Wer war Konrad Bayer (1932-1964) und was sagen uns seine Texte heute? Vor der Gruppe 47 hat der österreichische Schriftsteller und Dandy, ein Jahr vor seinem Selbstmord, aus dem gerade in Arbeit befindlichen Buch „der sechste sinn“ gelesen. Ernst Bloch zeigte sich in seiner Kritik dieser Lesung begeistert: „Die Geschichten machten großen Eindruck auf uns alle, und das Philosophische ist auch nicht zu verkennen. Die Sphären sind eingestürzt, das Verabredete hört auf. Und trotzdem ist alles in einem, noch nicht recht entdeckten Punkt wieder versammelt.“
Literarhistorisch ist mittlerweile vieles fixiert: Gemeinsam mit Friedrich Achleitner, H.C. Artmann, Gerhard Rühm und Oswald Wiener gehörte Konrad Bayer der legendären Wiener Gruppe an, jener zentralen Manifestation der österreichischen Avantgarde, die auch aufgrund ihrer Auftrittsformen für Aufregung sorgte. Nach dem Tod Bayers gab Gerhard Rühm das Gesamtwerk des Freundes heraus. Auch Bilder des Autors sind geblieben: Unvergessen die Szene, in der Bayer in dem Film „Sonne halt!“ mit einem Glas in der Hand auf einer offenen Terrasse vor dem Meer in ausladenden Schritten tanzt – eine Sequenz, die die biederen 50er-Jahre vergessen macht.
Ist Konrad Bayer mit seinen Texten, seiner Lebensform und seinem Sound zu früh gekommen? Steckt die Essenz seines künstlerischen Daseins im Geschriebenen oder in den Images, die er von sich selbst schuf? Muss man Bayer als Person gekannt haben, um etwas von seiner Wirkung zu verstehen? Sind manche Texte und Konzepte erst heute angemessen zu verstehen? Lässt sich aus den Archivmaterialien der österreichischen Avantgarde ein neuer Zugang gewinnen? Sollte man Bayers Kunst nicht noch viel stärker in einem internationalen Rahmen sehen?
Anlässlich des 50. Todestages von Konrad Bayer nähern sich ehemalige Weggefährten, Autorinnen und Autoren, Literatur- und Kulturwissenschaftler, Studierende und literarische Liebhaber der schillernden Gestalt des Autors an. Denn Bayers Wirkung auf immer wieder neue emphatisch Lesende ist faszinierend. Eine gemeinsame Reise an einen teilweise noch nicht recht entdeckten Ort der österreichischen Literatur.
donnerstag, 18.9.2014
neuberg an der muerz, festsaal der gemeinde
19.00 uhr
Konrad Bayer Gesellschaft (Brigitte Ambros, Sonja Fischbauer, Arnold Hofbauer, Carol Lasetzky, Helmuth Pany, Renate Pittroff, Judith Schöbel, Margareta Vyoral-Tschapka, Reinhold Westphal):
alles kann dies und jenes heissen.
