Nicht weniger gewichtig, aber deutlich weniger elfenbeinturmhaft geht es in der von Simone Kornappel und Philipp Günzel herausgegebenen Zeitschrift „randnummer“ zu. Bunt, verstörend, verlinkt und engagiert, hat sich die Zeitschrift mit ihrer vierten Ausgabe als Literaturorgan schon ziemlich etabliert. Bei der Lektüre befindet man sich von Beginn an in einer latenten Unruhezone, ein „Empört Euch!“ pulsiert durch die hundertsiebenundzwanzig Seiten, deren konzeptionelle Grundidee für diese Ausgabe in einer lockeren Synthese aus Märchenmotiven und Gesellschaftskritik zu liegen scheint. Das beginnt schon mit der geschickten Covergestaltung mithilfe eines sensationell realsatirischen Fotos, das Sabine Scho beigesteuert hat, die auch mit einer dadaistischen Konsumkritik („wohnschmaschinen – auf diese wünsche können sie bauen“) textlich vertreten ist. …
Eine befremdende, hintersinnige Parodie auf das zur formelhaften Verramschung verkommene Staatsgebaren präsentiert Monika Rinck im märchenhaft-beschwörenden „Glücksspielstaatsgedicht“: // Mein frittierter Hase, ich kenne die Verfinsterung. Ein gutes Leben, / Eine gute Regierung, Glück und Zivilwesen, zukunftsweisendes Idyll. / Es mengte sich mein Staat nicht in dein Glück. Immerzu tue Du, was Du, / nicht, was ich will. Doch muss ich, leider, den natürlichen Spieltrieb / meiner Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen lenken. Eine Stimmung, die von den surrealen Illustrationen (aus Blütenkelchen schwebende Fuchswelpen, laubsaugende Gestalten mit Hirschköpfen) von Marie Mustache kontinuierlich durchs Heft getragen wird. Dazwischen gibt es Ruhepole wie den Zyklus „bildgebende verfahren“ von Nicolai Kobus. Auf die interessanten Texte zum Beispiel von Kristoffer Patrick Cornils („Haikuzerstückelung“), Konstantin Ames („Verbleichen immer, verblichen nimmer!“) oder René Hamann („TENGO QUE ACER AGUNAS COMPRAS“) ist schon in anderen Rezensionen eingegangen worden, deshalb sei unbedingt noch auf die effektvollen Gedichte von Michael Zoch hingewiesen: schrankwandmenschen / ichmaschinen / vergötterte weiber (erschreckend real) / der frühling erschossen vorm altglascontainer / (dahinter platzt spaltbreit der augenblick auf) / ein baum holt wasser aus der tiefe // („Adlertage“). Von diesem, jedenfalls bislang, leider an etwas merkwürdige Verlage sich verschenkenden Autor (warum?) lese ich immer wieder sprachlich schöne, ideenreiche Lyrik, man hat da immer das Gefühl, noch ein Stück Fleisch am blankgeleckten Knochen der kontemporären Lyrik ergattert zu haben: da ist dieser geschmack in mir nach parteipolitik und entrahmten gewittern oder eine mondkranke taube streichelt das pflaster („In Andere Sphären“). / Dominik Dombrowski, fixpoetry
Konzepte Nr. 31, Zeitschrift für Literatur, herausgegeben vom Bundesverband junger Autoren, Neu-Ulm 2011, 180 Seiten, 12,00 Euro
randnummer – literaturhefte, Ausgabe 04, herausgegeben von Simone Kornappel und Philipp Günzel, Berlin 2011, 127 Seiten, 5,00 Euro
Focus wußte es schon am 5.3., zugleich mit schwedischen Quellen. Heute zieht die Süddeutsche nach. Durs Grünbein wird mit dem Tranströmerpreis der schwedischen Stadt Västerås ausgezeichnet, die Preissumme beträgt 200.000 Kronen, rund 18.000 Euro. Der seit 1998 vergebene Preis würdigt „hochstehende Werke im Geist Tomas Tranströmers“ aus Ostseeanrainerstaaten. Vor Grünbein traf das u.a. auf Inger Christensen und Adam Zagajeweski zu.
Einem Stoß übereinander gestapelter Manuskripte vergleichbar, bieten Reineckes Montagen Textausschnitte, die von andern Textausschnitten überlappt werden. Auf diese Weise entsteht, in gesuchtem Kontrast zum klassischen Cento, kein kontinuierlicher Fließtext, sondern ein Text mit dauernden Abbrüchen und Neueinsätzen. Die Bruchstellen sind allerdings kaum zu bemerken; allenfalls markieren minimale syntaktische Verwerfungen den fragmentarischen Charakter des Textes.
