Der Liedermacher und Schriftsteller Franz Josef Degenhardt ist am Montag im Alter von 79 Jahren am Wohnort der Familie in Quickborn (Schleswig-Holstein) gestorben. Dies bestätigte seine Familie am Montagabend mehreren Nachrichtenagenturen. …
Degenhardt etablierte sich in der Folge zu einem der bekanntesten Liedermacher der linken Bewegung in der alten Bundesrepublik. Zu Degenhardts Vorbildern zählten François Villon, Georges Brassens, Kurt Tucholsky und Bertolt Brecht. Der Künstler publizierte rund 30 Alben und mehrere Textbücher. Außerdem verfasste er sieben Romane, darunter die 1975 erschienenen „Brandstellen“. / FAZ
Geschichte des tschechischen Volkslieds (Teil 1): von den ältesten Nachweisen bis ins 19. Jahrhundert
12-11-2011 02:01 | Jitka Mládková, Radio Prag
An Staatsfeiertagen wie am Tag der Heiligen Kyril und Method, am Jan-Hus-Tag oder am St. Wenzelstag, genauso wie bei weiteren offiziellen Veranstaltungen werden in Tschechien alte geistliche Lieder gesungen. Das geschieht vor allem in Kirchen, aber nicht nur. Nur noch Musikwissenschaftler wissen heute aber wohl noch, dass in manchem dieser Lieder die Melodie eines vielleicht noch älteren Volksliedes versteckt ist. Dabei sind es die ältesten überlieferten Spuren dieses Kulturguts. …
Zu den ältesten tschechischen Liedern, die aus dem Mittelalter bekannt sind, gehört ´Hospodine pomiluj ny´, in dem der Herrgott um Gnade gebeten wird, oder „Svatý Václave“, eine Hymne an den böhmischen Landespatron, den Heiligen Wenzel. Es wird angenommen, dass es in derselben Zeit auch simple Volkssongs, eine Art Gassenhauer gab. Mit diesem Genre hat sich allerdings niemand seriös befasst. Und so mag es heutzutage überraschend sein zu erfahren, dass in alten geistlichen Liedern alte volkstümliche Melodien anklingen. …
„Vor allem zwei der vier ältesten tschechischen Kirchenlieder, und zwar ´Buoh všemohúcí´ – auf Deutsch ´Gott der Allmächtige´ – und ´Jezu Kriste ščedrý kněže´ – Jesus Christus, du Großzügiger Priester´ – hatten ihre Pendants im deutschen geistlichen Lied. Ein anderes Beispiel: Im 14. Jahrhundert hat sich der böhmische Kirchenreformator Jan Hus um die Entstehung tschechisch gesungener Kirchenlieder verdient gemacht. Einige hat er offenbar aus dem deutschen Liedgut übernommen.“
… familiäre Devotionalien wie das „schlampig geführte Reichsarbeitsbuch des Großvaters“ ebenso wie die eigene Person betreffende Unterlagen und „Mitgliedsausweise verschiedener Massenorganisationen“ – der „Ausweis der Freien Deutschen Jugend“, der „Ausweis der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ und andere, jeweils ohne das herausgerissene Passbild, das für den jeweils nächsten Ausweis benötigt wurde …
/ Stefan Heuer, cineastentreff, über
Jan Kuhlbrodt: Zentralantiquariat. Gedichte (parasitenpresse)
Der sächsische Lyriker Andreas Altmann erhält heute [Sonnabend] um 19 Uhr in Weimar die mit 5000 Euro dotierte Manfred-Jahrmarkt-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung. Altmann beschreibe Natur und Landschaften in magischen und eigensinnigen Bildern, so die Begründung der Jury. Seine Gedichte ermöglichten einen anderen Blick auf scheinbar Vertrautes. / Bild
Nach Angaben des Writers-in-Prison-Komitees im internationalen Schriftstellerverband PEN wurden im ersten Halbjahr 2011 weltweit 647 Autoren getötet, misshandelt oder eingesperrt.
69 von ihnen warten hinter Gittern auf ihr Urteil, weitere 107 verbüßen eine oft mehrjährige Haftstrafe, andere sind wieder auf freiem Fuß. / dpa/ news.de
5 von ihnen werden in der Agenturmeldung genannt, darunter:
NGUYEN XUAN NGHIA: Der vietnamesische Schriftsteller veröffentlichte Gedichte und Kurzgeschichten im Internet. Darin kritisierte er auch Hanois kommunistische Machthaber und setzte sich für eine Demokratisierung in Vietnam ein. Im September 2008 wurde er wegen Propaganda gegen die Regierung zu sechs Jahren Haft in einem Arbeitslager verurteilt.