Lesung aus Bayer
freitag, 19.9.2014
neuberg an der muerz, festsaal der gemeinde
9.30-13.00 uhr
Workshop zu Texten von Konrad Bayer
Ana Apostolovska, Ulrike Denk, Eva Erber, Franziska Füchsl, Josef Hackl, Marlene Hans, Carola Harather, Daniel Harrasser, Julia Schwarz, Katharina Strasser, Ulrike Strigl, Ekaterine Teti (Studierende SE Austrian Studies)
14.30-17.00 uhr
Neue Forschung zu Konrad Bayer – Impulsvorträge
Dominik Srienc: Die Köpfe des Konrad Bayer. Autorfigurationen aus dem Archiv
Laura Tezarek: „eine guillotine hat die wahrnehmung erledigt“. Wahrnehmung und sinnliche Gewissheit bei Konrad Bayer und Ernst Mach
Georg Oberhumer: „die klare zeit“. Transformation einer Mitschrift
Till Greite: Das Ohr für „sechsten sinn“ haben. Einiges über Konrad Bayer und den acoustic space
18.30 uhr
Gabriele Jutz: Einführung zu „Mosaik im Vertrauen“ und „Sonne halt!“
19.00 uhr
Filmvorführung
Mosaik im Vertrauen (Peter Kubelka)
Sonne halt! (Ferry Radax)
22.00 uhr
Galerie Gasthof Holzer
Anne Michalek: Wäre ich ein Hobo durch Konrads Bilder
Arbeiten zu Texten von Konrad Bayer
music von deef: Hoffentlich eine emotionale, musikalische Improvisation
samstag, 20.9.2014
kunsthaus muerz, clix
Vorträge
9.30-11.00 uhr
Walter Ruprechter: „alles kann dieses und jenes heissen.“ Kontingenz als Darstellungsprinzip bei Konrad Bayer
Klaus Kastberger: Acte und Akten. Konrad Bayer und die Archive der Avantgarde
11.30-13.00 uhr
Roland Innerhofer: Shades of Blue. Blaupausen im „kopf des vitus bering“
Günther Eisenhuber: Zu Konrad Bayers „der kopf des vitus bering“
15.00-16.30 uhr
Thomas Eder: Bewusstseinsstrom im „sechsten sinn“
Oswald Wiener: Einiges über Konrad Bayer, heute
18.30 uhr
Lesungen
Ann Cotten
Gundi Feyrer
Lisa Spalt
sonntag, 21.9.2014
kunsthaus muerz, clix
9.30-11.00 uhr
Gesprächsrunde: Freunde und Wegbegleiter Konrad Bayers
Hilde Absalon, Friedrich Achleitner, Ida Szigethy, Ingrid Wiener, Birgit Weithofer, Michel Würthle
Moderation: Thomas Eder und Klaus Kastberger
11.00-13.00 uhr
Schlussbesprechung
Fast Food in der Raststätte – iss langsam, dein Magen hat es lange nicht so eilig wie du
Hansjürgen Bulkowski
Der belgische Dichter und Herausgeber André Balthazar starb am Freitag im Alter von 80 Jahren, teilte die frankophone Kulturministerin Joëlle Milquet mit. André Balthazar wurde am 7. Januar 1934 geboren. Er war ein bedeutender Vertreter des surrealistischen Gedankens in Belgien und leitete das Zentrum für Grafik und Bilddruck (Centre de la Gravure et de l’Image imprimée) in La Louvière. / Le Soir
Als «treue Anna-Antigone» ist Anna Freud, das jüngste Kind Martha und Sigmund Freuds, in die Familiengeschichte der Psychoanalyse eingegangen. (…)
Gedichte mit dem Titel «Begierde» und «Lockung» sind darunter. Die Diktion ist öfters von Rilke und der gemeinsamen Freundin Lou Andreas-Salomé geprägt. Aber es findet sich auch ein eigener Ton, zumal in der Seele «Nacht»: «Ein Fieber ist in mir und treibt mich fort. Den Sinn / Hab ich so fest verschlossen ja seit Jahren. / Doch heut ist eine Türe aufgegangen und es stürzt / Sich wild heraus was lang sich drinnen drängte. – / Ich weiss ja längst, dass mache Menschen schon / Geflohen sind vor ihrem eignen Ich / (. . .) Und doch in jeder Faser sich nur fanden, / Das Ich das ihnen nachgekrochen kam. / So widerlich bekannt, so niemals neu. (. . .) Ich wünsche (. . .) / Mich selber los zu werden, mein Gesicht / Nicht mehr zu kennen, meine arme Hand.» / Ludger Lütkehaus, NZZ
Anna Freud: Gedichte. Prosa. Übersetzungen. Herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Brigitte Spreitzer. Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2014. 363 S., Fr. 40.90
