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Veröffentlicht am 17. Oktober 2011 von lyrikzeitung
Das annähernd sechs Meter breite Ölgemälde „Böhmen liegt am Meer“ von 1995 (…) ist seit der Eröffnung des Museums das Entreebild zu Sammlungspräsentationen wie zu monografischen und Themenschauen. Wie des Öfteren bei Kiefer ist der Bildtitel ein Zitat aus einem Gedicht von Ingeborg Bachmann. Die dunklen, rätselhaften Verse, Frucht eines Prag-Aufenthalts der Dichterin, sprechen von Verlust und Finden, von Prüfung, Hoffnung und Gnade. Die Symbolik des ans Meer versetzten Landes erscheint als Chiffre einer sowohl individuellen wie kollektiven, geschichtlichen Utopie: der Rettung aus abgründiger Verlorenheit. „Von Grund auf weiß ich jetzt, und ich bin unverloren.“ Bei Kiefer deutet sich dieser utopische Gehalt in Wagenspuren an, die über ein kriegsversehrtes, aschfarbenes Feld zum Horizont führen. Wie eine Verheißung erhebt sich über der Horizontlinie in weicher Schreibschrift ein Schriftzug mit den vier Worten des Titels. Das Bild liest sich darin als Aufforderung zum Aufbruch. Böhmen liegt nicht dort, wo wir es vermuten. / Hans-Dieter Fronz, Badische Zeitung 17.10.
Kategorie: Österreich, Böhmen, DeutschSchlagworte: Anselm Kiefer, Hans-Dieter Fronz, Ingeborg Bachmann
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Böhmen liegt schon länger als 400 Jahre am Meer: „Bohemia, a desert country near the sea“ (Wintermärchen)
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