115. Sprache der Kneipen

Deutschland – das Land der Dichter und Denker. Welch große Poeten hat unsere Heimat schon erlebt. Welch große Lyrik wurde hier bereits verfasst. Doch vielleicht ist hierzulande im dritten Jahrtausend gar kein Platz mehr für Pathos und Poesie? Vielleicht will die Masse die Sprache der Straße. Die Sprache der Kneipen. „Bosse“ spricht sie. Und Bosse singt sie – ab November auf den Konzerten der Bosse Wartesaal Tour 2011.

Bosse spricht die Art Stammtisch-Slang, die wir tagein tagaus hören. Warum sollte man in der Musik also vehement alles ins Reimschema quetschen, was Vokale hat? „Und Du stützt Deinen Kopf auf einem Glas Weizen und ich stütz meinen Kopf, bis sie uns rausschmeißen. Und wir schauen uns nur an, wenn der andere nicht hinsieht.“ – eine Zeile, die typisch für das neue Bosse Album „Wartesaal“ (2011) ist.

114. American Life in Poetry: Column 339

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

People have been learning to cook since our ancient ancestors discovered fire, and most of us learn from somebody who knows how. I love this little poem by Daniel Nyikos of Utah, for its contemporary take on accepting directions from an elder, from two elders in this instance.

 

Potato Soup

I set up my computer and webcam in the kitchen
so I can ask my mother’s and aunt’s advice
as I cook soup for the first time alone.
My mother is in Utah. My aunt is in Hungary.
I show the onions to my mother with the webcam.
“Cut them smaller,” she advises.
“You only need a taste.”
I chop potatoes as the onions fry in my pan.
When I say I have no paprika to add to the broth,
they argue whether it can be called potato soup.
My mother says it will be white potato soup,
my aunt says potato soup must be red.
When I add sliced peppers, I ask many times
if I should put the water in now,
but they both say to wait until I add the potatoes.
I add Polish sausage because I can’t find Hungarian,
and I cook it so long the potatoes fall apart.
“You’ve made stew,” my mother says
when I hold up the whole pot to the camera.
They laugh and say I must get married soon.
I turn off the computer and eat alone.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Daniel Nyikos. Reprinted by permission of Daniel Nyikos. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

113. Molossus

… ist ein bei uns selten genannter (wenngleich nützlicher) Versfuß. Und noch einiges andere, so „an online broadside of world literature“ – eine Breitseite. Hier ein Faksimile, das vorn einen handschriftlichen Brief von Allen Ginsberg und auf der Rückseite ein offensichtlich verworfenes maschinegeschriebenes Manuskript birgt – eine erotische Erzählung, die nun vielleicht für immer Fragment bleiben wird.

112. 1 Tag Poesiefest

Sonnabend 24.9. Düsseldorf

Ab 11.00 Uhr: Poetisches Frühstück
Probieren Sie Proust’sche Madelaines und Apfeltörtchen nach Heinrich Heine, sowie andere literarische Leckerbissen.
Kooperationspartner: „Cateringart“

Begrüßung: Christoph Meyer Generalintendant Dt. Oper am Rhein

11:30 Uhr: »Die Rottenkinckschow« mit 
Ann Cotten, Monika Rinck und Sabine Scho, 
drei der derzeit eigenwilligsten Dichterinnen, die sich zusammengetan haben, um die Idee der «Performance» zu leben, nach der Devise, wer übt, ist feige. Gut vorbereiet, aber ungeübt, halten sie es ganz mit dem Dämon der Selbstüberraschung …

14.00 Uhr
Begrüßung: Regina Wyrwoll Generalsekretärin Kunststiftung NRW

Erinnerung an Thomas Kling
Durs Grünbein liest Gedichte von Thomas Kling
Moderation und Gespräch: Tobias Lehmkuhl
Essayist und Literaturktitiker,u.a. Süddeutsche Zeitung

15.30 Uhr
Erinnerung an Rolf Dieter Brinkmann
Maleen Brinkmann liest frühe Gedichte von Rolf Dieter Brinkmann
Moderation und Gespräch: Norbert Wehr
Autor, Literaturkritiker, Herausgeber des «Schreibheft», Zeitschrift für Literatur

18.00 Uhr
Begrüßung: Staffan V. Holm, Generalintendant Schauspielhaus Düsseldorf

Lesung:
Oswald Egger
Moderation und Gespräch: Beat Wismer

Lesung:
Barbara Köhler
Moderation und Gespräch: Beat Wismer

Über Schnittpunkte der Künste kommen die Lyriker Oswald Egger und Barbara Köhler ins Gespräch mit dem Generaldirektor des museum kunstpalast Beat Wismer
Egger schrieb den einleitenden Essay für die Publikation zur Neupräsentation der Sammlung des museum kunstpalast, Köhler bespielt bis Ende September einen Raum im Museum.