Vicente Huidobro und Jorge Carrera Andrade schreiben über den Eifelturm. Huidobro (1893–1948), ein chilenischer Dichter, erfand seinen eigenen „Kreationismus“. Er war in nahezu jeder avantgardistischen Bewegung dabei, nahm an der irischen Unabhängigkeitsbewegung sowie am spanischen Bürgerkrieg teil, machte aus seinen Gedichten Bilder, war ein Drehbuchautor in Hollywood, ist als Kandidat für die Wahl zum Präsidenten von Chile aufgetreten und hat sich niemals von den Wunden, die er sich im zweiten Weltkrieg als Korrespondent zuzog, erholt. Das Besondere an seinen Texten ist seine Mehrsprachigkeit. Auch dieser Text ist in Französisch, Englisch und Italienisch geschrieben, ist von den Bildern des Künstlers Robert Delaunay inspiriert und während des ersten Weltkrieges entstanden. Andrade (1902–1978), heute weitestgehend in Vergessenheit geraten, war in den 1940er Jahren einer der bekanntesten lateinamerikanischen Dichter in den USA. Er nimmt den Eifelturm auseinander und macht ihn zu einem metaphorischen Baum, der sich in die Stadt integriert hat und von seiner „natürlichen“ Beschaffenheit aus gesehen, auch in die Stadt passt. Er steht für das Zeitalter der Industrie. / Emily Wollenweber, literaturkritik.de
Eliot Weinberger (Hg.): Elsewhere.
Open Letter, Rochester 2013.
97 Seiten, 9,50 EUR.
ISBN-13: 9781934824856
Weitere Vorträge werden sich mit den literarischen und persönlichen Beziehungen zwischen Thomas Bernhard und einigen österreichischen Zeitgenossen beschäftigen. Darunter sind Ingeborg Bachmann, Peter Handke, aber auch Bernhards Förderer Gerhard Fritsch sowie die Lyrikerin Christine Lavant. (…)
Am ersten Abend der Bernhard Tage werden neben Hubert Steppans Vertonungen von Bernhard-Psalmen auch Gedichte Ingeborg Bachmanns und Christine Lavants zu Gehör gebracht. / Metropol news
Sich derzeit über Literaturdebatten zu beschweren, die hauptsächlich nicht die Literatur, sondern nur ihren soziologischen Spielrahmen debattieren, kommt anscheinend ziemlich gut. Weils aber zum Glück auch noch Diskussionen gibt, die an den Kern der Sache wollen, schließ ich mich lieber Alexander Graeffs «Plädoyer für eine surreale Prosa und Lyrik» und der Entgegnung von Tobias Roth an.
(…)
«Realismus ist Quatsch»
Selbst wenns die Oma vom Hans Dampf gesagt hat. So ein Statement braucht keinen «diskursiven Schlägertrupp von verbürgten Kanongrößen», den Graeff und Roth mit dem Giacometti-Zitat loslassen. Auf den verzichte ich, der ist auch Quatsch, weil ich ihn immer aus seinem ursprünglichen Einsatzgebiet abziehen und in der Fremde in Stellung bringen muss. Zum Schluss weiß er vielleicht gar nicht mehr, auf was er einschlagen soll oder ob er überhaupt die richtigen Mittel hat, um gewaltige Argumente zu liefern. Der Arme.
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Offenheit ist Quatsch
Zumindest als Opposition zu Realismus. Alles ist offen, auch der Realismus, solange uns nicht sämtliche Kausalitäten – oder eben auch unumstössliche Fakten – bekannt sind. Eine nicht-offene Literatur wäre diktatorischer Horror für unsere fiktionalen Lesegewohnheiten, die unseren anarchischen oder zumindest subjektiven Vorstellungen Raum geben.
(…)
Experiment ist Quatsch
Sogar der allergrößte. Ein Experiment ist und bleibt eine Methode zur empirischen Beweisführung, die auf einem – vor der Durchführung festgelegten – Design basiert, das selbst die kleinsten beeinflussenden Faktoren ausschaltet und seine Variablen bis ins Kleinste durchdefiniert. Diese Methoden sind für mich nicht vergleichbar – nicht einmal metaphorisch vergleichbar – mit literarischen Methoden und überhaupt: Was sollte die Literatur denn beweisen?
