Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Birgit Kempker verlangt nicht wenig vom Leser, von der Leserin – allem voran dieselbe Offenheit, das Stimmenhören, die schnelle Beweglichkeit zwischen Sprachkonstruktion und Lebenskonstruktion, die auch ihre Texte aufweisen.
Franziskus war ein bisschen wie Biden,
ein freundlicher Mensch.
Ein alter Mann.
Gut für die Erde.
Gut für die Armen.
Nicht unumstritten
und in manchen Dingen
relativ konservativ.
Am Balkongitter
Efeu.
An den Händen, in der Erinnerung,
den Taschentüchern des Abschieds
Efeu.
Drinnen im verschlossenen Haus,
am Wandteppich, im Schrank,
in den Kaffeetassen
Efeu.
es ist wie die erinnerung an einen film
entsprechungen die aussehen wie dinge
aber keine sind
Die Tesla-Fliegen haben die Sonne verdunkelt. Ihr Summen hört man bis in die Antike. Beim Zeus, was ist das für ein Eichenbaum? Die gehängten Bürger baumeln im Wind, vom Kolibri des Todes leergesaugt.
österreich ist ein sicheres land, hier wird nur aus liebe getötet
am nationalfeiertag singen militär und präsident die bundeshymne
am nationalfeiertag geschieht unter der gehissten flagge der
23. femi(ni)zid des jahres
Immer wieder die sensiblen jungen Männer
mit dem verstimmten Klavier
ihrer Herzen Not
Sehnsucht mit der rechten Hand
Einsamkeit mit der Linken
Klaviere im Regen der Zeit
Pangur, des Nachbarn Katze,
kommt in mein Zimmer
auf der Suche nach Ruhe und Frieden.
Sie leckt gerne
meine bloßen Zehen,
während ich tippe.
Aber sie kann sich
nicht beherrschen
und bald
beißt sie hinein.
Sie küßt mich spruchreif für die Gegenwart.
Man wirft mich roh auf irgend einen Tresen.
Ich werde ausgespuckt als faule Redensart
und war doch fast schon am Parnaß gewesen.
Priester des Mammons. Anbeter des Moloch. Pilgrime des toten Gewissens.
Heroen käuflicher Umarmungen. Ritter von Maniküre und Pediküre.
wahnwitz all dies dies hier zu sehen
wie
was das wort ist
sehen
flüchtig sehen
flüchtig zu sehen glauben
flüchtig zu sehen glauben wollen
Mitten im Totschlag
betritt Geißblatt das Haus
säugt die Zimmer
flurwärts
Schädel und Nebenhöhlen
ankert in der Schwebe
ausrißbereit.
lief
eine Frau quer über Panzerteile
ihr Gesicht war durchgestrichen
kann sein sie lebte gar nicht mehr
nur laufen war geblieben
Was gibt’s im Paradies? Wohl kaum Affären,
Nur Frauen, schwärzer noch als Pech und Ruß,
Nur Greisinnen, von denen Flechten zehren.
Dem Geist bleibt, so umringt, nichts als Verdruß.
Neueste Kommentare