38. Celans Vortrag

Als der in Paris lebende Dichter [Paul Celan] Anfang der 50er Jahre erstmals – und letztmals – vor der Gruppe 47 las, höhnte Hans Werner Richter später über Celans Vortrag der „Todesfuge“ , es sei ein „Singsang“ gewesen wie in einer Synagoge. Einer habe gesagt „Der liest ja wie Goebbels“, erinnerte sich später Walter Jens.

Die Geschichte hat den dünkelhaften Herrenclub nachdrücklich widerlegt. Die „Todesfuge“ kennt heute fast jedes (Schul-)Kind, den Schriftsteller Richter nur noch Literaturwissenschaftler.

Tatsächlich las Celan seine Gedichte in jüdischer Tradition in einem hohen, sehr rhythmischen, fast hypnotischen Ton, manchmal schnarrend, ein wenig leiernd. Er verweilte, wie er später einmal schrieb, bei den Worten „wie in einer Meditation“. Nichts sollte vom Geschriebenen ablenken. Er war ja Dichter. / Claudia Bockholt, Mittelbayerische Zeitung

3 Comments on “38. Celans Vortrag

  1. bezweifle ich nicht. ich wende mich nur dagegen, autoren mit dem argument abzuwerten, daß man sie nicht gelesen hat. hat auch was dünkelhaftes, die damen und herren

    Liken

  2. was den vortrag betrifft, bin ich ganz einverstanden. bei richter wär ich nicht so sicher. den kennen nur noch literaturwissenschaftler? vielleicht, weiß nicht. andererseits, warum auf das „urteil“ der nichtleser vertrauen? das argument hat wenig beweiskraft.

    Liken

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: