Welt am Sonntag: Mr Carcelle, „We are Poems“ steht über uns an der Fassade Ihres zukünftigen deutschen Headquarters geschrieben, also „Wir sind Gedichte“. Wer ist wir?
Yves Carcelle: Jeder. Indem wir die Kunst in die Luxuswelt einführen, wollen wir eine zusätzliche Emotion erzeugen, und vielleicht liest der eine oder andere den Satz und entdeckt, dass etwas Poetisches in ihm steckt.
Welt am Sonntag: Ist dieses Kunstwerk ein gutes Beispiel dafür, wie der Imagetransfer von der Kunst in die Luxusbranche funktioniert?
Yves Carcelle: Wir engagieren uns in der Kunstwelt, zum einen wegen der Geschichte des Hauses und zum anderen, weil meine Definition von Luxus ist, dass ein Luxusprodukt eine emotionale Erfahrung verschafft, ob du es kaufst, es verschenkst oder es geschenkt bekommst. / Die Welt
Wenn Zehra Cirak etwas aufregt, dann die ewige Frage nach ihrem »Migrationshintergrund«. Die Autorin, eine mondäne Frau mit schwarzem Kurzhaarschnitt und knallrot geschminkten Lippen, wurde 1961 in Istanbul geboren, kam im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern und ihrem Bruder nach Deutschland und wuchs in Karlsruhe auf. Mittlerweile hat sie eine Reihe preisgekrönter Bücher veröffentlicht, darunter Bände mit Gedichten, Prosaminiaturen und Erzählungen. Sie liebt das Knappe, die kurze Form, das Paradoxe und den Wortwitz. So amüsiert sie sich in »Sprachspiel für eine Dramaturgin und eine Türkin« über Identitätsklischees: »Manchmal bin ich/meine eigene Dramatürkin«. Und aus »Stadt – Land – Fluss« wird bei ihr »Stadt – Land – Flucht«. …
Dennoch ist der wichtigste Literaturpreis, den Cirak bislang erhalten hat, der Adelbert-von-Chamisso-Preis, der von der Robert-Bosch-Stiftung an deutschsprachige Autoren nichtdeutscher Sprachherkunft verliehen wird. Andere prominente Preisträger sind Emine Sevgi Özdamar, Ilija Trojanow, Terezía Mora, Sudabeh Mohafez, Artur Becker, Vladimir Vertlib und Feridun Zaimoglu. Natürlich hat sie sich über den angesehenen Literaturpreis gefreut, doch wie ihr Kollege Zaimoglu kritisiert sie, dass man aus dem »Ghetto der Migranten« in Deutschland nicht ausbrechen könne, selbst dann nicht, wenn man im angeblich so offenen, multikulturellen Kulturbetrieb tätig ist. Sie kontert in einem Gedicht mit dem Satz: »Das Salz kennt keine Nationalgerichte«. Es sei erstaunlich, erklärte der Lyriker Joachim Sartorius in seiner Laudatio auf Cirak, »wie gering der Anteil an ›türkischen‹ Themen an ihrem Gesamtwerk ist«. Vergeblich suche man in ihren Texten nach türkischen Traditionen und Einflüssen. Als Vorbild hat die Schriftstellerin einmal die jüdische Dichterin Hilde Domin genannt. Joachim Sartorius meint, dass Ciraks Gedichte »im Grunde eigentlich alles Störfälle« seien. So bezeichnet Cirak in einem Text einen Künstler, der es zu gesellschaftlichem Erfolg gebracht hat, nicht als »berühmt«, sondern als »verrühmt«. / TANJA DÜCKERS, Jungle World
Die Spekulationen um den Literaturnobelpreis sind in vollem Gang: Wenn die Stockholmer Juroren Anfang Oktober nach Proporz entscheiden, wären die Lyriker oder die US-Literatur dran. Vielleicht gibt es aber wieder eine Überraschung wie 2009 mit Herta Müller.
