Beat Poet, Surrealist, Creative Chameleon

VANCOUVER, British Columbia, May 13 — Ted Joans, a Beat Generation poet whose work drew from the African-American oral tradition and blended black consciousness with avant-garde jazz rhythm, was found dead in his apartment here on May 7. He was 74.

Mr. Joans was a contemporary and friend of Jack Kerouac and Allen Ginsberg, but in a career that spanned more than 40 years, he never achieved their level of fame. Yet he was considered an influential figure in American and African-American literature.

When the jazz great Charlie Parker, who was known as Bird, died in 1955, Mr. Joans wrote „Bird Lives“ on many streets in New York. / NYT *) 18.5.03

Links: Ted Joans Lives / Beatmuseum / Ted Joans Page / Michael Haywards Texts & Pretexts / Vancouver Jazz Forum / Foto /

Nachrufe: The Washington Post 12.5.03 / International Herald Tribune 13.5.03 / San Francisco Chronicle 10.5.03 / Los Angeles Times 13.5.03 /

Überschrift auf MSNBC :

Work of creative chameleon prefigured performance art

Legend has it that, when sax great Charlie Parker died in 1955, Ted Joans had gone out that same night and written “Bird Lives!” in chalk on streets and sidewalks all over New York City. In honour of that act, and in celebration of Ted Joans’ life in poetry, we should do no less tonight. So grab a chunk of sidewalk chalk and write “Ted Joans Lives!” everywhere you can… / Michael Hayward´s Texts & Pretexts
Texte: Skip The Byuppie / Jazz must be a woman / My ace of spades / The Sax Bit /

Auszug aus dem letztgenannten Gedicht:

Dieses Gedicht ist
Nur ein Dank-
Gedicht

Diese gebogene Metallschlange
heiliges Horn wie mit Bierkrugdeckeln
mit phallischem Schwanz warum wurdest du erfunden
vor der Geburt von Coleman Hawkins?
Dieser kurvige glänzende Tondarm
Lynchopfer hängend wie´n
J Initial für Jazz
wortlos zungenlos als
Coleman Hawkins es erstmals liebkoste
küßte mit Schwarzem
Sound runzelten COngoblutsaugende Belgier die Stirn?
Dieses Tenor/Alt/Bass/Bariton/Sopran/Stöhn/Schrei- &
Brüllophon! Sex-oh-phon/

(Deutsch von Michael Gratz)

Anfang der 60er Jahre traf Ted Joans in Paris André Breton – eine Begegnung, die ihn nicht weniger veränderte als die mit Malcolm X. In der Anthologie „Das surrealistische Gedicht“ sind einige seiner Gedichte vertreten (deutsch von Richard Anders ).

Gedächtniskirche

Das wahrscheinlich kürzeste Berlingedicht präsentiert Rolf Schneider in seiner Berliner Anthologie (Morgenpost vom 17.5.03):

Ute Erb : Gedächtniskirche

Die Kirche haben sie wieder aufgebaut
und das Gedächtnis zerstört erhalten.

Cosmologia profanata

Für den Gedichtband „Einzug in Cremona“ (2002) erhält Miodrag Pavlovic an diesem Wochenende gemeinsam mit seinem Übersetzer Peter Urban den Preis für Europäische Poesie der Stadt Münster. Der in diesen Tagen auf deutsch erschienene Gedichtzyklus zu den mythologischen Bildern und Erzählungen vom Ursprung ist vor gut zehn Jahren entstanden. Eine „profanierte Kosmologie“ ist er nicht etwa deshalb, weil ihm nichts heilig wäre. Sondern allein wegen seiner radikalen Diesseitigkeit. / SZ 17.5.03

MIODRAG PAVLOVIC: Cosmologia profanata. Serbisch und deutsch. Übersetzt von Peter Urban. Edition Korrespondenzen, Wien 2003. 116 Seiten, 18, 50 Euro.

Stadtjubiläum St. Petersburgs

NZZ befaßt sich am 17.5.03 in mehreren Beiträgen mit dem Stadtjubiläum St. Petersburgs:

«In Petersburg zu leben, heisst: in einem Sarg zu schlafen», schrieb Ossip Mandelstam. Das eigentümliche, fremdartige Wesen Petersburgs brachte nicht nur seine bizarren Bilder hervor, sondern auch die Prophezeiungen seines unvermeidlichen Untergangs. Die Feinde der Reformen Peters des Grossen schickten der Stadt, die seinen Namen trägt, seit alters Verwünschungen. «Von der Zarin Awdotja verflucht / Dostojewskis dämonische Stadt», schrieb Anna Achmatowa über Petersburg. / NZZ 17.5.03

Dazu Gedichte von Georgi Iwanow und Roald Mandelstam .