Trotz ihrer Sprünge wirken Reineckes Montagen niemals willkürlich oder beliebig; sie folgen einer assoziativen Logik, die suggestiv mit ihrem déjà vu spielt. Dem Leser begegnen die Figuren einer prächtigen barocken Rhetorik, poetische Bilder, die wie Wolken Gestalt annehmen und sich wieder auflösen, aber auch abgebrochene Reden, verstört und stammelnd wie die Zeilen des späten Hölderlin. Einmal wird mit stärkstem Effekt die Schlusszeile eines Gedichts aufgenommen und mit einer winzigen Variante als eigenständiger Text wiederholt. Das wirkt wie ein Einspruch gegen das Vergessen, eine Beschwörung dessen, was sich in den Texten unaufhörlich zeigt, um ebenso unaufhörlich zu verschwinden. Reineckes poetisches Verfahren scheint mir auf der Höhe der Zeit; seine fragmentarischen Rekonstruktionen wirken wie ein Abgesang auf das Versinken einer literarischen Überlieferung, der Epilog eines Poeten, dem der ganze Reichtum dieser Tradition noch einmal zu Gebote steht und der sie zugleich beschwört und deutlich macht, dass ihre Sprache unwiederholbar ist. / Jürgen Buchmann, poetenladen
Bertram Reinecke
Sleutel voor de hoogduitse Spraakkunst
roughbook 019
Herausgegeben von Ulf Stolterfoht
Editon Urs Engeler 2012
scheiß kunst. scheiß sozialer frieden. scheiß bedürfnisstruktur,
noch einmal scheiß kunst. was ist aus uns geworden? […]
Wenn man Stefan Schmitzers Gedichte liest, kann einem zwischendurch das Geimpfte aufgehen: Der Ärger über die Verhältnisse kommt hoch und der Ärger über die eigene Bequemlichkeit. Schmitzers systemkritische Lyrik ist denkbar weit entfernt von jeglicher Einlullungsbehaglichkeit, wie sie landläufig unter dem Begriff „Gedicht“ firmiert. Schmitzer hat den Beat, er ist ein subtiler Beobachter des Politischen wie des Privaten, und er hat auch die Pose, das stille Gewisper der Lyrik in einen Rocksong zu verwandeln. Und: Schmitzer ist Poet genug, um in seinen groovenden Texten Platz für die Leerstelle zu lassen, die man als Leser mit seiner – ja sagen wir einfach – Seele füllen kann.
scheiß voraussetzungen für die scheiß voraussetzungslosigkeit.
sag neuer mensch, sag es anders, sag am besten gar nichts
mehr.
Das wäre natürlich ein schönes Schlusszitat, aber der Vollständigkeit halber sei erwähnt: scheiß sozialer frieden ist noch einmal vielschichtiger als Schmitzers viel gelobter Erstling moonlight on clichy. der Grazer Dichter, Jahrgang 1979, erweitert in seinem neuen Lyrikband sein Formenrepertoire, spielt öfter ins Assoziativ-Prosaische, lässt auch Privates anklingen. Das Ergebnis: Post-Punk-Beat-Lyrik, bei der die Post abgeht. Brinkmann, Ginsberg und Ferlenghetti würden das sicher auch cool finden.
/ Werner Schandor, schreibkraft
Stefan Schmitzer: scheiß sozialer frieden. gedichte.
Droschl Verlag: Graz 2011
André Velter : « Die wichtigste Aufgabe der Lyrik: dahin gehen, wo man sie nicht erwartet »
Der Frühling der Dichter geht in seine 14. Ausgabe. André Velter gehört zu den Gründervätern mit Jack Lang und Emmanuel Hoog. Corse Matin vom 11.3. befragte ihn:
Wie geht es der französischen Lyrik?
Sie ist äußerst lebendig! Es gibt eine Wiederbelebung der Mündlichkeit mit dem Auftreten interessanter und sehr unterschiedlicher Autoren. …
Wohin geht die Lyrik?
Nach einer Periode des Formalismus schwingt das Pendel in Richtung eines neuen Lyrismus. …
Wenn Sie zwei große Dichter der Gegenwart nennen sollten?
Adonis, der arabische Dichter syrischer Herkunft, der in Paris lebt. Ein wahrhaft universeller Dichter, der überall übersetzt und gelesen wird. Und Juan Gelman, der aus Argentinien stammt und in Mexiko lebt. Nicht so oft übersetzt, aber ein bedeutender Dichter.
Ihre drei wichtigsten neuen Bücher in Frankreich?
Je Est un Juif (Ich ist ein Jude) von Charles Dobzynski, bei Orizons, ein aufwühlendes Buch, C’est-à-dire (Will sagen) von Franck Venaille im Mercure de France und Vrouz* von Valérie Rouzeau, 100 wunderbare Sonette an der Table ronde.
* Ni vrac ni vroum, voilà le vrouz qui arrive, déboule et roule comme un dé sur la table, avec sa couverture bleue sage pas ciel plutôt bleu gris froid, peut-être un peu terne mais quelle vie ne l’est pas ? Vrouz donc, et une note finale nous informe qu’il s’agit d’un bon mot forgé par Jacques Bonnaffé, titre préféré à celui initialement prévu, « autoportraits sonnés avec ou sans moi ». hier
Berliner Dichterin liest auf StAnza, dem internationalen Gedichtfestival in Schottland.