Günter Grass wünscht sich den Israeli Amos Oz, die Zocker glauben an den syrisch-libanesischen Lyriker Adonis (oder an Tomas Tranströmer). / Süddeutsche Zeitung
Er schöpft in Lyrik, Prosa, Drama stets aus dem Vollen. Für seinen Mut zum expressiven, reichen Ton bekommt Albert Ostermaier den „Welt“-Literaturpreis. / Die Welt
Die Texte beider Autoren fügen sich zu einem erstaunlich homogenen Gesamtbild. Deren Schärfe ergibt sich nicht aus eventuell rechthaberischen Behauptungen sondern schon aus dem Material, das sie für ihre Montagen nutzen. Werbetext, Politikersprech, Sozialkunde. Sie führen außerdem Umstellproben mit politischen Sätzen durch, um deren Gehalt zu untersuchen. Dass es dabei nicht sehr „lyrisch“ zugeht, lässt sich denken. Die Grobheit ihrer Gegenstände geht mit einer gewissen Rohheit der Verfahrenszüge einher. Trotz der manchmal schwerwiegenden Gegenstände verlässt beide nicht die Selbstironie. Und auch Raum für Poetologisches bleibt ihnen selbst bei diesem Thema. So stellt Pohls „Gedicht, in dem eine Italienerin mit grüner Jacke auftaucht“ eine Meditation über die Qualität persönlicher Details und deren Mechanik der Glaubwürdigkeit dar.
Bei alledem bietet sich kein Anlass zu Überheblichkeit: Zwar werden Schuldige angedeutet, der Wunsch mit dem Finger auf diese zu weisen lässt aber nach, wenn immer wieder auch der Anteil des Lesers oder selbst der Autoren an diesen Gewaltverhältnissen angedeutet wird. Es zeigt sich, dass ein politischer Inhalt keine Abstriche an der Kunst impliziert. Zugespitzt: Unaufgeregt schaufeln sie ihre Wut zum Leser hinüber. Wer also seine Abneigung dieser Texte ästhetisch rechtfertigen möchte, prüfe vorher genau, inwieweit er nicht ein politisches Unwohlsein damit sublimiert. / Bertram Reinecke, Poetenladen
Kai Pohl, Clemens Schittko
da kapo mit CS-Gas
Gedichte
Fixpoetry Lyrikreihe
10,00 Euro
In der Rezension geht es auch um
Kai Pohl
Phantomkalender
29 Gedichte
Distilleri
6,00 Euro
In Deutschland geschriebene Gedichte sind auch deutsche Gedichte. Schon zu der Zeit, als die Merseburger Zaubersprüche aufgeschrieben wurden, lebten Juden in dem Teil des Frankenreichs, der später Deutschland wurde. Die schrieben auch Gedichte – auf Hebräisch. Sind sie auf Deutsch vorhanden? Stehn sie in Lesebüchern? Nein, oder kaum. Aber es ist auch unsere Geschichte.
1995 erschien bei Steidl ein deutsch-israelisches Lesebuch, deutscher Titel: Der Vogel fährt empor als kleiner Rauch, deutscher Mitherausgeber ist Christoph Meckel. Darin neben Gedichten lebender Dichter aus beiden Ländern hebräische mittelalterliche Dichtung aus Speyer, Worms und Mainz. Verramscht, vergessen.
Das folgende Gedicht hab ich aus einer englischen Sammlung. Ein anonymer Autor reist oder flieht aus Frankreich nach Deutschland ganz ähnlich wie viel später Heinrich Heine (der aber in umgekehrter Richtung floh und nur besuchsweise zurückreiste). Es ist irgendwann zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Meine Ausgabe ist zweisprachig Hebräisch und Englisch. Da ich leider kein Hebräisch kann, übersetze ich aus dem englischen Prosatext. Es handelt sich um sechszeilige gereimte Strophen, wenn ich die hebräischen Buchstaben richtig deute nach dem Reimschema: a a a b x b. Die jeweils letzten zwei Zeilen sind der durchgängige Refrain. Meine Übersetzung benutzt Reime und Halbreime, wo sie sich anboten.
