Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Max Herrmann (* 23. Mai 1886 in Neiße, Schlesien; † 8. April 1941 in London) Ich muß die Demut ganz zu Ende denken Ich muß die Demut ganz zu Ende denken Und in Bereitschaft sein zu jeder Scham. Nichts darf die Langmut der Legende… Continue Reading „Demut“
Martin Gumpert (* 13. November 1897 in Berlin; † 18. April 1955 in New York) Kalt Im Mondwasser schwimmen Auf bleicher Schneefläche Die Höhlen erregen Den Glanz aufküssen — Schärfe wälzt sich Zwischen die Lippen Schwarz des Himmels Kahle Zeugung Loht das Licht Der… Continue Reading „Kalt“
Hellmuth Pattenhausen (* 5. September 1896 Dresden, † 6. Februar 1979 Wien) Abendliche Vision Leere die wandelt lange im Tag Schwere Gestalten sinken nach Westen hin in den Abend Aber die Nacht brennt feurig auf Und die Stimmen der Sterne durchwittern das glühende Blau… Continue Reading „Abendliche Vision“
PAUL ZECH DER WALD Reißt mir die Zunge aus: so habe ich noch Hände, zu loben dieses inselhafte Sein. Es wird ganz Ich und geht in mich hinein, als wüchsen ihm aus meiner Stirn die Wände, wo klar die Berge zu den Wolken steigen.… Continue Reading „Der Wald“
Christoph Meckel (* 12. Juni 1935 in Berlin; † 29. Januar 2020 in Freiburg im Breisgau) WIDMUNG AN FRANCISCO GOYA Chimäre Chimäre alternd im Gebüsch hinter den Palästen sitzt sie, raunzt, flickt Stöckelschuhe, laust ihr sprechendes Äffchen krault ihren weißen Kater, ihr blindes Kind… Continue Reading „Chimäre Chimäre“
Man spricht vom „expressionistischen Jahrzehnt“, bequemerweise meist von 1910 bis 1920 (was 11 Jahre sind). Aber wie alle solche Schubläden ist der Begriff zu eng (Sind die in den 20er Jahren „Nachgeborenen“ wie Georg Kulka oder Erich Arendt wirklich nur Epigonen?) und zu weit.… Continue Reading „Spießer-Expressionismus“
René Schickele (* 4. August 1883 in Oberehnheim im Elsass; † 31. Januar 1940 in Vence, Alpes-Maritimes) Vorortballade Um seine Villa beneidet der eine den andern, um das Leuchten des Wannsees, um seine Terrasse mit geflochtenen Stühlen, um das Segelboot „Ramses“. Um seinen Hühnerhof… Continue Reading „Vorortballade“
Ich taste mich an das Hölderlinjahr heran. Eine Kurzode aus dem Jahr 1798. Friedrich Hölderlin (1770-1843) Ehmals und jezt. In jüngern Tagen war ich des Morgens froh, Des Abends weint’ ich; jezt, da ich älter bin, Beginn ich zweifelnd meinen Tag,… Continue Reading „Ehmals und jezt“
2020 ist nicht nur Expressionismusjahr (100 Jahre Menschheitsdämmerung), sondern Hölderlinjahr. Vor 250 Jahren, 1770 wurden geboren: Friedrich Hölderlin, Ludwig van Beethoven, Georg Wilhelm Friedrich Hegel (ein starker Jahrgang), auch sonst noch z.B. Sophie Mereau oder William Wordsworth. L&Poe bringt neben einer großen Expressionismusanthologie eine… Continue Reading „Hölderlinjahr“
John Förste (* 26. Januar 1889 Mainz, † 21. März 1941 Berlin-Buch) Nacht Der Erde Leib erzittert wie ein Tier. Nacht kauert fremd und Einer stöhnt im Schlaf. Rötlich umrändert schwanken der Gestirne Zeichen, Die gelben Tode: Heulender Granaten Heißblaue Zungen, flammend in die… Continue Reading „Vom Schlachtfeld“
Walter Hasenclever (* 8. Juli 1890 in Aachen; † 21. Juni 1940 in Les Milles bei Aix-en-Provence) Die Nacht fällt scherbenlos ins Unbewußte; Erlebnis bröckelt von dir ab wie Kruste, Schon schirrt der Tag mit Faß, Laterne, Karren Einäugige Pferde, die auf Futter harren.… Continue Reading „Die Nacht fällt scherbenlos ins Unbewußte“
In den über 100 Jahren sind etliche dieser Gedichte, die einmal befremdeten, zu Publikumslieblingen avanziert. Unsere Expressionismus-Anthologie 2020 versucht auch weniger Bekanntes zu bringen, aber die Ohrwürmer dürfen nicht ganz fehlen. Die Sammlung begann mit van Hoddis‘ Weltende, das war so einer, aber als… Continue Reading „Was ist das, Expressionismus?“
Ernst Blass (* 17. Oktober 1890 in Berlin; † 23. Januar 1939 in Berlin) Pause Wir nahmen diese farbigen Getränke Des Nachts in einer tanzerfüllten Bar – Geschliffene Gläser, Kniee, Handgelenke, Es ist kein Zweifel, daß das wirklich war. Wir hörten ja auch all… Continue Reading „Pause“
Am 22. Januar 1945, heute vor 75 Jahren, starben zwei Dichter der „Menschheitsdämmerung“:: Alfred Wolfenstein in Paris und Else Lasker-Schüler in Jerusalem. Heute ein Gedicht von Wolfenstein aus der „Symphonie jüngster Dichtung“ 1920. ALFRED WOLFENSTEIN CHOR Faßt eure Finger: Fühlet euch denken, Tupfend wie Geigen,… Continue Reading „Musik in Worten“
Ludwig Meidner Aus: Mondsichelgesang Der Maurer braucht die Backsteine und der Dichter die trillernden Vokale. Auf großen, weißen Zetteln habe ich mir meine Backsteine angehäuft. Das Lexikon lieh mir seine Wortfülle. Nun wühl ich blindlings in den Worten. Ich nehme sie in den Mund… Continue Reading „Mondsichelgesang“
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