(…)
Avantgarde ist Quatsch
Das ist klar. Wie « vor dem Spiel ist nach dem Spiel » gilt hier auch: Avantgarde ist Aprèsgarde – ein Begriff wie modern oder Moderne, der sich stets selbst überholt.
(…)
Kunstwille ist Quatsch
Und der liegt im Begriff selbst: Kunstwille führt nicht zwangsweise zu Kunst, sondern primär zu etwas, das Kunst sein will.
(…)
Walter Fabian Schmid auf lyrikkritik.de
Mit Williams teilte Stevens auch die Vorliebe für die Momentaufnahme als dichterisches Gestaltungselement: Williams überhöhte den Alltag zu imagistischen Gedichten, Stevens verwob Beschreibung mit Reflexion und schuf kontemplative, regelrecht welt-anschauliche Gedichte, die die Wirklichkeit wie eine Folge von Variationen zeigen. «Dreizehn Anschauungen einer Amsel» («Thirteen Ways of Looking at a Blackbird»), «Augustdinge» («Things of August») oder «Variationen auf einen Sommertag» («Variations on a Summer Day») sind typische Überschriften.
Stevens‘ Lyrik laviert zwischen impressionistischer und expressionistischer Abstraktion; sie schmiegt sich an eine Realität an, die sie nur als Reflex wiedergibt – wirklich ist darin nur «the The», der bestimmte Artikel als Exponent der Benennung. Tatsächlich ist die Sprache dieser Gedichte von einer hochstilisierten, dunklen Einfachheit: keine syntaktischen Experimente und keine Wortspiele, aber komplexe assoziative Verschränkungen. Virtuos zieht Stevens alle Register der englischsprachigen Lyrik und überführt sie in ein modernes Idiom. Und hinter der vordergründigen Sachlichkeit ist seine Lyrik immer auch Metalyrik. / Stefana Sabin, NZZ
Wallace Stevens: Teile einer Welt. Ausgewählte Gedichte. Aus dem amerikanischen Englisch von Rainer G. Schmidt. Jung-und-Jung-Verlag, Salzburg 2014. 632 S., Fr. 57.90.
Kulturpreis des Landkreises Biberach
In diesem Jahr verleiht Landrat Dr. Heiko Schmid erneut den mit bis zu 10.000 Euro dotierten Kulturpreis des Landkreises Biberach an Künstler und Kulturschaffende. Vorschläge dazu können bis zum 14. September im Kreiskultur- und Archivamt Biberach eingereicht werden.
Kunst und Kultur haben im Landkreis Biberach eine lange Tradition, und auch in der Gegenwart werden in diesen Bereichen herausragende Leistungen erbracht. Um dies zu unterstreichen, hat Landrat Dr. Heiko Schmid 2010 den alle zwei Jahre zu vergebenden Kulturpreis des Landkreises Biberach ins Leben gerufen. (…)
Als Preisträger kommen Personen oder Organisationen in Betracht, die herausragende Leistungen in bildender Kunst (Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Film- und Videokunst), Musik (Aufführung oder Komposition), Literatur (Lyrik oder Prosa), darstellender Kunst (Theater, Kleinkunst, Film und Fernsehen) oder in Bezug auf Kulturaustausch und interkulturellen Dialog erbracht haben. Voraussetzung ist zudem ein deutlicher Bezug zum Landkreis Biberach. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro und kann unter mehreren Preisträgern aufgeteilt werden. Ergänzend kann die Jury auch einen Förderpreis verleihen, der mit bis zu 1.000 Euro dotiert ist. / Mehr
Schwelm. Das FrauenKunstForum eröffnet am Freitag, 29. August, um 19 Uhr im Haus Martfeld eine Ausstellung mit Werken von 18 Künstlerinnen. „Zeichen um Zeichen“, so der Titel der Ausstellung, bedeutet nichts weniger als eine hochinteressante künstlerische Artikulation zu Gedichten eines der wichtigsten Lyriker Deutschlands: Ernst Meister (1911-1979). (…)
