Kategorie: Deutsch

Die heilgen drei König

Die heilgen drei König‘ sind kommen allhier,
Es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;
Und wenn zu dreien der vierte wär,
So wär ein heilger drei König mehr.

Dem dunklen Gott

Die heimlichen Hüften einer Hindin
regen süß mein Gebüsch auf.

Blätternackt

Wir sind

für kurze Zeit,
was sie beschreiben,
doch fällt

mit jedem Blättern
die Seite
wie das Kleid,

am späten Abend
abgetragen,
von uns ab,

so dass wir
wieder stehen
blätternackt.

Neujahr ist, und er nennt es Jahrend

Lippe liegt auf Lippe wie Zentner auf Zentner.
Wie soll ich leben als Stummer –

Alles hat er zu sagen und nennt es stumm sein.

Wie mein Großvater mir Deutschland erklärte

Das war die Art, in der die Großmutter schwieg. Und der Großvater war eine Birke.

AHNEN

und es bleibt mir, Dir zu vergeben
Dein irrlichterndes Fehlen
Deinen anmaßenden Appetit
die sture Beschwörung
Dein Allein, zeitlos
das Woanders Gewalt
Dein Recht ohne Recht
Deinen anhaltenden Tod

Glüh mich zur Sünde hin

O in der Sünde festlichem Gewimmel –
Ach, bloß die Laster machen gut und rein.
Ich bin so ungeeignet für den Himmel!
Laß lieber mich ein frommer Heide sein.

Ja, wie sind sie denn?

Wie sanfter Hauch zarten Lebens
Aus der Sternstunde, in der du und ich einander
Zum Manne, zur Frau machten

Angelus Silesius zum 400.

Ich weiß nicht, was ich bin; ich bin nicht, was ich weiß;
Ein Ding und nit ein Ding, ein Stüpfchen und ein Kreis.

Peter Cornelius zum 200.

Bin so ein Stückchen Dichter,
Ein Stückchen Musikant,
Solch hungriges Gelichter
Erfüllt das ganze Land.

23. Dezember und was folgte

Der Tag, vor dem der große Christ
Zur Welt geboren worden ist
War hart und wüst und ohne Vernunft.
Seine Eltern hatten keine Unterkunft
Und auf den Straßen herrschte ein arger Verkehr
Und die Polizei war hinter ihnen her

und dann

und dann denke ich an all das unerledigte
um mir einen plan zu machen
und dann schreibe ich wieder auf
was ich heute unbedingt kaufen muss

Mayröcker 100

die lilies Magnolienfelder, von oben
von irgendwoher ich glaube aus verhülltem Gezweig diese
einzelne Stimme mich durchdringt : mein unsichtbarer
Liebster in dieser Baumkrone ach jubiliert!

Margot Scharpenberg (1924-2020)

Ich treib auf dem Weltkorn im Wasserland

Gedicht & Kirchenfenster

Gedichte sind gemalte Fensterscheiben!
Sieht man vom Markt in die Kirche hinein
Da ist alles dunkel und düster;
Und so sieht’s auch der Herr Philister