder der Vergangenheit.
Der Leser hat mit dieser Sammlung die Chance, sowohl das Vergangene als auch dessen Abbild in der Gegenwart, dessen Auf- und Abtauchen an neuen und wiederbesuchten Orten wahrzunehmen. Die Sprache ist stets einfach gehalten, verfällt selten in hohe Töne und wandelt zwischen einer Fülle von Stimmen umher, deren Spektrum dabei über brausend, sanft oder beschwingt weit hinaus reicht, so dass man oft gewillt ist, die eigene in diesen Stimmen entdecken zu wollen, allen „feindliche[n] Nachrichten“ zu trotzen. Spätestens bei dieser Erkenntnis erspürt man die Übersetzertätigkeit Erbs, seine Fähigkeit, einen eigenen vielseitigen Ton zu schaffen und immer den passenden zur Vermittlung des Inhalts zu wählen.
Einige Texte enthalten derart präzise Beobachtungen, dass diese nahezu als Vorahnungen verstanden werden müssen oder in solchen gipfeln, wie z.B. in dem Gedicht „Die Beobachtung“ :
Du, diese Geste
des Zigarettenanzündens,
als gäb es nur das,
wenn etwas hell, etwas finster,
wenn etwas unwiderruflich vorbei.
Du, diese Geste, die Geste,
als gäb es nur das, ach,
als gäb es nur das! (S. 76)
Es ist schwer, in wenigen Zeilen die reichhaltige Lyrikproduktion eines Autors über vier Jahrzehnte hinweg auf den Punkt zu bringen. Genau aus diesem Grund liegt uns nun Roland Erbs neuer Gedichtband mit einem guten Umfang von 124 Seiten vor. Zu loben ist dabei auch die Gestaltung des Buches. Ein robuster, orangefarbener Einband umfasst die kräftigen Seiten. Haptisch ansprechend und schlicht ansehnlich ist der von Miriam Zedelius entworfene Umschlag.
Ein beachtenswertes Gedicht ist dem Band vorangestellt. Zum Glück fehlt auch hier eine Entstehungszeitangabe; der zarte Ton könnte seinen harschen Gehalt sowohl in den 1980ern als auch in den letzten Wochen empfangen haben.
Das Ohr
Wir halten das offene Ohr
an die Erde, sehr schwach
dringt ein Beben herauf
wie von hastig stampfenden Hämmern
weit über Land oder
Panzerketten, die blindwütig
Dörfer einebnen, wir halten
das offene Ohr an die Erde,
sehr schwach (S. 5)
Christoph Georg Rohrbach
Greifswald, 16. September 2014
Roland Erb: Trotz aller feindlichen Nachricht. Gedichte. Hrsg. von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt und Ralph Lindner (Reihe Neue Lyrik, Bd. 7). Leipzig (Poetenladen) 2014. 128 S., 16.80 Euro.
JAN VOLKER RÖHNERT: „WOLKENFORMELN“ – BUCHPREMIERE
5.10. 20:00
Geöffnet ab 20:00 Uhr, Beginn um 20:30 Uhr (mehr)
Jan Volker Röhnert stellt seinen neuen Lyrikband „Wolkenformeln“ vor, der frisch im ersten Programm des neugegründeten Verlags edition faust erschienen ist.
Aus diesem Anlass lesen außerdem als Gäste:
Ulrike Almut Sandig & Ron Winkler!
Moderation: Tom Schulz
Verlagsankündigung zu Wolkenformeln:
In seinen bisher acht Lyrikbänden hat Jan Volker Röhnert einen eigenen Ton herangebildet, eine unaufdringliche Eleganz, die zwischen Sehnsüchten, Beobachtungen und realitätsüberschreitenden Phantasien vermittelt. Intensiver und umfassender den Augenblick festzuhalten, als eine Fotografie das vermag, dazu ist der Himmel vonnöten, eine Hingabe an die Situation und eine enorme Fähigkeit, Wahrnehmung und Empfindung in geglückten Sprachbildern zu bündeln. Röhnerts Gedichte schwingen dem Lesen noch lange nach.
Die Gedichtfolgen des Bandes »Wolkenformeln« sind durchdrungen vom Licht und bedacht gefüllt mit Farben, die den Landschaften und Tageszeiten entnommen sind.
Jan Volker Röhnert: Wolkenformeln. Gedichte. edition faust 2014.
ISBN 978-3-945400-02-9
Jan Volker Röhnert, *1976 in Gera, lebt nach mehreren Jahren in Jena, Weimar und Sofia seit 2011 in Braunschweig, wo er Literaturwissenschaft an der TU unterrichtet. Seit dem mit Lyrik-debütpreis des LCB prämierten Band „Burgruinenblues“ (2003) erschienen die Gedichtbände „Die Hingabe, endloser Kokon“ (2005) und „Metropolen“ (2007). „Wolkenformeln“ ist sein erster umfassender Band seit sieben Jahren.
Ulrike Almut Sandig, * 1979 in Großenhain (Sachsen), lebt als freie Autorin von erzählender Prosa und Gedichten in Berlin. Sie schrieb auch Hörspiele (SWR 2008, 2010, Transstar Europa 2014), gab die Literaturzeitschrift EDIT mit heraus und tourte mit Marlen Pelny im Programm „Dichtung für die Freunde der Popmusik“ durch Clubs und Literatur- häuser. Sie studierte Indologie, Religionswissenschaft und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zuletzt erschienen ihr Gedichtband „Dickicht“ und, gemeinsam mit Marlen Pelny, ihr Hörbuch „Märzwald“ (beide 2011). Im Frühjahr 2015 kommt ihr zweiter Erzählband „Buch gegen das Verschwinden“.
Ron Winkler, *1973, lebt am Zusammenfluss von Ich und Selbst und hat zuletzt den Gedichtband „Prachtvolle Mitternacht“ (2013) veröffentlicht.
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