Goethe taucht an den Schulen kaum noch auf, aber auch Reiners ewiger Brunnen ist den meisten Kindern unbekannt. Sie kennen die Gedichte der klassischen deutschen Literatur nicht mehr, nicht im Herbst und nicht in anderen Jahreszeiten. Sie kennen keinen Rilke mehr („Herr, es ist Zeit…“), keinen Mörike („Ich sah des Sommers letzte Rose stehn…“), keinen Storm („Der Nebel steigt, es fällt das Laub…“), keinen Brecht („Am Grunde der Moldau …“), keinen Schiller, keinen Brentano, keinen Uhland, keinen Heine, keinen Novalis, keinen Nietzsche.
Wann haben die Schulen Abschied genommen von der großen Literatur und warum? Es hat keine Begründung gegeben, man hat sich über diese Frage nicht gestritten. Man hat nicht gesagt: Wir wollen keinen Goethe mehr und keinen Brecht. Es war eher eine ganz große kulturelle Schlamperei, ein zufälliges Vergessen. Keiner hat es gemerkt, die Lehrer nicht, die Erziehungswissenschaftler, die Schulräte und die Eltern nicht.
Jetzt kommt die Adventszeit und die Kinder werden in den Schulen singen: „In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Leckerei…“ Ein schönes Lied. Aber warum singen sie nicht auch: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…“? / Gunnar Schupelius, B.Z.
Er ist der Sänger der verdammten Seelen. Der Prinz der verfluchten Dichter. Der lärmende Inspirator von Verlaine und Rimbaud. „Das ist der Boss der Poesie. Der Bruce Springsteen der 5ten Kunst“, sagt Jean Teulé, der ihm 2006 eine gut recherchierte Biografie widmete. „Ich, François Villon“ wurde gerade als Comic vom italienischen Zeichner Luigi Critone adaptiert. … Das Leben des François de Montcorbier, der im Jahre 1431 in Paris geboren wurde, paßt zu seinem Werk: verrückt, anstößig, stürmisch, ironisch, manchmal pathetisch. Illustriert von Critones meisterlicher Hand gewinnt der Lebenslauf des Autors der „Ballade der Gehängten“ und des „“Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr“ eine zusätzliche Dimension, wie man sie vom bloßen Lesen kaum erreicht. / L’Indépendant
– Die verfluchten Dichter, Les poètes maudit, Titel eines Buches von Paul Verlaine über Dichter wie Tristan Corbière, Arthur Rimbaud, Stéphane Mallarmé und sich selber (letzteres unter derm Pseudonym Pauvre Lelian, ein Anagramm aus seinem Namen). Villon paßt in Leben und Werk wunderbar in diese Reihe.
Chemnitz, 15. November 20.00 Uhr Theater, Zieschestr. 11
Bertram Reinecke bei
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Erst zum dritten Mal in der achtjährigen Geschichte der Reihe ist ein Verleger zu Gast.
Er ist der Sänger der verdammten Seelen. Der Prinz der verfluchten Dichter. Der lärmende Inspirator von Verlaine und Rimbaud. „Das ist der Boss der Poesie. Der Bruce Springsteen der 5ten Kunst“…
Wer ists? Wer räts ohne Googeln? Auflösung heute nacht.
Seit Jahren gehört zu jedem Pausengeplauder beim open-mike-Wettbewerb die etwas abgewetzte Behauptung, dass die vorgetragene Lyrik der Prosa meilenweit vorauslaufe. Für die wie verlangsamt tastenden Metamorphosen in den Gedichten des Lyrik-Preisträgers Sebastian Unger, Jahrgang 1978, mochte das stimmen.
Vielleicht hat die immerzu allgemein erhobene Behauptung aber eher damit zu tun, dass die Dichter wirkungsvoller das Sprachmaterial der Gegenwart zu filetieren vermögen. Auf dem Wettbewerb war vielmals eine Art Dichterjargon zu hören, der seine Effekte zuvörderst daraus zieht, ein Vokabular freizulegen, das aktuell anmutet. Bisweilen konnte das naiv wirken. Wenn immer wieder in einzelnen Gedichten ‚Latte Machiavelli‘ geschlürft oder ‚mit dem arsch in richtung marktsegment‘ gebetet wurde, dann suggerierten diese Kalauer ihre Gegenwärtigkeit lediglich.
