Mit dabei sind auch Berliner. Von peinlich bis erotisch. Wie Aische (25), die Sex und Lyrik verbindet und Goethes „Erlkönig“ und „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke rezitiert. Der Clou dabei: Unterbrochen und unterstützt werden die Ballade und das Gedicht von Aisches lautem Stöhnen – und dem gleichzeitigem Strip. So will Aische (Aische studierte Germanistik auf Lehramt) Schülern Lyrik näherbringen. Wenn’s hilft… / Berliner Kurier
Ein anderes Lyrikfachblatt ergänzt:
So haben wir Goethe noch nie gehört! Die schöne Aische (25) rezitierte am Samstagabend für die RTL-„Supertalent“-Jury eine ungewöhnliche Version des „Erlkönigs“. Porno-Poesie nennt sich ihr Talent. „Man nimmt einfach ein Gedicht und stöhnt das“, erklärt Aische BILD.de. (Klicken auf eigene Gefahr)
Lyrik in der Provinz:
Ihr defizitärer Verlag bringt vor allem Lyrik heraus, deren tieferer Sinn sich beim ersten Lesen kaum erschließt.
Insofern haben die Juroren des Lotto Brandenburg Kunstpreises 2011 eine geradezu unpopulistische Entscheidung getroffen. Aus den 134 Einsendungen, meist Prosa, die um die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung konkurrierten, fischte das Gremium 60 Seiten Lyrik von Daniela Seel heraus. Bei der Preisverleihung am Donnerstag las die 37-Jährige mit leicht pathetisch-verträumter Stimme sperrige Texte aus ihrem Debütband „Ich kann diese Stelle nicht wiederfinden“. Dass ihr Vortrag Begeisterung oder Verständnis weckte, ließ sich nicht beobachten. Die Jury hob in ihrer Begründung hervor, dass diese „gedankenvollen Verse eindringliche Bilder für die Erfahrungen vergehender Zeit und verblassender Erinnerungen“ enthielten. / Märkische Allgemeine
Ein Glück, dass die ägyptische Revolution auch die Literatur der Moderne hinweggefegt hat. Die neuen Autoren wollen vor allem leicht und geerdet sein
meint Hamdy Abou Golayyel im Freitag:
Tatsächlich äußerte sich die oppositionelle Haltung der Moderne gegenüber den totalitären Regimes nie als Widerspruch, sondern allenfalls als Einspruch von Anhängern derselben Ideologie. Adonis, der große syrische, im Exil lebende Dichter der Moderne, schrieb: „Es kam ein schöner Sturm, aber die schöne Verwüstung blieb aus.“ Im Klartext – die Dichtung der Moderne muss ja immer erklärt werden – bezieht sich der „schöne Sturm“ auf die Befreiungsbewegung, die wiederum die Diktatur brachte, während die „schöne Verwüstung“, die alles auslöscht, auf sich warten lässt. Vergleicht man nun die Äußerungen von Adonis als berühmter Persönlichkeit der Moderne und die Äußerungen von Gamal Abdel Nasser als berühmter Persönlichkeit der Befreiungsbewegung, so lässt sich in den Ansichten über Modernisierung, Entwicklung und „Ausradieren“ der alten Zeiten, eine Ähnlichkeit, ja beinahe sogar schon eine Deckungsgleichheit feststellen.
Die Moderne war, wegen der Komplexität und Rätselhaftigkeit ihrer mit Bildern überladenen, fast schon karikaturistisch überzeichneten Sprache, ein Unglücksfall für die ägyptische und arabische Literaturgeschichte. (…)
Am schlimmsten war offenbar die ägyptische Lyrik betroffen, während der Roman weitestgehend verschont geblieben war. Zwischen den Gedichten von Osama al-Danasoury, den ich und viele andere auch für den Autor „neuer“ ägyptischer Literatur schlechthin halten, und den Gedichten gekrönter Häupter der arabischen Moderne wie Adonis, oder der ägyptischen Moderne wie Mohammed Afifi Matar, besteht ein gewaltiger Unterschied, allein schon in Bezug auf Sprache, Thematik und Haltung des Autors. Auf der einen Seite die Modernisten, leuchtendes Beispiel für den wortgewandten, gewissenhaften, gut informierten und gerechten Dichter, der sich, jederzeit gesprächsbereit, für die gesamte Nation einsetzt. Auf der anderen Seite Osama al-Danasoury, ein ganz normaler Mensch, der mit sprachlicher Schlichtheit und Leichtigkeit ausführlich Sorgen und Nöte beschreibt, die die finster dreinblickenden Herren Modernisten als banal, ja geradezu belanglos abgetan hätten.
