In dem Gedichtband „Bäuchlings legt sich der Himmel“ unternimmt der Herausgeber Bertram Reinecke den Versuch, biografische Details und die Gedichte möglichst aus ihrer Verklammerung zu lösen. Aus circa 150 Gedichten, die im Nachlass erhalten sind, hat Reinecke eine Auswahl getroffen. Die Gedichte sollen, so Bertram Reinecke, eben nicht einfach auf ein Dokument „poststalinistischer Zwangsverhältnisse“ reduziert werden.
Bertram Reinecke:
„Es würde mich stören, wenn unter der politischen Debatte der Dichter Hoprich nur noch als Stichwortgeber, Anlassgeber für politische Auseinandersetzungen fungierte, ich wollte das Werk wieder in den Vordergrund rücken.“
Ein großer Verdienst des Bandes ist es, auch Texte, die in der Ausgabe von 1983 aus politischen Gründen nicht erscheinen durften, nun für den Leser zugänglich zu machen. Für die Neuedition greift Reinecke auf Typoskripte zurück; Arbeitsvarianten einiger Texte sind mit Fußnoten markiert, auch zwei Übersetzungen aus dem Moselfränkischen leuchten den Hoprischen Sprachkosmos aus. Der Gedichtband ist in sechs Abschnitte untergliedert, die dem Leser einen Zugang zu den sprachlichen Bildern erleichtern sollen. Bertram Reinecke:
„Georg Hoprich ist von relativ konkreten Gedichten übergegangen zu einem sehr abstrakten Sprechen, ein Sprechen, das aber immer im Blick hat verallgemeinerbar sein zu wollen, und er ist dann zu dunklen Metaphern gekommen, zu Chiffren gekommen.“
/ Anja Kampmann, DLF
Georg Hoprich: Bäuchlings legt sich der Himmel – Gedichte
Verlag Reinecke & Voß, 100 Seiten, 10,00 Euro, Broschiert
Beim Poetenladen macht Elke Erb Entdeckungen, indem sie ein Gedicht von Ossip Mandelstam wörtlich übersetzt. Großartig! Zitat:
Ich spüre beim Wörtlich-Übersetzen eine eigentümliche Klarheit. Das Unfertige nimmt der Text-Präsenz etwas von ihrer Geschlossenheit/Geläufigkeit. Geläufigkeit = Geschlossenheit, lerne ich (dankbar). Man liest sonst „darüber hinweg“. Auf einmal öffnet sich der Wortlaut und läßt erkennen:
In dem Spieltext werden die Grund-Teile geprüft, dinglich. Reduziert auf Dinglichkeit.
Aus wie einfachen Bestandteilen steigt auf: Poesie! Hier: aus absichtlich einfachen, primitiven, d.i. sprachmateriell – prinzipiellen, elementaren!
Und am Ende wird mir klar, daß der elementare Gang am Schluß, mit der dem poetischen Resultat entspringenden Poesie, auch den politischen Sinn pointet. Der Nonsens des „umgieß, umgieß“ spricht: die Tasse taugt nichts, die ganze Tasse taugt nicht, und ganz gleich, ob Milch, ob Tasse …
»In schier endlosen Folgen entwickelt Anders rhythmisch wiederkehrende Bilder, die sich, versucht man ein Ende zu greifen, wie der Faden eines Gewebes zurückziehen, bis keine einzige Schlinge mehr vom Ganzen übrigbleibt und nur noch ein Anfang in der Hand liegt.« Cornelia Jentzsch
/ Mehr beim Poetenladen
Wer mit dem Kopf denkt, muss auch mal seine Meinung ändern. Dem Arschdenker kann das nicht passieren. Er fängt praktischerweise immer gleich bei der Gewissheit an.
