Aber viele zweifeln am Nutzen der Experten-Lyrik. „Die Berücksichtigung von Analystenmeinungen zieht keine überdurchschnittliche Wertentwicklungen nach sich…“ / Die Welt
Das Museum Strauhof in Zürich widmet seine aktuelle Ausstellung einer merkwürdigen Literaturgattung, dem Nonsense. Das Werk einiger hervorragender Vertreter steht dabei im Mittelpunkt. Insbesondere ist sie eine Hommage an den vor 200 Jahren geborenen Edward Lear, der als Erfinder der modernen Nonsense-Literatur gilt. Lewis Carroll hat mit seinen Alice im Wunderland Büchern Erwachsene wie Kinder begeistert. Und Christian Morgenstern schrieb geniale deutsche Nonsense-Gedichte. / Urs Steiner, NZZ
Der Verein „Literarisches Dresden e.V.“ schreibt für das Jahr 2013 erstmalig ein 3-monatiges Lyrik-Stipendium aus. Möglich wurde dies durch eine kontinuierliche, zweckgebundene Spende aus der Wirtschaft, welche dem Verein über die Firma KREACON e.K. vermittelt wurde.
Jeweils im Zeitraum von 6. Januar bis 31. März erhält ein Autor bzw. eine Autorin freie Unterkunft im Gästehaus des KulturHaus Loschwitz und ein Stipendium in Höhe von 900,- Euro monatlich. Das Stipendium wird nach Antritt der Stelle monatlich ausgezahlt.
Die in der Zeit des Stipendiums entstehenden lyrischen Arbeiten sollen einen Bezug zur Stadt Dresden oder der sächsischen Kulturlandschaft erkennen lassen. Im Ergebnis wird diese lyrische Arbeit gedruckt, im Rahmen einer bibliophilen Schriftenreihe in kleiner Auflage publiziert. Alle darüber hinausgehenden Rechte verbleiben bei dem Autor bzw. der Autorin. Die Publikation wird jeweils im September des Jahres in einer öffentlichen Veranstaltung im KulturHaus Loschwitz präsentiert. Für die Mitwirkung an dieser Veranstaltung erhält der Autor bzw. die Autorin ein Honorar.
In der Not greift der Mensch zum Gedichtband. Auch der moderne. Wenn er sich verliebt oder einen geliebten Menschen verliert, verschlägt es ihm selbst zu Zeiten von Twitter noch oft die Sprache. Da sind fundiert durchleuchtete und konzis formulierte Gedanken willkommen. Abgesehen von der Notwendigkeit in derlei Extremsituationen fristet die Lyrik bei uns aber nach wie vor ein Nischendasein. / Südwestpresse
Auch ansonsten vermittelt der Artikel den Eindruck, daß im Südwesten die toten Dichter die Regel sind und sonst garnix – „die Zahl der Lyrikverlage schrumpft“ usw. Wie heißt es dort? „Der Schiller und der Hegel, das ist bei uns die Regel. Der Uhland und der Hauff, das fällt bei uns nicht auf.“
Ich will jetzt mal ungerecht sein und die Südwestler weiterzitieren:
Der World Poetry Day scheint zu wirken, auch in Deutschland: Just 2000 begann der Münchner Allitera Verlag eine neue Lyrikreihe und setzt mit jährlich sechs Neuerscheinungen explizit auf „junge Stimmen der Zeit“.
Erschrocken schlag ich nach und finde unter den Neuerscheinungen neben Vampirkrimi und Lausdirndlgeschichten tatsächlich einen Gedichtband: Peter Paul Althaus (1892-1965). Ach ja, und die Texte des Open Mike… da ist ja auch Lyrik dabei.
Wolf Biermann, dessen Mut ihn zwölf Jahre als „staatlich anerkannter Staatsfeind“ in der DDR überleben ließ, präsentiert zum Auftakt am 23. April im Mon Ami sein Programm „Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um“.
