relevant.at veröffentlicht ohne weitere Erklärungen (jedenfalls finde ich keine) eine Reihe von Bibliografien von Klassikern der neueren deutschen Literatur (wie Arno Schmidt, Wolfgang Koeppen, Peter Weiss, Gerhart Hauptmann, Ingeborg Bachmann, Peter Rühmkorf, Peter Huchel…). Nützlich eine von Ernst Jandl, mit langer Liste von Veröffentlichungen auf Tonträgern und Vertonungen.
Die so vorgegebene Dreiteilung des vorwiegend durch Einstimmigkeit geprägten Programms bekam durch Bachs Solo-Cello-Suite Nr. 3 C-Dur BWV 1009 ihre stilistisch wohlüberlegte Gliederung. Einer text-literarischen inhaltlichen Ausdeutung gleich war die Hereinnahme der Gedichte der Schweizer Benediktinerin, Silja Walter (1919-2011). Somit standen urchristliche liturgische Texte den Worten einer Gott suchenden Frau aus dem Jetzt gegenüber, die damit das Fenster zu ihrem eigenen Gott-Mensch-Bezug offen hält. / HERMANN WEIGOLD, Schwäbische Post
Welche Stellung haben die Tagebücher in seinem Gesamtwerk?
HIRTE: Mühsam ist bekannt für seine politischen Spottverse und seine Lyrik, für seine beißenden Polemiken und seine „Unpolitischen Erinnerungen“. Aber die Tagebücher sind sein Hauptwerk, sein Lebensroman. Ich halte sie auch literarisch für bedeutender und folgenreicher als sein lyrisches Schaffen.
…
Sie publizieren die Tagebücher parallel auch komplett im Internet. Kannibalisieren Sie damit nicht den Verkauf der Buchausgabe?
HIRTE: Zunächst ist es eine mutige Tat des Verbrecher Verlags, diese Parallel-Edition zu wagen. Das Buch kann man lesen, im Internet kann man mit dem Text arbeiten. Begleitet wird er dort von der kompletten Handschriften-Fassung, einem ausführlichen Register, ergänzenden Materialien und allerlei Verlinkungen ins Internet. So kann die Edition immer auf dem neuesten Stand gehalten und weiter entwickelt werden, auch durch Beteiligung der Leser. Das ist keine Kannibalisierung, sondern eine wunderbare Bereicherung für eine Buchausgabe, die all das nicht leisten kann. Aber man kann sie zu einem erschwinglichen Preis erwerben und lesen wie einen Roman.
Erich Mühsam, Tagebücher Band 1 / 1910-1911, Herausgegeben von Chris Hirte und Conrad Piens, 352 S., Verbrecher Verlag, Berlin 2011. 28 Euro. Bis 2018 erscheinen jährlich zwei Bände der auf 15 Bände angelegten Edition. Die Tagebücher erscheinen auch im Internet samt Register und der Handschrift unter www.muehsam-tagebuecher.de
Aus der Geschichte der Tagebücher:
Auch Zenzl Mühsam wurde verhaftet und konnte erst 1955 in die DDR ausreisen. Dort ließ sie Mikrofilmkopien vom Nachlass ihres Mannes anfertigen, die aber unter Verschluss blieben. Zenzl Mühsam starb am 10. März 1962. Erst in den 1980er Jahren wurden in der DDR die Tagebücher Mühsams schließlich transkribiert, aber nicht mehr publiziert, da die Mauer fiel.
Thomas Kling, der seine ersten Gedicht-Kassiber in die bundesdeutsche Literaturlandschaft in der Zeit der Neuen Subjektivität schickte, grenzte sich von dieser sich ins Innere und private zurückziehenden Literatur von Anfang an ab. Ihn interessierte vielmehr das Brodelnde und Schäumende an der Sprache, ihre unauflösbare Verschränktheit mit der bundesdeutschen Herkunft und Gegenwart, ihre subversive Komplexität und Mehrschichtigkeit. Auch sprachtechnisch ließ ihn jeglicher damals angesagte Mainstream oder gar Bildungskanon kalt. Kling ließ sich lieber von einem wie Oswald Wolkenstein etwas über Sprache erzählen, der in seinen Texten „bis zu einem halben Dutzend verschiedener Sprachen miteinander komprimiert“ habe. Kling interessierten Konrad Bayer, Jean Paul oder Paul Celan und dessen Interesse an Spracharchäologie. Oder Johann Michael Moscherosch, Quirinus Kuhlmann, Kaspar Stieler, die den „konspirativen, zusammenatmenden Austausch“- so Kling – von Jargon und Slang zu schätzen wussten. Denn hier sprachen die „Hebräischreste, Jiddischreste“, eben „Schattenreste“ noch immer. Alle diese Dichter waren Thomas Kling Brüder im Geiste einer intellektuellen Widerständigkeit und Eigensinnigkeit.
