„wenn sprachen sich angleichen meine / in der deinen ein und aufgeht ah! wie / sich da umlaut und vorsilbe mischen keine / einsilbigkeit aufkommt“ schreibt Roza Domascyna in dem Gedicht „Vokalintermezzo“, und einer solchen Doppelsprachigkeit, einem geradezu verliebten Miteinander der Sprachen, folgen in ihrem neuen Gedichtband so gut wie alle Beiträge. Roza Domascyna schreibt – dichtet vor allem – sowohl sorbisch als auch deutsch, sie ist in beiden Sprachen zu Hause. / Zsuzsanna Gahse, Südkurier
Roza Domascyna: „Feldlinien“. Edition Ornament im quartus-Verlag, Bucha. 95 S. Vorzugsausgabe Nr. 1-50: 59,90 EURO. Normalausgabe Nr. 51-500: 14,90 EURO
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Diane Gilliam Fisher, who lives in Ohio, has published a book called Kettle Bottom that portrays the hard life of the West Virginia coal camps. Here is just one of her evocative poems.
Violet’s Wash
You can’t have nothing clean.
I scrubbed like a crazy woman
at Isom’s clothes that first week
and here they come off the line, little black
stripes wherever I’d pinned them up
or hung them over—coal dust settles
on the clothesline, piles up
like a line of snow on a tree branch.
After that, I wiped down the clothesline
every time, but no matter, you can’t
get it all off. His coveralls is stripy
with black and gray lines,
ankles of his pants is ringed around,
like marks left by shackles.
I thought I’d die that first week
when I seen him walk off to the mine,
black, burnt-looking marks
on his shirt over his shoulders, right
where wings would of folded.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright © 2004 by Diane Gilliam Fisher from her most recent book of poems, Kettle Bottom, Perugia Press, 2004. Poem reprinted by permission of Diane Gilliam Fisher and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Der Erfolgsautor Andrej Kurkow lebt im Stadtzentrum von Kiew; der Euromaidan hat sich praktisch vor seiner Haustür abgespielt. Kurkow verfügt über eine komplexe kulturelle Identität, die sich einfachen Zuordnungen verweigert: Er versteht sich als ukrainischer Schriftsteller, der auf Russisch schreibt und zum russischsprachigen Kulturraum gehört. Kurkow führt seit dreissig Jahren ein Tagebuch – nun veröffentlicht er zum ersten Mal seine Aufzeichnungen für den Zeitraum zwischen dem 21. November 2013 und dem 24. April 2014. Er ist ein hellwacher Beobachter der politischen Ereignisse. Wie eng Ausnahmezustand und Alltag ineinandergreifen, zeigt etwa der Eintrag vom 27. Januar: «Montag. Minus 16 Grad. Sonne, Stille. Ich habe die Kinder zur Schule gebracht und bin zur Revolution gegangen.»
Kurkow macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Janukowitsch ist für ihn kurzerhand ein «Arschloch», aber auch für Julia Timoschenko und Viktor Juschtschenko findet er keine freundlichen Worte. Die ehemalige Ministerpräsidentin ist für Kurkow eine machtgierige Selbstdarstellerin, der ehemalige Präsident eine Witzfigur – Juschtschenko habe durch seinen starrsinnigen Flügelkampf mit Timoschenko den Aufstieg Janukowitschs erst ermöglicht. Der Anschluss der Krim an Russland trifft Kurkow persönlich: Mit seiner Familie verbrachte er jeweils die Winterferien auf der Halbinsel. Durch die russische «Entweihung» und «Schändung» der Krim haben die verschlafenen Städte an der Schwarzmeerküste für ihn ihren nostalgischen Reiz für immer verloren. / Ulrich M. Schmid: Ukrainische Autoren über den «Euromaidan». Am Ende der Unmündigkeit. NZZ 9.7.
Juri Andruchowytsch (Hg.): Was in der Ukraine auf dem Spiel steht. Suhrkamp, Berlin 2014. 208 S., Fr. 22.90. Andrej Kurkow: Ukrainisches Tagebuch. Aufzeichnungen aus dem Herzen des Protests. Aus dem Russischen von Steffen Beilich. Haymon-Verlag, Innsbruck 2014. 280 S., Fr. 26.90. Claudia Dathe, Andreas Rostek (Hg.): Majdan! Ukraine, Europa. Edition Fototapeta, Berlin, 2014. 158 S., Fr. 14.90. Manfred Sapper, Volker Weichsel (Hg.): Zerreissprobe. Ukraine: Konflikt, Krise, Krieg. (Osteuropa 5-6/2014). Berlin 2014. 352 S., € 24.–. Simon Geissbühler (Hg.): Kiew – Revolution 3.0. Der Euromaidan 2013/14 und die Zukunftsperspektiven der Ukraine. Ibidem, Stuttgart 2014. 160 S., € 24.90.
