36. Preisverleierung (Anmerkungen eines Ohrenzeugen)

Lyrik überfordert ihre Hörerschaft permanent. Wir können die Lyrik nicht verstehen. Wir können etwas von ihr verstehen. Wir können über sie reden, über ihre Wirkung. Das ist ein Teil des devoten Genusses: Wir geben der Sprache Macht über uns. Manche im Publikum soviel, daß sie einnicken. Wir blicken staunend auf: Ist es also unsinnig, über etwas Sinnliches zu reden? Nicht generell. Kunst sucht ihren Weg immer von einem Ich zu einem Du, und mit Kritik verhält es sich genauso. Im Idealfall sollte Kritik auch Wirkung generieren, wie die Kunst selbst, aber im intellektuellen Bereich. Authentisch wirkt sie nur, wenn sie von einer Ich-Position ausgehend über ihren Gegenstand spricht. Wenn Juroren das vergessen, geschieht es oft, daß sie sich hinter langweilenden Allgemeinplätzen und Vergleichen mit bereits etablierten Autoren verstecken.

Für manche lokal gebundenen Lyrikpreise scheint es eine übliche Praxis zu sein, ausschließlich Lyriker als Juroren zu benennen. Inwieweit diese Tatsache einem möglichst sachlichen Ausscheideverfahren dient, sei dahingestellt. Oder können wir uns Bäcker vorstellen, die, frei von eigenen Motiven, die Kekse der Konkurrenz für eine Prämierung auswählen sollen? Und wie sollten die, noch den Geschmack der zuletzt probierten Kekse im Mund, sich an den Geschmack der erstversuchten erinnern? Und überhaupt, das Thema „Geschmacks“-Sache – zutiefst menschlich und vollkommen natürlich. Es gestaltet sich erst dann problematisch, wenn der Geschmack des Jurors hinter objektivierten Argumenten versteckt werden soll. Das ist das wirklich peinliche Moment. Es soll auch niemandem bewußte Einflußnahme unterstellt werden, denn dafür besitzt der Mensch bekanntlich ein Unterbewußtsein. Das sitzt unter dem Bewußtsein und wer will behaupten, er habe es zur Gänze im Griff? Sehr problematisch können Konstellationen dort werden, wo Juror und zu bewertender Autor schon einmal im selben Boot saßen: Denn – will nicht jeder mal ans Ruder kommen, wenn‘s drum geht, den breiten Fluß zu überqueren, um bei der Mühle anzulegen? Ihr Mühlrad dreht das Mahlwerk des Lyrikbetriebs. Zum Keksebacken brauchen wir nun mal das Mehl wie auch die Mühle.

Juror zu sein, ist im literarischen Betrieb, neben der Rolle des Autors, wohl eine der undankbarsten Aufgaben. Selbst die sonst unantastbaren Vertreter des institutionellen Literaturbetriebs machen sich dadurch angreifbar. Nun wissen wir nicht erst seit Thomas Bernhard oder Ulf Stolterfoht, wie Preise vergeben werden und wie eine Jury ihre Entscheidung trifft. Oft steht der Preisträger schon vor dem ganzen Procedere samt „anonymisierter“ Einreichung fest. Aber der Masse ihre Show. Die ist auch nötig für die PR, denn es ist schon erstaunlich, wie so ein Preis am Mühlrad kurbeln kann. Kommt aber nicht zwangsweise mehr Mehl bei raus. In den Trichter des Mahlwerks gehört zuallererst das Korn geschüttet. Und das gilt es mitzubringen. Es bleibt, wie es schon immer war: Die einen nutzen die Sache aus Interesse, die anderen interessiert an der Sache nur der eigene Nutzen. Jedenfalls guten Appetit!

