Eine starke Stunde hat Christoph Meckel am Mittwoch in der Offenburger Buchhandlung „Akzente“ gelesen. Mehr wäre ungesunde Völlerei gewesen, denn die Sprache des aus Freiburg stammenden Lyrikers und Erzählers ist hochkonzentriert. Dabei ist sie klar. Kein Ausdruck, der nicht präzis wäre. Keine Metapher, die überladen wirkte. Christoph Meckels Zeilen und Sätze malen nicht aus, sie lassen im Leser innere Bilder entstehen. / Badische Zeitung
István Kemény, Orsolya Kalász und Monika Rinck
Künstlerprogramm des DAAD
05.10. 20 uhr
daadgalerie
Zimmerstraße 90/91 10117 Berlin
Moderation: Cornelia Jentzsch
István Kemény, * 1961 in Budapest, knüpft in seiner Lyrik einen Weltenteppich aus vielerlei Strängen und Motiven: Bei ihm ist die Französische Revolution ebenso gegenwärtig wie die ungarischen Freiheitskämpfe; die Ansprache des geliebten Vaters wechselt sich in seinem Werk mit einem anderen Vaterbild ab, das, halb bedrohlich, halb leutselig, aus dem Schulbuch grüßt; ein Gedicht des ungarischen Nationalhelden Sándor Petőfi inspiriert ihn zu einer so kurzen wie treffenden Analyse des seelenzersetzenden Spitzelwesens. István Kemény findet für das Private wie für das Politische eindrückliche Bilder und setzt sie so kunstvoll ein, dass komplexe Zusammenhänge ohne Reduktion anschaulich werden. Es sind starke Visionen, die oft beiläufig entworfen werden, verblüffende Einsichten, deren absurder Witz keineswegs über die offenbarten Abgründe hinwegtäuscht.
Mit István Kemény im Terzett lesen Orsolya Kalász, die als Lyrikerin und Übersetzerin in Berlin und Budapest lebt und u. a. gemeinsam mit Gerhard Falkner den Band „Budapester Szenen“ herausgegeben hat, und Monika Rinck, die sich in ihrer vielbeachteten literarischen Arbeit immer wieder bewusst in ein Spannungsverhältnis von medientechnischen, philosophischen und lyrischen Inspirationen verwickelt, in dem es überraschende Lösungen zu finden gilt – beide haben sie Keménys Lyrik übersetzt und für den Abend eigens neue Gedichte von ihm übertragen.
Eine kleine Nachlese zum Fest. Ist es auch nur teilweise Lyrik, hat es doch Bedeutung.
Er beteuerte: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe zu keinem Zeitpunkt mit dem Organ Staatssicherheit zusammengearbeitet.“ Er sei nur zurückgetreten, um Schaden von der SPD abzuwenden. Er schreibe wieder. Ob ich sein neuestes Gedicht hören wolle? Höflich antwortete ich: „Ja.“ Er trug es mit erträglichem Pathos vor.
Die letzte Zeile lautete: „Immer schrieb ich mit roter Tinte. Die meine Gedichte lasen, aber waren farbenblind.“
Nach seiner Rückkehr aus der Toskana gab es für Böhme ein kurzes Comeback als Polizeibeauftragter von Ost-Berlin. Endgültig endete seine Karriere, als der Schriftsteller Reiner Kunze nach Auswertung seiner Stasi-Akten unter dem Decknamen „Lyrik“ den Lyriker Böhme als den Mann entlarvte, der ihn und seine Familie jahrelang für den DDR-Geheimdienst ausgeforscht hatte. / bild.de
Wer fünfeinhalb Monate dem Kabinett de Maizière angehörte, bekommt monatlich 650 Euro. Das klingt lachhaft – aber nur, wenn man nicht weiß, daß die mühsam ertrotzte „Opferrente“ für politische Häftlionge 250 Euro beträgt.
Warum soll der Westen die Zeche für die Verbrechen im Osten zahlen? Weil es sonst keiner tut. Geld ist ja bei der milliardenteuren Einheit das geringste Problem. Herr Z. zum Beispiel, der sieben Jahre zu Unrecht im Zuchthaus Bautzen saß. Seiner Verlobten teilte die Stasi mit, Z. sei tot – worauf sie sich das Leben nahm: Wer ahndet das? Niemand. „die schuldigen / sterben, leider, meist / an schnupfen / also / eines natürlichen todes“, schrieb der Dichter Uwe Kolbe in den neunziger Jahren. Tatsächlich wurde kaum ein Täter verurteilt. / Die Zeit 39, S. 1
Warum soll der Westen die Zeche für die Verbrechen im Osten zahlen? fragt die Zeit. Brecht wußte schon 1953: „Wir haben unseren eigenen Westen“. So viel ich weiß, arbeiten auch in Greifswald und Zittau Leute, und zahlen Steuern, Rentenbeiträge und die perfiderweise so genannte „Solidaritätszulage“. Im Osten hats wohl niedrigere Durchschnittslöhne, aber dafür weniger Beamte, also mehr Renteneinzahler. Das sollte man auch in Hamburg verstehen.