scheiß angst vor der eigenen wut, scheiß wut auf die eigene angst. scheiß liebe zu beidem. scheiß wissen, worauf es bezogen sein könnte. / scheiße was wir geworden sind. scheiß kifferei und scheiß bier und scheiß schwangerschaften, scheiß stammtische-strammtische, selbst noch scheiß waldspaziergang.
Stefan Schmitzer
scheiß sozialer frieden [Gebundene Ausgabe]
89 Seiten
Verlag: Literaturverlag Droschl (12. September 2011)
ISBN-10: 3854207883
ISBN-13: 978-3854207887
Mehr konnte ich leider nicht finden – aber die Information ist ja da:
kunstpreis literatur von lotto brandenburg an daniela seel für „ich kann diese stelle nicht wiederfinden“, 15.9., preisverleihung in potsdam. mit laudatio und lesung. 19.00 h, haus der brandenburgisch-preußischen geschichte, kutschstall, am neuen markt 9, 14467.
*) auch wenn sie schon einige Preise bekommen hat: 81 ist die Nummer der Nachricht im September
Bedeutet der Name des höchsten afrikanischen Berges, des «Kilimandscharo», nach dem wahrhaft ironischen Understatement des Kiswahili, der am meisten gesprochenen Sprache in Ostafrika, «kleiner Hügel von Njaro»? Oder empfiehlt es sich, seine Spitze – als «den höchsten Punkt afrikanischer und deutscher Erde» – die «Kaiser-Wilhelm-Spitze» zu nennen, wie es der Deutsche Hans Meyer bei seiner Erstbesteigung am 6. Oktober 1889 unter Aufpflanzung der deutschen Fahne und, begleitend dazu, der dreimaligen Ausrufung eines kräftigen «Hurra» tat? / Ludger Lütkehaus, NZZ 13.9.
Wikipedia bringt je nach Sprache unterschiedliche Berichte (es lohnt sich auch in die Details zu gehen: was nicht nur für Hölderlin-Fassungen gilt):
An alternative theory is as follows: On November 10, 1848, the German missionary Rebmann wrote in his diary: „This morning we discerned the Mountains of Jagga more distinctly than ever.“ Jagga was the pronunciation of Chagga by Europeans. Kilimanjaro may also be the European pronunciation of the Chagga phrase that „Kile-lema-irho“, meaning „we failed to climb it“ in Kiuru, Kioldimoshi, Kimarangu, Kivunjo, Kikibosho, Kimachame and Kirombo, Kichagga in general. If so, name itself, Kile-lema-irho/Kilimanjaro, would have been the Chagga way of explaining to kyasaka (newcomers) when they asked about the shining mountain top of Kibo and Mawenzi Peak. Kibo peak is more visible from the Kibosho Area, and Mawenzi from Maranu.[citation needed]
In 1861 von der Decken climbed Mt. Kilimanjaro together with Richard Thornton (1838-1863)[8], „who got no farther than 8,200 feet“[9] (2,500 metres). In 1862 von der Decken tried a second time together with Otto Kersten. They reached a hight of 14,000 feet (4,280 metres).[10] [11]
In the 1880s, the mountain, at that time spelled Kilima-Ndscharo in German following the Swahili name components, became a part of German East Africa after Karl Peters had persuaded local chiefs to sign treaties (a common story that Queen Victoria gave the mountain to her grandson Kaiser Wilhelm II is not true).[12] In 1889 the peak of Kibo was named „Kaiser-Wilhelm-Spitze“ („Kaiser Wilhelm peak“) by Hans Meyer, on the first ascent to the summit on 5 October 1889. [5] That name was used until 1918, when after World War I the German colonies were handed over to the British empire. When British-administeredTanganyika gained its independence in 1961, the peak was named „Uhuru peak“, meaning „Freedom peak“ in Swahili.
