18. Denken in Jamben

(Lesungskritik)

Frühstück auf dem Hof der Burg Klempenow nach der Lesung Uwe Kolbes. Hinter mir sitzt ein Ehepaar aus dem Westen („wir sitzen hier weit im Osten“, sagt sie am Telefon), er Gymnasiallehrer, Kunst und Musik, sie im „kreativen Bereich“. Ich hab sie nicht belauscht, sie sprachen sehr laut.

Er: „Also mein Eindruck: Lyrik ist eine hohe Kunst.“ Sie: „Aber viele schreiben auch einfach so banales Zeug.“ Er: „Um sowas schreiben zu können, muß man viel von Gedichten verstehen. – In Musik und Kunst weiß ich das ja, aber nicht in der Lyrik. … Ein Wort, das immer wiederkehrte, es sollte ernst klingen und doch banal sein. … Ich kannte den ja nicht und du hast mich nicht gebrieft und ich hab nicht erwartet, so abseits was Wichtiges zu finden, aber ich merkte gleich, daß das was Hochkarätiges ist. Sonst mach ich da bei Lyrik gleich zu.“ Sie: „Ich drück mich mal in der Fußballsprache aus, er spielt in der ersten Liga.“

Mein Eindruck: auch wenn sie den Namen offensichtlich vom Feuilleton kannte – seine Reaktion verdankte sich nicht der mit dem Namen verbundenen Aura, sondern der Performance – dem gekonnten Vortrag, aber auch der Textur. Die meisten gelesenen Texte waren gebunden, kaum gereimt, aber meist Jamben, ein Denken in Jamben, das zumindest dem musikalisch geschulten Ohr etwas „rüberbringt“.

Uwe Kolbe liest beim Poesiefrühstück in Klempenow
Uwe Kolbe liest beim Poesiefrühstück in Klempenow

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