BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I like birds, and poems about birds, and several years ago I co-edited an anthology of bird poems called The Poets Guide to the Birds. I wish Judith Harris had written this lovely description of a mockingbird in time for us to include it, but it’s brand new. Harris lives in Washington, D.C.
Mockingbird
I can hear him,
now, even in darkness,
a trickster under the moon,
bristling his feathers,
sounding as merry
as a man whistling in a straw hat,
or a squeaky gate
to the playground, left ajar
or the jingling of a star,
having wandered too far
from the pasture.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright © 2010 by Judith Harris, whose most recent book of poetry is The Bad Secret, Louisiana State University Press, 2006. Poem reprinted from Narrative, Summer, 2011, by permission of Judith Harris. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Die Isländer finden in rauer Welt im Wiederholen ihrer Dichtung kontemplativen Frieden. Und immer gilt, ein Dichter ist ein Dichter, auch wenn er sein Glück „im Hering“ suchen muss, wie der Ich-Erzähler im Roman „Islands Adel“ von Thórbergur Thórdarson. Ein Gedicht von diesem Thórbergur kommt auf die Titelseite eines Reykjavíker Magazins, und schon gehört er zum Adel. Denn bei Anbruch der modernen Zeit am Weltrand, der Roman spielt 1912, zeigt sich „Islands Adel“ als vagabundierender Literatenhof. Das unwirtliche Land hat zu dieser Zeit kaum hunderttausend Einwohner, aber eine dichtende Boheme, aufsässig wie die Künstlermilieus im fernen Europa, selbstgewiss bei jedem Wetter. Bei Geldmangel geht man klaglos zur Heringsverarbeitung, lebt von einer Saison zur anderen. Der Hering bleibt die Antithese zur Literatur, aber alle leben von ihm. … Die Bohemiens flanieren „in lyrischer Verzücktheit“ durch den nordisländischen Heringsort Akureyri, deklamieren mit „tränenerstickter Stimme“, um bald wieder aus „elysischen Höhen in die stinkende Wirklichkeit“ zu fallen. / Jürgen Verdofsky, Badische Zeitung 8.10.
Es ist wohl einfach so, dass sich die wahren und entscheidenden Gründe für die Wirkung dieses Gedichts (und manch anderer) nicht ordentlich analytisch erfassen, beschreiben, benennen lassen, ein Sachverhalt, den Gerhard Falkner (im Nachwort zu Falbs Band „die räumung dieser parks“, 2003) sehr klar formuliert hat: Es ist „diese Klippe auf das Unverständliche hinaus, (der) echte Poesie ihre seltsam berauschende Wirkung verdankt“.
Natürlich stehen die Falbschen Biotope nicht völlig isoliert in der lyrischen Landschaft. In mancher Hinsicht ähnliche Gedichte schreibt der US-amerikanische Lyriker Ben Lerner (*1979, „The Lichtenberg Figures“, deutsche Ausgabe 2011). „Mein Hybridstil hat sich zu einem eigenen Genre entwickelt“, heißt es in einem seiner Gedichte- Das trifft zu, aber lange vor Lerner und Falb hat Gottfried Benn in seinem Buch „Doppelleben“ (1950) den „Stil der Zukunft“ als „Montagekunst“ bezeichnet und beschrieben: „Nichts wird stofflich-psychologisch mehr verflochten, alles angeschlagen, nichts durchgeführt. Alles bleibt offen … Wenn der Mann danach ist, kann der erste Vers aus dem Kursbuch sein und der zweite eine Gesangbuchstrophe und der dritte ein Mikoschwitz und das Ganze ist doch ein Gedicht …“
Man sollte nicht argwöhnen, dass Gedichte, wie sie Benn vorausgesehen hat, Falb, Lerner und andere in unseren Tagen geschrieben haben, frei sind von jeglichem Ernst, jeder Aussage. Ernst und Aussage sind „disguised“ in diesen Gedichten, auf hinterhältige Art. „Ich wünschte, alle schwierigen Gedichte wären tief. / Hupen Sie, wenn Sie wünschten, alle schwierigen Gedichte wären tief“ (Ben Lerner). / Maximilian Zander über ein Gedicht von Daniel Falb, Fixpoetry
Wenn der Nobelpreisträger bekanntgegeben wird, müssen allerorten schnell Artikel her. Google wird befragt, und da es ein Lyriker ist, leitet Google an Lyrikseiten weiter. Die Aufrufzahlen verdoppelten, verdreifachten sich gestern gegenüber dem Durchschnitt auf über 1.800 und scheinen heute noch anzusteigen. (Na wenn’s der Wahrheitsfindung dient…).
