Fernsehen und Lyrik passen doch zusammen. Google bringt uns
Eis in die Hose
Derwesten.de
Unheimlich lustig muss das für Gerard Butler gewesen sein, mit Eiswürfeln in der Hose Gedichte zu rezitieren – bei der Mallorca-Ausgabe von „Wetten, dass..?“Foto: dpa. Essen. Vor der Sommerausgabe von „Wetten, dass…?“ regnete es Promi-Absagen für …
Hier, an der Hausnummer fünf, hängt die Tafel zu Ehren des Dichters Paul Celan, der am 23. November 1920 in Czernowitz zur Welt kam. Wie es der Irrtum will, hängt die Gedenktafel an der falschen Stelle; über die Gründe indes kann nur spekuliert werden. Linker Hand, in jenem eher maroden Wohnhaus mit der Hausnummer drei, an dessen Aussenwänden der Putz abbröckelt, wuchs er tatsächlich auf. Durch das Gartentor, das an diesem sommerlich warmen Maitag offen steht, gelangt man in den Hof. Im ersten Stock soll er gewohnt haben. Eine Mansarde habe damals noch existiert. Mitten im Hof soll ein Kastanienbaum gestanden haben, der Kastanienbaum Celans, der damals noch Paul Anczel hiess.
Aus einem Text von Tom Schulz, der im Mai und Juni Stipendiat der Residenz Meridian in Czernowitz ist.
/ NZZ 10.6.
10.6. Montag
19.00
LQ
Alte Schmiede, Wien
GEDICHTKONFERENZ – Poetische Spiele, dichterische Kühnheiten und volksverbundene Archaik
HANS HAID (Ötztal/Tirol) liest aus 74 ÖTZTALER GEDICHTE (Kyrene Verlag, 2012) • REINHOLD AUMAIER (Mühlviertel/Oberösterreich) liest aus GSCHEID SCHTAD. Gedichte in Mühlviertler Mundart (Edition Geschichte der Heimat, 2012) • STEPHAN EIBEL ERZBERG (Steiermark – Wien) liest aus seinem Gedichtband LICHT AUS. Texte und Typografie (Styria Verlag, 2012) • Einleitungen und Moderation:
MICHAEL HAMMERSCHMID und Kurt Neumann
Hans Haid ist einer der Pioniere der neuen österreichischen Dialektdichtung, die nicht nur auf eine Fixierung mündlicher Traditionen bedacht ist, sondern sich den Errungenschaften der literarischen Moderne öffnet. In seinen archaisch klingenden Ötztaler Gedichten scheinen Beschwörung, Anklage, Litanei nicht nur den realen Verhältnissen, sondern auch dem Klang der Sprache verdankt zu sein.
Im Mühlviertler Dialekt sinniert Reinhold Aumaier in seinen Gedichten über das Gute und das Schlechte im Leben, über die Liebe, das Älterwerden und seine Lebenserfahrung. Die kurzen Texte folgen einfachen Reimformen, aus denen sie in der Kombination mit der mundartlichen Ausdrucksweise leichtfüßige Witzigkeit beziehen.
In räsonierendem, umgangssprachlichem Gestus erzählt Stephan Eibel Erzberg in Gedichten und Bonmots heiter aus einer Welt voller Triebe, Absurditäten und Abgründigkeiten, in der jedoch ab und zu ein Funken Schönheit aufblitzt.
Hans Haid, *1938 in Längenfeld im Ötztal, Studium der Volkskunde in Wien. Seit 1967 zahlreiche literarische Veröffentlichungen und Sachbücher über Brauchtum, Dialekt und Kultur im alpinen Raum. Zuletzt: Aufbruch in die Einsamkeit. 5000 Jahre Überleben in den Alpen (1992); Von Schneekanonen & Transitlawinen (1993); Alpenbräuche. Riten und Traditionen in den Alpen (1994); Stadel, Alm & Gaudi. Neue Texte von Hans Haid (1997); Mythos Gletscher in den Alpen (2004); töet vöer dr töet keemen ischt. Gedichte im Ötztaler Dialekt mit schriftsprachlichen Übertragungen (2006).