Charles Lewinsky: Der A-Quotient. 9,95 €. 124 Seiten. Zweitausendeins
Ich meinerseits wollte nicht Intimitäten aufdecken zwischen Ingeborg Bachmann und ihrem ersten literarischen Förderer und Liebhaber Hans Weigel meinetwegen, zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, denen es offenbar das ein und andere Mal ziemlich gut ging miteinander (man stelle sich den 27jährigen Paul Antschel-Celan vor, der 1948, im dritten Frühling des Überlebens und, nachdem er dem stalinistischen Bukarest entronnen ist, das Zimmer der 21jährigen Studentin Ingeborg Bachmann mit Blüten füllt, es in „ein Mohnfeld“ verwandelt), und die es sich erst danach, sichtbar in den Briefen, schwer machten, aber in den Gedichten zum Glück nur auf die fruchtbringende Weise. Ich wollte nicht Intimitäten wissen zwischen Ingeborg Bachmann und einigen X, Y und Z, zwischen Bachmann und Frisch schon gar nicht. Es reicht, was wir wissen, was in dem Brief an Hans Werner Henze vom 4. Januar 1963 steht, „dass das Leben der letzten Jahre zuende ist“. Das haben andere getan, offensichtlich, sie haben davon zu reden begonnen, die Erben haben die Briefe peu à peu freigegeben. Sonst wüsste ich nichts davon. So aber, ein Geständnis: Ich weiß wirklich nichts, das sind nicht meine Forschungen, und: Ich brauche es auch nicht. Ich lese ja alles in den Gedichten zwischen dem Ich und dem Du, nicht minder in dem Wir, dem Uns, dem Unser, das unermüdlich aufgerufen wird, das immer wieder spricht: „O Leiden, die unsre Liebe austraten, / ihr feuchtes Feuer in den fühlenden Teilen.“ Wie gesagt, ich brauche die Taschenlampe nicht, welche Licht in das verbleibende Dunkel dieses Lebens bringt, die in diesen Schoß leuchtet, selbst gegen meine eigene voyeuristische Anlage brauche ich sie nicht. Denn: Es steht, wie wir hören, alles in den Gedichten. Das Leben steht in ihnen, soweit es wert ist, etwas davon zu wissen, soweit es umzuwandeln ist in Poesie, mit dem Handwerk des Schreibens zu übermitteln dem Anderen, Ihnen, mir, uns. Es steht alles ganz genau in Bachmanns wie in Sapphos wie in Hölderlins wie in Trakls Gedichten. In Celans Gedichten steht es sowieso, dass er sie liebte, dass sie sein Schreibgrund war von der ersten Begegnung an: „Du sollst zu Ruth und Mirjam und Noemi sagen: /Seht, ich schlaf bei ihr! Du sollst die Fremde neben dir am schönsten schmücken.“ Das Gedicht ist berühmt, weil er es ihr als erstes widmete und, weil es die Welt der Todesfuge für immer verbindet mit der Liebe zu der Tochter eines Mannes, der schon 1932 in Kärnten in die Nazipartei eintrat. Viel interessanter aber ist nicht dieser Umstand, sondern das Direkte, dieses „ich schlaf bei ihr“, das so natürlich ist und so biblisch, dass es einen nur freut, diese Sprache des Menschen.
Uwe Kolbe: Über den Nachteil. Dichtung, Liebe, Größenwahn und die „Lieder auf der Flucht“. Eine Art Rede für Ingeborg Bachmann Mehr
Heute um 10:15 Uhr beginnt die erste Lesung. Zum Programm
Ruth Klüger eröffnete Mittwochabend mit einer Rede über „Bachmanns Wahrheit & Dichtung“ die Tage der deutschsprachigen Literatur. Die Kleine Zeitung veröffentlicht Auszüge:
Sprache sollte Vermittlerin der Wirklichkeit, ihre Verwandlung in Wahrheit sein. Doch Ingeborg Bachmann ist die Dichterin der Gleichnisse, die nicht aufgehen. Wir suchen nach dem Sinn und sie verweigert ihn, nachdem sie uns lockt und glauben macht, dass sie ihn uns auf Bestellung kredenzen wird. Und diese Verwirrung ist was sie anstrebt um uns zu weiterem Suchen zu bringen. Von den Gedichten, die sie berühmt gemacht hatten, hatte sie dann schließlich genug und versprach, nie wieder welche zu schreiben, weil es zu leicht geworden war. „Ich habe aufgehört, Gedichte zu schreiben, als mir der Verdacht kam, ich ‚könne‘ jetzt Gedichte schreiben, auch wenn der Zwang, welche zu schreiben, ausbliebe.“
Hier der Text als pdf
Das ORF-Landesstudio Kärnten, wo Mittwochabend die 36. Tage der deutschsprachigen Literatur eröffnet werden, präsentiert sich erstmals als Galerie. Ein Künstler-Duo fertigt 1-Wort-skulpturen. Und: Smartes Lesevergnügen lockt.Video von Marko Petelin. …
Fast gleichzeitig mit den Lesungen zum Ingeborg-Bachmann-Preis startete ein Netzkulturprojekt, das die ganze Stadt zu einer virtuellen Bibliothek macht: pingeb.org heißt es, dockt also phonetisch an die berühmte Dichterin an und lädt mit 70 auffallenden gelben Stickern (50 davon an Stadtwerke-Bushaltestellen) zum Down-load von E-Books ein. / Kleine Zeitung
Lyrikzeitung muß nachdenken. Ich denke. Also ich denke.
