Physiker und Lyriker

Beautiful equations are as concise as haikus and as compelling as verse, writes Graham Farmelo.

Who was the 20th century’s greatest English-speaking poet? TS Eliot, WB Yeats, Sylvia Plath? Not for me; my nomination is the theoretician Paul Dirac, honorary poet laureate of modern physics. … Dirac’s most famous poem enabled him successfully to predict the existence of antimatter, a triumph that his colleague, the quantum pioneer Werner Heisenberg, judged to be the supreme achievement of 20th-century physics./ The Guardian , Thursday February 21, 2002

It Must be Beautiful: Great Equations of Modern Science, published this month by Granta, Ł20.

Bestaunen, nicht verstehen

Oscar Sandner, 1927 in Bregenz geboren, hat sein Leben im Kulturbetrieb verbracht: als Leiter der entsprechenden Abteilung der Stadt Bregenz, Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck, Ausstellungskurator und Verfasser von Prosa, Hörspielen, einem Drama, Lyrik und zahlreichen Essays. Seine Gedichte sind im Band «Strukturen der Molasse» (1973) sowie in Zeitschriften erschienen.
Nun legt er in bemerkenswert schöner Ausstattung und unter dem tautologieverdächtigen Titel «Der Horizont des Sehens» seine gesammelten Gedichte vor: Arbeiten aus den Jahren 1957 bis 2000. …
«Oscar Sandners Gedichte muss man nicht verstehen», schreibt der Verlag, «man kann sie bestaunen.» Na ja. / sagt Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung , 21. Februar 2002

Oscar Sandner: Am Horizont des Sehens. Gesammelte Gedichte. Edition Isele, Eggingen 2000. 216S., Fr. 28.-.

Wort im weiten Feld

Ein Gedicht von Hans Magnus Enzensberger stellt die Südwest Presse in ihrer Rubrik ¸¸Das Gedicht“ vor, ausgewählt und kommentiert von der Ulmer Lyrikerin Christine Langer. / Südwest Presse 20.2.02

Suchen im Wortbergwerk

Die Süddeutsche befaßt sich am 20.2.02 mit „Text Mining“:

Dichtung und Wahrheit liegen bekanntlich nah beieinander. Und so überrascht es kaum, dass die Software auch Dichter anhand ihres Schreibstils zu unterscheiden vermag. Dem Mathematiker Emanuele Caglioti und seine Kollegen von der Universität La Sapienza in Rom gelang dies sogar mit ganz simplen Mitteln, nämlich dem Kompressionsprogramm „Zip“, das auf fast jedem PC installiert ist. Mit diesem Programm, das Dateien verdichtet und dabei ihre Größe schrumpfen lässt, konnten die Mathematiker verschiedene literarische Texte ihren Autoren zuordnen (Physical Review Letters, Bd. 88, Nr.048702, 2002).

„Zip“ komprimiert Daten, indem es wiederkehrende Zeichenfolgen erkennt und durch ein Kürzel ersetzt. Weil jeder Autor seine individuellen Vorlieben für ganz bestimmte Satzkonstruktionen und Redewendungen hat, erreicht „Zip“ bei seinen Werken einen charakteristischen Komprimierungsgrad. Anhand dieses Wertes konnte das Programm Dante, Pirandello, Macchiavelli sowie acht weitere italienische Schriftsteller unterscheiden. Erfolgsquote: 93 Prozent.

Forscher der University of Pennsylvania behaupten sogar, dass man die Selbstmordneigung von Lyrikern an einfachen Wortmustern erkennt. Laut ihrer Computeranalyse verwendeten Dichter, die den Freitod wählten, auffällig häufig das Pronomen „ich“ statt „wir“ und selten Verben aus dem Bedeutungsfeld Kommunikation (Psychosomatic Medicine, Bd.63, S.517, 2001).

Said – deutscher Dichter aus Persien

„Die Fremde, nicht eine geografische, ist das Wesentliche für alle Lyriker. Die berühmtesten deutschen Lyriker sind oft Fremde im eigenen Land gewesen. Deutschland hat es immer geschafft, die Besten der Besten hinauszujagen, auch vor und nach Hitler, von Heinrich Heine bis Reiner Kunze. Ich halte es mit Schönberg, der sagt, ,Kunst kommt von Müssen“. Man wird Lyriker, wenn man keine andere Wahl hat.“
Was immer aus Said im Iran geworden wäre, das Exil hat ihn jedenfalls „die Weitsicht und Wachsamkeit, die ich als mein drittes Ohr bezeichne“, gelehrt. „Sprache meiner Freiheit“ ist Said das Deutsche geworden. „Das Persische ergreift mich, ich aber ergreife das Deutsche“, so beschreibt er sein Verhältnis zu den Sprachen. / Gespräch mit dem Autor aus Anlaß der Verleihung des Chamissopreises, Münchner Merkur 19.2.02

Heute mit Motto:

Es gibt keinen Tod der Literatur, sondern eine neue Art zu lesen. Es gibt nichts zu verstehen, aber viel, dessen man sich bedienen kann. Nichts zu interpretieren und zu bedeuten, aber viel, womit man experimentieren kann. Literatur muss mit etwas anderem ‚Maschine machen‘, es muss ein kleines Werkzeug für ein Außen sein.

Gilles Deleuzes und Félix Guattari

Wolfgang Rohner-Radegast

Elmar Schenkel über den Dichter Wolfgang Rohner-Radegast/ FAZ 18.2.02.

