Verse um zu überleben

Das Gemetzel in der Türkei und Syrien, schreibt der Guardian, habe zum Aufblühen der Lyrik geführt, an dem Frauen führend beteiligt sind. Er stellt zwei Frauen vor, die zu dieser aufstrebenden Schule neuer Dichtung gehören:  die Kurdin Bejan Matur, die aus dem Südosten der Türkei stammt, und die Syrerin Maram al-Masri.

Beim Studium in Ankara geriet Matur in die Mühlen der Justiz, sie wurde für 12 Monate ins Gefängnis gesteckt. Dort begann sie Gedichte zu schreiben. Während 28 Tagen Einzelhaft in völliger Dunkelheit, wo man nicht einmal die Tage zählen kann (sie meinte, es waren 18, ihr Vater korrigierte sie), begann sie im Kopf Gedichte zu komponieren. Es ging darum, eine Existenz ins Leben zurückzurufen, die „sie“ auslöschen wollten. Ihre Gedichte, sagt sie, „handeln vom Wiederaufbau eines zertrümmerten Daseins“. Sie sprach die Worte im Kopf zu sich selbst. Ihrer mündlichen Tradition entsprechend hatten die Worte Rhythmus, Musik. „Man kann im Gefängnis nicht laut singen, aber die Worte gaben mir in der Dunkelheit das Gleichgewicht zurück. Ich gehörte nicht mehr ihnen.“

Maram al-Masri sagt: „Ich glaube nicht, daß Lyrik eine Waffe ist. Warum sollten Gedichte Waffen sein? Wenn das stimmt, bringen sie uns nur in den Krieg zurück. Lyrik sollte eine Antiwaffe sein, ein Mittel, um Waffen abzuschaffen.“ Der Zusammenbruch ihres Landes zerrt an ihr Tag und Nacht. „Ich bin dort“ (sie lebt in Paris, ihre Familie in Syrien) „und nicht dort. Ich träume vom Krieg.“ / Ed Vulliamy, The Guardian

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