2007 erschien im kleinen Wiener Verlag Edition Korrespondenzen ein Gedichtband, der die ganze Vorstellung über die Lyrik der Leningrader Katastrophe revolutionierte. «Blockade» entstammte der Feder von Gennadi Gor, der Entdecker war der Übersetzer Peter Urban, der sich zunächst der Kurzprosa zugewandt hatte. Der von Urban zweisprachig herausgegebene Band war nicht nur eine deutsche, sondern auch eine russische Erstveröffentlichung. Gor (1907–1981) war in den sechziger und siebziger Jahren ein bekannter und beliebter Science-Fiction-Autor. Seine frühere experimentelle Prosa kannten nur wenige, und von seinen Gedichten wusste niemand.
«Edgar Poes unsinniges Lächeln, / Cervantes mit unsichrem Gang, / Nutzlos, doch golden ein Fischlein / Ein höchst gefährlicher Fang. / Mich töten wird man, weiss ich, an einem Montag / Und liegen lassen wo der Waschtisch ist. / Und waschen wird sich dort mein Häscher / Und wundern dort wo man sich küsst, / Und lächeln, während er sich wäscht.» Aus solchen Zeilen spricht das absolute Entsetzen – vor dem Erfrieren, vor dem Verhungern, vor dem Gefressen-Werden, buchstäblich, von einem, der zum Kannibalen wird. In Gors Gedichten verwandelt sich der Kannibalismus in eine schaurige Metapher, sie wird zum Leitmotiv der Blockade-Existenz. Viel wichtiger aber ist, dass diese Gedichte das Chaos und die Erstarrung der Zeit in der Hölle der Blockade wiedergeben, und dies in ständigem Dialog mit dem eigenen Tod. Was Gors Gedichte zu einem Ereignis im russischen Literaturleben macht: Es hat sich herausgestellt, dass die von der Doktrin des sozialistischen Realismus verpönte Sprache der Leningrader Avantgarde die einzige dichterische Sprache war, die dem existenziellen Ausnahmezustand gewachsen war. Fast scheint es, als ob die «seltsamen Dichter» der dreissiger Jahre, Daniil Charms (während der Blockade im Gefängnisspital verhungert), Alexander Wwedenski (beim Gefangenentransport erschossen) und Nikolai Sabolotski (damals im Arbeitslager), ihre Sprache, ihre poetische Imagination und ihren komplexen Zeitbegriff in Vorahnung der Blockade entwickelt hätten. …
Eine weitere Entdeckung ist die 2011 in Moskau erschienene Gedichtsammlung von Pawel Salzmann (1912–1985), einem Maler und Grafiker und Schüler von Pawel Filonow 1883–1941), dem im ersten Blockade-Winter ums Leben gekommenen Klassiker der russischen Kunst-Avantgarde. / Oleg Jurjew, NZZ 3.9.
In der NZZ schreibt Oleg Jurjew über das Leben und Sterben in der Hölle des belagerten Leningrad.
Selbstverständlich wurde in der Hölle viel Literatur produziert! Die meisten der Schriftsteller, die in der Stadt geblieben waren (viele waren ins Landesinnere evakuiert worden), wurden mobilisiert und den Armeezeitungen oder dem Rundfunk zugeteilt. Dieser war das für einfache Blockade-Menschen relevante Medium. Das Radio sendete nicht nur Nachrichten, Musik und Reden der kommunistischen Parteiführer, sondern auch Gedichte und Reportagen. Einige Lyriker, die ihre Gedichte im Leningrader Rundfunk vorlasen, wurden unglaublich populär. Man könnte sich an Olga Bergholz (1910–1975) erinnern, die in den dreissiger Jahren als linientreue junge Lyrikerin viel Schlimmes anrichtete, etwa Kollegen in der Presse beschuldigte, «feindliche Spione» zu sein. Das konnte indes ihre eigene Verhaftung 1938 nicht verhindern. Ihr Mann, der Lyriker Boris Kornilow, wurde hingerichtet; gepeinigt bei Verhören, verlor sie ihr ungeborenes Kind. 1939 vom NKWD freigelassen und rehabilitiert, trat Bergholz der Partei bei und setzte ihre Karriere fort. Während der Blockade wurde sie für von grosser emotionaler Stärke geprägte Gedichte wie eine Heilige verehrt, was sie nach dem Krieg unantastbar machte. Sie trank viel und war durch ihr loses Mundwerk stadtbekannt. Einmal lud man sie in die KGB-Zentrale im Litejnyi Prospekt ein, als Ehrengast, damit sie ihre Gedichte vortrüge. Sie kam, schon angetrunken, und fragte, noch bevor sie ihren Mantel ablegte: «Los, Leute, zeigt mir, wo ihr derzeit foltert!»
