89. IM und Spitzel?

Ehe keine Kopie der (handschriftlichen?) Originalberichte von Werner Söllner vorliegt, lässt sich nicht darüber urteilen, ob er jemandem zum Schaden oder (wie offenbar im Fall des Klausenburger Germanisten Michael Markel) zu dessen Gunsten berichtet hat.

Ich weigere mich allerdings zu glauben, dass er ein Spitzel war, also jemanden im Sinne der Securitate-Vorgaben ausgehorcht hat, oder gar um eigener Vorteile willen der Behörde von sich aus Böses, das „Opfer“ schädigende Informationen gemeldet hat. Diese Sorte IMs ist in den Akten massiv vertreten, ja es lassen sich da noch einmal Abstufungen der Verwerflichkeit beobachten.

Bei aller nötigen Deutlichkeit der Unterscheidung zwischen Tätern, Opfern und Nichttätern wäre es eine unerträgliche Verwischung des tatsächlichen moralischen Reliefs der beteiligten Menschenlandschaft und eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, wenn die übelsten Schurken unerkannt und ungeschoren davonkommen und einer, der sich mit seiner Schuld spät aber doch dem Urteil der Öffentlichkeit aussetzt, quasi auch für die größten Schweine büßen muss. Die wichtige Frage, warum Werner Söllner sich nicht längst, am besten unmittelbar nach seiner Ankunft im Westen, sein Problem von der Seele geredet hat, wäre aber auch dann noch schlüssig zu beantworten. Das muss nun er selber tun.  / Gerhardt Csejka, Tagesspiegel 12.12.

(Der Artikel gibt aufschlußreiche Informationen aus Ceausescus Rumänien)

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