Hans Meyer, a German professor was the first European to conquer Mount Kilimanjaro, accompanied by an Austrian mountaineer named Ludwig Purtscheller and a Marangu Army Scout named Kinyala Lauwo. They completed the climb on the 5 October, 1889. [13]
The Ki- prefix in Swahili has several underlying meanings. The old Ka- diminutive noun prefix (found now only as Kadogo – a small degree), merged with the Ki class. One of its meanings was to also describe something unique of its kind: Kilima, a single peak, as opposed to Mlima, which would better describe a mountain range or undulating country. Several other mountains also bear this prefix, such as Kilima Mbogo (Buffalo Mountain), just north of Nairobi in Kenya. People with disabilities are also placed in this class, not so much as a diminutive idea; but a unique condition they possess: a blind or a deaf person, Kipofu and Kiziwi. This prefix „Ki-“ in no way implies a derogatory sense. The name Kibo in Kichagga means „spotted“ and refers to rocks seen on snowfields. (English)
Den musikalisch dahinströmenden Versen im Zyklus «Sehnarben» stellt sich etwa der herbere, sprödere Modus von «Wintersaat» entgegen. In den «Briefgedichten» entwirft die Autorin sensible, aufmerksame Porträts von Wegbegleiterinnen und Freundinnen, wobei sie die eigene Existenz in jener der dargestellten Frauen spiegeln lässt, um selbstkritisch die Differenz wahrzunehmen. Manche dieser Gedichte, deren Aussagen sich aus dem feministischen Engagement nähren, enthalten indessen programmatische Ansätze, welche die poetische Atmosphäre etwas beeinträchtigen. / NZZ
Brigit Keller: Sehnarben. Gedichte. eFeF-Verlag, Bern 2011. 160 S., Fr. 25.–.
Erst anderthalb Jahre zuvor war sie aus London nicht etwa nach Polen oder Russland gezogen, in Länder, deren Sprachen sie beherrscht, wie ihre mehrfach ausgezeichneten Übersetzungen, unter anderem von Olga Tokarczuk, Hanna Krall und Svetlana Vasilenko, zeigen. Nein, Kinsky zog nach Budapest, ohne Ungarisch zu sprechen. Anderthalb Jahre lebte sie mit dem Gefühl, kein Wort in der schwierigen Sprache sagen zu können. Dann zog sie nach Battonya, legte vor dem «alten, mariatheresiengelben Serbenhaus» einen Garten an, vermietete den Rest des Feldes, erkundete die Gegend und schrieb. «Meine Texte sind aus der Sprachlosigkeit im Alltag entstanden. Die Namen der Dinge bekommen auf einmal einen ganz anderen Wert, wenn man alles neu benennen lernen muss.» «ich nenne die welt / wie ich will», heisst es in «die ungerührte schrift des jahrs»: «mein / abend- und morgenland und / schweige dabei, in der / mundart der dinge / zuhaus.»
Im Banat, das sowohl in Ungarn wie in Rumänien und Serbien liegt, wuchs die Schriftstellerin Esther Kinsky heran. In den achtziger Jahren hatte die Übersetzerin schon zwei Kinderbücher und Gedichte auf Englisch veröffentlicht. Nun erschrieb sie sich unter dem Eindruck der Sprachlosigkeit einen Zugang zur Tiefebene. / Jörg Plath, NZZ 14.9.
Der Junge aus dem Bürgerhaus im Südwesten Berlins ist an Lebensenergie, Neugier und Entdeckerfreude kaum zu übertreffen. Und Ende der Sechziger bietet die Halbstadt jede Menge Schlupfwinkel, in denen Heranwachsende sich ohne Hilfe von außen erwachsen geben können. Hubert schreibt Gedichte und liest sie so vor, dass man glaubt, einem großen zeitgemäßen Ereignis beizuwohnen. Jedenfalls Gleichaltrige glauben das und Mentoren, die, ähnlich wie er, von Amerikas Beat-Poeten bezaubert sind. Andere halten dieselben Zeilen, Schrift und Klang für faulen Zauber.