Wolfgang Berends

18 Comments on “36. Preisverleierung (Anmerkungen eines Ohrenzeugen)

  1. Ich möchte noch kurz anmerken, dass es schon die sehr geringe Menge an Lyrikkritiker*innen, Lyrikverleger*innen, -übersetzer*innen und -wissenschaftler*innen, die nicht selbst auch Lyrik schreiben, quasi unmöglich macht, Jurys nur aus solchen zu besetzen. Schon jetzt ist, eben weil es so wenige davon gibt, ihre „Macht“ und Verantwortung für die Bewahrung und Förderung von Vielfalt vergleichsweise groß. Auch von daher finde ich es nur begrüßenswert, den Fokus zu erweitern, weg von einem komischen Verständnis „reiner“ Ämterteilung, hin zu mehr Vermischung und Streuung der Machtpositionen. Und gerade unter Lyriker*innen kenne ich niemanden, der oder die als Jurierende nicht auch über diese nicht selbstverständliche besondere Verantwortung reflektieren würden, um sich ihr möglichst bewusst zu bleiben, gerade weil sie die Erfahrung eben aus mehreren Perspektiven kennen und beurteilen können.

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  2. Sehr geehrter Herr Berends,

    ja, ich finde das von Michael Gratz geprägte Wort von der ’negativen Bevorzugung‘ ebenfalls treffend. Sie könnten ja recht haben, dass man nicht NUR weil man schreibt, besser beurteilen kann. Aber urteilt jemand NUR weil er Literaturwissenschaft treibt, NUR weil er sein Urteil nicht für sich behält, sondern öffentlich macht, NUR weil erLyrik verlegt …? Das alles scheint mir doch noch unwahrscheinlicher! Ihr erstes Argument verwechselt schlicht notwendeige und hinreichende Bedingung.
    Mir gefällt auch bei den Lyriker_in x vielleicht besser als y, es käme, wie Sie sagen, teils auf die Nachvollziehbarkeit an. Und da ist ein (Künstler?)genie, das meint seine Entscheidungen mit dem eigenen Qualitätsbewusstsein zu fällen, ungünstiger als jemand, der sein Urteil verbal rechtfertigen kann und mag. Bei einem Finale des Münchner Lyrikpreises, hatte ich die Erfahrung gemacht, dass es ausgerechnet eine Literaturwissenschaftlerin in der Jury nicht für nötig ansah, ihre teils recht apodiktischen Urteile nachvollziehbar zu rechtfertigen. (Solche Beobachtungen gibt der sehr transparente Münchner Lyrikpreis ja her. Ich rede weiter über den, weil wir ihn beide etwas kennen. Dass sich zu dem recht aufwändigem Procedere doch ein sehr starkes Teilnehmerfeld bewirbt, zeigt mir, dass ich den Preis nicht im „Gegensatz zu etablierten“ Preisen schätzen kann, sondern als einen, der sich durch besondere Transparenz schnell etabliert hat.)
    Ich weiß, dass man Misstrauen heutzutage Lyrikern und jungen Autoren als den unangesehendsten Gliedern im Literaturbetrieb am leichtesten anhängen kann. Aber ungewaschene Wäsche waschen sehe ich die Leute doch auch quer zu den Professionen.
    Bei Musikpreisen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Geiger und nicht Kritiker oder Plattenbosse über Geiger urteilen. Woher kommt das große Misstrauen gegenüber Lyrikern als Experten (Auch z.B. Brocan hat es ja)? Ich denke, dass die Diagnose, dass es viel schlechte Lyrik gäbe, dass man sich kaum einigen kann, was alles besonders lesensewert ist, in ein Misstrauen umgemünzt wird über die Kompetenz von Lyrikern. Dabei ist es strenggenommen ein Leiden der Kritik, die Gegenwart der Lyrik oft weder nachvollziehbar wichten noch gar mitunter Beschreiben zu können! Also wenn wir schon von Täter-Opfer Umkehr reden!
    Man formuliert dies Misstrauen meist freundlicher. Nicht als ein Misstrauen gegen Lyriker_innen, sondern als ein Misstrauen gegen Kompetenzen, Macharten und Techniken. Da einige Lyriker_innen ihren Erfolg gefunden haben wie ein blindes Huhn das Korn, meinen sie ebenfalls oft, diese für Kritiker bequeme Sicht unterstützen zu müssen.
    Poetologische Äußerungen von Lyrikern gelten zwar als angesagt. Den Lyriker_innen jedoch, die sich wirklich mit Poetik und nicht mit allgemeinem ästhetischen Geplauder am öffentlichen Gespräch beteiligen, schlägt ein scharfer Wind ins Gesicht. Kritiker_innen, Literaturwissenschaftler_innen und allerhand andere Hauptberufliche (Nichtlyriker_innen), scheinen Gefahr zu wittern, wenn Lyriker-innen sich als Kritiker_innen, Dozent_innen und Juror_innen betätigen qua ihrer Berufserfahrung und nicht qua Mitgliedschaft in anderen erlesenen Clubs. Das scheint die uneingestandene Furcht vor der eigenen Entbehrlichkeit zu sein. (Ich hoffe Sie empfinden meine Vermutungen mindestens als ähnlich geschmackvoll wie ihre Spekulationen über Seelendynamiken.) Grüße Bertram Reinecke

