85. Popularkultur

Mit dabei sind auch Berliner. Von peinlich bis erotisch. Wie Aische (25), die Sex und Lyrik verbindet und Goethes „Erlkönig“ und „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke rezitiert. Der Clou dabei: Unterbrochen und unterstützt werden die Ballade und das Gedicht von Aisches lautem Stöhnen – und dem gleichzeitigem Strip. So will Aische (Aische studierte Germanistik auf Lehramt) Schülern Lyrik näherbringen. Wenn’s hilft… / Berliner Kurier

Ein anderes Lyrikfachblatt ergänzt:

So haben wir Goethe noch nie gehört! Die schöne Aische (25) rezitierte am Samstagabend für die RTL-„Supertalent“-Jury eine ungewöhnliche Version des „Erlkönigs“. Porno-Poesie nennt sich ihr Talent. „Man nimmt einfach ein Gedicht und stöhnt das“, erklärt Aische BILD.de. (Klicken auf eigene Gefahr)

 

84. Unpopulistische Wahl

Lyrik in der Provinz:

Ihr defizitärer Verlag bringt vor allem Lyrik heraus, deren tieferer Sinn sich beim ersten Lesen kaum erschließt.

Insofern haben die Juroren des Lotto Brandenburg Kunstpreises 2011 eine geradezu unpopulistische Entscheidung getroffen. Aus den 134 Einsendungen, meist Prosa, die um die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung konkurrierten, fischte das Gremium 60 Seiten Lyrik von Daniela Seel heraus. Bei der Preisverleihung am Donnerstag las die 37-Jährige mit leicht pathetisch-verträumter Stimme sperrige Texte aus ihrem Debütband „Ich kann diese Stelle nicht wiederfinden“. Dass ihr Vortrag Begeisterung oder Verständnis weckte, ließ sich nicht beobachten. Die Jury hob in ihrer Begründung hervor, dass diese „gedankenvollen Verse eindringliche Bilder für die Erfahrungen vergehender Zeit und verblassender Erinnerungen“ enthielten. / Märkische Allgemeine

83. Revolution gegen Moderne

Ein Glück, dass die ägyptische Revolution auch die Literatur der Moderne hinweggefegt hat. Die neuen Autoren wollen vor allem leicht und geerdet sein

meint Hamdy Abou Golayyel im Freitag:

Tatsächlich äußerte sich die oppositionelle Haltung der Moderne gegenüber den totalitären Regimes nie als Widerspruch, sondern allenfalls als Einspruch von Anhängern derselben Ideologie. Adonis, der große syrische, im Exil lebende Dichter der Moderne, schrieb: „Es kam ein schöner Sturm, aber die schöne Verwüstung blieb aus.“ Im Klartext – die Dichtung der Moderne muss ja immer erklärt werden – bezieht sich der „schöne Sturm“ auf die Befreiungsbewegung, die wiederum die Diktatur brachte, während die „schöne Verwüstung“, die alles auslöscht, auf sich warten lässt. Vergleicht man nun die Äußerungen von Adonis als berühmter Persönlichkeit der Moderne und die Äußerungen von Gamal Abdel Nasser als berühmter Persönlichkeit der Befreiungsbewegung, so lässt sich in den Ansichten über Modernisierung, Entwicklung und „Ausradieren“ der alten Zeiten, eine Ähnlichkeit, ja beinahe sogar schon eine Deckungsgleichheit feststellen.

Die Moderne war, wegen der Komplexität und Rätselhaftigkeit ihrer mit Bildern überladenen, fast schon karikaturistisch überzeichneten Sprache, ein Unglücksfall für die ägyptische und arabische Literaturgeschichte. (…)

Am schlimmsten war offenbar die ägyptische Lyrik betroffen, während der Roman weitestgehend verschont geblieben war. Zwischen den Gedichten von Osama al-Danasoury, den ich und viele andere auch für den Autor „neuer“ ägyptischer Literatur schlechthin halten, und den Gedichten gekrönter Häupter der arabischen Moderne wie Adonis, oder der ägyptischen Moderne wie Mohammed Afifi Matar, besteht ein gewaltiger Unterschied, allein schon in Bezug auf Sprache, Thematik und Haltung des Autors. Auf der einen Seite die Modernisten, leuchtendes Beispiel für den wortgewandten, gewissenhaften, gut informierten und gerechten Dichter, der sich, jederzeit gesprächsbereit, für die gesamte Nation einsetzt. Auf der anderen Seite Osama al-Danasoury, ein ganz normaler Mensch, der mit sprachlicher Schlichtheit und Leichtigkeit ausführlich Sorgen und Nöte beschreibt, die die finster dreinblickenden Herren Modernisten als banal, ja geradezu belanglos abgetan hätten.

82. Scheiß Kunst

 

scheiß angst vor der eigenen wut, scheiß wut auf die eigene angst. scheiß liebe zu beidem. scheiß wissen, worauf es bezogen sein könnte. / scheiße was wir geworden sind. scheiß kifferei und scheiß bier und scheiß schwangerschaften, scheiß stammtische-strammtische, selbst noch scheiß waldspaziergang.

Stefan Schmitzer
scheiß sozialer frieden [Gebundene Ausgabe]
89 Seiten
Verlag: Literaturverlag Droschl (12. September 2011)
ISBN-10: 3854207883
ISBN-13: 978-3854207887

81. Preis für Seel*

Mehr konnte ich leider nicht finden – aber die Information ist ja da:

kunstpreis literatur von lotto brandenburg an daniela seel für „ich kann diese stelle nicht wiederfinden“, 15.9., preisverleihung in potsdam. mit laudatio und lesung. 19.00 h, haus der brandenburgisch-preußischen geschichte, kutschstall, am neuen markt 9, 14467.

*) auch wenn sie schon einige Preise bekommen hat: 81 ist die Nummer der Nachricht im September

80. Unter- und übertreibend

Bedeutet der Name des höchsten afrikanischen Berges, des «Kilimandscharo», nach dem wahrhaft ironischen Understatement des Kiswahili, der am meisten gesprochenen Sprache in Ostafrika, «kleiner Hügel von Njaro»? Oder empfiehlt es sich, seine Spitze – als «den höchsten Punkt afrikanischer und deutscher Erde» – die «Kaiser-Wilhelm-Spitze» zu nennen, wie es der Deutsche Hans Meyer bei seiner Erstbesteigung am 6. Oktober 1889 unter Aufpflanzung der deutschen Fahne und, begleitend dazu, der dreimaligen Ausrufung eines kräftigen «Hurra» tat? / Ludger Lütkehaus, NZZ 13.9.

Wikipedia bringt je nach Sprache unterschiedliche Berichte (es lohnt sich auch in die Details zu gehen: was nicht nur für Hölderlin-Fassungen gilt):

  • (… von 1902 bis 1918 Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe) (Deutsch)
  • Tussen 1885 en 1918 was die berg die hoogste punt op Duitse gebied en tussen 1902 en 1918 was die berg Kaiser-Wilhelm-Spitze of Wilhelmskuppe genoem. (Afrikaans)
  • It is unknown where the name Kilimanjaro originates, but a number of theories exist. European explorers had adopted the name by 1860 and reported that it was its Swahili name,[5] with Kilimanjaro breaking into Kilima(Swahili for „hill, little mountain“) and Njaro,[6] whose supposed origin varies according to the theories—according to some it is an ancient Swahili word for white or for shining,[7] or for the non-Swahili origin, a word from the Kichagga language, the word jaro meaning „caravan“. The problem with all these is that they cannot explain why the diminutive kilima is used instead of the proper word for mountain, mlima. The name might be a local joke, referring to the „little hill of the Njaro“ being the biggest mountain on the African continent, since this is a nearby town, and guides recount that it is the Hill of the Njaro people. A different approach is to assume that it comes from the Kichagga kilmanare or kileajao meaning „which defeats the bird/leopard/caravan“. However this theory cannot explain the fact that Kilimanjaro was never used in Kichagga before in Europe in the mid-19th century.[5]

