13. What you might not know

What you might not know is that many young German authors do not make their money from books, but from bookstore and event readings, as well as fellowships. The news might come as a surprise to American publishers and booksellers, who struggle mightily just to draw an audience, let alone convince people to pay for such an event.

At a meeting with a trio of German writers in Berlin — which included Thomas Pletzinger (author of the novel Funeral for a Dog), Johann Maas (German translator and editor of Infinite Jest) and Katharina Adler — we were informed that for a typical event, an author might take home between 200 and 500 euros, depending on the size of the venue, be it an event space or a bookstore. / Edward Nawotka, Publishing Perspectives

12. Wilhelm Klemm

Vor zwei Jahren ist die erste Gesamtausgabe der Lyrik Wilhelm Klemms erschienen. Nun hat Imma Klemm, die diesen bibliophilen Band gemeinsam mit Jan Röhnert herausgegeben hat, aus aktuellem Anlass nachgefasst und ein Taschenbuch vorgelegt. Das Buch bietet wertvolles, zum Teil bislang unveröffentlichtes Material über Klemms Tätigkeiten als Lazarettarzt und Dichter im Ersten Weltkrieg. Es besteht aus zwei editorischen Teilen und einem Anhang. An erster Stelle steht die Korrespondenz des Ehepaars Wilhelm und Erna Klemm seit Kriegsausbruch bis Dezember 1914. Danach folgen unter der zweigeteilten Rubrik „Verse aus dem Ersten Weltkrieg“ 41 Gedichte, die zwischen Oktober 1914 und April 1915 in der „Aktion“ beziehungsweise in Klemms erstem Gedichteband „Gloria! Kriegsgedichte aus dem Feld“ und sodann in den beiden Folgejahren in der von Franz Pfemfert besorgten Publikation „1914–1916. (…)

Die gewalttätige Dynamik des Krieges schien gesellschaftliche Individuation und zivilisatorische Ausdifferenzierung überwunden zu haben. In seinen mehrmaligen Schilderungen über die endlos scheinenden Kolonnenzüge bei Nacht kommt Klemms Ergriffenheit über die kollektive, durch militärische Subordination und einen elementaren Sieges- beziehungsweise Überlebenswillen gespeiste Ausrichtung der egalisierten Menschen auf ein gemeinsames Ziel zum Ausdruck. Auch die Entfesselung elementarer, durch die moderne Waffentechnik unendlich potenzierter Kräfte, durch die individuelles Sterben zum sinnlosen Zufall wird, regte seine dichterische Kreativität an, wie der zweiten Strophe der im Januar 1915 in der „Aktion“ veröffentlichten „Nächtlichen Aussicht“ zu entnehmen ist:

Unter den dunklen Beschwörungen der Kanonen
Erhebt der Krieg sein nachtschwarzes Haupt.
Sein Hals wird dick. Seine ehernen Arme
Pressen sich ächzend in die Rippen der Heere.

/ Michael Ansel, literaturkritik.de

Wilhelm Klemm: Tot ist die Kunst. Briefe und Verse aus dem Ersten Weltkrieg.
Herausgegeben von Imma Klemm.
Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Mainz 2013.
189 Seiten, 24,00 EUR.
ISBN-13: 9783871620799

11. Tuvia Rübner

Als in Freiburg vor 25 Jahren, 1989, die erste Begegnung zwischen elf Schriftstellern des Staates Israel und zwölf Autoren der Bundesrepublik und der DDR stattfand, die berühmten „4 Tage im Mai“, war Tuvia Rübner unter den Gästen. Damals schrieb er Hebräisch und hatte längst begonnen, in Israel eine Reihe von Lyrikbänden zu veröffentlichen, wurde zunehmend hochgeschätzt, bis er schließlich die höchste Auszeichnung, Israels Staatspreis erhielt. An seinem 90. Geburtstag, dem 30. Januar dieses Jahres, wurde er im Kibbuz Merchavia vielseitig gefeiert.