Ein Hauch von Tea Party liegt über der Bundesrepublik. (Die Zeit, a.a.O. S. 1)
Na, schau mer mal.
Der Argentinier Roberto Juarroz (1925-1995) gehörte zu jenen wahrhaft Großen der Literatur, die über Wesen, Wert und Wirkung der Dichtung mittels Lyrik und Essay nachdachten. Zwar ist der poetologische Essay mit 25 Gedichten erstmals vor drei Jahren auf Deutsch bei Tropen erschienen, doch erst jetzt, anlässlich des Buchmesseschwerpunktes Argentinien und der Neufassung in der Edition Delta, wird die universelle Bedeutung des argentinischen Lyrikers und Essayisten bewusst. Seine Verse sind in mehr als 20 Sprachen übersetzt worden. Anhand von 25 Gedichten aus seinem lyrischen Großprojekt „Vertikale Poesie“ lotet der wohl wichtigste Poet Lateinamerikas zentrale Themen unserer Existenz aus. Er denkt über das Verhältnis von Sprache, Sein und Nichtsein nach, definiert aus immer wieder anderen Blickwinkeln den Sinn der Poesie und ihr Verhältnis zur Wirklichkeit, zur Macht, zu Freiheit, Stille, Einsamkeit, Warten, Liebe, Tod, Raum, Zeit, Geist, Einheit und Wahrheit. „Jeder wahre Dichter ist ketzerisch“ heißt es und „Der Dichter kämpft beim Schreiben um die ganze Würde und die ganze Größe, die mit der Kleinheit des Menschen zusammenhängt.
/ dorothea von törne, Die Welt
Poesie und Wirklichkeit.
Von Roberto Juarroz. A. d. Span. v. Juana und Tobias Burghardt. Edition Delta, Stuttgart.167 S., 17,50 Euro.
(Auch eine Art Nachsatz auf Theo Breuers schöne Besprechung der Land-Anthologie, Thema: Was bleibt?)
Der Schleier des Vergessens hat sich längst über ihn gesenkt. Schon um 1900 gehörte er zu den Verschollenen. Seit 120 Jahren wurde keines seiner vielen Bücher neu aufgelegt, im 20. Jahrhundert ist ein einziges seiner Gedichte in einer Anthologie nachgedruckt worden. Und doch gehörte er zu den modernsten Autoren seiner Zeit. Das heißt, er erfüllte nicht nur die Forderungen des Zeitgeistes, er prägte ihn. Seine lyrische Reputation stand jener Lenaus nicht nach. Mit Grillparzer, Bauernfeld, Auersperg (Anastasius Grün) hatte er Umgang. Stifter schätzte ihn, verglich ihn mit Heine und lud ihn zur Mitarbeit an seiner Wien-Anthologie ein. / Reinhard Urbach, Wiener Zeitung
Die in Finnland lebende Dichterin Dorothea Grünzweig wird mit dem Anke-Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis geehrt. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 26. Oktober in Weimar erstmals vergeben, teilte die Deutsche Schillerstiftung mit. Der nach der Literaturwissenschaftlerin Anke Bennholdt-Thomsen benannte Preis ist ausschließlich Lyrikerinnen vorbehalten und soll künftig alle drei Jahre ausgelobt werden. / SZ 23.9.
Falls Sie heute (ausnahmsweise) eine „Welt“ kaufen wollen, müssen Sie sich beeilen. Es lohnt sich. Die komplette Ausgabe, nicht nur das Feuilleton, sondern Sport, Finanzen und alles andere statt mit Fotos mit Bildern von Georg Baselitz ausgestattet. Welt goes taz. (Aber Welt sagt: „Das gabs noch nie“.)
«13 Jahre ohne Poesie! Das gab es noch nie.» Kurz vor der Bekanntgabe des diesjährigen Nobelpreises für Literatur (7. Oktober) hat dieser empörte Aufschrei im «Svenska Dagbladet» jedenfalls schon mal bei den Zockern eingeschlagen.