Der aus einer Stadt der Werbeagenturen, wie er selbst sagte, stammende Thomas Kling verwendete auch aus medientechnischer Sicht das „Polylinguale“ und Gleichzeitige der verschiedenen Sprachschichten. Schon allein deshalb müsse man eigentlich, wie er mal forderte, „heute das 1879 ausgestorbene Tasmanisch wieder erfinden“. …
Auf die Frage „Was fehlt mit Thomas Kling?“ antwortet der Herausgeber des aktuellen Schreibhefts, Norbert Wehr: Es fehlt schmerzlich ein Dichter, der so dezidiert wie Kling an historischen Stoffen arbeitete. Es fehlt die Unbedingtheit und Frechheit von einem, der noch immer den Anspruch hatte, Avantgarde zu sein. Der an der Entwicklung von Dichtung und Sprache arbeitete. Der stets versuchte, die Mittel zu reflektieren und an einer bestimmten Tradition weiterzuarbeiten. Jemand wie Kling, der all das dezidiert tat, überzeugend. Bei vielen Autoren der Nachfolgegeneration sehe Wehr große Intelligenz und Begabungen. Aber er wisse oft nicht, warum sie schreiben und was sie umtreibe – ihm seien ihre Stoffe fremd. Doch einer wie Kling, der als Nachkriegskind immer an historischen Stoffen und Motiven brennend interessiert war – eine solch vergleichbare Option ist nicht zu entdecken.
Bei vielen Autoren fehle ganz einfach der Geschmack im Mund – und den hatte der Kling. / Cornelia Jentzsch, DLF
76. Ausgabe von „Schreibheft. Zeitschrift für Literatur“
„Das brennende Archiv“. Bislang Unveröffentlichtes oder zu Lebzeiten des Lyrikers Thomas Kling nur entlegen Publiziertes
Dieses Thomas Kling gewidmete Schreibheft wird im Suhrkamp-Verlag 2012 als Taschenbuch erscheinen
Von Thomas Kunst
ICH RISS DEN SCHEISSHAUSFLIEGEN AB UND ZU
Die Flügel raus, von wegen Starallüren,
Mein Wagen mit den aufklappbaren Türen:
Ein Cardinal Red Silver Shadow II.
Metallisch blau, die Tiere brummten, Schäden
Am Motor gab es keine, Matsch und Schnee.
Die Rallye über Sospel, Moulinet.
Die Männer angespannt, du kannst nicht jeden
Für die Strapazen dieser Tour gewinnen.
Ich konnte nie bei allzu langen Strecken
Die Fahrer wechseln, ohne Atempause
Erlebten sie die Landschaften von innen,
Die umgekippten Sessel unter Decken.
Wir hatten keine Teppiche zuhause.
(für Max Sessner)
Kauftipp: „Küchen und Züge“ (Droschl, 2005)
Was viele Griechen heute empfinden, hat der größte neugriechische Dichter, Konstantin Kavafis (1863-1933), mit prophetischer Präzision aufgeschrieben. Das 1928 geschriebene Gedicht „In einer großen griechischen Kolonie, 200 v. Chr.“ beginnt so:
Daß in der Kolonie nicht alles zum Besten steht,
Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel,
Obwohl wir Fortschritte machen.
Vielleicht, so meinen nicht wenige, ist die Zeit
Gekommen, einen politischen Reformer einzuladen.
Doch das Ärgerliche, das Schwierige dabei ist,
Daß diese Reformer soviel
Aufhebens um alles machen
(Schön wäre es, wenn wir
Sie nicht brauchten). Sie informieren sich
Bis in die kleinsten Einzelheiten, stellen Fragen,
Umd plötzlich entwerfen sie radikale Reformen,
Die sofort durchgeführt werden müssen.
Zudem sind sie geneigt, Opferbereitschaft zu empfehlen.“
(Konstantinos Kavafis: Das Gesamtwerk. Griechisch und Deutsch. Ü/Hg. Robert Elsie. Zürich: Ammann 1997, S. 237)
(Le Monde zitiert die Übersetzung von Dominique Grandmont, collection Poésie/Gallimard).
/ Alain Salles, Le Monde
(Das Gedicht von Kavafis endet so:
Vielleicht ist die Zeit noch nicht gekommen.
Handeln wir nicht überstürzt. Eile ist eine
Gefährliche Sache. Voreilige Maßnahmen bereut man nur.