StAnza, Schottlands Internationales Gedichtfestival, findet jeden März in St Andrews statt, und wird das ganze Jahr über durch weitere Veranstaltungen fortgesetzt. Im Jahr 2011 wuchs die Zahl der Festivalbesucher auf über 12.000 Personen. StAnza 2012 findet vom 14. bis 18. März statt.
StAnza hat die in Berlin lebende Lyrikerin und Übersetzerin Catherine Hales für einen Vortrag auf Schottlands internationalem Gedichtfest im März 2012 gewonnen.
Ihre Übersetzungen des deutschen Dichters Norbert Hummelt ins Englische wurden in Berlin Fresco veröffentlicht (Shearsman 2010). Zu ihren weiteren Publikationen zählt auch hazard or fall (Shearsman 2010). Außerdem ist sie verantwortlich für “Poetry Hearings”, ein berliner Festival, das sich der Dichtung auf Englisch widmet.
2012 wurde zu Schottlands Kreativ-Jahr ausgerufen. StAnza beteiligt sich vom 14. bis zum 18. März mit mehr als 90 Veranstaltungen in der stimmungsvollen Atmosphäre des Stadtkerns von St.Andrews: Lesungen, Aufführungen, Gespräche, Diskussionen und Dichtkunst in Verbindung mit bildender Kunst, Musik, Theater und Film. Zu dieser Vielfalt trägt bei, dass die Stadt St.Andrews seit Neuestem zu den Kandidaten für den Preis “Kreative Orte” zählt. Catherine Hales wird sich wiederfinden in einem internationalen Treffen von über 60 Poeten sowie Malern, Schauspielern, Filmemachern und Schriftstellern. Sie stammen aus Schweden, den Niederlanden, Mazedonien, Südafrika, den USA, Jamaika, Polen, Kanada, Irland, Neuseeland und Palästina.
Festival Direktorin Eleanor Livingstone kommentiert:” Wir begrüßen Catherine Hales bei StAnza und freuen uns, dass unser Publikum Gelegenheit erhält, Dichtungen aus Deutschland zu hören.”
Das vollständige Program finden Sie online auf dem Website des Festivals: http://www.stanzapoetry.org.
Zur Leipziger Buchmesse erscheint die Frühjahrsausgabe Edit 58. Auf 128 Seiten versammelt dieses Heft Prosa und Lyrik, Kunst und Kritik; es geht um den Perserkönig Xerxes, industriell hergestellte Seifenopern, sich selbst zerlegende Körper, Flughäfen als Wanderziele, dubiose Landhotels, Sprachverlust und kontrafaktische Geschichtsdarstellung. Gemeinsam ist allen Texten eine Lust am Erzählen, ein Schwanken zwischen Wahrheit, Wahn und Witz, eine Freude am literarischen Wagnis.
Bevor in der Woche vom 19. März der Versand beginnt, steht hier in Leipzig noch alles im Zeichen der Buchmesse. Besuchen Sie uns am Stand „Junge Magazine“ auf der Buchmesse (Halle 5, D201) oder kommen Sie zu einer unserer Abendveranstaltungen im Rahmen von „Leipzig liest“. Wir werden bei jeder Gelegenheit einen Bauchladen mit frisch gedruckten Edits tragen.
Sie erinnern sich vielleicht: Im Oktober letzten Jahres riefen wir etwas ins Leben, das es so noch nicht gegeben hat: Einen Wettbewerb für genuin literarische Essays ohne Vorgabe eines Themas oder einer Altersgrenze, den ersten Edit Essaypreis. Dieser wird nun im Rahmen der „Langen Leipziger Lesenacht“ am 15. März verliehen. Und dies sind die Preisträger:
Danke & schöne Grüße aus Leipzig!
Jörn Dege & Mathias Zeiske
Donnerstag bis Sonntag, 15.-18. März, 10-18 Uhr
Edit am Gemeinschaftsstand “Junge Magazine”
mit BELLA triste, randnummer, sprachgebunden, Umlaut
Buchmesse, Halle 5, Stand D201
Donnerstag, 15. März, 20 Uhr
Magazinlese
BELLA triste & Edit präsentieren
Alexander Langer & Jan Skudlarek
L3 – Lange Leipziger Lesenacht
Moritzbastei, Universitätsstraße 9 (Schwalbennest)
Donnerstag, 15. März, 23 Uhr
Edit Essaypreis 2012 – Preisverleihung
L3 – Lange Leipziger Lesenacht
Moritzbastei, Universitätsstraße 9 (Ratstonne)
Freitag, 16. März, 20 Uhr
Literarischer Freitag-Salon
mit Michael Angele, Jakob Augstein,
Jörn Dege und Jana Hensel
Centraltheater, Erfrischungsfoyer, Bosestraße 1
(Eintritt frei)
Freitag, 16. März, 21.30 Uhr
Auf drei!