Auf der Ladbrokes-Wettliste der Favoriten führt der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer (79). Mit dem Polen Adam Zagajewski (65), Ko Un (77) aus Südkorea und dem in Syrien geborenen Libanesen Adonis (80) folgen drei weitere vor allem auch durch Gedichte berühmt gewordene Anwärter. / Süddeutsche
Parallel zum literarischen Werk entfaltete sich unter dem Einfluss von Oskar Kokoschka und Franz Marc seit den frühen zehner Jahren Else Lasker-Schülers bildnerisches Schaffen. Das Jüdische Museum in Frankfurt am Main zeigt nun eine umfassende Ausstellung ihrer Bilder. / Roman Bucheli, NZZ 29.9.
Zum ersten Mal seit etwa 2.000 Jahren wird wieder Babylonisch gesprochen – und jeder kann zuhören, denn Wissenschaftler der Universität Cambridge haben Gedichte und andere Dokumente der Babylonier in MP3-Form ins Internet gestellt. / krone.at
Hier die Seite mit Transskription und englischer Übersetzung und Audiodatei:
Babylonian and Assyrian Poetry and Literature
Dort gibt es u.a. aus der altbabylonischen Zeit (ca. 1900 – 1500 v.d.Z.) Hymnen, das altbabylonische Gilgamesch-Epos, den Hammurabi-Codex oder einen Zauberspruch gegen Hundebisse.
Hier als Probe der Anfang einer Hymne an die Göttin Ischtar (wenn Sie die Transskription nicht korrekt lesen können, finden Sie auf der Seite einen Spezialfont).
Transcription kindly provided by K. Hecker on the basis of the edition by F. Thureau-Dangin, RA 22, 170 ff.
| 1 | iltam zumrā rašubti ilātim |
| 2 | litta“id bēlet iššī rabīt igigī |
| 3 | ištar zumrā rašubti ilātim |
| 4 | litta“id bēlet ilī nišī rabīt igigī |
| 1 | Sing ye of the goddess, the most fearsome of the gods, |
| 2 | Praise be upon the lady ruler of men, the greatest of the Igigi! |
| 3 | Sing ye of Ishtar, the most fearsome of the gods, |
| 4 | Praise be upon the lady ruler of the people, the greatest of the Igigi! |
| 5 | šāt mēleṣim ruāmam labšat |
| 6 | za’nat inbī mīkiam u kuzbam |
| 7 | šāt mēleṣim ruāmam labšat |
| 8 | za’nat inbī mīkiam u kuzbam |
| 5 | She who gets excited, clothed in sex appeal, |
| 6 | adorned with fruits, charm and allure. |
| 7 | She who gets excited, clothed in sex appeal, |
| 8 | adorned with fruits, charm and allure. |
| 9 | šaptīn duššupat balāṭum pīša |
| 10 | simtišša ihannīma ṣīhātum |
| 11 | šarhat irīmū ramû rēšušša |
| 12 | banâ šimtāša bitrāmā īnāša šitārā |
| 9 | She is sweet at the lips, her mouth is life, |
| 10 | Delights are lush on her cheeks, |
| 11 | She is lovely, beads are strewn on her head, |
| 12 | Her cheeks are comely, her eyes twinkle and sparkle. |
| 13 | eltum ištāša ibašši milkum |
| 14 | šīmat mimmami qatišša tamhat |
| 15 | naplasušša bani bu’āru |
| 16 | baštum mašrahu lamassum šēdum |
| 13 | The pure one, with her rests counsel, |
| 14 | She holds in her hand the fate of anything you care to name, |
| 15 | Seeing her makes for happiness, |
| 16 | Pride, splendour, protective spirit male and female. |
| 17 | tartāmī tešmê ritūmī ṭūbī |
| 18 | u mitguram tebēl šīma |
| 19 | ardat tattadu umma tarašši |
| 20 | izakkarši innišī innabbi šumša |
| 17 | Of love-making, seduction, making love, pleasure |
| 18 | and harmony, she is the lady ruler. |
| 19 | The girl who was exposed will get a mother, |
| 20 | She will mention her among the people, speak her name. |
Während es im Vorwort von Der Große Conrady heißt, daß man, vor allem (aber nicht nur) im Kompartiment der zeitgenössischen Gedichte eher auf Dokumentation als auf Kanonbildung aus sei, da wohl erst die Nachwelt mit naturgemäß distanzierterem Blick feststellen könne, welche Verse die Zeiten überleben, schlagen Michael Lentz und Michael Opitz als Herausgeber der Anthologie In diesem Land. Gedichte aus den Jahren 1990 bis 2010 (bewußt an Adolf Endlers und Karl Mickels In diesem besseren Land von 1966 sowie Hans Benders In diesem Lande leben wir von 1978 anklingend) den umgekehrten Weg ein und betonen, daß sie Gedichte ausgewählt haben, von denen [sie] überzeugt sind, dass sie bleiben werden.