Aus dem gleichen Anlass erschien aber auch bei uns im Rimbaud-Verlag ein Band deutscher Gedichte Rübners, die in seinem 88. und 89. Lebensjahr entstanden sind, „Wunderbarer Wahn“. Wie kam es dazu, dass er nebenher auch ein deutscher Autor wurde? / Uwe Pörksen, Badische Zeitung

10. Grünbeins Reime

Riccioli, Möbius. Die Gedichte des Bandes tragen die Namen von Mondkratern; indem die Mondkrater freilich nach berühmten Menschen benannt sind, ergibt sich hier die Möglichkeit zur doppelten Semantisierung, was zwar zuweilen aufleuchtet, aber soweit ich sehen kann und verstehe, nicht durchgängig zum Prinzip des Bandes gemacht wird. (Dass indes der nach dem großen Dichter Giovanni Pontano benannte Krater nicht vorkommt, der benachbarte, nach einem Mathematiker benannte Krater Sacrobosco hingegen schon, grämt mich ganz persönlich. Auch den Luftschiffer Giannozzo und seine Blickrichtung habe ich irgendwie vermisst.) Im Zuge der Lektüre aber treten die Gedichttitel vor der formalen Gleichmäßigkeit der 84 Gedichte in 8 Abschnitten zurück. Die Gedichte sind in dreiversigen Strophen gehalten, im lockeren Wechsel je drei bis fünf solcher Strophen. Die Verse sind alle in etwa gleich lang, im Mittel zwischen zehn und vierzehn Silben. Zuweilen finden sich Reime, die die Dreizeiler in wechselnden Ordnungen miteinander verspannen. Durch diese Gleichmäßigkeit dringt ein epischer Zug in den Gedichtband ein, eine Einladung, ja Verlockung zur linearen, fließenden Lektüre. Der ganze Band, mit einem Wort, arbeitet mit der Strukturanspielung der Terzine. Diese epische italienische Bauform des Verses ist freilich bekannt aus der experimentellen Kleinepik der Bukolik, aus didaskalischen und enkomischen Dichtungen, und vieles mehr. Eine Anspielung auf Dantes Commedia oder Petrarcas Trionfi wird indes kaum beabsichtigt sein.

Entdeckungen und Erwartungshaltungen. Blickt man die Gedichte durch die Brille der Terzine an, erscheinen sie plötzlich recht frei. Die Verslängen pendeln, wie gesagt, frei um die sachgemäßen elf Silben, die Reime nehmen jegliche Ordnung ein außer der charakteristischen kontinuierlichen Klammerform; da denkt man ein wenig an Rilkes Gedichte an Orpheus, die in ebener Art mit der Sonettform spielen. Viel zu drastisch würde es nun sein, wenn man von Terzinenhalbfabrikaten sprechen würde – denn Grünbein erweist sich tatsächlich als guter Reimer. Die Reimstrukturen schließen die einzelnen Gedichte gegeneinander ab, greifen also nicht über die Gedichte hinweg. Indes wird generös mit Waisen umgegangen, viele Gedichte reimen gar nicht, keinerlei Orthodoxie kommt auf. Dies hilft natürlich mit bei dem großen Kunststück, den Reim als strukturelle Erscheinung ganz in den Hintergrund zu versetzen, ihn gleichsam nicht „als Reim“ erscheinen zu lassen, sondern ihm die bloße Erzeugung von lautlicher Kohärenz und Evidenz zu überlassen. In diesem Sinne ist Grünbein ein guter Reimer – denn bei vielen Gedichten hätte man auf Anhieb gar nicht gemerkt, dass hier gereimt wird. Grünbein macht sich, durchaus verdienstvoll, auf den Weg zu einer Rückgewinnung des seriösen, unaufgeregten Reims, war der Reim doch durch lange Zeit wenn schon nicht für Komik, so doch für Pointen zuständig. (Die besten bleiben bekanntlich die Benn’schen.) Auch sind die Reimpaare zumeist recht weit von einander gestellt. In diesem Sinne reimt Grünbein unaufdringlich, angemessen – umso mehr, als unreine Reime in einer solchen Konzeption offen gereimter Dichtung ärgerlicher wären als in der strengen gereimten Form, auf die sie sich bezieht – wird der vereinzelte unreine Reim dort vom Konzept mitgetragen, muss der vereinzelte reine Reim hier das Konzept überhaupt erst erzeugen; dort ist der „Schaden“ punktuell, hier flächig. (Was auch passiert.)