Weimar. Im Tagesrhythmus geht es weiter: am 24. April mit Else Buschheuer und „Verrückt bleiben!“, ihrem „Leitfaden für freie Radikale“, am 25. April mit Robert Kiehl, der 2002 als Referendar am Erfurter Gutenberg-Gymnasium den Amoklauf erlebte und darüber ein Buch schrieb, und am 26. April mit Lyrik und Prosa der Dichter Uwe Kolbe und Nancy Hünger. / Thüringer Allgemeine
Im Wechsel tragen Krüger und Grössel seine Gedichte und lyrischen Texte vor. Ehefrau Monica liest auf schwedisch. Das Werk Tranströmers ist mit insgesamt rund 500 Seiten überschaubar. Der Hanser-Verlag hat mit „Sämtliche Gedichte“, seinen Memoiren „Die Erinnerungen sehen mich“ und „Das große Rätsel“ drei Bücher herausgegeben, inzwischen in der achten bis zehnten Auflage. / Der Westen
Vermutlich würden die Hopi heute weissagen: „Erst wenn das letzte Gedicht verscherbelt, das letzte Foto bei Getty Images, das letzte Buch in Verlagsbesitz und die letzten Filmrechte vergeben sind, werdet ihr merken, dass man Gedanken Anderer nicht verkaufen kann.“
Der nette PR-Gag um die Filesharer-Drohne im All ist erst der Anfang. Auch wenn die Beteiligen es gar nicht wissen oder vielleicht nur ahnen: Wer das Urheberrecht auch nur im geringsten anzweifelt, wetzt ein Messer gegen die heilige Kuh des Kapitalismus – das Privateigentum. Man sollte nicht vergessen, dass die meisten Kriege der Neuzeit darum geführten wurden, um sich die „Rechte“ an irgendetwas zu sichern – Rohstoffe etwa. …
Wer das Urheberrecht anzweifelt, wäre früher als Kommunist beschimpft worden und in Störtebekers Zeiten als „Likedeeler” – als jemand, der etwas mit anderen einfach „gleichteilt“, obwohl er die Rechte an der Beute hat. Daher stehen die Filesharer – auch wenn es sich heute um zum Teil schmierige oder schillernde Gestalten wie Kimble Dotcom handelt – in der historischen Tradition der Linken, ob sie es wollen oder nicht.
Davon will weder die politische Linke in Deutschland etwas wissen noch die Piraten. Nur die, gegen die der Angriff geht – die großen Konzerne, die Privateigentümer an geistigen Schöpfungen sind – haben verstanden und reagieren angemessen und konsequent mit dem totalen juristischen Krieg. / Burkhard Schröder, taz
KREUZWORT wird 1 1/2 Jahre alt! Und lädt ein:
Vielleicht, vielleicht aber auch nicht mit Partyhütchen versehen erscheinen am 26.03. dann Konstantin Ames, Peter Dietze, Simone Kornappel und Dagmara Kraus bei uns. Ihr könnt ebenfalls dabei sein. Geschenke sind gern gesehen, 3€ Eintritt sollten ebenso eingeplant werden wie festes Schuhwerk. Einlass ist ab 20h und sollten Euch Eure Eltern des nachts abholen, sagt ihnen bitte, dass die Party in der Reuterstraße 39 stattfindet, genauer gesagt imDamensalon. Statt in Zellophanpapier eingewickelte Bonschen könntet Ihr alternativ auch Konstantin Ames‘ letzten Band mit nach Hause nehmen, der fast so alt ist wie wir. Oder Dagmara Kraus‘ Debüt, das erst vor Kurzem das Licht der Leipziger Buchmesse erblickte. Oder die Hoffnung, dass Simone Kornappels Erstling ebenfalls bald seinen Weg in unsere Bücherregale findet. Oder vielleicht verrät Euch Peter Dietze, ob er auch schon was in Planung hat. Oder einfach eine Menge Spaß. Tröt.
Konstantin Ames. Geboren 1979. Lebt als Autor, Übersetzer und Texter in Berlin. Das Debüt „Alsohäute“ erschien 2010 in der von Urs Engeler herausgegebenen Reihe roughbooks. Zuletzt erschien, im Literaturheftrandnummer ein Ausschnitt aus dem Roman „Verbleichen immer, verblichen nimmer“
Einen Ausschnitt aus dem Essay Nähmlich ist hier als PDF einseh- und anlesbar.
Peter Dietze. 1987 in Dresden geboren, studierte Geschichte und Literatur in Erfurt und Ústí n. L., seit 2011 in Frankfurt/O. Lebt und arbeitet in Berlin. Veröffentlichungen u.a.
in den Zeitschriften hEFt, h_aluze, randnummer und trashpool. Mitherausgeber des WORTWUCHS Literaturjournals.