    An alternative theory is as follows: On November 10, 1848, the German missionary Rebmann wrote in his diary: „This morning we discerned the Mountains of Jagga more distinctly than ever.“ Jagga was the pronunciation of Chagga by Europeans. Kilimanjaro may also be the European pronunciation of the Chagga phrase that „Kile-lema-irho“, meaning „we failed to climb it“ in Kiuru, Kioldimoshi, Kimarangu, Kivunjo, Kikibosho, Kimachame and Kirombo, Kichagga in general. If so, name itself, Kile-lema-irho/Kilimanjaro, would have been the Chagga way of explaining to kyasaka (newcomers) when they asked about the shining mountain top of Kibo and Mawenzi Peak. Kibo peak is more visible from the Kibosho Area, and Mawenzi from Maranu.[citation needed]

    In 1861 von der Decken climbed Mt. Kilimanjaro together with Richard Thornton (1838-1863)[8], „who got no farther than 8,200 feet“[9] (2,500 metres). In 1862 von der Decken tried a second time together with Otto Kersten. They reached a hight of 14,000 feet (4,280 metres).[10] [11]

    In the 1880s, the mountain, at that time spelled Kilima-Ndscharo in German following the Swahili name components, became a part of German East Africa after Karl Peters had persuaded local chiefs to sign treaties (a common story that Queen Victoria gave the mountain to her grandson Kaiser Wilhelm II is not true).[12] In 1889 the peak of Kibo was named „Kaiser-Wilhelm-Spitze“ („Kaiser Wilhelm peak“) by Hans Meyer, on the first ascent to the summit on 5 October 1889. [5] That name was used until 1918, when after World War I the German colonies were handed over to the British empire. When British-administeredTanganyika gained its independence in 1961, the peak was named „Uhuru peak“, meaning „Freedom peak“ in Swahili.

    Hans Meyer, a German professor was the first European to conquer Mount Kilimanjaro, accompanied by an Austrian mountaineer named Ludwig Purtscheller and a Marangu Army Scout named Kinyala Lauwo. They completed the climb on the 5 October, 1889. [13]

    The Ki- prefix in Swahili has several underlying meanings. The old Ka- diminutive noun prefix (found now only as Kadogo – a small degree), merged with the Ki class. One of its meanings was to also describe something unique of its kind: Kilima, a single peak, as opposed to Mlima, which would better describe a mountain range or undulating country. Several other mountains also bear this prefix, such as Kilima Mbogo (Buffalo Mountain), just north of Nairobi in Kenya. People with disabilities are also placed in this class, not so much as a diminutive idea; but a unique condition they possess: a blind or a deaf person, Kipofu and Kiziwi. This prefix „Ki-“ in no way implies a derogatory sense. The name Kibo in Kichagga means „spotted“ and refers to rocks seen on snowfields. (English)

79. Sehnarben

Den musikalisch dahinströmenden Versen im Zyklus «Sehnarben» stellt sich etwa der herbere, sprödere Modus von «Wintersaat» entgegen. In den «Briefgedichten» entwirft die Autorin sensible, aufmerksame Porträts von Wegbegleiterinnen und Freundinnen, wobei sie die eigene Existenz in jener der dargestellten Frauen spiegeln lässt, um selbstkritisch die Differenz wahrzunehmen. Manche dieser Gedichte, deren Aussagen sich aus dem feministischen Engagement nähren, enthalten indessen programmatische Ansätze, welche die poetische Atmosphäre etwas beeinträchtigen. / NZZ

Brigit Keller: Sehnarben. Gedichte. eFeF-Verlag, Bern 2011. 160 S., Fr. 25.–.

