Die Mörder von Roque Dalton, einem der bedeutendsten salvadorianischen Schriftsteller, werden straflos bleiben – zumindest in ihrer Heimat. Ein Gericht in San Salvador hat am Montag das Strafverfahren gegen die ehemaligen Guerilla-Kommandanten Joaquín Villalobos und Jorge Meléndez definitiv eingestellt. Der Fall sei verjährt, begründete Richter Romeo Giammattei seine Entscheidung. Villalobos und Meléndez sollen den Mord an Dalton geplant und an der Vollstreckung beteiligt gewesen sein. Der Dichter und Romancier war nach Zeugenaussagen am 10. Mai 1975 in der Nähe von San Salvador erschossen worden. Seine Leiche wurde nie gefunden.
… Dalton, ein undogmatischer Denker, passte nicht in das militärische Schema von Befehl und Gehorsam. Man warf ihm vor, Agent des US-Geheimdienstes CIA zu sein und für den kubanischen Geheimdienst zu arbeiten. Obwohl es dafür nie Anhaltspunkte gab, wurde sein Tod beschlossen und vollstreckt. Seine Leiche wurde auf einem Lavafeld verscharrt und wahrscheinlich von streunenden Hunden verschleppt. / CECIBEL ROMERO, taz 10.1.
Da ich leider nicht Ungarisch kann, kupfer ich beim lieben Perlentaucher ab:
In literarischen Zeitschriften Ungarns findet seit einigen Monaten eine Debatte über Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft des politischen Gedichts statt. Die meisten ungarischen Autoren hatten sich zwar in den vergangenen Jahrzehnten von politischen Themen abgewendet. Dennoch sieht der Kritiker Sandor Bazsanyi einen Ausgangspunkt für die politische Dichtung: „Nach meiner für den persönlichen Gebrauch formulierten Auffassung von politischen Gedichten sprechen diese gegenüber der jeweiligen Gemeinschaft die im ‚hier und jetzt‘ gegebene Situation an, und dabei sollten sie, wovon sie sprechen, mit möglichst direkten Mitteln, also so genau wie möglich, gar leidenschaftlich beim Namen nennen. […] Und so sollte nach meiner Ansicht die ungarische politische Dichtung von heute sein: Bildhaft,aber nicht kosmologisch; direkt, aber nicht propagandistisch; gewichtig, aber nicht ideologisch; und vor allem: leidenschaftlich, aber nicht borniert.“
Elet es Irodalom (Ungarn), 06.01.2012
Lyrikrelevant dort auch The Economist (Großbritannien), Guernica (USA) und Poetry Foundation (USA).
*) Irgendwie muß sie sich ja von der Politik absetzen.
Als „Die Königinnen“ werden Gomringer und Zeul die Bühne regieren, beide direkt, beide eigenwillig, beide sie selbst. Mit voller Stimmstärke und souveränem Körpereinsatz unterhalten und irritieren sie mit ihren intelligenten und humorvollen Gedichten und Songs. Präsentiert werden die beiden von einer dritten Dame mit eigenwilligen Texten voll Wucht: Lydia Daher. / Sandra Zistl, Die Welt
Ich schrieb mal, ich lese die Zeit noch solange die Lyrikaktion im politischen Teil anhält. Siehe da, sie haben sie prompt übers Jahresende hinaus verlängert. Aber heißt das, ich lese Cicero, bloß weil Joachim Sartorius dort eine Lyrikserie hat? Nein. (Hier widmete ich ihm, also Cicero, mal ein Gänseblümchen).
Aber anklicken kann man ihn mal. Hier stellt der Autor ein politisches Gedicht von Adolf Endler vor: Santiago.
Denn wer bei diesen »Schneegedichten« zuerst an die klassische Berieselungslyrik des Goethe-Rilke-Hesse-Triumvirats denkt, der irrt. Ron Winkler, der sich bereits mehrmals als Anthologist der Gegenwartslyrik betätigt hat – man denke zum Beispiel an das grandiose »Neubuch« – legt bei seiner Auswahl keinen Wert auf Kaminfeuerästhetik.