Simone Kornappel. Mitherausgeberin der randnummer literaturhefte und -betreiberin von lyrikkritik.de. Debüt “Raumanzug” bald bei luxbooks.
Dagmara Kraus, 1981 in Wrocław geboren, studierte Komparatistik und Kunstgeschichte in Leipzig, Berlin und Paris und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut. Soeben ist “kummerang”, ihr Debüt, bei kookbooks erschienen sowie eine Auswahl von Gedichten Miron Białoszewskis in ihrer Übersetzung bei Reinecke & Voß.
Jeweils mit Textproben und dem netten Hinweis:
Klicken und in völler Gänze genießen (aber bitte nicht raubkopieren!) hier
Sylvia Geist stellt Texte zu Bildern vor
Samstag, 24. März 2012, 19:30 Uhr, Eintritt 5 Euro / Erm. 4 Euro
Illustratoren bebildern Schriftstücke verschiedenster Art. Sie erläutern und schmücken das geschriebene Wort, indem sie es visuell umsetzen. Wäre es nicht spannend, diesen Prozess umzukehren, sodass ein Schriftstück zu einem Bild entsteht, welches die Eingebung des Betrachters widerspiegelt? Wäre es nicht spannend, diesen Prozess weiterzuführen, sodass zu dem entstandenen Schriftstück ein weiteres Bild entsteht, um das Spiel erneut zu beginnen? Dieser Gedanke führt zu Ilyr, einem Projekt, dass Bild- und Textschaffende zusammenführt und ganze Gedankenketten entstehen lässt.
Asuka Grün und Marina Friedrich haben Autoren wie Ilma Rakusa, Emma Braslavsky und Philip Maroldt mit Bildenden Künstlern zusammengeführt. Das Ergebnis ist ein Bild-Lese-Buch besonderer Art.
Sylvia Geist wuchs in Berlin auf. Sie arbeitete als freie Redakteurin und Rezensentin, u.a. für die Financial Times Deutschland, sowie als Herausgeberin mittelosteuropäischer Literatur. Kurzprosa und Gedichte von ihr wurden in verschiedene Sprachen übersetzt, u.a. ins Französische, Polnische, Weißrussische, Slowakische, Arabische und Englische. Ihre Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Literaturförderpreis des Landes Niedersachsen und einem Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Edenkoben. Zuletzt veröffentlichte sie ihren Erzählungsband Letzte Freunde (Luftschacht Verlag 2011). Sylvia Geist lebt in Hannover und Vancouver.
Lettrétage / Methfesselstr. 23-25 /10965 Berlin / Tel. 030 – 692 45 38
www.lettretage.de / info@lettretage.de
Der Wunsch zu schreiben verfolgte Rivera Letelier. Er begann mit Lyrik, aber er hütete sich, von seinem Hobby zu sprechen: Gedichte schreiben galt als Beschäftigung für Schwule. Konsequenterweise veröffentlichte er seine Lyrik erst 15 Jahre später, nach dem Ende der Diktatur. 500 Exemplare von „Poemas y Pomadas“ ließ er auf eigene Kosten drucken, und er selbst ging von Tür zu Tür, um die Bücher zu verkaufen. / orf
Als „Ava inclusa“ steht sie in den Nekrologien: Am 7. Februar 1127 ist die erste namentlich bekannte deutschsprachige Dichterin vereinsamt in ihrer Turmklause gestorben. Da war sie in ihrer Heimat im Raum Niederösterreich vermutlich schon berühmt, schließlich taucht ihr Todestag in mehreren Klosterchroniken auf.
Fünf epische Gedichte hat sie hinterlassen, insgesamt 3400 Verse. Das Besondere daran: Zum ersten Mal lassen sich Gedichte in deutscher Sprache eindeutig einem Verfasser zuordnen*. Nachnamen waren zu dieser Zeit noch nicht üblich, so bleibt die Schriftstellerin als Frau Ava bekannt. / wochenblatt. Traunstein / Chiemgau
*) Naja – abgesehen von Otfrid von Weißenburg (* um 790; † 875), dessen Werk, eine Evangelienharmonie, in seiner Handschrift überliefert ist und der statt des germanisch-heidnischen Stabreims den nun als christlich empfundenen Endreim einführte.
