Veröffentlicht am 30. August 2010 von dubler
sei die Literaturzeitschrift „Akzente“, legt zumindest Matthias Beilein anlässlich seiner kenntnisreichen Besprechung einer Monografie über diese Zeitschrift von Susanne Krohne nahe, die im Hanser Verlag erschien. IASL online
Veröffentlicht am 30. August 2010 von lyrikzeitung
Lyrik im Freitag? Aber ja doch. Ganz viel sogar, und alles aus Leipzig:
Doch da ist noch etwas anderes, wodurch diese Stadt auf der literarischen Landkarte hervorsticht: Hier leben erstaunlich viele Dichter. Ja, ausgerechnet die Lyrik, diese vielleicht heikelste Gattung, hat sich in dem Biotop aus literarischer Infrastruktur, geringen Lebenskosten und städtebaulicher Unfertigkeit bestens eingerichtet. Was auch andernorts nicht unbemerkt bleibt: Gerade sorgt eine Leipziger Poetengeneration von Anfang- bis Mitte-Dreißig-Jährigen bei einschlägigen Gelegenheiten für Aufsehen und -hören. Und das, ohne eine eigene Szene darzustellen; es gibt keine festen Orte oder regelmäßigen Treffen, obwohl die meisten mit dem Deutschen Literaturinstitut ein gemeinsames Nadelöhr haben. …
Konstantin Ames sitzt an einem kleinen Küchentisch im Leipziger Künstlerbezirk Plagwitz. Auf seiner frisch rasierten Glatze spiegelt sich orangefarbenes Licht, was seiner Erscheinung etwas Mönchhaftes verleiht. „Ich würde mich gar nicht als Lyriker bezeichnen“, sagt Ames, der im vergangenen Jahr den Lyrikpreis des open mike gewonnen hat; was eines der besten Dinge ist, die einem Nachwuchsdichter passieren können. „Den Lyriker umgibt eine Aura des weltabgewandten Sprachsensibelchens, des Sozialautisten, der ewige Wahrheiten verkündet“, meint er. Deshalb würden auch so wenige Gedichte gelesen: „Lyrik gilt weithin, und das nicht mal zu Unrecht, als urbane Klugscheißerei.“ Und was stellt er dem entgegen? „Gedichte haben auch eine übergeordnete Funktion: Es geht darum, Wahrnehmungsstrukturen aufzubrechen, neue Felder zu eröffnen.“ Lyrik habe schließlich eine politische Aufgabe, findet Konstantin Ames: „Das utopische Potenzial mag graduell verschieden sein, aber wenn man nichts verändern will, dann sollte man auch nicht schreiben.“
/ Jörn Dege, Freitag
Außerdem über Ulrike Almut Sandig, André Rudolph, Carl-Christian Elze und Kerstin Preiwuß.
Mit Texten von:
Veröffentlicht am 30. August 2010 von lyrikzeitung
Doch in Lana bei Meran gedeihen nicht nur Boskop, Gravensteiner und Goldparmäne, sondern ebenso die experimentelle Literatur, insbesondere die Poesie. Große Dichterpersönlichkeiten wie Friederike Mayröcker, Oskar Pastior, Les Murray oder Andrea Zanzotto trafen in den vergangenen dreißig Jahren auf jüngere Seelenverwandte wie Elfriede Czurda, Ulf Stolterfoht, Michael Donhauser und viele andere.