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  3. das mit der „idealen jury“ finde ich eher problematisch. woher diese negative bevorzugung „der“ lyriker? abgesehen davon daß sie hoffentlich alle auch „leser“ sind: haben feuilletonkritiker oder universitäre literaturwissenschaftler keinen stallgeruch ihrer profession und sind per se vorurteilsfreier als lyriker? das werden sie nicht glauben. sind die lyriker, die in der jury mitwirken, etwa alle aus demselben stall? gibt es gründe, die ehrenwerten autoren, die sich der – ich vermute mal nicht besonders gut bezahlten – tätigkeit widmen, zu beargwöhnen? dann müßten sie konkret auf den tisch. gibt es diskussionen über die jurys von hölty oder huchel? sagt jemand, bei überwiegend von feuilletonkritikern besetzten jurys würden die autorInnen bevorzugt, die auch sonst im feuilleton vorkommen? (ich kenne einen fall, vom hörensagen, aber verbürgt: da hat ein lyriker in der jury einen autor vorgeschlagen und schließlich „durchgeboxt“, der 40 jahre von jurys übersehen wurde; es geht um richard anders, und ich meine nicht greifswald, wo er auch einen preis bekam, ich darf es verraten, es war thomas kunst in einer dresdner oder berliner jury). in berlin war ich mal bei einer diskussion dabei, wo ein hochangesehener literaturwissenschaftler auf die frage, warum so wenig literaturwissenschaftler sich mit der neusten lyrik beschäftigen, entwaffnend ehrlich sagte: „da brauchen sie aber leute, die sich auskennen“. ist jemand ein besserer juror, wenn er nicht merkt, daß ein gedicht von steffen popp oder daniela seel aus einem ihrer bücher ist? ich finde, es gibt viele fragen im preisbetrieb, aber sie werden meist und wie ich finde auch von ihnen sehr pauschal und klischeehaft angegangen.

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  4. Ein freundliches Hallo in die Runde!

    Ich versuche, meine Ansicht jetzt mit einem argumentativen Text zu erklären: Wieso gilt es als ausgemacht, daß nur, weil jemand Lyriker ist, er oder sie bereits das Zeug zum geeigneten Juror hätte? Das Argument, nur weil ich selber schreibe, kann ich auch andere Schreibende beurteilen, trägt meines Erachtens nicht. Selbst die Literaturwissenschaft macht einen großen Bogen um das ganze Bewertungs-Thema, weil sie erkannt hat, daß die Kriterien für die Literatur-Beurteilung unmöglich eindeutig zu definieren sind.