Das nichtreimende (x) Wort in der vorletzten Zeile ist alman, Hebräisch für verlassen, verwitwet. Da es dem französischen allemand ähnelt, ist die Zeile im Original ein Wortspiel mit dem Gleichklang: Israel ist nicht verlassen / Israel ist nicht Deutschland. Meine Fassung verwendet abwechselnd beide Lesarten.
Reise nach Deutschland [1]
Als ich aus Frankreich kam
Und kam in Deutschland an
Fand ich die Leute grausam
Wie Vogel Strauß im wilden Dorn!
Oh, Israel ist nicht verlorn! [2]
Wer vergleicht Spreu mit Korn?
Freiheit hatte ich im Sinn,
Wollte vor Unfrieden fliehn.
Ach, Kummer war mein Gewinn.
Was hab ich hier verlorn?
Oh, Israel ist nicht Deutschland!
Wer vergleicht Spreu mit Korn?
Bereiste Elsaß kreuz und quer,
zu sehn wo Glück zu finden wär,
doch fand nichts weiter mehr
als daß die Weiber statt drunter drob´n!
Oh, Israel ist nicht verlorn!
Wer vergleicht Spreu mit Korn?
Diese aschkenasische Art, [3]
Finster der Blick, die Seele hart.
Männer mit Ziegenbart.
Verlogen von hinten bis vorn.
Oh, Israel ist nicht Deutschland!
Wer vergleicht Spreu mit Korn?
The Penguin Book of Hebrew Verse. Ed. and translated by T. Carmi. Harmondsworth: Penguin 1981, S. 453
_________
[1] Mittelalterliches Spottlied der sephardischen (West-) gegen die ashkenazischen (Ost-)Juden, die damals im Rheinland lebten.
[2] Verloren, hebr. alman, Wortspiel mit dem französischen Wort für deutsch: allemand! Also: Israel (=Frankreich, die westliche Judenheit) ist nicht Deutschland! Die Juden sind wir. Die Zeile aus Jeremia 51, 5. eigtl.: Israel ist nicht verlassen (verwitwet)
[3] Ashkenazim, die westlichen Juden im Gegensatz zu den Sephardim, den (ursprünglich) östlichen (spanisch/französischen) Juden.
Vor siebzig Jahren ermordeten SS- und Wehrmachtssoldaten wurden in der Schlucht Babij Jar mehr als 33.000 Menschen. Mittlerweile hat die Großstadt Kiew die Schlucht umschlossen. Sie ist heute ein Park.
Von Katja Petrowskaja, FAZ 29.9.
Ich habe nie verstanden, warum dieses Unglück immer das Unglück der anderen sein sollte. „Sämtliche Juden der Stadt Kiew und Umgebung haben sich am Montag, dem 29. September 1941 bis 8 Uhr Ecke der Meldnik- und Dokteriwski-Strasse (an den Friedhoefen) einzufinden…“ So hatte es die Wehrmacht plakatiert – und die Hausmeister hielten die Bücher bereit, die Polizei durchsuchte die Schulen, Krankenhäuser und Altersheime, damit wirklich „Sämtliche“ gehen. Als sie nach Babij Jar kamen, mussten sie sich ausziehen, wurden nackt durch die Reihen der Polizei getrieben, angeschrien und geschlagen – und da, wo man durch die Öffnung den Himmel sah, am Rande der Schlucht, wurden sie von beiden Seiten aus mit Maschinengewehren erschossen. Oder anders: Hunderte nackte Lebendige liegen auf nackten Leichen, erst dann wird geschossen, die Kinder wirft man einfach so auf die Leichen, um sie lebendig zu begraben, das spart Munition. (…)
Die „Literaturnaja Gaseta“ veröffentlichte ein Gedicht von Jewgeni Jewtuschenko: „Über Babij Jar, da steht keinerlei Denkmal. / Ein schroffer Hang – der eine unbehauene Grabstein. / Mir ist angst. / Ich bin alt heute, / so alt wie das jüdische Volk. / Ich glaube, ich bin jetzt / ein Jude.“ Meine Mutter erzählt, wie die Menschen einander anriefen. „Wir weinten vor Glück darüber, dass man über das Unglück nun endlich öffentlich sprach.“ Ein russischer Dichter hatte die jüdischen Opfer auf sich genommen, sie alle. Es ging bei ihm nicht mehr um „ihre“ Toten – und das stand jetzt gedruckt in einer sowjetischen Zeitung: „Jeder hier erschossene Greis -: ich. Jedes hier erschossene Kind -: ich.“ Innerhalb eines Monats wurde das Gedicht in 70 Sprachen übersetzt (ins Deutsche von Paul Celan). Nun war dieses Weltunglück nicht mehr obdachlos. Vielleicht deswegen bot Pier Paolo Pasolini für seinen Film „Das Matthäus-Evangelium“ Jewtuschenko die Rolle des Jesus an. Dimitrij Schostakowitsch vertonte Jewtuschenkos Gedicht im Adagio seiner 13. Symphonie. Es schien, als wäre die Ehre der Erinnerung wiederhergestellt worden.