Im Bemühen, im mehrheitlich deutschsprachigen Lana der Literatur und Sprache einen autonomen Ort zu geben, wurde der Verein der Bücherwürmer 1980 im Umfeld einer Buchhandlung gegründet; inzwischen residieren die Bücherwürmer im ultramodernen Bibliotheksneubau von Lana. Alle zwei Jahre richtet der Verein den Norbert-C.-Kaser-Preis aus. Er unterhält die edition per procura sowie ein beeindruckendes Archiv der Poesie. …
Aufgabe des Künstlers sei es, das Geheimnis zu vergrößern, sagte der Maler Francis Bacon. Er hätte Egger meinen können, wenn dieser dichtet: „Ein Lenzen mit Firnrinde auf / dieser reif-vereisten / Moosweide. / Ich säe / Basiliskenkraut / in Kurven / und viele Furchen“. Dieser bäuerliche Tätigkeitsbericht durchzieht auch Eggers neuen Prachtband „Die ganze Zeit“. Tirolische Flurnamen, süd- oder oberdeutsche Phänomene wie „Wucht-Gumpen“ werden von Zeitangaben unterbrochen und strukturiert. / Katrin Hillgruber, Badische Zeitung
Veröffentlicht am 30. August 2010 von lyrikzeitung
Eine diesen Herbst im Wiesbadener Verlag luxbooks erscheinende Anthologie wird, in der Reihe „luxbooks latin“, den Focus vor allem in Hinblick auf „Neue Argentinische Poesie“ scharf stellen und hierzulande noch wenig bekannte Autoren wie Martín Gambarotta, Santiago Llach oder Marina Mariasch vorstellen. Doch zuvor gibt es die einmalige Gelegenheit, einem der namhaftesten Dichter Lateinamerikas in Dresden persönlich zu begegnen: der 1940 in Buenos Aires geborene und heute in der Nähe von Barcelona lebende Alberto Szpunberg gibt – zusammen mit seinen deutschen Übersetzern Joana und Tobias Burghardt – dem Poesiefestival „Bardinale“ die Ehre und wird am 3. September als einer von vier Gästen des internationalen Leseabends „Poetry International“ im Jazzclub Neue Tonne aus seinen Büchern lesen. …
Im deutschsprachigen Raum kann man ihn jetzt entdecken: in der auf spanisch- sowie portugiesischsprachige Lyrik spezialisierten Stuttgarter Edition Delta ist unter dem Titel „Der Wind ist manchmal wie alle“ ein vorzüglicher Auswahlband seiner Poesie erschienen. Ein Grund mehr dabeizusein, wenn Alberto Szpunberg in Dresden eine Auswahl aus seinem umfangreichen Werk vorstellen wird.
/ Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten 30.8.
„Poetry International“ mit Alberto Szpunberg (Argentinien), Serhij Zhadan (Ukraine), Sjón (Island) und István Kemény (Ungarn) am 3. September, 20 Uhr im Jazzclub Neue Tonne. Eintritt: 8 / 6 Euro.
Veröffentlicht am 29. August 2010 von lyrikzeitung
Der Dadaismus lässt grüßen: Daniil Charms war der Pionier der russischen Absurde und ein Meister der kleinen Form. Der Schweizer Merian Verlag hat jetzt eine CD über Leben und Werk des Künstlers veröffentlicht.
„Die Poesie ist kein Griesbrei, den man, ohne zu kauen, schluckt und sogleich wieder vergisst. Im übrigen soll man Gedichte so schreiben, dass sie – wenn man sie durchs Fenster wirft – die Scheiben zerschlagen.“
1927 gründete Daniil Charms mit Freunden die Künstlervereinigung „Oberiu“ – eine russische Abkürzung für die „Vereinigung realer Kunst“. Das „U“ am Ende war ein kleiner Scherz, auf Kosten aller ehrwürdigen russischen „Ismen“: vom Symbolismus bis hin zum Akmeismus. Nicht ganz so ehrwürdig ging es bei den Oberiuten zu. Charms zum Beispiel saß bisweilen auf einem Schrank, um seine Geschichten vorzulesen. / Olga Hochweis, DLR
Daniil Charms: „Wie schrecklich schwinden unsere Kräfte“, Christoph Merian Verlag 2010, 1 CD
Veröffentlicht am 29. August 2010 von lyrikzeitung
Zum zehnten Mal veranstaltet Bayern 2 die „Internationale Nacht der Poesie“, Lyrik.10. Wie schon im vergangenen Jahr ist die Veranstaltung erneut Teil des Erlanger Poetenfestes: Am Donnerstag, 26. August 2010, ab 19.00 Uhr im Redoutensaal. Durch den Abend führt der Moderator, Übersetzer und Popexperte Karl Bruckmaier. …
Diesmal dabei sind neben den beiden Büchner-Preisträgern Durs Grünbein und Volker Braun die Newcomerin Ulrike Almut Sandig, die gerade mit dem Publikumspreis auf der lit.cologne ausgezeichnet wurde, Thomas Meinecke, der seine Songtexte für die Band FSK vortragen wird, die Wiener Sängerin Gustav (Eva Jantschitsch), der polyglotte Dichter und Übersetzer Raoul Schrott sowie das ungewöhnliche Jazz- und Poesie-Duo Vincent Courtois und Ze Jam Afane.