Lesung mit Olga Grjasnowa,
Andreas Martin Widmann
und Wolfram Lotz
Skala, Gottschedstraße 16
(Eintritt: 5 Euro)
Freitag, 16. März, 22 Uhr
Papageien und Spiegel
Lesung mit Olga Martynova und Oleg Jurjew
Moderation: Jan Kuhlbrodt
Horns Erben, Arndtstraße 33
(Eintritt: 5 Euro)
Samstag, 17. März, 12-20 Uhr
It’s a book, it’s a stage, it’s a public place
Edit beim Treffen unabhängiger Verlage und Publikationsprojekte
Centraltheater, Garderobenfoyer, Bosestraße 1
Samstag, 17. März, 19.30 Uhr
Teil der Bewegung – Lyriknacht
Lesungen: Tanja Dückers, Michael Fiedler, Peter Gizzi,
Dagmara Kraus, Marie T. Martin, Kerstin Preiwuß, Monika Rinck,
Andre Rudolph, Ulrike Almut Sandig mit Marlen Pelny,
Ulf Stolterfoht, Musik: Susie Asado & Band
Moderation: Mathias Zeiske und Alexander Gumz
Galerie der HGB Leipzig, Wächterstraße 11
(Unkostenbeitrag: 5 Euro)
Eine Veranstaltung von Edit, kookbooks, luxbooks, Poetenladen und Schöffling & Co. – mit Unterstützung der Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst
Enzensbergers Thesen scheinen sich durch schlichtes Wiederkäuen zum gültigen Stand der Debatte nobilitiert zu haben.
Sagt Bertram Reinecke in einem Essay über die „Aporien der Avantgarde“, der vor einigen Tagen beim Poetenladen erschien. Auszüge:
Wer einen Text angreift, der ein halbes Jahrhundert alt ist, wirkt nicht nur inaktuell, er sieht auch aus, als wolle er aus der gesicherten Position der Gegenwart auf eine historische Bemühung herabschauen. Beides ist hier nicht der Fall, denn Enzensbergers Essay „Die Aporien der Avantgarde“ ist aktuell, insofern sich die darin enthaltenen Missverständnisse als erstaunlich zählebig erwiesen haben.
Tatsächlich werden Enzensbergers Positionen heute sowohl in Einführungswerken als Diagnosen kolportiert, wie in germanistischen Rezensionen ganz selbstverständlich als Hebel des kritischen Sachstands angesetzt.
Heute wird der Essay als Stützanker im öffentlichen poetologischen Gespräch verwendet, als hätte der Autor in seinem Essay irgend etwas Neues über die Avantgarde herausgefunden oder dies auch nur vorgehabt und auch im beginnenden 21sten Jahrhundert beendet der Satz „Lies Die Aporien der Avantgarde, da zeigt sich, dass sich das Konzept schon damals erledigt hatte“ Seminardiskussionen auf autoritäre Weise.
Enzensbergers Thesen scheinen sich durch schlichtes Wiederkäuen zum gültigen Stand der Debatte nobilitiert zu haben. Angriffe auf seinen Text machen sich dadurch sofort als subjektive Volten verdächtig.
Einen Nachgeborenen, dessen Weg mit der Fortsetzung ehemals als „avantgardistisch“ einsortierter Positionen zu tun hat, wehen Enzensbergers Thesen also recht kalt an.
Wenn allerdings in Abiturstufe und Grundstudium ein Text die Grundlagen für ein Literaturverständnis legt – solche Grundlagen werden in den seltensten Fällen später ernstlich hinterfragt – der in seinen besten Stellen eine unentwirrbare Verknäulung weniger wahrer und allerhand falscher Annahmen darstellt, sich im wesentlichen aber als ein wohlformulierter Ausdruck von Resentiment erweist, ist irgend etwas schief gegangen.
(…)
Geht man davon aus, das eine gemeinschaftliche Anstrengung zu einer Veränderung künstlerischer Maßstäbe nicht unmittelbar mit einer Charakterschwäche zu tun hat, wird Enzensbergers weitere Argumentation dürftig.
Denn er sagt es ja selbst: „Kein einziges Werk ist zu widerlegen mit dem Hinweis darauf, dass sein Urheber sich zu dieser oder jener Garde geschlagen hat.“ Wenn aber das einzelne Werk über das Programm einer Gruppe immer hinausreicht, versteht es sich nicht von selbst, dass irgendwelche (Fehl)leistungen Marinettis, Kerouacs, Dalis oder Bretons unmittelbar ihren Gruppen anzulasten wären, noch weniger, dass sie die Avantgarden an sich beträfen.
Sätze, die man für geschmacklos halten kann, wie „Kriege meliorieren die Rassen“, „Hitler ist der größte Surrealist“ oder „Die einfachste surrealistische Tat besteht darin, mit Revolvern auf die Straße zu gehen und so lange wie möglich in die Menge zu schießen“ mögen sich in avantgardistischen Manifesten häufiger finden als etwa in einem Kochbuch: Dass es Avantgarden auch um Provokation ging, soll nicht bestritten werden.
