„Erschließen und interpretieren Sie das folgende Gedicht! Diskutieren Sie abschließend, ob der Lebenswandel eines Schriftstellers für die Beurteilung seines Werkes von Belang ist.“ / Georg Buschmann, Offenbacher Post
*) Lasen meine Augen at first sight – der erste Blick ist der beste.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Ellery Akers is a California poet who here brings all of us under a banner with one simple word on it.
The Word That Is a Prayer
One thing you know when you say it:
all over the earth people are saying it with you;
a child blurting it out as the seizures take her,
a woman reciting it on a cot in a hospital.
What if you take a cab through the Tenderloin:
at a street light, a man in a wool cap,
yarn unraveling across his face, knocks at the window;
he says, Please.
By the time you hear what he’s saying,
the light changes, the cab pulls away,
and you don’t go back, though you know
someone just prayed to you the way you pray.
Please: a word so short
it could get lost in the air
as it floats up to God like the feather it is,
knocking and knocking, and finally
falling back to earth as rain,
as pellets of ice, soaking a black branch,
collecting in drains, leaching into the ground,
and you walk in that weather every day.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©1997 by Ellery Akers, whose most recent book of poetry is Knocking on the Earth, Wesleyan University Press, 1989. Reprinted from The Place That Inhabits Us, Sixteen Rivers Press, 2010, by permission of Ellery Akers and the publishers. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg beginnt die serbische Literatur das Schicksal anderer europäischer Literaturen zu teilen: Expressionistische Ambivalenz, avantgardistische Subversivität, moderne Ambitionen, ein hochmoderner Welthorizont bis hin zur postmodernen, skeptischen Verspieltheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahre 1948, brach Tito mit Stalin. Das hatte auch literarische Konsequenzen. Statt „sozrealistischer“ Langeweile wie im Ostblock war der Surrealismus die inoffizielle ästhetische Staatsdoktrin Jugoslawiens. …
Vor allem starke Lyrikerinnen aus mehreren Generationen, alle mit souveräner Stimme und oft mit feministischem Touch, sind auf der serbischen literarischen Szene präsent. Die Tendenz, dass Frauen sich ihren Platz erobern, zeichnet sich klar ab. Die Zukunft der serbischen Literatur wird zu einem großen Teil weiblich sein. Dies bestätigt die Lyrik von Dragana Mladenovic, die am Dienstag zusammen mit Goran Samardžić und Vladimir Pištalo im Literaturhaus Köln lesen wird. Ganz gleich, ob sie das alte Pathos der Lyrik mit neo-dadaistischem Genuss zersetzt oder Langgedichte über gesellschaftliche Tabus – Kriegsverbrechen inklusive – schreibt: ihre Stimme hat bereits einen unverwechselbaren Klang. / Dragoslav Dedovic, Kölner Stadtanzeiger
Man würde gerne die Gedichte von Nicolas Born gesammelt herausgeben. Schöne Idee, fand Familie Born und schlug den einen oder anderen mit der Epoche vertrauten Dichterkollegen als Herausgeber vor. Dafür sei leider kein Geld da, antwortete der Verlag. Vielleicht könne man einen Doktoranden mit der Arbeit betrauen. „Die Vorstellung, dass das irgendein Student macht, fand ich grauenhaft“, erzählt Katharina Born lachend in ihrer lauschigen Wohnung im 18. Arrondissement. Sie entschied sich, die Herausgabe der Gedichte ihres Vaters selbst zu übernehmen. Zwei Jahre widmete sie sich der Aufgabe, „ein Full-time Job“, sagt sie. / Sascha Lehnartz, Welt am Sonntag
Was machen die kleinen Verlage zur Buchmesse? Bei Reinecke & Voß liest man:
Das Profil des Verlages Reinecke und Voß wird geschärft und soll zukünftig auf der Geschichte der modernen Literatur und aktuellen literarischen Entwicklungen liegen.

Das klingt vielversprechend. Pünktlich zur Buchmesse erscheint ein Beitrag zur Geschichte der Moderne:
Aloysius Bertrand: Gaspard de la Nuit – Phantasien in der Manier Callots und Rembrandts. Aus dem Französischen übertragen von Jürgen Buchmann mit einem Nachwort des Übersetzers.
150 Seiten
Paperback 19×12
ISBN: 978-3-9813470-9-8
11,90 Euro
Erscheint am 17.3.11
Aloysius Bertrand (1807-1841) verbrachte sein Leben am Rande der Gesellschaft, besessen von seinem Werk. Gegen den zeitgenössischen Kult des Individuums macht der Gaspard de la Nuit die rätselhafte, beunruhigende Welt der Objekte geltend. Die Übertragung des Dichterphilologen Jürgen Buchmann, der eine kongeniale Neuinterpretation des kühnen Textes beigegeben ist, liest sich bei aller Wortgetreue wie ein Originaltext der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts.
