25. Knallbunt und krachdumm

Die NPD versucht mit antidemokratischen Tiercomics bei Schülern auf Stimmenfang zu gehen – die Moral darin ist so aggressiv, wie die Reime falsch sind

Der vorläufige Endpunkt, die Versklavung aller rechtschaffenen Enten, soll jene Mittel rechtfertigen, die als legitime Reaktionsweisen propagiert werden, den Hass und den Straßenkampf. Eine Ente begehrt auf, „ich hasse euch und euer Geschwätz vom ewigen Integrieren“, und wird – in Märtyrerpose gefällt sich der Nationalist – prompt von Richter Huhn verurteilt. Die Schwäne unterdessen organisieren im Nachbarland den Widerstand, indem sie den Hühnern tüchtig auf die Schnäbel geben: „Die Straße schallt vom Kampfgerenke, / die Hühner beugen sich unserem Argumente“.  / ALEXANDER KISSLER, SZ 26.8.

24. „wie nur das Verhältnis von Mann und Frau oder von Henze und Bachmann“

Ingeborg Bachmann, seiner intimen Freundin und Kollaborateurin, deren Gedichte er vertonte, so wie die Schriftstellerin den Komponisten ihrerseits mit Libretti versorgte, erzählte Hans Werner Henze einmal brieflich die Anekdote, wie Giuseppe Verdi nach schweren Schicksalsschlägen aus tiefster Depression zu neuem Leben erwachte: Der Intendant der Mailänder Scala wollte ihm für die laufende Saison noch unbedingt ein Opernlibretto aufdrängen, doch Verdi lehnte ab, wollte das Libretto nicht einmal lesen und warf es zu Hause wütend zu Boden. „Zwei Tage später, als er noch verzweifelter war, fiel sein Blick unversehens auf das nach wie vor am Boden liegende Libretto. Als er sich bückte, um es aufzuheben, sah er den Text eines Chores, der mit den Worten begann: ,Va pensiero, sull“ali dorate (Flieg“ Gedanke, mit goldenen Flügeln)“ – und beinahe unbewusst setzte er sich ans Klavier und komponierte diesen Chor, der heute eine Art Nationalhymne ist . . .“
Die Anekdote bezeugt den ambivalenten Status einer literarischen Textsorte, der gewöhnlich weder von Seiten des Publikums noch der Wissenschaft besondere Wertschätzung zuteil wird. Dabei ist der Weg vom Wort zum Ton, wie steinig und dornenreich auch immer, ein ästhetischer Urgrund aller Kunstübung, bereit für unerwartete Wendungen und überraschende Abenteuer. Doch so sehr die Worte und die Töne im Ursprung aller lyrischen wie dramatischen Kunst noch zueinanderfanden – alle Dichtung entstammt dem Gesang, auch die Texte antiker Tragödien wurden bei den Griechen gesungen -, so ist ihr Zusammensein, seitdem jede Geschwisterkunst ihre eigenen Wege geht, doch so prekär und problematisch geworden wie nur das Verhältnis von Mann und Frau oder von Henze und Bachmann. …

Bleibt die Gegenwart, die mit Dokumenten der Zusammenarbeit des Lyrikers Durs Grünbein und des Komponisten Johannes Maria Staud für die Oper „Berenice“ präsent ist. In einer Notiz des Librettisten heißt es, der „Urkonflikt zwischen Wort und Musik“ werde vom Text demonstrativ vorgeführt. Dieser Urkonflikt gleicht wieder dem Geschlechterkampf: Die Verse unter dem Titel „Entre nous“, die Grünbein auf die Rückseite eines Programmblatt kritzelte, sind dem Tonsetzer zugeeignet: „Hör zu: Ich mach, was du willst. / Wenn auch nicht alles. / Ich fress dir aus der Hand. / Das letzte Krümel bleibt dir. / Du komponierst diese Oper. / Ich werde dir hörig sein – soweit ich diese Töne wieder-erkenne.“

Die Drohung, den Liebesbund auch wieder aufzulösen, ist inbegriffen. / VOLKER BREIDECKER, SZ 26.8.