Siehe Lyrikwiki: Der erste deutsche Dichter und Der erste Herz-Schmerz-Reim
Der 1932 in Teterow in Mecklenburg geborene Helms hatte als Jude das ‚Dritte Reich‘ nur mit gefälschten Papieren überlebt und machte sich nach einem Zwischenspiel als Schwarzmarkthändler auf und davon, lebte in Schweden, in Paris und Wien, studierte Sprachen, las Jean Paul, entdeckte Marx und Engels und das Theater am Schiffbauerdamm und traute sich erst 1957 zurück in das ihm so widerwärtige westliche Deutschland. In Köln fand er Anschluss an das Studio für Elektronische Musik des WDR, der ihm als Hörfunkautor fast bis zuletzt die Lebensgrundlage sicherte.
Mauricio Kagel und Stockhausen waren seine Brüder und natürlich der andere große Außenseiter: Arno Schmidt. Noch radikaler als selbst Joyce in seinem Spätwerk hermetisierte und verjuxte Helms die Sprache in der angestrengt ‚Experimentellen Sprach-Musik-Komposition‘ ‚Fa:m“ Ahniesgwow‘ (1959), die selbst den geduldigsten Modernisten mit Feinheiten wie ‚ein neihün flein kon Lübür zeck,/knieweich klumpsupvihlmensch TOrt/wasmaßen umblökkt quärarulerisch/apissaut Trainenfluor heidigutt/prölpsel‘ auf eine harte Probe stellte.
… Als einer der ersten Intellektuellen ließ er sich vom Computer faszinieren. / Willi Winkler, Süddeutsche Zeitung 14.3.
Mit seinen zwischen konkreter Poesie und Musik, Gesellschaftskritik und Sprachwissenschaft changierenden Arbeiten hatte Hans G Helms (*1932) entscheidenden Anteil an den Avantgarde-Bewegungen der Nachkriegszeit. Im Kontakt mit Theoretikern wie Adorno und Kracauer und Komponisten wie Cage und Stockhausen entwickelte er zahlreiche Experimente, darunter die als sein Hauptwerk geltende Sprach-Musik-Komposition „fa:m’ ahniesgwow“ (1959).
Dieses „filigran komponierte Mosaik von äußerster Empfindlichkeit” (Helms), hervorgegangen aus einem gemeinsam mit Komponisten unternommenen James-Joyce-Lesekreis, wurde in diesem Jahr zum ersten Mal vollständig eingespielt (Label: WERGO). / roughblog
Die texanische Schriftstellerin Margrette „Peggy“ Zuleika Lynch starb am 6.3. in Austin im Alter von 94 Jahren. Sie veröffentlichte 9 Gedichtbände.
Lynchs Sohn John J. Nance, 65, ist ebenfalls Schriftsteller, offenbar kommerziell erfolgreicher. 1997 sagte sie dem American-Statesman in einem Interview: „Leider war ich nicht so klug wie mein Sohn. Lyrik verkauft sich nicht.“ / Katie Glueck, AMERICAN-STATESMAN
Seine Gedichte sind nicht traurig, sondern böse. Der Schmerz ist nur indirekt erschließbar. Die Geliebte hat ihn verlassen – und er grollt. „Der Schmerz ist mittlerweile fast verschwunden, / Verdrängt vom Groll. / Ergiebigem, fruchtbarem, stetig wachsendem Groll, / Kein schönes Gefühl, / Ebenso wenig wie Rache, / Vor allem, wenn sie dem Groll entspringt.“ Konkreter: „Möge dein neuer Lover Nesselsucht kriegen / Bei der zärtlichsten parfümierten Liebkosung. / Möge seine schwielig-geile Haut / Nässende Blasen werfen / Aus stinkendem Schweiß.“ / Walter Grünzweig, DER STANDARD, 17./18.3.
Carl Djerassi, „Tagebuch des Grolls. A Diary of Pique. 1983-1984“. ¬ 19,90 / 191 Seiten. Haymon, Innsbruck 2012
Der italienische Dichter, Schriftsteller und Drehbuchautor Tonino Guerra ist am Mittwoch in Italien im Alter von 92 Jahren gestorben. Der aus der Region Emilia Romagna stammende Guerra war Drehbuchautor mehrerer Meisterwerke von Regisseuren wie Federico Fellini, Michelangelo Antonioni und Andrej Tarkowski. …
Guerra schrieb melancholische, schelmenhafte, naiv-weise Gedichte im Dialekt der Romagna. Seine erste Lyrik schrieb er während der Haft im Arbeitslager von Troisdorf bei Bonn. / kurier.at
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