„Dieser wundervolle Ring, der im Tumult der romantischen Wogen wie der der Dogen ins Meer geworfen und verschlungen wurde, kommt heute wieder zum Vorschein, zurückgebracht von den reinen Kämmen der Flut.“
Stéphane Mallarmé
„Das seltene, wenig gekannte Buch, das ehemals Baudelaire zu seinen Prosagedichten anregte und das vielleicht eins der liebenswürdigsten ist, die die ganze französische Romantik hervorgebracht …“
Stefan George
„Bertrand ist Surrealist in der Vergangenheit.“
André Breton
„Aloysius Bertrand zählt zweifellos zu den wichtigsten Autoren der Moderne.“
Helen Hart Poggenburg
Hier zwei Texte aus dem Buch (mit freundlicher Genehmigung des Verlags):
DER ALARM
Kein Mädchen hängt so zärtlich
An des Geliebten Ring,
Als er an seiner Flinte
Und seinem Degen hing.
(Spanische Romanze)
DIE Fenster der Spelunke flammten im fernen Feuer der sinkenden Sonne auf, ein Pfau saß auf dem Dach, und der Pfad schlängelte sich leuchtend ins Gebirge.
***
„Still da! habt ihr nichts gehört?“ fragte einer der Briganten und drückte das Ohr an die Spalte des Fensterladens.
„Mein Maultier hat in der Remise einen fahren lassen“, sagte einer der Treiber.
„Schafskopf!“ rief der Bandit, „ich werde für einen Furz deines Viehs meinen Karabiner laden! – Alarm! Alarm! Eine Trompete! die Gelben Dragoner sind über uns!“
Und mit einem Mal verstummte das Geschepper des Geschirrs, das Gezirp der Gitarren, das Gekicher der Mägde und der Wirrwarr der Stimmen, und ein Schweigen breitete sich aus, in dem man das Summen einer Fliege vernommen hätte.
Aber es war nur das Horn eines Kuhhirten. Die Treiber tranken ihre halbgeleerten Schläuche aus, ehe sie die Tiere säumten, um das Weite zu suchen; und die Banditen, mit denen die feisten Schlampen dieses finsteren Etablissements vergebens anzubändeln suchten, kletterten auf die Hängeböden, gähnend vor Langeweile, Müdigkeit und Schlaf.
(Aus Buch IV: Spanien und Italien)
DAS TOTE PFERD
Der Totengräber: Ich will Euch Bein verhandeln, dass Ihr Knöpfe schafft!
Der Abdecker: Ich will Euch Bein verhandeln,
dass Ihr schmucke Degenknäufe schafft!
DIE WERKSTATT DES SCHWERTFEGERS
DER Schindanger! Und zur Linken, unter Klee und Luzerne, die Gräber eines Kirchhofs; rechts steht ein ausgedienter Galgen und bettelt den Vorübergänger an wie ein Krüppel, dem ein Arm fehlt.
***
Gestern wurde ihm der Garaus gemacht; die Wölfe rissen ihm das Fleisch vom Halse, dass es in langen Streifen herunterhängt; man möchte meinen, er sei für einen Ausritt mit einem Busch roter Bänder geschmückt.
Jede Nacht, wenn der Himmel fahl ist vom Mondlicht, fliegt dieser Kadaver davon, und auf ihm reitet eine Hexe, die ihn mit ihren spitzen Hacken spornt, während der Wind in die Orgel seiner hohlen Rippen bläst.
Und stünde zu dieser verschwiegenen Stunde in einem Grabe des Kirchhofs ein schlafloses Augen offen, es würde sich plötzlich schließen, aus Furcht, ein Gespenst in den Sternen zu sehen.
Selbst der Mond schließt ein Auge und leuchtet mit dem andern nicht mehr als eben genug, wie eine flackernde Kerze diesen mageren streunenden Hund zu bescheinen, der vom Wasser eines Weihers schlappt.
(Aus den Paralipomena zum Gaspard de la Nuit)
Schon öfter hatte ich den Vorsatz, mein Zeit-Abo nach (nun) 2 Jahrzehnten zu kündigen, Gründe finden sich; aber mit der Serie zum politischen Gedicht ist das natürlich erst mal aufgehoben. Bis Jahresende, sagen sie? Na, da haben sie bei mir eine Gnadenfrist. Scheherazade so gesehen. Das will ich keine Woche verpassen, und pünktlich zum Donnerstag lesen.
