84. Dreimal Dickinson

Emily Dickinson

386

Answer July –
Where is the Bee –
Where is the Blush –
Where is the Hay?

Ah, said July –
Where is the Seed –
Where is the Bud –
Where is the May –
Answer Thee – Me – 

Nay – said the May –
Show me the Snow –
Show me the Bells –
Show me the Jay!

Quibbled the Jay –
Where be the Maize –
Where be the Haze –
Where be the Bur?
Here – said the Year –

 

*

Antworte mir –
Wo ist der Duft –
Wo ist der Tanz –
Wo ist die Gruft? 

Ach geh doch her –
Wo ist der Star –
Wo ist das Moor –
Wo ist die Luft –
Antworte selbst!

Nein, sagt ich ihm –
Zeig mir den Zweig –
Zeig mir den See –
Zeig mir den Gauch!

Geifert der Gauch –
Wo bleibt der Wurm –
Wo bleibt der Stern –
Wo bleibt die Nuß?
Hier – sprach der Herr –

 

Phonetisch

Ahnsherr schuf Leid –
Wer ist debil –
Wer ist verblaßt –
Wer ists, hehe? 

Hase schuf Leid –
Wer ist gesiebt –
Wer ist gebaut –
Wer ist gemein –
Ahnsherr ´s ihm lieh –

Nee setze Mäh –
Schon mieses No –
Schon mieses Belln –
Schon miesen Schnee!

Quirlte der Schnee –
Wer biete Mais –
Wer biete heiß –
Wer biete Bier?
Hier – setze Gier

Zwei Umsetzungsversuche von Michael Gratz

83. 16. Leipziger literarischer Herbst

An unterschiedlichen Orten Leipzigs werden Lesungen, Diskussionen, Verlagsvorstellungen und andere Literaturveranstaltungen zu erleben sein.

Gemeinsam mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. wird das Festival mit dem Träger des diesjährigen Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu eröffnet, welcher laut Begründung des Stiftungsrates des Börsenvereins „sprachmächtig und unerschrocken gegen die politische Unterdrückung aufbegehrt und den Entrechteten seines Landes eine weithin hörbare Stimme verleiht.“

Innerhalb des Festivals wird der Übersetzerpreis „Tiefgang“ des Vereins DIE FÄHRE e.V. verliehen.

Am Sonnabendnachmittag, den 20. 10. präsentieren 14 Verlage zum „Fest der Verlage“ im Oberkeller der Moritzbastei von 14 bis 18 Uhr ihre Neuerscheinungen. Ab 14.30 Uhr gibt es auf der Bühne moderierte Gespräche mit den Verlegern, Autorenlesungen und Live-Musik. / Mehr

Mit

Katharina Bendixen  · Volker Ebersbach Roland Erb · Rosemarie Fret · Ralph Grüneberger · Andreas Heidtmann · Jörn Hühnerbein · Jayne-Ann Igel · Dagmara Kraus · Jan Kuhlbrodt · Alain Lance · Clemens Meyer · Mario Osterland · Marion Poschmann · Kerstin Preiwuß · Jörg Schieke · Kathrin Schmidt · Julia Schoch · Johanna Schwedes · Lutz Seiler · Volly Tanner · Liao Yiwu u.v.a.

U.a.

Die eigene Rede des andern…
Mit Kathrin Schmidt und Marion Poschmann, Lutz Seiler und Jörg Schieke
Freitag 19.10. 19.30 Uhr

POET Leseparty
Clemens Meyer, vorgestellt von Mario Osterland. Jayne-Ann Igel, vorgestellt von Jan Kuhlbrodt. Katharina Bendixen, vorgestellt von Johanna Hemkentokrax
Freitag 19.10. 20.00 Uhr

Wir Seesterne
Gedichte von Miron Białoszewski
Polnisches Institut
Buchpremiere mit der Lyrikerin und Übersetzerin Dagmara Kraus (Leipzig), dem Slawisten, Übersetzer und Freund des Autors, Henk Proeme sowie mit bekannten Nachdichtern.
Dienstag 23.10. 19:00 Uhr