Sicherlich läßt vieles in der Kolonie zu wünschen
Übrig, aber wo ist der Mensch, der vollkommen ist?
Und schließlich machen wir doch Fortschritte.)
Seit 21 Jahren erscheint im kleinen Verlag Pre-Textos, Valencia, einem der wenigen, die sich – bis jetzt noch – die Unabhängigkeit bewahren konnten, in regelmässigen Abständen das Tagebuch oder die «novela en marcha» (der Unterwegsroman) von Andrés Trapiello unter dem Gesamttitel «Salón de pasos perdidos». Trapiello (Jahrgang 1953) ist in Spanien auch als Lyriker und Romancier hoch angesehen; hierzuland ist er praktisch ein Unbekannter. Die ersten Bände erschienen mit einer bescheidenen Auflage von 1500 Exemplaren, inzwischen sind es 10 000, dazu Neuauflagen der älteren Bände und eine Taschenbuchausgabe bei Destino-bolsillo: Das «Wahnsinnsding» ist in Spanien zu einem Kultbuch unter den echten Liebhabern der Literatur geworden. / Hans-Jörg Neuschäfer, NZZ
SWR2 Forum Buch
Redaktion/Moderation: Uwe Kossack
hier zum Nachhören
darin:
Keiner weiß, woher Gedichte kommen
Katharina Schultens: gierstabil.
Gedichte.
Luxbooks
19,80 Euro
(Besprechung von Ulrich Rüdenauer – in der Sendung liest Katharina Schultens 3 Gedichte)
Die 1980 geborene Lyrikerin legt mit „gierstabil“ bereits ihren zweiten Gedichtband vor – nach „Aufbrüche“ (2004) ein radikaler Neuanfang. Schon der Titel deutet auf eines der fundamentalen Motive hin: „Gierstabilität“ bezeichnet den Umstand, daß sich ein Fahrzeug ohne weitere Einflußnahme geradeaus bewegt – zumindest tendenziell. Die Gedichte Katharina Schultens’ bewegen sich mit vehementer Sicherheit, unter Zuhilfenahme von allerlei Fachsprachen, durch die Gegenwart. Was aber nicht bedeutet, daß sie in sich nicht mehrere Achsen aufweisen, um sich kreisen, durcheinanderwirbeln würden. Das Besondere ist die Perspektive, durch die Kurs gehalten wird: Sie ist nämlich nicht stabil, es gibt etliche Wahrnehmungswechsel und -störungen, Dreh- und Kippmomente. Das Ich, von dem aus gesprochen wird, ist eben kein Absolutes – wie könnte es das auch sein. Das geht selbstverständlich bis hinein in die Reflexion der Uneindeutigkeit von Sprache selbst. Der Satz „die möglichkeit einer verwechslung bestünde jederzeit“ etwa inszeniert ein Spiel im Konjunktiv: Sie, die Konjunktive, greifen parallel auf vieles zu.
Denn weit draussen gegen das Münstertal zu, zwar unmittelbar an der Strasse, aber dennoch sehr einsam, wohnte er die letzten sechs Jahre seines Lebens. Er war viel unterwegs, schreiben aber mochte er nur zu Hause, wo seine Frau Monica die zu Versen geformten Gedanken aufzeichnen musste. «Schneenarben an den Felsen, / Wegzeichen wohin? Schriftzeichen, / nicht zu entziffern», so heisst es in «Todtmoos», einem der späten Gedichte.
«Schneenarben» und «Schriftzeichen» gibt es in Staufen freilich noch ganz anderer Art. Sie sind allerdings auch leichter zu entziffern. Im historischen Kern des Städtchens, rund ums Rathaus herum, sind die Häuser von Rissen gezeichnet, manche sind bloss einige Millimeter breit, andere klaffen furchterregend weit auf. / Roman Bucheli, NZZ
Er war ein populärer Dichter, vor allem dank seines Mundart-Zyklus „Wien wörtlich“, beherrschte aber auch die poetische Hochsprache eines Rilke oder Anton Wildgans. Seine Position im Nationalsozialismus – er pries Hitler – ist schon lange ein Stein des Anstoßes: Nun gibt es eine neue Debatte um Josef Weinheber (1892 bis 1945). Ein Denkmal im Schillerpark könnte entfernt, die Ehrenmitgliedschaft an der Kunstakademie aberkannt werden.