Nicht umsonst stellt er Jakob van Hoddis’ »Tristitia ante…« an den Anfang: »Ich hasse fast die helle Brunst der Städte.« heißt es da. Dankenswerterweise zieht sich verschwindend wenig verkitschtes Weihnachstum durch den gesamten Band. Die Anthologie beißt sich nicht an einem Stil fest, sondern stellt verschiedene Perspektiven nebeneinander, versammelt natürlich viel Schönes, einiges Melancholisches, aber auch sehr Abstraktes, Steriles, sogar Häßliches. Die Autorinnen und Autoren deklinieren den Schnee durch, frei nach Rolf Dieter Brinkmanns Worten »Schnee: wer / Dieses Wort zu Ende / Denken könnte / Bis dahin / Wo es sich auflöst« bis hin zu den »reproduktionen von schnee«, von denen Daniela Seel spricht. …
Die »Schneegedichte« haben Ganzjahresqualitäten. Kann man sich nach Weihnachten auch sich selber schenken. / Kristoffer Cornils, junge Welt
Ron Winkler (Hrsg.): Schneegedichte. Schöffling & Co, Frankfurt am Main 2011, 208 Seiten, 14,95 Euro
Wäre Burroughs ein Charakter in einem Spielfilm, wäre er vollkommen unglaubwürdig, ein verheirateter homosexueller Mann, der die konventionelle Schwulenbewegung hasst und der seine Frau (in Mexico City) im Rausch erschießt, als die beiden Wilhelm Tell nachspielen. Ein Junkie, der wahrscheinlich über 50 Jahre abhängig war und währenddessen mindestens eine komplett neue Literaturbewegung, inklusive neuer Technik, geschaffen hat und nie ohne mindestens eine Knarre ins Bett ging. Davon abgesehen zeigt A Man Within auch den unglaublichen Einfluss, den Burroughs auf Bands wie die Sex Pistole, Nirvana oder Sonic Youth hatte. Durch seinen Ruf und seinen gigantischen Einfluss ist ist Burroughs normalerweise eine Art unbegreiflicher Titan, dem man versucht durch Anekdoten irgendwie nahezukommen. Durch die unterschiedlichsten Wegbegleiter, die in A Man Within zu Wort kommen und von denen viele einen genauso großen Titanenstatus haben, kann man vielleicht an dem echten Menschen, wenn wahrscheinlich nicht ganz, so doch zumindest eher greifen. / vice.com
Auf nicht weniger als 1200 Seiten hat der Historiker und Herausgeber deutsche Gedichte von 305 Autorinnen und Autoren mit jüdischen Wurzeln versammelt: „Ist es Freude, ist es Schmerz?“
Viereinhalb Jahre recherchierte Schmidt minuziös und hartnäckig für diese alphabetische Anthologie, deren früheste Gedichte von Moses Mendelssohn von 1777 stammen und die aktuellsten u.a. vom 1960 geborenen Maxim Biller. Eine Herkules-Aufgabe, beflügelt von seinem Herzenswunsch nach „einer Symbiose zwischen Juden und Deutschen.“ Und man kann es zweifellos als Wertschätzung lesen, dass Stéphane Hessel, Widerstandskämpfer, Buchenwald-Überlebender und Schriftsteller, das Geleitwort schrieb. „Lebensbilder von Atem nehmender Traurigkeit“ zeige das Buch ebenso wie „die Vielfalt jüdischen Geisteslebens in den deutschsprachigen Kulturen.“
„Vielleicht hilft das Buch ,mehr Verständnis zu schaffen“, hofft der 1928 in Leipzig geborene Herausgeber. Herbert Schmidt war zehn Jahre, als die Nazis in seiner Geburtsstadt Juden in den Fluss trieben und steinigten. Tief brannte sich dieses Erlebnis ins Gedächtnis des Jungen, in dessen Elternhaus Hitler ein Schimpfwort war. …
Auch bei Franz Kafka blieb Schmidt beharrlich: Wer so zärtliche Liebesbriefe schreibt, der hat auch Gedichte verfasst, war er sicher – und grub 12 Vers-Werke Kafkas aus. Ganz selten bekam der Rechercheur eine Absage. Ruth Klüger, die ihre in Auschwitz verfassten Kindheitsgedichte „nicht mehr angemessen“ fand und nicht veröffentlichen lassen wollte, zählt zu den wenigen Ausnahmen. / westen.de
Den Mörike-Preis der Stadt Fellbach 2012 erhält der in Berlin lebende Romanautor und Erzähler Jan Peter Bremer, Jahrgang 1965. Er wurde von der Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff gewählt, die diesmal als Vertrauensperson fungierte. Im vergangenen Jahr erschien von Jan Peter Bremer der viel beachtete Roman ‚Der amerikanische Investor‘ (Berlin-Verlag). Der Mörike-Preis ist mit 12 000 Euro dotiert und wird am 7. März 2012 verliehen. Den Förderpreis in Höhe von 3 000 Euro hat Jan Peter Bremer dem Lyriker Konstantin Ames zuerkannt. / Süddeutsche Zeitung 3.1.
Sa 14.1. 19:00
Alice Salomon Poetik Preis 2012 – Verleihung an Emine Sevgi Özdamar
Der Alice Salomon Poetik Preis, vergeben von der Alice Salomon Hochschule Berlin, geht im Jahr 2012 an Emine Sevgi Özdamar.