82. Poetic Encounters

Zum zweiten Mal treffen beim Zebra Poetry Film Festival Filmemacher aus dem Ausland auf Dichter aus Berlin. “Poetic Encounters” nennt sich der ungewöhnliche Filmworkshop, der dieses Jahr ganz im “Fokus Polen” steht. Wiola Sowa, Maciek Majewski und Lukasz Twarkowski verfilmen Gedichte von Nico Bleutge, Norbert Hummelt und Christian Filips. / Berliner Filmfestivals

81. Jene Gang

»Jene Gang (…) die ungehemmt selbst Mord nicht scheut«, wird wohl der Mossad sein. Vielleicht auch die israelische Regierung oder die Weisen von Zion. In jedem Fall nicht ordinäre Killer, sondern Massenmörder: »(…) der atomare Tod in Bomben – ungezählt«. Da ist er wieder, der Topos aus Grass’ Frühjahrspoem »Was gesagt werden muss«: Die Juden als Bedrohung des Weltfriedens und der ganzen Menschheit.

(…)

Lyrischer Judenhass war schon von besserer Qualität. T. S. Eliot, auch er Antisemit und Nobelpreisträger, hat es in seinem Poem »Burbank with a Baedeker: Bleistein with a Cigar« vorgeführt. Dort heißt es in der sechsten Strophe: »The rats are underneath the piles. The jew is underneath the lot.« Welch’ eindringliche Metaphorik und sprachlich elegante Reduktion. Widerwärtiger Dreck, gewiss, aber von meisterlichem Stil. Wenn wir uns schon beleidigen lassen müssen, dann doch bitte von einem Könner. Grass aber bringt den literarischen Antisemitismus in Verruf. / Michael Wuliger, Jüdische Allgemeine

80. Ich verstehe jeden Satz

Tobias Haberl sprach mit Friederike Mayröcker, Süddeutsche Zeitung Magazin:

Sie werden im Dezember 88 Jahre alt. Fällt Ihnen das Leben schwerer als noch vor zehn Jahren?
Ja, mit 77 war ich noch ziemlich frisch. Im Moment habe ich eine Arthrose an den Füßen. Ich kann nicht mehr rasch gehen. Dicke Bücher schaffe ich auch nicht mehr. Ich bin langsam geworden. Gott sei Dank nicht beim Denken und Schreiben. Ich arbeite jeden Morgen, bis ich spüre, dass ich aufhören muss, weil der Blutdruck auf 200 ist.
»Körperruine«, »Monster im Spiegel« – kommt alles in Ihren Texten vor. So nehme ich mich nun mal wahr und es gefällt mir nicht. Trotzdem bin ich nur äußerlich das alte Weib, das durch die Straßen humpelt, innerlich bin ich immer noch das 17-jährige Mädchen, das in Deinzendorf barfuß über die Wiese läuft. Ich glaube, ich habe eine Kinderseele. Kann man das so sagen?

(…)

Aber Sie zählen zu den ganz großen Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts, 2004 wurden Sie als Favoritin für den Literatur-Nobelpreis gehandelt.
Aber meine Bücher hatten immer kleine Auflagen. Ein paar Tausend pro Buch vielleicht. Genau weiß ich es nicht. Die großen Herren bei Suhrkamp nehmen mich nicht so wahr, der Enzensberger kennt mich, glaube ich, gar nicht. Und gelebt habe ich vor allem von den Preisgeldern. Ich habe viele Preise bekommen.

Ist es nicht kränkend, wenn man als hochgelobte Schriftstellerin seinen Lebensunterhalt nicht mit dem Schreiben bestreiten kann?
Ich habe es immer hingenommen. Viele andere Autoren können vom Schreiben leben, auch mittelmäßige. Die Leute sagen, mein Werk sei schwierig, ich frage mich, was sie meinen, ich verstehe jeden Satz.