/ Aus: Tobias Roth: Er ist nur halb zu sehen. Signaturen

Durs Grünbein: Cyrano oder Die Rückkehr zum Mond. Berlin (Suhrkamp Verlag) 2014. 151 Seiten. 20,00 Euro.

9. American Life in Poetry: Column 481

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

One of the wonders of poetry is a good poet’s ability to compress a great deal of life into a few words. Here’s a life story told small, by Ivan Hobson, who lives in California.

Our Neighbor:

Every family that lived in our court
had an American truck
with a union sticker on the back

and as a kid I admired them
the way I thought our soldiers
must have admired Patton
and Sherman tanks.

You once told me
that the Russians couldn’t take us,
not with towns like ours
full of iron, full of workers tempered
by the fires of foundries and mills.

It wasn’t the Russians that came;
it was the contract, the strike,
the rounds of layoffs that blistered
until your number was called.

I still remember you loading up
to leave for the last time,
the union sticker scraped off
with a putty knife,

the end of the white tarp draped
over your truck bed
flapping as you drove away.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2013 by Ivan Hobson. Poem reprinted from Plainsongs, Vol. XXXIII, No. 3, Spring 2013, by permission of Ivan Hobson and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

8. Wahrung der Worte

Angelika Janz ist Forscherin in dem Universum der Wörter. Sie malt mit ihren Texten, sie malt und integriert ihren Text. Sie montiert Texte im Raum.

Karl Heinz Mauermann

Daß moderne Literatur nicht nur im begrenzten Format eines Buches seinen Platz hat, belegen der Multimediakünstler Peter Meilchen, der Sprechsteller A.J. Weigoni oder die visuelle Poetin Angelika Janz nachdrücklich. Alle vorgenannten Artisten arbeiten sowohl mehrperspektivisch, als auch interdisziplinär. Ein Ansatz, der bei den germanistischen Fliegenschißdeutern keine große Beachtung findet, weil die Rezeption von Literatur im Gegensatz zu der von bildender Kunst größtenteils im 19. Jahrhundert steckengeblieben ist. Die Literaturtheorie sollte daher im 21. Jahrhundert zu einer dienenden Rolle zurückfinden und endlich ihre Unterwürfigkeit ablegen.

Angelika Janz hat eine Kunstform begründet, bei der Textausschnitte im Sinne der Autorin so erweitert werden, daß aus Einzelteilen ein gänzlich neuer literarischer Text entsteht, die Ausrisse und Schnitte gleichwohl sichtbar bleiben. Gewiss, das Konzept zum Fragmenttext stammt aus analoger Zeit, verbindet sich durch die Zeitläufte jedoch sinnfüllend mit digitalen Präsentationsformen. In diesen Arbeiten finden sich Körper, Technik, Linguistik und räumliche Konstellationen zusammen, mithin Determinanten von Werk und Autorschaft, die in ganz unterschiedlichen Ausprägungen und Gewichtungen auftreten: Der Körper der Schreibenden, ihre Gestik zwischen Ruhe und Bewegung, zwischen Aktivität und Passivität, die Hand, die ein Schreibgerät führt oder bedient, körperliche Stärke oder Schwäche. Es geht beim Fragmenttext um die physischen Bedingungen des Schreibens und ihre Auswirkungen auf den Text, aber auch um die technischen Hilfsmittel (Kreide, Stift, Schreibmaschine) die diese physischen Bedingungen beeinflussen und verändern.