So many awards are bestowed on celebrities renowned only for their celebrity that the idea of excellence seems reduced to a sleazy walk on the red carpet in search of glitz and glam. But recently, Kay Ryan, a former U.S. poet laureate, received an award that is meaningful and well-deserved.
Last week, Ryan, who in California married her partner of 30 years, the late Carol Adair, received a $500,000 “genius award” from the John D. and Catherine T. MacArthur Foundation. The award will be paid to Ryan in yearly installments of $100,000 for five years. Ryan will be free to use the award money as she pleases. At a time when mediocrity is too often the norm and the arts are frequently undervalued, this is great news not only for Ryan, poets, the culture at large, but the LGBT community as well.
Why am I so excited about this? Because the “genius” award honors the work of not only a great poet, but an openly lesbian poet, who has brought poetry to people in all walks of life. / Kathi Wolfe, Washington Blade
Für Lyrik wurden ausgewählt:
19. open mike – Internationaler Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik
Sa 5.11. ab 14:00
So 6.11. ab 12:00
„Der wichtigste Nachwuchswettbewerb der Liga U35“ (Tagesspiegel)
22 Nachwuchsautoren lesen zwei Tage lang um den Gewinn des open mike. Jeder Teilnehmer hat 15 Minuten Zeit, um die Jury zu überzeugen und die versammelte literarische Welt auf sich aufmerksam zu machen, dann schrillt der Wecker. Ausgewählt für das Finale wurden sie aus über 700 Einsendungen von sechs Lektoren renommierter deutschsprachiger Verlage.
Am Ende entscheiden die Juroren Felicitas Hoppe, Kathrin Schmidt und Tilman Rammstedt, sie können bis zu drei Preisträger küren, wobei einer der drei Preise für Lyrik vergeben wird. Für die Preisträger steht eine Gewinnsumme von insgesamt 7500 EUR zur Verfügung. Auch das Publikum kann einen eigenen Gewinner küren: Der taz-Preis der Publikumsjury beinhaltet einen Abdruck des Textes in der Tageszeitung.
Die Wettbewerbstexte erscheinen als Anthologie im Allitera Verlag und sind ab dem 2.11. in den Buchhandlungen Anakoluth, Prenzlauer Berg und ebertundweber, Kreuzberg und während des open mike zu erwerben, danach im Buchhandel oder unter www.allitera.de.
Am 13.11.2011 um 0:05 Uhr sendet Deutschlandradio Kultur die Reportage „19. open mike“.
Ort: WABE, Danziger Str. 101, 10405 Berlin (Prenzlauer Berg)
S-Bahn Prenzlauer Allee, M10 Winsstraße oder S-Bahn Greifswalder Straße
Eintritt frei!
Heute in Tom Bresemanns Reihe clicktriebe innerhalb von Gregor Koalls Lyrikmail
haikuzerstücklung: the air-conditioned nightmare pt. II von Kristoffer Patrick Cornils (*1987)
(kommt übrigens in der wohl vor auslieferung stehenden neuen randnummer!)