Reinhold Aumaier, *1953 in Linz, Studium der Germanistik und Musik in Wien. Seit 1976 freischaffend künstlerisch tätig: Lyrik, Prosa, Zeichnung, Kompositionen (für E-Bass und Stimme, Klavier solo), Improvisationen, Ausstellungen. Regelmäßige Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften. Jüngste Einzelpublikationen: Lusthäusl & Lottabäng. gedichta, büdln & a gschicht (2005); wIenGREDIENZIEN (2006); Rutschbonbon. Prosa (2007); hundsdreg & dschogladbabia. weana gmiadboesie (2008); Zwischentraum. Romanfantasie (2009); Beischlafpulver. 99 Sekunden-Romane (2011).
Stephan Eibel Erzberg, *1953 in Eisenerz, Kaufmännische Lehre, Lohnverrechner.
Im zweiten Bildungsweg Studium der Soziologie, Pädagogik und Philosophie. Er schreibt Lyrik, Prosa, Theaterstücke, Hörspiele, Filmdrehbücher. Buchveröffentlichungen zuletzt: Luxusgedichte (1995); Gräber raus aus den Friedhöfen. Briefroman (1996); Tschechow. 77 mal 7 Zeilen plus ein Gedicht (1998); Bei den Fischers. Bei den anderen Fischers (2000); gedichte zum nachbeten (2007); Sofort verhaften! Romanzo anarchico (2008).
Seit Jahrzehnten dichtet Benedikt Dyrlich in zwei Sprachen: “Ich versuche, das Gedicht von einem Ufer auf ein anderes herüberzutragen. Die Ufer gleichen sich nicht. Dazwischen liegt ein Strom, der treibt. Man kann nicht übersetzen: einfach mit dem Kahn herüberfahren.”
Wer beide Ufer entdecken will, kann es am Samstag beim Lyrikfest tun. Der Lyriker Dyrlich liest ab 16.45 Uhr aus seinem Buch “Der Tiger im Pyjama / Tiger w nócnej košli”. Virtuos und punktgenau bewegt sich der Poet in zwei Sprachwelten und spielt hintersinnig mit der Vielfalt der Liebe. Unüberhörbar ist der Ruf nach Überschreitung, mal übermütig und lustbetont, dann wieder elegisch und mit einem kräftigen Schuss Ironie. / Wolfgang Wache, Niederlausitz aktuell
TAGUNG. Fluxus und/als Literatur. Zum Werk Jürgen Beckers
13. – 16.06.2013

Am vergangenen Montag starb starb der französische Lyriker Gaston Puel. In der Jugend war er mit André Breton und René Char befreundet. 1961 gründete er den Verlag La Fenêtre Ardente, in dem zahlreiche Dichter publiziert wurden, darunter Joë Bousquet und René Char, und edierte Künstlerbücher u.a. zu Ernst, Miro, Dubuffet. / L’Indépendant 7.6.
Stefan George (1868 bis 1933), der von seinen Freunden und Jüngern „der Meister“ genannt wurde, war selbst niemals in New York. Was hätte er, der alles Amerikanische, wie er es verstand, als „entseelt“ verachtete, dort auch finden können oder finden wollen? Jedoch hätte ihm bei einem Besuch das im Jahr 1911 eröffnete Prachtgebäude der New York Public Library als „Geistspeicher“ wohl Respekt, wenn nicht Bewunderung abgenötigt.
In diesem Schatzhaus, das allen Schichten der New Yorker Bevölkerung offen steht und tatsächlich von allen, vom Stadtstreicher bis zum Wissenschaftler, genutzt wird, liegen – bislang unerschlossen – sämtliche Briefe, die Stefan George an seinen Freund Ernst Morwitz von 1905 bis 1933 geschrieben hat. Wer war dieser Freund, der dem Dichter selbst als der „Nächste Liebste“ galt?
Ernst Marcus Morwitz wurde 1887 als Sohn jüdischer Eltern in Danzig geboren. Sein Vater war Makler von Grundstücks- und Geldgeschäften. Zur Vorbereitung auf das Städtische Gymnasium besuchte der junge Morwitz eine private Knabenschule, die von einer Angehörigen der angesehensten Mennonitenfamilie Danzigs geleitet wurde. Nach dem Tod des Vaters zog die Mutter mit ihrem Sohn nach Berlin, wo er von 1902 an das Kaiserin-Augusta-Gymnasium in Charlottenburg besuchte. Als Unterprimaner wandte sich Morwitz im Jahr 1905 mit einem Brief an George, den er seit seiner Lektüre von dessen Werk „Der Teppich des Lebens“ bewunderte und verehrte. Er schrieb: „Herr! Ich ehre Sie, ich ehre Ihre Werke, ich ehr’ die Dichter, die auch Sie verehren. Sie sind mein Vorbild. Sie und Meister Verhaeren. Ich bewundere die Schönheit und sie berauscht mich zu Ihrem Kult.“ / Eckhart Grünewald, FAZ 3.6.