Finule ist auch Bestandteil des Nine Herbs Charm, eines im 10. Jahrhundert in den altenglischen Lacnunga-Manuskripten festgehaltenen Kräuterzaubers gegen Vergiftungen und Infektionen. In Antike und Mittelalter wird der Fenchel oft mit Klarsicht (und also wieder mit Konzentration) in Verbindung gebracht und gegen Augenleiden eingesetzt. Plinius etwa beobachtet, dass sich die Schlange nach ihrer Häutung im Frühling die Augen am Fenchel schärft: «Hat sich während ihres winterlichen Verborgenseins ihr Gesicht verdunkelt, so reibt sie sich am Marathrum die Augen ein und stärkt sie dadurch.» Auch 15 Jahrhunderte später noch schreibt zum Beispiel Michel de Montaigne in einem Passus über die Klugheit der Tiere: «Der Drache machet seine Augen mit Fenchel rein und hell.» Bis heute fungiert der Fenchel aber auch wegen seiner beruhigenden, schleimlösenden, den Magen besänftigenden Wirkung als Ingredienz in so manchem Hausmittelchen. Literarisch erreicht der Fenchel seine höchste Konzentration wohl in einem Gedicht, das François Le Lionnais, Begründer und Präsident der Oulipo (Ouvroir de littérature potentielle) 1957 verfasste und das nur aus einem einzigen Wort besteht: «Fenouil». / Samuel Herzog, NZZ
wer voranprescht, gerät schnell in die Abseitsfalle
Hansjürgen Bulkowski
Lange neigte man dazu, die Figur der Nadja in André Bretons gleichnamigem Roman, den Karlheinz Bohrer einmal zur «Basisschrift der klassischen Moderne» erklärt hat, für eine surrealistische Kunstfigur zu halten, die von der Begegnung mit einer realen Frau stark angeregt war. Ihre Erscheinung – mal heruntergekommen, mal elegant in Schwarz und Rot gekleidet –, ihr zielloses Flanieren durch Paris, ihre enigmatischen Aussprüche, all das war zu schön, um wahr zu sein. Die Figur Nadja schien allzu vollendet das Ideal des Surrealismus zu verkörpern. Denn ihr und denen, die um sie herum waren, passierte das, wonach sich die Surrealisten auf den Spuren des Romantikers Gérard de Nerval und des Postromantikers Charles Baudelaire sehnten. Heute wissen wir, dass Nadja tatsächlich keine surrealistische Erfindung oder Montage war, dass André Breton lediglich berichtete, was ihm im Oktober 1926 widerfuhr. Nadja war eine bizarre, mittellose junge Frau, die in einem seltsamen Verhältnis zur gesellschaftlichen Wirklichkeit stand und daran zugrunde ging. (…)
Breton hat seine Schreibweise später mit der eines medizinischen Bulletins verglichen. Es lag ihm daran, die Objektivität des noch so unglaubwürdigen Geschehens zu betonen. Das wird jetzt durch die Faksimiles wahr. Breton hatte damals nicht gewagt, alle Dokumente aufzunehmen. Stattdessen streute er eine Auswahl von Fotografien ein, die ein Schüler Man Rays für ihn 1927 in Paris machte. Sie sollten dem Roman den Charakter des Gewesenen, Geschehenen geben. Breton selbst war mit den Bildern nicht zufrieden, auf denen nur die menschenleeren Orte der Begegnungen, nicht André und Nadja zu sehen waren. Mit Nadjas Zeugnissen gewinnt der Roman nun jenen Eindruck des Objektiven im Wunderbaren, den Breton im Kopf hatte, und erfüllt obendrein Nadjas Wunsch, dass etwas von ihnen beiden bleibe. / Franziska Meier, NZZ 12.7.
Rita Bischof: Nadja revisited. Brinkmann & Bose, Berlin 2013. 315 S., Fr. 45.90.
Gruß an den Neckar
Still ist der Berg und der Fluss und das Tal
Es scheint die Natur in Sinnen Versunken.