78. Banatsko

Erst anderthalb Jahre zuvor war sie aus London nicht etwa nach Polen oder Russland gezogen, in Länder, deren Sprachen sie beherrscht, wie ihre mehrfach ausgezeichneten Übersetzungen, unter anderem von Olga Tokarczuk, Hanna Krall und Svetlana Vasilenko, zeigen. Nein, Kinsky zog nach Budapest, ohne Ungarisch zu sprechen. Anderthalb Jahre lebte sie mit dem Gefühl, kein Wort in der schwierigen Sprache sagen zu können. Dann zog sie nach Battonya, legte vor dem «alten, mariatheresiengelben Serbenhaus» einen Garten an, vermietete den Rest des Feldes, erkundete die Gegend und schrieb. «Meine Texte sind aus der Sprachlosigkeit im Alltag entstanden. Die Namen der Dinge bekommen auf einmal einen ganz anderen Wert, wenn man alles neu benennen lernen muss.» «ich nenne die welt / wie ich will», heisst es in «die ungerührte schrift des jahrs»: «mein / abend- und morgenland und / schweige dabei, in der / mundart der dinge / zuhaus.»

Im Banat, das sowohl in Ungarn wie in Rumänien und Serbien liegt, wuchs die Schriftstellerin Esther Kinsky heran. In den achtziger Jahren hatte die Übersetzerin schon zwei Kinderbücher und Gedichte auf Englisch veröffentlicht. Nun erschrieb sie sich unter dem Eindruck der Sprachlosigkeit einen Zugang zur Tiefebene. / Jörg Plath, NZZ 14.9.

77. Hubert Skolud (1950-2011)

Der Junge aus dem Bürgerhaus im Südwesten Berlins ist an Lebensenergie, Neugier und Entdeckerfreude kaum zu übertreffen. Und Ende der Sechziger bietet die Halbstadt jede Menge Schlupfwinkel, in denen Heranwachsende sich ohne Hilfe von außen erwachsen geben können. Hubert schreibt Gedichte und liest sie so vor, dass man glaubt, einem großen zeitgemäßen Ereignis beizuwohnen. Jedenfalls Gleichaltrige glauben das und Mentoren, die, ähnlich wie er, von Amerikas Beat-Poeten bezaubert sind. Andere halten dieselben Zeilen, Schrift und Klang für faulen Zauber.

Diese doppelte Wirkung wird Hubert Skolud sein Leben lang hervorrufen, er wird dem Glück und dem Fluch des Schreibens auch immer entfliehen: Durch Projektplanung, Betreuung fremder Vorhaben, Sprung und Sturz ins Feiern, aber vor allem durch Menschenfang. …

Vielleicht ist es gar nicht erstaunlich, dass jemand, dessen Alltag so oft aus Jonglage von Halbwahrem, Verschwiegenem, Unbewältigtem besteht, sehr nach der Wahrheit verlangt. Im Schreiben wollte Hubert Skolud sie entdecken. Dass wir zu Hause sind, „wo Lügner Lügner Lügner nennen“, dies Nietzsche-Wort zitiert er oft, das gelte es zu überwinden.

Eine Krebskrankheit hat er gerade überwunden, lebt mit frischen Projekten am Start und der jungen Gefährtin seiner letzten Jahre, als er sich nach einer verzweifelten, von Wortwechseln und Telefonaten erfüllten Sommernacht vor ihren Augen aus dem Fenster stürzt. / Manfred Maurenbrecher, Tagesspiegel

76. Meine Anthologie 75: Sharon Olds, The Pope´s Penis

The Pope’s Penis

It hangs deep in his robes, a delicate
clapper at the center of a bell. 
It moves when he moves, a ghostly fish in a
halo of silver seaweed, the hair
swaying in the dark and the heat — and at night, 
while his eyes sleep, it stands up
in praise of God. 