    Für mich sähe eine Traum-Jury für einen Lyrikpreis wie folgt aus: ein Literaturwissenschaftler, ein Literaturkritiker, ein Lyriker, ein Lyrik-Verleger und ein Lyrik-Leser. Da hätten wir dann alle Betriebsabteilungen beieinander, in ungerader Zahl. Die Summe aller Blickwinkel wäre einigermaßen ausgewogen. Es ist mir bewußt, daß heutzutage viele Lyriker neben dem Schreiben auch andere, dem Broterwerb dienende Tätigkeiten ausüben, und lesen tun wir alle. Viele Lyriker sind auch Literaturwissenschaftler, Literaturkritiker, Lyrik-Verleger und Übersetzer. Doch trotz dieser professionellen Vielschichtigkeit besteht die Gefahr, daß am Ende doch der Künstler in ihnen die Oberhand gewinnt – psychologisch betrachtet. Der Künstler wird vom vermeintlichen „Opfer“ des Literaturbetriebs, in dem er als Lyriker eine eher unbedeutende bzw. untergeordnete Rolle spielt, zum „Täter“ in der Jurorenfunktion (unbewußt in der Dynamik, versteht sich). Das „Opfer“ begibt sich in eine „Täter“-Position, um seinem Ohnmachtsgefühl zu entfliehen. Das alte Spielchen von Macht und Ohnmacht, das Loriot sehr humorvoll auf den Punkt brachte: „Was Du nicht willst, was man Dir tut, das mache anderen, das tut gut.“ Aber durch diesen Umstand werden letztlich beide, Juror und zu beurteilender Autor, zu Opfern der Konstellation (unbewußt in der Dynamik, versteht sich). Diese Dynamik ist vielleicht nicht jedem bewußt. Dieser Umstand muß nicht zwangsweise eintreten, aber er könnte eintreten. Daß sich diese Gefahr potentiell erhöht, je mehr Lyriker in einer Jury sitzen, erklärt sich von selbst, und die könnten sich dann eventuell auch noch innerhalb der Jury miteinander zu messen beginnen. (Dieser innere Künstler duldet keine anderen neben sich; jeder ist „King of the mountain“.) Und daher bin ich der Ansicht, daß eine ausgewogene Jury-Zusammensetzung für mehr „Entspannung“ sorgt und die AUSSCHLIESSLICHE Besetzung mit Lyrikern für beide Seiten ungut ist.

    Da in den Kommentaren immer wieder der Lyrikpreis München auftaucht, möchte ich etwas klarstellen: Ich persönlich schätze den Lyrikpreis München als Gegengewicht zu den etablierten Preisen und aufgrund seines lebendigen Charakters. Ich sehe diesen Lese-Marathon als eine sportliche Disziplin, ein Kräftemessen. Fairneß sollte dabei, wie im Sport, Voraussetzung sein. Die NACHVOLLZIEHBARKEIT von Entscheidungen trägt dazu ganz wesentlich bei. Wer den Sieg davonträgt, ist mir dabei zweitrangig.

    Herzliche Grüße an alle,
    Wolfgang Berends

    PS. Ich bringe am Samstag Kekse mit – zum Knabbern.

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    • Lobenswert der Versuch einer konstruktiven Stellungnahme.
      Aber eine Quotenregelung dieser Art ist nur äußerlich anwendbar und bringt hinsichtlich des eigenen Ziels nicht zwingend etwas.
      Denn eine Alptraumjury wäre: ein doofer Literaturwissenschaftler, ein überheblicher Literaturkritiker, ein seine Kritik in Reimen vorbringender Lyriker, ein verlegener Lyrik-Verleger und ein affektierter Lyrik-Leser.

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  5. Sehr geehrter Herr Berends
    Vielleicht trägt es zu der erwünschten Sachlichkeit bei, wenn ich zunächst sage, mehr ein Gefühl äußere: ich habe Ihre Antwort auf Axels Beitrag als unhöflich empfunden. Denn ich habe nicht verstanden, warum Sie Sachlichkeit anmahnen, wo er doch sehr sachlich reagiert hat?
    Zudem fordern Sie gleichzeitig, dass man Ihren eitrag bitte als Glosse verstehe … ja was denn nun? Ich denke, Sie müssten sich entscheiden.
    Wenn Sie mich als Richtigversteher in Anspruch nehmen, haben Sie mich missverstanden. Richtig ist allerdings, dass ich deswegen nicht mit Argumenten reagiert habe, weil Sie ja eigentlich kein Argument dafür gebracht haben, warum Jury durchaus nicht komplett mit Lyrikern besetzt werden sollten. Ich konnte also lediglich Ihr schiefes Bild grlossieren. Verstehen Sie es als Beitrag zur Sache. Meine Meinung zum Thema Juryzusammensetzung äußere ich dann vielleicht an anderer Stelle, oder wenn ich durch interessante Argumente gereizt werde.