„Die Akademie der Verdrängenden Künste“ lautet der Titel eines Artikels in der jüdischen Zeitschrift „Nu“. Die Plattform für Geschichtspolitik, gebildet aus Studierenden und jungen Lehrenden, wirft der Akademie vor, sie habe, anders als andere Kulturinstitute (Museen, Nationalbibliothek), die Bewältigung der NS-Vergangenheit versäumt: Provenienzforschung, Rückgaben, Aberkennung von Ehrenmitgliedschaften aus dieser Zeit, etwa jene für Weinheber. „Die konkreten Vorwürfe: In der offiziellen Selbstdarstellung der Akademie wird die Nazi-Zeit unter den Tisch gekehrt. Im Besitz der Akademie befinden sich möglicherweise arisierte Objekte“, heißt es in dem „Nu“-Artikel. / Barbara Petsch, Die Presse
O-Ton Gott: „Wer Autos anzündet, der nimmt dabei übrigens in Kauf, dass unvorhergesehener Weise jemand verletzt werden könnte.“ Antwort Ahne: „Ick wees, Gott. Wer Autos fährt, nimmt dit, übrigens ooch in Kauf.“ – An anderen Stellen ist Gott überaus souverän. Er spricht sich für eine Frau als Papst aus und bleibt locker, wenn der Teufel ausgerechnet bei Facebook Christen added.
Ahne: „Unser Täglich Brot – Zwiegespräche mit Gott“ Volandt & Quist, 140 Seiten + CD, 14,90 Euro
Während sich andere Dichter auf „Raumerkundungen“ begeben oder den ständigen Dialog mit Ingeborg Bachmann suchen, schreibt Florian Voß über: Al-Jazira, radioaktive Trümmer, Voodoo und Zombies, über: Kerosinbrüste, Robbie Williams und „Billy the Kid“-Regale. Da ist eine Menge Gegenwart drin, inklusive der Gaga-Zeilen: „Call it windows, and call me Ahab / und gib mir Manna im Tetra Pak“.
Den Paul Celan-Anspielungstest besteht Florian Voß im ersten Gedicht und ein paar Seiten weiter kommt auch Rilke vor. Dazu gibt es ein Versprechen: „Auch du kannst eine Scream-Queen sein!“ Damit hat der Autor zwar noch nicht das Sonnett-Diplom bestanden. Aber: Er unterhält und seine Botox-Gedichte schlagen tatsächlich keine Falten.
Florian Voß: „Datenschatten, Datenströme, Staub“ Verlagshaus J. Frank, 80 Seiten, 13,90 Euro
/ Jan Drees, 1live
Siebenbürgisch hat nicht mehr so viele Sprecher, aber offenbar viele Varianten. „Brot“ hat in jedem Dorf einen anderen Vokal, lese ich:
Wie wir um das tägliche Brot beten.
Wenn einmal in Zeiten der Not – Gott behüte uns davor! – wir Siebenbürger Sachsen zusammen kämen und gemeinsam den lieben Gott um das tägliche Brot bitten würden, das gäbe bei aller Traurigkeit ein lustiges Konzert.
Zuerst würden, wie billig, die Städter einsetzen. Der Hermannstädter beginnt:
„As däjlich Brît gäw es hekt!“ Dem Schäßburger ist das nicht recht, er bittet um „det dâjlich Brît“,
der Mediascher dagegen um „det däjlich Brüut„. Nun kommt der Nösner und betet schwer und gewichtig: „Onser daijlich Brût gäf ons hait“, und zuletzt stimmt der Bartholomäer Kroner in das allgemeine Gebet ein, aber weil er zu spät kommt, verschluckt er sich und ruft nach dem täglichen „Brukt„.
Aber anders noch als die Städter beten die Bauern aus den verschiedenen Sachsengauen um das Brot.
Schon den „Umstädtern“ ist das Hermannstädter „Brît“ zu fein, sie verlangen derbere Kost.
Der Hammersdorfer will „Brüt„, der Schellenberger „Brîet„, der Großscheuerner wie der Hahnbächer „Briut„, der Kleinscheuerner „Briüt„, der Stolzenburger und Neudorfer „Bruit„.
Und so geht es nun den Harbach hinauf ins Agnethler und Schenker Gelände.
Der Agnethler, Schönberger, Schenker, alle beten sie um „det dâjlich Bruit„.
Im ganzen Mediascher Gelände aber bleibt man gern bei dem „Brüut“ der Stadt, wo nicht, wie in Großkopisch und Birthälm, ebenfalls das „Bruit“ hineinklingt. „Bruet“ wünscht der Zendrescher und Zuckmantler, „Bruit„, wie die meisten anderen Sachsen, der Repser, und gar die Burzenländer rufen, obgleich sie alle dasselbe schöne Korn bauen, einer immer anderes wie der andere, „Breout“ der Zeidner, „Bröut“ der Neustädter, „Brût“ der Marienburger, „Breit“ der Heldsdorfer, „Bruit“ der Brenndorfer, „Brat“ der Weidenbächer, „Briuet“ der Honigberger, „Brut“ der Tartlauer, „Brüt“ der Petersberger und Nußbächer, „Breüt“ der Rothbächer und endlich „Brüut“ der Schirkanyer.