Diese doppelte Wirkung wird Hubert Skolud sein Leben lang hervorrufen, er wird dem Glück und dem Fluch des Schreibens auch immer entfliehen: Durch Projektplanung, Betreuung fremder Vorhaben, Sprung und Sturz ins Feiern, aber vor allem durch Menschenfang. …
Vielleicht ist es gar nicht erstaunlich, dass jemand, dessen Alltag so oft aus Jonglage von Halbwahrem, Verschwiegenem, Unbewältigtem besteht, sehr nach der Wahrheit verlangt. Im Schreiben wollte Hubert Skolud sie entdecken. Dass wir zu Hause sind, „wo Lügner Lügner Lügner nennen“, dies Nietzsche-Wort zitiert er oft, das gelte es zu überwinden.
Eine Krebskrankheit hat er gerade überwunden, lebt mit frischen Projekten am Start und der jungen Gefährtin seiner letzten Jahre, als er sich nach einer verzweifelten, von Wortwechseln und Telefonaten erfüllten Sommernacht vor ihren Augen aus dem Fenster stürzt. / Manfred Maurenbrecher, Tagesspiegel
| The Pope’s Penis
It hangs deep in his robes, a delicate From „The Gold Cell“ |
einige Wörter
del. zierlich, zart, empfindlich |
(Beitrag von 2001)
Der Band «Ich habe keine Feinde, ich kenne keinen Hass» versammelt Texte zu ganz unterschiedlichen Themen, die aber alle das moralische Totalversagen der chinesischen KP illustrieren. Auch wenn Lius Thesen nichts bahnbrechend Neues bringen, so überzeugen sie doch durch ihr reflexives Niveau. In ihnen verbinden sich historisches Wissen mit politischer Verve und einer tiefen Menschlichkeit. Der nun erschienene Band ist ein wichtiges Dokument und eine Art Handbibliothek, auf die deutsche Leser noch lange zurückgreifen müssen, wenn es um Liu Xiaobo geht. Er soll erst 2020 aus dem Gefängnis entlassen werden. / Katharina Borchardt, Neue Zürcher Zeitung
Liu Xiaobo: Ich habe keine Feinde, ich kenne keinen Hass. Ausgewählte Schriften und Gedichte. Mit einem Vorwort von Václav Havel. Herausgegeben von Tienchi Martin-Liao und Liu Xia. Aus dem Chinesischen von Karin Betz und Hans Peter Hoffmann. Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2011. 412 S., Fr. 35.50.
Dieser Artikel behandelt Ann Cotten, eine fiktive (1) Figur aus dem 2010 im Suhrkamp Verlag erschienenen Buch „Florida-Räume“.
Für die Autorin siehe Ann Cotten [1].
Ann Cotton ist die siebente in einer Reihe fiktiver Autoren, die auf ein Inserat „Mit Schreiben Geld verdienen?“ reagiert haben und deren Texte in dem Buch „Florida-Räume“ versammelt sind. Unter den zehn erfundenen Charakteren befinden sich auch Bettine, Bettines Mutter, Kraussers Clemens, Amun und Ein 200-kg-Tierfreund. Auffällig an der Figur Ann Cotten ist die Übereinstimmung ihres Namens mit dem der Autorin [2] des Buches. Bei ihren Zuschriften handelt es sich um Gedichte.
Mehr hier
Der in katalanischer Sprache schreibende französische Schriftsteller* Jordi Pere Cerdà, eigentlich Antoine Cayrol, starb am 11.9. in Perpignan. Er war der Barde seiner Region, der Cerdagne im Hochgebirge zwischen Frankreich und Spanien, die er nie verlassen hat. Sein Werk (Lyrik, Theater, Romane, Essays), sagt Wikipedia, spielt eine Rolle bei der Förderung der katalanischen Sprache und Kultur. Für sein Engagement wurde er mit hohen katalanischen Preisen geehrt, zuletzt 1999 dem Premi Nacional de Literatura de la Generalitat de Catalunya. André Bonet, Präsident des Centre Méditerranéen de Littérature, nennt ihn in seinem Nachruf den größten katalanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.