„To think is to find the right quotation.“
Ah danke, Herr Paul de Man. Also mache ich weiter!
„Penser,“ de Man remarked in his last seminar with more than a note of irony, „c’est trouver la bonne citation.“ („To think is to find the right quotation.“)
Ian Balfour: „Difficult Reading“: De Man’s Itineraries. In: Responses: On Paul De Man’s Wartime Journalism. Hrsg. Werner Hamacher, Neil Hertz, Thomas Keenan. University of Nebraska Press, 1989, S. 10.
Insekten und ihre Lebensformen überhaupt stiegen im 19. Jahrhundert zu sozialen Paradigmen auf, nicht zuletzt durch das bahnbrechende Werk Jean-Henri Fabres, dem „Homer der Insekten“ (Victor Hugo). Um die Jahrhundertwende überschlugen sich dann die sozialen Phantasmen. Der spätromantische Dichter Maurice Maeterlink verfasste einen regelrechten Kulturbestseller unter dem Titel „La vie des abeilles“ (1901); 1912 erschien Waldemar Bonsels Weltbestseller „Die Biene Maja“. Den Gipfel dieser Fantasmen erreichte Rudolf Diesel, Erfinder des Dieselmotors, den Dutli allerdings nicht mehr behandelt. 1903 erschien das lebensreformerische Hauptwerk über den „Solidarismus“, mit dessen Proklamation Diesel den Klassenhass besiegen und die Gesellschaft quasi als funktionstüchtigen Apparat einrichten wollte. Die geplante neue Gesellschaft sollte aus selbstverwalteten Genossenschaftsbetrieben bestehen, die Arbeiter am Gewinn beteiligen und sämtliche Lebensbedürfnisse kostenlos befriedigen. Geleitet von den wunderlosen Geboten des Christentums sollten Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit herrschen, Friedfertigkeit, Barmherzigkeit und Liebe. Das schlagende Modell für all dies fand Diesel im Bienenstock. Für seine Reform erfand er eine groteske und rückblickend eher angsterregende Terminologie: „Bienenpreise“ im Sinne von Billigpreisen sollte es geben, „Bienenkarten“ zwecks Identifikation jedes Einzelnen sollten eingeführt und „Bienenakten“ zu jedem Mitgliedsleben angelegt werden, und so weiter. Auch wenn uns heute vieles durch elektronische Technologie eingelöst erscheint, die vollständige „Erlösung des Menschen“, die Diesel mit seinem „Solidarismus“ betreiben wollte, musste scheitern. Die von ihm angesprochenen Arbeiter wollten keineswegs alle „Bienenstöcke errichten“ oder gar „Bienen werden“.
Ralph Dutli hat kein Fachbuch geschrieben, weder ein biologisches, noch ein kulturhistorisches mit Anspruch auf Vollständigkeit. Aber er hat, auch als Anregung für die neueren Animal Studies, den wohl elegantesten Familienroman seiner Zunft verfasst, eine Geschichte der Naturpoesis, die in den höchsten Rängen beginnt und nun, ähnlich wie die Griechen heute in Europa, gerade vom Verfall, vom Aussterben bedroht ist. Allerdings gibt es Chancen: Laut Dutli leben inzwischen gesündere und produktivere Bienenstöcke auf städtischen Dächern als auf dem verpesteten Lande. / Claudia Schmölders, literaturkritik.de
Ralph Dutli: Das Lied vom Honig. Eine Kulturgeschichte der Biene.
Wallstein Verlag, Göttingen 2012.
208 Seiten, 14,90 EUR.
ISBN-13: 9783835309722
Zuerst Bender:
Der tote Gefangene.
Geschoren,
entkleidet,
auf den Schlitten,
tief im Schnee
nacktgebunden
mit zwei Schnüren.
Ein Hungernder zieht,
ein Spitzel schiebt,
ein Priester,
ohne Kreuz,
im Spurgeleis der Kufen.
Dann Schoenberner:
… Gierig kauend
gingen in Auschwitz
die nackten Gefangenen
die Gewehrläufe im Rücken
an die Schwarze Wand
Oder:
Grabinschrift / Gestorben in Nicaragua / im Winter 89 / an einer Kugel aus USA
Beide haben diesen konstatierenden Stil. Beide tendieren zur Idylle. Die muss kein bisschen entspannt oder selig sein. Es ist bei beiden eher eine Idylle des Grauens.