From „The Gold Cell“ 
Sharon Olds‘ other collections of poetry are „Satan Says“ and „The Father.“ She teaches at NYU and helps run the NYU workshop at a state hospital for the severely physically challenged. She was New York State Poet Laureate from 1998-2000
From: http://www.salon.com

einige Wörter

del. zierlich, zart, empfindlich
cl. Klöppel
g. gespenstisch, wörtlich alt auch: geistlich
seaw. Seetang, Alge
sw. schaukeln, hin- und herbewegen

(Beitrag von 2001)

75. Keine Feinde

Der Band «Ich habe keine Feinde, ich kenne keinen Hass» versammelt Texte zu ganz unterschiedlichen Themen, die aber alle das moralische Totalversagen der chinesischen KP illustrieren. Auch wenn Lius Thesen nichts bahnbrechend Neues bringen, so überzeugen sie doch durch ihr reflexives Niveau. In ihnen verbinden sich historisches Wissen mit politischer Verve und einer tiefen Menschlichkeit. Der nun erschienene Band ist ein wichtiges Dokument und eine Art Handbibliothek, auf die deutsche Leser noch lange zurückgreifen müssen, wenn es um Liu Xiaobo geht. Er soll erst 2020 aus dem Gefängnis entlassen werden. / Katharina Borchardt, Neue Zürcher Zeitung

Liu Xiaobo: Ich habe keine Feinde, ich kenne keinen Hass. Ausgewählte Schriften und Gedichte. Mit einem Vorwort von Václav Havel. Herausgegeben von Tienchi Martin-Liao und Liu Xia. Aus dem Chinesischen von Karin Betz und Hans Peter Hoffmann. Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2011. 412 S., Fr. 35.50.

74. 2011 Prizes for Contributors to Poetry Announced

Nine prizes awarded to poets, critics, and essayists featured in the magazine over the past year

CHICAGO — The Poetry Foundation and Poetry magazine are proud to announce the winners of nine awards for contributions to Poetry over the past year. The prizes are awarded for poems and prose published during the past 12 months, from October 2010 to September 2011.

THE LEVINSON PRIZE, presented annually since 1914 through the generosity of the late Salmon O. Levinson and his family, in the amount of $500, is awarded to Carolyn Forché for her poems in the February and March 2011 issues, „Travel Papers“  and „The Ghost of Heaven,“ as well as her essay in the May 2011 issue,„Reading the Living Archives: The Witness of Literary Art.“ Forché is editing, with Duncan Wu, the second volume of her anthology Against Forgetting and is at work on a prose account of her formative years as a poet. She directs the Lannan Center for Poetics and Social Practice at Georgetown University, where she is a professor of English.

THE BESS HOKIN PRIZE, established in 1948 through the generosity of our late friend and guarantor Mrs. David Hokin, in the amount of $1,000, is awarded to Tom Pickard for his poem in the December 2010 issue, „Lark & Merlin.“ Pickard’s most recent book, More Pricks Than Prizes,  was published by Pressed Wafer earlier this year. He lives in the North Pennine Hills of England.

THE FREDERICK BOCK PRIZE, founded in 1981 by friends in memory of the former associate editor of Poetry, in the amount of $500, is awarded to Reginald Dwayne Betts for his poem in the September 2011 issue, „For you: anthophilous, lover of flowers.“ Betts is the author of the memoir A Question of Freedom (Avery, 2009) and the poetry collection Shahid Reads His Own Palm(Alice James Books, 2010). He will be spending the 2011–12 year as a Harvard Radcliffe Fellow working on a poetry collection titledBastards of the Reagan.

THE J. HOWARD AND BARBARA M.J. WOOD PRIZE, endowed since 1994, in the amount of $5,000, is awarded to Franz Wright for his five poems in the January 2011 issue and his poem in the May 2011 issue, „Our Conversation.“ Wright’s recent collection of prose poems, Kindertotenwald, was published this fall by Alfred A. Knopf. His other books include Entries of the Cell (Marick Press, 2010) and Wheeling Motel (Alfred A. Knopf, 2009).