Hainbund

Die Idylle wird politisch:

Als Dichter verkannt, als Homer-Übersetzer immer noch lebendig: Gedenkblatt für Johann Heinrich Voss, der vor 250 Jahren geboren wurde – „Ich ward durchs Los zum Ältesten erwählt. Jeder soll Gedichte auf diesen Abend machen und ihn jährlich begehen.“ Der Dichterbund „Göttinger Hain“ war an jenem Abend gegründet worden. Er veränderte die deutsche Literatur, begründete ein neues Selbstbewusstsein der Poeten. / Klaus Podak SZ vom 17.02.2001

Poetry Contest

Boston Review sponsors an annual Poetry Contest. Deadline is June 1 2002. First Prize: $1,000. Entry fee is $15 and includes one-year subscription to Boston Review.

Radio- bzw. Fernsehtips

News & Stories. Ralph Dutli über den russischen Dichter Ossip Mandelstam. Sonntag 17.2.02, 23.35 Uhr, Sat 1

Die ersehnte Umarmung. Lorca Dali Bunuel. Hsp. von Edwin Ortmann. Regie Norbert Schaeffer. Ursendung. Sonntag 17.2.02, 18.30 DLR

Maurizio Kagel, „Quirinus´ Liebeskuss“ für Vokalensemble und Instrumente. Sonntag 17.2.02, 21.05 DLF

Johann Michael Moscherosch

In der Frankfurter Anthologie stellt Manfred Fuhrmann ein Gedicht des Barockdichters Johann Michael Moscherosch vor. / FAZ 16.2.02

Lyrisches Celluloid

In der FR bespricht Jan Wagner Albert Ostermaiers neue Gedichte unter der Überschrift

Lyrisches Celluloid

Gestern noch in der Zeitung, heute schon im Gedicht. Hier wie anderswo bleibt Ostermaier ganz nah an dem, was die Gemüter bewegt; in seinen besten Gedichten allerdings bewegt er sie ohne Rückgriff auf Tagespolitisches, nur kraft seiner gelassenen Verskunst. Eines dieser Gedichte trägt den Titel „mississippi“ und leitet den Band ein: „ein gedicht steigt auf wie die / luftblasen aus dem mund eines / ertrinkenden“, heißt es darin. Ostermaiers Gedichte lassen ebenso oft und weniger dramatisch an die Kaugummiblasen aus dem Mund eines Flaneurs denken – und gerade das macht sie überaus sympathisch. / FR 16.2.02

Albert Ostermaier: Autokino. Gedichte, mit CD. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001, 120 Seiten, 20,80 .

Afghanistan ohne Dogma

Die Gazette sprach mit dem afghanischen Schriftsteller Atiq Rahimi :

Unserer kulturellen Vergangenheit bis zum 17., 18. Jahrhundert. Ich liebe diese Literatur, ich verschlinge diese Bücher und bin stark beeinflusst davon. Es gab eine Offenheit, eine Insolenz allem gegenüber, die damaligen Autoren wagten es, von Gott anders zu sprechen, sie interpretierten den Koran und wandten ihn nicht wie eine starre Doktrin an. Der Islam bis zum 17., 18. Jahrhundert beruhte auf buddhistischer und zoroastrischer Basis, er gründete nicht auf der Angst vor Gott, sondern auf der Liebe zu Gott. Es war eine Philosphie, die sich fast schon zu einer humanistischen Philosophie des Menschen hin wandelte, eine vom Sufismus geprägte mystische Philosophie, die gegen die muslimischen Dogmen ankämpfte. Und dann gab es diese wunderbare Dichtung, die von der Frau und vom Wein, sprach; die Liebe des Menschen zu Gott wurde stets mit der Trunkenheit durch den Wein verglichen, ohne die spätere Sakralisierung. Fardusi, Khayyam, Rumi und Nezami , das sind meine Autoren. / Feb 2002

Atiq Rahimi, Erde und Asche, Aus dem Persischen von Susanne Baghestani, Claassen-Verlag (www.claassen-verlag.de), München 2002, 112 Seiten, 13 Euro

Much of Christensen’s linguistic virtuosity

puts one in mind of the phenomenon known as reduplication, a morphological process in certain languages (such as Turkish, Indonesian, Somali, Greek, Nez Percé—but excluding English and Danish) which copies all or part of the base to which it applies, in order to mark a grammatical or semantic contrast. Whether full or partial, reduplication can serve to intensify an adjective, place a verb into the future or the past, pluralize a noun or scatter its distribution, render an action continuous, or simply imply repetition. Moreover, Christensen makes skillful use of compound noun constructions in a way that is not only pleasurable, perhaps onomatopoeic, but also hints at the strange marriages of earth and air, water and fire, that define the world by seeming to defy it: „knotgrass“ and „sweetgrass,“ „icelocked“ and „iceplant,“ „fireweed and mugwort,“ „brickworks,“ „stoneskies,“ „groundwater,“ „greylight,“ „morningpale“ and „summerwarm.“ Occasionally Christensen veers from verbal and visual acuity and lapses into preciosity or précis: „I write like winter,“ she states at the end of 13, „write like snow / and ice and cold / darkness death / write.“ But overall, her play with letters and numbers—units that assume signification only within a structured economy, by existing within a system—is seductive, how she uses them to reveal how „a drop of water falls // on a leaf on a branch on a tree / on an earth.“ In her authentic relationship to „earth as it is in heaven,“ Christensen can even imagine „a / door with no house standing wide open still“—and somehow she ushers us inside. / Andrew Zawacki, The Boston Review Feb/Mar 2002.

Hugo-Hype

Hugo-Hype in Frankreich (schreibt Perlentaucher), dies The Economist (14.2.02):

VICTOR HUGO was born in 1802, and his bicentenary promises to be the biggest celebration of any writer in years. The French ministries of education and culture have set up enormous Hugo websites, listing enough Hugo-related events, from Madagascar to China, to last another 200 years.