Bei Bender ist es ein in seinem Jahrhundert frierendes Ich. Bei Schoenberner ist es der andauernde tödliche Umstand der Zeitgeschichte. Wenn Hans Bender im D-Zug durch Südbaden fährt und draußen ein Haseforthoppelt im grünen Feld / aus Angst, dann steht bei Schoenberner: Und ich mit meiner keltischen Angst: / Der Himmel, der blaue, stürzt über uns ein.
(…)
Es ist kein härterer, kein genauerer Geschichtsunterricht denkbar als der, der so krass unterschiedlich in diesen Gedichten stattfindet. Das deutsche 20. Jahrhundert zweimal in »präziser, illusionsloser Klarheit«. Bei Bender erscheint Der Schulkamerad, jetzt ein alter Mann im Garten, aber: Trug er nicht / die schwarze Uniform / mit Orden. Runen / und dem Totenkopf? / Er reckt sich, / lächelt, / weil er mich / erkennt. / Und ich, der / sich erinnert / hebe schwer / die Hand / zum Gruß.
Gerhard Schoenberner im Kapitel Kein Frieden:
Was sie den Wehrlosen antaten / sollen sie erfahren, eins nach dem anderen / ohne Ausnahme, bis sie verrecken …
/ Martin Walser, Die Zeit
BENDER, Hans
O Abendstunde
Ausgewählte Gedichte, mit einem Nachwort von Arnold Stadler.
2011. 40 Seiten. Format 14 x 23 cm. Fadenheftung, broschiert.
1. Auflage dieser Ausgbe in 300 Exemplaren
ISBN: 943148-03-9. EURO 12,–
Gerhard Schoenberner
FAZIT
Prosagedichte
Literaturbibliothek
Hardcover
ISBN 3-88619-488-9
Eine Art Konzeptalbum: Darin werden die einzelnen Gedichte nicht addiert, sondern miteinander vernetzt, sie bilden ein «Grossgedicht». Durch ihre Nähe zu den Gedichten bekommen selbst die theoretischen, essayistischen Texte eine andere Färbung – indem Traxler sie nicht als Metatexte über die literarischen Texte stellt, sondern darin Verfahren der Gedichte aufnimmt und weiterentwickelt. Mathias Traxler – er ist 1973 in Basel geboren, hat Jura studiert und lebt in Berlin – ist spürbar sprachbesessen, er arbeitet gerne mit Assonanzen und Homofonien. Seine Sprachirritationen und kleinen Sinnverstörungen entwickelt er aus Überschneidungen und der Kontamination von Fremdem, aus dem plötzlichen Abbruch von scheinbar konsistenten Argumentationslinien, die ihren Anfang nicht selten in und aus der Sprachlogik nehmen und sich dann unerwartet gegen diese kehren. Einige Gedichte haben den Gestus des Gedankengedichts, entwickeln eine Idee, verknüpfen Assoziationen – und lassen die Gedankenkette plötzlich auflaufen und versanden. Damit steht Traxler in einer anregenden Auseinandersetzung mit Texten von August Stramm bis hin zu Oswald Egger, ohne dass es epigonal wirkt. / NZZ
Mathias Traxler: You’re welcome. Gedichte / Aufzeichnungen. Verlag Kookbooks, Berlin 2011. 127 S., Fr. 28.40.
Die Pariser Verkehrsgesellschaft RATP hat die Sieger ihres diesjährigen Lyrikwettbewerbs benannt. 100 Finalisten waren zu einer Veranstaltung am 26.6. geladen. [Offenbar machte es sich die Jury leicht:] den Grand Prix erhielt der älteste Teilnehmer, der 93jährige Sam MOUCHVOZ aus Nizza und der Grand Prix Enfant ging an die Jüngste, die 11jährige Zoé GUILLEMAIN. Die Texte der 10 Besten werden in Metro und Bussen zu sehen sein. / L’Express 2.7.
Hier die Siegertexte
Am leichtesten verständlich dieser (patience heißt Geduld, „Wieviele Einwohner hat China?“, der Rest sind Zahlen):
La patience
Combien d’habitants en Chine?