gehst du auf der belebten Straße, verliert sich das Wort „ich“ irgendwo im Gewirr der Eindrücke – erst wenn du angesprochen wirst, fällst du mit deinem Wort wieder ineins
Hansjürgen Bulkowski
6000 Kohlezeichnungen, 800 Holzschnitte und mehr als 500 Lithographien – der Maler und Bildhauer Otto Pankok zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts.
Dass der 1966 gestorbene Drevenacker auch ein leidenschaftlicher Lyriker war, wurde anlässlich seines 120. Geburtstages eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Beim Lyrik- und Prosa-Abend im Rahmen der Festwoche in Haus Esselt stellte Christoph Leisten, Autor und Vorsitzender der Pankok-Gesellschaft, Gedichte und Prosa-Texte Pankoks vor und verschaffte den Besuchern einen Einblick in ein höchst bewegendes literarisches Werk. Begleitend zur Lesung trug Mathilda Kochan Pankok-Texte gesanglich vor.
Es waren die beiden Weltkriege, die Otto Pankok in seinen Gedichten immer wieder zu verarbeiten suchte.Von einer „einsamen Welt“ mit leeren Häusern und toten Menschen handeln seine Niederschriften in Teilen – eine bedrückende Stimmung, die Leisten schuf. / Michael Eger: Otto Pankok: Texte zwischen Verzweiflung und Hoffnung | WAZ.de
Seit Bleutges erstem Gedichtband ‚klare konturen‘ (2006) schlägt man sein Werk der Landschaftslyrik zu. Auch sein drittes Buch – ‚verdecktes gelände‘ – hält es mit Farnen, Fischen, Seen, Erdreich, Luft und Wasser – doch Landschaftslyrik ist dies wohl nur, wenn man den Begriff so weit dehnt, dass er nichts Genaues mehr bezeichnet. ‚Geländelyrik‘ bietet sich an, denn von Streifzügen im Gelände ist hier die Rede und von den Schwierigkeiten, seine Atmosphäre zu erfassen, etwas also, das sich entzieht, sobald man es zu benennen, zu begreifen versucht: Geländelyrik, Atmosphärendichtung statt Landschaft und Bild. / Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung 1.6.
Nico Bleutge: verdecktes gelände. Gedichte. Verlag C.H. Beck, München 2013. 75 Seiten, 14,95 Euro.
Das Gedicht ist Teil eines Zyklus’ mit dem Titel „schmetterlingssäge.doc“, in dessen Nachfolge der 1975 in Polen geborene, in Leipzig aufgewachsene Andre Rudolph mehrere Preise gewann. Einen Schmetterling zu zersägen ist eine grässliche Vorstellung, die Metapher schließt Schönheit und ihre Vernichtung zusammen. Die gegeneinander versetzten Zeilen nehmen das Hin und Her der Sägebewegung auf, folgen einer bewegten, dennoch stabilen Form. Sie lässt genug Raum für das Irrlichtern jenseits fester Grenzmarken. Liebe kann bedrängen, Gewalt kann sich in Sanftheit wandeln.