Man kann allerdings auch untersuchen, wie die von Enzensberger zitierten Provokationen hergestellt sind und wird schnell finden, dass er Verschiedenes in einen Topf wirft. Während es sich bei dem Marinettizitat tatsächlich um dumpfen Faschismus handelt, leben die beiden anderen von der Fallhöhe der Bedeutsamkeit ihrer Themen. Angesichts von Gewalt und Schrecken wirkt jedes Nebenthema, zumal im zweiten Falle, wo es sich (vom Satzbau) keck zum Hauptthema aufschwingt, schnell geschmacklos.
Wir alle erinnern uns, wie schwer es nach den Ereignissen des 11. September wurde, eigentlich wichtige Fragen wie Versäumnisse der Entwicklungspolitik, Probleme der medialen Darstellung anderer Kultur oder von Gewalt zur Sprache zu bringen. Die Soziologie hat dafür ein Wort: Betroffenheitsspirale. Die eigentlich begründete Scheu, andere zu verletzen, führt dazu, dass Differenzierungsprozesse nicht mehr öffentlich ausgetragen werden können und Tabus entstehen. Es gibt nur noch schwarz oder weiß. Das Brisante an solchen Spiralen ist, dass solche Betroffenheit nicht einmal empfunden werden muss. Es genügt dazu, wenn es öffentliche Artikulationen von Betroffenheit gibt (manchmal sogar nur im Namen von anderen). Die eigentlich begründete Scheu, andere zu verletzen, kann angesichts von Gewalt und Schrecken daran beteiligt sein, eine pluralistische Zivilgesellschaft zu untergraben. Die Frage nach den Konventionen bürgerlicher Angemessenheit, die sich noch in den rüden Provokationen der Surrealisten ausspricht, handelt also von sehr viel bedeutsameren Dingen als der Frage, „ob man Fisch mit dem Messer essen“ soll.
Dem deutschen Musterschüler Enzensberger hingegen fällt zu den zitierten Sätzen nicht mehr ein als zu behaupten: „Die sagen Hitler und Gewalt, die sind böse“ Und alle gut (autoritär) erzogenen Musterschüler haben sich gefälligst mit Ekel abzuwenden. Nach der Polizei zu rufen traut er sich damals noch nicht.
Überhaupt scheinen ihm Verfahrensneuerungen, veränderte Haltungen und dergleichen ziemlich egal. Worauf es ihm ankommt, ist der politische Inhalt, die Tendenz. Damit tut er genau das, was auch die Kritiker des Neuen Deutschlands taten, und was er zu Recht rügt: „Diese Vorschriften sind immer dieselben Der Akzent muss auf weltanschaulichen Fragen liegen“ Die italienische Futuristen und die Surrealisten kommen ihm wegen der charakterlichen Dispositionen ihrer geistigen Vorreiter da besonders entgegen. Der Expressionismus dürfte auch 1962 in Deutschland zu bekannt gewesen sein, als dass man ihn so lapidar über diesen Kamm scheren kann.
Auf sonderbare Weise fängt er im hinteren Teil des Essays an, den Futurismus für ein Urphänomen der Avantgarde zu halten, während er sich vorher, damit seine Begriffsanalyse irgend plausibel ist, dazu entschlossen hatte, das Phänomen bis ins mittlere 19. Jahrhundert zurück zu datieren.
Ebenso seiner Sache dienlich wie aus der Luft gegriffen ist die Behauptung, der Surrealismus sei die am besten ausgebaute Avantgarde. „Alle früheren und späteren Gruppierungen wirken mit ihm verglichen armselig dilettantisch und unartikuliert.“
Diese Diagnose ist in Bezug auf den russischen Kubofuturismus/ Konstruktivismus zumindest erklärungsbedürftig. Denn diese Bewegung hatte, wie die Surrealisten, neben einer ausgeprägten Manifestkultur ebenso eine reiche literarische Produktion und war ein gesamtkünstlerisches Phänomen. Nicht nur gibt es wie bei den Surrealisten zahlreiche richtungsweisende Produktionen in bildender Kunst und Film. Der Kubofuturismus-Konstruktivismus erstreckte sich folgenreicher als der Surrealismus auch auf Architektur, Bühne und die zeitgenössische Musik. Er hatte nicht nur wie der Surrealisms seine eigenen Publikationsorgane (LeF, MAF), durch ihn beeinflusst erschuf sich auch gleich die passende Literatur-, Sprach- und Kunstwissenschaft.
Ebenso wird man schwerlich behaupten können, dass Leute wie Chlebnikow, Majakowski oder Krutschonych ihre größten Leistungen erst in Abkehr von ihrer Doktrin vollbrachten, wie das Enzensberger pars pro toto anhand der surrealistischen Künstler dekretiert. Es gibt durchaus Programme, die nicht erst in ihrer Überwindung künstlerisch fruchtbar geworden sind, auch wenn es unser Kunstverständnis, das durch Geniekult, Auratik und Adorno hindurchgegangen ist, frustrieren mag.