Eine Art typographisches Tryptichon ist das visuelle Grundmuster der Fragmenttexte, die Angelika Janz in dem vorzüglich gestalteten Band Corridor vorlegt.

Norbert Hummelt

(…)

Download

Ihre Fragmenttexte haben als Bild einen ästhetischen Wert, wenn auch einen eher abstrakten oder autonomen. Es gibt Papierschnitte und Collagen, wo Bild und Text, Bildsprache und Wortsprache miteinander korrespondieren oder gleichsam zusammengetackert sind. Wobei der Text bei dieser ästhetischen Prothetik niemals das Bild und das Bild an keiner Stelle den Text illustriert, sondern eine gegenseitige Erweiterung von Bild und Text stattfindet. /  Matthias Hagedorn, KuNo

7. Microsoft gegen Lyrikwiki

Microsoft stört gute und böse NoIP-Nutzer

Aufgrund eines technischen Fehlers hat Microsoft vermutlich Millionen Nutzer des DynDNS-Providers NoIP beeinträchtigt. Laut Kaspersky hatte der ungeplante Ausfall aber auch etwas gutes: Professionelle Spionage-Gruppen wurden massiv gestört.

Microsofts Vorgehen gegen den DynDNS-Dienst NoIP ist offensichtlich gründlich nach hinten losgegangen: Eigentlich wollte das Unternehmen rund 20.000 Subdomains von NoIP stilllegen, weil sie zum Betrieb von Malware-Servern missbraucht wurden. Weil der Provider angeblich nicht auf einen Kontaktversuch von Microsoft reagierte, ließ die Digital Crimes Unit aus Redmond die Domains per gerichtlichem Beschluss auf Microsoft-Server umleiten. Die Idee dahinter war, dass so nur die beanstandeten Weiterleitungen blockiert werden, die zahlreichen legitimen Kunden sollten davon nicht beeinträchtigt werden. (…)

Der ungewollte Ausfall betrifft aber nicht nur legitime Kunden, sondern auch Cyber-Spione, auf die es Microsoft eigentlich gar nicht abgesehen hatte. Wie die Antivirenfirma Kaspersky berichtet, hat das technische Versagen dazu geführt, dass Hacktivisten-Gruppen wie die Syrian Electronic Army, der Spionagetrojaner Flame aber auch Kunden von HackingTeam, einem kommerziellen Anbieter ausgefeilter Überwachungssoftware, gestört wurden. Jede vierte der von Kaspersky beobachteten Profi-Spionagegruppen (Advanced Persistent Threats, APT) hat es laut dem Bericht erwischt. (rei) / heise.de

Wie fein, haben sie nicht nur lyrikwiki erwischt, sondern auch die Syrian Electronic Army! Danke, Microsoft!

Lyrikwiki aber stellt bei der Gelegenheit auf www.lyrikwiki.de um – hoffentlich störungsfreier!

6. Meridian

Die Arbeitsgruppe MERIDIAN CZERNOWITZ möchte über den Start des Projekts „Internationales Aufenthaltsstipendium für DichterInnen und LyrikübersetzerInnen aus dem Ukrainischen ins Deutsche“ informieren. Der Aufenthalt des ersten Stipendiaten ist für März 2013 geplant. Das ist das einzige Programm solcher Art in der Ukraine. Es wird zum Teil des europäischen Netzwerkes literarischer Zentren HALMA.

Das Ziel des Projekts ist die Promotion der Stadt Czernowitz und der Ukraine in der Welt, die gegenseitige Integration der europäischen und ukrainischen Kulturräume,   sowie auch die Entwicklung der Stadt Czernowitz zu einem der Weltzentren, in denen  literarische Prozesse formiert werden.