Der Unwissende

Jaccottet nimmt nahezu unscheinbare Verschiebungen vor, um aus dem Alltäglichen eine eigene Perspektive herauszuschälen und einen erfahrungsgesättigten poetischen Ton für das Bekannte zu finden. „Wie fügt sich die Poesie in das Alltägliche ein?“ fragt er. Und antwortet: „Entweder ist sie ein Schmuck, oder sie müsste im Innern jeder dieser Gesten oder Handlungen sein.“ Die Dichtung erleuchte hin und wieder, für einen Augenblick, das Leben, wie wenn Schnee gefallen sei. Und er weiß sich einig mit dem Mystiker Rumi, der schreibt: „Das Wort ist jener Wind, der Wasser war. Es wird wieder zu Wasser, nachdem es seine Maske abgeworfen hat.“ / FR 17.5.03

Philippe Jaccottet: Der Unwissende. Gedichte und Prosa. Aus dem Französischen von Friedhelm Kemp und anderen Übersetzern. Carl Hanser Verlag, München 2003, 184 Seiten, 17,90 €.

Hier eine CD,

auf der Robert Browning (tatsächlich 1889!), Alfred Tennyson (1890), Gertrude Stein (1935), E.E. Cummings (1950) und viele andere zu hören sind – als Hörprobe eine Aufnahme mit Edith Sitwell .

Besprochen in der FAZ vom 16.5.03

Ich vergehe und werde geboren

Debeljanovs schönstes, zugleich rätselhaftes wie persönliches Werk jedoch bleibt das gleichnishafte Märchenpoem „Legende von der lasterhaften Königin“, dessen einsame Heldin sich nach jenem König verzehrt, der ihr im Traum erschienen war und einen Paradiesgarten voller Liebe verhieß. Die ungestillte Sehnsucht der Königin entfacht unterdessen orgiastische Lüste, welche sie in Verzweiflung stürzen. Doch auf ihren König wird sie ewig warten.

KERSTIN HOLM. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2003, Nr. 112 / Seite 32

Dimco Debeljanov: „Ich vergehe und werde geboren“. Gedichte. Aus dem Bulgarischen übersetzt und herausgegeben von Georgi Bonev. Georgi Bonev, Riedstr. 19/5, A-1140 Wien 2003. 150 S., br., 15,- [Euro].

Reinhold Schneider

In der NZZ vom 13.5.03 schreibt Rüdiger Görner zum 100. Geburtstag von Reinhold Schneider:

Als in der Lyrik alle Formen aufbrachen, beharrte er auf dem Sonett und brachte es in dieser Form zu gelindem Können. Dass es ihm versagt blieb, einige wirklich bedeutende Gedichte zu schreiben, war ihm selbst nur zu schmerzlich bewusst. In seinen Betrachtungen und Essays jedoch gelang ihm Grosses; in seiner erzählenden Prosa nicht minder.

Reinhold Schneider: Der Wahrheit Stimme will ich sein. Essays, Erzählungen, Gedichte. Hrsg. v. Karl-Josef Kuschel und Carsten Peter Thiede. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 2003. 327 S., Fr. 39.50.

Lyriker Heimrad Bäcker gestorben

Der österreichische Lyriker Heimrad Bäcker ist am Abend vor seinem 78. Geburtstag gestorben. Zu seinen wichtigsten Werken gehört der zweibändige Avantgarde-Text „nachschrift“, eine lyrische Auseinandersetzung mit der Sprache des Nationalsozialismus. / dpa 10.5.03

Bäcker wurde 1925 in Wien geboren, wuchs in Oberösterreich auf und lebte in Linz. 1973 gehörte er mit Ernst Jandl zu den Mitbegründern der Grazer Autorenversammlung, die sich als Alternative zum konservativen österreichischen PEN-Club bildete.
Der promovierte Philosoph setzte sich sehr für die Förderung des literarischen Nachwuchses ein. Die von ihm gegründete Zeitschrift neue Texte, die seit 1991 von Max Droschl betreut wird, bietet den Vertretern konkreter Poesie und avantgardistischer Strömungen ein international beachtetes Forum. / News.ch .