„Das Libretto. Vom kleinen Buch zur großen Oper“. Museum Strauhof, Augustinergasse 9, Zürich. Bis zum 6. September. Info unter http://www.strauhof.ch.

23. Andenken an Craig Arnold

Freunde und Familienangehörige trafen sich am Mittwoch zum Andenken an Craig Arnold, der im April bei einer Japanreise vermutlich ums Leben gekommen ist, meldet AP.

In L&Poe:

2009    Mai    #10.    Vermißt
2009    Mai    #35.    Suche geht weiter
2009    Mai    #41.    Craig Arnold vermutlich tödlich verunglückt

(alle alten Nachrichten sind über den Button „Archiv“ erreichbar – suchen Sie dort einfach die entsprechende Nummer)

22. Fernando Perez Talks Poetry

Major League Baseball player reflects on the role of poetry in his life

CHICAGO — The Poetry Foundation, publisher of Poetry magazine, is pleased to announce that Tampa Bay Rays outfielder Fernando Perez is featured in the September issue of Poetry magazine. As a contributor to Poetry, Perez joins the varied ranks of non-poets—including singer Neko Case, actor Alfred Molina, psychiatry professor Kay Redfield Jamison, and Vanity Fair columnist Christopher Hitchens—who have recently written for the magazine about the place of poetry in their lives.

Perez is a graduate of Columbia University in New York City, where he received a degree in American studies and completed the creative writing program. He joined the Tampa Bay Rays in 2008 and was one of six Ivy Leaguers to be appointed to the roster of Major League Baseball teams in the 2009 season. A longtime reader of contemporary poetry, Perez has named Robert Creeley and John Ashbery among his favorite poets.

Perez says he turns to poetry when he’s „after displacement, contrast“ from the game of baseball. „The thick wilderness,“ he continues, „of, say, late Ashbery can wrangle with the narrowness of competition.“

Created with the belief that not only should poetry have a wider audience, but the range of people writing about poetry should be diverse, Poetry’s occasional special feature The View from Here this month includes short essays from Brenda Starr writer Mary Schmich and writer William T. Vollmann. Vollmann, like Perez, reminds readers of poetry’s role in opening minds.

With their distinct backgrounds, contributors to this month’s issue of Poetry also connect to poetry in individual ways. They may see poetry as an aid in professional life, as chief judge of the U.S. Court of Appeals for the Second Circuit Dennis Jacobs states: „My long interest in poetry has yielded a respect for the language that people should employ when they undertake to speak the law.“ Or they may regard it, as music and comic book critic Douglas Wolk says, „as a sort of chisel to break my brain open.“ Alternatively, poetry can be greeted as a departure from the daily grind.

Poetry’s September issue also includes new poems by Samuel Menashe, Belle Randall, Don Paterson, Lucia Perillo, Atsuro Riley, Desirée Alvarez, Sandra McPherson, Spencer Reece, Malachi Black, and Dan Beachy-Quick, as well as prose and criticism by Ange Mlinko and Michael Hofmann.

* * *
About Poetry Magazine
Founded in Chicago by Harriet Monroe in 1912, Poetry is the oldest monthly devoted to verse in the English-speaking world. Harriet Monroe’s „Open Door“ policy, set forth in volume 1 of the magazine, remains the most succinct statement of Poetry’s mission: to print the best poetry written today, in whatever style, genre, or approach. The magazine established its reputation early by publishing the first important poems of T.S. Eliot, Ezra Pound, Marianne Moore, Wallace Stevens, H.D., William Carlos Williams, Carl Sandburg, and other now-classic authors. In succeeding decades it has presented—often for the first time—works by virtually every significant poet of the 20th century.