Wer kein Abo hat, kann jetzt den Einleitungstext und die Gedichte von Monika Rinck, Marion Poschmann und Jan Wagner nachlesen.
*) Ups – da hat mir der Leipziger Spießer einen Streich gespielt: ein garstig Lied, pfui, ein politisch Lied!
Im Poetenladen zeichnet Theo Breuer die Geschichte der neueren deutschen Lyrik u.a. anhand des ersten und des bislang letzten Gedichts in den nun 28 Folgen des Jahrbuchs der Lyrik:
Die rasante Entwicklung der Lyrik im deutschen Sprachraum, die gegen Ende der 1980er Jahre gleichsam mit quietschenden Reifen durchstartet, zu neuen Ufern – ins Offene – aufbricht (Kling, Grünbein, Papenfuß, Waterhouse preschen voran) läßt sich beim Vergleich der 28 Jahrbücher auf fabelhafte Art und Weise ablesen. Das erste Gedicht in der Geschichte des Jahrbuchs der Lyrik – Jahrbuch der Lyrik 1 · 1979 – ist von Hajo Antpöhler:
ENDE MÄRZ,
flach die Gegend,
schön so,
auf ner Wiese
steht noch ne
Kabelrolle.
Das Gedicht zitiere ich immer mal bei Telefonaten mit Schreibkollegen. Die Reaktion ist stets die gleiche: Am anderen Ende wartet der Gesprächspartner darauf, daß ich fortfahre, und ich sehe mich gezwungen, jedesmal zu versichern: Nein, hier fehlt nichts. Das vorläufig letzte Gedicht – aus dem Jahrbuch der Lyrik 2011 – klingt so:
Geschäftsbericht
Dieses Jahr wieder ein, zwei Wahrheiten in den
Onlineschlagzeilen, die wie immer
schon wussten, wie damals bei der Erfindung des Gleitschirms.
Der Paarmensch von heute erwähnt im Schlafzimmer
nur das Positive, Betriebe überleben, wenn sie wachsen,
lebende Organismen oft noch ein Stück danach. Sind
die Grauwerte ausgelagert, werden Berichte zu einer notorisch
verspäteten Gattung. Worüber sollen wir noch reden?
Lacher wirken verdächtig. Das 21. Jahrhundert ist eben
gelandet, so früh hat es niemand erwartet. Jetzt stehen wir, rührselig,
uns nur noch selbst im Weg. Der Rest ist Arithmetik.
Die Pessimismen von früher dürfen belächelt werden. Ein Tor ist,
wer seine Träume nicht umbenennt. Der Ton ist härter geworden zwischen
den Geschlechtern. Für Nostalgien habe er
keine Zeit mehr, meinte kürzlich ein Bekannter.
Gestern das Telefonat mit den Eltern: Sie mischen
noch mit. Eine Generation weit weg, und so viel Misstrauen schon.
Gesenkt werden konnten die Kosten für Kommunikation.
Andreas Münzner
Außerdem in einem Alphabet, das Eichelhäher · Exemplarisch, fragiles fragment, Lyrikleselust, Neugier und Quälgeister einschließt sowie in diversen Texten und nützlichen Listen, darunter auch diese ziemlich be-denkliche*:
Michael Arenz · Rose Ausländer · Hans Bender · Wolf Biermann · Beat Brechbühl · Werner Bucher · Joseph Buhl · Erika Burkart · Hanns Cibulka · Zehra Çirak · Klaus Peter Dencker · Hilde Domin · Hans Eichhorn · Erwin Einzinger · Peter Engstler · Peter Ettl · Jan Faktor · Jörg Fauser · Günter Grass · Helmut Heißenbüttel · Dieter Hoffmann · Sabine Imhof · Peter Jokostra · Heinz Kahlau · Reiner Kunze · Richard Leising · Christoph Leisten · Peter Maiwald · Dieter P. Meier-Lenz · Frank Milautzcki · Heiner Müller · Peter Horst Neumann · Andreas Noga · René Oberholzer · José F. A. Oliver · Johannes Poethen · Reinhard Priessnitz · Christa Reinig · Francisca Ricinski · Doris Runge · Robert Schindel · Gerd Sonntag · Peter Turrini · Günter Ullmann · Olaf Velte · Jürgen Völkert-Marten · A. J. Weigoni · Wolf Wondratschek · Peter-Paul Zahl · Maximilian Zander gehör(t)en zu den in der Lyrikwelt beheimateten Lyrikerinnen und Lyrikern, von denen (bislang) kein Gedicht im Jahrbuch der Lyrik publiziert wurde.
