Kategorie: Deutsch

Denn Furcht

DENN Furcht beherrscht seit langem eure Tage,
Furcht vor der Wahrheit. Eure Züge
sind fahl von Heuchelei und Lüge.

Joseph Conrad

Das Schiff
aber ist da. Hier steh ich. Ich hab in den Lungen
die unaufhörliche Ferne.
Und sag deinen Namen,
mein Schiff.

Hier im Nichts

Alle Liebesgedichte sind geschrieben,
keine Übertreibung war übertrieben.

Uwe Hübner (1951-2024)

Heimat

Dann ist man angekommen. In jenem herrlichen Terrain. Das auch mit Gosse und Rinnstein benannt wird.

August Stramm 150

(Ich leb und bin ein Toter)
ein Toter lebe ich
Ich war!
und jeder Blick stiehlt mir etwas
Und jedes Wort schüttelt eine neue Schaufel auf mein Grab
Das Herz wandert *verstellt *in *den

Montagsgedicht

Zwei runde Jubiläen heischen heute Aufmerksamkeit: der 150. Geburtstag von August Stramm und der 50. Todestag von Erich Kästner. Weil heute Montag ist, entscheide ich mich für ein Montagsgedicht von Kästner und lasse Stramm bis morgen warten. Im übrigen sind mir die beiden sehr… Continue Reading „Montagsgedicht“

Ein guter Mensch

Ein dunkler Mensch in seinem guten Drange
Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.

Rainer M. Gerhardt (1927-1954)

ich habe die wimper mit grün gefärbt
auch habe ich in den schmelztiegel rot getan
ich will einen pinsel nehmen
und mit diesem die monde auf meinen brüsten malen

Heischesatz

Ach fiele doch ein Schnee, ein Schneien,
ein feines Schlichten über uns herein

Die Vierzeiler vom 24. Juli

Die Nacht
am Abend,
Mond-hell
wie am Tag.

Da ich an mir müd geworden

und aus allen fernen Weiten
(da ich an mir müd geworden)
bringst du Tage, bringst du Jahre –

Lieb ich dieses Wunderbare?
oder deine lichten Haare?

Jedem Vers seine Schwörungstheorie

Kloppo, der echte, wusste reiner.
Messias daher als Lehms Thema. Dann guckt keiner
so genau nach unterm Gewandhaus.

Vonnöten

Mittage wehn, Handwerker kaufen Schnaps,
Systeme blühn und reifen zum Kollaps

21 Gramm

Die Stadt Wien wirst du nicht mehr
abbrennen sehen, Benny, und nicht
den Planeten Venus.
Wie hieß das letzte Mädchen?
War die Maschine gut geölt,
was war im letzten Glas?

Hau jetzt ab samt deiner Nüchternheit!

Trau der Mannschaft deines Seglers zu,
daß sie tüchtig aus der Trunkenheit
aufstehn könnte, jeder einzeln aufstehn,
jeder noch bis übers Kinn besoffen,
aber hingehn und das Seine tun!