21. Zensor und UNESCO-Chef?

In wenigen Wochen sind Unescowahlen, und es besteht die Chance (oder für einige die Gefahr), daß der ägyptische Kulturminister Faruq Hosni zum Generaldirektor gewählt wird. „Antisemitisch oder Pro-Israel?“ titelt AFP. Als Kulturminister in den letzten 22 Jahren habe er die volle Normalisierung zwischen Ägypten und Israel abgelehnt, solange es keinen Friedensvertrag mit den Palästinensern gebe. Als UNESCO-Chef aber wolle er für eine Annäherung in der Region ohne Ausnahme eintreten. Zu Hause wiederum wird ihm ein weicher Ton im Umgang mit Israel vorgeworfen.
Umstritten ist seine Eignung für das Amt auch wegen innerer Fragen in seinem Amtsbereich. Als Kulturminister sei er nämlich auch der oberste Zensor seines Landes und von fürchterlicher Effektivität, schreibt agoravox. Er habe zahlreiche Bücher verboten, die die Sicherheit des Landes aufs Höchste gefährdeten. Auf der Kairoer Buchmesse 2008 wurden vier ins Arabische übersetzte Romane von Milan Kundera verboten – der libanesische Verleger durfte sie nicht mit nach Ägypten bringen, sie wurden beschlagnahmt und ihm nicht zurückgegeben. Ähnlich ging es mit Büchern von Mohamed Choukri, der in mehreren arabischen Ländern verboten ist. Der in Deutschland beheimatete Verleger al-Jamal nennt mehrere seiner Werke, die verboten wurden, darunter Paul Bowles: le Reclus de Tanger, La tente, La séduction du merle blanc. Im Jahr zuvor war u.a. „Alexis Sorbas“ von Nikos Kazantzakis betroffen. Dem Artikel ist eine lange Liste von Repressalien aus dem 20. Jahrhundert beigefügt, darin verbotene, verfolgte, ermordete oder hingerichtete Lyriker.

20. Nürnberger Podcast

Unter dem Titel «Wir sprechen uns» präsentiert die Regionalgruppe Mittelfranken des Verbands Deutscher Schriftsteller (VS) einen Podcast, der über den Kultur- und Bildungsserver der Stadt Nürnberg kostenlos abrufbar ist. Im Monat September ist die Lyrikerin Ingrid van Biesen in dieser Reihe zu hören. Sie liest Gedichte aus ihrer Veröffentlichung «im zwischenlicht der zeit». Die Autorin, die Germanistik und Gesang studiert hat, wurde 1937 in Lambsborn/Westpfalz geboren und lebt und arbeitet heute in Hersbruck.

Für Oktober haben die rührigen Schriftsteller auch schon Pläne: Dann soll ein Hörbuch mit den Aufnahmen aus dem Podcast erscheinen. Im gleichen Monat liest der Nürnberger Autor und Sprech-Chansonier Michael Lösel.

Der Podcast kann kostenlos angehört und abonniert werden unter der Internetadresse www.kubiss.de/podcast. / Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung 3.9.

19. Urheberrecht

Alle Gerichtsentscheidungen zum  Fall „Gedichttitelliste” hier.

18. Das Stalin-Epigramm

Eine Besprechung von Uli Hufen, DLF Büchermarkt 2.9., wird so eingeleitet:

Ossip Mandelstam starb einen gnädigen Tod: kurz bevor er für weitere fünf Jahre in ein Arbeitslager sollte. Das Verbrechen des Dichters: Josef Stalin gefiel eines seiner Gedichte nicht. Thrillerautor Robert Littell hat sich an der Geschichte versucht

(Nunja, Todesarten… Mandelstam ist im Lager verreckt. – Sein Verbrechen: Die ein oder zwei stalinkritischen Gedichte gefielen dem Diktator nicht und alle anderen, was schwerer wiegt, verstand er nicht. Was wir nicht verstehen, ist „nicht für uns“, also ist es gegen uns.)

So liest sich Littells Mandelstam:

Dieser nervöse, dickköpfige, lebensfrohe Homo Poeticus, … dieser nervöse Liebhaber (von mir und verschiedenen anderen) ist beim Rezitieren wie verklärt und wird zu einem – zu etwas – anderem. … Unbeholfen fährt er mit der Hand durch die Luft, und die Haltung seines Körpers spiegelt Reim und Rhythmus des Textes und die vielfältigen, darin verborgenen Bedeutungen wider. Den Kopf in den Nacken gelegt, fährt der unverwechselbare semitische Adamsapfel hinter der fast durchsichtig dünnen Haut seiner blassen Kehle auf und ab.