Die gefiederten Sänger verstummen zumal
Und der Wald an dem Hügel ruht schlummertrunken.
Die Karawane der Sterne zieht
Ohne Glöckchenklingen auf himmlischen Wegen
Still leuchtet der Mond. Die Bewegung entflieht,
Im Schosse der Nacht sich schlafen zu legen.
So stark ist der Stille Zaubermacht,
Dass der Neckar ruht, nicht weitertfliessend.
Nun sei auch Du stille, mein Herz, in der Nacht
und schlafe, das Leid in Dich verschliessend.
Mohammed Iqbal
Sir Muhammad Iqbal ist DER pakistanische Nationalphilosoph, Poet, islamischer Reformer und geistiger Vater Pakistans, der dieses Gedicht wohl 1907 in Heidelberg, während seiner Studiums geschrieben hat. / Mikel Bower
„Rot ist der Abend auf der Insel von Palau, und die Schatten sinken“ – so beginnt Gottfried Benns Gedicht über die Südseeinsel, die einst zum deutschen Kolonialreich gehörte und hierzulande die wildesten Assoziationen weckte. Reichtümer, Hitze, Nacktsein – die Namen Upolu, Apolima und Manono wehten Nervosität in die deutschen Wohnzimmer der Kaiserzeit.
Unternehmer, Lebensreformer, Aussteiger wie August Engelhardt, dessen Geschichte Christian Kracht in seinem Roman „Imperium“ erzählt, brachen nach Deutsch-Neuguinea und Samoa auf, und diejenigen, die nicht so weit gehen wollten, benannten ihre Gartenkolonien, wo man halbnackt das neue, freiere Leben erproben konnte, nach den Inseln. Eine dieser Laubenkolonien, die selbst wie eine Insel in einem Meer aus über 2500 Parzellen in Berlin liegt, heißt noch immer so: Samoa.
Nun hat das echte Samoa damals nicht vielen Glück gebracht – das Handelshaus Godeffroy&Sohn, das die deutsche Kolonialisierung Samoas begonnen hatte, ging bankrott; auf der Kaisergeburtstagsfeier 1887 gab es eine Schlägerei zwischen Europäern und einheimischen Ehrengästen, Konsul Becker ließ deswegen den Inselkönig entmachten, die Anhänger eines Mannes namens Mata’afa zündeten zusammen mit einem Amerikaner das deutsche Konsulat an, woraufhin Konsul Knappe den Kriegszustand ausrief und von Bismarck mit der Begründung, er handele „ab irato“, im Zorn, abberufen werden musste: Das Paradies wurde zum Irrenhaus der Kolonialpolitik. / Niklas Maak, FAZ
Der Tiroler Autor Robert Prosser erhält heuer den Reinhard-Priessnitz-Preis: Die mit 4.000 Euro dotierte Auszeichnung wird dem Künstler (Jahrgang 1983) am 27. Oktober im Literaturhaus Wien überreicht, kündigte die Institution am Dienstag an. Prosser veröffentlichte bisher im Klever Verlag die Prosabände „Strom“ (2009) und „Feuerwerk“ (2011). / Der Standard
Anne Carson verkauft sich erstaunlich gut für eine Lyrikerin. Vielleicht liegt es daran, dass die Verse der Kanadierin gern im Prosaparlando daherkommen. Auch thematisch sind viele der Gedichte aus „Decreation“ gut zugänglich. Sie kreisen oft, wie schon in früheren Bänden, um die Beziehung zu ihrer bejahrten Mutter:
„Wenn ich mit meiner Mutter spreche, mache ich es schön. Bücherrücken beim Telefon.
Büroklammern in einer Porzellanschale. Radiergummisprenkel auf dem Tisch. Sie spricht voll Sehnsucht Vom Tod. Ich beginne alle Büroklammern in die andere Richtung zu kippen.“
Der Anfang des Gedichts „Verbindungen“. Eine für viele vertraute Situation, das Telefonat mit der Mutter, die innere Gemütsverfassung spiegelt die äußere: Verbindungen in vielfacher Bedeutung. Im englischen Original heißt das Poem übrigens „Lines“ und bietet damit noch eine weitere Ebene, wie ein paar Verse später deutlich wird:
„Die/ Büroklammern/ sind auf gleicher Linie, unsterblich.“ Es ist nicht die einzige Stelle, an der deutlich wird, welchen Vorteil zweisprachige Ausgaben haben.
