Greifswald, Koeppenhaus
Freitag | 23.04.2010 | 20:00 Uhr | Eintritt frei
Lesung und Ausstellungseröffnung
Angelika Janz stellt eine Auswahl ihres beeindruckend umfangreichen bildkünstlerischen und poetischen Schaffens in der Galerie des Literaturzentrums Vorpommern aus. Seit den 70er Jahren ist die gebürtige Düsseldorferin künstlerisch tätig und hat dabei einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Weithin bekannt ist die doppelbegabte Künstlerin vor allem durch ihre Textfragmente. Sie spielt mit Worten, verknüpft sie und lässt mit den Fragmenttexten eine hinreißende Poesie entstehen. Angelika Janz zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der deutschen Visuellen Poesie. Nicht nur der experimentelle Umgang mit der Literatur, auch die Verbindung von Wort und Bild durch Bildtextcollagen gehört zum Oeuvre der Künstlerin.
Angelika Janz wurde 1952 geboren. Die studierte Germanistin, Kunsthistorikerin und Philosophin war Gründungsmitglied der Jazzband TRILEMMA und mehr als 20 Jahre Mitarbeiterin am Folkwang Museum in Essen. Ihre Gedichte, Hörspiele, Aktionen, Performances und Ausstellungen sind mit einer Reihe von Preisen bedacht worden. Neben Einzelpublikationen ist sie mit zahlreichen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien vertreten. Darüber hinaus ist ihre Lyrik in die polnische Sprache übertragen worden.
Heute lebt Angelika Janz in Aschersleben (Vorpommern), wo sie u. a. Schreib- und Hörspielwerkstätten organisiert. Seit 2005 ist sie Leiterin der mobilen Kinderakademie im ländlichen Raum. Für ihr ausserordentliches Engagement ist Angelika Janz 2008 mit dem ZeitzeicheN, dem Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis der Deutschen Umwelthilfe und der Grünen Liga ausgezeichnet worden.
Zur Eröffnung der Ausstellung wird Angelika Janz eine Auswahl an Gedichten und Prosa vortragen.
Der Eintritt ist frei.
Eine Anthologie wird präsentiert. Es vibriert, es rumort, es bewegt sich etwas in der jüngsten deutschen Literatur. Neben den Versuchslaboren Leipzig und Berlin haben sich in Städten wie Kiel, Hamburg, Hildesheim und Köln magnetische Zentren für junge Autoren gebildet
Eingeladen sind einige der wichtigsten Stimmen, deren Debüts in den nächsten zwei Jahren erscheinen werden: Konstantin Ames (Gewinner des Open Mike 2009), Simone Kornappel, Thien Tran (Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium der Stadt Köln).
22.04.2010, 20 Uhr
Buchhandlung Wiederspahn
Wilhelmstraße 8
65185 Wiesbaden
Eintritt: 8/5 Euro
IN MEMORIAM
Mit lauten Worten für die Belange des Arbeitgebers
Schriftsteller ERICH WEINERT wurde am 4. August 1890 in Magdeburg geboren. Er starb am 20. April 1953 in Berlin / B.Z. 20.4.
– Er war auch als Politiker tätig, so im Krieg als Präsident des „Nationalkomitees Freies Deutschland“ und in der frühen DDR als Vizepräsident der Zentralverwaltung für Volksbildung. In Wilmersdorf erinnert eine Gedenktafel an sein Wohnhaus, sagt die B.Z. Jeder Schüler in der DDR kam mit seinen Gedichten, Balladen, Liedern in Kontakt, mancher wird noch Zeilen auswendig wissen, vielleicht aus der Ballade „John Scheer und Genossen“, aus „An einen deutschen Arbeiterjungen“, vielleicht auch: „Mit milder Würze gehts nicht mehr / Gebt mal den roten Pfeffer her“. Ernst Jandl wird ihn nicht gekannt haben, als er um 1957 das Wort „Sprechgedicht“ prägte („Das Sprechgedicht wird erst durch lautes Lesen wirksam“). Weinert schrieb 1934: „Wie ich Sprechdichter wurde“. Was er in seiner kurzen DDR-Zeit schrieb, wirkte müde und blaß. Manche seiner Gedichte bleiben aktuell, oder werden’s wieder. Hier paar Zitate und ein Gedicht:
1923 schrieb er in dem Gedicht „Der Antisemeeting“: „Und als man zu Tätlichkeiten schritt, / Da machten sogar die Hammel mit.“
Die Staatsgewalt geht vom Volke aus, klar. (Brecht frug: „Aber wo geht sie hin?“ Peter Paul Zahl hat auch was beizutragen). Weinert 1928:
Natürlich muß unsere Staatsgewalt
Vom Volke ausgehen!