Da höre ich aus dem Gewirre noch den Belleschdörfer heraus. „Breüt“ ruft er, der Busder „Bried„, der Deutsch-Piener „Brigd„, der Heltauer „Brîet„, der Martinsberger „Briuet„, der Nimescher „Brêüit„, der Prudner „Bruitch„, der Reichesdorfer „Breöüt„, der Seligstädter „Brutch„.
So klänge es durcheinander im fröhlichen Bittkonzert.
Und Gott hat uns das Brot noch nie versagt, wie immer wir darum gebeten haben.
Adolf Schullerus: Wie wir um das tägliche Brot beten
Entnommen aus: Deutsches Lesebuch für Mittelschulen in Rumänien, Hermannstadt 1935
Die Veranstalter des Erlanger Poetenfestes geraten wegen der Zusammenarbeit mit dem Atomkonzern Areva zunehmend in die Kritik von Literaturfreunden. Um künftig auf die Unterstützung des Unternehmens verzichten zu können, haben sie bundesweit zu einem „Bürger-Sponsoring“ aufgerufen. Das Poetenfest gilt als wichtiger Literaturtreff vor der Frankfurter Buchmesse.
Ein Sprecher der Initiative „Poesie ohne Uranstaub“ betonte am Freitag, wenn genügend Bürger für das Fest spendeten, könnte das Festival im kommenden Jahr ohne die 15.000 Euro von der Areva auskommen. Bis zum Freitag seien knapp 7.000 Euro auf einem Treuhandkonto eingegangen. „Wir gehen davon aus, dass wir bis zum Herbst ausreichend Geld zusammenbekommen.“ / Die Welt
Ich möchte hier die aussterbende Berufsgruppe der Lyriker, zu der ich auch gehöre, ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Wenn ich nicht gerade mit meiner Kolumne befasst bin, in der ich äußerst tiefschürfende Kommentare zu allem und jeden anbringe, schreibe ich Gedichte. Gedichte sind etwas Wunderbares!
Ich meine jetzt nicht die sinn- und wahllose Aneinanderreihung von Worten, die man in den neuen, unverständlichen Gedichten vorfindet. Bei diesen Gedichten ergeht es mir so, wie in der modernen Malerei, die von der Kritik hochgelobt wird, und bei mir den Anschein erweckt, der Maler hätte sich geradewegs auf seine Leinwand erbrochen, sie in einen Rahmen gespannt und das Machwerk als Kunst verkauft. …
Die meinen sind für jedermann verständlich und verkaufen sich dadurch natürlich schlecht. / anon., ngo-online Internet-Zeitung
Es war ein langsamer und zäher Aufbruch, den Yushidj, der „Vater der modernen iranischen Lyrik“, und eine Handvoll weitere Dichter damals anstießen, und es dauerte noch einmal gute zwanzig Jahre, bis sie erste Erfolge verzeichnen konnten. Zwar tobte der Feuilletonkrieg zwischen Traditionalisten und Modernisierern weiter, aber die Modernisierer gewannen die Leser zunehmend für sich. Sie lösten die Lyrik aus den starren traditionellen Formen, verzichteten zunehmend auf den Reim, führten erstmals die Alltagssprache in die Dichtung ein und erneuerten auch die Metaphernwelt, die bis dahin zumeist mittelalterlichen Motiven verpflichtet gewesen war. …
„Neun Gärten der Liebe“ versammelt die wichtigsten Vertreter dieser Modernisierung. Nima Yushidj, Ahmad Shamlou, Sohrab Sepehri, Mehdi Akhawan-Sales, Siavash Kasrai, Nader Naderpour, Fereidoun Moshiri, als einzige Frau selbstverständlich Forough Farrokhsad und, vielleicht die einzige Überraschung in dieser Auswahl, Geyssar Aminpour, der leider heute noch viel zu selten in einem Atemzug mit den anderen Größen genannt wird, obwohl er ihnen ebenbürtig war. / Gerrit Wustmann, Cineastentreff
„Neun Gärten der Liebe. Zeitgenössische persische Liebesgedichte“, Hrsg. Gorji Marzban, Mehrzad Hamzelo, Rudolf Kraus, Edition Roesner, Wien 2011
Neueste Kommentare