Das FrauenKunstForum schreibt … „In den vor Jahren in Hagen eingerichteten Erinnerungsräumen zu Ernst Meister fanden wir den Titel und somit das Leitmotiv unseres Projektes auf einem seiner Gedichtbände: Zeichen um Zeichen (erstveröffentlicht 1968). Der Ernst-Meister-Preis findet in absehbarer Zeit wohl keine Fortführung mehr und auch die Erinnerungsräume sind inzwischen verschwunden. So wirkt unser Kunstprojekt vielleicht als Menetekel und warnt vor dem Vergessen dieses bedeutenden Künstlers aus unserer Region.“
/ WAZ.de
Der ivorische Schriftsteller Josué Guébo ist Preisträger des zum zehntenmal vergebenen Tchicaya U Tam’si-Preises der Afrikanischen Poesie, der am vergangenen Sonnabend in der marokkanischen Stadt Assilah, 290 km nördlich von Casablanca, vergeben wurde. Die Preissumme beträgt $ 10.000 US (oder 4,5 Millionen CFA-Francs). Sein Buch «Songe à Lampedusa» (Denk an Lampedusa) wurde von der Jury aus 103 Bewerbungen aus allen Kontinenten (Afrika, Europa, Asien, Amerika) ausgewählt. Der Vorsitzende der Jury, Alioune Badara Bèye, sagte, «Songe à Lampedusa» ist ein aktuelles Werk, ein Schrei der Verzweiflung an die Adresse der Regierungen, aber auch für die Jugend, um nicht zu verzweifeln. „Es ist ein langes Lied, ein lyrischer Schrei in der kollektiven Erinnerung von Afrika“, sagte der Präsident der Jury. „Die Odyssee eines Mythos, von einem begabten Autor gesungen.“ In „Denk an Lampedusa“ beschreibe Josué Guébo die Tragödie von Hunderten von jungen afrikanischen Migranten, die illegal vom Europäischen Eldorado träumen. / E. Massiga FAYE, Le soleil (Senegal)
Der Lyrikerin Rose Ausländer widmet sich das Philosophicum Basel noch bis zum 10. September mit einem vielfältigen Programm. Neben einer Wanderausstellung der Friedensbibliothek Berlin werden in den Räumen an der St.Johanns-Vorstadt Basel auch Vorträge, Dokumentarfilme, Lesungen und Gespräche zu erleben sein.
Rose Ausländer zählt zu den großen deutschen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. 1901 in Czernowitz/Bukowina (heutige Ukraine) geboren, weilte sie von 1921 an mehrere Male für längere Zeit in den USA. Die Jahre 1941 bis 44 verbrachte sie, verfolgt von den Nationalsozialisten, zusammen mit ihrer Mutter im jüdischen Ghetto. 1946 wandert sie nach New York aus, wo sie vorübergehend Gedichte in englisch schreibt. 1965 kommt Ausländer nach Düsseldorf und zieht mit 71 Jahren ins Nelly-Sachs-Haus ein, das Elternheim der jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Sie entwickelt dort eine unglaubliche Schaffenskraft und publiziert viel. / Badische Zeitung
Die Behauptung, ganz Donbass würde die Separatisten unterstützen, ist falsch. Die nördlichen Gebiete des Lugansker Umlandes etwa standen von Anfang an sowohl den selbsternannten Gouverneuren wie der Idee des Referendums skeptisch gegenüber. Heute ist es so, dass es in den Orten, wo es keinen Separatismus gibt, auch keine Bombardements gibt. Ich stamme aus dem Lugansker Umland, wo die Separatisten nichts zu sagen haben, dort leben meine Freunde, meine Verwandten. Natürlich beruhigt mich die Tatsache, dass sie all diese Zeit unter dem Schutz der ukrainischen Nationalgarde leben. Meine Freunde in Donezk und Lugansk dagegen kann nur der Zufall schützen. / Serhij Zhadan, Süddeutsche Zeitung