 

79. Rechthabenmüssen

In einem scheint sich die Literaturkritik sicher: Die jüngsten Gedichte von Günter Grass seien literarisch auf geradezu abenteuerliche Weise missraten. Das heißt: Entweder hat sich das über Jahrzehnte immer hochgelobte lyrische Werk des Dichters zuletzt rapide verschlechtert, oder aber die Literaturkritik hat sich ziemlich verspätet von einer schweren Verirrung befreit. (..)

Die politischen Botschaften sind bei Grass so überaus klar wie in der engagierten Lyrik des 19. Jahrhunderts – mit dem Unterschied, dass in dieser die niederen und profanen Themen des Politischen zumeist mit dem hohen Ton der Klassiker und Romantiker oder dem rustikalen Volkslied kombiniert wurden. (…)

Manchmal schleicht sich in diese unmissverständliche Sprache dann doch noch ein Bild, das über das konkret Bezeichnete hinausreicht. Dann, wenn Grass etwa darüber räsoniert, »was Freude bringt«. Die Kastanien, die man in der Hand hält oder der »Frühtau, / der im August / das Netzwerk der Spinnen versilbert«. Dann ist er vom »Reizklima des Rechthabenmüssens« (Martin Walser) so weit entfernt wie in seinen noch heute unbedingt lesenswerten Gedichtbänden Die Vorzüge der Windhühner (1956), Gleisdreieck (1960) oder auch Letzte Tänze (2003). / Adam Soboczynski, Die Zeit 42

78. Schmackeduzie

Lasker-Schüler, Frau Else. (Eigentl. Walden.) Halensee. Geb. Elberfeld 11.2. 76.

Steif steht im Teich die Schmackeduzie,
Es dehnt und sehnt sich Fräulein Luzie.

Das hat Else Lasker-Schüler gedichtet. Manchmal dichtet sie auch nach Hofmannsthal, manchmal nach Rilke…, es klingen tausend Klänge von ihr her… und in dem schönen Liede mit der Schmackeduzie auch ein eigener. Sie ist die Anempfinderin in unbegrenzten Möglichkeiten.

Styx, G. 02; Das Peter-Hille-Buch 06; Die Nächte Tino von Bagdads, Nn. 07; Die Wupper, Sch. 08; Meine Wunder, G. 11; Gesichte, Essays 11.

/ Max Geißler, Führer durch die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts. Weimar: Alexander Duncker Verlag, 1913, S. 316.

Geißler hat 1913! auf 754 Seiten mehr als 2000 lebende Autoren lexikalisch vorgestellt und jeden dieser Dichter auch bewertet. Manches kommt einem grotesk verzeichnet vor, aber man bedenke, was man vor 99 Jahren davon wissen konnte. Die meisten teils herben Verrisse werden nicht völlig willkürlich sein. So verreißt er: „Gelegenheitsdichter, der lokale Ereignisse oder auch dier Sage seiner Heimat in gefällige Verse bringt. Die haben keinen größeren Fehler, als daß sie allen Ernstes für Dichtung gelten wollen.“ (Martin Primbs). „Dichtungen und Reimereien. Der Reimereien sind mehr.“ (Karl Streibel). „Eng wie die thüringische Heimat waren auch die Grenzen seiner Kunst.“ (Johann Heinrich Löffler). „Hübsches poetisches Talent, das 1909 mit einer Sammlung Gedichte an die Öffentlichkeit trat. Anmutige Gedanken und Gefühle in gefälliger Form; Eigenart scheint zu fehlen.“ (Hertha Federmann).