Mittwoch, 12.10.2011, 21 Uhr, Rumbalotte continua**:
floppy myriapoda – Subkommando für die freie Assoziation
Release Heft 18 zum Thema „Kinder, Küche, Knast“
Programm:
+ SARAHROTH will keine Kinder.
+ Kamil Majchrzak zerstört die Familie.
+ Clemens Schittko sagt „JA!“ zum Nein.
+ Tom de Toys stiftet an zur Massenhysterie.
+ Bertram Reinecke toppt die Lebensmittelindutrie.
+ Die lebende Repetiermaschine Rex Joswig intoniert ein Gedicht von Kai Pohl.
+ Emmanuel Eni und Silvia Koerbl entdecken die Kochkünste des schwarzen Mannes in Europa.
Anschließend: Gepflegter Hangout mit DJ Caruso.
Eintritt frei.
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Heft 18 mit Beiträgen von (i. d. R. i. A.) Johann Heinrich, Tom Nisse, Kai Pohl, Anna Hoffmann, Rex Joswig, Scheiffele, Jonathan Pohl, Paul Günter Krohn, Emmanuel Eni, Julia Sohn-Nekrasov, Ann Cotten, Ernst Fuhrmann, Johannes Witek, SARAHROTH, Petra Coronato, Ernst-Jürgen Dreyer, Helmut Höge, Eberhard Loosch, Ronald Galenza, Anette Lang, Joachim Wendel, Clemens Schittko, Schwartz, HEL Toussaint, Ni Gudix, Martin Dakovic, Bernd Volkert, Andreas Paul, Kamil Majchrzak, Maria Zalinska, Niccolò Agnoli, Ralf S. Werder, Alex Galper, Andreas Hansen, Hans Horn, Jörg Burkhard, Siegfried Strauch, Arne Rautenberg, Robert Bosshard, Matthias Reichelt.
Sonderbeilage »lauter heiland« mit Beiträgen von (i. d. R. i. A.) Knobi, Alexander Krohn, Dagmar Schnürer, Capo D. Aster, Benedikt Maria Kramer, Ralf S. Werder, Alexander Heinich, Jörn Sack, Thomas Steiner, Otfried Rautenbach, Bernadette Grubner, »Matthias« BAADER Holst, Tom de Toys.
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* »bis der boden brot kotzt« ist eine Zeile aus dem Gedicht Heimat von Anna Hoffmann.
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** Rumbalotte continua, Metzer Str. 9, 10405 Berlin, www.rumbalotte-continua.de
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Den Flyer gibt es hier: http://www.floppymyriapoda.de
Zitat des Tages bei der New York Times:
„He is to Sweden what Robert Frost was to America.“
JOHN FREEMAN, the editor of the literary magazine Granta, on Tomas Transtromer, who won the Nobel Prize in Literature.
FAZ / Harald Hartung meinen:
„Nah der Realität, doch nicht von dieser Welt“
Etwas überraschend titelt der Spiegel:
„Überraschende Auszeichnung“
(Die Wettbüros wissen es seit vielen Jahren besser, und das müßte auch schon im Spiegel gestanden haben)
Weitere Würdigungen: NZZ (Hans Jürgen Balmes) / Märkische Allgemeine (Karim Saab) / Die Presse /
Peinlich:
Riesenpanne im serbischen Staatsfernsehen: Der Sender RTS hat den Literaturnobelpreis zeitweise fälschlich Dobrica Cosic, dem serbischen Nationaldichter und jugoslawischen Ex-Präsidenten zuerkannt. RTS entschuldigte sich am Nachmittag bei seinen Zuschauern und auch bei dem 89-Jährigen, dass dieser als diesjähriger Preisträger genannt wurde. …
Auch die Website des britischen „Guardian“ war zunächst auf die Täuschung hereingefallen, hatte sich aber wenige Minuten später korrigiert. / Spiegel
Hier ein Brief in Nordamerika lebender Bosnier an das Nobelpreiskomitee vom Februar diesen Jahres, in dem es aufgefordert wird, den Preis nicht an Cosic zu vergeben, da er mitverantwortlich für serbische Kriegsverbrechen sei.
poetenladen.de hat eine Stele für den am 31.8. verstorbenen gabunischen Lyriker Magang-Ma-Mbuju Wisi veröffentlicht (s. Nachricht #69 vom vergangenen September).