Haben also die Handwerksstücke der Shortstory-Schreiberinnen ihre Leichen im Keller, so ringt der Fachsprechwahn der jungen Lyriker manchmal recht mechanistisch um Leben. Das sahen Jury und Publikum ähnlich. ‚Machen Sie doch einfach mal, worauf Sie Lust haben!‘, rief Felicitas Hoppe, und alle applaudierten. / FLORIAN KESSLER, Süddeutsche Zeitung 8.11.
Hingegen erwies sich die Jury beim Lyrik-Preis als mutlos: Der am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierende Sebastian Unger, Jahrgang 1978, schrieb über erdrückende Gefühle und Alltagsbeschreibungen – so häufig gehört, so langweilig.
Doch die Jurorin und Lyrikerin Kathrin Schmitt [!] überzeugte die beschriebene Melancholie Ungers als „vielfarbig schwarz“.
Lobend erwähnte die Jury immerhin sowohl die Lyrik-Beiträge von Charlotte Warsen und Tristan Marquardt als auch den Romanbeginn von Stefan Köglberger. …
Alles in allem war es ein starker Jahrgang. Die 250 Zuschauer haben unterschiedlich gute Texte gehört: Von epischen Landschaftsbeschreibungen (wie von Anja Kootz) über Operetten-Groteske des Selbstdarstellers Meter Mütze bis hin zu experimenteller Lyrik eines Tristan Marquardt reichte das Spektrum. / Angelo Algieri, Saarbrücker Zeitung 10.11.
Die Lyrik ging in diesem Jahr auffallend in die Breite. Statt Vers-Verdichtung wurden kreuz und quer schießende Assoziationsströme einer hyperreflexiven Empfindsamkeit geboten. Ein hoher Ernst ist am Werk, der Verständlichkeit als banausische Zumutung empfindet. Intermedial angeschlossen und auf der Höhe vielfältiger Diskurse, aber mit dem Rücken zum Publikum geschrieben wird diese neue Lyrik zum Dorfplatz für urbane Eremiten. „Dunkelfarbige Melancholie“ rühmte die Jury an den Gedichten des 1978 geborenen Sebastian Unger, der den Lyrikpreis erhielt. Seine Texte orientieren sich an der Bildlichkeit von Borges‘ „Phantastischer Zoologie“ und stellen das Leben still in Epiphanien von erhabener Müdigkeit. / Wolfgang Schneider, FAZ 8.11.
Mehr verdient hätte den Preis Tristan Marquardt, dessen fragmentarisch-holprige Wortkaskaden für begeisterten Applaus sorgten und der Jury immerhin ein Lob entlockten. Seine Gedichte zeichnen eine Stimmung des gedankenlosen Dahinlebens, das vom Zufall bestimmt scheint, und den Personen nichts weiter lässt, als verwunderte Blicke in die Welt zu werfen – in „das blaue whatever / dürfte der himmel sein“, wie es in seinem Gedicht „fehl am platz am fenster“ heißt. / Julia Kohl, Berliner Zeitung 7.11.
Besonders im Bereich der Lyrik gibt es vielversprechenden Nachwuchs, zum Beispiel Charlotte Warsen und Tristan Marquardt. / blogabsatz.de
Die Publikumsjury durfte sich ja nur einen Sieger aussuchen, und dabei hatten die Lyriker naturgemäß weniger Chancen, doch Tristan Marquardt hätte es fast geschafft, der erste Sieger zu werden, der von der taz-Jury ausgesucht worden wäre. Er riss mit seinem lebendigen Vortrag das Publikum und uns fünf mit, selbst die Autoren-Jury erwähnte ihn deswegen lobend. Tristan Marquardt ist der Dichter der Zehner-Jahre, er lebt seine Lyrik, er lebt seine Texte – ich hoffe und glaube auch, dass er bald viele Preise gewinnen wird. Und natürlich auch gelesen wird! / schmerzwach.blogspot.com
Spielend bewegt sich der Wiener dabei im Referenzuniversum, zitiert scheinbar mühelos den jungen Ambros, Syd Barrett und allerlei schrägen 60er-Jahre-Kram.