„Scheint“! Ich vermute, daß jeder, auch der (jeder denke sich einen!) beste Kritiker, der heute 2000 lebende Schriftsteller, auch wenn sie gerade erst ein Bändchen veröffentlicht haben, so mit ein oder zwei Sätzen charakterisieren wollte, erstens jämmerlich scheitern und zweitens vom Publikum (je nach Lagerzugehörigkeit jeder wegen anderer wirklicher oder vermeintlicher Fehlurteile) gesteinigt werden würde*. Aber die meisten, die er kritisiert, kennen wir heute nicht mal dem Namen nach. Und bei Lasker-Schüler hat er sich auch nicht schlecht geschlagen, alles in allem. Ein unentbehrliches Nachschlagewerk!

*) Eher würde keiner Lust haben, so viele Bücher zu lesen. „Das soll ich ausforschen?“

77. Moderne radikale Lyrik

Die Lesung der eigenwillig-selbstbewussten Dichterin geriet zum Desaster und spaltete das vor Staunen starre Publikum. Es zeigte sich irritiert und reagierte mit Hohn und Gelächter. Etliche Besucher verließen sogar empört den Saal. Andere waren jedoch fasziniert von der ungewöhnlichen Performance und klatschten demonstrativ Beifall. Die Lasker-Schüler, von der Presse als “Vertreterin der modernen radikalen Lyrik” angekündigt, reagierte verärgert und appellierte an das Publikum: “Ich bitte um Ruhe, ich lese hier das Allerfeinste vor. So geht das nicht weiter, ich bin das anders gewöhnt.” / njuuz

76. Gerocktes Inferno

Mary Jo Bang, die für ihren jüngsten Band —Elegy— 2007 den National Book Critics Circle Award erhielt, gibt eine superzeitgenössische („über-contemporary“) postmoderne Übersetzung Dantes. Und, OMG (um eine Wendung zu benutzen, die sie darin hätte benutzen können aber nicht hat), Bang rockt und rollt das Gedicht herum bis es ihr eigenes wird; es ist faszinierend, manchmal schön und auch ein wenig bizarr.

Bang integriert moderne Bezüge aus Populärkultur (eine South-Park-Figur), Technologie (Smart card), Wetterphänomene (El Niño) und Alltagssprache (“Fighting our way up the ladder…”) und flicht Anspielungen auf John Coltrane, Fleetwood Mac, Joseph Cornell und den Wizard of Oz ein, ebenso Zitate von Eliot, Plath, Berryman und Browning.

Bangs elegante Worte erinnern uns daran, daß diese jahrhundertealte Geschichte noch immer wahr klingt: “What can hurt me here? What should I fear? / What beast can do me in that doesn’t live within? / One shouldn’t fear what isn’t.” * / Jim Carmin, Philadelphia Review of Books

‘INFERNO’
By Dante Alighieri
Translated by Mary Jo Bang
Drawings by Henrik Drescher
Published by Graywolf, 341 pages, $35

Morgen an der Harvard-Universität:

Wednesday, October 17, 6:00pm

OMNIGLOT SEMINAR: EXPERIMENTS AT THE BORDERS OF POETRY & TRANSLATION

Mary Jo Bang & Jennifer Scappettone

Mary Jo Bang (author of Elegy and the recent variations on Dante’s Inferno) and Jennifer Scappettone (translator of the award-winning Locomotrix: Selected Poetry and Prose of Amelia Rosselli and author of From Dame Quickly) explore the ways that their translation projects intersect with and enlarge their own poetics. The event will include readings and interactive discussions with the audience.

Woodberry Poetry Room, Lamont Library, Room 330.

Auf Deutsch:

Mary Jo Bang: Eskapaden
Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig. Übersetzt von Barbara Thimm. Mit Illustrationen von Matt Kindt
luxbooks 2011

*) Die Stelle, vermutlich 2. Gesang 88-90? (hab die Übersetzung Mary Jo Bangs nicht zur Hand). Da spricht Beatrice zu Dantes Begleiter Vergil. In der Übersetzung Karl Wittes:

Furcht hegen soll man nur vor solchen Dingen,
die Schaden uns zu tun die Macht besitzen;
vor andren nicht, weil nichts an ihnen furchtbar.