In der Psychologie bezeichnet „das innere Kind“ die Summe der in der Kindheit gemachten Erfahrungen. Waren sie glücklich, ist uns das innere Kind lieb und vertraut, dominierte der Schmerz, spalten wir es ab und verdrängen es. Aber hier, im Gedicht und so lässig geschrieben wie gesprochen, ist das „innre kind“ ein Bote aus einer anderen Welt. Es erinnert an Märchenfiguren, an das Schwesterchen beispielsweise, dessen Brüderchen in ein Reh verzaubert wurde. Die Bedrohung durch die Geschosse kann es nicht hindern, auch Märchen spielen in einer grausamen Welt. Dennoch ist sein Erscheinen ein Trost. Und obgleich im Raum des Textes alles in der Schwebe bleibt, immer nur „wie“ und nicht „so“, entlässt uns die Wandlung am Schluss in ein Sfumato der Hoffnung. / Gisela Trahms, FAZ / Frankfurter Anthologie, über ein Gedicht von Andre Rudolph
Er selbst, so bekennt Egger, wandert „auf den Schleichwegen und Schmugglerpfaden der Sprache, Wort für Wort“, jenseits der breiten Straßen des prosaischen Standarddeutsch. Dessen Elemente rekombiniert er, weist ihnen zum Teil andere Funktionen zu oder generiert schlichtweg neue Worte, Neologismen, die etwas beschreiben, „was es vielleicht nicht mehr oder noch nicht gibt.“
Etwa den Kladderbausch. „Aber ich mache nichts Besonderes“, sagt Egger und verweist auf kleine Kinder, für die die Sprache noch eine Spielwiese ist, ein riesiger Experimentierkasten. Die erhalten dafür allerdings weder den H.C. Artmann- noch den Oskar-Pastior-Preis. „Ich habe eben ein größeres Publikum, als ich ursprünglich dachte“, gesteht Egger da. Eines, dem beim Lesen Bilder in den Kopf kommen, Assoziationen, Ideen. Klaren Interpretationen verweigert sich der 50-Jährige, der von Literaturwissenschaftlern gerne zu den Vertretern experimentell-hermetischer Lyrik gezählt wird, dagegen bewusst: „Meine Gedichte sind für jeden und alles offen.“ / Thomas Kölsch, General-Anzeiger
Autor Walle Sayer ist kein Trosttexter, kein Erbauungslyriker oder pantheistischer Panegyriker. Seine Gedichte schleichen sich auf leisen Titeln an: „Psalm“, „Tagesanfangsverse“, „Poesiealbumzeilen“, das klingt so betulich-besinnlich und täuscht doch gewaltig. Dieser Dichter ist ganz im Hier und Jetzt, beim „Hörgerät“, der „Bettpfanne“, dem „Schafsmist“, dem „Geldscheißer“, und seine Assoziationsarrangements sind komplexer:
Kahle Astversalien
Am Fenster des Klassenzimmers.
Vor seiner Kurzsichtigkeit
erstreckt sich das Absehbare.
Durch solch ein Kassengestell gesehen,
sind die unerreichbaren Mädchen
noch unerreichbarer.
Ein angehender Jüngling
und die Tümpel seiner Augen.
Eisschicht oder Einsicht:
liest er von der Tafel ab.
„Brillenverordnung“ heißt dieses Gedicht, das nur scheinbar harmlos vor sich hindöst. Spätestens beim zweiten Lesen erkennt man plötzlich die Tiefe der Komposition, diese Rösselsprünge im Wortfeld „Sehen“, die Tragikomik einer entstellenden Sehhilfe, die in einen Verleser mündet, der nicht nur Freudianer anrühren dürfte.
/ André Hatting, DLR
In diesem Moment erleben Jugendliche auf dem Taksim Platz die Begeisterung ihres Erfolgs, und im Fernsehen versuchen eine Reihe von Greisen, das zu deuten. Ich möchte keiner von ihnen sein. Ich möchte keiner von ihnen sein, weil die Alten, die auf den Taksim Platz und den Gezi Park blicken, nicht verstehen. Sie schauen durch ihre eigenen Brillen. Nach wie vor verwenden sie untereinander die gleichen Begriffe. Nach wie vor stellen sie ihre veralteten Sichtweisen zur Schau. Nach wie vor sind ihre Sätze behutsam, jeder ihre Kommentare ist bedacht auf Ausgewogenheit.
Wenn die Alten gegen jene sind, die sich auf dem Platz befinden, sprechen sie ihre vernünftig klingenden Sätze und singen 40 Jahre alte Volkslieder. Wenn sie auf der Seite der Protestierenden stehen, singen sie 40 Jahre alte Hymnen. (…)
Ich nahm an, sie würden sich nicht dafür interessieren, was in der Welt geschieht. Ich nahm an, dass sie keine anderen Welten außer ihren Smartphones kennen würden. Ich nahm an, dass sie nicht gerne lesen würden. Ich nahm an, dass ihnen das seit Jahrtausenden angesammelte kulturelle Wissen der Menschheit egal sei. Ich nahm an, dass sie sich für nichts interessierten, das sich außerhalb ihrer engsten Freunde und Verwandten abspielt. Ich habe mich geirrt. Und wie ich mich geirrt habe! / Celil Oker, Die Welt
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