Die Texte? Kaum fassbar, stets pendelnd zwischen purem Nonsens, punktgenauen Alltagsbeobachtungen und lyrischen Schrägflügen. Manchmal verläuft diese Lyrik-Flut im Leeren, dann wieder gelingen wahre Song-Perlen wie „Plurabelle“, „Venedig geht unter“ oder „Finnigans Wake“. / Lukas Luger, Oberösterreichische Nachrichten
Nino Mandl alias „Nino aus Wien“: „Schwunder“
Christoph Meckels Erinnerungsbuch an die Nachkriegszeit in der „Russischen Zone“ ist keine der üblichen Autobiografien. …
Meckels Buch ist frei von Larmoyanz und Verbitterung gegen die Russen. Und das Kind, das unter den Bedingungen der Besatzung, trotz innerer Bereitschaft, kein Russisch erlernen sollte, wird als junger Mann zum Liebhaber russischer Literatur – um im Paris der Fünfzigerjahre schließlich Paul Celan zu treffen und im Manuskript seine Nachdichtungen Mandelstams, Bloks und Jessenins zu lesen. Ein versöhnlicher Ausblick am Schluss dieses kleinen Meisterwerks. / Jan Koneffke, Die Presse 12.11.
Neuentdeckte Gedichte Siegfried Sassoons werfen neues Licht auf die Sicht des Autores von scharfen Antikriegsgedichten wie „The Redeemer“ und „Suicide in the Trenches“ auf den ersten Weltkrieg.
Seine Biografin Dr. Jean Moorcroft Wilson entdeckte die Gedichte im Archiv der Universität Cambridge in einem Tagebuch aus dem Schützengraben vom Januar 1916. Sie zeigen, daß der junge Dichter, der im November 1915 zu seinem Batallion in Frankreich gestoßen war, nicht sofort zornige Gedichte über die Schrecken des Krieges schrieb, sondern ihn zuerst als heroisches Abenteuer ansah.
In The Hero erfährt eine Mutter vom Tod ihres Sohnes („Jack fell as he’d have wished“), während der Offizier, der ihr die Nachricht überbringt, daran denkt, „how ‚Jack‘, cold-footed, useless swine, / Had panicked down the trench that night the mine / Went up“. The Redeemer ist die Vision eines Soldaten im Schützengraben als Christus, die so endet: „O Christ Almighty, now I’m stuck!“. In Suicide in the Trenches, schreibt er darüber, wie ein „simple soldier boy … put a bullet through his brain. / No one spoke of him again.“
Nachdem Sassoon 1917 von einem Scharfschützen verwundet wurde, kam er nach England zurück und schrieb weiter an seiner berühmten „declaration against the war“, in der er den Krieg als „a war of aggression and conquest“ entlarvt und erklärt: „I can no longer be a party to prolong these sufferings for ends which I believe to be evil and unjust“.
Ganz anders in den neuentdeckten Gedichten: „You and the winds ride out together / Your company the world’s great weather / The clouds your plume, the glittering sky / A host of swords in harmony / With the whole loveliness of light flung forth to lead you through the fight“. Das erinnere mehr an die idealistischen Kriegsgedichte von Rupert Brooke. / Alison Flood, Guardian 11.11.
Vom Krieg zum Frieden
Sassoon, Siegfried. – Köln: Volker-Verl., 1947
Glück im Sattel
Sassoon, Siegfried. – Kempen-Niederrh.: Thomas-Verl., 1949
In der 4bändigen Anthologie englischer und amerikanischer Dichtung von Horst Meller und Klaus Reichert, C.H. Beck 2000, finden sich zwei Gedichte von Sassoon (wenn auch keins der hier genannten). Vielleicht kennt jemand andere Übersetzungen?
… denn heute ist es soweit:
Am Freitag, 11. November, feiert der Leipziger Dichter Andreas Reimann nicht nur seinen 65. Geburtstag. Im Haus des Buches wird gleichzeitig der erste Band einer Andreas-Reimann-Werkausgabe vorgestellt. „Die Weisheit des Fleischs“ heißt der. Er erschien 1975 in der DDR und hatte ein ähnliches Schicksal wie Thomas Böhmes „Mit der Sanduhr am Gürtel“: Er wurde zu einem Bestseller und zu einer Legende.
Und das Warten auf Band 1 lohnt sich natürlich, denn hier werden seine Gedichte aus den Akten der Stasi auftauchen. Li-Z
Leipzig, 19.30 Uhr, Haus des Buches,
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