neu auf http://www.lyrikkritik.de im reversbär:
| Letzte Ausfahrt Prenzlauer Berg |
| kurz bevor man über die Schönhauser Allee nach Pankow kommt, gibt es eine Abzweigung nach links, in Richtung Skandinavisches Viertel. dort, am äußersten Rand, liegt das letzte Haus im Prenzlauer Berg Richtung West. dort wohnt einer der letzten Dichter des Prenzlauer Bergs. als er und seine letzten Freunde des Prenzlauer Bergs des Prenzlauer Bergs Literaturszene retten wollten, mussten sie irgendwann ausweichen in den Wedding, denn es gibt keine Literaturszene Prenzlauer Berg mehr, nur noch Reste und Relikte. dieser neue Ort war unweit des letzten Hauses am Rand, kurz hinter der Schwedter Brücke. man musste nur der Abzweigung der Schönhauser Allee an diesem Randhaus vorbei folgen über die Autobrücke in den Wedding, einmal rechts, einmal links. und doch, so nahe, eine andere Welt. in der wiederum kleine Enklaven wie das Studio 8 vielleicht besser widerspiegeln als Reste und Relikte, was einmal der Prenzlauer Berg war, wenn auch in stark verkleinerter Form. die kurzen Sommer des Prenzlberg-Kults hatten, was die Lyrik angeht, immerhin kookbooks und in der Folge eine ganze Generation von Lyrikern hervorgebracht. mit Monika Rinck und Ann Cotten luden nun zwei ihrer inzwischen prominentesten Repräsentantinnen zu einem Abend, an dem fast alles noch einmal wie früher war, nur eben auch in verkleinerter Form, unter dem unsichtbaren Banner des Abgesangs und verdrängt in den Wedding. wie viele ähnlicher Abende hat man, in wechselnden Konstellationen, nicht verbracht? ob Lemma, Lyrikspartakiade, Rotten-Kinck-Scho, LSD, Chaussee der Enthusiasten, wie hießen nicht all die Literaturabende mit originellen Zutaten gefüllt? und wäre kookbooks überhaupt ohne solche literarischen Zusammenkünfte denkbar? ist der „Gegner“ und die Szene um Bert Papenfuß ohne z.B. den „Torpedokäfer“ oder das „Burger“ denkbar? wäre, um die Frage einmal auszuweiten, der „Prokurist“ und Oswald Egger ohne das Festival Lana und die Zusammenkünfte der Literaten in Wien damals denkbar? das alles sind überflüssige Fragen, die einen aber anwehen, dort im Wedding im Studio 8. hinweg ihr schwankenden Gestalten! zurück zur Abteilung Rotten-Kinck-Schow ohne Scho. das nackte Ganze des Absurden.im Publikum saßen, eingewickelt in Turbane, der Reihe nach: Simone Kornappel, ein „Gast“ (auch so etwas kam vor), die große Unbekannte: der Jüngling, den einige anwesende Männer und Frauen als rätselhaftes Vexierbild auf die große Projektionsfläche des Begehrens aufgezeichnet hatten, sodann die Übersetzerin Theresia Prammer, die Lyrikerin Birgit Kreipe, parlandopark- und ex-lauter-niemand-Adrijana Bohocki, der Sänger Herr Nilsons und Literat Jan Böttcher, Steffen Popp, weiter rechts gegenüber der Herausgeber des Merveverlags Tom mit seinem kleinen runden Jerry von der Volksbühne, wo dieser panische Philosophieabende veranstaltet. eine illustre Runde also. es hatte schon begonnen, man steckte seinen Kopf direkt in den Wust aus genialisch Zerzaustem, einen Wirrknäuel mit