THE FREDERICK NIMS MEMORIAL PRIZE FOR TRANSLATION, established in 1999 by Bonnie Larkin Nims, trustees of the Poetry Foundation, and friends of the late poet, translator, and editor, in the amount of $500, is awarded to A.E. Stallings for her translations of Angelos Sikelianos in the June 2011 issue and Plutarch in the July/August 2011 issue. Her most recent book is a verse translation of Lucretius, The Nature of Things (Penguin, 2007). Stallings is a current Guggenheim Fellow.

THE FRIENDS OF LITERATURE PRIZE, established in 2002 by the Friends of Literature, in the amount of $500, is awarded to Sina Queyras for the selection of her poem, “Euphoria,” that appeared in the December 2010 issue. Queyras is the author of four books of poetry, including Expressway (2009) and Lemon Hound (2006), both published by Coach House Books. Her first novel, Autobiography of Childhood, will be published in April 2012.

THE EDITORS PRIZE FOR FEATURE ARTICLE, established in 2005, in the amount of $1,000, is awarded to Joshua Mehigan for his essay in the July/August 2011 issue, „I Thought You Were a Poet.“ Mehigan’s first book, The Optimist (Ohio University Press, 2004), was a finalist for the Los Angeles Times Book Prize. He is a 2011 NEA Fellow. His article will be reprinted in 2012 in the German journal Krachkultur, translated by the poet Christophe Fricker.

THE EDITORS PRIZE FOR REVIEWING, established in 2004, in the amount of $1,000, is awarded to Peter Campion for his review of The H.D. Book in the September 2011 issue. Campion is the author of two books of poems, Other People (2005) and The Lions(2009), both from the University of Chicago Press. He is a 2011–12 Guggenheim Fellow and teaches in the MFA program at the University of Minnesota.

THE EDITORS PRIZE FOR BEST LETTER, established in 2009, in the amount of $250, is awarded to Belle Randall for her letter in the December 2010 issue.

The prizes are organized and administered by the Poetry Foundation in Chicago, publisher of Poetry magazine.


73. Cotten, Ann

Ann Cotten

Dieser Artikel behandelt Ann Cotten, eine fiktive (1) Figur aus dem 2010 im Suhrkamp Verlag erschienenen Buch „Florida-Räume“.

Für die Autorin siehe Ann Cotten [1].

Ann Cotton ist die siebente in einer Reihe fiktiver Autoren, die auf ein Inserat „Mit Schreiben Geld verdienen?“ reagiert haben und deren Texte in dem Buch „Florida-Räume“ versammelt sind. Unter den zehn erfundenen Charakteren befinden sich auch BettineBettines MutterKraussers ClemensAmun und Ein 200-kg-Tierfreund. Auffällig an der Figur Ann Cotten ist die Übereinstimmung ihres Namens mit dem der Autorin [2] des Buches. Bei ihren Zuschriften handelt es sich um Gedichte.

Mehr hier

72. Gestorben

Der in katalanischer Sprache schreibende französische Schriftsteller* Jordi Pere Cerdà, eigentlich Antoine Cayrol, starb am 11.9. in Perpignan. Er war der Barde seiner Region, der Cerdagne im Hochgebirge zwischen Frankreich und Spanien, die er nie verlassen hat. Sein Werk (Lyrik, Theater, Romane, Essays), sagt Wikipedia, spielt eine Rolle bei der Förderung der katalanischen Sprache und Kultur. Für sein Engagement wurde er mit hohen katalanischen Preisen geehrt, zuletzt 1999 dem Premi Nacional de Literatura de la Generalitat de Catalunya. André Bonet, Präsident des Centre Méditerranéen de Littérature, nennt ihn in seinem Nachruf den größten katalanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

*) oder in Frankreich lebende katalanische? Was sagt Àxel dazu? Gleichwohl kommen beide Formulierungen zu spät, weil er nicht mehr schreibt und lebt. Sprache.