Die Entscheidung über die Gründung dieses Stipendiums wurde von der Initiativgruppe Meridian Czernowitz getroffen. Zu der Initiativgruppe gehören: Igor Pomerantsev, Peter Rychlo, Mark Belorusez, Joseph Sissels, Jurij Andruchowytsch, Serhij Zhadan, Serhij Osatschuk und Svyatoslav Pomerantsev. / mehr

5. Verweigerter Reim

Es ist nicht sein erster Gedichtband, sondern sein fünfter. Aber «Gestalt des letzten Ufers» war der erste Band, nachdem der verlorene Sohn Michel Houellebecq vom irischen Exil ins französische Vaterland zurückgekehrt war. Also feierte die französische Presse ihn als einen Geläuterten. «Negation der Negation» fasste die Zeitung «Le Monde» die neuen Gedichte zusammen, die «Libération» entlockte dem Misanthropen, der die zeitgenössische Lyrik «kläglich» findet, eine Begeisterungsrede über die Poesie des 19. Jahrhunderts.

Nun haben es die poetischen Bekenntnisse eines Unzeitgemässen auch wieder auf den deutschsprachigen Markt geschafft. Aber die renommierten Übersetzer scheinen die Sache wenig ernst zu nehmen und geben sich mit manch unhaltbarer Sinngemässheit zufrieden. Prinzipiell verweigern sie zudem eine Nachbildung von Versmass sowie kreuz- oder paarweisem Reim. Sogar dort, wo englischsprachige Einsprengsel das Original zieren und sich «sex-friend» auf «the end» reimt, wird im Deutschen, um des konsequenten Nichtreims willen, aus «friend» eine «Freundin».

Wer sich die Banalität vieler Verse erklären will, sollte den Gedichtband deshalb unbedingt auf Französisch lesen. / Astrid Kaminski, Auszug aus Basler Zeitung

Michel Houellebecq: Configuration du dernier rivage – Gestalt des letzten Ufers. Gedichte. Französisch – Deutsch. ­Übersetzt von Stephan Kleiner und Hinrich Schmidt-Henkel. Dumont, Köln 2014. 173 S., ca. 26 Fr.

4. Halber Gernhardt für Drawert

Der Robert-Gernhardt-Preis geht in diesem Jahr an die Autorin Ulrike Syha und den Schriftsteller Kurt Drawert. Sie teilen sich das Preisgeld in Höhe von 24000 Euro, wie das Kunstministerium in Wiesbaden am Montag mitteilte. Syha wurde für ihren ersten, noch unveröffentlichten Roman „Der Korridor“ ausgezeichnet, Drawert erhält die Auszeichnung für sein unveröffentlichtes Werk „Verständnis und Abfall“. Die Preisverleihung findet am 10.September in Frankfurt statt. / Süddeutsche Zeitung 24.6.

3. Tot vom Stuhl

Wir starten heute den Lyriksommer – unser Programm wird in den nächsten Wochen also ganz im Zeichen der Poesie stehen. Den Auftakt macht der Verleger und Lyriker Michael Krüger. Er weiß, wie schwer es Poesie in der Verlagslandschaft hat.

Lyrik zu publizieren, sei ein hartes Geschäft, berichtet Krüger im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur. In der deutschen Verlagslandschaft, vor allem den großen Konzernen, gebe es ein ausgeprägtes kommerzielles Denken, das mit Literatur überhaupt nichts zu tun habe:

„Wenn dort ein Lektor kommt und sagt, ich habe einen großartigen Gedichtband, fallen 80 Prozent der Aufsichtsräte tot vom Stuhl.“

Auf der anderen Seite existiere inzwischen eine Reihe kleiner Verlage, die jedes Jahr eine „enorme Kraft und Energie in die Verbreitung von Gedichtbänden stecken“. Hinzu komme eine ganze Reihe von sehr guten Preisen für Dichter, „sodass die alte Vorherrschaft der Prosa eher ins Wackeln geraten ist als andersherum“.

