19. Buhen und Applaudieren

Konstantin Ames schreibt:

In der Online-ZEIT stehen Sätze über die Perfomance von Mara Genschel und Martin Schüttler im Rahmen des Festivals PROSANOVA.

http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-05/prosanova-hildesheim-junge-literatur

„Manchmal scheitern diese Experimente auch. In dem Stück Play sind Neonröhren und Lautsprecher die Protagonisten, die Stimme der Autorin Mara Genschel ertönt vom Band. Aus verschiedenen Ecken, mal abgehackt, mal leise, dann wieder sehr laut. Es geht um Schlachtvieh und Kannibalen, und irgendwie auch um Medienkonsum („Ich googelte die Schweine!“). Die Zuschauer fühlen sich veräppelt und schleichen nach und nach aus der Halle.“

Ich war da – und fühlte mich nicht veräppelt, sondern provoziert. Und vielleicht ist die Darbietung schon deswegen nicht misslungen, weil es nicht wenigen so ging wie mir. Es ging ein Fünftel der Belegschaft. Früher gab es Saalschlachten nach Poesieakten der Avantgarde. Und selbst in den (mittlerweile) heiligen Hallen des Bürgertums, im Burgtheater, buhen die einen derweil die andern frenetisch applaudieren. Diejenigen, die ich habe gehen sehen, waren U-25-Jährige mit Restalkohol im Blut. Ein bisschen Konzentration muss schon sein, nicht nur Autorennationalmannschaft gucken und im „Schreibschulenkader“ spielen.

Es sollte mehr dieser Plays geben, die weder zum frenetischen Applaudieren noch zum vorzeitigen Gehen animieren.

Und: Kompliment an die Veranstalter von PROSANOVA, die guten Leuten wie Genschel/Schüttler, Erb/Filips und Zeller Gelegenheit zum Auftritt und zur Herausforderung gegeben haben.

Es gibt noch Hoffnung, den vielen Hohlköpfen zum Trotz(i)!

5 Comments on “19. Buhen und Applaudieren

  1. Ich werd nun auch nicht so tun, als würd michs nicht interessieren, liebes U8: Ihr Kommentar reizt speziell in Verbindung mit dem Zeitartikel zum Nachhaken. Würde ich Sie jetzt nicht fragen, was genau Sie uninteressant an dem Stück fanden (Thurm präzisiert ja auch nicht, sondern begründet das „Scheitern“ des „Experiments“ indem sie den Zuschauern ein Gefühl des veräppelt worden seins diagnostiziert – schräg! Immer diese Gefühle..) – würde ich ja genau durch das Verhärten der Fronten („selbstredend total rückständiges Publikum“ vs. „die wilden Avandgardisten, wir“) den Vorwurf befeuern, Martin Schüttler und ich hätten in erster Linie ganz was Verrücktes bauen wollen um möglichst ALLE ihrer rezeptionspraktischen Behäbigkeit zu überführen. Und jetzt sitzen wir im Off und reiben uns kichernd die Hände und freuen uns schon auf wenn wir mal tot sind?
    Es ist doch viel schlimmer: dass das Prinzip Akusmonium, und das war „Play*“, keine „Performance“, sich, noch Jahrzehnte nachdem es einst ein Konzertpublikum verwirrt hat, nicht auf ein Lektüre-/ bzw. Lesungskonzept anwenden und befragen lässt, ohne diesselben Ressentiments hervorzurufen – und auf einen total eindimensionalen Provokationsversuch heruntergebrochen zu werden, der dann auch noch schiefgeht also „scheitert“.
    Daraufhin müssten Sie sich, liebes U8, vielleicht mal befragen: könnte es nicht sein, dass Sie und Ihresgleichen uns insgeheim einen Provokationsversuch unterstellen? Könnte es nicht sein, dass mit jedem Unverständnis gleich die Vermutung einhergeht, jemand wolle einem an das Allereingemachteste, nämlich die echten Gefühle? Und wenn die sich nicht regen, dann hat das Spektakel versagt – und das immerhin muss Kunst doch, selbst und gerade wenn sie „experimentell“ ist leisten, eine tiefe Erregung?
    Und gesetzt, Sie durchdenken all das oder haben es längst und bleiben bei „uninteressant“? Warum posten Sie dieses „uninteressant“? Entspringt das vielleicht nicht doch einem Interesse, nämlich dem, eine Tendenz zu kennzeichnen? Mich ärgert Ihre Knappheit, die behauptet, Argument zu sein.

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  2. warum darf man niemand mehr gegen nichts sein und warum muss man alles abstreicheln? ich war da und es war sicherlich NICHT avantgarde, sondern ästhetisch und auditiv uninteressant. ich bin sehr alt.

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    • Ich habe kein Recht auf Ihre Meinung und auch kein Recht auf die Meinung der ZEIT-Bloggerin …

      Der Eindruck täuscht, dass das gesamte Publikum mit der Darbietung unzufrieden war und ging: Die Formulierung „Die Zuschauer [alle?] fühlen sich veräppelt und schleichen nach und nach aus der Halle.“ insinuiert aber genau das. Das ist entweder absichtliche oder unterlaufene Ungefährprosa.

      Eine solche Darstellung lässt die ausübenden Künstler Mara Genschel und Martin Schüttler wie Einfaltspinsel und Dilettanten aussehen, die sie nicht sind und wird ihrer Leistung nicht im mindesten gerecht.

      Fairness ist etwas sehr anderes als Harmoniesucht und Eiti-eiti-Schreibe, U-8!

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