Aber natürlich mit Vorbehalt!
Wir brauchen doch nicht alles zu wissen!
Denn manches hinter den Staatskulissen
Könnte die Staatssicherheit
Und die nationalen Belange gefährden.
Drum muß eben mal von Zeit zu Zeit
Die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden!
[jetzt wirds aktuell, auwei!:]
Z.B., wenn Stresemann für unser Geld
Die verarmte Ruhrindustrie unterhält,
Das geht doch höchstens Herrn Stresemann,
Aber uns nichts an!
Aus „Der Reichsdichter“, 1933:
Geschult an Wessels trittgefaßten Jamben
Vom Skrupel der Grammatik nicht befleckt,
litt Lanzenknöbel nie am Intellekt.
In seinen eisernen Bandithyramben
War nichts als Aufbruch, der im Blute steckt.
Auch nicht schlecht: „Bei Dichters“ (1925):
Neulich war ich bei Dichters eingeladen
Da roch es nach Lorbeern und Gesprächen mit Gott.
Es gab lyrische Hammelkarbonaden
Und hinterher Aphorismenkompott.
Herr Dichter sprach über die letzte Schaffensepoche
und kaute gedankenvoll Petersilie.
Es kam mir vor wie ein Bild aus der Woche:
Der Dichter im Kreise seiner Familie!
Frau Dichter machte in Seelenergüssen
Und sprach, als Herr Dichter mal austreten ging,
Von der Tragik derer, die dichten müssen.
Worauf sie noch mal mit Kompott anfing.
Mehr hier (12.3.). Jetzt ein Gedicht:
Ein Ochse meldet sich zu Wort
Verehrte Anwesende, lassen Sie mich
Ein bescheidenes Wort in die Waagschale werfen!
Ich finde es unverantwortlich,
Die Gegensätze im Volk zu verschärfen.
Ich bin nicht von der modernen Art,
Ich habe noch meinen deutschen Glauben
und schlichten Ochsenverstand bewahrt.
Den kann man mir Gott sei Dank nicht rauben.
Sie vertreten heute so radikal
Umsturz und Auflehnung gegen das Schlachten,
Ich meine, man sollte die Dinge mal
Von einer höheren Warte betrachten.
Den Schlächterstand und den Ochsenstand
Gab es zu allen Zeiten auf Erden:
Sie sind geschaffen, fürs Vaterland
Zu schlachten und geschlachtet zu werden.
Und wenn der Schlächter sein Banner entrollt,
Dann müssen wir Ochsen zu sterben wissen!
Das hat die Vorsehung so gewollt,
Vor der auch wir Ochsen uns beugen müssen.
Nur eine gottverlassene Partei
bezeichnet die heilige Sache mit Morden.
Und außerdem ist die Schlächterei
Doch heute wirklich human geworden.
In dieser zivilisierten Zeit
Hat jeder Schlächter seinen Betäuber.
Was tun die nicht für die Ochsenheit!
Und so was nennen Sie Mörder und Räuber?
Nein, freiwillig gehen wir in den Tod!
Sie treffen mich nicht mit ihrem Gelächter.
Ich bin ein Ochse von altem Schrot
Und stehe in Treue zu meinem Schlächter!
(Und so rutscht Weinert, ohne daß ichs wollte, in meine Anthologie. Die DDR ist tot, es lebe Weinert.)
Der zwölfjährige Matthias Paulsen aus Miesbach hat ein Computerprogramm geschrieben, mit dem sich Muttertagsgedichte kreieren lassen. Die Erfindung seines Lyrik-Generators brachte Matthias jetzt den ersten Preis beim Landeswettbewerb „Schüler experimentieren“ ein. Das Programm muss lediglich mit Details wie Reimtyp oder Beruf der Eltern gefüttert werden – und schon spuckt der Rechner ein fertiges Gedicht aus. Die Software ist auch für Vatertage geeignet. / Die Welt 21.4.