Robert Littell: „Das Stalin-Epigramm“. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence
400 Seiten, Arche Verlag (August 2009)

(Der Roman – ich werd ihn garantiert nicht lesen – macht es leichter, über den Dichter zu schwätzen, ohne ihn zu lesen. Wetten, daß alle ihn besprechen werden? – In den 50er/60er Jahren mußte man zu diesem Zweck wenigstens  die Erinnerungen von Mandelstams Witwe Nadeshda lesen: Das Jahrhundert der Wölfe. Das ist immerhin eine Quelle. Die Gedichte und Essays des Dichters – Gespräch über Dante! – muß man lesen. Letzteres ist ein Lesefest für Dichter und Lyrikfreunde und vielleicht sogar eine Verführung zu Dante. Dante und Dada!)

Mehr: Freitag 20.8.

Mandelstam in  L&Poe seit 2001:

2001    Feb    #    Lyrik in der “ Netzeitung „: Der Terror kennt keine Regeln
2001    Feb    #    Russian poet, English essayist and American citizen
2001    Feb    #    Neue Dantebücher
2001    Mrz    #    Many critics,
2001    Apr    #    Mandelstam in Limbo
2001    Okt    #    Noch ein Geburtstag
2001    Okt    #    Realist sui generis
2001    Nov    #    Gebrochenes Deutsch (1): Kundschafter auf dem Rückzug
2001    Dez    #    « Die Dichter haben immer Recht »
2002    Feb    #    Radio- und Fernsehtips
2002    Aug    #    Gewichtige Geburt
2002    Okt    #    Warme Semmeln
2002    Nov    #    Mandelstams Venedig
2003    Mai    #    Petersburg
2003    Jun    #    Dossier: Übersetzen
2003    Jul    #    „Wieder steht ein Realismus rum“
2003    Jul    #    Mandelstam, Wetterblitz, lügenprall
2003    Aug    #    Prinzipiell unbrauchbar
2003    Sep    #    Für Literaturen
2003    Okt    #    Weitere Besprechungen der Mandelstam-Biographie:
2003    Okt    #    Enzyklopädische Ignoranz
2003    Okt    #    „Buch des Monats“ – die Mandelstam-Biographie von Ralph Dutli
2003    Okt    #    Lyrik in Rußland
2003    Dez    #    Völlig indifferent, äußerst fatalistisch, extrem bourgeois
2003    Dez    #    „No man can see his own end“
2004    Jan    #    Dichterstimme
2004    Jan    #    Renovierte Moderne
2004    Jan    #    Vor 90 Jahren
2004    Jan    #    Revolutionsfeier
2004    Feb    #73.    K.O. Götz 90
2004    Apr    #56.    Gersteins Moskauer Erinnerungen
2004    Mai    #44.    Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung an Ralph Dutli
2004    Sep    #6.    Seltsamerweise
2004    Okt    #100.    Glut und Asche
2005    Jan    #25.    Europas „Lichtungen“
2005    Aug    #45.    Liebe zur Poesie
2005    Okt    #37.    Wind der Welt
2006    Mrz    #92.    Brodsky und kein Ende
2006    Apr    #17.    Durchbohrt, gebannt
2006    Apr    #45.    Gespräch über Dante
2006    Mai    #54.    Mehr Preise
2006    Jun    #21.    Paradoxer Futurist
2006    Jun    #26.    Namensnennung
2006    Jun    #42.    Richard Pietraß 60
2006    Jun    #97.    Todesarten
2006    Jul    #16.    Erinnerungen Marina Zwetajewas
2006    Okt    #51.    KEIN SCHAULAUFEN MIT DEM SPRACHSCHATZ
2006    Nov    #46.    Subversiv
2007    Mrz    #52.    Immer oppositionell
2007    Mai    #13.    Stalin-Epigramm
2007    Okt    #89.    Dutlis Übersetzerwerkstatt
2008    Jan    #94.    Stammler und Dichter
2008    Feb    #34.    Nichtsein und Schrift
2008    Feb    #67.    Anti-Achmatowa
2008    Apr    #22.    „Babble“ und Babel
2008    Jul    #47.    Grünbeins Essays
2008    Jul    #91.    Lübeck
2008    Aug    #44.    A Valediction to Osip Mandelstam
2008    Aug    #49.    Tristia
2008    Aug    #129.    Dichter und Mörder
2008    Okt    #8.    Spießgesellen
2008    Dez    #102.    Diesseitigkeitsdichter
2009    Jan    #21.    Chomsky, Mandelstam, Stein
2009    Feb    #113.    Wer gewinnt?
2009    Apr    #62.    (Zeit-)Stimme der Lyrik
2009    Aug    #40.    Ammann hört auf
2009    Aug    #101.    Mandelstam-Nummer
2009    Aug    #102.    Ammanns Wunderlampe
2009    Aug    #103.    Ingolds Gegengabe
2009    Aug    #104.    Beim Jüngsten Gericht