»Mit Phantasie, Humor und Selbstironie sucht die Autorin nach Um- und Auswegen aus der Sprachlosigkeit und schreckt auch nicht davor zurück, sich zur Not den Weg einfach frei zu sprengen«, so die Jury über die in der Türkei geborene deutsche Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin.
Im Anschluss an die Preisverleihung wird die Künstlerin aus ihren Werken lesen.
Der Poetik Preis wird jährlich vergeben, ist mit 6000 Euro dotiert und beinhaltet auch eine Poetik-Dozentur. Die Jury der ASH Berlin zeichnet damit Künstlerinnen und Künstler aus, die durch ihre besondere Formensprache und Vielfalt zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie musischen Künste beitragen und dabei immer interdisziplinär arbeiten und wirken. Zu den Preisträgern gehören bedeutende Künstler wie Gerhard Rühm, Michael Roes, Rebecca Horn, Valeri Scherstjanoi und Eugen Gomringer.
Begründung der Jury: Dr. Thomas Wohlfahrt (Sprecher der Jury und Leiter der Literaturwerkstatt Berlin)
Laudatio: Dr. Harald Jähner (Ressortleiter Feuilleton bei der Berliner Zeitung)
Die Hochschule lädt anschließend im Rahmen des Neujahrsempfangs zu Gesprächen am Buffet ein.
Gäste der Preisverleihung können die Ausstellungen der Berlinischen Galerie von 10:00 bis 19:00 Uhr kostenlos besuchen.
Ort: Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin
Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung per E-Mail unter poetikpreis@ash-berlin.eu bis zum 9. Januar 2012 wird gebeten.
Eine Veranstaltung der Alice Salomon Hochschule Berlin, unterstützt durch die Literaturwerkstatt Berlin.
Dieter Ronte schrieb über die an Hokusais berühmten Holzschnittzyklus angelehnten digitalen Collagen, die als Fresken im Raum installiert sind: „Die Erfahrungen in der Analyse japanischer Gedichte transformieren in der visuellen Kunst von Také zum unendlichen Bild, das sich nicht sofort in das logische Sehen des Europäers integriert.“ „Nowhere Kyoto“ heißt eine abstrakte Komposition, die sich als Meer aus erdachten, leuchtenden Blüten lesen lässt. Tatsächlich sind Takés Abstraktionen aus konkreten Einzelmotiven zusammengesetzt, die sich erst bei eingehender Betrachtung erschließen. (Preise von 7600 bis 38.300 Euro.) / FAZ
by Seichi Niikuni, 1971. André Vallias: graphics. DJ Dodô: percussion, laptop. Lica Cecato: voice, „translation“, theremin, pre-recordings. Show at CCBB, Rio de Janeiro, April, 2007 to ERRATICA web-magazine
eugen gomringer der vater der konkreten poesie kommt in den raum für irgendetwas und hält einen vortrag
am 11. januar 2012 um 16 uhr, eintritt frei
burg giebichenstein, kunsthochschule halle, neuwerk 7, 06108 halle, raum 208
Nach Diekmann-Krieg jetzt Jünger-Stahlgewitter. – Konstantin Ames kommentiert:
Der Vergleich der selbstverschuldeten Ertappt!-Malaise mit einem Weltkriegsszenarium, geschildert in einer nihilistischen Bekenntnisschrift (aus dem Dunstkreis der sog. Konservativen Revolution), die „In Stahlgewittern“ von Ernst Jünger ist, verrät, dass dieser Bundespräsident offenbar nicht in historischen Dimensionen zu denken in der Lage ist. Oder es handelt sich bei der Person von Christian Wulff um einen geschmacklosen Provokateur am Rand des Nervenzusammenbruchs.
Der renommierte Basler Lyrikpreis geht im Jahr 2012 an Klaus Merz. Die Jury schreibt in ihrer Begründung: „Wie wenige Dichter bringt er das Kunststück fertig, lyrische Prinzipien auch in seiner Prosa umzusetzen. Die Schauplätze seiner Erzählungen sind stets unspektakuläre Orte, an denen Merz mit wenigen Strichen und rhythmischen Lenkungen Charaktere und die rätselhafte Welt der Empfindungen aufscheinen lässt.“ …
Der Basler Lyrikpreis wird von der Lyrikgruppe Basel bestehend aus Urs Allemann, Rudolf Bussmann, Ingrid Fichtner, Wolfram Malte Fues, Peter Gisi, Rolf Hermann und Kathy Zarnegin vergeben. Die Preisverleihung findet im Rahmen des 9. Internationalen Lyrikfestivals Basel am Sonntag, dem 29. Januar 2012, im Literaturhaus Basel statt. / Dorfzeitung
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