Die Gedichte von Bergholz kann man, wie auch viele andere Werke, die während der Blockade verfasst wurden, allerdings kaum Dichtung der Blockade nennen. Es sind Gedichte (und auch Prosastücke) über die Blockade, Texte, die versuchen, etwas Rationales ins Unbegreifliche der Gegenwart zu bringen, Menschen Mut zu machen und Halt zu geben. In diesem Sinne ähneln sich zum Durchhalten aufrufende Gedichte der Rundfunk-Dichter und leise, verzweifelte «Privatbeschreibungen» des Blockade-Alltags. Nehmen wir etwa ein Gedicht von Natalia Krandijewskaja-Tolstaja (1888–1963), einer Lyrikerin und zeitweisen Frau des berühmten sowjetischen Romanciers Alexei Tolstoi. Es erzählt, wie Menschen mit Eimern das Wasser aus den Flüssen und Kanälen holten: «Lass uns den Eimer am Kinderschlitten festbinden, / und Wasser holen fahren / – hinter der Brücke gibt es einen steilen Hügel, / Vorsicht beim Abstieg . . . (. . .) Das Schneegestöber kreiselt über der Newa, / in weissen Federn, im Silber, / mit dem Wasserholen war es genau so / vor 200 Jahren, zur Zeit des Zaren Peter . . . » Wir sehen, dass hier mittels Verweis auf die Geschichte ein Rationalisierungsversuch unternommen wird. Solche Gedichte von Krandijewskaja sowie ihr Blockade-Tagebuch wurden zu ihren Lebzeiten nicht veröffentlicht – sie galten als zu privat, zu unheroisch.
Ernst Meister gehört zu den bedeutendsten Lyrikern nach dem 2. Weltkrieg. Heute wäre dieser Dichter 100 Jahre alt geworden.
Die Lesung, die auf MetaPhon zu hören ist, wurde in einer Reihe präsentiert, die Doris und Hans-Werner Gey in ihrer Galerie in den 1970-ern in Hagen veranstalteten. Weiter Informationen zum Kooperationspartner unter: www.lyrikwelt.de (Autoren / Meister).
MetaPhon: http://www.vordenker.de/meister/audio/Ernst%20Meister_1978_04_28.mp3
Frauen und Männern, die Dix heißen, ist sie im Moment auf der Spur. Doch interessiert sie sich nicht in erster Linie für den Maler mit dem Vornamen Otto, dessen 120. Geburtstag Anfang Dezember die Kunstwelt feiert. Annerose Kirchner interessiert sich für Menschen in Gera und Umgebung und die Frage, wie sie mit diesem berühmten Nachnamen leben.
Das aktuelle Reportage-Projekt ist ein bisschen Schuld, dass die Lyrikerin nicht mit dem Gedichtband fertig geworden ist, den sie sich zum 60. Geburtstag schenken wollte. Zwar war sie in letzter Zeit in vielen neuen Anthologien vertreten, aber die Erscheinungsjahre ihrer Lyrikbände 1991, 2001 zeigen, sie erblickten die letzten Jahrzehnte synchron mit den runden Geburtstagen der Dichterin das Licht der Öffentlichkeit. 2011 nun also nicht.
Erscheinen werden die neuen Gedichte erst im kommenden Jahr. …
Es ist der Weimarer Dichter Wulf Kirsten, der das Talent der jungen Frau entdeckt, die inzwischen Steno-Phonotypistin gelernt hat und beim „Freien Wort“ in Suhl arbeitet. Wulf Kirsten wird ihr Mentor und bleibt es bis heute. / Angelika Bohn, Ostthüringer Zeitung 2.9.