In der neuen Prosaübersetzung von Hartmut Köhler:

Fürchten soll man sich nur vor solchen Dingen, die einem Schaden bringen können; vor anderen, die einen grundlos ängstigen, aber nicht.

Und bei Rudolf Borchardt:

Fürchten ist solche ding alleine schicklich,
die uns zu übele taugeten gereichen:
die andern nicht, denn sie sind unerschricklich.

75. Grass 85

An Bescheidenheit leidet er nicht:

Eine offizielle Feier zu seinem 85. Geburtstag hatte sich Günter Grass verbeten. Stattdessen hatte er sich gewünscht, dass sein Werk und dessen Präsentation angemessen gewürdigt werden solle. Dieser Wunsch ist ihm erfüllt worden. Zwei Tage vor seinem Geburtstag am 16. Oktober ist am Sonntagabend in Lübeck das neu gestaltete Günter-Grass-Haus offiziell eröffnet worden. (…)

Eva Menasse erneuert dagegen ihre Kritik an Grass´ israelkritischem Gedicht „Was gesagt werden muss“. „Ich halte das Gedicht für eine Torheit“, sagte sie. Grass konterte: „Ja, es war eine Torheit, das so auszusprechen. Aber es war eine notwendige Torheit.“… / Focus

 

74. Schamrock – Festival der Dichterinnen

Vom Freitag 19. Oktober bis Sonntag 21. Oktober sind 40 Dichterinnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol und Finnland zum ersten internationalen Lyrikerinnenfestival nach München in die Pasinger Fabrik eingeladen. Das „Schamrock – Festival der Dichterinnen“ gibt in Lesungen und Perfomances der aktuellen Lyrik ein weibliches Gesicht.

Unter ihnen sind: Marlene Streeruwitz (Österreich), Ilma Rakusa (Schweiz), Ruth Klüger U.S.A.), Swantje Lichtenstein (Deutschland), Sabine Gruber (Südtirol), Martina Hefter, Lydia Daher und Tanja Dückers (Alle drei Deutschland) und neben den Veranstalterinnen natürlich noch eine ganze Reihe Münchner Lyrikerinnen. / Nachrichten München

73. Preis für Schinkel

Er ist bekannt für schwermütige, mythologisch schillernde Zeilen, kann aber auch leicht und fröhlich und lustig reimen. Einer der produktivsten Schriftsteller Sachsen-Anhalts ist er zweifellos. Und einer der vielfältigsten inzwischen auch: André Schinkel. Mehrfach schon wurde das Werk des 40-Jährigen ausgezeichnet. Nun erfährt es eine weitere Würdigung. Schinkel erhält den Walter-Bauer-Preis 2012. Das hat die Stadt Leuna am Montagabend bekanntgegeben. (…) Nur wenige Schriftsteller hätten so viele und zum Teil bedeutende Beiträge zu Mitteldeutschland, besonders zum Raum um Halle und Merseburg, geleistet wie Schinkel, begründet der Autor Wilhelm Bartsch, ebenfalls Bauer-Preisträger, die Entscheidung der Jury. In Schinkels Büchern sei dieser Raum lebendig geblieben. „Der gelernte Archäologe, der André Schinkel ist, gräbt tief in der Landschaft und in der Seele, und er weiß mit seinen Fundstücken umzugehen“, so Bartsch. Der mit 3 500 Euro dotierte Preis wird am 7. November im cCe-Kulturhaus Leuna übergeben. / FRANK CZERWONN, Mitteldeutsche Zeitung

72. American Life in Poetry: Column 394

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
A Kansas poet, Wyatt Townley has written a number of fine poems about the swift and relentless passage of time, one of the great themes of the world’s poetry, and I especially like this one.