Enzensberger ignoriert dies alles mehr oder weniger bewusst und gießt lieber billige Häme aus. „Selbstverständlich waren die gelegentlichen Sympatien der Avantgarde für die totalitären Bewegungen durchaus einseitig …“ schreibt er mit Blick auf die russischen Futuristen. Gewiss: Sie betrachteten die russischen Umwälzungen mit Hoffnung, was angesichts des morschen zaristischen Ochranastaates kaum verwunderlich ist. Sie waren, vielleicht sogar mehr als nur gelegentlich, Kommunisten. Ihnen dies vorzuwerfen, wäre ebenso logisch, als wolle man Stefan Heym oder Adolf Endler nachsagen, sie legten sich zur CSU ins Bett, weil sie sich als Demokraten gegen eine verkrustete DDR-Bürokratenherrschaft zur Wehr setzten. (Und Stalinisten argumentieren ja in der Tat so!)
Da es ihm nur um politische Inhalte geht, ist es konsequent, dass Enzensberger nicht ein einziges literarisches Werk der von ihm behandelten Avantgarden einer näheren Untersuchung unterzieht. Er gibt eine Silbenreihe, die dann prototypisch für jegliche avantgardistische Literatur einstehen darf. Dies ohne Kontext und man fragt sich: Ist dies Teil einer Rühmschen Sprechpartitur? Überraschendes Ergebnis eines Sortier- oder Umformprozesses? Tragen die Silben vielleicht Reste einer Semantik oder sind sie Dokument eines experimentellen Scheiterns? Ehe man nicht weiß, was man damit anfangen kann, kann man eben nichts damit anfangen, ganz unabhängig noch von der Frage, ob das Werk nun künstlerisch hochwertig ist oder nicht. Wenn es den Avantgarden ernst ist mit der Einführung neuer Gebrauchsweisen neuartiger Kunstgegenstände, dann beweist das nichts.
Ebenso leicht könnte man folgende Buchstabengruppe als eine sinnlos in die Tastatur gehackte Buchstabengruppe diskreditieren:
„Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaungahoronukupokaiwhenuaki tanatahu“
(Dabei ist es sogar fast ein Gedicht.) Statt näher hin zu schauen, klopft Enzensberger lieber seinem Leser auf die Schulter: Deine (historisch, z.B. in der Schule erlernten) Maßstäbe reichen aus, die Fülle auch neuerer Experimente intellektuell zu bewältigen. Wer sich als Leser in diesem schönen Lichte universeller Kritikfähigkeit sonnen will, muss freilich Enzensberger voll vertrauen und die Kröten mitfressen. Es ist dies eine Variante einer rhetorischen Strategie, die sowohl bei Handelsvertretern als auch bei den Zeugen Jehovas Anwendung findet: „Sie als intelligenter Mensch werden mir doch zustimmen, wenn ich sage, dass …“
Auch in Bezug auf das Experimentieren belässt es Enzensberger bei den naiven Legenden der Schulbücher und mag die weitaus differenzierteren Anmerkungen, die etwa Helmut Heißenbüttel zu diesem Thema gemacht hat, sich und dem Leser nicht zumuten. Auch hier appelliert Enzensberger an einen Common sense, dem er an anderer Stelle als bloß anerzogenen misstraut. Insofern viele Texte landläufig als experimentell bezeichnet werden, die dies ihrem eigenen Selbstverständnis nach nicht sind, bloß weil sie der Allgemeinheit unbekanntere Sprechweisen nutzen, ist ein solcher Appell verfehlt.
In der Wiener Kleeblattgasse hat Ende Jänner ein Buchshop eröffnet, in dem ausschließlich Romane und Abhandlungen von Frauen verkauft werden. Und Theorien über Feminismus. / Wiener Zeitung
Die Theorien können anscheinend auch von Männern sein, wenn ich die Formulierung mal ernst nehme. Aber egal: Keine Gedichte? Bin ich nicht neidisch. Sie werden schon kriegen, was sie verdienen. 🙂
Poesiefrühling ist ein Poesiefestival, das jährlich im März in Berlin stattfindet und bei dem sich jedeR bewerben kann. 2012 findet Poesiefrühling vom 9. – 18. März in Wedding statt.
Wir – Nicola Caroli, Catherine Launay und Mehtap Akdemir – suchen interdisziplinäre und/oder interaktive Poesieprojekte.
Damit meinen wir:
„Poesieprojekte“ – Projekte, die mit Gedichten, DichterInnen und/oder Poetik zu tun haben.
„interdisziplinär“ – Poesie trifft auf andere Disziplinen (z.B. Kunstsparten, Wissenschaft, Sport…).
„interaktiv“ – Interessierte sind zum Mitgestalten an den Poesieprojekten eingeladen und werden selbst aktiv.
Die Poesieprojekte finden in verschiedenen Sprachen statt.