Da auf der Lyrikmailseite noch Hebbel steht, rück ich in der Hoffnung auf Einverständnis aller Beteiligten hier mal den Text ein (Text so wie er in der Lyrikmail stand. Nur der Smiley hat sich von allein aus Doppelpunkt und zwei | verwandelt):
haikuzerstücklung: the air-conditioned nightmare pt. II:
I frühling (langatmige ouverture)es ist keine feststellung: there will bebreakages in japanese in dem der weisevon ihm spricht der löwenkopfder aus wasser platscht da wo: ‚kirschblüten tanzen‘.II sommer (einsatz, fortissimo) auswendig gelernte briefewie aus schlamm geschleudertehandgranaten erfolgreicher zusammensetzung: saki, wir kennen dich,wir treiben ostwärts.III herbst (mit auslassung)tokyo narkotisch.miso und plastik auf dejimawie ein schlag im papiermit dem der pazifikder pazifikkrieg entschieden wurde.IV winter (suspense)der wind in den augen deraircon das tokyo narkoI have a constant fear that someone’s always near-leptischer eintagsfliegenV frühling ((wieder)aufnahme)sagawa issei mit thyrsosstab:der botschafter guten geschmacks:man shalt not eat man, -vorgeschmacks:als man sich am 31. 03. 1854 auf diestühle der götter setzte, zum angerichteten mahle:VI sommer (grande finale)das tokyo nekropolitaner vergangenheiten:das leise hiroshima dieser zeiten :||
Neuer Anlauf, hier die korrekt gesetzte Fassung des Anfangs als Grafik:
(randnummer sieht übrigens toll aus + liest sich gut: muß man sich besorgen!)
„Wir haben schon gewonnen. Es fragt sich nur, wie viel,“ sagt der tunesische Internetaktivist Slim Amamou, der nach dem Sturz des alten Regimes für 5 Monate Staatssekretär in der Übergangsregierung war.
„Heute ist die Zensur weitestgehend aufgehoben“, sagte er. Das Agence Tunisienne d’Internet (ATI), die oberste Zensurbehörde, habe Berufung gegen alle Zensurbestrebungen eingelegt und einen Wandel zu einer Behörde vollzogen, die nun die Freiheit des Internets verteidige.
Nun ehrte ihn die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin mit dem Menschenrechtspreis.
Schlechtere Nachrichten aus Ägypten:
„Im Moment geht es wieder abwärts. Es gibt Verbote, Zensuren, die Talkshows im Fernsehen scheinen gesteuert und Journalisten werden verhaftet und gefoltert.“ Im September 2011 wurde etwa die Redaktion des Fernsehsenders Al Dschasira in Kairo durchsucht und danach geschlossen. Die Repressionen der Militärjunta werden als Rückkehr in die Ära Mubaraks gewertet.
(…) „Der Protest ist noch im Gange. Die Menschen werden nicht mehr ihren Mund halten“, sagte Kassem.
/ Tagesspiegel 27.9.
Skeptisch ist dagegen der kürzlich mit dem Goethepreis geehrte Dichter Adonis. „Es gab keine arabische Revolution“, sagt er. Köpfe seien ausgetauscht worden, aber die Strukturen blieben. Der Nouvel Observateur sprach mit ihm.
Lang ist die Liste seiner auf Französisch vorliegenden Bücher:
Le regard d’Orphée
Adonis
Editions Fayard, 20,90 €
Mémoire du vent
Adonis
Gallimard, 8,46 €
Le livre
Adonis
Seuil, 23,75 €
La priere et l’epee
Adonis
Mercure de france, 18,83 €
Le temps des villes
Adonis
Mercure de france, 18,83 €
La forêt de l’amour en nous
Adonis
Mercure de france, 15,96 €
Introduction à la poétique arabe
Adonis
Sindbad-Actes Sud, 12,32 €
Identité inachevée et ouverte
Adonis
Rocher Eds Du, 10,93 €
Commencement des corps, fin de la mer
Adonis
Mercure de france, 13,30 €
Chronique des branches
Adonis
La Difference, 5,08 €
Chants de Mihyar le Damascène
Adonis
Gallimard, 9,98 €
Celebrations
Adonis
La Difference, 14,25 €
Tombeau pour New York Prologue à l’histoire des tâ’ifa Ceci est mon nom
Adonis
Sindbad-Actes Sud, 10,00 €
Noch mal Chemnitz:
Poet|bewegt – Wettbewerb für junge Literatur
Die Jury hat gesprochen. Zehn schafften es ins Finale.