71. Jetzt komme, Feuer

Ein großer Dichter der Feuerinfusion ist der späte Hölderlin. Hier sein Gedicht „Der Ister“:

Der Ister


Jetzt komme, Feuer!
Begierig sind wir,
Zu schauen den Tag,
Und wenn die Prüfung
Ist durch die Knie gegangen,
Mag einer spüren das Waldgeschrei.
Wir singen aber vom Indus her
Fernangekommen und
Vom Alpheus, lange haben
Das Schickliche wir gesucht,
Nicht ohne Schwingen mag
Zum Nächsten einer greifen
Geradezu
Und kommen auf die andere Seite.
Hier aber wollen wir bauen.
Denn Ströme machen urbar
Das Land. Wenn nämlich Kräuter wachsen
Und an denselben gehn
Im Sommer zu trinken die Tiere,
So gehn auch Menschen daran.

Man nennet aber diesen den Ister.
Schön wohnt er. Es brennet der Säulen Laub,
Und reget sich. Wild stehn
Sie aufgerichtet, untereinander; darob
Ein zweites Maß, springt vor
Von Felsen das Dach. So wundert
Mich nicht, daß er
Den Herkules zu Gaste geladen,
Fernglänzend, am Olympos drunten,
Da der, sich Schatten zu suchen
Vom heißen Isthmos kam,
Denn voll des Mutes waren
Daselbst sie, es bedarf aber, der Geister wegen,
Der Kühlung auch. Darum zog jener lieber
An die Wasserquellen hieher und gelben Ufer,
Hoch duftend oben, und schwarz
Vom Fichtenwald, wo in den Tiefe
Ein Jäger gern lustwandelt
Mittags, und Wachstum hörbar ist
An harzigen Bäumen des Isters,

Der scheinet aber fast
Rückwärts zu gehen und
Ich mein, er müsse kommen
Von Osten.
Vieles wäre
Zu sagen davon. Und warum hängt er
An den Bergen gerad? Der andre,
Der Rhein, ist seitwärts
Hinweggegangen. Umsonst nicht gehn
Im Trocknen die Ströme. Aber wie? Ein Zeichen braucht es,
Nichts anderes, schlecht und recht, damit es Sonn
Und Mond trag im Gemüt, untrennbar,
Und fortgeh, Tag und Nacht auch, und
Die Himmlischen warm sich fühlen aneinander.
Darum sind jene auch
Die Freude des Höchsten. Denn wie käm er
Herunter? Und wie Hertha grün,
Sind sie die Kinder des Himmels. Aber allzugedultig
Scheint der mir, nicht
Freier, und fast zu spotten. Nämlich wenn

Angehen soll der Tag
In der Jugend, wo er zu wachsen
Anfängt, es treibet ein anderer da
Hoch schon die Pracht, und Füllen gleich
In den Zaum knirscht er, und weithin hören
Das Treiben die Lüfte,
Ist der zufrieden;
Es brauchet aber Stiche der Fels
Und Furchen die Erd,
Unwirtbar wär es, ohne Weile;
Was aber jener tuet, der Strom,
Weiß niemand.

Quelle: Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke. 6 Bände, Band 2, Stuttgart 1953, S. 198-201.

Im ersten Entwurf geht der Anfang etwa so:

Jezt kommen Feuer!
Begierig sind wir
Und wenn die Prüfung ist
An die Brutfedern gegangen
Mag einer spüren das Waldgeschrei. 

Friedrich Hölderlin: sämtliche werke. Frankfurter Ausgabe. Hg. D.E. Sattler. Band 8: gesänge II. Frankfurt/ Main: Stroenfeld / Roter Stern 2000, S. 719