36. Great old troublemaker

Garrison Keillor im Gespräch mit der New York Times:

Whom do you consider your literary heroes? 

John Updike for his vast ambition and the Lutheran diligence that realized it. Edward Hoagland for his style and bravery and love of the world. May Swenson, again for bravery, independence, also wit. A. J. Liebling and Roy Blount Jr. as reporters who wrote literature: You can read them over and over and over. P. G. Wodehouse for sheer elegance and invention. Robert Bly, a wonderful poet into his 80s, a great old troublemaker.

35. Poetopie

frühmorgens setzt sich ein grüner Schmetterling beim Arzt in deine Armbeuge und saugt dir das Blut aus der Vene

Hansjürgen Bulkowski

34. Soldier’s Declaration

Sassoon joined the British Army as the war was breaking out in 1914 but reached the front line only a year later. During the Battle of the Somme, in July 1916, he was awarded a high honor for bravery — the Military Cross — and in 1917 he was hit by a sniper’s bullet at the Battle of Arras.

That same year, he refused to return to the front and threw away the ribbon of his Military Cross and composed his “Soldier’s Declaration,” in which he said, “I can no longer be a party to prolonging these sufferings for ends which I believe to be evil and unjust.”

“I am making this statement as an act of willful defiance of military authority, because I believe that the War is being deliberately prolonged by those who have the power to end it,” his declaration read.

A poem called “Memory,” dated Feb. 1, 1918, exuded an elegiac tone, all the more so in the handwritten pages of a notebook contrasting his youthful fecklessness with the experience of war.

My heart is heavy-laden now; I sit
Burning my dreams away beside the fire:
For death has made me wise and bitter and strong;
And I am rich in all I have lost.

Unlike his fellow war poet Owen, Sassoon survived the conflict and died in 1967.

/ Alan Cowell, NYT 2.8.

33. Wandertaube

Die Wandertaube war bereits eine literarische Figur, als sie 2001 in Silke Scheuermanns Lyrik-Debüt auftauchte. In „Skizze vom Gras“, dem soeben erschienenen vierten Gedichtband der Autorin, wird Martha nun zur Zeugin der „Ausgestorbenen“. Von ihnen, den ausgestorbenen Arten, und den Bedingungen einer denkbaren Auferstehung in „zweiter Schöpfung“ handelt das erste Kapitel einer auf weite Strecken komponierten Folge von Gedichten, denen in diesem Bücherherbst große Beachtung zu wünschen ist. / Herbert Wiesner, Die Welt

Silke Scheuermann: Skizze vom Gras. Schöffling & Co., Frankfurt am Main. 104 S., 18,95 €.

32. Steinerne Inschrift

DSCI0911

Maya-Glyphenblock mit Textfragment, Bellote, Mexiko, ca. 650 u.Z. Die Maya entwickelten das raffinierteste Schriftsystem Amerikas. Als die Spanier ihr Land in Besitz nahmen, verboten sie den Gebrauch der Schrift. Katholische Eiferer verbrannten viele Papierbücher, aber auf Steindenkmälern, Gebäuden und Keramiken blieben gemalte oder wie hier geschnitzte Zeugnisse ihrer Hieroglyphenschrift übrig. Dieser Block gehörte offenbar zu einer Inschrift an einem Gebäude. Quelle: National Museum of the American Indian, New York.

31. Authors Are Not Their Texts

Bildschirmfoto 2014-08-10 um 00.52.27Aus:

Kyle G. Dargan: Bouquet of Hungers. Athens/ Georgia: University of Georgia Press, 2007.
ISBN 0820330310, 9780820330310
88 Seiten

30. Baldwin-Straße

Local News, Harlem. Aus Anlaß des 90. Geburtstags des Schriftstellers James Baldwin am 2.8. wurde ein Teil der 128. Straße zwischen Fifth und Madison Avenue in James Baldwin Way umbenannt. Baldwin wurde 1924 in Harlem geboren und starb 1987. Er besuchte dort die Public School 24 (heute Harlem Renaissance School). „Wir holen ihn uns als Sohn Harlems zurück“, sagte Rich Blint von der Columbia University School of the Arts.