Fürwahr eine interessante Liste. Sehr unterschiedliche Verfasser, die man nicht in zwei sondern drei vier viele Parteien einordnen mag. Es würde kaum schwer fallen, aus diesen zusammengenommen ein lesenswertes „Jahrbuch“ zusammenzustellen, das kaum weniger repräsentativ sein müßte als nur eins.
*) be-denklich ist ja nicht synonym zu bedenkentragend. („Bedenklichen Inhalt melden“ heißt es überall in den Kommunikatonsdiensten des Internets, eine Menschheit von Denunzianten).
Adelungs Wörterbuch unterscheidet:
Bedenklich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Im Bedenken, d. i. Nachdenken begriffen. Dieser einzige Umstand macht mich unruhig, macht mich bedenklich, Weiße. Man kann nicht zu bedenken wegen eines Standes seyn, der das Glück oder Unglück unsers Lebens bestimmen soll. Noch häufiger aber, 2) was Bedenken, Nachdenken oder Überlegung erfordert. Eine bedenkliche Sache. Ingleichen verdächtig, gefährlich. Dieser Antrag kömmt mir sehr bedenklich vor.
Das „Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache“ von Klappenbach / Steinitz hat sogar 3 Bedeutungen:
Das ist vielleicht alles noch zu einseitig-negativ: seit wann ist Zweifel etwas Negatives? Ich zweifle an der Weisheit der Regierung (sie sollte froh sein, ist sie aber nicht). Ich stelle den Antrag, eine vierte, positive Bedeutung anzuerkennen: be-denklich, wert, bedacht zu werden. Bedenken 1) über etw. nachdenken, etw. überlegen; 2. jmdn. mit etw. beschenken. Liebe Leute, beschenkt die Liste, bedenkt das Jahrbuch: es hat es verdient!
(Wer den Link nicht bis zu Ende gelesen hat, sei versichert, daß die Formulierung über die „Bedenklichkeit“ der Liste nicht Breuers, sondern meine ist. Breuer erklärt vielmehr verschiedene Ursachen des Fehlens. Ich benutze seine Liste zum Selber-Bedenken!)
Fixpoetry-Gastgeberin Julietta Fix hatte den Abend auf bedachte Weise in zwei Hälften unterteilt. In der ersten Hälfte kamen drei Autoren zu Wort, die auf facettenreiche Weise das weite Spektrum der zeitgenössischen Lyrik repräsentieren und mit ihrer Dichtung zugleich die poetischen Koordinaten sichtbar machten, in denen Gerrit Wustmanns Lyrik verortet ist. …
Dass „die Poesie (…) geschieht, während das Ich geschieht“, ließ der Vortrag Milautzckis bis in die Tiefe erkennen. In Milautzckis behutsamem, feinsinnigem Vortrag wurden die Nuancen seiner Poesie auf eindringliche Weise lebendig. Eine andere Facette der Poesie zeigte sich im Anschluss daran durch Andrea Karimè, deren sprachspielerische Kompositionen keineswegs einem Selbstzweck dienen, sondern gleichermaßen leichtfüßig wie überraschend zwischen Sprachen und Kulturen flanieren – und damit vermitteln. …
Tief greifen Wustmanns Verse in das Blau zwischen Himmel und Meer, oszillieren zwischen Sinnlichkeit und Sehnsucht und sparen dabei auch das Dunkle nicht aus. Im Bewusstsein der Tradition – Wustmann flechtet in seine Verse Reminiszenzen an Autoren wie Sait Faik, Nazim Hikmet, Orhan Veli und Jörg Fauser ein – wird der Zyklus zu einem komplexen, farbenreichen Kaleidoskop, in dem das Vorfindliche synästhetisch ineinanderfließt. / Christoph Leisten, cineastentreff
LEGENDE VOM ABHOLEN, DEN GESTRIGEN ABEND ALLEIN
Mit einer Suchmaschine zugebracht, vor
Lauter Einerlei diese Begriffe eingegeben, Studentin,
Leipzig und eine frappierende Ähnlichkeit
Mit Ornella Muti, sinnlos, nichts zu finden, aber
Das kann doch bisher nicht nur mir
Aufgefallen sein, in was für einer
Aussichtslosen Welt leben wir denn, ich hätte
Sie so gern nach Schichtschluß
Aus einer Gurkenfabrik abgeholt, sie
Hätte den ganzen Tag am Band gestanden,
Hochstehende Gurken runtergedrückt und
Die Gläser zugeschraubt, zwei Toilettengänge
Pro Schicht, ich gab die Begriffe noch einmal
Neu ein, Studentin, Sachsen, verblüffende
Ähnlichkeit mit Ornella Muti, als sie noch
Jünger war, Fließband, Gurkenfabrik,
Toilettengänge, Seife, Spind,
Pflastersteine, Sirene und Frauen, Frauen, kurz
Vor ihrem Wechsel aus einer hohlen Umgebung
In eine demonstrative Liebe, Erwartungen,
Enttäuschungen, Umarmungen, oben und
In der Mitte, oben, nasse Zugänge, je nachdem, ob
Sie ganz unter der Dusche waren oder ob sie
Es vorzogen, ihre Körper nur vergeblich
Über ihre zögerlich ausgestreckten Hände
Anzukündigen, Frauen ohne Abendfahrzeuge, Frauen
Ohne Zuordnung, Frauen, Frauen, bis
Auf diese eine.