Poesie/ Poetryfilm

Tagesspiegel 8.5.03 / Lyrikertreffen Münster 2303

Nachrufe aus der New York Times

RIO DE JANEIRO, May 7 — Waly Salomão , a Brazilian poet, died here on Monday. He was 59. …

Mr. Salomão rose to fame largely through his lyrics to songs associated with the tropicalista movement, which combines influences like American rock ’n‘ roll with traditional Brazilian rhythms. His work can be heard in several songs by Caetano Veloso, one of the movement’s founders, and in recent years he wrote lyrics for a new generation of artists. / NYT *) 8.5.03

Mohammed Dib, an award-winning Algerian novelist and poet who wrote in French, the language in which he had learned to read as a child, died on Friday at his home outside Paris. He was 82. …

Much of his poetry was in short unrhymed lines. / NYT *) 8.5.03

Ebenso: Gerrit Henry, US-Kunstkritiker und Dichter, NYT 12.5.03

Lyrik wieder populär – in U.S.

Staunenswertes über die amerikanische Dichtung und Gesellschaft berichtet der Politiker (und Dichter) Dana Gioia auf einem Treffen der US-Staatsdichter (vgl. L&P 28.4.03):

Amerikas Dichter seien Teil der akademischen Subkultur. Nun aber habe der Zeitgeist sich geändert, die heutige Dichtung sei wieder Teil der Populärkultur: Gedichtbände stünden auf den Bestsellerlisten, eine vitale Bewegung habe das Land ergriffen. Die Zahl der „rituellen Orte für Dichterlesungen“, Schulen, Bibliotheken, Cafés, nehme ständig zu. Und schließlich, im Höhepunkt der Rede, erklärte Gioia: „Der amerikanische Poeta laureatus ist ein Aktivist. Er ist das kollektive Gedächtnis des Volkes.“ Gioia erhielt Standing Ovations. Es muß den Lyrikern gefallen haben, daß der oberste Wächter über die geringen staatlichen Pfründe so positiv über den Stellenwert der Dichtung in der amerikanischen Gesellschaft sprach. Zwar grummelte der eine oder andere Ehrenpoet über die angepaßte Stimmung. Doch unterm Strich war man sich einig: Amerikas Staatsdichter sind keine Rebellen.

/ FAZ 6.5.03

Poesiefreie Welt

It is difficult to imagine a world without movies, plays, novels and music, but a world without poems doesn’t have to be imagined. I find it disturbing that no one I know has cracked open a book of poetry in decades and that I, who once spent countless hours reading contemporary poets like Lowell and Berryman, can no longer even name a living poet. …
I am part of a world that apotheosizes the trendy, and poetry is just about as untrendy as it gets. I want to read books with buzz—in part because I make my living as a ghostwriter of and collaborator on books—and I can’t remember the last book of poetry that created even a dying mosquito’s worth of hum. I am also lazy, and poetry takes work./ Bruce Wexler, Newsweek 5.5.03

Med an schwoazzn Schbaß

Artmanns Lyrik ist überreich an Einfällen, denen sich die Unbekümmertheit der Elster in der Übernahme guter Funde gesellt. Doch er macht auch etwas damit. Die frech-böse Umdichtung der gängigen Kinderlieder legt den geheimen Sadismus und den sexuellen Spaß an der Unschuld bloß, die sie oft genug grundieren. Doch meint er das nicht als Aufklärung, eher als „schwoazzn“ Spaß. Seine Parodien und Travestien, die auch die Naturlyrik, einen besonders hehren Bezirk des deutschen Gedichts, nicht auslassen, suchen immer wieder den Kontakt mit dem Publikum. Seine Vortragskunst lässt viele Gedichte wie eine Partitur erscheinen, erst die Aufführung bringt sie zu sich. / Alexander von Bormann, FR 3.5.03

H. C. Artmann: Sämtliche Gedichte. Unter Mitwirkung und in der Anordnung des Autors hrsg. von Klaus Reichert. Jung und Jung Verlag, Salzburg / Wien 2003, 799 Seiten, 29 €.

H. C. Artmann: Auf Todt & Leben. Eine barocke Blütenlese. Hrsg. von Klaus G. Renner. Manesse Verlag, Zürich 2003, 128 Seiten, 12,90 €.

Gedichte zum Wochenende

Yussuf Abu Loz : Bäume der Einsamkeit/ NZZ 3.5.03 – – – Thomas Rosenlöcher : Echo/ FAZ 3.5.03 – – – Paul Celan: Du liegst im großen Gelausche/ Berliner Morgenpost 3.5.03 (Rolf Schneiders Berliner Anthologie)