Einen Mitschnitt des Abends sendet Bayern 2 zwei Tage nach der Veranstaltung, am Samstag, den 28. August 2010, von 20.05 Uhr bis 23.00 Uhr und eine gekürzte Fassung am Donnerstag, den 02. September 2010 von 20.30 Uhr – 21.30 Uhr.
Die Fernsehaufzeichnung wird in BR-alpha am Samstag, den 18. September 2010 ab 22.30 Uhr in der Sendereihe „Denkzeit“ ausgestrahlt.
Veröffentlicht am 29. August 2010 von lyrikzeitung
Der chinesische Autor Yu Jie hat vor kurzem ein Buch „Chinas Schauspielerkaiser Wen Jiabao“ geschrieben. Darin nimmt er die Auftritte des Ministerpräsidenten spöttisch auseinander. Trotz Warnungen des Geheimdienstes veröffentlichte Yu Jie es letzte Woche in Hong Kong. Im Text zitiert er eine Begebenheit, als Wen Bewohnern in einem Dürregebiet einen lyrischen Haussegen schrieb: „Die Berge sind rein, das Wasser ist klar, die Natur ist schön. Die Menschen erhaben, das Land gesegnet und Atmosphäre frisch. Jeder Tag ist wie neu, jeder Monat ist anders.“ Spöttisch fügt er hinzu: „Wenn das Leid der Menschen in einem Katastrophengebiet ihn zu solcher Lyrik inspiriert, dann muss der Ministerpräsident mit wahrem Talent gesegnet sein.“ / Mathias Bölinger, Deutsche Welle
Veröffentlicht am 27. August 2010 von lyrikzeitung
Ausstellung vom 14.8. bis 18.9.2010 im KUNSTtransit-Projektraum (Karlsruhe)
Die Ausstellung DRAMATIS PERSONAE zeigt Kunstwerke, die sich mit dem Thema Drama, Inszenierung, literarischer Text befassen und zugleich einen Diskurs über Wahrheit, Fiktion und deren Verhältnis zueinander präsentieren.
Künstler: Thorsten Hallscheidt, Ulrike Tillmann, Simone van gen Hassend, Ondine Dietz, Renate Schweizer, Birgit Spahlinger, Libuse Schmidt
Weitere Lesungen und Performances:
Öffnungszeiten: Mittwoch- Freitag 14-18 Uhr, Samstag 12-19 Uhr
Ort: KUNSTtransit Karlsruhe, Herrenstrasse 28, 76133 Karlsruhe
Veröffentlicht am 27. August 2010 von lyrikzeitung
Das Werk der Else Lasker-Schüler erhält durch die Kritische Ausgabe ein neues Profil. Denn nach je einem Band mit Gedichten und Dramen sowie drei Bänden Prosa folgten sechs umfangreiche Bände mit Briefen. Und erst durch diese Korrespondenz erschließt sich das Gesamtbild der Schriftstellerin. …
Eine wichtige Dimension der Briefe von Else Lasker-Schüler kann die Kritische Ausgabe leider nicht vermitteln: Die handgeschriebenen Karten und Briefe sind oft auch kleine Kunstwerke. So steht ein Davidstern statt eines Ausrufezeichens, Monde und Sterne verzieren die Zeilen, Blumen und Herzen werden brieflich verschenkt, und der Signatur, zum Beispiel als Prinz Jussuf, wird ein mit einem Fes bedeckter Kopf hinzugefügt. All das verzeichnet zwar die Kritische Ausgabe gewissenhaft in spitzen Klammern, bildet es aber nicht ab.