Carson kann aber noch anders: „Dein glasiger Wind bricht sich am ruflosen Ufer und kräuselt sich um die Rose / Welches Messer hat diese Stunde / gehäutet.“ („Es hilft nichts“). Hier beginnt der eigentliche Carson-Kosmos, in dem Metaphern verdichtet werden, bis sie zur Chiffre fermentieren. Das erinnert nicht zufällig an Paul Celan, dem die Komparatistin Carson vor ein paar Jahren eine große Studie gewidmet hat. / André Hatting, DLR
Anne Carson: Decreation. Gedichte, Oper, Essay
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 2014
252 Seiten, 24,99 Euro
Diese Hefte, an der Zahl 42, die er bis zu seiner Entlassung 1924 aus der Festungshaft (er war Regierungsmitglied in der Räterepublik gewesen) mit persönlichen, literarischen und politischen Empfindungen und Geschehnissen füllte, erwartete ein bizarres Schicksal: Zehn Jahre später, kurz nach Mühsams Tod. wanderte seine Witwe, Zenzl, eigentlich Kreszentia Elfinger (1884 – 1962), – das gerettete Archiv im Gepäck – zunächst nach Prag und später nach Moskau aus: Die Kominterngenossen interessierten sich für den Nachlass des zwar offen antimarxistischen, aber durch seine satirischen Schriften und seinen wahrlich heroischen Tod legendär gewordenen Poeten und Publizisten. Zenzl wurde versprochen, dass Mühsams Werke in viele Sprachen übersetzt würden, was mitnichten geschah. Wahrscheinlich erwiesen sich seine Schriften als unverwertbar für die schlichte sowjetische Propaganda. Am 23.4.1936 wurde sie verhaftet. Nach fast zwei Jahrzehnten in Straflagern und in sibirischer Verbannung durfte Zenzl Mühsam 1954 ausreisen. In die DDR. Ihr folgten Mikrofilme des Mühsam-Nachlasses, die der ostdeutschen Akademie der Künste (nicht der Witwe!) übergeben wurden. Acht Hefte aus den Jahren 1910/11 und 1916 – 1919 gelten als verschollen, wobei nicht klar ist, wo sie zu suchen sind: beim KGB? bei der Komintern? im Moskauer Institut für die Weltliteratur?
Die übergebenen Hefte erfuhren in der DDR sämtliche Höhen und Tiefen des offiziellen Interesses an Mühsam, der immer „unkoscher“ blieb, was er wahrscheinlich mit der ihm eigenen fröhlichen Kindlichkeit gern bejaht hätte. Nach der Wende kam die Suche nach willigen Verlagen – jetzt wurde nicht die Ideologie, sondern die Ökonomie zum Hindernis für die Veröffentlichung der 8000 Tagebuch-Seiten. Schließlich kamen Chris Hirte und Conrad Piens, die Herausgeber des Tagebuchs, zur Entscheidung, es ins Netz zu stellen. Und auch ein Verlag hat sich gefunden, der Berliner Verbrecher-Verlag, der im Sommer 2011 begonnen hat, den „reinen Text“, ohne Kommentare und Register, zu publizieren. Der ersten Bände der fünfzehnbändigen Ausgabe sind wunderschön, brauchen aber unbedingt die Netzunterstützung unter der Adresse http://muehsam-tagebuch.de, wo der Kommentar und das Namensregister zu finden sind. Ich glaube, das ist eine hervorragende Lösung, und warte ungeduldig auf jeden neuen Band: nicht nur des Zeitgeschichtlichen wegen und nicht allein wegen dieser faszinierenden Persönlichkeit, die die Eigenschaften eines verzogenen Kindes und eines wahren Helden, eines Bohemiens und eines überaus fleißigen Literaten in sich vereinte, sondern auch wegen der zauberhaften Prosa, die auf fast jeder dieser 8000 Seiten aufglänzt. / Oleg Jurjew, Fixpoetry
Eine Greifswalder Buchhandlung war so freundlich, lang her schon, einen wertvollen Preis für ein Ausschreiben zu sponsern. Das Buch liegt noch immer eingeschweißt auf unserm Tisch, nur fand das Ausschreibe-Thema nicht genug Resonanz und ein zweites herbeigeschafftes auch nicht. Für ein diffuses Spielchen wollten wir das Buch nicht verschleudern, und Tagesarbeit kam dazwischen.