*) oder in Frankreich lebende katalanische? Was sagt Àxel dazu? Gleichwohl kommen beide Formulierungen zu spät, weil er nicht mehr schreibt und lebt. Sprache.
Ein großer Dichter der Feuerinfusion ist der späte Hölderlin. Hier sein Gedicht „Der Ister“:
Der Ister
Jetzt komme, Feuer!
Begierig sind wir,
Zu schauen den Tag,
Und wenn die Prüfung
Ist durch die Knie gegangen,
Mag einer spüren das Waldgeschrei.
Wir singen aber vom Indus her
Fernangekommen und
Vom Alpheus, lange haben
Das Schickliche wir gesucht,
Nicht ohne Schwingen mag
Zum Nächsten einer greifen
Geradezu
Und kommen auf die andere Seite.
Hier aber wollen wir bauen.
Denn Ströme machen urbar
Das Land. Wenn nämlich Kräuter wachsen
Und an denselben gehn
Im Sommer zu trinken die Tiere,
So gehn auch Menschen daran.
Man nennet aber diesen den Ister.
Schön wohnt er. Es brennet der Säulen Laub,
Und reget sich. Wild stehn
Sie aufgerichtet, untereinander; darob
Ein zweites Maß, springt vor
Von Felsen das Dach. So wundert
Mich nicht, daß er
Den Herkules zu Gaste geladen,
Fernglänzend, am Olympos drunten,
Da der, sich Schatten zu suchen
Vom heißen Isthmos kam,
Denn voll des Mutes waren
Daselbst sie, es bedarf aber, der Geister wegen,
Der Kühlung auch. Darum zog jener lieber
An die Wasserquellen hieher und gelben Ufer,
Hoch duftend oben, und schwarz
Vom Fichtenwald, wo in den Tiefe
Ein Jäger gern lustwandelt
Mittags, und Wachstum hörbar ist
An harzigen Bäumen des Isters,
Der scheinet aber fast
Rückwärts zu gehen und
Ich mein, er müsse kommen
Von Osten.
Vieles wäre
Zu sagen davon. Und warum hängt er
An den Bergen gerad? Der andre,
Der Rhein, ist seitwärts
Hinweggegangen. Umsonst nicht gehn
Im Trocknen die Ströme. Aber wie? Ein Zeichen braucht es,
Nichts anderes, schlecht und recht, damit es Sonn
Und Mond trag im Gemüt, untrennbar,
Und fortgeh, Tag und Nacht auch, und
Die Himmlischen warm sich fühlen aneinander.
Darum sind jene auch
Die Freude des Höchsten. Denn wie käm er
Herunter? Und wie Hertha grün,
Sind sie die Kinder des Himmels. Aber allzugedultig
Scheint der mir, nicht
Freier, und fast zu spotten. Nämlich wenn
Angehen soll der Tag
In der Jugend, wo er zu wachsen
Anfängt, es treibet ein anderer da
Hoch schon die Pracht, und Füllen gleich
In den Zaum knirscht er, und weithin hören
Das Treiben die Lüfte,
Ist der zufrieden;
Es brauchet aber Stiche der Fels
Und Furchen die Erd,
Unwirtbar wär es, ohne Weile;
Was aber jener tuet, der Strom,
Weiß niemand.
Quelle: Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke. 6 Bände, Band 2, Stuttgart 1953, S. 198-201.
Im ersten Entwurf geht der Anfang etwa so:
Jezt kommen Feuer!
Begierig sind wir
Und wenn die Prüfung ist
An die Brutfedern gegangen
Mag einer spüren das Waldgeschrei.
Friedrich Hölderlin: sämtliche werke. Frankfurter Ausgabe. Hg. D.E. Sattler. Band 8: gesänge II. Frankfurt/ Main: Stroenfeld / Roter Stern 2000, S. 719
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