Das gesamte Interview mit Michael Krüger können Sie bis zum 1.11.2014 in unserer Mediathek nachhören. / DLR

2. Hans Bender 95

Theo Breuer schreibt:

Heute wird Hans Bender 95.

In der vor wenigen Tagen erschienenen Akzente-Ausgabe (Heft 3/Juni 2014) lese ich neben Gedichten von Klaus Merz, Andrea Zanzotto, Karin Fellner, Armin Senser, Rita Dove, Arben Idrizi u.a. ein Dutzend neue Vierzeiler des Nestors und jahrzehntelangen Förderers der Literatur im deutschen Sprachraum, darunter das Gemäldegedicht

Im Louvre

An vielen Bildern geht er vorüber –
doch eben bleibt er stehen,
Fragonards Die Badenden
lang und lüstern anzusehen.

Auf WDR 3 läuft heute der Beitrag Einer, der Akzente setzt: http://www.wdr3.de/literatur/bender132.html.

Siehe auch im Poetenladen seine Beiträge

Beiträge in der Lyrikzeitung

1. Warum macht er’s?

Ist ein Schriftsteller früher bei seiner Lektüre belletristischer oder fachspezifischer Literatur auf eine bemerkenswerte Stelle gestoßen, hat er sie notiert und vielleicht bei nächster Gelegenheit als Motto einem Roman vorangestellt, einem Essay oder einem Aufsatz eingefügt. Clemens J. Setz macht aus so einer Notiz ein Gedicht. Warum macht er’s? Warum macht er sich’s so leicht? Vielleicht, weil’s ihm eben so leicht gemacht wird durch die weit verbreitete, weithin gültige freizügige (einem Wittgenstein-Wort nachgebildete) Maxime: Lyrik ist alles, was der Zeilenfall ist. / David Axmann, Wiener Zeitung

98. Für Sammler

„Das Lachhafte am Leben ist seine Kürze die vorher wie Länge aussah. Der fliegende Wahnsinn der Jahre bewegt sich ohne unser Zutun ins Absurde und ist nur mit Sinn für Komik zu ertragen.“ In diesen Worten steckt die Lebensweisheit und Poetologie einer Dichterin, die, obzwar mit subversiver Wortmagie begabt und mit 92 noch immer überraschungssicher, zu den (zu) wenig Beachteten im Lande zählt. „Gibt es das/ In der eigenen Träne eingesargt zu sein und du findest nicht heraus“, fragt Rosemarie Bronikowski in ihrem, wie sie sagt, letzten Gedichtband „Von der Hand gesprungen“.

Hinter dem Satz aber steht kein Fragezeichen. Vielmehr stellt sie fest: „Als Gefangene einer Träne, die weder rollt noch fällt/ findest du dich zur Aufbewahrung bestellt. / Wie im Bernstein der arglose Käfer/von einem Tropfen Baumharz überrollt / versteinerst du unterm Film deiner Trauer/ Farblos/durchsichtig/ für Sammler ein Objekt der Begierde“. / Stefan Tolksdorf, Badische Zeitung

97. American Life in Poetry: Column 480

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

I like the looks of trellises and arbors and those miniature barns that keep your bushel baskets of tools dry. Here’s a poem by Frank Osen, who lives in Pasadena, about a garden shelter that’s returning to the earth.

The Lath House 

Wood strips, cross-purposed into lattice, made
this nursery of interstices—a place
that softened, then admitted, sun with shade,
baffled the wind and rain, broke open space.
It’s now more skeletal, a ghostly room
the garden seemed to grow, in disrepair,
long empty and well past its final bloom.

 

Less lumbered, though, it cultivates the air
by shedding cedar slats for open sky.
As if, designed to never seem quite finished,
it had a choice to seal and stultify
or take its weather straight and undiminished,

 

grow larger but be less precisely here,
break with its elements, and disappear.

 

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright © 2013 by Frank Osen, from his most recent book of poems, Virtue, Big as Sin, Able Muse Press, 2013. Poem reprinted by permission of Frank Osen and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.