Zehn junge Autorinnen und Autoren haben es in die Finalrunde, die 5. Literatur Arena im Chemnitzer Schauspielhaus geschafft.
Darunter für Lyrik:
„Lumpereien im Chemnitzer Staatsgymnasium“, „Flieg flog … leider nicht“: Mit Schlagzeilen wie diesen eröffneten heute vor 80 Jahren Chemnitzer Nationalsozialisten eine bis dahin beispiellose mediale Hetzjagd gegen einen Schüler der Abiturientenklasse des damals angesehensten Chemnitzer Gymnasiums. Der 18-jährige Helmut Flieg hatte drei Wochen zuvor, am 7.September, in der örtlichen SPD-Zeitung „Volksstimme“ unter dem Titel „Exportgeschäft“ ein bissiges Gedicht über den Einsatz deutscher Militärberater im bürgerkriegsgeplagten China veröffentlicht.
Aus Helmut Flieg wurde wenige Jahre später Stefan Heym, und die Vorgänge vom Herbst 1931 markierten den eigentlichen Beginn seiner literarischen Laufbahn. / Michael Müller, Freie Presse 28.9.
Dem Artikel ist ein Faksimile des Gedichts beigegeben, hier ein Auszug:
Exportgeschäft
Wir exportieren! Wir exportieren!
Wir machen Export in Offizieren!
Wir machen Export! Wir machen Export!
Das Kriegsspiel ist ein gesunder Sport!
Die Herren exportieren deutsches Wesen
zu den Chinesen! Zu den Chinesen!
Gasinstrukteure, Flammengranaten
auf arme, kleine, gelbe Soldaten –
Denn daran wird die Welt genesen …
(…)
Wir lehren Mord! Wir speien Mord!
Wir haben in Mördern großen Export!
Hurra!
Es freut sich das Kind, es freut sich die Frau,
von Gas werden die Gesichter blau.
Die Instruktionsoffiziere sind da!
Was tun wir denn Böses? Wir verbreiten doch nur
die deutsche Kultur!
das muß wohl stimmen, das hört man jetzt öfter:
„Ist unser Volk der Reimerchen seit Gottfried Benn im Eimerchen?“ fragte 1965 der paukende Kabarettist Wolfgang Neuss. Fast ein Jahrzehnt nach seinem Tod war Benn noch der Maßstab. Ein paar Jahre später schien er dann endgültig ins Hintertreffen geraten gegenüber seinem immerwährenden Antipoden Bertolt Brecht. Erst in den 90er Jahren hat sich das Verhältnis der bedeutendsten deutschen Lyriker des 20. Jahrhunderts wieder gedreht: Brecht wird zwar noch gelesen, aber Benn ist heute für junge Dichter und die Wissenschaft weitaus interessanter. / Harald Ries, WAZ 27.9.: „Gottfried Benn ist der Maßstab“
In diesem Jahr wäre Gottfried Benn 125 Jahre alt geworden. An der Universität Siegen findet deshalb vom 29. September bis 1. Oktober ein internationales Symposium über den 1956 gestorbenen Arzt und Schriftsteller statt.
125. Geburtstag war am 2. Mai, 55. Todestag am 7. Juli.
schreibt Georg Kolbe mit rotem Stift auf einen Zettel. In einem Aktenordner hat der Bildhauer alle Gedichte abgeheftet, die ihm Bewunderer gewidmet haben. Solche beiläufigen Notizen finden selten den Weg in die Öffentlichkeit. Das Georg Kolbe Museum hat jetzt* die Idee, den Besuchern einen Blick in sein Archiv zu gewähren. / Simone Reber, Tagesspiegel
*) Dieser Artikel vom Dezember 2010 erschien heute bei google.news
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