Während meiner Non-stop-Rundfahrt durch In diesem Land lese ich dieser Aussage zum Trotz eine Reihe von Gedichten, die ich nicht so geglückt finden kann, um davon aus zugehen, daß sie in 25, 50 oder 100 Jahren noch gelesen werden. Ich wette jedenfalls: nein. Davon abgesehen, stellen die fulminanten, originellen, schönen In-diesem-Land-Gedichte locker und wie selbstverständlich die absolute, nein, totale Mehrheit – schon der energisch zu packende, erdige Auftakt mit Henning Ahrens‘ Bekenntnis ist verheißungsvoll, und Jürgen Becker, Elke Erb, Gerhard Falkner, Heiner Müller, Thomas Kling, Helga M. Novak, Brigitte Oleschinski, Oskar Pastior, Ernest Wichner, ach, es ist müßig, sie alle aufzuzählen, folgen mit zum Teil spektakulären Versfolgen. …
Sind bis zu rund 10 Seiten pro Autor, bei jeweils vier Gedichten, womöglich zuviel für einen Überblick dieser Art mit einem Umfang von nahezu 650 Seiten und dem Anspruch, daß unsere Anthologie das dichterische Schaffen der letzten zwanzig Jahre resümiert und das Spektrum durchaus weit zu fassen? Gewichtungen von einer bis fünf, sechs Seiten hätten viel freien Platz schaffen können für das Drittel, das 50 Lücken schließen würde. Denn auch Gedichte von C. W. Aigner, Beat Brechbühl, Ann Cotten, Guillermo Deisler, Peter Engstler, Ludwig Fels, Franzobel, Nora Gomringer, Hadayatullah Hübsch, Sabine Imhof, Ulrich Koch, Jean Krier, Nadja Küchenmeister, Thomas Kunst, Philipp Luidl, Rainer Malkowski, Jörg Neugebauer, Andreas Okopenko, Vera Piller, Hendrik Rost, Helmut Salzinger, Robert Schindel (Die Lyrik hat es schwer, aber sie wird nicht untergehen), Johann P. Tammen, Christian Uetz, Günter Vallaster, Christoph Wenzel und Ulrich Zieger wären alles andere als fehl am Platz in einer mit repräsentativem Anspruch antretenden Lyrikauswahl deutscher Gedichte der Jahre 1990 bis 2010. …
In diesem Land ist ein windschiefes Lyrikhaus mit löchrigen Wänden und einer Reihe fehlender Ecksteine, die den ganzen Bau auf riskante Art und Weise in Umsturzgefahr bringen. Aber – in einem solchen Haus, in dem ich so manches Erwartete nicht vorfinde und in dem der Boden unter den Füßen nachgibt, halte ich mich immer wieder gern auf, no risk, no fun, lobe den Hausherrn über den grünen Tee und führe entflammte Gespräche. / The Breuer*), Poetenladen
Michael Lentz · Michael Opitz (Hg.), In diesem Land. Gedichte aus den Jahren 1990-2010 von 101 Autorinnen und Autoren, darunter Marcel Beyer, Nico Bleutge, Mirko Bonné, Thomas Brasch, Ulrike Draesner, Anne Duden, Hans Magnus Enzensberger, Hartmut Geerken, Eberhard Häfner, Ulla Hahn, Wolfgang Hilbig, Rainer Kirsch, Wulf Kirsten, Karin Kiwus, Uwe Kolbe, Christine Koschel, Michael Krüger, Richard Leising, Kito Lorenc, Christoph Meckel, Franz Mon, Herta Müller, Monika Rinck, Tom Schulz und Paul Wühr, Nachwort der Herausgeber, 637 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen, S. Fischer, Frankfurt am Main 2010.