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  6. lieber wolfgang,
    Dein kommentar befremdet mich. natürlich ist es legitim, wenn Du zweifel daran äußerst, ob eine jury, die ausschließlich aus lyriker/inne/n besetzt ist, das richtige gremium für die beurteilung von lyrik sei. nur verstehe ich einige Deiner argumente nicht ganz.

    ich übergehe mal den ersten absatz mit den allgemeinplätzen, der ja nicht auf die problematik der jury-zusammenstellung abzielt, und gehe zum zweiten, in welchem Du Deine bedenken formulierst und zur veranschaulichung einen bäcker-vergleich bemühst: „Oder können wir uns Bäcker vorstellen, die, frei von eigenen Motiven, die Kekse der Konkurrenz für eine Prämierung auswählen sollen?“ warum sollten wir das nicht können? und welche wären die „eigenen motive“, die Du unterstellst? gehst Du davon aus, dass die lyrikerjuror/inn/en mit absicht die schwächsten texte auszeichnen, um die ernsthafte konkurrenz für ihre eigenen kekse auszuschalten? dann fragst Du weiter: „Und wie sollten die, noch den Geschmack der zuletzt probierten Kekse im Mund, sich an den Geschmack der erstversuchten erinnern?“ haben denn lyriker/innen Deiner ansicht nach ein schlechteres gedächtnis als nicht-lyriker/innen, die ja auch der zeitlichen abfolge der eindrücke ausgesetzt sind? oder spucken letztere die kekse immer gleich aus?

    nun folgt eine allgemeine einlassung zum unterbewusstsein, das man nicht im griff habe und dem man beim urteilen über gedichte ausgeliefert sei. das sei durchaus „natürlich“ und nur dann „peinlich“, wenn man seinen derart zustandegekommenen geschmack hinter „hinter objektivierten Argumenten“ verstecken wolle (was, wenn ich’s richtig verstehe, für alle arten von juror/inn/en gilt). nicht mehr peinlich, sondern „sehr problematisch“ sei es, wenn „Juror und zu bewertender Autor schon einmal im selben Boot saßen“. der vergleichswechsel vom backwettbewerb zur bootsfahrt geleitet den wechsel vom unterbewussten präferieren zum bewussten vorziehen. lyriker/inn/en würden demnach aus alter solidarität oder vorausschauender berechnung andere lyriker/inn/en vorziehen, mit denen sie früher mal als konkurrenten kekse gebacken haben. doch: was wäre der vorteil? dass diese später juror/inn/en sein und sich dann dankbar revanchieren könnten? aber das gilt doch für alle, die zum wettbewerb angetreten sind, jede/r ist doch ein/e potentielle/r spätere/r juror/in. dann müsste man vorsichtshalber ja immer alle auszeichnen. oder meintest Du mit „im selben Boot“ einfach nur irgendeine freundschaftliche beziehung? das ist sicherlich ein problem, doch trifft es nicht die nicht-lyriker/inn/en und die lyriker/innen gleichermaßen?

    den abschließenden absatz Deines kommentars würde ich gerne ebenfalls übergehen, da er ja allgemein über das jurorentum spricht und nicht über die differenz von lyriker/inne/n und nicht-lyriker/inne/n. aber da steht unter anderem, dass man ja wisse, „wie Preise vergeben werden und wie eine Jury ihre Entscheidung trifft“, und das bringt das boot dann doch ein wenig zum überlaufen. ich weiß es nämlich nicht – weiß allerdings ganz sicher, dass beim lyrikpreis münchen die preisträger oder nominierten nicht, wie angeblich „oft“, „schon vor dem ganzen Procedere fest[stehen].“ dass dies so wäre, will ich weder mir noch meinen jury-kolleginnen und -kollegen auch nur andeutungsweise oder im vagen nebel hochstaubenden mehls nachsagen lassen. daher würde ich mich freuen, wenn Du diese passage zurücknehmen wolltest.

    herzlich.àxel

    am rande: warum schreibst du „in manchen lokal gebundenen Lyrikwettbewerben“, wenn Du ganz offensichtlich den lyrikpreis münchen meinst? und was verstehst Du unter „lokal gebunden“? dass im wettbewerbsname ein toponymisches element enthalten ist, wie auch beim lyrikpreis meran, dem dresdner lyrikpreis etc.? oder dass der wettbewerb an einem ort stattfindet und nicht dezentral oder nirgends?