Mehr

111. Lyrik på tyska

Die in Lund (Schweden) erscheinende Literaturzeitschrift „Lyrik vännen“ 5/11 widmet in ihrer aktuellen Ausgabe ihren thematischen Teil der deutschen Dichtung und publiziert Gedichte von Sarah Kirsch, Gertrud Kolmar, Oskar Pastior, Monika Rinck, Friederike Mayröcker, Horst  Samson, Johann Wolfgang Goethe in schwedischer Übersetzung sowie zwei Kurzaufsätze von Axel Englund über W.G. Sebald und über Ingeborg Bachmann.

110. Düsseldorfer Literaturpreis

Überschrift und Untertitel folgender Meldung aus der Westdeutschen Zeitung bergen widersprüchliche Botschaften:

Hubert Winkels erhält den Düsseldorfer Literaturpreis: „Wir spielen in der ersten Liga“ –

Seit mehr als zehn Jahren entscheidet Hubert Winkels über den Düsseldorfer Literaturpreis.

Heißt aber wohl nicht, daß er entschieden hat, ihn an sich selbst zu vergeben. Vielleicht eher, daß er ihn durch fortwährendes Trommeln & Jurymitgliedschaft „erhält“ im Sinne von am Leben hält. Jedenfalls ist der Preis jetzt mit 20.000 € hoch datiert und hat überdies einen richtigen Namen:

Winkels: Endlich, endlich – da habe ich lange für gekämpft – heißt er „Düsseldorfer Literaturpreis“ und ist jetzt immerhin mit 20 000 Euro ordentlich ausgestattet. Da aber die Jury immer schon gut war, und die Preisträger alle gut sind, kann man ihn jetzt in dieser Gesamtkombination zum ersten Mal bundesweit bekannt machen. Wir spielen jetzt in der ersten (Preis-)Liga, wenn auch noch auf den unteren Rängen.

Marion Troja: Die Auszeichnung für den Düsseldorfer Lyriker Thomas Kling fällt bei den übrigen Romanautoren [sic] aus der Reihe.

Winkels: Das war sehr speziell. Als wir ihm den Preis zugesprochen haben, da lebte er noch. Ich habe ihm das am Krankenbett in Hackenbroich gesagt. Zur Preisverleihung kam er dann nicht mehr. Bei ihm war es zu spät. Er hat sich sehr gefreut über den Preis. Kling hat zeitlebens um Anerkennung gerungen, das weiß man heute nicht mehr so. Man tut so, als wenn er immer schon der große Lyriker seiner Generation gewesen wäre.

„Sehr speziell“ war es, weil er eigentlich, d.h. sonst stets an Romanautoren geht. Winkels schlägt nun vor, auch noch einen Lyrikpreis zu stiften. Wir werden sehen, wieviel Knete der bringt.

109. Liebeserklärungen

Besonders berühmte Schriftsteller haben sich beim Verfassen von Liebeserklärungen oftmals nicht vom „Duktus der Literatur“ lösen können, sagt Michael Lentz, Co-Kurator der Ausstellung „Ich liebe Dich“ im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Ergebnis seien teilweise groteske und humorlose Briefe von Goethe, Kafka und Co.

Michael Lentz im Gespräch mit Sigrid Brinkmann, DLR

108. American Life in Poetry: Column 338

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

 

We all hope our children’s lives will be better than our own, and invest in that hope in a variety of ways. Here Michael Ryan of California compares what we can provide for them with what we can’t.

 

Girls’ Middle School Orchestra

 

They’re all dressed up in carmine
floor-length velvet gowns, their upswirled hair
festooned with matching ribbons:
their fresh hopes and our fond hopes for them
infuse this sort-of-music as if happiness could actually be
each-plays-her-part-and-all-will-take-care-of-itself.
Their hearts unscarred under quartz lights
beam through the darkness in which we sit
to show us why we endured at home
the squeaking and squawking and botched notes
that now in concert are almost beautiful,
almost rendering this heartrending music
composed for an archduke who loved it so much
he spent his fortune for the musicians
who could bring it brilliantly to life.