Wie aus mythischer Ferne weht dieser hohe Ton heran, diese dunkle Beschwörung metaphysischer Elementarwörter. In philosophischer Eindringlichkeit fragt der Dichter Ernst Meister nach den Verankerungen unserer Existenz. Bereits in seinem allerersten Gedicht, das 1932 sein Debütbuch „Ausstellung“ eröffnete, gerät das lyrische Ich vor einen Abgrund aus Angst: „Im Nichts hausen die Fragen. / Im Nichts sind die Pupillen groß.“
Wie viele moderne Lyriker, die in den 1930er Jahren zu schreiben begannen, ist auch die Poesie Meisters aus intensiver Heidegger-Lektüre entstanden. Der „Gedanke an Sein überhaupt“ und die Reflexion über das Verhältnis von Dichten und Denken haben ihn zeitlebens nicht losgelassen. …
Für sein literarisches Nachleben hat lange Jahre mit Leidenschaft der Aachener Rimbaud Verlag gesorgt. Bei Wallstein ist zum 100. Geburtstag eine akribisch kommentierte Werkausgabe in fünf Bänden erschienen, die nicht nur den Ansprüchen einer historisch-kritischen Edition gerecht wird, sondern auch die Fama vom „weltfernen Hermetiker“ auflöst. In Ernst Meisters Poesie, so wunderbar hat es Born gesagt, findet man „Zeichen für das Noch-Nicht-Totsein, für die Hoffnung und Behauptung, daß Leben sei, Gesang, und sei es auch ein Gesang ohne Grund.“ / Michael Braun, Badische Zeitung 3.9.
Die Gruppe 47, der zu Meisters Zeit tonangebende Literaten-Kreis, hat den westfälischen Lyriker nie eingeladen. «Kein Wunder, er hat die Gruppe schließlich als lyrischen Affenmarkt bezeichnet und scharf kritisiert», weiß Gellhaus. / Sabine Rother, Aachener Zeitung 31.8.
„Wir sind die Welt gewöhnt. Wir haben die Welt lieb wie uns. Würde Welt plötzlich anders, wir weinten. Im Nichts hausen die Fragen. Im Nichts sind die Pupillen groß. Wenn Nichts wäre, o wir schliefen jetzt nicht, und der kommende Traum sänke zu Tode unter blöden Riesenstein.“
Das Gedicht „Monolog des Menschen“ steht in dem 1932 erschienenen Band „Ausstellung“, mit dem der 21-Jährige debütierte. Ein Kritiker der „Vossischen Zeitung“ sah in dem Buch den „gewiss nicht frivolen Versuch, Lyrik nach einer Jean Paulschen Anweisung ‚aus dem Leeren‘ zu schöpfen.“ / Christian Linder, DLR
Mehr: Ulf Heise, Märkische Allgemeine / WAZ / Münsterländische Volkszeitung
Der mit 5500 Euro dotierte Roswitha-Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin Olga Martynova.
‚Gewürdigt wird eine in zwei Sprachen (Deutsch, Russisch) schreibende Kosmopolitin, deren Musikalität, deren Witz und deren beeindruckende Bildung unsere Literaturgesellschaft bereichern‘, heißt es in der Entscheidung der Jury. / Süddeutsche 29.8.
Der Roswitha-Preis ist der älteste deutschsprachige Literaturpreis, der ausschließlich an Frauen vergeben wird. Gewürdigt wird damit eine herausragende literarische Einzelleistung einer in Europa lebenden und tätigen Schriftstellerin. Das Werk kann allen Bereichen literarischen Schaffens angehören.
Der Roswitha-Preis wurde von 1973 bis 1996 jährlich als Roswitha-Gedenkmedaille vergeben von der Stadt Bad Gandersheim. 1998 wurde er zur heutigen Bezeichnung umbenannt und ist seither mit 5.500 Euro dotiert. Die Auszeichnung ist nach der ersten deutschen Dichterin Roswitha von Gandersheim benannt. / Wikipedia
Ungeachtet der Proteste, die Äußerungen von Adonis zur Lage in Syrien in der arabischen Welt verursacht hatten, erhielt der 1930 in der Nähe der Küstenstadt Latakia geborene Dichter am vergangenen Sonntag den Frankfurter Goethe-Preis – einer von vielen arabischen Literaten, die mit dem demokratischen Aufbruch in ihrer Weltregion ausgezeichnet werden. Neben dem Goethe-Preis für Adonis ist im September der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis in Osnabrück für Tahar Ben Jelloun zu verzeichnen, im Oktober der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Boualem Sansal und im November der Hermann-Kesten-Preis für den ägyptischen Verleger Mohammed Hashim. Fehlt nur noch der Literaturnobelpreis. Auch dafür ist Adonis ein Kandidat.