Gibt es bestimmte Menschen, die Lyrik besonders mögen?
Thomas Anz: «Tendenziell sind es Leute, die etwas introvertiert sind. Sie suchen in der Lyrik ein Wiedererkennen eigener Probleme, die dort sehr dicht bearbeitet werden. Oder sie wollen eine Zeitstimmung wiedererkennen. Es ist eher ein Lesertypus, der nicht pragmatisch und realistisch ist, sondern nachdenklich und für Schönes aufgeschlossen. Andererseits gilt Lyrik einem breiten Publikum immer noch als die Literatur, die am meisten Literatur ist. Das merkt man daran, dass unglaublich viele Leute Gedichte schreiben, auch wenn diese oft ganz furchtbar schlecht sind.»
/ Der Marburger Literaturwissenschaftler Thomas Anz im Gespräch mit Doreen Fiedler, news.de / dpa
Im Fernsehen bei einem bekannten Moderator das Opfer eines Justizirrtums. Ein Lehrer wird von einer neuen Kollegin, die er erst zweimal kurz sprach und die ihn, nach einem Streit im Lehrerzimmer, in dem sie etwa 5 Minuten allein waren, beschuldigt, sie anal vergewaltigt zu haben. Er wird zu 5 Jahren Haft verurteilt und muß sie auch absitzen. Erst danach findet er einen Anwalt, der von seiner Unschuld überzeugt ist und erreicht, nach weiteren 5 Jahren, einen freilich arg verspäteten Freispruch, wegen erwiesener Unschuld.
Das Gericht, in erster Instanz, fragte sich nicht, wie, unter den Umständen, Analverkehr in weniger als 5 Minuten mit einer Frau, die sich wehrt, an einem nicht abgeschlossenen öffentlichen Ort möglich ist. Es störte sich auch nicht daran, daß die Frau 15 Minuten später in einem anderen Gebäude ganz normal Unterricht abhielt, wissen Sie zu welchem Thema? Das lyrische Ich, man denke, sagt das Fernsehn.
Der schottische Dichter John Burnside gewinnt den mit £10,000 dotierten Forward Prize für den Band „Black Cat Bone“. Der Felix Dennis Prize für den besten Debütband geht an Rachael Boast für „Sidereal“ (£5,000). Dem im Januar verstorbenen Dichter R F Langley wurde der Preis für das beste Einzelgedicht für „To a Nightingale“ zugesprochen. Die Preisträger wurden zum Vorabend des „National Poetry Day“ der Briten verkündet.
Vorsitzender der Jury war Andrew Motion.
Auf der Shortlist für den besten Gedichtband standen:
/ BBC
Links
die heute zur Lyrikzeitung führten (Auswahl):
| tomas tranströmer gedichte | 152 |
| tranströmer gedichte | 22 |
| tomas tranströmer gedichte deutsch | 20 |
| lyrikzeitung | 17 |
| tomas tranströmer gedicht | 15 |
| gedichte tomas tranströmer | 7 |
| tomas tranströmer | 5 |
| gedichte tranströmer | 4 |
| gedichte von tomas tranströmer | 4 |
| thomas tranströmer gedichte | 4 |
| sarah kirsch übersetzt von schwedische | 3 |
| gedichte von tranströmer | 3 |
| tranströmer großer und langsamer wind | 3 |
| gedichte thomas tranströmer | 3 |
| zitate tomas tranströmer aris fier | 2 |
| tomas tranströmer gedichte lesen | 2 |
| tranströmer lyrik | 2 |
| lyrik syrisch adonis | 2 |
| bonus gedichte | 2 |
| tomas tranströmer+gedichttexte | 2 |
| gedichte in deutsch von tranströmer | 2 |
| gedicht tomas tranströmer | 2 |
| gedicht von tomas tranströmer | 2 |
| tomas tranströmer lyrikline | 2 |
| tranströmer gedicht | 2 |
| tranströmer lyrik german | 1 |
| tomas tranströmer ein mensch aus benin | 1 |
| tomas tranströmer nobel prize | 1 |
| toms tranströmer | 1 |
| tomas tranströmer thomas steinfeld | 1 |
| baltische küste tomas tranströmer | 1 |
Der Welt-Autor (schönes Wort) und hauptberufliche Modernefresser Tilman Krause schimpft:
Mutlos und kraftlos, ein Fall für Lyrik-Fexe
Die Würdigung Tomas Tranströmers ist eine schwache Entscheidung, denn er verkörpert jene klassische Moderne, die seit einem halben Jahrhundert etabliert ist.