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    • Lieber Àxel,
      mich erstaunt an der ganzen Sache, warum keine sachliche Diskussion in Gang kommen will, sondern die meisten Reaktionen emotional betroffener Natur zu sein scheinen.
      Zu der Kernfrage, ob es wirklich sinnvoll ist, eine Jury AUSSCHLIESSLICH mit Lyrikern zu besetzen, hat bisher niemand eine sachliche Meinung geäußert. Das bisher dazu Gelesene erscheint mir von den Argumenten zu schwarzweiß.
      Geschrieben und Herrn Gratz angeboten wurde der Text von mir als GLOSSE. (Zur Erinnerung: Journalistische Glosse: pointierter Meinungsbeitrag mit polemischem, satirischem oder feuilletonistischem Charakter. Dabei angewandte Stilmittel: Ironie und Übertreibung. Einsatz von: Wortspiel und Komik…) So haben anscheinend Bertram Reinecke und Clarknova den Text auch gesehen, wie zumindest ich das an deren Reaktionen ablese.
      Ich freue mich jedenfalls, daß Lyrikpreise ausgelobt werden, daß es Juroren mit unterschiedlichen Präferenzen gibt und daß die sich dann einig werden, um einen Preisträger zu ermitteln.
      (Nur nebenbei: Alle in der Endrunde am kommenden Samstag hier in München sind gute Lyriker. Die Entscheidung wird – wie im Leistungssport – eine Frage von Tausendstelsekunden werden. Die Performance gibt letztlich den Ausschlag, der Unterhaltungswert der Veranstaltung ist jedenfalls enorm. Und das lasse ich mir nicht entgehen.)
      Bis Samstag, herzliche Grüße,
      Wolfgang

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      • Mit emotionaler Betroffenheit hat meine Reaktion nichts zu tun. Ich benenne Fakten. Das nennt sich Gegendarstellung. Klar, dass Ihnen das nicht schmeckt.

        Nochmal: Warum sollte ein Literaturwissenschaftler, ein Verlegerin, ein Literaturkritikerin sein/ihr Unterbewusstsein besser im Griff haben, als eine Dichterin oder ein Dichter? Hat der Literaturwissenschaftler keine Unterbewusstsein? Sind Dichterinnen und Dichter nicht viel eher Kritik und Verdächtigungen ausgesetzt bzgl. Parteinahme, Seilschaftertum – offenbar doch schon, und nicht erst seit dem Pasquill des Herrn Berends. Haben die Jurorinnen und Juroren, die 2014 in den Vorfinals saßen keinerlei literaturwissenschaftliche Kompetenzen?

        Daher: Liegt die semantische Pflicht, seine Anschuldigungen und Verdächtigungen, konkret, nämlich mittels Kritik der Argumentationsstrategien und Begründungs- und Plausibilisierungsstandards der verantwortlichen Jurorinnen und Juroren (Jackson, Kreipe, Kuhlbrodt, Sanjosé, Schultens) nachzuweisen nicht voll und ganz bei Herrn Berends? Das ist die entscheidende Frage! Wenn das so sein sollte, warum sollte ich dann auf haltlose Anschuldigungen mit feinziselierten Erwiderungen reagieren? Warum dem Nebel mit dem Florett (oder auch nur mit dem Brötchenmesser) entgegentreten?

        Insgesamt: Ton und Stil Ihrer „Glosse“ unterscheiden sich nicht von Ton und Stil Ihres „Berichts“ zum Vorfinale vom 27.6. — Sie insinuieren hier wie dort und backen uns lange vor Weihnachten sehr viel Spekulatius. Danke, aber das wäre nicht nötig gewesen, sehr geehrter Herr Berends mit freundlichen Glossen!