Einige Briefzeichnungen kann man jedoch im Jüdischen Museum in Frankfurt am Main betrachten, denn dort wird Else Lasker-Schülers bildnerischem Schaffen eine Ausstellung gewidmet, die eine Neuentdeckung der Zeichnerin und Malerin bewirken will. / Eva Pfister, DLF
Else Lasker-Schüler: Werke und Briefe, Band 11, Briefe 1941-1945. Nachträge. Bearbeitet von Karl Jürgen Skrodzki und Andreas B. Kilcher. Jüdischer Verlag bei Suhrkamp, Berlin 2010. 912 Seiten, Euro 124,-
Ebenfalls im Jüdischen Verlag erscheint (im September) der Ausstellungskatalog „Else Lasker-Schüler: Die Bilder“ erschienen, in dem in einem kommentierten Werkverzeichnis und Essays von Astrid Schmetterling und Ricarda Dick auch das bildkünstlerische Oeuvre von Else Lasker-Schüler erschlossen wird. Die Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt ist von 8. September 2010 bis zum 9. Januar 2011 zu sehen.
Veröffentlicht am 27. August 2010 von lyrikzeitung
Ich wollte in keiner Phase meines Lebens Trotzkist sein, war allerdings in meiner Berliner-Ensemble-Zeit und bin es bis heute: ein bekennender, und das bedeutet: kritischer Brechtianer. Und weil ja Marx selber kein Marxist war, mochte ich dann auch lieber kein Marxist sein. Aber Kommunist war ich von Geburt an mit Leib und Seele: meine Mutter Emma, mein Vater Dagobert und meine Oma Meume waren für mich im Streit der Welt immer – und sind es bis heute – eine stabile Dreipunktaufhängung. Und seit etwa 30 Jahren bin ich ein Verräter. Und verraten im guten Sinne kann man nur eine falsche Idee, die man einst richtig hatte. Und das heißt: eine Idee, die einen hatte, also ein utopisches Hoffen, das man lebendig lebte, ein Glaubewissen, das man tief und begeistert erlitt. …
1982 schrieb ich dann der kommunistischen Utopie das endgültige Abschiedslied, meine Ballade „Die Mutter Erde geht schwanger“ – wo ich das „Riesenkadaverlein“, den Kommunismus, ordentlich zu Grabe gesungen habe. Ich wollte nie mehr in irgendein soziales Narrenparadies aufbrechen und dann zwangsläufig in die totalitären Höllen geraten. Ich begriff, dass der Kommunismus, das ist ja die ideale Endlösung der sozialen Frage, ein blutiger Irrweg sein muss. Dabei liebte ich schon immer und in allen Religionen die frommen und tapferen und treuen Ketzer. Also musste auch ich endlich mit meiner eingeborenen kommunistischen Kirche brechen. In dem, was Heinrich Heine in seinem Gedicht „Enfant Perdu“ den Freiheitskrieg der Menschheit nannte, will ich seitdem als Soldat wohl tapfer weiterkämpfen, aber ohne den Kinderglauben an den Kommunismus. / Wolf Biermann, Die Welt
Veröffentlicht am 27. August 2010 von lyrikzeitung
Je mehr Äußerung, desto stiller
Je stiller, desto mehr Äußerung.
Notiz Hölderlins unter dem (offenbar aufgegebenen) Hymnenentwurf „Deutscher Gesang“. Mit dieser ästhetischen Maxime beginne ich eine Hölderlin-Reihe innerhalb meiner Anthologie, die nicht aus abgeschlossenen Texten, sondern aus Segmenten, Entstehungsstufen besteht. Ein Versuch, das Gedicht Mnemosyne (L&Poe #126. «Aber was ist diß?») genauer zu verstehen. Vom Plan her eher philologisch denn hermeneutisch. Mal sehn, wohin es mich führt.
(Geht aber erst nächste Woche weiter, weil ich auf eine kleine Reise keine 10 Kilo Hölderlin mitnehmen kann)
Veröffentlicht am 26. August 2010 von lyrikzeitung
Ich staune (in guter Gesellschaft), daß ein „Dialog aus Elektromusik und Literatur“ mit dem Ziel der Aufführung auf einer Club-Bühne in Berlin im späten Jahre 2010 als experimentelles Wagnis und nie dagewesen beworben wird. In Köln und Düsseldorf habe ich in den mittleren bis späten 90er Jahren u.a. mit fatagaga die Projekte lyrotroniks und DROM/red durchgeführt. Sollte ich besser sagen: gewagt? Die KOOK-Ankündigung (L&Poe Nr. 127) liest sich für mich nun, ein gutes Jahrzehnt später, als sei sie eine formal genaue Beschreibung unserer damaligen Projekte – wobei wir uns damals nicht sicher waren, ob/daß wir in dieser Hinsicht die ersten wären: in Deutschland vielleicht, das scheint durchaus möglich.