(die letzten 4 hier:

die anderen im Archiv (Jahr, Monat + Nummer suchen)

17. Abgrund der Deutung

Als die Sprache verrückt wurde, wurden wir / im Freiraum des Gesetzes gerettet / denn wir waren taubstumm / Ein Schulbus nach dem anderen / fuhr vorbei am Abgrund des Lichts / Die Nacht war ein alter Film / Lautenklänge sickerten in die Zeiten wie Regen Waisen jagen nun den blauen Himmel / Bücher, die Trauer tragen, stehen stramm / Auf den Wegen der Hermeneutik / öffnen sich die Azaleen und ihre Schwestern / um des Todes willen

Dieses Gedicht mit dem Titel „Ohne besonderes Thema“ ist auf eine typische Weise verschlossen – scheinbar, und entspricht so recht jenem dunklen, als obskure Lyrik deklarierten Stil der poetischen Subversion, für den Bei Dao berühmt wurde. Dunkel bleibt es für europäische Leser auch bei mehrmaligem Lesen, und wenn es zweifellos lyrisch gestimmte Assoziationen oder Evokationen erzeugt, ist das leider nicht der ganze Mehrwert dieser hohen Kunst. Man wird sie nie erschöpfend deuten oder interpretieren können, aber der Dichter warnt selbst, wiederum in einem Gedicht mit dem vielsagenden Titel „Himmelsfragen“:

Heute abend regnet es Bindfäden / Eine Brise durchblättert die Bücher / Die Lexika sprechen durch die Blume / Sie zwingen mich in ihre Gewalt Von klein auf habe ich alte Gedichte gelernt / ohne den Sinn zu verstehen / Ich stand bestraft / am Abgrund der Deutung


Die Lexika sprechen durch die Blume, aber die Blumen sprechen manchmal auch durch die Lexika. Im Lexikon steht: Die Azalee hat etwas mit dem chinesischen Kuckuck zu tun und ist ein Symbol der Trennung. Aber was ist mit dem Schulbus am Abgrund des Lichts und der Nacht wie ein alter Film? Diese Motive wird man schwerlich nachschlagen können, und weil Bei Dao es bei uns leider noch nicht zu einer kommentierten Ausgabe geschafft hat, muss man sich selbst auf jene absichtsvoll genannten „Wege der Hermeneutik“ begeben, und da kommt man mit einer einfachen Motiverkundung schon recht weit. / Martin Zähringer, DLF Büchermarkt 2.9.