Als Dichter und Vorreiter der literarischen Moderne in der arabischen Welt hätte er ihn zweifellos verdient – ist aber das Jahr 2011 der beste Zeitpunkt dafür? …
Der entscheidende Unterschied zwischen Adonis und den säkular und emanzipatorisch orientierten Kräften in Nordafrika ist nicht inhaltlicher Natur, sondern beruht auf einem irritierenden Timing. Adonis äußert seine Vorbehalte gegen die Protestierenden, während diese erschossen und eingeschüchtert werden, bevor sie ihre Ansichten überhaupt richtig äußern können. Und es mutet eigenartig an, die Verbesserung der Verhältnisse nicht mit der Abschaffung des ersten und offensichtlichsten Übels beginnen zu wollen, nämlich der Diktatur, sondern sie an Bedingungen zu knüpfen und den Unterdrückten zunächst einmal die rechte, und das heißt in diesem Fall die westlich-laizistische Gesinnung, vorschreiben zu wollen.
Diese herablassende Skepsis gegenüber den Revolutionen ist aber nicht nur die von Adonis und anderen abgehobenen, sich in Maximalforderungen gefallenden Intellektuellen, sondern sie ist auch in Europa weit verbreitet, ja sie bildete bis weit in den arabischen Frühling hinein die Grundlage der offiziellen westlichen Politik. / Stefan Weidner, Süddeutsche Zeitung 29.8.
Es geht Katharina Schultens ganz offenkundig nicht mehr um die Entbindung des romantischen Zauberworts, sondern um die kühle Beobachtung von Strukturen. „Das künstlerische Material muss kalt gehalten werden“, hat einst Gottfried Benn dekretiert. Katharina Schultens hat diese Devise beherzigt. Wir lesen die Gedichte einer Autorin, die ihrem Gedichtband demonstrativ den Titel „gierstabil“ gibt – und damit auf einen Terminus aus der Kinematik und Fahrzeugtechnik zurückgreift, der bestimmte Steuerungstendenzen diverser Land- und Luft-Fahrzeuge bezeichnet. Und natürlich schwingt in dem rein technischen Begriff „gierstabil“ auch noch die assoziation zu „gier“ und damit die Konnotation eines heftigen emotionellen Geschehens mit. Aber just diese Verbindung von multiplen technoiden Strukturen und Körperelementen, von physikalisch-biomechanischen Modi und traditionellen Natur- und Nähe-Metaphern gehört zu den Eigenheiten von Katharina Schultens‘ Dichtkunst. Ihr Debütband „Aufbrüche“ hatte 2004 noch auf die Mobilisierung einer expressionistischen Sprache und die Evokation einer traditionellen Stimmungslyrik vertraut. In „gierstabil“ kommt nun ein ganz anderes Ich zu Wort, ein un-sentimentales, analytisch beobachtendes, ganz in die prozesshaften Abläufe und technisch-wissenschaftlichen Komplexitäten unserer Gegenwart vertieftes und sachlich registrierendes Ich. / Michael Braun, Poetenladen
Es gibt viele Momente, in denen genau dieses Dazwischen die eigentliche Vielfalt von »gierstabil« darstellt. Zeilen wie: »ich wispere ach / wissen sie – vielleicht bin ich das innere / des aktenschranks wenn er schließt« sind reflektiert und eingängig, intelligent und ästhetisch wertvoll. Der exzessive Gebrauch von &-Zeichen und Bindestrichen bringt den Fluß der Verse häufig ins Stocken. Das ist bei der elegant durchrhythmisierten Sprache ähnlich überflüssig wie die ironische Distanzierung vom Englischen. Diese wird als Fremdkörper hineinmontiert, tritt manchmal jedoch ein Verwirrspiel der Bedeutungen los. Und noch eine Form von übermotivierter Distanzierung zieht sich durch die Gedichte: Das »ich denkt«, »ist gewesen« und so fort. Natürlich wird ein Autor gerne mit seinen Ichs verwechselt, viel lieber vielleicht noch eine Autorin. Schultens’ Texte jedoch sprechen bereits aus sich heraus mit einer festen und faszinierenden Mehrzahl von Stimmen.
»wieso geht das nicht in unserer sprache. / wo haben die das gelassen? das: pathos?« – wo auch immer »die« das Pathos gelassen haben mögen: Man kann ihm zusehen, wie es sich neu erfindet und in die Gedichte einfügt, ohne peinlich zu sein. Manchmal sogar mit humoristischer Spitze: Im Kapitel »single in pivot«, wird von einem »er« berichtet, der »aus nächtlicher routine direkt in einen schoß« stolpert.