Anfang der 90er entwickelte ich das Lyrotronische Manifest, erstmalig publiziert Mitte der 90er in meiner Zeitschrift „elektropansen“. Es forderte das Zusammenspiel literarischer und elektronischer Sparten in einem Maße, das damals technisch noch garnicht umsetzbar war und bis heute erst teilweise ist: angedacht war in dieser Zeit u.a. Echtzeit-Modulation von live eingesprochenen Texten. Ein Realtime Research-Projekt brachte ein solches SuperCollider-gestütztes Echtzeit-Modulations-Experiment mit meinen Gedichten im Dialog mit sowohl analoger, als auch elektronischer Musik in den mittleren 2000ern in Köln auf die Bühne – allerdings stellte sich in Proben wie Live-Set heraus, daß die mithilfe von Joystick-Manipulationen am live eingesprochenen Text avisierte „Echtzeit-Modulation“ ca 1-2 Sekunden Verspätung zu sich selbst aufwies.
Derzeit arbeite ich in Bonn mit soundBlocks genannten Klangwürfeln, die das dortige Animax-Theater mit assoziierten Programmierern nach Open Source-Plänen des sogenannten Reactable entwickelt hat. Solche Reactables kamen bisher unseres Wissens ausschließlich in der elektronischen Musik zum Einsatz (bekanntestes Beispiel: Björk). Ich werde sie nun experimentell mit Gedichtformen füttern lassen, von Grundschulkindern. Wegen der noch recht geringen Verbreitung dieses revolutionären Instruments, das in den letzten Jahren entwickelt wurde und das u.a. mit SuperCollider programmiert werden kann, ließe sich davon ausgehen, daß hier tatsächlich, womöglich weltweit einzigartig, (erneut?) Pionierarbeit an der Kombination/Schnittstelle von lyrischer Sprache und elektronischer Musik geleistet wird. Allein, sicher bin ich mir auch darüber nicht. Jedenfalls stellen die Möglichkeiten der soundBlocks eine unerwartete Erweiterung meiner in den frühen 90ern formulierten lyrotronischen Grundideen vor.
stan lafleur, 26.08.2010
Veröffentlicht am 26. August 2010 von lyrikzeitung
Liebe Freunde des APHAIA VERLAGs,
zum Katzengrabenfest am 28. August können Sie schon mal in den Neuerscheinungen blättern:
„Die weniger leichte Bewegung“, Gedichte von Thomas Luthardt mit Radierungen von Barbara Beisinghoff: am 3. September wird eine Ausstellung mit der Künstlerin Barbara Beisinghoff in der Friedrichshagener ZeitGalerie eröffnet. Im Anschluß an die Laudatio von Uwe Baumann liest Thomas Luthardt und Jens-Uwe Günther trägt vertonte Gedichte von Luthardt vor.
Eine weitere Lesung findet im Rahmen des Kulturfestivals „Dichter.dran – Friedrichshagen spinnt …“ am 12.9. statt am Stand des APHAIA VERLAGs.
Nach weiteren Lesungen am 15. und 16. September möchten wir schon auf die nächste Buchpremiere hinweisen: „Zeitenwäscherin“, Gedichte von Achim Wannicke, vorgetragen im Literaturhaus Berlin am 24. September.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen.
Mit Gruß
Svea Haske
Veröffentlicht am 26. August 2010 von lyrikzeitung
Ein Lesekonzert im Berghain, Berlin
Donnerstag, 2.12.2010, 20:00 Uhr
mit Ann Cotten und Christian Naujoks, Monika Rinck und Frank Bretschneider, Jörg Albrecht und Holger Zilske.
Was haben sich Elektromusik und junge Literatur zu sagen? Können sie sich gegenseitig Impulse geben, ihre Grenzen aufbrechen, aneinander ihr Repertoire erweitern?
Das Texttonlabel KOOK wagt das Experiment und bringt Elektro, eine der derzeit spannendsten Richtungen im Pop, und junge deutschsprachige Literatur, die lang nicht so kraftvoll und vielschichtig war wie heute, ins Gespräch miteinander.