 

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Michael Ryan, whose most recent book of poetry is New and Selected Poems, Houghton Mifflin, 2004. Reprinted from The American Poetry Review, Vol. 39, no. 5, Sept./Oct. 2010, by permission of Michael Ryan and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

107. Berichte der Überlebenden

Wut und Trauer spiegeln Gedichte, Briefe und Berichte jener Schüler, die den Amoklauf von Winnenden im März 2009 überlebt haben. Daraus ist ein Buch geworden, das nun erscheint. Die Zeit druckt Auszüge daraus

106. Trojanisches Pferd

In der Tat sind seine Gedichte trojanische Pferde, in deren Bäuchen kühne Metaphern versteckt sind, die anarchische Spannungen und Nervenschichten aufleben lassen. Mit dieser Kriegslist demonstriert Popp die Macht der Poesie: »Das Gedicht«, sagt er, »ist in seiner Lebensferne nichts anderes als eben unser Bemühen um dieses Leben.« »Risse gehen durch alles«, heißt es in einem Gedicht, »und nur das Licht geht durch die Risse«. Nicht weniger als diesem alle Zeiten und Räume Durchdringenden spürt Popp nach, mittels Postkarten aus der Sternenstadt kommuniziert er mit den Toten, er legt Drainagen zu Kindheitserinnerungen und zelebriert doch immer die Gegenwart: »Ich wollte immer genau sein, genau // hier«, heißt es im selben Gedicht. Dass er jetzt und genau hier ist, darüber bin ich froh. / Wiebke Schuldt, litlog

105. Laßt viele Anthologien blühn…

Mittlerweile hat sich der von Shafiq Naz so liebevoll dialogisch und kenntnisreich edierte deutsche Lyrikkalender. Jeder Tag ein Gedicht neben dem Jahrbuch der Lyrik und Vers­netze als gleichsam dritte jährlich heraus­gegebene Lyrik­sammel­band­kraft etabliert. Wird die erste Ausgabe von 2005 noch in erster Linie vom Club der toten Dichter dominiert, finden sich seit einigen Jahren unter den jeweils 300 Autorinnen und Autorinnen rund 150 Zeit­genossen. Ich vergleiche die Register der drei aktuellen Sammlun­gen von Buchwald, Kutsch, Naz und komme zu dem Ergebnis, daß die drei Anthologien einander vorzüglich ergänzen. So tauchen, beispielsweise, Nora Gomringer, Marion Poschmann und Monika Rinck 2011 nicht in Jahrbuch oder Versnetze auf, im Lyrik­kalender 2012 (der Ende September 2011 erscheint) finde ich sie – alle drei.

Wir können getrost davon ausgehen, daß schon jede einzelne Anthologie für sich betrachtet mit ihrer spezi­fischen, eigen­willigen Editions­art exemplarisch die Bandbreite von bewährten, mehr oder weniger bekannten hin zu neuen, nahezu unbekannten Autorinnen und Autoren vermittelt, aber eine gleichsam allumfassende Übersicht wird erst durch das Zusammen­spiel aller drei Antho­logien ver­mittelt, deren Herausgebern ich ein langes, langes Leben wünsche, in dem die Lust aufs Heraus­geben von Gedichten – trotz sicherlich manchen Verdrusses bei der wohl nicht nur lustigen Editions­arbeit – nie geringer werden möge. Versnetze-Heraus­geber Axel Kutsch ist übrigens das verbindende Glied in dieser außer­ordent­lichen Antho­logie-Kette, ist er doch als Lyriker immer wieder im Jahrbuch und regelmäßig im Lyrik­kalender vertreten…

/ Theo Breuer, Poetenladen, in 24 Kapiteln incl. Verfasserregister über

Versnetze_vier
Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart
Hrsg. Von Axel Kutsch
Verlag Ralf Liebe 2011

104. JEDEN TAG EIN GEDICHT

ALHAMBRA PUBLISHING präsentiert den Deutschen Lyrikkalender 2012

Die Auswahl von Gedichten umfasst das breite Spektrum mehrerer Jahrhunderte literarischen Schaffens und bietet, neben der Freude an täglich neuer Poesie, einen fundamentalen Querschnitt lyrischen Geschehens. Durch die Ringbindung  des Tischkalenders bleibt jedes Blatt erhalten und macht eine Archivierung im Bücherschrank leicht möglich.