Finding the Scarf 

The woods are the book
we read over and over as children.
Now trees lie at angles, felled
by lightning, torn by tornados,
silvered trunks turning back

to earth. Late November light
slants through the oaks
as our small parade, father, mother, child,
shushes along, the wind searching treetops
for the last leaf. Childhood lies

on the forest floor, not evergreen
but oaken, its branches latched
to a graying sky. Here is the scarf
we left years ago like a bookmark,

meaning to return the next day,
having just turned our heads
toward a noise in the bushes,
toward the dinnerbell in the distance,

toward what we knew and did not know
we knew, in the spreading twilight
that returns changed to a changed place.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2007 by Wyatt Townley from her most recent book of poems, The Afterlives of Trees, Woodley Press, 2011. Poem reprinted by permission of Wyatt Townley and the publisher. Introduction copyright © 2012 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

71. Werbung

in der Lyrikzeitung? Nicht daß ich wüßte. Weder hab ich welche geordert noch jemals gesehn. Da mir aber bereits mehrere Leser berichteten, daß neuerdings unter den Nachrichten Werbung zu sehen ist (ich hab gute Werbeblocker, die schneiden alles weg!), muß es sich um ein neues „Feature“ von WordPress handeln. Und tatsächlich, auf ihren Seiten lese ich, daß ich gegen Extragebühr die Werbung loswerden kann. Das ist neu und wurde mir nicht mitgeteilt. Wahrscheinlich bleibt mir nichts anderes übrig. Im November, wenn ohnehin neue Gebühren (dafür daß ich Bilder hochladen und einen eigenen Namen benutzen kann) anfallen, werde ich wohl ein teureres Paket nehmen. Bis dahin, und überhaupt, empfehle ich Werbeblocker.

70. Phobos

In diesen Tagen erschien von Ralf Willms der Gedichtband Phobos. In der Mythologie ist Phobos der Sohn des Kriegsgottes Ares und der Liebesgöttin Aphrodite; die Texte spüren indessen dem Ephemeren – als Bestandteil von umfassenden Zusammenhängen – nach. Ulrich Schödlbauer schreibt dazu:

Phobos, oft mit Schaudern übersetzt, gelegentlich auch mit Furcht, entspricht jenem inneren Zittern, das Menschen befällt, die sich plötzlich einem Stück Welt gegenüber befinden statt, wie üblich, in Welt eingebunden zu sein durch Kontexte, die für sie die Wahrnehmungssteuerung übernehmen und ihr Handeln in geeigneten Bahnen verlaufen lassen. Das muss nichts landläufig Schreckliches sein. Die kleinste Wahrnehmung kann zum Auslöser werden, eine Email, eine Szene im Café oder der Anblick einer Ente im Park. Das seismographische Schreiben, das dieses Zittern aufzeichnet, folgt einer langen Tradition. Es kann also nicht so tun, als sei jede seiner Gebärden frisch und jede Vokabel neu. Die Kunst besteht darin, den Einsatz zu finden, Schnitte zu setzen und rechtzeitig auszusteigen, bevor das Bedürfnis, Zusammenhänge herzustellen, die Führung übernimmt. Am Ende ist das die einzige Opposition, die Willms gelten lässt: der vernutzten Welt stellt er nun nicht eine Welt ohne Nutzen gegenüber – wo wäre die zu finden? –, doch mit einer gewissen Entschlossenheit den Anflug der Unvernutztheit: unerwartet, unvermittelt, folgenlos, wenigstens in der Zeitfolge, dabei selbst eine Folge bildend, die vermutlich allem, was wahrnehmend lebt, den letzten Grund zur Empfindung gibt, da zu sein.

Die Phobos-Texte erschienen bereits – mit den Möglichkeiten des Internets aufbereitet – bei Acta Litterarum. Mit der Buchfassung handelt es sich um eine erweiterte Ausgabe; es finden sich 13 weitere Texte und Fotografien darin.

Ralf Willms: Phobos, Manutius Verlag, Heidelberg 2012