Noch nie gab es bisher eine Auseinandersetzung der beiden Künste in einem dialogischen Projekt. Um das zu ändern, lädt KOOK die Berliner Elektro-Musiker Christian Naujoks, Frank Bretschneider und Holger Zilske und die Autoren Ann Cotten, Monika Rinck und Jörg Albrecht ein.
Sie arbeiten über mehrere Monate jeweils zu zweit miteinander, lassen sich von der Kunst des anderen anregen, schreiben und komponieren. Es entstehen Texte, die auch formal auf die spezifischen Strukturen der Musik reagieren, und Musik, die mehr ist als die Klangtapete einer Lesung. Musik wird zu Text und Text zu Track.
Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeiten, die zwischen Literatur-Vertonung, Live-Hörspiel, Dancefloor und Popsong changieren, werden bei einem gemeinsamen Lesekonzert am 2. Dezember 2010 im Berghain präsentiert, einem der wichtigsten Techno-Clubs der Welt. Es darf getanzt werden!
Eine Veranstaltung des Texttonlabel KOOK, gefördert durch: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten
Veröffentlicht am 26. August 2010 von lyrikzeitung
In ihrer Dissertation mit dem Titel «Aber was ist diß?» – der ihr liebsten aller Fragen Hölderlins – , befasste sie sich mit diesem Kunstgriff, den der Dichter in seinen Texten mehrfach verwendet. Die Literaturwissenschaftlerin fand heraus, dass die Fragen mit den Jahren immer weniger rhetorisch gemeint waren und Hölderlin sie in der späten Lyrik vielmehr unvermittelt stellte. Sie sagt dazu: «Er fällt sich selbst ins Wort und stellt sich als Dichter in Frage.» / Frankfurter Neue Presse über die Germanistin Sabine Doering, die zur neuen Präsidentin der Hölderlin-Gesellschaft gewählt wurde
Sabine Doering: Aber was ist diß? Formen und Funktionen der Frage in Hölderlins dichterischem Werk, Göttingen 1992
Friedrich Hölderlin
MNEMOSYNE
Zweite Fassung
Ein Zeichen sind wir, deutungslos
Schmerzlos sind wir und haben fast
Die Sprache in der Fremde verloren.
Wenn nemlich über Menschen
Ein Streit ist an dem Himmel und gewaltig
Die Monde gehn, so redet
Das Meer auch und Ströme müssen
Den Pfad sich suchen. Zweifellos
Ist aber Einer. Der
Kann täglich es ändern. Kaum bedarf er
Gesez. Und es tönet das Blatt und Eichbäume wehn dann neben
Den Firnen. Denn nicht vermögen
Die Himmlischen alles. Nemlich es reichen
Die Sterblichen eh’ an den Abgrund. Also wendet es sich, das Echo
Mit diesen. Lang ist
Die Zeit, es ereignet sich aber
Das Wahre.
Wie aber liebes? Sonnenschein
Am Boden sehen wir und trokenen Staub
Und tief mit Schatten die Wälder und es blühet
An Dächern der Rauch, bei alter Krone
Der Thürme, friedsam; und es girren
Verloren in der Luft die Lerchen und unter dem Tage waiden
Wohlangeführt die Schaafe des Himmels.
Und Schnee, wie Majenblumen
Das Edelmüthige, wo
Es seie, bedeutend, glänzet mit
Der grünen Wiese
Der Alpen, hälftig, da gieng
Vom Kreuze redend, das
Gesezt ist unterwegs einmal
Gestorbenen, auf der schroffen Straß
Ein Wandersmann mit
Dem andern, aber was ist diß?
Am Feigenbaum ist mein
Achilles mir gestorben,
Und Ajax liegt
An den Grotten, nahe der See,
An Bächen, benachbart dem Skamandros.
Vom Genius kühn ist bei Windessausen, nach
Der heimatlichen Salamis süßer
Gewohnheit, in der Fremd’
Ajax gestorben
Patroklos aber in des Königes Harnisch. Und es starben
Noch andere viel. Mit eigener Hand
Viel traurige, wilden Muths, doch göttlich
Gezwungen, zulezt, die anderen aber
Im Geschike stehend, im Feld. Unwillig nemlich
Sind Himmlische, wenn einer nicht die Seele schonend sich
Zusammengenommen, aber er muß doch; dem
Gleich fehlet die Trauer.
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