Kerstin Becker, Julietta Fix, Peter Gehrisch, Undine Materni, André Schinkel und Michael Wüstefeld lesen ihre Gedichte und stellen eine Auswahl von Lieblingsgedichten aus dem Kalender vor.
Begegnen Sie klassischen und zeitgenössischen Gedichten auf einer Reise durch Jahrhunderte, Stile und Epochen –   Minnegesang, sozialkritische Lyrik, Barock, Reim und moderne Lyrik im 24 Stunden Takt.

Moderation: Julietta Fix

Buchhandlung LeseZeichen
Priessnitzstrasse 56
01099 Dresden

23. September 2011
Beginn: 20 Uhr

103. Vokale, Phoneme, Vokabeln

Ein Gedicht von Rimbaud in 4 englischen, 2 deutschen und 2 französischen Fassungen

(5 audiovisuell, 3 optisch)

To hear more, go to:

http://writing.upenn.edu/pennsound/x/Bok.php
http://writing.upenn.edu/wh/calendar/1109.php#18

Avant-garde poet Christian Bök reads 3 original translations of Arthur Rimbaud’s „Voyelles,“ a poem which greatly influenced the writing of his book entitled Eunoia. Christian Bök’s „Umlaut Machine: Selected Visual Works“ was featured by the Kelly Writers House Art Gallery on November 18, 2009.

Christian Bök is the author of Crystallography (1994, Coach House Press), a pataphysical encyclopedia nominated for the Gerald Lampert Memorial Award, and Eunoia (2001, Coach House Books), a bestselling work of experimental literature and winner of the Griffin Prize for Poetic Excellence.

Hier liest er es auch auf Französisch:

Voyelles

Arthur Rimbaud

A noir, E blanc, I rouge, U vert, O bleu : voyelles,
Je dirai quelque jour vos naissances latentes :
A, noir corset velu des mouches éclatantes
Qui bombinent autour des puanteurs cruelles,

Golfes d’ombre ; E, candeur des vapeurs et des tentes,
Lances des glaciers fiers, rois blancs, frissons d’ombelles ;
I, pourpres, sang craché, rire des lèvres belles
Dans la colère ou les ivresses pénitentes ;

U, cycles, vibrements divins des mers virides,
Paix des pâtis semés d’animaux, paix des rides
Que l’alchimie imprime aux grands fronts studieux ;

O, suprême Clairon plein des strideurs étranges,
Silences traversés des Mondes et des Anges :
– O l’Oméga, rayon violet de Ses Yeux ! –

Vokale

A schwarz E weiß I rot U grün O blau – vokale
Einst werd ich euren dunklen ursprung offenbaren:
A: schwarzer samtiger panzer dichter mückenscharen
Die über grausem stanke schwirren · schattentale.

E: helligkeit von dämpfen und gespannten leinen ·
Speer stolzer gletscher · blanker fürsten · wehn von dolden.
I: purpurn ausgespienes blut gelach der Holden
Im zorn und in der trunkenheit der peinen.

U: räder · grünlicher gewässer göttlich kreisen
Ruh herdenübersäter weiden · ruh der weisen
Auf deren stirne schwarzkunst drückt das mal.

O: seltsames gezisch erhabener posaunen ·
Einöden durch die erd- und himmelsgeister raunen.
Omega – ihrer augen veilchenblauer strahl.

[aus dem Französischen von Stefan George]

Vokale

A schwarz, E weiß, I rot, U grün, O blau – mir ward
der tiefste Sinn von eurem Klang geoffenbart:
A schwarzer Fliegen Schwarm um Aasgestank,
A Schatten, der auf Strand und Hafen sank.

E helle Zelte, Dämpfe, Nebelquellen.
E blendende Gletscher, wehender Gräser Wellen.
I rot gespienes Blut, blutfrischer Lippen Spiel,
die Büßerfieber oder irrer Zorn befiel.

U Kreisen, das in dunklen Fluten bebt,
U Runzeln, welche kluges Studium gräbt,
U Ruh auf kuhbedecktem Flurengrund.