Schultens’ Verse bleiben haften, ohne klebrig zu sein. So oft sie auch überfordern, so oft fordern sie zum Nachdenken heraus. Diese Lyrik ist noch auf dem Weg begriffen, entwickelt sich aber unaufhörlich fort. Wie ein Fahrzeug, das sich ohne weiteres Eingreifen von außen geradeaus bewegt. Das ist ja schließlich auch die Definition des Begriffes Gierstabilität. Einen besseren Titel hätte der Band nicht haben können. / Kristoffer Cornils, junge Welt 1.9.
Katharina Schultens: gierstabil – Gedichte. Luxbooks, Wiesbaden 2011, 72 Seiten, 19,80 Euro
Ernst Meister gehört zu jenen Autoren, die ein bedeutendes Werk vorgelegt haben, doch nie einem größeren Publikum bekannt wurden. Seine Gedichte galten als „hermetisch“, unverständlich, was einem Autor, wenn er nicht gerade Paul Celan hieß, kaum Leser und Ruhm bescherte.
Erst wenige Jahre vor seinem Tod wurde Meister im Literaturbetrieb registriert. Nicholas Born und Peter Handke sorgten dafür, dass er den Petrarca-Preis bekam. Im Herbst 1979 erhielt er den Büchner-Preis; Meister konnte ihn nicht mehr entgegen nehmen, er starb kurz zuvor. Bald darauf waren Autor und Werk vergessen. …
Im Rimbaud Verlag erschienen später Neuausgaben seiner Werke; da der Verlag nicht dafür warb, leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Am 3. September wäre Meister 100 Jahre geworden. Höchste Zeit, an ihn zu erinnern und noch einmal zu schauen, wie das ist mit der „Hermetik“ seiner Lyrik. Gerade hat Peter Handke bei Suhrkamp eine schöne kleine, bewusst subjektive Auswahl herausgegeben. Sie heißt schlicht „Ernst Meister: Gedichte“. Und bei Wallstein haben sich der Germanist Axel Gellhaus und seine Mitarbeiter das gesamte lyrische Textgebirge Meisters vorgenommen. Herausgekommen ist eine imposante über 2000-seitige textkritische und kommentierte Ausgabe. / Matthias Kußmann, DLF
Ernst Meister: Gedichte. Textkritische und kommentierte Ausgabe. Wallstein Verlag, fünf Bände, 2440 Seiten, 198 Euro
Ernst Meister: Gedichte. Ausgewählt von Peter Handke. Suhrkamp Verlag, 150 Seiten, 13,90 Euro
Kate Middleton, geboren in Canberra und aufgewachsen in Melbourne, wurde diese Woche in Sydney zur ersten City-Poetin ernannt. Für die damit verbundenen $20,000 soll sie 6 „ekphrastische“ Gedichte schreiben, die von bekannten Künstlern gestaltet werden. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und meint eine Art schriftliche Repräsentation visueller Kunst dar.
Im Lauf des nächsten Jahres wird sie sechs neue Gedichte vorstellen, jeweils bei einer öffentlichen Veranstaltung in Verbindung mit einem Kunstwerk oder Künstler. / Erin O’Dwyer, Sydney Morning Herald
(Der Artikel hat eine unübersetzbare Überschrift: „Great artists take a turn for the verse“)
HOLOCAUST survivor Jacob Rosenberg was a poet, author and storyteller who died in October 2008, aged 86.
After years of writing poetry and prose in Yiddish, Rosenberg wanted to reach a wider audience and started writing in English.
His first book of poems in English was My Father’s Silence, published in 1994. After publishing two more collections of poetry, he wrote a book of short fiction, Lives and Embers (2003), his memoirs East of Time (2005) and Sunrise West (2007), and a novel, The Hollow Tree (2008).
Now some of Australia’s leading writers are paying tribute to Rosenberg in a new book being launched last week in Melbourne, titled Singing For All He’s Worth. …
Rosenberg was born in Poland in 1922 and went to a state school until his formal education was cut short by the Nazi invasion.