Mit dem Festival bieten wir einen Rahmen, in dem sich jedeR mit Poesie beschäftigen, mit ihr experimentieren und sie mit anderen teilen kann. Das Ziel ist vielfältige Zugänge zu Poesie zu schaffen sowie Poesie im öffentlichen und privaten Raum präsent und erfahrbar zu machen.
Wir wählen Projekte aus und bieten Feedback bei der Konzeptentwicklung, Öffentlichkeits- und Pressearbeit für das Festival und Kontakte für Veranstaltungsorte.
Mehtap, Nicola und Catherine
Die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ wollte der politischen Lyrik wieder auf die Beine helfen und startete vor rund einem Jahr die Reihe „Politik & Lyrik“. Dichter sollten im Auftrag der „Zeit“ aktuelle Anlässe bedichten, Politiker bei ihrer Arbeit begleiten, die Bundestagskantine aufsuchen und so weiter. Glaubt man der Redaktion, so war die Begeisterung groß: Einige Autoren wollten unbedingt den rauchenden Altkanzler Helmut Schmidt treffen, eine Lyrikerin gar einen ganzen Tag mit dem (inzwischen ehemaligen) FDP-Generalsekretär verbringen.
Kurz: Man musste Schlimmstes befürchten. Am Ende kam es dann nicht ganz so arg. Zwar blieben einige Poeten als Auftragsschreiber deutlich unter ihrem sonstigen Niveau (Hendrik Rost), aber zumeist konnten sich die Erzeugnisse durchaus sehen lassen. Am beeindruckendsten waren sie dort, wo sie sich am stärksten von Politikern, Politikbetrieb und Aktualitätszwang zu lösen vermochten und nicht Meinungen, sondern Erfahrungen zum Besten gaben.
Dennoch wirkt das alles relativ banal, wenn man es mit den Gedichten vergleicht, die der bosnische Lyriker Faruk Šehić in dem Band „Abzeichen aus Fleisch“ (übersetzt von Hana Stojić, Edition Korrespondenzen, Wien 2011) präsentiert. / Andreas Wirthensohn, Wiener Zeitung
Auf der Verlagsseite gibt es ein Gedicht:
KRIEGSSPIEL
auf dem höchsten Turm
der Altstadt
hat der Heckenschütze
seinen Bau
die Entfernung zwischen
uns und ihm
an der Stelle die
wir durchlaufen
beträgt fünfzig
Meter
Luftlinie
wenn du für einen Augenblick in Gedanken verfällst
und vergisst
dass du schnell rennen musst
wirst du vom Zischen der Kugel ermahnt
wenn du nicht ermahnt wirst
heißt es du bist tot.
Faruk Šehić, Abzeichen aus Fleisch
Deutsche Erstausgabe
Bosnisch / Deutsch, übersetzt von Hana Stojić
160 Seiten, Broschur, fadengeheftet
ISBN 978-3-902113-87-0 € 16,–
(Gut, diese Erfahrung will man auch den deutschen Lyrikern nicht wünschen. Die Zeit-Serie Politik & Lyrik endete im Januar mit bislang wenig Echo.)
Zum Buchmesseschwerpunkt Weißrußland ein Gespräch im Standard:
Standard: Gibt es da vielleicht vom westlichen Publikum eine bestimmte Erwartungshaltung, die von den Autoren in vorauseilendem Gehorsam eifrig bedient wird?
Pollack: Das stimmt, aber es gibt auch Autorinnen wie die belarussische Lyrikerin Valzhyna Mort, die es nicht mehr hören kann, dass sie ständig politische Statements abgeben soll. Es ist alles andere als einfach, nicht in diese Falle zu tappen, weil sich diese Autoren dem theoretisch zwar verweigern können, aber wenn sie das tun, dann wird es für sie noch einmal schwerer, im Westen wahrgenommen zu werden, als es ohnehin schon ist. Diese Dynamik finde ich alles andere als optimal.
Standard: Ist es Ihnen gelungen, in Leipzig Autorinnen und Autoren aus Belarus, Polen und der Ukraine zu präsentieren, die sich eben nicht als „politische Autoren“ schubladisieren lassen?
Pollack: Zum Teil. Wir bringen zum Beispiel Andrej Chadanowitsch, der auch unpolitische Gedichte schreibt und der sich wie Valzhyna Mort dagegen verwahrt, als Ideologe oder Publizist gesehen zu werden. Es geht nicht darum, die Politik völlig auszublenden, das ist ohnehin unmöglich.
Benn konnte sich im Frühjahr 1912 über die starke Wirkung der Gedichte nicht freuen, wie aus einem erst vor fünf Jahren aufgetauchten Brief hervorgeht (F.A.Z. vom 11. Januar 2007) – allerdings nicht, weil „ein paar Spießer, Familienväter, Oberfeldärzte u. ähnliche Kanaken aus ihrer Ruhe gestört“ wurden, sondern weil er, trotz durchaus auch positiver Kritik, dieser Zusammenstellung niemals zugestimmt hätte: Er fühlte sich von seinem Verleger „schamlos ausgenutzt“ und bedauerte die Veröffentlichung. Das alles rieche „nach Sensation“ und schmecke „nach Kino“.