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      • Sehr geerhter Herr Behrens,

        zu dem was sie an Herrn Sanjosés kommentar monieren eine anmerkung und in der folge 2 zitate aus ihrer antwort.

        für mich ist übrhaupt ncht nachvolzihbar, wie Sie den o.g. Beitrag auslegen und darstellen – bzw. wie sollte denn der/ein kommentar noch objektiver und sachlicher gehalten sein und ausfalle? was Herr Sanjosé schreibt ist, letztlich, in dem was Ihre person und position bzw. irritation, skepsis, zweifel … was auch immer bei ihnen die hefe zum gären gerbacht hat, doch auch noch gewissermaßen verständnisvoll!

        des weitern überlasse ich, sozusagen – als filter, fazit + bilanz – Ihnen das wort bzw. Sie ihren worten:

        „Geschrieben und Herrn Gratz angeboten wurde der Text von mir als GLOSSE. (Zur Erinnerung: Journalistische Glosse: pointierter Meinungsbeitrag mit polemischem, satirischem oder feuilletonistischem Charakter. Dabei angewandte Stilmittel: Ironie und Übertreibung.“
        +
        „Lieber Àxel,
        mich erstaunt an der ganzen Sache, warum keine sachliche Diskussion in Gang kommen will, sondern die meisten Reaktionen emotional betroffener Natur zu sein scheinen.“

        so wird ein hefezopf daraus, meister!

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      • entschuldigung:
        Herr Berends … Sie … u.a.

        meine tippfehler und mein (erster) beitrag mit korrekter namennennung fiel irgendeinem fehlklick zum opfer … so dass ich dann alles noch mal usw.

        auf jeden fall, da ihre aussagen zitiert also ausgeschnitten und reinkopiert sind, wurde daran/darin nichts verändert; die stehn für sich!

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  7. wenn schon lyriker*innen keine lyriker*innen jurieren sollten – stellt sich mir wiederum die frage, weshalb jene, die sich doch offenbar dezidiert ebenfalls lyriker*innen definieren, in berichterstattung über lyrikpreise machen, um eben jene erstgenannten lyriker*innen pauschal in ihrer juror*innenarbeit zu kritisieren.

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  8. Schon nach dem ersten Vorfinale des Lyrikpreises München, wo nämlicher Herr Berends der Jurorin Katharina etwas am Zeug flicken wollte (hätte angeblich mit Tobias Roth in der Pause vor dessen Auftritt gesprochen … Ich sah Katharina im Gespräch mit Christoph Szalay), so empfand ich das, war ich ziemlich erstaunt, und jetzt wird mein Befremden durch dieses neuerliche Pasquill gemehrt, besonders aber durch den Umstand, dass Herr Berends als Bibliothekar angestellt ist – beim Lyrik Kabinett München. Da ist man natürlich ein integerer Freigeist, wenn man über eine Verstaltung des Münchner Literaturbüros schreibt (unliebsame Konkurrenz bezeichnet man immer gleich als „lokal“, „irrelevant“, „infantil“, „verschroben“ oder „dekadent“) und über Stolterfoht und seine Preise krude Verschwörungstheorien in die Welt setzt: Ross und Reiter, bitte! Sonst sind das verleumderische Stammtischparolen.

    Noch eine Gegenfrage: Warum hat Wolfgang Berends nix über die Publikumsreaktionen am 27.6. in seinem „Bericht“ über das erste Vorfinale geschrieben? Hätte möglicherweise nicht in seinen Kram gepasst und fiel wohl deshalb einer schwammigen Erklärung zum Opfer? http://lyrikpreis-muenchen.de/bericht-9.html Da muss Berends´ Unterbewusstsein von der Unpeinlichkeitspille kurzzeitig aus objektiven Bahnen geworfen gewesen sein … Aus dem Bericht über diese Reaktionen wäre recht klar hervorgegangen, wer warum dieses Jahr im Finale steht und wer nicht. Mit „bereits etabliert“ hat das jedenfalls nix zu tun, das ist üble Nachrede.