O hohen Hornes toller Ton, Allrund
von Seraphchor und Sonnenstrom durchflogen.
O Omega, der Augen Gottes blauer Bogen.

[aus dem Französischen von K.L. Ammer]

102. Sorbe in Übersee

Jan Kilian, am 22. März 1811 in Döhlen unweit von Bautzen geboren und am 12. September 1884 als evangelisch-lutherischer Pfarrer in Serbin/Texas gestorben, ist für die Sorben bis in die heutige Zeit ein bedeutender Mann. Sie erinnern mit verschiedenen Veranstaltungen an den 200. Geburtstag Kilians.

Als Pfarrer wirkte er von 1837 bis 1848 in Kotitz bei Weißenberg, gründete 1843 die lutherische Gemeinde Weigersdorf/Klitten, war dort Pfarrer sowie auch aktiv in der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Döbbrick in der Niederlausitz, bis er 1854 mit nahezu 600 Sorben nach Texas auswanderte. Dort gründete er 1855 die bedeutendste sorbische Kolonie in Übersee und war bis 1883 Pfarrer sowie bis 1872 Lehrer in Serbin. Er dichtete in sorbischer Sprache Choräle, war Dichter weltlicher Texte und veröffentlichte religiöse Schriften. Bis heute treffen sich in Serbin alljährlich mehr als 2000 Nachkommen der sorbischen Auswanderer zum großen Fest…

Auch der Sorbische Künstlerbund widmet sein 33. Fest der Poesie dem Gedenken an Kilian. Das alljährliche Festival der Lyrik und Musik beginnt am Freitag um 18 Uhr mit einem Literaturabend in der tschechischen Stadtbibliothek Varnsdorf, den sorbische und tschechische Poeten gestalten. In der Kirche zu Hochkirch werden am Sonnabend um 19.30 Uhr beim internationalen Poesieabend Kilians Gedichte in acht Sprachen von sorbischen, deutschen, tschechischen, polnischen, syrischen und amerikanischen Dichtern vorgetragen, darunter auch auf Arabisch und Englisch. / Alfons Lehmann, Lausitzer Rundschau

101. Klassischer Rimbaud

Eine neue zweisprachige Ausgabe der Gedichte Arthur Rimbauds enthält fünf Lateinische Gedichte, die in früheren Ausgaben als Juvenilia weggelassen wurden. Der Band „Rimbaud: The Poems“ wird herausgegeben von Oliver Bernard, dessen Übersetzung von 1962 zum Klassiker wurde. Die Neuausgabe enthält 5 Gedichte, die Rimbaud mit 14 Jahren schrieb, 3 auf Latein geschriebene und 2 aus dem Französischen ins Latein übersetzte. Unter letzteren ist „L’ange et l’enfant“ (Der Engel und das Kind), eine frühe Fassung des Gedichts „Les Etrennes Des Orphelins“ (Die Neujahrsgeschenke der Waisen).*)

Bernard kehrt nach fast 5 Jahrzehnten zu Rimbaud zurück. Die Ausgabe von 1962 war bei Penguin erschienen, die neue kommt bei Anvil Poetry Press. Bernard glaubt, daß die frühen Texte für Rimbauds Leser von Interesse sind, weil sie seine frühesten Erfahrungen mit Form und Grammatik darstellen. „Es scheint mir eine für die europäische Lyrik interessante Frage, wie viele Dichter in der Schule Latein gelernt haben, von Chaucer und Rabelais bis Auden, Housman und Baudelaire, und wie das ihre Syntax beeinflußte, Klarheit und Dichte ihres Stils.“

Peter Jay, Gründer von Anvil, meint, daß es immer noch einen Markt für zweisprachige Ausgaben gebe. „Penguin scheint sich für Übersetzungen entschieden zu haben“, sagte er. „Als Lyrikverleger und Übersetzer finde ich das in Ordnung, aber diese Art zweisprachiger Ausgaben mit einer Prosaübersetzung unten auf der Seite haben auch ihren Platz.“

Anvil bereitet eine Baudelaireausgabe im gleichen Format vor. „So kann man mit Grundkenntnissen einer Fremdsprache das Original lesen, ohne ständig zu Wörterbüchern greifen zu müssen.“ / Matthew Bell, The Independent 18.9.

* mit dem die üblichen Ausgaben seiner „sämtlichen“ Werke beginnen.