16. Dichtertreffen Vorpommern – Lübeck

Freitag | 04.09.2009 | 20:00 Uhr | Lesung + Gespräch | Eintritt frei
Dichtertreffen: Begegnungen in Texten und Gesprächen
mit Lübecker und hiesigen Schriftstellern

Der Lübecker Autorenkreis und seine Freunde e.V. besucht im Rahmen einer Litera-Tour die Universitäts- und Hansestadt Greifswald. Neben dem Kennenlernen der Stadt und ihrer landschaftlich-kulturellen Umgebung geht es dem Lübecker Autorenkreis gleichermaßen darum, mit den Menschen in Kontakt zu treten.
Denn auch lange nach dem Fall der Mauer bewegt viele Menschen in Deutschland die Frage, ob man wirklich so unvoreingenommen und unbefangen aufeinander zugeht, wie man es sich vor mehr als 20 Jahren wünschte. Was verbindet und was trennt die Menschen in Ost und West? Inwieweit findet dieses Empfinden möglicherweise auch Eingang in die Sprache und das Schreiben?

Ulrich Frohriep (Süderholz), Jürgen Landt (Greifswald) und Silke Peters (Stralsund) sowie Jürgen Haese, Lena Johannson und Regine Mönkemeier vom Lübecker Autorenkreis werden aus ihren Werken lesen und miteinander ins Gespräch kommen. Die Moderation übernimmt der Lübecker Lyriker Klaus Rainer Goll.

Mit freundlicher Unterstützung der Universitäts- und Hansestadt Greifswald und des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Der Eintritt ist frei.

15. Essenz

Da wir beim Wesentlichen sind (#14), hier eine Fundsache aus einem Kommentar bei Facebook:

Zum einen wünschte ich, die Kritiker fänden sich in diesem Prozess des „Mitgestaltens“ nicht so toll, denn das ist mittlerweile arg hohl. Zum Zweiten zeigen die Tauben ja wie es geht: Patterns erkennen und bestehenden Bewertungen folgen. So läuft auch der Markt. Tauben sind da besser als Menschen, deswegen finden Brieftauben heim. (Oliver Tepel)

– Bezogen auf einen Artikel aus The Smart Set: Bird Brain – August 26, 2009

Quelle: thesmartset.com. An online magazine of culture and ideas:

„The pigeons recognized the good paintings as “good” twice as often as they recognized the “bad” paintings. In short, they came off as pretty good critics. There are those (names withheld) writing for major publications who might do markedly less well.“

 

14. 4+1

Das angolanische Kulturministerium will vier Bücher des Dichters António Agostinho Neto wiederveröffentlichen. Neto war der erste Präsident des unabhängigen Angola. Es handelt sich um  “Renúncia Impossível” und “Sobre a Libertação Nacional”, Redensammlungen des Autors, sowie “Náusea” und “Ainda o meu sonho”, Sammlungen seiner Schriften zur Nationalkultur. [Aha, auch deren Kulturbegriff konzentriert sich auf die Essenz, die im Sekundären liegt?]. Vier Bücher, sagt die Mitteilung der angolanischen Presseagentur. Außerdem, heißt es weiter, erscheine eine Neuauflage seines Gedichts „Sagrada Esperança“ (Heilige Hoffnung). Das wär das fünfte, das aber nicht zählt?

Am 15. und 16.9. wird ein internationales Kolloquium über den Autor stattfinden.

13. Lange Peter Rühmkorf Nacht

„Hochseil“
Die Lange Peter Rühmkorf Nacht
von Charlotte Drews-Bernstein

Peter Rühmkorf (1929-2008) hat sein Gedicht „Hochseil“ am 1. Oktober 1975 in einem NDR-Studio zum ersten Mal vorgelesen. Es schließt mit den Zeilen:
„Ich schwebe graziös in Lebensgefahr grad zwischen Freund Hein und Freund Heine.“ Das vom Absturz gefährdete Herumturnen auf  einem „Hochseil“ kann man durchaus als Lebensbild nehmen.
Nach dem Tod des Dichters im Juni 2008 hat die Autorin Charlotte Drews-Bernstein seine frühen Sandkistengespielen, ehemaligen Mitschüler, seine Kusine und Ehefrau und viele andere Weggefährten –  vom Heizungsbauer „Müffi“ Lercher bis zum Nobelpreisträger Günter Grass – um ihre Erinnerungen an den Dichter, Essayisten, Porträtisten und „Zeitmitschreiber“ gebeten. Die insgesamt zwanzig Interviews, ergänzt durch eine Vielzahl von Originaltonmitschnitten aus Rühmkorfs Vorträgen, Lesungen und nicht zuletzt den legendären Jazz & Lyrik-Auftritten mit Michael Naura und Wolfgang Schlüter, summieren sich in den drei Kapiteln „Kleine Reimfibel“, „Das lyrische ICH und Jazz & Lyrik“, „Abwege und Umwege“  zu einer vielstimmigen und überraschend kurzweiligen Einführung in Rühmkorfs Leben und Werk.
Sendetermine:

5./ 6. September 2009
Deutschlandradio Kultur sendet immer am Samstag von 00:05 bis 3:00 Uhr
der Deutschlandfunk von Samstag auf Sonntag von 23:05 bis 2:00 Uhr

Gleichzeitig erscheint im Hoffmann und Campe Verlag als Produktion der Arno Schmidt Stiftung das Hörbuch „Zwischen Freund Hein und Freund Heine“ Es handelt sich um eine Einführung in Leben und Werk des Dichters Peter Rühmkorf. Das Hörbuch (3 CDs) ist noch 45 Minuten länger als die Radiosendung.

Mehr: Wiener Zeitung 3.9.

12. Provinzlesung 2009

vom 3.9. bis 6.9.09
Kalte Buche/Rhön
ca. 10km von Ostheim/ Rhön zwischen Weisbach und Ginolfs. Anfahrt zum Berghaus Jungviehweide unterhalb der Kalten Buche.
Die Lesung wird veranstaltet vom Verlag Peter Engstler

Lesungen am 4.9.09 ab 19 Uhr & am 5.9.09 ab 13 Uhr
Film & Musik am 5.9.09

Änderungen möglich

Literatur:

Tone Avenstroup
Udo Breger
Jörg Burkhard
Stefan Döring
Sigrid Fahrer
Dirk Fröhlich
Egon Günther
Florian Günther
Michael Halfbrodt
Andreas Hansen
Caroline Hartge
Helmut Höge
Johannes Jansen
Michael Kellner
Theo Köppen
Cornelia Köster
Peter Ludewig
William Cody Maher
Bert Papenfuß
Eckhard Rhode
Sabina Rösch
Peer Schröder
Ulf Stolterfoht
Fatzo Seuberling
Johannes Ullmaier

Film:

Gunter Deller
Pola Reuth

Musik:

TOTES KAPITAL sequenz 7

11. 10 Jahre lyrikline

Wie liest sich ein Gedicht von Paul Celan auf Serbisch? Oder auch: Wir würden einen Text der letzten Fachhochschul-Poetikdozentin Ulrike Draesner auf Arabisch nicht wiedererkennen. Es gäbe außerdem die Möglichkeit, die bulgarische Übersetzung aufzuschlagen, Draesner in chinesischer Zeichenschrift entschlüsseln zu wollen. Und: Die diesjährige Literaturpreisträgerin Nummer eins in Deutschland, Ursula Krechel, ist ins Japanische übersetzt.

Schon allein dafür wäre eine Festwoche in Berlin angesagt. Die angekündigte Veranstaltungsreihe bezieht sich freilich auf noch viel mehr: Seit zehn Jahren ist „lyrikline.org“ im Internet etabliert und hat sich inzwischen zur in 120 Ländern millionenfach angeklickten Website für Gedichte entwickelt. Das Projekt der rührigen Berliner Literaturwerkstatt wird in seinem Jubiläumsjahr von über 40 internationalen Partnern unterstützt: Lyrik ist – gut sortiert – überall und jederzeit auf der ganzen Welt am Bildschirm abrufbar. …

Der Lohn für Nutzer: Peter Rühmkorf – niederländisch auf einen Klick; umgekehrt Hugo Claus auf Deutsch und – erst all diejenigen, die man bisher überhaupt nicht kannte! Wer beispielsweise sind Vito Apüshana, Lebogang Mashile, Gaga Nakhutsrishvili – was und in welcher Sprache schreiben sie ihre Gedichte? Aufschluss im Internet. / Viola Bolduan, Wiesbadener Tagblatt 1.9.