The Rosenberg family was confined to the Lodz ghetto until August 1944, when they were transported to Auschwitz. Rosenberg spent two months in Auschwitz and the rest of the war in other camps – he was the only member of his family to survive. / jewishnews.net.au
Durch das Künstlerinnen-Projekt „Licht und Schatten“ und die Fotoausstellung einer Kollegin über das Konzentrationslager Ravensbrück wurde sie auf Jelisaweta Kusmina-Karavajewa aufmerksam: Eine Russin, die als erste Frau in Sankt Petersburg Theologie studiert und nach der Oktoberrevolution ihr Land verlassen hatte, in Paris Nonne geworden war, jüdische Flüchtlinge vor der Deportation zu retten versuchte und schließlich ihrerseits ins KZ geriet, wo sie 1945 den Gastod erlitt. „Skythische Scherben“ heißt ihr Gedichtband aus dem Jahre 1912, der die damals 21-Jährige in die Kreise von Anna Achmatowa und Ossip Mandelstam führte und Jahrzehnte später auch Ines Baumgartl faszinierte. Ihre Nachdichtung wird mit einem Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg gefördert. Sprachklang und -melodie sind ihr dabei wichtig, ebenso wie bei ihren eigenen Gedichten (2009 erschien im Stralsunder Mückenschweinverlag ihr Debütband „Seerettungsamt“, der nächste trägt den Arbeitstitel „Ausflüge ins Perfekt“) und bei ihrer zweiten „Entdeckung“ Juri Vella, der dem Volk der Nenzen angehört. Ihm begegnete sie bei einer Sibirienreise 2008. Seine Gedichte waren zwar in russischer Nachdichtung zugänglich; Ines Baumgartl indes begeisterte sich für die Melodik des nenzischen Originals. Sie brachte sich Tonbandaufnahmen mit, um diesen Klang nachzuempfinden: „Das ist ein richtiger Trommelrhythmus, das Russische wirkt da viel zu prosaisch.“ / Susanne Schulz, Nordkurier
Geldregen für junge Dichter:
$75,000 in prizes awarded to five young poets
CHICAGO — The Poetry Foundation and Poetry magazine are pleased to announce the five recipients of 2011 Ruth Lilly Fellowships: Olivia Clare, T. Zachary Cotler, Farnoosh Fathi, Alison Seay, and Marcus Wicker. Among the largest awards offered to aspiring poets in the United States, the $15,000 scholarship prize is intended to encourage the further study and writing of poetry.
The editors of Poetry magazine selected the winning manuscripts from more than 1,000 submissions. In announcing the winners, Poetry senior editor Don Share said, “Each year the competition grows larger—and stronger. We’re extremely pleased that the 2011 Ruth Lilly Fellowships will recognize this diverse and talented group of younger poets.” Editor Christian Wiman added, “The subjects and aesthetics of these writers are as various as their backgrounds, but there are two qualities they all share: excellence and promise. You’ll be hearing a lot from these writers in the years to come.”
Olivia Clare was born in New York and raised in Louisiana. She received a BA from UC Berkeley and an MFA from the Iowa Writers’ Workshop. Her work has appeared in Southern Review,London Magazine, Poetry, FIELD, and other journals.
T. Zachary Cotler was born in Passaic, New Jersey, in 1981. He received a BA from Cornell University and an MFA from the Iowa Writers’ Workshop. His first collection of poems is House with a Dark Sky Roof (2011), and he has just completed the novel Ghost at the Loom. His poems have appeared in Poetry, The Paris Review, Narrative, and elsewhere. He is a founding editor of The Winter Anthology.
Farnoosh Fathi was born in 1981 in Lafayette, Louisiana, to Iranian parents and raised in California. She has a master’s degree from New York University and a PhD in creative writing and literature from the University of Houston. Her poems, translations, and prose have appeared in Tin House, Boston Review, Fence, Circumference, Jacket2, The Brooklyn Rail, and elsewhere.
Allison Seay was born in Richmond, Virginia, in 1980. She earned a BA from Mary Washington College (now University of Mary Washington) and an MFA from the University of North Carolina at Greensboro, where she later worked as assistant director of the MFA program and associate editor of The Greensboro Review. Her writing has been published in such journals as The Southern Review and Pleiades, among others.
Marcus Wicker was born in 1984 in Ann Arbor, Michigan. He received a BA from Western Michigan University and an MFA from Indiana University. A recipient of fellowships from Cave Canem and the Fine Arts Work Center, he has published poems in Poetry,Beloit, Crab Orchard Review, and elsewhere.