Hofmannsthal konstatierte den Zerfall der Wörter, und Celan meinte, das Gedicht setzte sich aus. Kathrin Schmidt folgt dieser Vorgabe unfreiwillig. Nach einem Schlaganfall findet sie wieder zur Sprache: „ein rechtes leichlein liegt in der lakengruft, links überlebt. / oberhalb des kopfes flirren die monitore.“ … Und natürlich gibt es viele Gedicht-Gedichte voller Anspielungen – an Jandel etwa: „bist frau? bist eulen?“ / Erich Klein in Falter : Woche 16/2010 vom 21.4.2010 (Seite 21)
Blinde Bienen
Kathrin Schmidt
2010 | Kiepenheuer & Witsch, Köln
87 Seiten
EUR 17,50
Der Zürcher Dichter und Schriftsteller Jürg Schubiger hat Gedichte verfasst, die einen in Staunen versetzen können. Denn er hat als Erwachsener Gedichte für Kinder geschrieben, die nicht pädagogisch-sinnvoll-kindgerecht sind, nicht Lautmalerei-Nonsens, sondern Gedichte, auf der Höhe der Kunst, zu den wesentlichen Fragen und Dingen, versammelt im Band Der Wind hat Geburtstag. Und Wiebke Oeser, die schon das Kinderbuch Wo steckt Pepe? des Dichters Charles Simic mit dem farbigen Minimalismus ihrer Zeichnungen illustriert hat, hat nun auch in Schubigers Buch durch die Sparsamkeit ihrer bunten Striche die Deutungsoffenheit der Gedichte ins Bild gesetzt. / Elisabeth von Thadden, Die Zeit #15
Jürg Schubinger:Der Wind hat Geburtstag. Mit Illustrationen von Wiebke Oeser; Peter Hammer Verlag, 2010; 48 S., 12,90 €
Ein Abend des poesiefestival berlin widmet sich der kulturellen Vielfalt des Maghrebs.
Der Maghreb ist eine Region, die mehr als eine Kultur, eine Sprache oder eine Religion beherbergt. Das poesiefestival berlin widmet am 6. Juni 2010 einen Abend der kulturellen Pluralität dieser Region mit Frankophonen und Arabophonen Lyrikern aus Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen. Mit dabei sind u.a. Mohammed Bennis (Marokko), Bouzid Herzallah (Algerien), Salem Okaly (Libyen), Youssef Rzouga (Tunesien) sowie die berberische Band Ithran.
Der Maghreb, arabisch für „Westen“, ist ein kulturelles Bindeglied zwischen der arabischen und europäischen Welt. In ihm treffen sich jüdische, christliche, islamische ebenso wie afrikanische und europäische Einflüsse, Arabisch wird dort ebenso gesprochen wie Berberisch und Französisch. Die Dichter Mohammed Bennis (Marokko), Salem Okaly (Libyen), Habib Tengour (Algerien), Siham Bouhlal (Marokko), Bouzid Herzallah (Algerien) und Youssef Rzouga (Tunesien) zeigen die verschiedenen poetischen Dimensionen des vielstimmigen Maghrebs.
In einem Poesiegespräch gibt Mohammed Bennis, einer der wichtigsten Stimmen der maghrebinischen Kultur und einer der bedeutendsten Dichter der zeitgenössischen arabischen Lyrik, Einblick in sein Werk und die Poesiewelt Nordafrikas.
Ithran gehört zu den bekanntesten berberischen Bands und revolutionierte die nordafrikanische Musik, in dem sie orientalische Einflüsse mit westlichen vermischten. Für ihre Texte arbeiten sie regelmäßig mit berberischen Dichtern wie Said Moussaoui und Ahmed Alkadiri zusammen. Im Maghreb genießt Ithran Kultstatus, für das poesiefestival berlin kommen sie zum ersten Mal nach Berlin.
Das poesiefestival berlin findet vom 4. – 12. Juni 2010 statt. Der diesjährige Fokus liegt auf dem Mittelmeer.
Das poesiefestival berlin wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und findet statt in Kooperation mit der Akademie der Künste.
