107. Meine Anthologie: Entzücken beim Anblick eines nackten Mädchens*

Im Stuttgarter Verlag ANTON HIERSEMANN KG erscheint in Kürze eine Neuübersetzung der „Anthologia Graeca“. Die dreibändige Ausgabe von Friedrich Ebener aus dem Ostberliner Aufbau Verlag von 1981 (Die Griechische Anthologie in drei Bänden, Bibliothek der Antike) ist seit langem vergriffen. Ebener übersetzte die gesamte Sammlung in Versen. Die Herausgeber der neuen Ausgabe haben sich zur Prosaübersetzung entschlossen, weil die metrische Übersetzung mit zu hohen Kosten an Genauigkeit verbunden ist.

Der Übersetzer Dirk Uwe Hansen (Greifswald) hat mir mit Erlaubnis des Verlages eine Probe aus dem Buch zur Verfügung gestellt, die ich in den nächsten Tagen – von Fall zu Fall mit zusätzlichem Material – hier vorstellen werde. Ich beginne zum Osterfest mit einem Epigramm von Philodemos, Nr. 132 aus den Liebesepigrammen.

Philodemos von Gadara (griechisch Φιλόδημος; um 110 – um 40 v. Chr.) war ein epikureischer Philosoph und Dichter, der um 80 v. Chr. nach Rom kam und dort Vergil kennenlernte. In der Anthologie sind rund 30 Epigramme von ihm enthalten, hauptsächlich erotischer Natur.

V, 132 Philodemos

Dieser Fuß! Dieses Schienbein! Diese (hier muss ich zugrunde gehen)
Schenkel! Diese Hüften! Diese Flanken! Die Grübchen am Bauch!
Schultern! Diese Brüste! Dieser zarte Hals!
Diese Arme! Diese (ich verliere den Verstand) Augen!
Diese zierliche Bewegung! Und über alles erhabene
Küsse! Diese (schlag mich tot) Stimme!
Ist sie auch eine Barbarin und Fremde und singt nicht Sapphos Lieder,
na und? Auch Perseus hat sich in Andromeda aus Indien verliebt.

– Das erste Distichon lautet bei Ebener:

Herrlich der Fuß und die Wade, der Schenkel – ich könnte vergehen! –
ooHintern und Hüften und Scham, üppig vom Flaume bedeckt

  • Philodemos bei Wikipedia
  • Hier eine englische Übersetzung von George Economou (Nr. XV).
  • Hier ein Epigramm auf Deutsch
  • Liebesepigramme aus der Ausgabe von Hermann Beckby, Ernst Heimeran Verlag München 1957 (Nr. 132)
  • PDF der „Epigrammatum anthologia palatina cum Planudeis et appendice nova epigrammatum veterum ex libris et marmoribus ductorum“ Griechisch und Latein
  • Die Handschrift der Anthologia Palatina findet man hier (nach dem Hinweis im Kommentar nachgetragen)

*) Vgl. hier

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