Allgemeine Plätze

349 Wörter, 2 Minuten Lesezeit.

Ilse Kilic

Ohne Titel. Auszug.

Anmerkung: Das Gedicht ist zweispaltig gedruckt, Randbemerkungen
und 2 Zeichnungen in der rechten Spalte.
Unter dem Haupttitel „Ohne Titel“ steht ein weiterer Text.

Allgemeine Plätze 

Die Münze ist hart, der Scheck ist weich 
verschenkst du Geld, dann bist du reich 
du nimmst nichts mit aus dieser Welt
die hart und weich zusammenhält
der Tod hat einen harten Tritt
aus dieser Welt nimmst du nichts mit  

Der Sinn des Lebens: unbekannt
er wird auch Fehlfunktion genannt
die Sprache hält das Leben fest 
solange es sich halten lässt.
Und hart gebogen wird das Leben 
als Hauptwort und als Haken eben. 

Das Herz ist weich, die Butter auch
weich ist der Speck rund um den Bauch
hart ist der Kalk im Herzen innen 
zur Kruste will das Blut gerinnen.
Hart ist der Zahn, bevor er bricht 
das Licht ist weich, der Schatten nicht. 

Die Zeit wird Zahn. Wer nagt, der klagt.
Die Zeit wird Kahn. Wer zagt, der klagt.
Die Zeit wird Wahn. Wild ist die Fahrt.
Der Start wird Ziel. Das Ziel wird Start.
Die Zeit wird Topf. Der Tropfen tropft.
Das Loch wird mit der Hand gestopft. 

Bald steht der geht, bald liegt der steht 
es wird das Ich zum Ach gedreht.
Hart ist die Haut, die Knie sind weich 
aus bald wird jetzt, aus dann wird gleich.
Es eilt doch nicht! Ich warte gern.
Es ist noch Zeit. Die Zeit ist fern. 

Die Sprache singt. Die Zeit verstreicht.
Die Sprache zwingt. Der Stein erweicht.
Das harte Wort steht schwarz auf weiß.
Die Suppe bleibt nicht lange heiß.
Das Standbild schlug man aus Granit.
Aus dieser Welt nimmst du nichts mit. 
Ein allgemeiner Platz ist nicht nur ein Erholungsplatz für die so genannte Allgemeinheit, sondern auch ein Denkinhalt, der häufig verwendet wird und daher als bekannt vorausgesetzt werden kann.   









Biegung eines Hauptwortes: Deklination                
















Bald liegt der steht: Davon schreibt auch Fritz Widhalm in seinem Buch: „Ein Stelldichein“.       









Daneben Zeichnung der Freiheitsstatue, Text: Das ist nicht Pocahontas

Aus: Extrakt. forum stadtpark literatur 2010-2012. Hrsg. Max Höfler. Graz: Verlag Forum Stadtpark, 2012, S. 53f

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