Mit freundlicher Unterstützung der MARITIM Hotels Berlin.
poesiefestival berlin 2010
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
So 6. Juni 2010 18.30 Uhr
Poesiegespräch: Die Welten Mohammed Bennis’
Mit Mohammed Bennis (Marokko) Moderation: Michael Roes (Autor, Deutschland)
So 6. Juni 2010 20.00 Uhr
Zweisprachige Liebe: Poesie aus dem Maghreb
Mohammed Bennis (Marokko), Salem Okaly (Libyen), Habib Tengour (Algerien) und Siham Bouhlal (Marokko), Bouzid Herzallah (Algerien) und Youssef Rzouga (Tunesien)
So 6. Juni 2010 22.00 Uhr
Konzert: Ithran
Mit Ithran (Marokko)
Ein Buch für eine Million Leser – so wenig wird jedes Jahr für die arabischen Leser übersetzt. Die Stiftung Kalima („Wort“) will deshalb mit finanzieller Unterstützung der Kulturbehörde von Abu Dhabi jährlich mindestens 100 Titel übersetzen – aus dem Chinesischen, dem Urdu, dem Hindi und aus europäischen Sprachen. Silke Lode sprach mit Mustafa al-Slaiman, der mit Deutsch den größten Programmbereich von Kalima betreut.
Al-Slaiman: Jeder Text hat seine Eigenarten, mit denen man sich anfreunden muss. „Diana“ von Joachim Sartorius war ein solcher Text, ein Liebesgedicht. Da heißt es: „Ich habe den Rücken der Welt im Wasser gesehen.“ Der Rücken als Ganzes ist in der arabischen Literatur unerotisch. Die Schulter oder der Fuß sind wesentlich erotischer. Nur anschauen oder den Blick sogar etwas zurücknehmen klingt in der arabischen Poesie verführerischer als anfassen. Das sind Details, aber wenn man „Diana“ wörtlich übersetzt, bleibt nichts mehr von der Erotik.
Bertrand Badiou, der Direktor der Celan-Forschungsstelle an der Pariser Ecole Normale Supérieur, über das Buch:
Das Buch von Brigitta Eisenreich beleuchtet zweifelsohne sehr präzise eine Reihe von Fakten in Celans Leben. Und es gibt dem Zusammenhang zwischen Eros und dem Entstehen der Poesie Celans eine gewisse Perspektive. Die sehr, sehr starke, ja massive Präsenz des Erotischen in Celans Poesie ist mit diesem Buch noch ein Stück deutlicher geworden. Und man sieht etwas, das für manche bewegend und zugleich beunruhigend sein mag, nämlich Celans Fähigkeit, Tausend und drei Leben zu leben. Wie in Leporellos Liste: son gia mille e tre.“
/ orf
Elke Erb wuchs in der DDR auf, ihr Vater war Kommunist, sie selbst sei ziemlich schnell enttäuscht gewesen, habe allerdings an einem Ideal festgehalten: „Bis heute kann ich nicht richtig verstehen, warum es immer misslingt.“ Diese Suche nach der Utopie, nach dem Nicht-Ort, durchzieht ihr Werk. Letztlich ist es die Sprache, die Halt gibt, auch wenn sich ein Text verselbstständigt und ein Eigenleben entwickelt, das es wiederum gilt zu erkennen und zu fixieren. Bezeichnenderweise tauchen in einem Gedicht die Namen von Hölderlin, Mandelstam und Celan als geistige Ahnenreihe auf.
Erfinden, erlauern, entdecken sind Formen der Annäherung an den Text, das Gedicht. Es geht darum, die Wahrnehmung „gefühlssauber“ wahrzunehmen: „Nicht ich bin es, sondern der Text ist es, der etwas will.“ Elke Erb spricht von „in sich zurücklauschen“, vom „Hervorlocken des subkutanen Ich“. Dabei vermag sie durchaus, ein Hohelied auf den Alltag zu singen: Kaninchen tauchen auf, Hühner, Ackerland und Dünger, Brombeerranken.
Für die Dichterin gilt die Forderung, vom Scheindasein Abschied zu nehmen. Idylle müsse enttäuschen. Altersdichtung heiße daher, klar Schiff zu machen.
/ Über ein Gespräch, das José F.A. Oliver mit Elke Erb führte, berichtet die Badische Zeitung vom 20.4.