Gute Bücher aber altern nicht und veralten nicht. Deshalb jetzt ein Angebot zur Güte. Güte!
Wer bis 31.7. das untenstehende Sonett übersetzt und uns die Übersetzung einreicht, hat die Chance, einen wertvollen Buchpreis zu bekommen. Wir bieten als Hauptpreis an:
Ezra Pound, Die Cantos: Erste zweisprachige Gesamtausgabe [Gebundene Ausgabe]
Eva Hesse (Übersetzer)
Ladenpreis € 128
Die Jury besteht aus Dirk Uwe Hansen und Michael Gratz.
Falls mehr als eine preiswürdige Übersetzung herauskommt, würden wir keine Mühe scheuen, weitere Preise aufzutreiben. Außerdem nähmen wir geeignete Fassungen in ein – wie wir fest glauben: gutes – Buchprojekt auf.
Hier das zu übersetzende Gedicht (die Autorin hat uns die Rechte eingeräumt).
MARILYN HACKER
Didn’t Sappho say her guts clutched up like this?
Before a face suddenly numinous,
her eyes watered, knees melted. Did she lactate
again, milk brought down by a girl’s kiss?
It’s documented torrents are unloosed
by such events as recently produced
not the wish, but the need, to consume, in us,
one pint of Maalox, one of Kaopectate.
My eyes and groin are permanently swollen,
I’m alternatingly brilliant and witless
—and sleepless: bed is just a swamp to roll in.
Although I’d cream my jeans touching your breast,
sweetheart, it isn’t lust; it’s all the rest
of what I want with you that scares me shitless.
Marilyn Hacker, “[Didn’t Sappho say her guts clutched up like this?]” from Love, Death and the Changing of the Seasons, published by W.W Norton. Copyright © 1995 by Marilyn Hacker.
Perlentaucher-Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2014
Luisa Schulz kann kaum glauben, dass dieser Klassiker des 20. Jahrhunderts bei uns noch immer nahezu unbekannt ist, selbst nach Nabokovs Einsatz für Vladislav Chodasevic. Die nun in einer Auswahl erstmals auf Deutsch zu lesenden Gedichten des russischstämmigen Dichters bieten Schulz bittere Exilgedichte, herbstlich-düstere Russland-Impressionen, Symbolistisches, eine Chronik der Oktoberrevolution, „Elegien der Unsicherheit“ und ein für die Rezensentin erstaunlich aktuelles Porträt Berlins, in dem sie die „Ästhetik des Missklangs“ ausmacht. Dass der Band mit gutem Papier, Anmerkungsteil, Nachwort (von Nabokov) und Bildern recht hochwertig daherkommt, erscheint ihr fast zu viel für einen Vergessenen.
Europäische Nacht
Ausgewählte Gedichte 1907 bis 1927. Russisch/deutsch
Arco Verlag, Wuppertal 2013
ISBN 9783938375549
Gebunden, 222 Seiten, 24,00 EUR
Ezra Pound gehört zu den umstrittenen Figuren des 20. Jahrhunderts. Trotz seiner politischen Nähe zur faschistischen Ideologie, der Internierung in einem amerikanischen Gefangenenlager 1945 und der Jahre in einer Irrenanstalt ist sein literarischer Rang unbestritten, sein Einfluss auf James Joyce, auf T.S. Eliot oder Ernest Hemingway, auf die literarische Moderne, verbürgt. Zwischen 1910 und 1960 hat Pound an seinem Groß-Gedicht „The Cantos“ geschrieben, die gerade mal 117 Gesänge versammeln.
Monarchien vergingen, Republiken wurden gegründet, Diktatoren siegten und scheiterten. Zwei große Kriege verwüsteten die Erde. Die Dichtung durchpflügt alle Schichten der Historie und der Kulturkreise, beschreibt Wirtschaftverhältnisse, Politik, Krieg und Kunst. Mehr als ein Dutzend lebender und toter Sprachen werden in den „Cantos“ verwendet. Zitate aus den Verwaltungsakten der Renaissance-Republik Venedig stehen neben Imitationen von Homers „Odyssee“ und Dantes „Divina commedia“, neben Nachahmungen des Minnesangs provenzalischer Troubadours und des bildreichen Philosophierens im Alten China. Tom Peuckert entdeckt in den „Cantos“ ein Lied der Globalisierung, bietet seine Lesart der Gesänge. / DLR Lyriksommer
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