29. Angstlust

Um zu verstehen, aus welchen Stimmungen die „Schlafwandler“ von 1914 in den Krieg hineingetaumelt sind, lässt sich die Literatur und insbesondere die Lyrik gut als Spur nutzen. Es gab so etwas wie eine Angstlust der Zerstörung eingefahrener Ordnungen. Der Krieg selbst ernüchterte die Dichter durch das Maschinelle des Todes und beförderte pazifistische Positionen, die den Einzelnen wieder in den Mittelpunkt zu stellen suchten. Der Reclam-Verlag hat daher eine Anthologie in Auftrag gegeben, in der man alle bekannten Lyriker dieser Zeit findet. Die Texte gehen unter die Haut, über die Sprache historischer Quellen und privater Briefe und Tagebücher hinaus und erzählen etwas von der Kränkung der Menschen. / Wormser Zeitung

28. Reinigungsfeuchte

Meeresbeweglichkeit, Gleisluft, Reinigungsfeuchte – sperriger können Wörter kaum sein. Was der Lyriker Nico Bleutge aus ihnen macht, ist jedoch verblüffend. Er jongliert, kontextualisiert und umformt Begriffe zu aussagekräftigen Gedichten. Bei seiner Lesung vor dem Literarischen Zentrum Gießen (LZG) in den Ausstellungsräumen des KiZ in der Kongresshalle gab er einen Einblick in seine Wortwelten voll Begriffen, die auf den ersten Blick so gar nicht nach Lyrik klingen. / Maximilian Kutzner, Gießener Anzeiger

27. Preis für Ror Wolf

Ror Wolf erhält den diesjährigen Georg-K.-Glaser-Literaturpreis des Landes Rheinland-Pfalz und des Südwestrundfunks (SWR) in Mainz. Der Autor, Lyriker, Essayist und Lexikonschreiber bekommt die Auszeichnung für sein literarisches Schaffen, mit dem er sich unter anderem auch seiner langjährigen Heimat Rheinhessen angenähert hat. „Ror Wolfs Werke sind eine wahre Freude – für Literaturexpertinnen und -experten genauso wie für Fußballfans und Lokalpatriotinnen und -patrioten. Sie sind gespickt mit Humor und gleichzeitig eindrucksvolle Kunstwerke der deutschen Sprache“, so Kulturministerin Doris Ahnen (SPD).

Die Jury bestand aus Felicitas von Lovenberg („F.A.Z.“), Ijoma Mangold („Die Zeit“) und Elmar Krekeler („Die Welt“). In den vergangenen Jahren erhielten den mit 10.000 Euro dotierten Preis Harald Martenstein (2013), Sabine Peters (2012), Rafik Schami (2011), Monika Rinck (2010), Jörg Matheis (2009), Katharina Born (2008) und Dagmar Leupold (2007).

26. Simin Behbahani

Simin Behbahani, einer der bedeutendsten zeitgenössischen, iranischen Dichter und Schriftsteller und die Vorsitzende des iranischen Schriftstellerverbandes, ist heute im Krankenhaus, im Alter von 87 Jahren, ins Koma gefallen.

Quelle: DIWAN Deutsch-Iranische Begegnungen

25. Dieter Schlesak

Ein bedeutender Dichter deutscher Sprache, Dieter Schlesak, der die moderne Poesie bis an ihre extremen Grenzen führt, vollendet sein 80. Lebensjahr.

(…) In den Jahren 1989 bis 1992 entstanden Gedichtsmeditationen, die in die drei Kunst-Prachtbände der Dokumentation „Michelangelos neues Licht“ aufgenommen wurden.

2010 nahm Dieter Schlesak Einsicht in seine Securitate-Akte in Bukarest. Die Realität, die er dort zur Kenntnis nehmen musste, traf ihn zutiefst und schmerzlich, nämlich, dass alle Freunde der Bukarester Zeit ihn bespitzelt hatten. Daraus entstand das Buch „Die Hölle des Verrats. Der rumänische Geheimdienst, Augenzeugenberichte, Dokumente, eigene Erfahrungen“, 2012. Es wurde allerdings von Dieter Schlesak noch nicht veröffentlicht.