    Über das zweite Vorfinale wurde ja dann von Ivor Joseph Dvorecky ein Bericht geschrieben, der den Erfordernissen der Textsorte Rechnung trägt: Orientiertung auf Information, Nüchternheit (statt Einmischung eigener poetischer Vorlieben), Unparteilichkeit, Gegenüberstellung von Positionen.

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    • Sehr geehrter Herr Ames,

      ich bin sehr erstaunt, daß Menschen wie Sie, die sich dem Wort verschrieben haben, solche Nuancen wie „AUSSCHLIESSLICH Lyriker“ einfach überlesen. Die Unterstellungen in Ihrem Kommentar weise ich zurück. Weder in meinem Bericht, noch in der Glosse, steht das geschrieben, was Sie in diese Texte hineininterpretieren wollen.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Wolfgang Berends

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      • Es ist doch keine Unterstellung, Herr Berends, zu referieren, was Sie über Katharina Schultens und Tobias Roth geschrieben haben: „Zwischen 20:50 Uhr und 21:15 Uhr gab es eine Pause, die für regen Austausch, teilweise auch zwischen Jury und Autoren, genutzt wurde. Katharina Schultens und Tobias Roth waren einander ja bereits vom Literarischen März 2013 in Darmstadt, bei dem beide ausgezeichnet wurden, bekannt.“ — Ich war anwesend, und so wie der Satz dasteht, kann ein Unbeteiligter, Nichtanwesender (für die ist der Bericht doch geschrieben, für wen sonst?) nur schlussfolgern: Da wurde gemauschelt, da wurde getrickst, da wurden Absprachen getroffen. Ich war dabei, und ich versichere hier: Roth und Schultens haben in keinster Weise miteinander gesprochen in dieser Pause am Abend des 27. Juni. Wenn ich das nicht klarstellen würde, wär ich unkollegial. Unkollegialität und Entsolidarisierung gibt es doch schon übergenug, und es erscheint mir immer sinnloser, darüber (bloß) zu diskutieren. Die einen diskutieren, die anderen insinuieren? So haben wir doch nicht gewettet …

        Das sind Fakten. Und Fakten, Herr Berends, kann man leider nicht zurückweisen.

        Außerdem: Ihr ganzes Konzept in diesem „Bericht“ vom 27. Juni und der Schmähschrift hier zum Lyrikpreis München 2014 beruht ja ebenfalls auf Vermutungen, Insinuationen über den Grad der Anständigkeit der Jurymitglieder: „Sehr problematisch können Konstellationen dort werden, wo Juror und zu bewertender Autor schon einmal im selben Boot saßen: Denn – will nicht jeder mal ans Ruder kommen, wenn‘s drum geht, den breiten Fluß zu überqueren, um bei der Mühle anzulegen?“

        Und noch ein ungebetener, aber dafür kostenloser Hinweis: Bäcker sind Handwerker, Lyriker/Poeten sind Künstler, da gelten andere Kommunikationscodes. Etwas anderes als seine Integrität hat ein Künstler nicht; dem Handwerker kann es wurschd sein, ob er als integer gilt, oder nicht. Es bieten sich von daher keine Vergleichmöglichkeiten.

        Ein argumentum ad hominem wird mit einem argumentum ad hominem beantwortet. Vulgo: Was Sie sich herausnehmen, nehme ich mir ebenfalls heraus. Das nennt sich Demokratie. Macht doch Spaß. Appetit ist eh überbewertet und Gastronomievergleiche mit Appetit, Keksen, Müllern, Ich und Du und Müllers Kuh fnde ich ganz schön altbacken.

        Dass Sie in meinen Ausführungen bloße Interpretationen sehen erscheint mir abwegig; da reden Sie sich, finde ich, heraus, sehr geehrter Herr Berends.

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  9. Der zweite Absatz tut gerade so, als wären Kritiker, im Gegensatz zu Lyrikern irgendwie objektiver. ich jedoch denke, dass bäcker allerdings objektiver die Kekse der Konkurrenz bewerten können, áuch wenn ich selbst ganz passabel backe.

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