Un,
deux,
trois,
quatre,
cinq,
six…
Benjamin Terral
29 ans, Hérault
Roughbooks kündigt zwei Neuerscheinungen an:
Mütze #1, die neue literarische Zeitschrift (die „Zwischen den Zeilen“ nach fast 20 Jahren ablösen wird),
mit Beiträgen von Pierre Guyotat (Holger Fock), William Faulkner (Günter Plessow), Tim Turnbull (Dagmara Kraus), Werner Hamacher und Simone Kornappel. 52 Seiten, 5 Euro / 7 Franken (plus 1 Euro/Franken für den Versand).
Bestellungen über das Bestellformular: http://www.roughradio.com/muetzebestellen.html
Und neu bei den roughbooks:
roughbook022: Chris Bezzel, isolde und tristan,
http://www.roughbooks.ch/chris_bezzel/isolde_und_tristan.html
Nicht minder reif und frisch ist roughbook021: Bruno Steiger, Der Trick mit dem Sprung aus dem Stuhl,
http://www.roughbooks.ch/bruno_steiger/der_trick_mit_dem_sprung_aus_dem_stuhl.html
Nur noch wenige Exemplare gibt es von roughbook020: Wolfgang Schlenker, doktor zeit,
http://www.roughbooks.ch/wolfgang_schlenker/doktor_zeit.html
Fast schon ein Klassiker ist roughbook019: Bertram Reinecke, Sleutel voor de hoogduitsche Spraakkunst,
http://www.roughbooks.ch/bertram_reinecke/sleutel_voor_de_hoogduitsche_spraakkunst.html
Das ist, was 2012 bisher an roughbooks brachte. Im Sommer bereitet sich der Herbst vor.
Mit einer Fortsetzungsbestellung, http://www.roughradio.com/abo.html, haben Sie das neuste roughbook immer automatisch im Briefkasten.
Und wenn Sie diesen newsletter abbestellen wollen, reicht ein „Bitte keine newsletter mehr“ als Antwort auf diese mail.
Diesem Widerspruch antwortet von eh und je der Vorwurf, das moderne Gedicht sei „unverständlich“. An ihm ist bemerkenswert, daß er nicht spezifisch, im Hinblick auf den einen oder anderen Text, sondern stets pauschal erhoben wird. Das legt den Verdacht nahe, daß er nicht in wirklichen Leseerfahrungen, sondern im Ressentiment gründet. Wäre es anders, so müßte es sich herumgesprochen haben, daß Verständlichkeit oder Unverständlichkeit etwas ganz anderes bedeuten, je nachdem, ob von einem Gedicht von Brecht, von Apollinaire oder von Pound die Rede ist. Jeder dieser Autoren stellt seine Leser vor andere Schwierigkeiten. Der Vorwurf, sie seien allesamt unverständlich, meint etwas ganz anderes. Er spricht aus und kaschiert zugleich die Tatsache, daß Poesie, wie Kultur überhaupt, in der bisherigen Geschichte immer nur Sache der wenigen, der happy few, gewesen ist. Darin drückt sich aus, worauf unsere Gesellschaft beruht. Der Vorwurf, sie seien unverständlich, macht die Poeten zu Sündenböcken für die Entfremdung, so als läge es nur an ihnen, sie über Nacht zu beheben. Zwar verfügen wir heute über die technischen Mittel, Kultur allgemein zugänglich zu machen. Die Industrie, die sie handhabt, reproduziert jedoch die gesellschaftlichen Widersprüche, die das verhindern; ja sie verschärft sie, indem sie der materiellen Ausbeutung die geistige verbindet.
/ Aus: Hans Magnus Enzensberger, Vorwort [in späteren Ausgaben Nachwort] der Anthologie „Museum der modernen Poesie„, Frankfurt/ Main: Suhrkamp 1960. (Ausschnitt in der Ausgabe von 1980 und öfter (Suhrkamp Taschenbuch) in Band 2, S. 777)
Es hat viel Platz in diesem Gedicht, die Mittelpartie ist von grosszügiger Weite, als halte sie den Platz für etwas frei, was noch fehlt. Das erste Wort lässt durchblicken, wofür der Raum vorgesehen ist; es geht um die Vergangenheit, genauer um die Erinnerung an ein gemeinsam erlebtes «damals». Das vertraute Du, das angesprochen wird, scheint nicht auf Anhieb zu verstehen, worauf die redende Stimme hinaus will. Diese sieht sich genötigt zu insistieren: «damals hatten wir doch / du weißt». Wovon spricht sie? / Wochengedicht #13: Lisa Elsässer, Rudolf Bußmann, Tages Woche
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