japanischen Tuschezeichnungen, Abhandlungen über die Psychologie der sieben Eingeweide und einem überdimensionalen Kopf-Tablett. Monika Rinck bastelte eifrig, Ann arbeitete noch im blauen Prunkturban an Texten über rosafarbene Kleider, Hoftore in Aachen und plötzlich tappen bzw sitzen wir alle im Dunkel einer imaginären Wüste. jemand hat das Licht ausgeschaltet. Gehört das nun dazu, auch diese klassische Frage bleibt nicht aus. dafür das Licht. ich verschwinde kurz in das Cafe nebenan, wo Christian Filips und Rick Reuther sitzen und das Coming-Out-Drama 2.0 besprechen. back to the roots! doch ab hier sind die Aufzeichnungen aus dem Labor des Abwegigen zunehmend unleserlich: überqualifizierte Mädchen (…) fällt ein toter Krund (Hund? Rund? Schrund?) aus Mazedonien ein aus Augen staben? … hier steht noch: sprachlich nicht modifiziert, klar das passt. passt nicht, denn Perlen auflesen ist gefragt! ein Praxisbuch von Gurdjew soll zu inneren Verwüstungen führen. Mechthild von Magdeburg hat einen Auftritt!die Freien niederringen. Simone flüstert: X.X. behaupte, Ann sei Marxistin, ABER DAS DÜRFE ICH AUF KEINEN FALL irgendwo schreiben. das Skandalöse daran ist mir nicht klar, aber ich verschlüssele eilfertig den Vornamensbruder Kyrills in Gottes Namen Amen zu X.X. schließlich singt man zu dumpfen Keyboardrythmen „Gänse, die auf nichts mehr warten wollen, hast du noch meinen Pulli?“Fata Morgana, Luftspiegelung, wo befinde ich mich eigentlich? ist das noch der Prenzlauer Berg, ist das noch die Rotten-Kinck-Scho, ein Lemmaabend, oder schon der Wedding und der Anfang vom Ende, ausgerechnet dort, wo alles anfing (unweit nämlich, in Moabit, saßen Monika und ich einst in Meiers Fleischsalon, unbeschriebene Blättchen, und lasen Fremdes vor)? Welwitschien, so kam es zur Wüste, ruft wie ein Heuraka Ann in die Runde! Ja, wie kam es zur Wüste. Es ist, als könnten wir uns kaum noch erinnern, selbst jetzt, wo noch einmal der große alte Mythos des Prenzlauer Berg, ausrangiert, an uns vorüberzieht wie etwas nie Eingelöstes. dabei hat es ihn gegeben, ich kann es bezeugen! kurzer Zukunfstflash: wenig später schloss das Alt-Berlin und das Soupanova. zum Schluss des Abends noch dies wundervolle Zitat: „der kurze Aufenthalt war blind“ Danke, ihr ward großartig! |
Am 10. September erhält Silke Scheuermann den Hölty-Preis für Lyrik; mit 20.000 Euro die höchstdotierte Auszeichnung für Lyriker im deutschsprachigen Raum. Die 1973 in Karlsruhe geborene und heute in Offenbach am Main lebende Autorin hat sich als Lyrikerin wie als Romanautorin einen Namen gemacht. Nach sieben Jahren ist jetzt ihr neuer Gedichtband „Skizze vom Gras“ erschienen.
Mit Shirin Sojitrawalla hat Silke Scheuermann über ihr Schreiben, die Haltbarkeit von Gedichten und die Liebe zur bildenden Kunst gesprochen.
Das Gespräch mit Silke Scheuermann können Sie in unserem Audio-on-Demand-Bereich mindestens fünf Monate nachhören. / DLF
Silke Scheuermann:
„Skizze vom Gras“. Gedichte. Verlag Schöffling & Co., 97 Seiten, 18,95 Euro
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p style=“padding-left:30px;“>Lyrik – Fünfter Gedichtband von Silke Scheuermann (Deutschlandradio Kultur, Lesart, 13.08.2014)
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