Der äußere Anlass für Goethes späte Dante-Lektüre war das Erscheinen einer neuen Gesamtübersetzung von Zelters Freund Carl Streckfuß seit 1824. Sie bildet die originale italienische Terzine nach, und ist dabei eine der respektabelsten Leistungen unter den über siebzig deutschen Übertragungen der „Divina Comedia“ geblieben. Das hat Goethe mit hohem Lob anerkannt, und sich im September 1826 durch Zelter zu einem kleinen Dante-Aufsatz bewegen lassen. Darin zeigt sich, was bei Goethe außerdem zu einer größeren Empfänglichkeit für Dante geführt hat, nämlich sein neues Interesse an der mittelalterlichen Malerei. 1787 war Goethe noch an Assisi vorbeigeeilt, ohne von den Freskenzyklen Giottos und seiner Nachfolger Notiz zu nehmen. Aber seit 1814 hatten ihn die Brüder Boisserée für die Tafelmalerei des Mittelalters einnehmen können. Und so schreibt Goethe 1826 über Dante, dessen Würdigung werde sehr gefördert, „wenn wir im Auge behalten, dass gerade zu seiner Zeit, wo auch Giotto lebte, die bildende Kunst in ihrer natürlichen Kraft wieder hervortrat. Dieser sinnlich-bildlich-bedeutend wirkende Genius beherrschte auch ihn.“
Dante als Dichter einer neuen Anschaulichkeit: „Er fasste die Gegenstände so deutlich ins Auge seiner Einbildungskraft, dass er sie scharf umrissen wiedergeben konnte; deshalb wir denn das Abstruseste und Seltsamste gleichsam nach der Natur gezeichnet vor uns sehen.“ Abstrus, aber wie nach der Natur gezeichnet: Näher konnte Goethe Dante wohl nicht kommen. Er hat damit das Thema von Dante als dem „Dichter der irdischen Welt“ angeschlagen, das genau hundert Jahre später Erich Auerbach zu einer großartigen Gesamtdeutung entwickelte.
Es hat auch Folgen fürs Übersetzen der „Göttlichen Komödie“, das sich tunlichst allen Ungefährs einer äußerlichen Poetisierung enthalten sollte. So ist es kein Zufall, dass die wenigen Verse, die Goethe im Wettstreit mit Streckfuß selbst übersetzte, eine Ortsbeschreibung enthalten. Der Beginn des 12. Gesangs der „Hölle“ zeigt den Einstieg in den siebten Höllenkreis, wo Gewalttäter und Tyrannen büßen. Dort ist eine Schlucht, ganz wie an der Etsch bei Trient. Bei Goethe ist das gewaltig, in großen Linien hingeworfen: „Rauhfelsig wars da wo wir niederklommen,/ Das Steingehäuf den Augen übergroß;/ So wie ihr dieser Tage wahrgenommen/ Am Bergsturz diesseits Trento, der den Schoß/ Der Etsch verengte, niemand konnte wissen/ Durch Unterwühlung oder Erdenstoß? -/ Von Felsenmassen dem Gebirg entrissen/ Unübersehbar lag der Hang bedeckt,/ Fels über Felsen zackig hingeschmissen,/ bei jedem Schritte zaudert ich erschreckt.“ / GUSTAV SEIBT, SZ 13.4.
Karl Streckfuß*:
Rauhfelsig war der Steig am Strand hernieder,
Ob deß, was sonst dort war, der Schauer groß,
Und jedem Auge drum der Ort zuwider.
Dem Bergsturz gleich bei Trento – in den Schooß
Der Etsch ist seitwärts Trümmerschutt geschmissen,
Durch Unterwühlung oder Erdenstoß –
Wo von dem Gipfel, dem er sich entrissen,
Der Fels so schräg ist, daß zum ebnen Land,
Die oben sind, den Steg nicht ganz vermissen:
So dieses Abgrunds Hang, und dort am Rand
War’s, wo von Felsentrümmern überhangen,
Sich ausgestreckt die Schande Kreta’s fand…
*) überarbeitete Fassung von Rudolf Pfleiderer 1876 (Varianten zu Streckfuß‘ dritter autorisierter Fassung nur in der Zeichensetzung)
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Tell a whiny child that she sounds like a broken record, and she’s likely to say, “What’s a record?” Jeff Daniel Marion, a Tennessee poet, tells us not only what 78 rpm records were, but what they meant to the people who played them, and to those who remember the people who played them.
78 RPM
In the back of the junkhouse
stacked on a cardtable covered
by a ragged bedspread, they rest,
black platters whose music once
crackled, hissed with a static
like shuffling feet, fox trot or two-step,
the slow dance of the needle
riding its merry-go-round,
my mother’s head nestled
on my father’s shoulder as they
turned, lost in the sway of sounds,
summer nights and faraway
places, the syncopation of time
waltzing them to a world
they never dreamed, dance
of then to the dust of now.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Jeff Daniel Marion. Reprinted from his most recent book of poems, Father, Wind Publications, 2009, by permission of Jeff Daniel Marion and the publisher.
Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Neueste Kommentare