These five emerging voices will be featured in Poetry magazine’s November issue and on www.poetryfoundation.org.
The Ruth Lilly Poetry Fellowship program is organized and administered by the Poetry Foundation in Chicago, publisher ofPoetry magazine.
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About the Ruth Lilly Poetry Fellowship Program
Established in 1989 by Ruth Lilly to encourage the further writing and study of poetry, the Ruth Lilly Poetry Fellowship program has dramatically expanded since its inception. Until 1995, university writing programs nationwide each nominated one student poet for a single fellowship; from 1996 until 2007, two fellowships were awarded. In 2008 the competition was opened to all U.S. poets between 21 and 31 years of age, and the number of fellowships increased to five, totaling $75,000.
About Poetry
Founded in Chicago by Harriet Monroe in 1912, Poetry is the oldest monthly devoted to verse in the English-speaking world. Monroe’s “Open Door” policy, set forth in Volume 1 of the magazine, remains the most succinct statement of Poetry ’s mission: to print the best poetry written today, in whatever style, genre, or approach. The magazine established its reputation early by publishing the first important poems of T.S. Eliot, Ezra Pound, Marianne Moore, Wallace Stevens, H.D., William Carlos Williams, Carl Sandburg, and other now-classic authors. In succeeding decades it has presented—often for the first time—works by virtually every major contemporary poet.
About the Poetry Foundation
The Poetry Foundation, publisher of Poetry magazine, is an independent literary organization committed to a vigorous presence for poetry in our culture. It exists to discover and celebrate the best poetry and to place it before the largest possible audience. The Poetry Foundation seeks to be a leader in shaping a receptive climate for poetry by developing new audiences, creating new avenues for delivery, and encouraging new kinds of poetry through innovative literary prizes and programs. For more information, please visit www.poetryfoundation.org.
Das Lyrik Kabinett beginnt die Saison mit einer internationalen Dichterlesung, für die verschiedene Ländervertretungen Münchens zusammenarbeiten und die unter dem Titel „Nachsommer der Dichter“ namhafte Dichter aus fünf Ländern zusammenführt. Es lesen Nanni Balestrini aus Italien, Nora Gomringer als Schweizerin, Ryszard Krynicki für Polen), Petr Halmay für Tschechien und Daniela Seel aus Deutschland. Die Moderation wird Christian Döring übernehmen. Die Lesung findet am Dienstag, den 13. September 2011, um 18.45 Uhr im Schweizer Haus, Leopoldstr. 33 statt. Nach der Lesung lädt Feinkost Farnetani zu einem Empfang ein.
Außerdem findet am Dienstag, den 22. September, nemo, das literarische Rätsel von Bayern 2, wieder live im Lyrik Kabinett statt. Diese öffentliche Präsentation des Rätsels fand beim letzten Mal den hellsten Zuspruch des begeisterten Publikums. Sie wird moderiert von Antonio Pellegrino; diesmal besteht das Rateteam neben Elisabeth Tworek und Andreas Trojan aus Cora Stephan.
… er vor allem, der uns von unseren Nirvana– und Beatnik-Trips Mitte der siebziger Jahre, Schopenhauer, Stirner … in die Schichtungen der Gegenwart, die Gegenwart von Tagebaurevieren, Kellern, aufgelassenen Flächen, Fabrikhallen … zurückgebracht hat. In eine Gegenwart, aus deren Nährböden, Mitgift er das Wesentliche bezog, das, was seine Existenz bestimmte, aus den Nährböden, Nährlösungen, unverhohlen unterwegs im Tagebruch … Während wir noch darüber spekuliert hatten, ob es nicht eher von Nachteil, ortbar zu sein, in dieser Zeit, wir uns an Vorbildern aus Bauernkrieg oder Vormärz orientierten, an Gestalten, die sich mittels wechselnder Identitäten dem drohenden Zugriff der Häscher zu entziehen gewußt … Was nicht Hilbigs Sache war, auch wenn er, vor allem in den Geschichten und kurzen Erzählungen, die ich in jenen Jahren kennenlernte, zuweilen spielerisch mit dem eigenen literarischen Ich umzugehen pflegte, mit einem Ich, das doch unverkennbar das seine war … Hatte uns herausgerissen aus dem Nichts mittels seiner Texte, die schwer von dieser rauchhaltigen Luft, dem Gas und der Geschichte von Ablagerungen. / Jayne-Ann Igel, Freitag.blog
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