Wie aufschlußreich seine Gleichsetzung „Lyrik“ = „Klassische Moderne“. Dann will ich unbedingt für beides sein!
Wessen Ignoranz ist größer: Reich-Ranickis, der behauptet, den Namen nie gehört zu haben, oder Krauses, der also etwa dies für „Klassische Moderne“ hält:
Im März ’79
Überdrüssig aller, die mit Wörtern, Wörtern, aber keiner Sprache daherkommen,
fuhr ich zu der schneebedeckten Insel.
Das Wilde hat keine Wörter.
Die ungeschriebenen Seiten breiten sich nach allen Richtungen aus.
Ich stoße auf Spuren von Rehhufen im Schnee.
Sprache, aber keine Wörter.
(Deutsch von Hans Grössel)
Aus: Tomas Tranströmer: Der Mond und die Eiszeit. Gedichte. München und Zürich: Piper 1992, S. 85.
Der und Reich-Ranicki passen freilich besser DAHIN (obwohl MRR Koeppen protegierte, während sich Krause auch als Koeppenfresser betätigt)
Hier das Gedicht auf Englisch
Der Band bietet, dem Titel entsprechend, leicht und licht anmutende, auf eine unaufdringliche Art auch artistische, Gedichte. Die Schwere und Materialität, die in ihnen eingeschlossen ist, hat dank Wagners Sprach- und Formkunst etwas Sublimes und Durchlässiges, so daß man das Buch eher dem französischen als dem deutschen Geist zuschlagen möchte.
Achim Wagner, 1967 geboren, lebt in Köln und Istanbul. Es wäre schön, demnächst von ihm ‘türkische’ Gedichte, Prosaminiaturen und Nachdichtungen lesen zu dürfen. / mottz, Monnier Beach
Achim Wagner, flugschau / Gedichte / 72 Seiten, gebunden, mit 4 Illustrationen von Felix Beckheuer / [SIC]-Literaturverlag, Aachen & Zürich 2011 / 16,00 Euro
Am schnellsten war Facebook (13:01), dann die New York Times (News Alert 13:18):
The 2011 Nobel Prize in literature was awarded Thursday to Tomas Transtromer, a Swedish poet whose surrealistic works about the mysteries of the human mind won him acclaim as one of the most important Scandinavian writers since World War II.
The Swedish Academy said it recognized the 80-year-old poet „because, through his condensed, translucent images, he gives us fresh access to reality.“
In 1990, Transtromer suffered a stroke, which left him half-paralyzed and unable to speak, but he continued to write and published a collection of poems — „The Great Enigma“ — in 2004.
Die offizielle Seite
Mehr: taz (Daniela Seel) [„vor allem in Berlin“] / Die Zeit (Alexander Gumz) / Badische Zeitung (Michael Braun) / Kölner Stadtanzeiger hier und hier /
Obwohl Dietmar Dath ein extrem produktiver Autor von Romanen und Artikeln ist, ist das in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung erschienene Buch Gott ruft zurück sein erster Gedichtband. Dietmar Dath und der Heavy Metal, die Science-Fiction, der Marxismus der Gegenwart, die ästhetische Verteidigung drastischer Kunst: ja! Aber Dath und die Lyrik? Ungewöhnlich. …
Gott ruft zurück ist kein gereimtes lyrisches Sahnehäubchen auf Daths schriftstellerischem Schaffen. Es bricht mit kommunikativen Erwartungen, stellt sie klug in Frage. Darin nutzt der Text auf überraschende Weise das Potential von Gedichten – seltsame kommunikative Situationen produzieren können – das man ihnen eventuell im Jahr 2011 nicht mehr selbstverständlich zugetraut hätte. / Christopher Strunz, Die Zeit
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