Ins Kino haben es Benn-Texte noch nicht geschafft. Vielleicht sollte man die Mitte März bei Klett-Cotta erscheinende Jubiläumsausgabe einmal David Lynch zukommen lassen. Der optisch an der Erstausgabe orientierte Band ist mit düsteren, nach deren Entstehen in den sechziger Jahren ebenfalls skandalisierten Bildern von Georg Baselitz garniert. Unklar allerdings bleibt, ob Baselitz sich damit auf Benn beziehen wollte oder ob die Idee, die beiden nun als Duo infernale zusammenzuspannen, dem Verlag zu verdanken ist. / FRIEDERIKE REENTS, FAZ 8.3.
Gottfried Benn: „Morgue und andere Gedichte“. Mit Zeichnungen von Georg Baselitz. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2012. 32 S., br., 10,- €.
Since his Nobel moment in October, three different Transtromer books have been released (or reissued): THE DELETED WORLD: Poems (Farrar, Straus & Giroux, $13), with translations by the Scottish poet Robin Robertson; TOMAS TRANSTROMER: Selected Poems (Ecco/HarperCollins, $15.99), edited by Robert Hass; and FOR THE LIVING AND THE DEAD: Poems and a Memoir (Ecco/HarperCollins, $15.99), edited by Daniel Halpern. These books join two major collections already in print: “The Half-Finished Heaven: The Best Poems of Tomas Transtromer,” from Graywolf Press, translated by Robert Bly, and “The Great Enigma: New Collected Poems,” from New Directions, translated by Robin Fulton. So a little complaining, a glut of books: pretty typical.
But what’s unusual about Transtromer is that the most interesting debates over English versions of his work actually took place before his Nobel victory. In this case, the argument went to the heart of the translator’s function and occurred mostly in The Times Literary Supplement. The disputants were Fulton, one of Transtromer’s longest-serving translators, and Robertson, who has described his own efforts as “imitations.” Fulton accused Robertson (who doesn’t speak Swedish) of borrowing from his more faithful versions while inserting superfluous bits of Robertson’s own creation — in essence, creating poems that are neither accurate translations nor interesting departures. Fulton rolled his eyes at “the strange current fashion whereby a ‘translation’ is liable to be praised in inverse proportion to the ‘translator’s’ knowledge of the original language.” Robertson’s supporters countered that Fulton was just annoyed because Robertson was more concerned with the spirit of the poems than with getting every little kottbulle exactly right.
To understand this dispute, it’s necessary to have a sense of the poetry itself. Transtromer prefers still, pared-down arrangements that rely more on image and tone than, say, peculiarities of diction or references to local culture. The voice is typically calm yet weary, as if the lines were meant to be read after midnight, in an office from which everyone else had gone home. And his gift for metaphor is remarkable, as in the start of “Open and Closed Spaces” (in Fulton’s translation):
A man feels the world with his work like a glove.
He rests for a while at midday having laid aside
the gloves on the shelf.
They suddenly grow, spread,
and black out the whole house from inside.
The first comparison is surprising enough — work is a glove? With which we feel the world? But notice how quickly yet smoothly Transtromer extends the metaphor into even stranger territory; the gloves expand from the refuge of the house (which is implicitly the private self) to obscure everything we know and are. The poem becomes a meditation on what constitutes a prison, what could be considered a release (“‘Amnesty,’ runs the whisper in the grass”) and whether these might lie closer together than we realize.
/ David Orr, New York Times 11.3. (sic)
Die zitierte Passage lautet in der Übersetzung von Hanns Grössel, Tomas Tranströmer: Sämtliche Gedichte, Hanser 1999, S. 99:
Ein Mann befühlt die Welt mit dem Beruf wie mit einem Handschuh.
Mitten am Tage ruht er ein Weilchen aus und hat die Handschuhe aufs Regal abgelegt.
Dort wachsen sie plötzlich, breiten sich aus
und verdunkeln das ganze Haus von innen.
Und recht ähnlich bei Pierre Zekeli, Tomas Tranströmer: Formeln der Reise. Berlin: Volk und Welt 1983 („Weiße Lyrikreihe“), S. 41:
Ein Mann tastet an der Welt mit seinem Beruf: seinem Handschuh.
Er ruht eine Weile aus mitten am Tag und legt die Handschuhe weg aufs Regal.
Dort wachsen sie plötzlich, breiten sich aus
und verdunkeln das ganze Haus von innen.
Die Übersetzung von Zekeli wurde entnommen entweder aus Tomas Tranströmer: Gedichte. Literarisches Colloquium Berlin 1969 oder aus Schwedische Lyrik der Gegenwart, Horst Erdmann Verlag Tübingen und Basel 1979 (beide sind als Quellen angebeben, aber nicht einzeln nachgewiesen). Grössels Übersetzungen erschienen selbständig in Buchform ab 1985 bei Hanser und sind in dem zitierten Band zusammengefaßt.
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