Weitere Romane und zahlreiche Essaybände entstanden. Doch in erster Linie ist Dieter Schlesak Lyriker. Viele Gedichtbände sind im Laufe seines langen Lebens entstanden. Und ganz besonders auf diesem Gebiet zeigt sich auch seine Vermittlerrolle, in Übersetzungen und Herausgaben moderner rumänischer und siebenbürgischer Lyrik: „Gefährliche Serpentinen“ (1989) und „Transilvania mon amour“, (2009 zusammen mit Cosmin Dragoste). Er übersetzte die elf Elegien des großen rumänischen Lyrikers Nichita Stănescu. Und in Zusammenarbeit mit einer Gruppe italienischer Lyriker wurden seine Gedichte ins Italienische übertragen: „Settanta volte sete. Siebzig mal Durst“, und italienische Gedichte ins Deutsche: „Grenzenlos Oltrelimite“ (2006). In Zusammenarbeit mit der italienischen Lyrikerin Vivetta Valacca entstand „La Luce del anima. Zeit Los brennt dieses Licht hier“ (2011). / Elisabeth Krause, Siebenbürgische Zeitung

24. Horst Samson

Anlässlich des 60. Geburtstags von Horst Samson am 4. Juni versammelt BAWÜLON Beiträge von Andreas Saurer, Katharina Kilzer, Erwin Messmer, Peter Motzan, Eduard Schneider, Edith Ottschofski, Jan Kuhlbrodt, Michael Buselmeier und Theo Breuer sowie ein sehr ausführliches, kluges Interview mit Samson, das Stefan Sienerth 2008 für die Zeitschrift Spiegelungen geführt hat, nebst Essays und Gedichten des 1954 in Salcîmi in der Bărăgan-Steppe Geborenen.

Horst Samson, der das Pädagogische Lyzeum in Hermannstadt besuchte, zunächst als Lehrer in Busiasch und von 1977 bis zu seiner Ausreise zehn Jahre später als Journalist für die Neue Banater Zeitung in Temeswar arbeitete, lebt heute im hessischen Neuberg und ist leitender Redakteur des Bad Vilbeler Anzeigers. Der selbst ernannte „Bără­gan­steppenwolf“ schreibt zehn bis zwanzig Gedichte pro Jahr, „ein Schneckentempo“, wie er sagt, aber zugunsten eines festen Gehalts hat Samson sich von einem Dasein als freischaffender Autor verabschiedet und ist zufrieden. Es bleibt sogar noch Zeit für bildende Kunst – einige seiner Arbeiten werden in der aktuellen BAWÜLON vorgestellt. / Siebenbürgische Zeitung

Die BAWÜLON 2/2014 mit dem Schwerpunkt zu Horst Samson, ISSN 2192-3809, ist im POP-Verlag, Redaktion Matrix, Postfach 0190, 71601 Ludwigsburg, erschienen und kostet sieben Euro zzgl. Porto- und Versandkosten.

23. Tiere in Architektur

„Tiere in Architektur“ erkundet auf so vielfältige, sowohl sprachlich als auch fotografisch spielerische Weise das Verhältnis von Mensch, Tier und Behausung, dass der Leser aus dem Staunen und Grübeln nicht mehr herauskommt. Über die Frage, ob ein Zoo mit seiner Unterhaltungsarchitektur nun Tierquälerei sei oder dem Artenschutz diene, geht das schmale Bändchen weit hinaus. Die Texte der in Berlin und São Paulo lebenden Autorin, die einst von Thomas Kling entdeckt wurde, balancieren auf der Grenze zwischen erzählender wie essayistischer Prosa und Gedicht; bildersatte Geistesblitze finden darin ebenso Platz wie neckische Wortspiele, philosophische Betrachtungen und Kalauer: „Auch ein blinder Hahn endet einmal im Kugelhagel.“ Ein so gleichermaßen schönes, anregendes wie geistreiches Buch gehört einer seltenen Spezies an. Man sollte es nicht in ein Regal sperren, sondern hegen, pflegen und lesen. (Kookbooks, 19,90 Euro) / Alexander Müller, rollingstone

22. Wortspielhalle

Seit 3.8. findet sich ein Teaser im Netz, den Joachim Paul auf Vordenker so einläutet: „In Wortspielhalle zeigen Sophie Reyer und A.J. Weigoni eindrucksvoll, was Sprache in Zeiten der “berechnenden und vorausrechnend-überwachenden künstlichen binären Intelligenz” (ein Widerspruch in sich, wir wissen darum ;-)), also in Zeiten der binären – O-Ton – “Dialektik der Aufzehrung” (- ich schmeiß mich weg -) an Innovationspotential dennoch – oder gerade drum – zu bieten hat, Stichwort “Heterophone Stimmgewalt”.