*) den Tippfehler will ich dann doch stehen lassen
Filmpremiere in Berlin – „An den Rand geschrieben. Rumäniendeutsche Schriftsteller im Fadenkreuz der Securitate“ – und Podiumsgespräch
05.10.2010
Berlin/Neue Bundesländer
Am 5. Oktober 2010 um 20.30 Uhr wird der Film „An den Rand geschrieben. Rumäniendeutsche Schriftsteller im Fadenkreuz der Securitate“ von Helmuth Frauendorfer erstmalig gezeigt. In der Ankündigung heißt es: „Sie wurden bespitzelt, bedroht und verhaftet. Ein dichtes Netz von Informanten wurde um sie gespannt, um Desinformation zu streuen und Verleumdungs- und Zersetzungsmaßnahmen gegen sie durchzuführen. Am Beispiel seiner Schriftstellerkollegen erzählt Helmuth Frauendorfer die Geschichte deutschsprachiger literarischer Entwicklungen im rumänischen Banat in den siebziger und achtziger Jahren und deren Behinderung durch den Machtapparat des Diktators Nicolae Ceauşescu. Erst aus den Geheimdienstakten erfuhren die Autoren, wie hartnäckig ihre Verfolgung nicht nur in Rumänien, sondern auch nach der Ausreise in die Bundesrepublik war.“
Nach der Begrüßung durch Dr. Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, und der Filmvorführung findet ein Podiumsgespräch mit Herta Müller, Gerhardt Csejka, Helmuth Frauendorfer, Johann Lippet, Horst Samson, William Totok und Richard Wagner statt. Moderiert wird das Gespräch von Ernest Wichner, Leiter des Literaturhauses Berlin.
Die gemeinsame Veranstaltung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, des Instituts für Kultur und Geschichte Südosteuropas und des Literaturhauses Berlin findet im Hackesche Höfe Kino,
Rosenthaler Straße 40/41,
10178 Berlin, statt.
Anmeldung ist erforderlich bei
André Kockisch, Telefon: (0 30) 98 60 82-4 13
(0 30) 98 60 82-4 13
E-Mail: a.kockisch[ät]stiftung-hsh.de.
Ort: Hackesche Höfe Kino, Berlin
Veranstalter: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, IKGS, Literaturhaus Berlin
Vielleicht muss man so alt und weise sein wie Bora Ćosić, um sich ganz ungeniert zu seinem Berlin-Gefühl zu bekennen. Der serbische Dichter, eigentlich geladen, um im Rahmen des Festivalschwerpunkts „Fokus Osteuropa“ über die Ungewissheiten des Exils Auskunft zu geben, gestand seinen Zuhörern im Haus der Kulturen der Welt, er habe sich die Liebe zu dieser Stadt zugezogen wie einen Virus. Dann las er aus seinem neuen Lyrikband „Die Toten. Das Berlin meiner Gedichte“. Ein Gedicht darin besingt die „gehortete Kälte“ der Gemälde Caspar David Friedrichs in der Alten Nationalgalerie. Ein anderes beschwört die Geister Nabokovs und des Petersburger Dichters Andrej Bely am Wittenbergplatz. Es ist Heimatlyrik eines Heimatflüchtigen, also genau die Art von europäisch beseelter Dichtung, der man im Bötzowviertel misstraut. Dabei überwindet sie nicht nur die notorischen west-östlichen Gräben, sie versöhnt auch die Welt mit Berlin. / Andreas Kilb, FAZ.net 23.9.
Erst raubt die Diktatur den Opfern ihre Zukunft, dann die Vergangenheit: In Jena wurde über die Verbrechen der Securitate und Oscar Pastiors Enttarnung diskutiert. Es gab ein explosives Aufeinandertreffen von Wissenschaftlern und Zeitzeugen. / Hubert Spiegel, FAZ.net 29.9.
Die Meldung der vergangenen Woche: Büchnerpreisträger Oskar Pastior war IM. Warum er all die Jahre geschwiegen hat, fragen nun jene Blätter, deren Rauschen der Grund seines Schweigens war: die Pein, die Not, sich verständlich zu machen in einem Wald aus Spiegeln, die jedes Wort im Mund schon verkehren.
Brechen Sie das Schweigen, bittet mich das ND. Sagen Sie: Ich war IM … – Das Organ jener Partei, deren Schild und Schwert das Ministerium für Staatssicherheit war, soll die Bühne deiner Offenbarung sein? Niemals.
Die Zeitung ist eine andere geworden, anders als jene, die bleiben durften, was sie waren. Denn Siegen macht dumm. Nur Niederlagen geben zu denken, weil sie am Weitermachen hindern.
Also sprich. / Sagt Jens-Fietje Dwars, und tuts, ND 29.9.
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