Thomas Kunst ist an diesen Veranstaltungen der Buchmesse beteiligt:
19. März 2011
16:00 – 16:30 Uhr
Es gibt eine andere Welt
Neue Gedichte aus Sachsen
Mitwirkende Katrin Marie Merten ( http://katrin-marie-merten.de ), Thomas Kunst (http://www.thomaskunst.de), Andreas Altmann (http://www.poetenladen-der-verlag.de/autoren-andreas-altmann.php)
Moderation Axel Helbig
Veranstalter poetenladen
Ort Leipzig liest Forum Halle 4, Stand E101
Reihe Literatur unabhängiger Verlage
19. März 2011
20:00 Uhr
Thomas Kunst
Die Edition Rugerup in der KUB
Thomas Kunst stellt seinen neuen Band „Legende vom Abholen“ vor, Live-Musik rundet den Abend ab.
Moderation Margitt Lehbert
Veranstalter Edition Rugerup / Nimrod Förlag AB
Ort Galerie KUB, Kantstraße 18, 04275 Leipzig (Südvorstadt)
ÖPNV Straßenbahn: 10, 11 Bus: 89
Reihe Literatur unabhängiger Verlage

„Opas freund /najden hat aus dem brunnen / einen römischen soldaten /gezogen“ heißt es in einem Gedicht der jungen Serbin Dragana Mladenovic. „ einen legionär /und hat ihn in der kirche getauft / auf den namen simeon … aber für mich ist das /langweilig deshalb / stelle ich mir vor / ich sei / ein mädchen / aus der nachbarschaft“. Der ganze Balkan ist ein gewaltiger Poesieraum, was Serbien als Gastland der nächste Woche beginnenden Leipziger Buchmesse ganz besonders unter Beweis stellen wird: Welcher Reichtum findet sich etwa in der Anthologie „Eintrittskarte“, die ein Panorama der Lyrik des 21. Jahrhunderts entwirft.
Doch es ist unmöglich, all das, was einem an junger serbischer Lyrik begegnet, losgelöst vom Poesiediskurs in ganz Ex-Jugoslawien zu betrachten, so eng verwandt sind die slawischen Sprachen Südosteuropas, als dass keiner den anderen nicht nicht verstünde, zu eng sind die Kulturlandschaften dies- und jenseits von Donau, Save, Morawa und Drina verflochten.
Ein Beispiel für die Verschmelzung vieler Orte in einer Person ist Lidija Dimkovska, 1971 im makedonischen Skopje geboren, in Bukarest promoviert, der Liebe wegen (wenn man ihren Gedichten glaubt) in Ljubljana ansässig. Ihre Verse sind wilde Jumpcuts, die ungebändigt die Widersprüchlichkeit des postkommunistischen Lebensgefühls einfangen. / Jan Röhnert, Tagesspiegel
Dragana Mladenovic: Nachbarschaft. Gedichte. Aus dem Serbischen von Jelena Dabic. 160 Seiten, 16 €.
Lidija Dimkovska: Anständiges Mädchen. Gedichte. Aus dem Makedonischen von Alexander Sitzmann. 164 Seiten, 16 €. Beide bei Edition Korrespondenzen, Wien 2011.
Dragoslav Dedovic (Hg.): Eintrittskarte. Serbien: Panorama der Lyrik des 21. Jahrhunderts. Zweisprachige Ausgabe. Drava Verlag, Klagenfurt 2011. 359 Seiten, 29,80 €.
Im ZDF ein Interview mit Monika Rinck zu ihrem Gedicht-Beitrag in der ZEIT, worin sie es vorliest und kommentiert.
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